Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 11

Die letzte Ausgabe aus dieser Kategorie ist schon wieder relativ lange her. Aber ich habe tatsächlich auch wenig Kinofilme nachgeholt und stattdessen mehr Originals oder andere Filme gesehen. Dennoch habe ich wieder ein paar zusammengesammelt und kann sie euch nun voller Stolz in Form einer Handvoll Kurzkritiken präsentieren.

Onward – keine halben Sachen

Die Handlung: In einer Welt voller Fantasywesen wird die Magie immer schwächer. An Ians  Geburtstag bekommt er jedoch zusammen mit seinem Bruder Barley den Zauberstab des verstorbenen Vaters geschenkt. Mit dem sollen sie ihren Vater für 24 Stunden zurück ins Leben holen können. Doch der Zauber misslingt und ihr Vater ist nur zur Hälfte wieder da Zusammen müssen sich die zwei sehr unterschiedlichen Brüder auf eine abenteuerliche Reise begeben.

Meine Meinung: Pixar schafft es ja meist einzigartige Charaktere zu erschaffen, mit tollen Handlungen und vielen durchdachten Einzelheiten. Als der Trailer zu Onward herauskam war ich mir bereits klar, dass ich für diesen Film nicht die Zielgruppe war. Dabei fand ich das grundlegende Thema durchaus spannend. Im Prinzip verfolgt das Abenteuer der zwei Brüder nämlich die grundlegende Idee von Pen and Paper Rollenspielen, wie Dungeons and Dragons. Gepaart mit einer fantastischen Welt und allerlei Fabelwesen war das eigentlich total mein Thema. Aber Pixar versucht das diesmal einfach zu gewollt witzig zu machen. Allerhand Slapstick mit dem halben Dad ist vorprogrammiert und auch einige Fabelwesen, die sie treffen, sind zu gewollt ins Lächerliche gezogen. Das konnte mich nicht abholen. Gerade gegen Ende versuchen sie dann doch noch etwas an Tiefe zu gewinnen, aber da war ich schon zu weit von den Charakteren entfernt. Das liegt wohl vor allem daran, dass mich Barley als Charakter unfassbar genervt hat. Mit Ian hatte ich fast Mitleid, aus ihm hätte man noch einiges machen können. Auch die spannenden Elemente konnten mich diesmal nicht mitreißen. Schade.

Stuber – 5 Sterne Undercover

Die Handlung: Vic Manning (Dave Bautista) bekommt eine Augenoperation und kann daher einen Tag lang ganz schlecht sehen. Genau an diesem Tag bekommt er einen entscheidenden Hinweis zur Ergreifung eines Kriminellen, der seine frühere Partnerin auf dem Gewissen hat. Da er kein Auto fahren kann, ruft er sich ein Uber. Stu (Kumail Nanjiani) versucht eigentlich nur noch die letzte Fahrt des Tages über die Bühne zu bringen, als ausgerechnet Vic in sein Uber steigt. Und schon ist Stu mittendrin in einer wilden Verfolgungsjagd.

Meine Meinung: Eigentlich hatte der Film Potential genau für mich gemacht zu sein. Buddykomödie mit Crimelementen, klang super und auch das sehr ungleiche Team aus Dave Bautista und Kumail Nanjiani klang vielversprechend. Leider wurde aus der Vorlage nicht allzuviel gemacht. Die Witze werden zu lange ausgekostet, die Handlung ist sehr platt, Tiefe habe ich ja nicht erwartet, aber eine kleine Abweichung des üblichen Schemas wäre schon nett gewesen. Stattdessen wurde sich darauf verlegt die immer gleiche Action abzuspielen, die Charaktere von A nach B zu rennen und den Film mit Wiederholungen zu strecken. Dass der Film trotzdem nur auf 93 Minuten kommt, sagt viel über das vorhandene Material aus. Aber am problematischsten ist, dass die meisten Witze einfach nicht funktionieren, beziehungsweise einmal funktionieren und dann immer und immer wieder ausgespielt werden. Da hilft es auch nicht, dass Bautista und Najiani grundsätzlich eine gute Dynamik hatten, auch wenn ihre Charaktere schon sehr stereotypisch auf Gegenteile aufgebaut wurden.

Booksmart

Die Handlung: Die Freundinnen Molly und Amy haben ihre gesamte Highschoolzeit brav nur gelernt, um jetzt an ihren Traumunis angenommen zu sein. Bis sie herausfinden, dass auch ihre Mitschüler an den Elite-Unis angenommen wurden. Sie beschließen in der letzten Nacht der High School alle Partys nachzuholen. Eine turbulente Nacht beginnt.

Meine Meinung: Olivia Wilde als Schauspielerin kennt man, nun hat sie sich auf den Regiestuhl begeben. Und hat mit Molly und Amy zwei Charaktere geschaffen, die am Anfang sehr nahbar waren. Dann geht die Partysuche los und auch da hatte der Film einige gute Einfälle. Er baut running gags auf, die auch durchgehend funktionieren und so für eine grundsätzlich heitere Stimmung sorgen. Doch das Problem mit dem Film ist, dass er nicht über seine Länge von 102 Minuten funktioniert. Er verliert sich irgendwann in der Handlung, so dass diese einfach nicht vorwärts kommt. Auch wird gerade Molly immer unsympathischer und die Chemie zwischen den beiden Charakteren gerät immer mehr ins Wanken. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo der Film selbst nicht mehr weiß, was er eigentlich erzählen will und es nur noch versucht mit einem möglichst großen Knall zu Ende zu bringen. Das ist sehr schade, denn bis dahin war der Film durchaus unterhaltsam. Er hätte vielleicht die ein oder andere Zwischenstation überspringen sollen und sich lieber auf ein runderes Ende konzentrieren sollen. Und sich vielleicht noch ein bisschen besser auf die Charaktere eingehen sollen.

Drei Schritte zu dir

Die Handlung: Stella und Will leiden beide an Mukoviszidose, jedoch an unterschiedlichen Typen, so dass die Bakterien des jeweils anderen den anderen umbringen könnten. Dennoch freunden sie sich an. Durch einen Queue halten sie den Abstand zusammen ein. Denn näher als drei Schritte könnte den Tod des Anderen bedeuten..

Meine Meinung: Drei Schritte zu dir vereint mehrere Genres in einem. Es befasst sich mit den Themen Krankheit, Tod und Trauerbewältigung. Dabei ist die stetige Kulisse das Krankenhaus. Dazu schleichen sich dann noch die Themen Freundschaft und natürlich auch Liebe. Denn an sich ist der Film ein Liebesfilm mit einer etwas anderen Kulisse. Das funktioniert auf einer gewissen Ebene ganz gut, ist das Drama zwar vorprogrammiert, aber eben völlig anders als in den herkömmlichen Liebesdramen. Und sie könnten thematisch wesentlich tiefer gehen. Diesen Schritt wagt der Film jedoch nicht, hat er so schon alle Hände voll zu tun alle Themen irgendwo um die Liebesgeschichte zu bauen. Man sollte sich also darauf einstellen, dass die Liebesgeschichte zu jeder Zeit im Vordergrund steht. Charakterlich ist es vor allem Stella, die den Film mit ihrer Herzlichkeit und all ihren Ecken und Kanten bereichert. Man lacht mit ihr, man weint mit ihr. Will hingegen bleibt etwas blass. Er ist halt der geheimnisvolle, sarkastische, hoffnungslose Loveinterest. Letztlich erzählt der Film die Geschichte, die er erzählen will und er macht das gut. Aber es ist kein Film, der großartig im Gedächtnis bleibt oder durch wahnsinnige Tiefe überzeugt.

One cut of the dead

Die Handlung: Auf einem abgeschiedenem Gelände versucht ein Regisseur einen Zombiefilm zu drehen. Doch er kauft seiner Darstellerin ihre Performance nicht ab. In der daraufhin ausgerufenen Drehpause tauchen jedoch auf einmal wirklich Zombies auf.

Meine Meinung: Ich hasse Zombies, ich hasse Zombiefilme, ich feier diesen Film so unfassbar. Denn er schafft es dem Genre noch einmal etwas neues zu verpassen. Grundsätzlich sollte man über diesen Film nicht allzuviel wissen. Es ist lediglich gut zu wissen, dass man die erste halbe Stunde des Films überstehen muss, danach wird er nämlich wirklich gut. Und das ist wirklich gut zu wissen, denn sonst könnte man während dieser ersten halben Stunde ernsthaft auf die Idee kommen den Film abzuschalten. Danach wird es ein Spaß für alle, auch für jemanden wie mich, die absolut nichts mit Zombiefilme anfangen kann. Und mehr möchte ich tatsächlich nicht dazu schreiben, denn sonst verrate ich doch noch zu viel 😉

 

Rückblick auf den November 2020

Auch der November ist vorbei, der erste Schnee ist – leider – gefallen und so langsam geht es auf Weihnachten zu. Meine Jahresrückblicke sind in vollem Gang und doch wollen wir kurz innehalten und auch noch einmal auf den November zurückschauen. 

Filme – auf der großen Leinwand gesehen

Seit dem 02.11.2020 sind die Kinos wieder geschlossen, doch am 01.11. habe ich es doch noch einmal ins Kino geschafft. Mal schauen, wie lange die Kategorie in den nächsten Rückblicken wieder ruht…

Hexen hexen: Hexen hassen Kinder. Das muss der Protagonist des Films am eigenen Leib erfahren. Zusammen mit seiner Grandma versucht er dem Fluch einer Hexe zu entkommen. Dabei geraten sie mitten in die Jahrestagung eines Zirkels. – Hexen hexen vereint Kinderfilm, Drama, Komödie und leichte Horrorelemente und wirbelt sie geschickt zu einem Film zusammen, scheitert aber an der Definition der Zielgruppe. Trotz guter Witze und spannender Handlung fehlt dem Film der letzte Funken, um wirklich gut zu sein. 

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Erneut gesehen habe ich: One cut of the dead (noch immer eine tolle Horrorkomödie), The Grinch (die animierte Version von 2019, ich finde sie noch immer witzig, und der Filme passte gut zum Plätzchen backen) und Hamilton (erneut dreimal gesehen und meine beste Freundin und ich singen den jetzt immer mit verteilten Rollen mit… Der Film wird also noch ganz oft hier auftauchen)

Mara und der Feuerbringer: Buchverfilmung von Tommy Krappweis. Mara ist eine Spakona, also eine Seherin. Als sie Visionen vom nordischen Gott Loki bekommt, sucht sie sich an der Uni Hilfe. – Sehr akkurate Buchverfilmung, auch wenn das Buch grundsätzlich ein bisschen besser funktioniert hat. Aber ein paar gute Castingentscheidungen bringen einen guten Charme in den Film und vor allem die Landschaftsaufnahmen sind sehr schön. 

