Rückblick auf das 3. Quartal 2021

Auch das dritte Quartal des Jahres ist geschafft, daher gibt es hier mal wieder einen Rückblick. Hier also im Kurzüberblick meine Highlights von Juli bis September. Jeweils zu Kino, Film, Serien und Büchern werde ich euch meine Top 5 vorstellen, die sind aber nicht nochmal gerankt.

Meine fünf Kino Highlights

1. Cruella

Estella landet nach dem Tod ihrer Mutter in London, wo sie auf die beiden Gauner Jasper und Horace trifft. Nach vielen Jahren des lockeren Lebens findet sie eine Anstellung in einem Warenhaus und schafft es durch ihre Designkünste bei der Baroness Von Hellman angestellt zu werden. Doch dort erfährt sie Sachen über ihre Vergangenheit, den ihre dunkle Seite Cruella heraufbeschwört. – Stilsicher und doch einfach nur cool. Cruella haut einem als Gesamtkunstwerk einfach vom Hocker.

2. Dune

Haus Atreides wird vom Imperator dazu aufgefordert den Planeten Arrakis von Baron Harkonnen zu übernehmen und die Produktion des allseits beliebten Gewürzes Spice sicherzustellen. Der Planet ist jedoch eine einzige Wüste und spärlich besiedelt, abgesehen von den einheimischen Fremen. Paul Atreides, Sohn des Herzogs, hat vor der Abreise seltsame Träume und fürchtet sich um die Zukunft. Sind es nur Träume oder ist seine Familie in Gefahr? – Ein optischer grandioser, spannender, gut besetzter, also einfach perfekter Film.

3. Promising Young Woman

Cassie Thomas hat ihr Medizinstudium nach dem Selbstmord ihrer besten Freundin abgebrochen. Jetzt arbeitet sie in einem Café und verbringt ihre Abende in Clubs, wo sie so tut, als wäre sie sturzbetrunken und dann mit Männern mitgeht, die sie als leichte Beute ansehen. Nach und nach sucht sie Leute aus der Vergangenheit auf, um die Geschehnisse auf unkonventionelle Art aufzuarbeiten. – Locker erzählt, dabei ein schwieriges, aber wichtiges Thema sehr gut aufgearbeitet.

4. The Father

Anthony ist 80 Jahre alt und dement. Dennoch will er seine Wohnung nicht verlassen und beteuert, dass er gut allein zurecht kommt. Seine Tochter Anne versucht so gut es geht für ihn da zu sein, doch stößt allmählich an ihre Grenzen. – Brilliant gespielt, die Handlung ergibt sich erst gegen Ende vollständig. Überzeugt vor allem durch den unkonventionellen Erzählstil.

5. Free Guy

Guy lebt in Free City. Was er nicht weiß ist, dass er ein Charakter in einem Videospiel ist. Als er auf Molotov Girl trifft, fällt er aus seiner Endlosschleife heraus und versucht sie zu beeindrucken. Diese wiederum ist eine Spielerin, die einen Feldzug gegen den Entwickler des Spiels führt. – Eine wunderbare Videospieladaptionparodie, die viel Spaß macht.

Meine fünf filmischen Highlights

1 Die Vögel

Mitch Brenner spielt Melanie Daniels einen Streich. Sie will sich rächen und fährt dafür zu seinem Haus in Bodega Bay. Dort bleibt sie unerwartet länger und kommt Mitch näher. Doch die Vögel in Bodega Bay fangen an sich sehr merkwürdig zu verhalten. – Klassiker von Hitchcock mit sehr unbefriedigendem Ende.

2. Schindlers Liste

Oskar Schindler ein Mitglied der NSDAP will eine Emaillefabrik bei Krakau zu neume Leben erwecken und benötigt dafür Arbeiter. Aus Kostengründen entscheidet er sich für Juden aus dem neugeschaffenem Ghetto. Über die Jahre setzt er sich immer wieder für seine Arbeiter*innen ein und rettet damit ca. 1200 Juden*Jüdinnen das Leben. – 195 Minuten bedrückende Geschichte und jede Szene ist notwendig und wichtig.

3. Das Phantom der Oper (Musical)

Als die neuen Operndirektoren Andre und Firmin die Oper übernehmen, wollen sie nichts von dem Phantom der Oper wissen. Doch die mysteriösen Vorfälle häufen sich, so dass die Primadonna Carlotta ausfällt. An ihre Stelle tritt Christine Daae, die dadurch ihre Jugendliebe Raoul wiedertrifft. Dies ruft das Phantom, ihren geheimnisvollen Lehrer, der sich in sie verliebt hat. – Atemraubende Verfilmung des Musicals von Andrew Lloys Webber.

4. The guy who didn’t like musicals

Paul mag keine Musicals. Doch nach einem Kometenabsturz fangen alle um ihn rum an zu singen und tanzen. Was hat es damit auf sich? – Leicht abgedrehte Musicalnummer, die total viel Spaß macht.

5. Das wandelnde Schloss

Eine junge Hutmacherin wird von einer Hexe verflucht und wacht als alte Frau auf. Auf ihrer Suche nach Erlösung, trifft sie auf einen Zauberer in einem wandelnden Schloss. Sie heuert als seine Putzfrau an und merkt, dass auch er errettet werden muss. – Bisher eines meiner liebsten Studio Ghibli-Filme.

Meine fünf serienlastigen Highlights

1 Loki – Staffel 1

Loki Laufeyson konnte durch die Zeitreise der Avengers in Endgame mit dem Tesseract fliehen. Doch seine Freude wehrt nur kurz, denn die TVA fässt ihn kurz darauf, weil er gegen den wahren Zeitstrahl verstoßen hat. Er landet vor Gericht und steht kurz vor der Stutzung – also der endgültigen Auslöschung. Doch Agent Mobius setzt sich für ihn ein, da er seine Hilfe braucht, um eine Variante zu finden, die einige Zeitagenten ausgelöscht hat. – in paar Logiklöchern im Zeitreisesegment, funktioniert aber gerade durch die Charaktere und die kleinen Feinheiten. 

