Cinemathek: Porträt einer jungen Frau in Flammen

Ein Vorwort

Die Kategorie Cinemathek scheint bei mir ziemlich eingeschlafen. Da sie zeitgleich mit der Sneak Preview läuft, mich nicht alle Filme interessieren und ich nebenbei auch noch im Schichtdienst arbeite, fällt es mir zusehens schwerer die Cinemathek einzubauen. Doch vergangenen Montag hat es wieder geklappt. Warum mich Porträt einer jungen Frau in Flammen faszinieren konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

1770. Die Malerin Marianne (Noémie Merlant) reist auf eine abgelegene Insel. Sie hat den Auftrag bekommen, die jungen Héloïse (Adèle Haenel) zu portraitieren, damit das Portrait ihrem Versprochenen zugesandt werden kann. Dies muss sie jedoch im Geheimen tun, da sich Héloïse weigert sich malen zu lassen. Doch schon bald entsteht eine ganz besondere Verbindung zwischen den beiden Frauen.

Meine Meinung

Eigentlich hatte ich den Film gar nicht auf dem Schirm, da ich französischen Filmen immer noch kritisch gegenüberstehe, vor allem wenn sie sich abseits der größeren Komödien bewegen. Zumal Regisseurin Céline Sciamma sich für das Drehbuch von „Mit Siebzehn“ verantwortlich zeigte, der mir relativ wenig zusagte. In „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ schrieb Sciamma nicht nur das Drehbuch, sondern übernahm auch die Regie. Das sie nun mit ähnlichen Stilmitteln mich absolut mitreißen konnte, liegt vor allem daran, dass diesmal ausdrucksstärkere Darsteller gewählt wurden, die es schaffen den wenigen Dialogen die nötige Bedeutung beizumessen und in den Momenten, in denen sie nichts sagen, allein durch Blicke und kleine Gesten doch so viel zu sagen.
Genau davon lebt Porträt einer jungen Frau in Flammen. Denn die Handlung lässt sich in wenigen Sätzen komplett zusammenfassen. Auch die Dialoge sind sehr reduziert und sagen nur das absolut notwendigste. Dabei sind die beiden schweigsamen Frauen jeder für sich absolut faszinierend. So sind beide mit wenigen Sätzen komplett charakterisiert, bewegen sich aber frei über diese Grenzen ihrer Persönlichkeit hinweg und beweisen immer wieder, dass unter der Fassade so viel mehr brodelt. Für die Rollen sind Merlant und Haenel perfekt gecastet. Ihre Anziehung wirkt absolut echt und sie können in kurz ausgetauschten Blicke so viele Emotionen stecken, dass sie damit mehr sagen, als mit tausend Worten. Dies führt dazu, dass in Szenen, in denen sich die beiden Damen annähern, so viel Erotik steckt, obwohl sie sich nur kurz ansehen oder kurz küssen. Damit kann kaum ein Film mithalten, egal wie viel mehr und wie viel freizügiger sich manche Filme zeigen. Hier wird eine Anziehungskraft entfesselt, die sich unweigerlich auf den Zuschauer überträgt.
Hinzu kommt, dass der Film beinahe gänzlich auf musikalische Untermalung verzichtet. Was zunächst unvorstellbar wirkt, wird durch die Geräusche der Kulissen, sei es das Kratzen des Pinsels beim Malen, das Knistern eines Feuers oder die Wellen, die gegen die Klippen schlagen, wett gemacht. Hier liegt die Faszination in der Schlichtheit der stilistischen Mittel. Auch die Kostüme wurden auf ein Minimum reduziert, ebenso die vorkommenden Charaktere. Ebenfalls wird auf ein großes Szenenbild verzichtet. Stattdessen sind es gerade die einsamen Klippen, die kleine sandige Bucht oder das große, aber einsam wirkende, Haus, die dem Film eine einzigartige Ausgangsbasis geben. Die französische Halbinsel Quiberon an der Bretagne ist damit auch zu einem möglichen Urlaubsziel für mich geworden.

Das Fazit

Porträt einer jungen Frau in Flammen ist ein sehr reduzierter Film, der jedoch in seiner Schlichtheit eine hohe Aussagekraft hat und den Zuschauer durchgehend an die Leinwand fesselt, was vor allem an den beiden sehr guten Hauptdarstellerinnen liegt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Porträt einer jungen Frau in Flammen lief ursprünglich ab dem 31.10.2019 in den deutschen Kinos.

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