Felix Lobrecht – Hype: Felix Lobrecht präsentiert sein neues Programm Hype. Innerhalb einer Stunde erzählt er diverse Anekdoten und wie ihn sein Erfolg (nicht) verändert hat. – Felix Lobrecht in altbekannter Manier, die Witze ziehen mal mehr mal weniger gut. Einzig die begrenzte Zeit auf eine Stunde ist etwas schade. 

Ready or not: In der Familie Le Dumas ist es Tradition am Abend einer Hochzeit eines Familienmitglieds sich zu treffen und das neue Familienmitglied mit einem Spiel zu begrüßen. Doch diesmal wurde die Karte ‚Verstecken‘ gezogen, was keine gute Karte ist, wie die Braut rausfindet. – Eine Horrorkomödie mit neuem Ansatz. Spannend, witzig und mit einigen neuen Ideen.

Der geheime Club der zweitgeborenen Royals: Sam ist eine Prinzessin, allerdings die zweitgeborene. Nach einigen Fehltritten wird sie von ihrer Mutter in die Sommerschule geschickt. Doch die stellt sich als ein geheimes Camp heraus, in dem zweitgeborene Royals entdecken, dass sie Superkräfte haben. Dies dürfen sie auch schnell unter Beweis stellen, denn ein gefährlicher Häftling ist ausgebrochen. – Gute Idee, maue Umsetzung, vorhersehbare Handlung und platte Charaktere. Hier hätte man mehr draus machen können.

Descendants 3: Auradon, das Land der Disney Helden und deren Nachkommen, begrüßen vier neue Kinder von der Schurkeninsel. Doch beim Abholen versucht auch Hardes durch die Barriere zu kommen. Nach dem Vorfall gibt es erneut Diskussionen, ob Kindern von Schurken eine Chance in Auradon bekommen sollten. – Konsequenter dritter Teil, der sich an Erzählung und Aufbau der Vorgängerfilme hält. Musikalisch kann er noch einmal etwas mehr auftrumpfen. 

Hinter der blauen Tür: Lukasz kommt nach einem Unfall zu seiner Tante in eine baufällige Pension. Doch hinter seiner Zimmertür findet er eine ganz andere Welt. Dort trifft er auf den Schneider. Das dieser nicht nur gutes im Schilde führt, muss Lukasz schon bald am eigenen Leib erfahren. – Verfilmung eines polnisches Kinderbuchklassikers. Gerade die Parallelwelt ist auch wunderschön gestaltet. Aber irgendwie erzählt der Film zu wenig. Man erfährt fast nichts über den Schneider und dessen Welt. Auch die Auflösung am Ende enttäuscht irgendwie.

Bad Samaritan: Sean hält sich zusammen mit seinem Kumpel Derek mit Einbrüchen über Wasser. Bei Cale sieht alles absolut verlockend aus. Auch wird Sean im Haus mit einer neuen Kreditkarte fündig. Doch leider findet er auch eine gefesselte Frau vor, die ihn verzweifelt um Hilfe anfleht. Was soll er jetzt tun, immerhin begeht er gerade selbst eine Straftat. – Guter Cast, spannende Handlung, erschreckender Antagonist. Nur am Ende dreht der Film von gut durchdacht, zu plattem Slapstick.

Onward – keine halbe Sachen: Die Brüder Ian und Barley könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch als sie durch einen Zauberspruch die Möglichkeit bekommen ihren verstorbenen Vater für 24 Stunden noch einmal zum Leben zu erwecken, müssen sie zusammen arbeiten und auf ein Abenteuer gehen. – Ein Pixarfilm, der noch einmal eine ganz neue Richtung einschlägt und sich irgendwo zwischen Dungeons and Dragons und Videospielen befindet. Dabei bleibt der Film aber glanzlos, mit normalen Charakteren, vorhersehbarer Handlung und eben kein Pixarzauber.

Die bunte Seite des Mondes: Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die 14-jährige Fei Fei nicht damit klar, dass ihr Vater sich eine neue Frau sucht. Also beschließt sie zusammen mit ihrem Kaninchen zum Mond zu reisen, wo der Legende nach die Mondgöttin Chang’e leben soll, die sich nach ihrer ersten großen Liebe verzehrt. – Der Film wandelt sich von gut und tiefgehend, zu platten bunten Popsongs, zu schönem Abschluss. Kann in der Gesamtheit nur bedingt überzeugen.

Der Babysitter: Cole ist 12, seine Eltern besorgen aber immer noch einen Babysitter für ihn. Das findet er aber in Ordnung, denn Bee ist cool und sexy. Doch eines Abends trinkt er nicht seinen Schlummertrunk und bekommt mit, dass Bee Freunde einlädt und sie eine schwarze Messe feiern. Leider bekommen sie mit, dass Cole wach ist und machen Jagd auf ihn. – Eine weitere Horrorkomödie, allerdings mit viel Klischee und Slapstick. Ich bin an den Ton des Films nicht rangekommen.

Decorating Disney: Holiday Magic: Praktisch über Nacht verwandeln sich die Disneylands aller Länder in ein Winterwunderland. Selbst das Haunted House wird im Gewand von The Nightmare before Christmas geschmückt. Dieses Special bietet einen Einblick hinter die Magie und besucht verschiedene Abteilungen und ihre Vorbereitungen. – Das Special ist aktuell vielleicht etwas zynisch, nachdem Disney einfach Massenentlassungen in den Parks vorgenommen hat, aber grundsätzlich ist es ein spannender Einblick und stimmt gut ein in die Weihnachtszeit.

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

The Mentalist – Staffel 3 (Auch in der dritten Staffel noch spannend und Patrick Janes Art funktioniert)

Austin & Ally – Staffel 1 (Quirlige Disneyserie, aber mit tollen Charakteren und guten running gags)

Das Damengambit – Miniserie (Schach war nie so spannend!)

Community – Staffel 6 (Irgendwo war es gut, dass nach der 6. Staffel Schluss war, weil die wenigsten Folgen noch wirklich gezogen haben, aber irgendwie ist es doch traurig)

Balthazar – Staffel 1 (Spannende französische Krimiserie, für alle Fans des „Mordfalls der Woche)

Dash & Lily – Staffel 1 (Zuckersüße, spannende und doch dramatische Weihnachtsserie, mit absolut genialem Soundtrack)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 7
Seiten gesamt: 2.847
Seiten pro Tag: 95 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 2
Taschenbuch: 5

Zwei Leben in einer Nacht: Sam und Casper kennen sich nicht. Doch in dieser Nacht treffen sie aufeinander. Denn sie haben beide einer Online-Challenge zugestimmt. Das Ziel: Gemeinsamer Selbstmord. Doch zuvor stehen fünf Aufgaben bevor, die sie auf diesen Schritt vorbereiten sollen. – Spannend, tiefgründig, nimmt das schwierige Thema sehr ernst und geht sehr nah. Bitte Pflichtlektüre in den Schulen.

Percy Jackson 2 – Im Bann des Zyklopen: Percy startet ins zweite Abenteuer, nachdem er von seinem Freund Groover träumte, der in Gefahr zu schweben scheint. Doch auf dem Weg muss er sich wieder allerhand Gefahren und Ungeheuern stellen. – Würdiger zweiter Teil der Reihe. Eine spannende Einführung in die griechische Mythologie.

Meine dunkle Vanessa: Vanessas ehemaligen Lehrer wird beschuldigt, Minderjährige sexuell belästigt zu haben. Vanessa hat mit Strane ihre ganz eigene Geschichte, aber die war doch etwas ganz anderes, oder? Vanessa muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander setzen, und sich dabei fragen, ist sie als Teenager vergewaltigt worden? – Ein weiteres Buch mit schwierigem Thema. Auch hier wurde respektvoll damit umgegangen und die Thematik noch einmal von einem ganz anderen Blickwinkel beleuchtet. Leider fällt die Aufarbeitung Vanessas ein bisschen dünn aus.

Ohne Schuld: Xenia Paget ist sich sicher, dass sie ermordet werden soll. Und tatsächlich wird kurz darauf auf sie geschossen. Die Ereignisse werden aber noch rätselhafter als ein paar Tage später eine andere Frau mit dem Fahrrad über einen gespannten Draht fährt und sich lebensbedrohlich verletzt. Das erstaunliche ist, dass an beiden Orten Schüsse aus der gleichen Waffe abgefeuert wurde. Wo ist der rote Faden? Wie gehören beide Frauen zusammen? – Ein neuer Krimi von Charlotte Link, der im Vergleich zu den Vorgängern erstaunlich gut funktioniert. – [Werbung|Rezensionsexemplar]

All das ungesagte zwischen uns: Nach einem Unfall müssen sich Morgan und ihre Tochter Clara zusammenraffen, merken aber, dass sie viel Ungesagtes zwischen sich haben. Gleichzeitig muss Morgan sich ihrer Vergangenheit stellen. – Wieder ein ernsteres Werk von Colleen Hoover, aber dennoch wieder gut. Kommt zwar nicht an ihre früheren Werke ran, aber der erwachsenere Ton steht ihren Bücher dennoch gut.

The Secret Book Club: Gavins Ehe ist am Ende, denn seine Frau Thea will die Scheidung. Doch dann sammeln ihn seine Freunde ein und erzählen ihm von ihrem Buchclub. Dort lesen sie bewusst Liebesromane, um Tipps zu finden und Frauen besser zu verstehen. – Eine tolle Idee und eine tolle Umsetzung. Kein verträumtes Liebesgedusel, sondern ehrliche Überlegungen, was wir aus Liebesromanen lernen können und wie Beziehungen wirklich funktionieren. Absolute Empfehlung!

Dewey & Ich: Kennt ihr Dewey, den Bibliothekskater aus Spencer, Iowa? Ich auch nicht. Aber Dewey hat nicht nur das Leben der Angestellten und Bewohner Spencers verändert, sondern es auch zur allgemeinen Berühmtheit geschafft, seit er in der Buchrückgabeklappe der Bibliothek von Spencer halb erfroren gefunden wurde. – Grundsätzlich süße Geschichte und tolle Anekdoten, aber leider auch künstlich aufgebläht, um ein ganzes Buch draus machen zu können.