2. We bare bears – Staffel 1

Die Bären Eisbär, Panda und Grizz leben in einer Höhle im Wald. In ihrem Alltag oder ihren Besuchen in der Stadt erleben sie allerhand Abenteuer. – Lustige und herzerwärmende Kinderserie

3. The Unicorn – Staffel 2

Wade hat vor einem Jahr seine Frau verloren. Nach der Trauerphase müssen er und seine beiden Töchter Natalie und Grace wieder nach vorne schauen. Immer mit dabei sind die befreundeten Pärchen Forrest und Delia und Ben und Michelle. Die sind es auch, die Wade ermutigen wieder zu daten. Denn als Witwer sei er ein „Unicorn“ und daher sehr begehrt bei den Frauen. – Auch die zweite Staffel war wieder sehr witzig, hat die Charaktere gut weitergeführt und sorgte für gute Laune.

4. Motel Makeover – Staffel 1

April und Sarah wollen in Kanada ein in die Jahre gekommenes Motel mit geringem Budget wieder aufpolieren und mit ihrem eigenen Stil versehen. Dabei kommt es zu allerhand unvorhergesehenem, wobei das gravierendste wohl die Corona-Pandemie sein dürfte. – Ich hatte erst Bedenken, dass eine Staffel für ein Motel zu lang wäre, aber die Folgen sind spannend und interessant gestaltet, das Duo sehr sympathisch und ihr Stil außergewöhnlich.

5. Traumhaus Makeover – Staffel 1-2

Shea McGee hat zusammen mit ihrem Mann eine Renovierungsfirma gegründet. Egal, ob das ganze Haus oder nur einzelne Zimmer, egal ob großes oder kleines Budget, die McGees kümmern sich um alle Wünsche. Mit ihrem unvergleichlichen Einrichtungsstil treffen sie dabei immer ins Schwarze. – Super sympathisches Paar und tolle Serie für Einrichtungsfans.

Meine fünf buchige Highlights

1 Ein Herz voll Leben – Violet Thomas

Isabella Kramer ist stolz auf ihren Cupcake-Laden an der Ostsee. Bis ihre beste Freundin stirbt und sie auf einmal das Sorgerecht für die kleine Leni bekommt. Sie versucht ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und braucht jemanden, der ihr im Laden hilft. Da kommt Max wie gerufen. Doch seine Beweggründe sind nicht die, die Isabella erwartet. – Herzzerreißend und voller Mitgefühl. Zwischenzeitlich will man einzelne Charaktere einfach nur schütteln, aber letztlich siegt die Wohlfühlseite.

2. Das Meer der Legenden – Babsi Schwarz

Die Halbnixe Mavi landet durch Zufall auf dem Schiff des berüchtigen Piraten Tairon wieder. Da sie auf der Flucht vor einem anderen Mann ist, schließt sie sich der Gruppe an und segelt Abenteuern entgegen. – Spannende Abenteuergeschichte mit tollen Charakteren.

3. Vielleicht Jetzt – Carolin Wahl

Gabriella reist von Brasilien nach Deutschland, um dort ein Praktikum in der Firma ihres Vaters anzutreten, von dem sie zuvor nichts wusste. Im Flugzeug trifft sie auf Anton. Nach einem schlechten Start, funkt es zwischen ihnen. Kurz darauf stellt Gabriella fest, dass Anton ebenfalls in der Firma arbeitet. Nur sind Romanzen am Arbeitsplatz nicht gern gesehen. – Eine tolle Liebesgeschichte mit tollen Charakteren, auch wenn ich Anton das ein oder andere Mal einfach nur schütteln wollte.

4. Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte – T.J. Klune

Linus Baker ist Sachbearbeiter beim BBMM (Behörde für die Betreuung magischer Minderjähriger). Auch wenn ihn sein Job nicht gerade glücklich macht, glaubt er doch damit etwas Gutes zu tun. Dann bekommt er vom Allerhöchsten Management den Auftrag das Heim von Mr. Parnassus genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch was Linus dort erlebt, darauf konnte ihn kein Bericht vorbereiten. – Erfindet das Rad vielleicht nicht neu, aber bietet eine herzerwärmende Geschichte.

5. Love with Pride – Lea Kaib

Stella hat keine guten Erfahrungen an ihrer Highschool gemacht. Nun soll es am College ganz anders laufen. In Haydensburgh will sie einen Neustart wagen und mutig sein. Trotz ihrer sozialen Ängste bewirbt sie sich Zeta Kappa Sigmas. Dort trifft sie auf Ellie, die ihr ruhiges Leben ganz schön auf den Kopf stellt. – Lea Kaibs Debüt ist vielleicht sprachlich nicht zu 100% ausgefeilt und braucht ein bisschen, um in Schwung zu kommen, doch die Geschichte ist toll und nimmt schwierige Themen auf, die gut umgesetzt sind.

Murdoch Mysteries

Ein Vorwort

Hatte ich mich im Crimeherbst noch beschwert, dass es kaum neue Crimeserien gibt, flatterte kurz darauf eine Anfrage bei mir rein. Eine kanadische Crimeserie im Toronto der 1890er Jahre? Ich war sofort begeistert und konnte mir die Serie nicht entgehen lassen. Wie sie mir gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Detective William Murdoch (Yannik Bisson) arbeitet im 4. Polizeirevier von Toronto in den 1890er Jahren. Mit seinem unstillbaren Drang nach neuen Erkenntnissen ist er der Wissenschaft zeitweise voraus, was sein Vorgesetzter Inspector Thomas Brackenreid (Thomas Craig) eher kritisch beäugt. Unterstützt wird er von Pathologin Dr. Julia Ogden (Hélène Joy).

Meine Meinung

Der Einstieg in Murdoch Mysteries war etwas schwerfällig. Ich habe die ersten drei Folgen gebraucht, um reinzukommen, weil es keine direkte Einführungsfolge gibt. Ab Folge 1 an agieren die Charaktere, wie in den anderen Folgen auch. Wer sie alle sind, was ihre Aufgaben sind und wie sie zueinander stehen, muss man sich selbst ableiten. Doch sobald man das Grundkonstrukt verstanden hat – bei mir war es Folge 3 – macht die Serie gleich noch mehr Spaß.
Im Historienkrimi-Bereich habe ich bisher eher Miss Fishers mysteriöse Mordfälle gesehen, wo es nicht direkt um eine Polizeistation ging. Auch sind wir hier nicht in Australien, sondern in Kanada, was aber trotzdem eine schöne Abwechslung zu den bekannten Setting in den USA ist. Spannend ist hier vor allem, dass die Ermittlungen ohne die moderne Technik auskommen muss. Keine Verdächtigenkartei im PC, keine Überwachungskameras, selbst das Nehmen von Fingerabdrücken ist hier sehr fortschrittlich. Wie historisch korrekt das alles ist, überlasse ich lieber Historikern in der Bewertung, da gerade die Pathologin viele Sachen bestimmen kann, die für die damalige Zeit sehr fortschrittlich sein dürfte.
Protagonist William Murdoch besticht mit seiner distanzierten charmanten Art. Er ist eher zurückhaltend und muss nicht dauernd im Mittelpunkt stehen, ist aber im richtigen Moment präsent. Damit bildet er den perfekten Kontrast zu seinem eher hitzköpfigen Vorgesetzten. Ergänzt wird er von der ebenfalls eher ruhigen Pathologin und dem hibbeligen und eher nervösen Constable George Crabtree (Jonny Harris).
Die Folgen sind alle in sich geschlossen, die Serie arbeitet also nach dem „Mordfall der Woche“-Prinzip, was mir sehr gefällt. Dabei werden immer wieder historische Figuren oder Ereignisse aufgegriffen, wie beispielsweise der Kampf zwischen Wechsel- und Gleichstrom und Prominente, wie Nikola Tesla oder Arthur Conan Doyle. Die Fälle sind abwechslungsreich und spannend. Die persönlichen Dramen im Polizeirevier sind auf ein Minimum reduziert, so dass der Fokus überwiegend auf den Fällen liegt.
Das Ende ist irgendwo abgeschlossen, es gibt also keinen großen Cliffhanger, dennoch hoffe ich, dass die Handlung der finalen Folge noch einmal aufgegriffen wird, da sie etwas unbefriedigend endete. Aber dies stört den sehr positiven Gesamteindruck der Serie nicht.

Das Fazit

Murdoch Mysteries ist eine spannende historische Crimeserie, mit einem sympathischem Protagonisten, spannenden Fällen und Toronto in den 1890er Jahren. Für Historien- und Crimefans die perfekte Mischung.

Murdoch Mysteries Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Monsterwochen #2 – Der Klassiker

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um eine der ersten Verfilmungen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres! 

Die Handlung

Die Ballerinas der Pariser Oper sind sich sicher: Ein Phantom geht in den Katakomben um. Gleichzeitig bekommt die Solistin Carlotta Drohungen, dass sie ihre Rolle an das Nachwuchstalent Christine Daae abgeben soll. Diese ist fasziniert von ihrem Gönner, bis sie ihn kennenlernt. Gleichzeitig trifft sie ihre Jugendliebe Raoul wieder.

Meine Meinung

Ich versuche bei meinem Monsterwochen immer eine der ersten Verfilmungen mit einzubeziehen. Tatsächlich gab es 1916 bereits die erste Verfilmung des Buches von Gaston Leroux, die jedoch als verschollen gilt. Daher wurde es die Verfilmung mit Lon Chaney als Phantom von 1925.
Stummfilme sind für die heutige Zeit ja schwierig zu sehen, da wir gewohnt sich die Handlung durch Gestik und Dialoge vermittelt zu bekommen. Dennoch funktioniert es gerade durch die gruselige Hintergrundmusik bei Horrorfilmen noch erstaunlich gut.
Das Phantom der Oper ist sogar ein Beispiel, das in seiner Gesamtheit als Stummfilm sehr gut funktioniert, weil viel über Kulissen erzählt wird. Die Oper ist eine spannende Szenerie und bringt viel an Atmosphäre rüber. Unterstützt wird das von der musikalischen Untermalung, die jedoch über die 90 Minuten sehr gleichbleibend ist. So ist sie von Anfang an hochdramatisch und spannend, was sich negativ auf das große Finale auswirkt, weil es hier keine Steigerung mehr gibt.
Besonders positiv ist zu bemerken, dass der Film sehr buchnah ist. Lediglich einzelne Figuren, wie Madame Giry wurden gestrichen oder zusammengelegt. Das es die weiblichen und nicht weißen Charaktere trifft, ist wohl der Zeit geschuldet. Während die Grundhandlung gut als Stummfilm funktioniert, sind es gerade die kleineren Hinweise, die Aufschluss zur Hintergrundgeschichte des Phantoms liefern, die fehlen. So bleibt die Figur und sein Handeln sehr blass. Immerhin ist Christine hier wieder etwas sympathsicher dargestellt, als im Buch.

Das Fazit

Ein guter Einstieg in die Verfilmungen und sehr buchnah, dennoch sind es gerade die Hintergrundinformationen, die hier fehlen.