Wie war euer Novembe? Wie immer die Frage: Habt ihr Film/Serien/Buchempfehlungen für mich?

 

Mein Jahresrückblick 2020 – #1 – Kinofilme

Wie schreibt man als passionierter Kinogänger im Jahr 2020 eine Einleitung zum Jahresrückblick ohne in Tränen auszubrechen. Es war für uns alle ein sehr schweres Jahr. Die Kinos waren monatelang geschlossen, beinahe alle großen Filmstarts wurden auf das nächste Jahr verschoben oder auf den gängigen Streamingdiensten veröffentlicht. Mein Ziel war es – okay ist es eigentlich jedes Jahr – die 100 Kinobesuche im Jahr zu schaffen. Im Februar war ich da noch guter Dinge, ab März hätte ich nicht einmal gedacht, dass es doch noch so viele werden.
Achso, für alle, die zum ersten Mal bei meinen Jahresrückblicken dabei sind, noch eine kurze Erklärung. Mein Jahr geht von Dezember bis November, damit ich im Dezember bereits die Rückblicke schreiben und veröffentlichen kann, ohne die Filme im Dezember zu vernachlässigen.

Zur Statistik:

41 gesehene Kinofilme in 2020 (2018 waren es 77). Das ist für die aktuelle Situation doch gut.

Davon
… 2 Anime Specials
… 1 in der Cinemathek
… 7 in der Sneak
… 31 regulär

I. Cinemathek

1 Film habe ich in der Cinemathek gesehen. Das Format gibt es aber auch seit der ersten Kinoschließung im März nicht mehr in meinem Kino – logischerweise ohne Ranking

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Malerin Marianne reist auf eine einsame Insel, um Eloise zu malen, die davon aber nichts mitkriegen darf. Dabei knüpfen die beiden Frauen ein ganz besonderes Band – Ein Film voller schöner Bilder, interessanter Charaktere, ruhiger Erzählart und eine versprühende Erotik, die gerade durch die Subtilität funktioniert.

II. Anime Special

2 Filme aus dem Bereich Anime Special habe ich dieses Jahr geschafft zu sehen – ohne Ranking

Weathering with you

Der Nachfolger des wunderbaren Your Name. befasst sich mit einer nicht enden wollenden Regenzeit in Tokyo und einem Mädchen, das durch Gebet die Sonne für kurze Zeit hervorlocken kann – Ein schöner Coming-of-age Film mit fantastischen Elementen. Kommt nicht an den Vorgänger heran, erzählt aber trotzdem seine Geschichte.

The Dragon Dentist

Nonoko gehört zu den Zahnärzten eines großen Drachens, der kilometer lang ist, ganze Schlachtschiffe transportieren kann und im aktuellen Krieg entscheiden sein kann. Eines Tages taucht der Soldat Bell aus einem der Zähne auf. Er gehört eigentlich der Gegenseite an und ist gestorben. Sein Auftauchen aus dem Zahn ist ein Omen für großes Unheil. – Eine sehr interessante Idee, die spannend und voller schöner Bilder umgesetzt wurde. Auch für Nicht-Anime-Fans durchaus sehenswert.

III. Neulich in der Sneak 

7 Filme gab es dieses Jahr in der Sneak zu sehen. Auch dieses Format gibt es bei mir im heimischen Kino seit März nicht mehr. Ich hoffe sehr, dass es irgendwann wieder eingeführt wird, vor allem weil diesmal eine tolle Auswahl dabei war – im Ranking

Platz 7: 7500

Wer Flugangst hat, sollte diesen Film wohl besser meiden. Denn er zeigt ein zu realistisches Szenario einer Flugzeugentführung. Über den Realitätsfaktor hinaus schafft er es aber nicht, den Zuschauer an die Leinwand zu fesseln und scheitert an seinem beengten Raum.

Platz 6: Bombshell

Die wahre Geschichte über den Missbrauchsskandal bei FOX News gegen den früheren Senderleiter Roger Ailes. Stark gespielt, versinkt aber in Zeitsprüngen und zu vielen Nebencharakteren, das man der eigentlich wichtigen Handlung nicht richtig folgen kann.

Platz 5: 21 Bridges

Manhatten verbindet 21 Brücken mit dem Festland. Nach einem gescheiterten Drogendeal und mehreren toten Polizisten, wird die Insel abgeriegelt. Leider nutzt der Film seine Möglichkeiten nicht und erzählt einen Thriller nach Schema F. Damit kommt er aber aus der Mittelmäßigkeit nicht hinaus.

Platz 4: 3 Engel für Charlie

3 Engel für Charlie hat wirklich gute Grundideen, leider scheitert der Film daran, dass er wieder mit einer Origin-Story beginnt und die Charaktere einige Zeit brauchen, um sich aneinander zu gewöhnen. Sobald der Film jedoch seinen Rhythmus gefunden hat, schafft er es ein geniales Finale hinzulegen.

Platz 3: Peanut Butter Falcon

Ein Junge mit Downsyndrom möchte unbedingt Wrestler werden und flieht deswegen aus dem Heim. Unterwegs trifft er auf einen Mann, der ebenfalls auf der Flucht ist. Zusammen tretten sie eine ungewöhnliche Reise an. – Ein unscheinbarer Film mit viel Herz und ohne große Moralkeule.

Platz 2: 1917

Mitten im ersten Weltkrieg werden zwei Soldaten losgeschickt, um den Befehl eines abgesagten Angriffes zu überbringen. Dafür riskieren sie ihr eigenes Leben. Der Film brilliert vor allem durch die Kameraeinstellungen, die den Zuschauer immer mitten im Geschehen vermuten lässt. Darüber hinaus ist er sehr realitätsnah und undramatisch gehalten.

Platz 1: The Gentleman

Drogenbaron Mickey Pearson will sein Imperium verkaufen. Das sorgt für allerlei Trubel. Heraussticht die besondere Erzählart, die dem Film einen ganz eigenen Rhythmus gibt. Sobald man sich an den gewöhnt hat, entfaltet der Film einen Sog, den er bis zum Ende durchhält.

IV. Kinofilme 

31 Filme habe ich 2020 regulär im Kino gesehen. Zur besseren Übersicht unterteile ich diese Kategorie noch einmal in Enttäuschungen (0-4 Punkte), das solide Mittelfeld (5-7 Punkte) und die Highlights (8-10 Punkte) – im Ranking:

Die Enttäuschungen

Platz 31: Nightlife

Milo und Renzo wollen ihre eigene Bar eröffnen. Doch während Renzo sich in Schwierigkeiten bringt, um an Geld zu kommen, versucht Milo ein Date unter außergewöhnlichen Umständen hinzubekommen. Leider eine Komödie, die eher durch plumpe Witze und Klischees versucht vorwärts zu kommen. Bis auf wenige Momente funktioniert das Konzept nicht.

Platz 30: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Robert Downey Jr. beerbt Eddie Murphy als Arzt, der mit den Tieren sprechen kann. Als Grundidee sehr schön, leider mutiert der Film schnell zu einem 08/15 Abenteuerfilm, der somit von Anfang bis Ende vorhersehbar ist. Aufgebaute Vorlagen und running gags werden nicht genutzt und so bleibt der Film leider weit hinter seinen Möglichkeiten.

Platz 29: Edison – Ein Leben voller Licht

Ein Film über den Stromkrieg in den 1880er Jahren zwischen Edison im Team Gleichstrom und Westinghouse im Team Wechselstrom. Leider erklärt der Film sehr wenig und lässt den Zuschauer eher im Dunkeln.

Platz 28: Cats

Während viele nach dem Trailer bereits ausgestiegen sind, konnte mich Cats dort durchaus noch begeistern. Das es keine wirklich existente Handlung gibt, wusste ich vorher und die Optik störte mich wenig beim Sehen, auch wenn man beim vorhanden Budget darüber nur den Kopf schütteln kann. Leider konnten mich die Arrangements von einigen Liedern nicht wirklich überzeugen und so gab es nur noch wenig Highlights im Film, auch wenn ich ihn eher im Bereich Mittelmaß als Superflop einordnen würde.

Platz 27: Into the Beat

Ein Tanzfilm aus Deutschland, der wohl an alte Hollywood-Erfolge aus dem Genre anknüpfen wollte, auch einige schöne Tanzchoreographien abliefern konnte, sich aber letztlich zu sehr in Klischees verloren hat. 

Das solide Mittelfeld

Platz 26: Lindenberg: Mach dein Ding

Udo Lindenberg ist inzwischen erfolgreicher deutschsprachiger Künstler, aber wie fing das eigentlich alles an? Biopic mit sehr sprunghafter Erzählweise. Wer aber gerne mehr über den Herrn erfahren möchte und kein Problem mit massenweise Zeitsprüngen hat, sollte hier einmal einen Blick wagen.

Platz 25: Hello Again

Täglich grüßt das Murmeltier als deutsche Komödie. Zazie versucht die Hochzeit ihres ehemals besten Freundes aufzuhalten, ruiniert sie stattdessen aber einfach nur. Und wacht einfach am gleichen Tag wieder auf. Doch was muss sie tun, um die Zeitschleife zu durchbrechen? – Deutsche Komödie, die die Gags leider zu lange ausspielt, weswegen sie weniger wirken, nette Handlung, konnte leider nicht wirklich überzeugen.

Platz 24: Jumanji 2

Erneut geht es für die vier Freunde in das Videospiel Jumanji. Nur das durch einen technischen Defekt auch Spencers Großvater und dessen Freund in das Spiel gezogen werden. Leider schafft es die Fortsetzung nicht, an das Neuentdecken und die guten Einfälle des ersten Teils anzuknüpfen. Stattdessen bringen sie einfach die gleichen Gags immer und immer wieder, was schnell ermüdend wirkt. Schade, denn ein paar Einfälle gab es durchaus noch.

Platz 23: Es ist zu deinem Besten

Deutschland und seine Komödien. Diesmal darf die Altherrenriege sich um ihre Töchter sorgen. Denn die haben nicht gerade den Männergeschmack, den sich die Väter erhoffen. Also beschließen die Väter nachzuhelfen. – Deutlich besserer Humor als nach dem Trailer zu vermuten war, aber dennoch verpasst der Film es mehr zu sein als nur die übliche deutsche Komödie oder gar Tiefgang zu haben.