Mythnoir

Ein Vorwort

Ich habe den größten Respekt vor allen Selfpublisher*innen. Wenn neben dem selbstverlegten Manuskript auch noch Cover und Buchsatz selbst gestaltet wurden, dann klingt das nach einem ziemlichen Allround-Talent. Genau dies ist Juna Elwood. Bekannt als Künstlerin SunayaART hat sie nun ihr Debüt veröffentlicht. Ob es einen in den Bann ziehen kann, wie der Untertitel anteasert, verrat ich euch in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Shary versucht auf dem Pferdehof ihrer Großeltern die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Da taucht der geheimnisvolle Nevan auf. Durch einen Unfall landet sie in seiner Welt, in Mythnoir. An einer Akademie muss sie sich ihrem neuen Leben stellen, voller Magie und Insignien. Dabei soll sie eine große Rolle in der Rettung der Welt spielen. Shary ist das alles sehr egal, sie will nur zurück.

Meine Meinung

Mythnoir ist eines dieser Bücher, die einem vom Pitch her, wohl an einen sehr bekannten Zaubererjungen erinnern. Akademie, Magiesystem, alles wird aus der Sicht der Protagonist*in erkundet. Doch das wäre viel zu kurz gedacht, denn Mythnoir hat viel mehr zu bieten.
Zunächst lernen wir Protagonistin Shary kennen. Durch einen Unfall kann sie ein Bein nur leicht belasten. Juna Elwood nimmt sich die Zeit Shary vorzustellen, dass man sie im folgenden gut versteht. Denn ihre Impulsivität kann sonst leicht missverstanden werden. So haben wir eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, die aber doch greifbar ist. Dann lernen wir auch schon Nevan kennen. Die Wortgefechte zwischen den beiden sind einfach nur göttlich. In Mythnoir angekommen, nehmen die leider ein wenig ab, weil er nur noch Grummeln kann. Dafür lernen wir noch einige weitere tolle Charaktere kennen.
Die Handlung schreitet zügig voran und es gibt viel zu entdecken in Mythnoir. Für mich war es zwischendurch ein bisschen schwierig durch die Geschichte der Welt und die Hintergründe durchzusteigen. Ich bin allerdings auch ein Fan von zu vielen statt zu wenigen Erklärungen. Aber mir haben sich teilweise Zusammenhänge nicht erschlossen, auch wenn ich glaube das sich im zweiten Band einiges noch einmal erklären wird.
Darüber hinaus ist der Schreib- und Erzählstil sehr angenehm. Spannung kommt an vielen Stellen auf, es finden sich aber auch die Szenen zum durchatmen. Es werden einige Hinweise auf das kommende gestreut, so dass das warten auf Band 2 sehr schwierig wird.
Toll ausgearbeitet ist vor allem das Magiesystem basierend auf den Insignien. Es gibt hier verschieden Arten, die teilweise mit Haken daher kommen. Dadurch ist jede neue Insignien spannend und kann auch tiefgründig verwendet werden.
Das Juna nicht umsonst die Queen des Tod und Verderbens ist, zeigt sie mit ihrem packenden Finale, das der Geschichte noch einmal einen ganz neuen Dreh gibt. Hier zeigen sich die Dialogstärken erneut zwischen Shary und Nevan. Eine Szene hat mir zwar ziemlich das Herz gebrochen, aber da weiß man, was eine Stimmung einem erwartet.

Das Fazit

Mythnoir – im Bann der Insignien ist ein guter Einstiegsband mit einer spanenden Welt und gut durchdachtem Insigniensystem. Ein paar mehr Erklärungen hätten dem Buch gut getan, aber die Wartezeit auf Band 2 ist nach dem Ende echt hart.

James Bond 007 – Keine Zeit zum sterben

Ein Vorwort

Ein weiterer Film, an dessen Kinostart man schon nicht mehr glaubte, hat es endlich auf die große Leinwand geschafft. Daniel Craigs letzter Auftritt als Doppelnullagent mit der Lizenz zum töten. Seine bisherigen Filme wurden gemischt aufgenommen, ich mochte gerade Skyfall, für mich einer der stärksten (bisher gesehenen) Bond-Filme. Ob sich das lange Worten gelohnt hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Die ersten James Bond Filme mit Daniel Craig sind grundsätzlich nicht verkehrt gesehen zu haben: Casino Royal, Ein Quantum Trost und Skyfall. Zusammenfassen werde ich aber nur Spectre, da hier wichtige Figuren eingeführt werden, die direkt in No time to die auftauchen.
Nach einem eigenständigen Auftrag in Mexiko-Stadt, den er von der in Skyfall verstorbenen M erhielt, wird James Bond vom neuen M suspendiert. Denn dieser hat gerade mit dem Chef des Joint Intelligence Service C zu kämpfen, der verschiedene Auslandsgeheimdienste zusammenführen will. Trotz der Anordnung in London zu bleiben, reist Bond nach Rom, um sich mit der Witwe seines Opfers aus Mexiko-Stadt zu treffen. Von ihr erfährt er von einer geheimen Organisation, die sich in Rom trifft. Durch das Vorzeigen eines erbeuteten Ring, bekommt Bond Zugang und trifft dort auf einen tot geglaubten Bekannten aus seiner Jugend: Franz Oberhauser.
Mit Hilfe von Moneypenny findet Bond in Österreich Mr. White (bekannt aus Ein Quantum Trost), der ihn bittet auf seine Tochter Madeleine aufzupassen. In deren Klinik kommt Bond gerade noch rechtzeitig und nimmt sie mit nach Marokko, wo er durch den Nachlass von Mr. White von Oberhausers aktuellem Aufenthaltsort erfährt. Dort kommt es zum ersten Showdown als Oberhauser sich als Ernst Stavro Blofeld vorstellt, der Kopf von Spectre, einer Organisation, zu der auch die bisherigen James Bond Bösewichte (der Daniel Craig Ära) gehörten. Ihr gehört auch C an, der für Blofeld die Weichen zur absoluten Überwachung gestellt hat. Bond und Madeleine schaffen es zu fliehen und das Gebäude in die Luft zu jagen. Zurück in London treffen sie sich mit M, Moneypenny und Q, um C aufzuhalten. Sie werden jedoch getrennt. Während M an C dran bleibt, muss Bond im alten MI6 Gebäude (wurde in Skyfall zerstört), Madeleine suchen und vor der Explosion retten, denn Blofeld hat überlebt und sinnt auf Rache. Letztlich kann Bond sie retten, Blofeld stellen und M schaltet C aus.

Die Handlung

Fünf Jahre nach Spectre wird die Biowaffe „Herakles“ aus einem Labor in London gestohlen. Da der MI6 und M ihre Finger mit im Spiel haben, wird eine Agentin (Lashana Lynch) auf den flüchtigen Forscher Obruchev (David Dencik) angesetzt. Gleichzeitig bittet Felix Leiter (Jeffrey Wright) von der CIA James Bond (Daniel Craig) ebenfalls um Hilfe bezüglich Herakles. Obwohl eigentlich im Ruhestand, muss Bond von Kuba zurück nach London und sich einigen Personen aus der Vergangenheit stellen.

Meine Meinung

Daniel Craigs Bond war anders. Schon seit Casino Royal hob er sich deutlich von den bisherigen Bonds ab. Er war älter, härter und brach mit vielen vorher unumstößlichen Regeln. Mit Skyfall wurde er auch nochmal deutlich persönlicher. Nach einem schwachen Spectre war ich zunächst kritisch, da Akteure wie Lea Seydoux und Christoph Waltz erneut groß präsent im Trailer waren. War doch gerade Waltz in Spectre ein sehr schwacher Bösewicht – zumal er den ganzen Film über riesig aufgebläht wurde, um dann schnell zu fallen.
Doch No time to die schafft es die Balance zu halten, zwischen Aufarbeitung aus Spectre und Übergang zu Neuem. Craigs Bond ist hier verletzlicher denn je, aber auch nahbarer, menschlicher und doch noch immer der knallharte Doppelnullagent. Gleichzeitig ist die Handlung aufgelockert durch kleine Schmunzler. Hier merkt man, dass neben Regisseur Cary Joji Fukunaga und dem Autoren-Duo Purvis & Wade, die schon an einigen Bond-Filmen beteiligt waren, auch Phoebe Waller-Bridge – die Schöpferin der Dramedyserie Fleabag – maßgeblich am Drehbuch beteiligt war.
Handlungstechnisch schließt No time to die beinahe nahtlos an Spectre an. Viele der Szenen aus dem Trailer – bei dem man dachte, dass man das beste vom Film schon gesehen hätte – tauchen genau an diesem Anfang auf. Dann ein Zeitsprung von fünf Jahren. Was ist passiert? Wo kommt der her? Doch die Erklärungen folgen zeitnah. Und sie sind logisch. Bond ist aus bestimmten Gründen aus seinem Leben als Doppelnullagent ausgetreten. Aber auch seine Wiederkehr ist logisch und sorgt gerade im Aufeinandertreffen mit Nomi für viel Schmunzelmaterial.
Die Handlung bietet genau die Elemente, die in den bisherigen Bonds gut funktioniert haben. Die verschiedenen Orte auf der Welt, die als Kulisse dienen, bieten optische Abwechslung und Bond darf auch einmal mehr vom typischen Anzug abweichen.
Rami Malek als Bond-Bösewicht dürfte spalten zwischen sehr gelungen und eher blass, spielt er doch sehr ruhig und eher zurückhaltend. Doch gerade darin liegt der Reiz. Denn statt großer Worten überzeugt er durch kleine Taten.
Mit einer Lauflänge von 165 Minuten könnte man meinen, dass No time to die zu überladen ist und seine Längen besitzt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Denn der Film versteht es die Spannung auch in ruhigen Szenen zu halten. Das große Finale ist dann noch einmal das Topping eines durchgehend spannendes Films, auch wenn ich einige Entwicklungen zwischendurch für unnötig halte. Daniel Craig bekommt auf jeden Fall ein für seinen Bond würdiges Ende. Die Suche nach einem*r Nachfolger*in dürfte nochmal spannend werden.

Das Fazit

No time to die vereint die gelungenen Elemente aus den bisherigen Craig-Bonds zu einem fulminanten Finale. Kleinere Stolpersteine in der Handlung und eine große Emotionalität dürften die Fans spalten, aber gerade das lockerere Drehbuch belohnt in vielen Kleinigkeiten. Dafür gibt es 08 von 10 Punkten.

James Bond 007 – No time to die läuft seit dem 30.09.2021 in den deutschen Kinos

Monsterwochen #1 – Die Grundlage

Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um die literarische Vorlage.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres! 

Die Handlung

Zwei neue Direktoren übernehmen die Pariser Oper. Kurz darauf häufen sich seltsame Ereignisse, da sie sich weigern die Geldzahlen an den Operngeist fortzuführen. Gleichzeitig entdeckt der Vicomte de Chagny seine Liebe aus Kindheitstagen wieder: Christine Daae. Diese nimmt Gesangsunterricht bei einem geheimen Lehrer, der sie einschüchtert. Ist es das Phantom der Oper?