Platz 22: X-Men: New Mutants

Der finale Film der Reihe weicht deutlich vom üblichen Schema ab. Wir treffen auf eine Gruppe junger Mutanten in einem Krankenhaus, aus dem sie nicht abhauen können. Dort sollen sie lernen ihre Kräfte unter Kontrolle zu halten. Doch als sich die Albträume der Insassen inkarnieren, müssen sie alle über sich hinauswachsen. – Erfrischend anders, kein üblicher Superheldenfilm, aber leider trotzdem nicht fertig durchdacht. Man merkt viel verschenktes Potential, sobald der Film vom Coming of Age Flair abweicht.

Platz 21: Tesla

Die indirekte Fortsetzung zu Edison schafft es den ‚Vorgängerfilm‘ in einer groben Zusammenfassung aufzugreifen und die benötigten Erklärungen zu liefern. Mit wenig Budget versucht der Film einen verschlossenen Charakter greifbarer zu machen und setzt hier viele künstlerische Tricks ein. Letztlich driftet aber auch Tesla immer weiter vom Zuschauer weg.

Platz 20: Der Spion von Nebenan

Ein strafversetzter CIA-Agent soll eine Familie beschützen. Doch die geheime Operation wird schnell von der kleinen Sophie aufgedeckt, die mit ihrer taffen Art schnell alles auf den Kopf stellt. – Charmante Agentenkomödie, die leider nicht Neues wagt.

Platz 19: Sonic – the Hedgehog 

Die Videospielreihe bekommt ihre Verfilmung. Dabei wird eine einfache Origin Story erzählt, die für Fans der Spiele durchaus funktionieren kann, für alle andere aber wenig Neues bietet.

Platz 18: Ruf der Wildnis

Der Weg eines Hundes nach Alaska. Dort hat er mit immer neuen Herausforderungen zu kämpfen. Auch wenn viele den CGI Hund kritisieren, findet man gerade durch die übertriebene Mimik des Hundes eine Verbindung und verliert sich schnell in den eisigen Kälten Alaskas.

Platz 17: Hexen hexen

Hexen hassen Kinder. Das muss der Protagonist des Films am eigenen Leib erfahren. Zusammen mit seiner Grandma versucht er dem Fluch einer Hexe zu entkommen. Dabei geraten sie mitten in die Jahrestagung eines Zirkels. – Hexen hexen vereint Kinderfilm, Drama, Komödie und leichte Horrorelemente und wirbelt sie geschickt zu einem Film zusammen, scheitert aber an der Definition der Zielgruppe. Trotz guter Witze und spannender Handlung fehlt dem Film der letzte Funken, um wirklich gut zu sein. 

Platz 16: Enkel für Anfänger

Drei Renter stehen an einem Punkt, an dem sie etwas im Leben ändern wollen. So legen sie sich – teilweise nicht ganz freiwillig – Patenenkel zu. Da ist das Chaos vorprogrammiert. Eine gutes Drama, das sich hinter einer nicht funktionierenden Komödie verbirgt. Aber genau dann, wenn der Film ruhiger wird und hinter die Masken schaut, zeigt er seine große Stärke.

Platz 15: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Caroline Link inszeniert hier das autobriografisch angehauchte Buch von Judith Kerr. Sie erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie, die nach der Wahl 1933 aus Deutschland fliehen muss, jedoch aus der Sicht der 10-jährigen Tochter Anna. Dabei kommt ein sehr ruhiger und unaufgeregter Film heraus, der dennoch in einigen Szenen ergreifend ist und hoffentlich zum Nachdenken anregt.

Platz 14: Birds of Prey

Harley Quinn hat sich vom Joker getrennt. Dadurch wird sie zu Freiwild. Sie stimmt zu einen Auftrag des Mafiabosses Sionis anzunehmen. Dabei trifft sie auf noch mehr Frauen, die nach Emanzipation suchen. Der Film hat zwei Schwerpunkte, die beide zu kurz kommen. Dies macht er aber mit einer großen Portion Spaß und Frauenpower wett und schafft es trotz Stolpersteine zu funktionieren. Garniert wird das mit dem besten Finale seit Endgame.

Platz 13: Der Fall Richard Jewell

Bei den olympischen Spielen von 1996 kommt es zu einem Bombenattentat. Der Sicherheitsmann Richard Jewell findet diese und kann schlimmeres verhindern. Nachdem er kurz als Held gefeiert wird, gerät er ins Kreuzfeuer von FBI und den Medien. – Stark inszeniertes Drama über die Macht von FBI und Medien, bleibt aber an seinem Protagonisten und erzählt, wie es ihm damit erging.

Platz 12: Vergiftete Wahrheit

Anwalt Robert Bilott stolpert in einen Skandal, der unsere Gesundheit betrifft. Der Streit soll 19 Jahre dauern. – Der Film umschifft die üblichen Stolpersteine eines investigativen Films und erzählt die Geschichte verständlich und spannend.

Platz 11: Suicide Tourist

Max hat einen Gehirntumor und möchte in Würde abtreten. Dies führt ihn ins Hotel Aurora, wo aktive Sterbehilfe angeboten wird. – Tiefgehendes Drama mit unpassendem Ende.

Platz 10: Parasite

Eine arme Familie erschleicht sich nach und nach Jobs bei einer reichen Familie.  Parasite ist ein Film, der verschiedene Genres vermischt und doch eine deutliche Systemkritik spüren lässt. Stellenweise sehr extrem inszeniert, kommt er mit einer starken ersten Hälfte und einer überraschenden zweiten Hälfte daher.

Platz 9: Jim Knopf und die Wilde 13

Die Fortsetzung und zweite Buchverfilmung der Reihe. Auch diesmal begleiten wir wieder Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer auf neuen Abenteuern. Denn Lummerland braucht einen Leuchtturm. Auch kommen sie der Wilden 13 auf die Spur. – Der Film hat aus dem Vorgänger gelernt, kleinere Stolpersteine werden umschifft und die Geschichte mit einer sehr schönen Optik umgesetzt.

Platz 8: Der geheime Garten

Mary Lennox entstammt einer britischen Familie, die in Indien lebt. Nach dem Tod der Eltern reist sie zu ihrem Onkel auf ein alten britisches Anwesen. Sie kann sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen, bis sie den Schlüssel zu einem geheimen Garten findet. – Handlungstechnisch viel neu interpretiert zur Buchvorlage, dadurch aber eine schöne Geschichte mit traumhafter Kulisse geschaffen.

Die Highlights

Platz 7: Marie Curie

Die Filmographie über die bekannte Physikerin und Chemikerin Marie Curie erzählt ihre Erfolge, aber auch die Fehlschläge. – Brilliant gespielt, viel Stoff, ohne zu überfüllt zu wirken.

Platz 6: Tenet

Christopher Nolan hat es endlich geschafft seinen lang ersehnten Film in die Kinos zu bringen. In seiner üblichen Manier wurde es wieder ein ‚Mindfuck-Zeitexperiment‘. Handwerklich wird hier so ziemlich alles richtig gemacht, lediglich erzählerisch gibt es kleine Abstriche, da Nolan sich hier zu viel vorgenommen hat und seinen Film ab einem gewissen Punkt selbst nicht mehr erklären konnte.

Platz 5: Rettet den Zoo

Ein Assistent einer großen Anwaltskanzlei soll einen bankrotten Zoo ohne Tiere retten, damit er eine Festanstellung bekommt. Mit den verbliebenen Angestellten, schmiedet er den Plan in lebensechte Kostüme zu schlüpfen. Eine schöne Komödie aus Südkorea mit einer guten Portion Drama und einer guten Portion Komödie.

Platz 4: Jojo Rabbit

Jojo ist in der Hitlerjugend zur Zeit des zweiten Weltkriegs und hat Adolf Hitler als imaginären besten Freund. Doch als er feststellt, dass seine Mutter eine Jüdin versteckt, stellt das sein Weltbild auf den Kopf. Ein Film, der einen auf zwei Weisen zum Weinen bringt. Durch die Komik und Satire und durch die dramatische Geschichte.

Platz 3: Star Wars – Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers

 J.J. Abrahms bekam das Ruder zurück und durfte nun seinerseits alle Änderungen von Rian Johnson zunichte machen, nachdem dieser sich mit Episode 8 an die Grundfesten von Episode 7 zu schaffen gemacht hat. Letztendlich ist ein Film herausgekommen, den ich mochte, allerdings auch nur, weil er mit dem Vormaterial nicht mehr viele Möglichkeiten hatte, um noch zu einem runden Ende zu kommen.

Platz 2: Knives Out

Der erfolgreiche Krimiautor Harlan Thrombey wird tot aufgefunden. Die Familie findet sich zur Testamentseröffnung ein. Detektiv Benoit Blanc nutzt die Chance, um den vermeintlichen Selbstmord näher zu untersuchen. Ein Film nach feinster Agatha Christie Manie mit interessanten Charaktern, allen voran Daniel Craigs Blanc, und einer spannenden Handlung, der den Balanceakt zwischen alteingessesenem Genre und neuartiger Erzählweise geschickt meistert.

Platz 1: Little Women

Jo March wächst mit ihren drei Schwestern in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon früh ist es ihr größter Wunsch Schriftstellerin zu werden. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts ist es für Frauen schwierig Geld zu verdienen. Dennoch versucht Jo gegen die strengen Konventionen zu rebellieren. Little Woman ist trotz reduzierter Inszenierung ein Film, der tief ins Herz geht. Durch liebevolle Charaktere und ein Schwesterband, das unerschütterlich scheint, braucht es kaum Drama, um einen einfach nur schönen Film zu inszenieren.

Was waren eure Highlights? Welchen Film sollte ich unbedingt nachholen, der nicht in dieser Liste auftaucht?

Anime Special: The Dragon Dentist

Ein Vorwort

Die Anime Specials im Kino werden gefühlt von Jahr zu Jahr mehr. Während es aber auch immer mehr Filme zu Serien sind, ist für mich die Auswahl nicht unbedingt größer geworden. Ab und an lohn sich aber doch ein Blick ins Programm, denn manchmal werde auch ich noch überrascht. So fand ich den Titel The Dragon Dentist so witzig, dass ich mir einfach mal den Trailer angesehen habe. Und sagen wir mal, er hat mich nicht völlig abgeschreckt, was bei Animes für mich schon viel aussagt. Da mein Pärchenpartner sowieso für Animes zu begeistern ist, stand also mal wieder ein Kinobesuch an – also zu Zeiten, wo das noch möglich war. Warum mir der Film in seiner Gänze gut gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

In einem großen Krieg zweier Nationen wird ein großer und kilometerlanger Drache als Waffe eingesetzt. Da er kriegsentscheidend sein kann, versucht die eine Seite ihn irgendwie zu besiegen, während die andere sich um ihn kümmert. So leben im Drachen seine Zahnärzte, da die Zähne seine größte Schwäche sind. Nonoko ist eine noch junge Zahnärztin. Nach einer Schlacht findet sie den jungen Bell in einem Zahn, der ein Soldat der Gegenseite war.