Meine Meinung

Ich bin schon lange ein großer Fan des Musicals, auch wenn ich „nur“ die Filmversion kenne. Dabei steht das Buch auch schon seit über 10 Jahren ungelesen in meinem Regal, immer auf den passenden Moment wartend. Bei den Überlegungen für das diesjährige Thema der Monsterwochen fiel mein Blick auf den ungelesenen Klassiker in meinem Regal. Eine kurze Recherche zu Verfilmungen später, stand es fest. Das Phantom der Oper würde das diesjährige Monster werden.
Das Buch ist in Berichtform verfasst. Gaston Leroux stellt sich hier als Dokumentar dar. Dass heißt er schreibt selbst die einleitenden Worte über seine Recherche und beruft sich im folgenden auf Berichte verschiedener Akteure, nutzt Teilweise sogar Aufzeichnungen dieser. Daran orientiert er sich, um die Handlung aufzubauen. Dabei wird regelmäßig aus der Sicht von Raoul, Vicomte de Chagny, erzählt und aus der Sicht der beiden neuen Operndirektoren. Das große Finale wird hauptsächlich durch die Aufzeichnungen des Persers – ja die Figur bekommt keinen anderen Namen – erzählt.
Dabei muss man die Geschichte im Rahmen der Zeit sehen. So ist der Schreibstil für unser heutiges Empfinden anstrengend und gerade die Charaktere sind sehr speziell. Abgesehen davon, dass so ziemlich alle Frauenfiguren schlecht wegkommen und nervig, hysterisch oder arrogant dargestellt werden, ist Raoul ein einziger liebestrunkener Verzweifelter. Das Phantom selbst wird lange Zeit als mystisches Überwesen etabliert, nur um dann einen liebestrunkenen Verrückten draus zu machen. Die Hintergrundgeschichte ist seltsam löchrig und irgendwie keine Erklärung für das Verhalten.
Das große Finale hat durchaus Potential, durch die Charaktere wird die Spannung aber regelmäßig wieder herausgenommen. Dennoch legt die Geschichte den Grundstein für einen Mythos, der zu vielen Interpretationen verleitete.

Das Fazit

Das Phantom der Oper von Gaston Leroux ist leider nicht gut gealtert und ist schwer zu lesen, da die Charaktere überwiegend schwer zu ertragen sind. Ein Klassiker, dessen Mythos spannender ist als die Geschichte selbst.

Love with Pride

Ein Vorwort

Autorin Lea Kaib ist einigen vielleicht ein Begriff als Booktuberin Liberiarium. Mit ihren Videos und Instagramposts verzaubert sie einen regelmäßig mit buchigen Themen. Nun hat sie sich an ihr erstes eigenes Buch gewagt. Da war ich schon neugierig. Doch LBTBQIAP+ Roman mit Own Voice Hintergrund? Ich musste das Buch haben. Wie mir das Debüt gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Stella hat keine guten Erfahrungen an ihrer Highschool gemacht. Nun soll es am College ganz anders laufen. In Haydensburgh will sie einen Neustart wagen und mutig sein. Trotz ihrer sozialen Ängste bewirbt sie sich bei den Zeta Kappa Sigmas. Dort trifft sie auf Ellie, die ihr ruhiges Leben ganz schön auf den Kopf stellt.

Meine Meinung

Neuautor*innen oder Menschen, die mit dem Schreiben beginnen wollen, wird oft geraten, viel zu lesen, um dabei zu lernen. Wenn jemand diesen Tipp wirklich gut umgesetzt hat, dann wohl Liberiarium. Aber reicht das, um einen guten Roman abzuliefern?
Vielleicht nicht bei jedem, aber Lea Kaib schafft es eine tolle Geschichte zu zaubern. Das es sich um ein Debüt handelt, merkt man eher an kleineren sprachlichen Dingen, die einen aber wohl auch eher auffallen, wenn man sich selbst mal mit dem Schreiben und Überarbeiten befasst hat – Ich sag nur mein Erzfeind „Als-Konstruktionen“.
Dafür hat die Geschichte so viel mehr zu bieten. Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht, um reinzukommen, vielleicht habe ich auch einfach einen Roman, der an einem amerikanischen College spielt zu viel gelesen. Dafür kreiert Lea mit Stella eine Protagonistin, die durch ihre Mobbingerfahrung geprägt ist und nun versucht daran zu wachsen. Die sozialen Ängste, die sich dadurch entwickelt haben, kann ich persönlich gut nachvollziehen, weswegen ich ganz und gar mit ihr mitgefiebert habe. Die Fortschritte, die sie macht, ebenso wie ihre Rückschläge habe ich bis in jedes Nervenende gespürt.
Ellie ist dabei ihr genauer Gegenpart. Das war wunderbar erfrischend und hat die Atmosphäre an mehreren Stellen deutlich aufgelockert. Man könnte anmerken, dass sie vergleichsweise wenig Ecken und Kanten hatte, aber da der Fokus auf Stella liegt, ist das vollkommen in Ordnung, da Ellie so mehr auf Stella eingehen kann und die Lesenden mit ihr wachsen.
Das es neben den Thematiken Outing, soziale Ängste, Mobbing und Labels auch um das Thema Studierendenverbindungen geht, hatte mich beim Klappentext etwas gestört. Aber ich finde die Aufarbeitung der Thematik sehr gelungen, da sie nicht so hochglorifiziert werden und das Für und Wider gerade durch Stellas Mitbewohnerin thematisiert wird. Schattenseite wie teilweise erniedrigende Aufnahmerituale werden angesprochen, aber in der Handlung selbst ausgespart.
Letztlich war es eine tolle Geschichte und gerade die Aufarbeitung von sozialen Ängsten hat mir gut gefallen. Ebenso, dass es eine LGTBQIAP+ Geschichte war, die sich mit Labels und Outing zwar beschäftigt, wo die Liebesgeschichte aber im Vordergrund steht. Gerade die Aufteilung in ein Davor und Danach hilft dabei, der Geschichte eine weitere Ebene zu schenken, ohne am Ende noch unbedingt ein paar Szenen anhängen zu müssen.

Das Fazit

Love with Pride ist eine Geschichte mit vielen Themen, die gut ausgearbeitet sind, und mit tollen Charakteren. Die Thematik soziale Ängste habe ich selten so gut aufgearbeitet gelesen und die Liebesgeschichte ist einfach Zucker. Ein Debüt, dem man auf jeden Fall eine Chance geben sollte.

Beckenrand Sheriff

Ein Vorwort

Über die Klischees deutscher Komödien habe ich wohl schon so ziemlich alles gesagt. Dennoch zieht es mich immer wieder rein, da es ja dieses Mal besser sein könnte. Bei Beckenrand Sheriff reizte mich, dass es wohl ausnahmsweise mal keine romantische Komödie sein sollte. Ob ich überrascht oder einmal mehr enttäuscht wurde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Für Bade… pardon Schwimmeister Karl Kruse (Milan Peschel) gibt es nichts anderes außer seinem Freibad. Mit seiner grantigen und überkorrekten Art hat er sich im Ort leider eher Feinde als Freunde gemacht. Als das Freibad wegen Mängeln am Bau und in der Kasse geschlossen werden soll, muss er sich mit dem örtlichen Wasserballteam zusammentun.

Meine Meinung

Wir brauchen mal eben alle Klischees zur deutschen Überkorrektheit in einer Person. Auftritt Karl Kruse. Jede Liege muss im absolut perfekten Winkel stehen, das Bad wird Punkt 10 Uhr aufgeschlossen und keine Sekunde eher, um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Das funktioniert gerade in der Auftaktszene sehr gut, doch kann es einen ganzen Film tragen?
Natürlich nicht und deswegen prallen hier einige verschiedene Themen aufeinander. Wir haben natürlich die Thematik rund um das Freibad, dem die Schließung droht, dann die Wasserballmannschaft, die sich auf ein wichtiges Spiel vorbereitet. Aber damit nicht genug, wir hätten noch die Themen Flüchtlinge, Einwanderung und Schlepper. Desweiteren Profisport und ein angeschlagenes Vater-Tochter-Verhältnis. Und natürlich auch ein bisschen Romantik, aber diesmal tatsächlich ganz dezent und an unerwarteter Stelle.
Aber wie passt das nun alles zusammen in die 114 Minuten Laufzeit? Erstaunlicherweise sogar sehr gut, wenn man darüber hinwegsieht, dass es sehr oberflächlich abgearbeitet wird. Aber manchmal braucht es auch gar nicht mehr, als ein paar nebenbei eingestreute Dialoge, um auf ein Problem aufmerksam zu machen. Vorurteile und Rassismus gegen Flüchtlinge ist schlimm, aber anstatt hier eine Grundsatzdiskussion draus zu machen, wird mit wenigen Szenen und Worten gezeigt, wie es anders geht. Andere Themen warten dafür auch am Ende noch auf eine Aufklärung.
Thematisch funktioniert der Film also schonmal. Doch wie sieht es mit der Komödie aus? Glücklicherweise wurde diesmal viel auf Situationskomik durch die verschiedenen Charaktere gesetzt, statt einen platten Spruch nach dem nächsten rauszuholen. Das funktioniert größtenteils sehr gut, doch so ganz kann der Film nicht aus seiner Haut. So sind einige Szene einfach drüber und gerade am Ende zieht es sich doch ins Lächerliche. Das wäre nicht notwendig gewesen und nimmt den bis dahin humorvollen Film irgendwie den Schwung, da man sich eher daran zurück erinnert.
Letztlich ist Beckenrand Sheriff ein Film, der auf vielen Ebenen vollkommen okay ist, auf einigen wenigen gut und an ein paar Stellen wohl einfach nicht anders konnte. So kommt er nicht über die Mittelmäßigkeit heraus, aber man kann ihn gut mal nebenbei schauen. So ein typischer Film für verregnete Herbsttage, an denen man sich noch einmal in den Sommer und damit ins Freibad zurückträumen möchte. Und jetzt entschuldigt mich, durch den Film habe ich Heißhunger auf Freibadfritten bekommen.

Das Fazit

Beckenrand Sheriff nimmt sich vieler Themen an, die er oberflächlich abarbeitet und dabei trotz der lockeren Atmosphäre auch ein paar gute Statements setzt. Ein paar Klischees über deutsche Komödien sind zu finden, aber im großen und ganzen funktioniert der Film gut. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Beckenrand Sheriff läuft seit dem 09.09.2021 in den deutschen Kinos.

Rückblick auf den September 2021

Der Herbst hat Einzug erhalten in Deutschland. Vorallem Wettertechnisch ist es immer verregneter geworden, auch wenn gerade Anfang des Monats noch so einige Sommerstunde lachte. Medientechnisch stand der Monat zum einem im Sinne von Dune, dem Kinoereignis des Jahres und zum anderen stand die Vorbereitung für die Monsterwochen im Oktober an. Was es darüber hinaus spannendes zu entdecken gab, erfahrt ihr meinem medialen Rückblick.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Shang-Chi and the legend of the ten rings: Shang-Chi lebt zusammen mit seiner besten Freundin Katy in den USA. Sie arbeiten zusammen für einen Parkservice. Doch Shang-Chi hat ein düsteres Familiengeheimnis, das ihn nun einholt. Denn sein Vater ist der Anführer der zehn Ringe. – Solides Marvelabenteuer mit hohem Fantasyanteil, das nicht ganz überzeugen konnte.

Beckenrand Sheriff: Für Bade… pardon Schwimmeister Karl Kruse gibt es nichts anderes außer seinem Freibad. Mit seiner grantigen und überkorrekten Art hat er sich im Ort leider eher Feinde als Freunde gemacht. Als das Freibad wegen Mängeln am Bau und in der Kasse geschlossen werden soll, muss er sich mit dem örtlichen Wasserballteam zusammentun. – Für eine deutsche Komödie erstaunlich gut, auch wenn es am Ende wieder over the top ist.

Dune: Haus Atreides wird vom Imperator dazu aufgefordert den Planeten Arrakis von Baron Harkonnen zu übernehmen und die Produktion des allseits beliebten Gewürzes Spice sicherzustellen. Der Planet ist jedoch eine einzige Wüste und spärlich besiedelt, abgesehen von den einheimischen Fremen. Paul Atreides, Sohn des Herzogs, hat vor der Abreise seltsame Träume und fürchtet sich um die Zukunft. Sind es nur Träume oder ist seine Familie in Gefahr? – Ein optischer grandioser, spannender, gut besetzter, also einfach perfekter Film.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

In Vorbereitung auf die Monsterwochen habe ich folgende Filme gesehen: Das Phantom der Oper (Stummfilm 1925), Das Phantom der Oper (Horror 1983), Das Phantom der Oper (Musical 2004) und Love never dies (Musical 2011).