Meine Meinung

Ich mag Drachen. Ich bin fasziniert von ihren vielen verschiedenen Darstellungen und den Charakterzügen, die man ihnen nachsagt und mit denen man dann doch bricht. In The Dragon Dentist bekommen wir es noch einmal mit einer ganz anderen Sorte Drache zu tun. Die Grundzüge der hier genutzten Drachenmythologie werden dem Zuschauer auch zunächst im Schnelldurchlauf durch einige markante Szenen verdeutlicht. Seine Eignung für den Krieg, das Mysterium seiner Zähne und seiner Zahnärzte. Wir lernen Nonoko kennen und mit ihr den Alltag eines Drachenzahnarztes. Kurz darauf darf dann auch schon Bell auf der Bildfläche erscheinen. Durch sein Eintreffen wird der Film zunächst vorangetrieben, weil nun mehrere Details zum Kriegsgeschehen folgen. Kurz darauf scheint der Film aber wieder in sein  gemächliches Tempo zurückgefunden zu haben. So meint man schon, dass der Film gar nicht so viel zu sagen habe, aber dann geht es Schlag auf Schlag.
Besonders faszinierend an der Geschichte ist, dass sie zwar linear erzählt wird, aber durch viel Symbolik im Mund des Drachen so viel mehr erzählt wird, als nur die Geschichte von Nonoko und Bell. Hier könnte man wahrscheinlich ganze Abhandlungen darüber verfassen, wofür bestimmte Erreger an den Zähnen stehen und wie sie das Kriegsgeschehen widerspiegeln. Hinzu kommt eine wunderbare Optik, die an keiner Stelle ins zu übertriebene abdriftet, was bei Animes gerne mal passiert.
Das große Finale mag an ein paar Stellen zu übertrieben wirken, bzw. wird die ‚Moral von der Geschicht‘‘ ein bisschen zu sehr mit der Holzhammermethode rübergebracht. Hier wären die sanfteren Metaphern von davor, wesentlich angebrachter gewesen. Denn grundsätzlich ist es ein Finale, das sich sehen lassen kann. Es ist spannend, mitreißend und man fiebert verzweifelt mit den Charakteren mit.
Was dem Film letztlich fehlt ist eine finale Diskussion. Zwar wird der Krieg symbolisch an mehreren Stellen kritisiert. Die Charaktere werden aber ein wenig zu sehr im Schubladendenken gezeigt. Die ‚bösen‘ von der anderen Seite und natürlich die ‚guten‘ auf der Seite des Drachen. Das der Drache ebenfalls Werkzeug im Krieg ist, wird ein wenig außen vorgelassen. Über die Hintergründe des Krieges und welches Ziel er verfolgt, bleibt auch unklar. Natürlich ist das für den Film auch nicht weiter von Bedeutung, aber gerade dann ist die Einordnung in ‚Wir und die Anderen‘ ein wenig zu einfach.
Dafür das der Film auf einem Kurzfilm basierte, bot die Idee genug Raum um die Laufzeit von 90 Minuten spannend zu füllen. Selbst der ruhigere Einstieg ist durch seine Faszination der neuen Welt, nie langatmig oder gar langweilig.

Das Fazit

The Dragon Dentist überzeugt durch eine wunderbare Optik, eine spannende Geschichte, eine interessante Idee und teilweise sympathischen Charakteren. Während gerade zu Anfang viel über Symbolik vermittelt wurde, bleibt die Enddiskussion ein wenig liegen, was zwar schade ist, dem Film aber im Sehvergnügen nicht schadet.

The Dragon Dentist lief am 27.10.2020 in den deutschen Kinos

Hexen hexen

Ein Vorwort

Die Kinos sind wieder geschlossen. Ein harter Schlag für alle Filme, die gerade erst im Kino anliefen, ganz zu schweigen von den Kinos selbst. Ich habe es dennoch geschafft einen der kurz vorher angelaufenen Filme zu sehen. Mit Hexen hexen hat sich Robert Zemeckis einem Kinderbuchklassiker von Roald Dahl angenommen, vielleicht einigen bekannt durch seine Bücher Charlie und die Schokoladenfabrik oder Matilda. Bereits 1990 gab es eine Verfilmung des Buches. Ich kannte weder das Buch noch die Version von 1990 und bin daher ganz unvoreingenommen an den Film herangegangen. Wie er mir gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Protagonist, dessen Name nicht genannt wird, (Jahzir Bruno) wird nach einem Unfall zur Waise und lebt fortan bei seiner Grandma (Octavia Spencer). Dort kommt er zum ersten Mal mit einer Hexe in Berührung. Seine Grandma hat bereits schlechte Erfahrungen mit Hexen gemacht und weiß, dass sie Kinder hassen. Um ihren Enkel zu beschützen reisen sie in ein großes Hotel, doch leider findet genau dort ein Hexen treffen statt. Die Oberhexe (Anne Hathaway) hat den Plan alle Kinder durch vergiftete Schokolade in Mäuse zu verwandeln. Nun stehen nur noch der Protagonist und seine Grandma dazwischen. Das Abenteuer beginnt.

Meine Meinung

Ein Hexenzirkel, der Kinder hasst und daher in Mäuse verwandeln will? Das klang ganz nach einem Film nach meinem Geschmack. Während die Verfilmung von 1990 in all den Jahren irgendwo an mir vorbeigegangen sein musste, zog mich der Trailer zum Remake direkt an. Auf dem Regiestuhl nahm Robert Zemeckis Platz, was für mich meistens ein gutes Zeichen ist.
Der Film beginnt mit dem fast schon typischen Autounfall, oder zumindest einem häufigen Motiv in Kinderfilmen, der unseren Protagonisten zur Waise werden lässt. Der Protagonist hat übrigens im Film keinen Namen, was aus dem Buch übernommen worden sein soll. Seine Grandma ist irgendwo zwischen liebevoller Oma, aber auch strenger Erziehungsperson einzuordnen. Es folgt eine kurze Einführung zu den Hexen, ehe es auch schon ins Hotel geht. Dort nimmt die Handlung schnell Fahrt auf und wechselt zwischen mal mehr und mal weniger spannenden Szenen. Generell hat der Film aber ein gutes Grundtempo und schafft es gekonnt die Elemente des Kinderfilms, einer Komödie, eines Dramas und stellenweise auch eines Horrorfilms zu verbinden. Dabei dürften gerade die Hexen in Hexengestalt für Kinder etwas gruselig wirken, darüber hinaus hält sich der Horrorteil aber auf einem guten Niveau bzw. sind diese Elemente einfach dem Kinderfilm angepasst. Zwischendurch wird der Film immer durch komödiantische Elemente aufgelockert, bleibt aber dennoch spannend.
Die Hexen selbst sind noch einmal so ein Thema für sich. Während sie in „Menschengestalt“ unglaublich gut aussehen und doch irgendwo etwas erschreckendes an sich haben, sind sie in „Hexengestalt“ irgendwo zwischen ein bisschen zu billigen Effekten und zu viel CGI einzuordnen. Scheint sich Zemeckis zwar an der Buchvorlage orientiert zu haben, sind beispielsweise die Hände, die als Klauen beschrieben werden, einfach nur Hände mit sehr langen Fingern, von denen zwei fehlen. Das wirkt schon ein bisschen billig, denn Klauen stelle ich mir schon etwas anders vor. Andererseits sieht man gerade der Gestalt von Anne Hathaway an, dass viel CGI eingesetzt wurde, um beispielsweise die Mäuler zu animieren. Das wäre grundsätzlich in Ordnung, wenn man es nicht so deutlich sehen würde.
Schauspielerisch muss man dann die sehr engagierte Anne Hathaway jedoch wieder loben, die zwar stellenweise an der Grenze zum overacting kratzte, aber dadurch ihre Rolle nur umso engagierter und überzeugender rüberbrachte. Auch Octavia Spencer spielt ihre Rolle gut. Lediglich bei Jungdarsteller Jahzir Bruno ist das ganze etwas schwieriger. Er steckt irgendwo zwischen nur ein Gesichtsausdruck und Teilnahmslosigkeit fest, was seiner Rolle am Anfang noch gerecht wurde – immerhin ist er da gerade zur Waise geworden und steckte im Schock fest – aber auch bei spannenderen Szenen schafft er es nicht mehr Emotionen zu zeigen.
Letztlich ist Hexen hexen durchaus ein guter Film, der sich aber mit der Zielgruppe etwas schwer tut. Während einige Elemente für Kinder zu gruselig sein könnten, sind andere für die Erwachsenen vielleicht etwas zu kindlich gehalten. Auch fehlt einfach der entscheidende Funken, um den Film irgendwo magisch zu machen. So ist es ein Film, den man gut einmal sehen kann, es sich aber zweimal überlegt, ob man ihn nochmal sehen möchte.

Das Fazit

Hexen hexen vereint Kinderfilm, Drama, Komödie und leichte Horrorelemente und wirbelt sie geschickt zu einem Film zusammen, scheitert aber an der Definition der Zielgruppe. Trotz guter Witze und spannender Handlung fehlt dem Film der letzte Funken, um wirklich gut zu sein. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Hexen hexen lief seit dem 29.10.2020 in den deutschen Kinos und ist bei Sky zum Abruf verfügbar.

Der geheime Garten

Ein Vorwort

Neben der deutschen Produktion „Jim Knopf und die Wilde 13“ lief nun auch eine britische Kinderbuchverfilmung in den Kinos an. Pünktlich zum Kinostart hatte ich dann auch die Buchvorlage noch einmal gelesen, konnte ich mich doch an die Geschichte, die ich aus meiner Kindheit kannte, nicht mehr so richtig erinnern. Warum mir der Film gefiel und ein paar Anmerkungen zum Buch, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Mary Lennox (Dixie Egerichs) entstammt einer britischen Familie, die in Indien lebt. Nach dem Tod der Eltern reist sie zu ihrem Onkel (Colin Firth) auf ein altes britisches Anwesen. Sie kann sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen, bis sie den Schlüssel zu einem geheimen Garten findet.

Meine Meinung

Der geheime Garten versprach bereits im Trailer ein magisches Abenteuer zu werden. Und genau das hält der Film auch ein. Während man dem Anwesen ansieht, dass es mal bessere Tage hatte, erkennt man doch im Detail die Schönheit. Und sobald es an den Garten geht, der sich den Gefühlen und Hoffnungen der Kinder anpasst, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wie Mary möchte man am liebsten von links nach rechts rennen und alles erkunden. Auch der Kontrast zum heißen Indien und verregnetem Großbritannien wird wunderbar in Szene gesetzt. Ein Moor war wohl noch nie so reizvoll wie hier. 
Die Handlung wird relativ linear erzählt mit kleineren Rückblenden auf Marys Kindheit in Indien. Neben Marys Erkundungen im Haus und im Garten, verfolgt man noch das Geheimnis der zwei Schwestern, das Stück für Stück aufgelöst wird und so den Film stets spannend hält. Grundsätzlich gibt es gar nicht so viel Handlung, aber die wird in gesunden Portionen präsentiert, so dass es immer wieder neue Aspekte zu entdecken gibt. 
Mit Dixie Egerichs wurde eine gute Jungdarstellerin gefunden, die den Wandeln Marys von verwöhnter Göre zu lebensfrohem Mädchen wunderbar widerspiegelt. Auch die beiden Jungen an ihrer Seite Amir Wilson und Edan Hayhurst schlüpfen spielerisch in ihre Rollen und bringen einen die Charaktere näher. Sie müssen sich auf keinen Fall hinter den gestandenen Schauspielern Colin Firth und Julie Walters verstecken. 

Ein paar Worte zum Buch

Bei Buchverfilmungen ist es bekanntlich immer schwer den schmalen Grad zwischen spannenden eigenständigen Film und für Buchfans akkurat genug die Handlung zu entwickeln. Bei Der geheime Garten ist klar zu sagen, dass sich der Film eher dafür entschied sich nur an der groben Handlung und den Charakteren zu orientieren und ansonsten viel umzudichten, hinzuzufügen oder wegzulassen. Und auch wenn es im ersten Moment seltsam erscheint, ist doch klar die Filmfassung die magischere. Denn das Buch ist sehr nüchtern erzählt und die Magie findet nur in den Köpfen der Kinder statt. Auch ist der Garten eher klein und unspektakulär. Sich hiervon zu distanzieren und etwas einfach magisches zu schaffen, war schon eine gute Entscheidung. Die Geschichte mit den zwei Schwestern oder das große Ereignis am Ende einzufügen, war zwar schon ganz schön abweichend vom Buch, aber dadurch wird der Film wesentlich eigenständiger und bietet auch für Buchfans einiges Neues.

Das Fazit

Trotz oder gerade wegen des eher losen Bezugs zum Buch schafft es Der Geheime Garten eine durch und durch magische, schöne und spannende Geschichte zu erzählen. Mit vielen Geheimnissen zu erkunden und tollen Schauspielern wird das eher nüchterne Buch viel lebhafter. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der geheime Garten läuft seit dem 15.10.2020 in den deutschen Kinos

Rückblick auf den Oktober 2020

Willkommen mitten in der zweiten Coronawelle. Erneut mit Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Kinos. Und weil einem die aktuellen Themen nur traurig/wütend machen können, blicken ich lieber noch einmal auf den Oktober zurück, in dem ich mich noch an den geöffneten Kinos erfreuen konnte. 

Anime Special

The Dragon Dentist: Nonoko gehört zu den Zahnärzten eines großen Drachens, der kilometer lang ist, ganze Schlachtschiffe transportieren kann und im aktuellen Krieg entscheiden sein kann. Eines Tages taucht der Soldat Bell aus einem der Zähne auf. Er gehört eigentlich der Gegenseite an und ist gestorben. Sein Auftauchen aus dem Zahn ist ein Omen für großes Unheil. – Eine sehr interessante Idee, die spannend und voller schöner Bilder umgesetzt wurde. Auch für Nicht-Anime-Fans durchaus sehenswert.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Jim Knopf und die Wilde 13: Die Fortsetzung und zweite Buchverfilmung der Reihe. Auch diesmal begleiten wir wieder Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer auf neuen Abenteuern. Denn Lummerland braucht einen Leuchtturm. Auch kommen sie der Wilden 13 auf die Spur. – Der Film hat aus dem Vorgänger gelernt, kleinere Stolpersteine werden umschifft und die Geschichte mit einer sehr schönen Optik umgesetzt.

Es ist zu deinem Besten: Deutschland und seine Komödien. Diesmal darf die Altherrenriege sich um ihre Töchter sorgen. Denn die haben nicht gerade den Männergeschmack, den sich die Väter erhoffen. Also beschließen die Väter nachzuhelfen. – Deutlich besserer Humor als nach dem Trailer zu vermuten war, aber dennoch verpasst der Film es mehr zu sein als nur die übliche deutsche Komödie oder gar Tiefgang zu haben.

Vergiftete Wahrheit: Anwalt Robert Bilott stolpert in einen Skandal, der unsere Gesundheit betrifft. Der Streit soll 19 Jahre dauern. – Der Film umschifft die üblichen Stolpersteine eines investigativen Films und erzählt die Geschichte verständlich und spannend.

Der geheime Garten: Mary Lennox (Dixie Egerichs) entstammt einer britischen Familie, die in Indien lebt. Nach dem Tod der Eltern reist sie zu ihrem Onkel auf ein alten britisches Anwesen. Sie kann sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen, bis sie den Schlüssel zu einem geheimen Garten findet. – Handlungstechnisch viel neu interpretiert zur Buchvorlage, dadurch aber eine schöne Geschichte mit traumhafter Kulisse geschaffen.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Im Oktober lief erneut Hamilton (ich liebe dieses Musical) bei mir. Für meine Monsterwochen liefen Bram Stokers Dracula, Mary Shelleys Frankenstein, und die drei Draculaverfilmungen mit Christopher Lee (Dracula, Draculas Rückkehr und Das Blut von Dracula) bei mir im Heimkino.

Enola Holmes: Die jüngere Schwester des Meisterdetektivs stolpert nach dem Verschwinden ihrer Mutter in eigene Ermittlungen. – Spannende Geschichte, tolle Protagonistin, schöne Optik und interessante Rätsel.

Der blaue Engel: Professor Rath will eigentlich nur dafür sorgen, dass seine Schüler nichts unflätiges im Variete Der Blaue Engel tun. Dabei verfällt er selbst der Tingeltangelsängerin Lola Lola (Marlene Dietrich). – Ein weiterer Klassiker, den die ARD im Rahmen der dritten Staffel von Babylon Berlin zeigte. Der zweite deutsche Tonfilm brachte den Durchbruch für Marlene Dietrich, auch wenn die Geschichte aus heutiger Zeit vielleicht etwas chaotisch wirken mag. 

M – eine Stadt sucht einen Mörder: In Berlin verschwinden Kinder und werden ermordet wieder aufgefunden. Angst geht um in der Stadt. Als es eine Spur gibt, tut sich ein Mob zusammen. – Der dritte Klassiker, den ich von der ARD Aktion sehen konnte. Eine spannende Kriminalgeschichte über Selbstjustiz.

The undefeated presents: Hamilton in-depth: Ein zweites Special über Hamilton mit Interviews der Darsteller und des Regisseurs. – Wie schon das Special „History has its eyes on you“ bringt das Special tiefere Einblicke in die Hintergründe. Diesmal erzählen die Darsteller unter anderem wie es bei ihren Castings ablief.

Stuber: Ein Cop wird an den Augen operiert und kann daher nur verschwommen sehen. Genau an dem Tag bekommt er den Hinweis, dass ein Drogenboss einen großen Coup plant. Da er mit dem Drogenboss noch etwas persönliches zu klären hat, holt er sich ein Uber, das ihn zur Übergabe fahren soll. – Eine Buddykomödie mit etwas schräger Prämisse. So richtig wollen die Witze auch nicht zünden, aber zumindest wurde nicht an Actionmaterial gespart.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Die Misswahl – der Beginn einer Revolution: Einer Gruppe Frauen ist der Sexismus während der Misswahlen ein Dorn im Auge. Sie versuchen durch verschiedene Aktionen darauf aufmerksam zu machen. – Hier interessierte mich das Thema schon und dann sah der Trailer gleichzeitig spannend und witzig aus. Der Film wird nachgeholt.

Mrs. Taylors Singing Club: Eine Gruppe von Frauen, deren Männer allesamt im Auslandseinsatz sind, gründen einen Chor, um sich gemeinsam in der unsicheren Zeit zu unterstützen. – Trotz eher verhaltener Kritiken, hat mich der Trailer bereits zutiefst berührt – vielleicht auch nur wegen der Interpretation von Time after time. Auf jeden Fall möchte ich den Film gerne noch sehen.

Hexen hexen: Hexen mit einer Abneigung gegen Kinder. Damit versucht ein Waisenjunge zurechtzukommen. – Kurz vor den Kinoschließungen kam noch das Remake der Roald Dahl Verfilmung in die Kinos. Der Trailer sprach mich direkt an, auch wenn ich weder den Roman, noch das Original kenne.

Ganz knapp nicht auf die Liste geschafft haben es: Niemals, Selten, Manchmal, Nie, Peninsula und Kajillionaire

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

The Home Edit – Staffel 1 (Eine tolle Serie übers Aufräumen mit charmanten Hosts)

Modern Family – Staffel 10 (Noch immer eine tolle Sitcom mit tollen Charakteren und auch in der 10. Staffel ist die Luft noch nicht raus)

Love, Death and Robots – Staffel 1 (Eine Anthalogieserie mit den Themen Liebe, Roboter und Tod, leider waren die meisten Episode so gar nicht mein Fall)

The Mentalist – Staffel 1-2 (Ich bin lange um die Serie herumgeschlichen, da aber mal wieder Crimezeit im Herbst ist, habe ich sie mal ausprobiert und sie gefällt mir sehr gut)

Tiny House Nation – Staffel 1-2 (Interessante Serie über das Bauen von Tiny Häusern, aber so der letzte Funken hat gefehlt)

Sex Education – Staffel 1 (Grundsätzlich gute Idee, interessante Charaktere, die Serie nimmt kein Blatt vor den Mund. Aber mich hat sie nicht richtig abgeholt und gerade mit dem Mobbingthema hatte ich persönlich zu kämpfen)

Upload – Staffel 1 (Coole Idee, langatmiger Einstieg, hinten raus hat die Serie aber die Kurve bekommen) 

Community – Staffel 5 (Vielleicht hätte man die Serie doch nach der vierten Staffel enden lassen sollen. Spätestens wenn zu viele Darsteller abspringen, bringt es vielleicht nichts mehr)

Emily in Paris – Staffel 1 (Ich weiß noch nicht, ob es ein Statement gegen die Werbebranche oder gegen Frankreich ist, auf jeden Fall sehr kritische Darstellung mit einer dafür viel zu gut gelaunten Protagonistin. Schwierige Serie)

Miracle Workers – Staffel 1 (Ich präsentiere: Definitiv eins meiner Jahreshighlights. Der schwarze Humor darüber den Himmel als große Fabrik darzustellen mit einem sehr durchgeknallten Gott fand ich einfach nur herrlich!)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 11
Seiten gesamt: 4.076
Seiten pro Tag: 131 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 6
Taschenbuch: 4
E-Book: 1

Die Chroniken von Alice 1 – Finsternis im Wunderland: Alice ist in einer Irrenanstalt, da alle glauben, dass sie sich die Geschichte mit dem Kaninchen nur ausgedacht hat. Nur ihr Zellennachbar Hatter glaubt ihr. Bei einem Brand in der Anstalt können sie fliehen. Und auf einmal muss Alice feststellen, dass ihre Erinnerung echt ist, – Diese horrormäßige Adaption der Alice im Wunderlandgeschichte ist voller guter Ideen, passenden Bezugspunkten und doch in vielerlei Sinne absolut abschreckend. Eine spannende Geschichte!

Talus: Erin ist Guide in Edinburgh. Ihre Spezialität sind Gruselführungen, zumal sie an Magie glaubt. Bis sie erkennt, dass es Magie wirklich gibt und schon ist sie mittendrin im Abenteuer. – Liza Grimm schafft es spielerisch den Leser in ihre neue magische Welt unter Edinburgh zu ziehen und zu faszinieren.

Illuminae – Die Illuminae Akten 1: Nach dem Anschlag auf ihren Planeten finden sich Ezra und Kady auf unterschiedlichen Schiffen wieder auf dem Weg zur Rettungsstation. doch sie werden noch immer von der feindlichen Flotte verfolgt und auch intern gibt es einige schwerwiegende Probleme. – Dieses Buch ist alles, nur nicht gewöhnlich. Denn es ist nicht linear geschrieben, sondern beinhaltet diverse Chatverläuft, Protokolle, Übersichtspläne, Berichte und andere Arten der Aufzeichnung. Es liest sich daher eher wie ein Film als ein Buch. Und ist dabei auch noch unfassbar spannend!

Ein Schotte kommt selten allein*: Janne liebt Schottland, hasst aber Busrundreisen. Leider haben ihre Freunde ihr genau diese Art zu reisen geschenkt. Aber nachdem Janne in den falschen Bus einsteigt und neben dem gutaussehenden Schotten Alex landet, findet sie Busreisen gar nicht mehr so schlimm. – Am Anfang hat mich Jannes sehr negative Einstellung gestört, aber nachdem sie den Bus tauscht, wird es ein wirklich tolles Buch. [Werbung]

Der blaue Express – ein Fall für Poirot: Auf dem legendären blauen Express wird eine Millionärserbin ermordet und sehr wertvolle Diamanten sind gestohlen. Hercule Poirot nimmt sich dem Fall an und lässt sich von der einfachsten Lösung nicht beeindrucken. – Bisher eine der stärksten Geschichten, vor allem weil es aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt wurde und sich nicht an einen Erzähler klammert.

Wie Blut so rot: Cyborg Cinder hat entdeckt, dass sie die Erbin von Luna ist und deswegen vor vielen Jahren aus dem Weg geräumt werden sollte. Gleichzeitig sucht Scarlet in Südfrankreich nach ihrer Grandmere. Dabei begegnet sie dem Widerstandskämpfer Wolf. – Der zweite Teil der Luna Chroniken war sogar noch ein bisschen spannender als der erste Teil, vielleicht weil mir die Geschichte um Scarlet und Wolf mehr zusagte. 

Truly – Nach dem Tod ihrer Mutter kommt Andy endlich auf dem Campus in Seattle an. Leider ohne Stipendium und ohne Wohnheimplatz. Durch Zufall bekommt sie einen Job hinter einer Bar und lernt dort den stillen Cooper kennen. Und trotz seiner abweisenden Art fühlt sich Andy zu ihm hingezogen. – Ein New Adult Roman, in dem ich mich sehr schnell verliebt habe. Ich mochte den Schreibstil, die Charaktere und die Handlung. Einfach nur toll.

Der geheime Garten: Mary Lennox entstammt einer britischen Familie, die in Indien lebt. Nach dem Tod der Eltern reist sie zu ihrem Onkel auf ein alten britisches Anwesen. Sie kann sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen, bis sie den Schlüssel zu einem geheimen Garten findet. – Pünktlich zum Kinostart habe ich auch die Buchvorlage gelesen. Ich wusste, dass ich es vor vielen Jahren schon einmal gelesen hatte, aber nicht mehr worum es genau ging. Das Buch ist sehr nüchtern geschrieben, aber die beschriebene Geschichte ist trotzdem sehr toll, auch wenn die Magie hier eher im Kopf der Kinder stattfindet.

Someone to stay: Aliza hat Lucien auf einer Sommerparty kennengelernt und beide waren sich sofort sympathisch. Doch Aliza hat mit ihrem Studium, ihrem Blog, ihrem Buch, das bald erscheint, und ihren Freunden eigentlich schon genug zu tun. Auch Lucien versucht neben Studium, Job und dem Sorgerecht für seine jüngere Schwester noch ein wenig Zeit für Freunde zu finden. Wie sollen sie nur je zusammen finden? – Der dritte und damit letzte Teil der Someone Reihe war von mir am heißesten ersehnt, mochte ich Aliza und Lucien schon in den vorherigen Bänden am meisten. Und die Geschichte ist wirklich toll geworden, auch wenn sie im Mittelteil einen kleinen Hänger hatte.

Hold me tonight – Amanda sucht noch immer nach Antworten über den Tod ihres Bruders. Und diesmal scheint sie tatsächlich zu Dante durchzudringen und erhält erste Erklärungen. Bis sie auf einmal mitten in eine Strudel aus vermissten Leuten steckt. – Der zweite Teil der Crushed Trust Reihe beginnt wie bereits der erste etwas langsam, schafft es dann aber endlich ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen und wird am Ende sogar richtig spannend.

Juno und die Reise zu den Wundern*: Juno ist eine junge Frau, die seit ihrer Kindheit unter Einsamkeit leidet. In der schielenden Stadt begegnet sie dem geheimnisvollen Mr. James, der ihr aus einer alten Münze zwei Ringe anfertigt. Mit deren Hilfe bestimmt sie die nächsten Stationen ihrer großen Reise. Ein Abenteuer steht bevor, voller neuer Bekanntschaften und außergewöhnlicher Erlebnisse. – Irgendwo zwischen Kinderbuch und Einstieg in die Philosophie mit einer guten Mischung Lebensweisheiten. [Werbung]

*Ich bedanke mich bei den Verlagen für die Rezensionsexemplare

Wie war euer Oktober? Wie immer die Frage: Habt ihr Film/Serien/Buchempfehlungen für mich?

 

Es ist zu deinem Besten

Ein Vorwort

Während durch die geschlossenen Kinos in den USA und dem asiatischen Markt, Hollywood immer weiter fleißig Filme verschiebt, ist derzeit zumindest auf den deutschen Film verlass. Denn der haut aktuell ein Film nach dem nächsten raus. Nach Into the Beat und Hello Again dürfen nun aber wieder die altbekannten Herren in eine Komödie schlüpfen. Ob der Film letztendlich mehr kann als sein Trailer, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Die drei Schwäger Artur (Heiner Lauterbach), Kalle (Jürgen Vogel) und Yus (Hilmi Sözer) sind unglücklich über die Wahl der Männer ihrer Töchter. Arturs Tochter Antonia (Janina Uhse) hat die Hochzeit mit einem Anwalt aus Arturs Kanzlei platzen lassen, um mit dem linken Weltverbesserer Alex (Jacob Matschenz) durchzubrennen. Kalles Tochter Luna (Lisa-Marie Koroll) hat sich in einen Aktfotografen und ehemaligen Schulkamerad ihres Vaters (Andreas Pietschmann) verliebt und Yus Tochter Sophie (Lara Aylin Winkler) hat durch Andi (Junis Marlon) Kontakt zum Drogenmilieu. In einem sind sich die Väter einig. Die Männer müssen weg.

Meine Meinung

Handlung und Trailer lassen auf eine typische deutsche Komödie schließen, was mich eher abgeschreckt hätte. Wie schon bei Der Vorname und Das perfekte Geheimnis handelt es sich wieder um eine Neuverfilmung, diesmal eines spanischen Films (Es por tu bien). Während das bei Der Vorname erstaunlich gut funktionierte, war Das perfekte Geheimnis zwar durchaus witzig, hatte aber auch einige Stellen, die schwierig waren. Was mich letztlich doch ins Kino zog war Regisseur Marc Rothemund. Denn mit Sophie Scholl, Mein Blind Date mit dem Leben und Dieses bescheuerte Herz lieferte er durchaus gute Filme ab. Hinzu kommt, dass mein guilty pleasure Groupies bleiben nicht zum Frühstück von ihm ist. 
Zunächst wurde ich in meinen Befürchtungen jedoch bestätigt. Die drei Herren Lauterbach, Vogel und Sözer spielen eben jene deutsche Klischees, die man erwartet hat. Die dazugehörigen Töchter wirken allesamt naiv und wollen zu bewusst rebellieren, und die angehenden Schwiegersöhne sind natürlich bewusst die Dornen im Auge der Väter. Soweit so klischeehaft. Nachdem sich die Charaktere ein wenig gesetzt haben und die Geschichte Fahrt aufnimmt, kann der Film jedoch stellenweise durchaus überraschen. Auch gibt es einige sehr intelligent witzig geschriebene Szenen, die gut funktionieren. Das wird zum Beginn der zweiten Hälfte wieder abgelöst von einigen zu lang ausgespielten Szenen, wie der im Trailer angedeutete Drogenkauf, der dann wieder zu gewollt witzig war. Doch auch das ändert sich dann noch einmal, und wird zum Finale hin noch einmal etwas tiefgründiger. Doch auch hier schafft es der Film nicht über die üblichen Klischeeüberwindungen hinauszugehen. Ernstere Momente und wirkliche Auseinandersetzung mit den Themen gibt es nicht, da die Handlung zu sehr auf Konflikt und Konfrontation aus ist, um möglichst viele vermeintlich witzige Szenen rauszukitzeln. 
Letztlich geht Rothemund hier in allen Bereichen auf Nummer sicher. Der Cast an sich dürfte schon Zuschauer ziehen, der Witz ist größtenteils stimmig und auch das Ende ist genau das, was man erwartet. Die Handlung bietet keine Überraschungen, um die Wohlfühlatmosphäre nicht kaputt zu machen und sich mit den angesprochenen Themen nicht wirklich auseinander setzen zu müssen. Hier ist durchaus Potential liegen geblieben, aber um das zu nutzen, hätte man den Zuschauer aus der Komfortzone ziehen müssen und das hätte das durchschnittliche Erfolgsrezept kaputt gemacht.

Das Fazit

Es ist zu deinem Besten arbeitet nach dem üblichen Prinzip einer deutschen Komödie und verpasst dabei den Absprung, um die Themen ernsthaft zu vertiefen. Das führt zu wenig Überraschungen und voraussehbarem Ende. Dennoch kann der Witz und die Handlung durchaus an einigen Stellen punkten und ist damit doch besser als nach dem Trailer zu erwarten war. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Es ist zu deinem Besten läuft seit dem 08.10.2020 in den deutschen Kinos

Vergiftete Wahrheit

Ein Vorwort

2016 erschien der von Nathaniel Rich verfasste Artikel über den jahrelangen Rechtsstreit zwischen Robert Bilott und dem Großkonzern DuPont in der New York Times. Er wurde bereits für die Dokumentation „The Devil we know“ aufgegriffen. Jetzt hat Regisseur Todd Haynes daraus einen Spielfilm gemacht. Warum Vergiftete Wahrheit gleichzeitig gut und erschreckend ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Anwalt Robert Bilott (Mark Ruffalo) will eigentlich nur einem Bekannten seiner Großmutter einen Gefallen tun. Doch das mysteriöse Viehsterben auf der Farm von Wilbur Tennant (Bill Camp) lässt ihn nicht los. Eigentlich will er mit einer kleinen Klage gegen DuPont nur herausfinden, ob diese Giftmüll in Tennants Fluss gekippt haben. Doch dabei stößt er auf ein viel größeres Verbrechen. Sein Kampf für Gerechtigkeit soll 19 Jahre dauern.

Meine Meinung

Vergiftete Wahrheit hat das gleiche Problem wie andere investigative Filme. Er muss eine Geschichte, die aus vielen bürokratischen Schritten besteht, irgendwie spannend verpacken. Hinzu kommt diesmal, dass Robert Bilott auch eher unscheinbar wirkt für einen Anwalt, der ein Unternehmen wie DuPont verklagt. Kein leichtes Spiel für Regisseur Todd Haynes. 
Doch genau dies wird gekonnt umschifft, da es immer wieder neue Verwicklungen gibt. Durch die Aufteilung der Recherche im Büro und vor Ort, ist auch ständig Bewegung drin. Wir lernen verschiedene Betroffene kennen, arbeiten mit mehreren Anwälten zusammen und können doch die Übersicht über alle wichtigen Charaktere behalten. Man wird nicht mit Namen überschüttet, hat aber trotzdem genug Personen, um die Verwicklungen mit Gesichtern verfolgen zu können. Wie viel Zeit vergeht, wird nicht nur durch die übliche Zeitleisteneinblendung deutlich, sondern auch durch die verändernde Optik, beispielsweise von Frisuren und Autos, aber auch durch Bilotts Kinder, die immer größer werden. 
Doch vor allem bleibt der Zuschauer am Ball weil es immer wieder Zwischendurcherfolge gibt, die zwar schnell wieder kippen, anhand derer sich der Film aber wie Etappen entlanghangeln kann. Natürlich ist immer noch vieles dem Laien nicht so ganz klar, manchmal fehlen ein paar Erklärungen, um wirklich nachzuvollziehen, warum der nächste Schritt so gemacht werden muss, wie er gemacht wurde. Aber im großen und ganzen kann man der Handlung gut folgen und fühlt sich nicht durch zu hoch gestochene Dialoge außen vor gelassen.
Auch schauspielerisch kann sich der Film sehen lassen. Allen voran Mark Ruffalo, der mit Robert Bilott als Vorlage zwar die Schwierigkeit hatte den Charakter realitätsnah und doch nahbar darzustellen, was ihm in den wichtigen Szenen aber immer wieder gelingt. Auch der restliche Cast mit unter anderem Anne Hathaway, Bill Pullman und Tim Robbins verleihen dem Film eine gute Basis. 
Auch wenn der Ausgang des Films bekannt sein könnte, ist der Weg dahin doch nicht weniger Erschütternd. Die bewusste Vergiftung der eigenen Mitarbeiter und auch der Bevölkerung durch DuPont und die mangelhafte Regulierung der US-Behörden gehört auf jeden Fall auf die Kinoleinwand, um sie einem größeren Publikum bewusst zu machen.

Das Fazit

Vergiftete Wahrheit ist ein Film, der die üblichen Stolpersteine der investigativen Filme aus dem Weg räumt und eine spannende und erschütternde Geschichte erzählt. Dabei nimmt sie die meiste Zeit auch den Laien mit. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Vergiftete Wahrheit läuft seit dem 08.10.2020 in den deutschen Kinos.

Jim Knopf und die Wilde 13

Ein Vorwort

2018 lief bereits der erste Teil der Realverfilmung des Kinderbuchklassikers von Michael Ende in den deutschen Kinos. Obwohl er nicht so erfolgreich war, wie man es sich bei den hohen Produktionskosten wohl gewünscht hätte, kommt nun mit der Wilden 13 auch der zweite Teil ins Kino. Als Grund wird vor allem angeführt, dass die beiden Jungdarsteller Solomon Gordon und Leighanne Esperanzate sonst zu groß und zu alt wären für ihre Rollen und man eine Neubesetzung vermeiden wollte. Mir gefiel der erste Teil grundsätzlich, nur hat mir der besondere Funken und das gewisse Etwas meiner Kindheitserinnerung gefehlt. (Nachzulesen hier) Kann der zweite Teil den ersten nun toppen und die Geschichte der Lummerländer zu einem guten Ende bringen?

Quelle

Die Handlung

Als der Postbote (Volker Michalowski) erneut gegen die Küste von Lummerland stößt, stellt König Alfons (Uwe Ochsenknecht) fest, dass sie dringend einen Leuchtturm brauchen. Doch dafür ist auf der kleinen Insel einfach kein Platz. Also beschließen Lukas (Henning Baum) und Jim Knopf (Solomon Gordon) Herrn Tur Tur (Milan Peschel), den Scheinriesen, zu fragen. Also brechen sie zu einem neuen Abenteuer auf. Doch noch immer beschäftigt Jim die Frage seiner Herkunft. Die Antwort erhofft er sich vom goldenen Drachen der Weisheit, der bald erwachen soll. Dieser schickt ihn aber zu einem weiteren Abenteuer los, denn nur die Wilde 13, eine Bande von Piraten, die ihn einst aussetzte, hat die Antwort für ihn.

Meine Meinung

Es geht wieder los. Auch das zweite Abenteuer der Lummerländer Lukas und Jim Knopf steckt wieder voller neuer Welten, alten Bekannten und vor allem voller Gefahren. Dabei setzt der Film, wie schon der erste Teil wieder sehr stark auf eine herausragende Optik. Ob nun Lummerland, Mandala oder diesmal auch das „Land, das nicht sein darf“. Während man den beiden auftauchenden Drachen das CGI noch ansieht, wirkt der Rest in guter alter Handarbeit hergestellt. Auch schauspielerisch braucht sich der zweite Teil keinesfalls hinter dem ersten zu verstecken. Gerade Rick Kavanian als die Wilde 13 kann in seiner mehrfach Rolle durchaus punkten und verschafft dem Film einen richtigen Mehrwert. 
Handlungstechnisch hält er sich fast noch penibler an die Buchvorlage als schon der erste Teil, was aber auch hier sehr gut funktioniert. Kleinere Änderungen sind auch für eingefleischte Buchfans verzeihbar. Lediglich das Auslassen der Reise durch die Stadt der Meermenschen hinterlässt einen kleinen Wermutstropfen. Da die wichtigsten Charaktere diesmal auch bereits vorgestellt waren, konnte das Abenteuer wesentlich schneller voranschreiten und das Hauptaugenmerk lag diesmal auf dem großen Finale. Hier war der Drahtseilakt zwischen realistischer Darstellung und Kindertauglichkeit gefragt, was sehr gut umgesetzt wurde. Wir kriegen also unseren Piratenkampf und doch mit möglichst geringem Gewaltakt. Die Freigabe ab 0 Jahren ist also durchaus berechtigt.
Ein Problem des ersten Teil war es, dass die Witze nicht so richtig fruchteten. Dies ist beim zweiten Teil ein bisschen umschifft worden, da er wesentlich weniger auf Humor angelegt war, aber die lockeren Passagen durchaus zum lachen ermuntern. So ist eine eher heitere Stimmung angesetzt, durchsetzt von ein paar spannenderen Stellen – wie gesagt: trotzdem sehr kinderfreundlich. Während das durchgehende Theme im ersten Teil noch „Eine Insel mit zwei Bergen“ war, wird dies auch hier weiterentwickelt und dem Lied der Wilden 13 „13 Kerle auf dem Totensarg“ angepasst. Leider lief das Lied nie in voller Länge, nicht einmal im Abspann. Das hat mich dann doch geärgert, weil es durchaus Ohrwurmcharakter hat. 
Jim Knopf und die Wilde 13 kann also nicht nur als Fortsetzung überzeugen, sondern auch in seiner Gesamtheit. Die Stolpersteine des ersten Teils wurden überwunden und die Gesamtstimmung verbessert. Lediglich Nepomuk ist immer noch zu sehr Sprecher Michael Bully Herbig angepasst und weniger dem eigentlichen Charakter. Aber auch damit kann man sich arrangieren. So ist es nun also die bildgewalige Umsetzung, die das Buch Endes verdient hat. Ich konnte mich zumindest in meine Kindheit zurückversetzt fühlen.

Das Fazit

Jim Knopf und die Wilde 13 punktet wieder durch eine bildgewaltige Optik, gute Schauspielleistungen – vor allem Solomon Gordon hat hier zugelegt – und eine gute Grundstimmung. Kleine Stolpersteine werden überspielt und dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Jim Knopf und die Wilde 13 läuft seit dem 01.10.2020 in den deutschen Kinos