Wenn die Gondeln Trauer tragen: Laura und John Baxter reisen nach Venedig, um dort eine Kirche zu restaurieren. Beide trauern noch um den Verlust ihrer Tochter. In einem Restaurant begegnet Laura zwei älteren Schwestern. Eine von beiden ist blind, erzählt Laura aber, dass sie ihre Tochter bei ihnen gesehen hat. Während John das abtut, ist Laura angefixt. Doch dann prophezeit die Schwester den baldigen Tod Johns. – Wieder ein Klassiker, den ich von meiner Liste streichen konnte, auch wenn es nicht mein Film war.

Die Taschendiebin: In den 1930er Jahren ist Korea von Japan besetzt. Taschendiebin Sookee wird als Hausmädchen bei einer Japanerin eingeschleust. Sie soll die Erbin manipulieren, damit sie den Hochstapler Fujiwara heiratet. Dabei ist mehr als nur eine Intrige aktiv. – War mir zu vollgepackt mit Klischees und Übersexualisierung. Ich mochte ihn nicht.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Der Rosengarten von Madame Vernet: Französische Komödie und Kapitalismuskritik rund um einen Rosengarten. Sah wenig spannend aus, aber ein paar positive Stimmen haben mich doch neugierig gemacht.

Helden der Wahrscheinlichkeit: Dänischer Thriller über einen Unfall, der wohl keiner war und einer Gruppe, die Rache nehmen wollen. Der neue Film von Anders Thomas Jensen. Sieht ganz interessant aus.

Die Schachnovelle: Verfilmung des Klassikers von Stefan Zweig mit Oliver Masucci. Sieht spannend aus.

James Bond 007: Keine Zeit zum sterben: Das neuste Abenteuer von Doppelnullagenten darf nach vielen Verschiebungen endlich auf die Kinoleinwand. Kinokarten sind schon gekauft.

Serien – ein etwas ausführlicherer Rückblick

Traumhaus Makeover – Staffel 1-2 (Eine sehr herzliche Renovierungssendung mit tollen Impulsen)

Love Victor – Staffel 1 (Die Serienfortsetzung zu Love Simon. Konnte mich nicht richtig mitreißen, aber die Aufbereitung der Thematik ist sehr stark und ein guter zweiter Blickpunkt zu Simon)

Glück und Freude mit Marie Kondo – Staffel 1 (Nach ihrer Aufräumsendung bekommt Marie Kondo ein zweites Format auf Netflix. Auch hier geht es vordergründig ums aufräumen, doch gleichzeitig hilft es den Kandidat*innen auch andere Bereiche in ihrem Leben zu überdenken)

True Detective – Staffel 3 (Die dritte Staffel hat sich leider viel zu lange gezogen und die Aufklärung am Ende war irgendwie nicht überzeugend)

Instant Hotel – Staffel 2 (Warum Staffel 2 und nicht 1? Weil Netflix der Ansicht war mir erst 2 zeigen zu wollen. Grundsätzlich interessantes Format, die Kandidat*innen waren jedoch durchwachsen)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 8
Seiten gesamt: 3.250
Seiten pro Tag: 108 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 1
Taschenbuch: 4
E-Book: 2
Manga: 1

Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte: Linus Baker ist Sachbearbeiter beim BBMM (Behörde für die Betreuung magischer Minderjähriger). Auch wenn ihn sein Job nicht gerade glücklich macht, glaubt er doch damit etwas Gutes zu tun. Dann bekommt er vom Allerhöchsten Management den Auftrag das Heim von Mr. Parnassus genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch was Linus dort erlebt, darauf konnte ihn kein Bericht vorbereiten. – Erfindet das Rad vielleicht nicht neu, aber bietet  eine herzerwärmende Geschichte.

Dune: Herzog Leto Atreides bekommt vom Imperator den Auftrag den Wüstenplaneten Arrakis von Baron Harkonnen zu übernehmen. Arrakis ist ein Planet, der nur spärlich besiedelt ist, da ein Überleben auf ihm sehr schwer ist, vor allem durch die ständig präsente Wasserknappheit. Doch er besitzt etwas, was das ganze Universum will: Das Gewürz. Mit dabei ist auch sein Sohn Paul, der sich einer ganz besonderen Ausbildung ausgesetzt sah und noch eine große Rolle im Kampf um das Schicksal des Planeten spielen soll. – Der Auftaktband zur großen Saga kommt mit einem beeindruckenden Weltenbau daher, auch wenn man sich ein wenig an den Erzählstil gewöhnen muss.

Vielleicht Jetzt: Gabrielle reist von Brasilien nach Deutschland, um dort ein Praktikum in der Firma ihres Vaters anzutreten, von dem sie zuvor nichts wusste. Im Flugzeug trifft sie auf Anton. Nach einem schlechten Start, funkt es zwischen ihnen. Kurz darauf stellt Gabriella fest, dass Anton ebenfalls in der Firma arbeitet. Nur sind Romanzen am Arbeitsplatz nicht gern gesehen. – Eine tolle Liebesgeschichte mit tollen Charakteren, auch wenn ich Anton das ein oder andere Mal einfach nur schütteln wollte.

Love with Pride: Stella hat keine guten Erfahrungen an ihrer Highschool gemacht. Nun soll es am College ganz anders laufen. In Haydensburgh will sie einen Neustart wagen und mutig sein. Trotz ihrer sozialen Ängste bewirbt sie sich Zeta Kappa Sigmas. Dort trifft sie auf Ellie, die ihr ruhiges Leben ganz schön auf den Kopf stellt. – Lea Kaibs Debüt ist vielleicht sprachlich nicht zu 100% ausgefeilt und braucht ein bisschen, um in Schwung zu kommen, doch die Geschichte ist toll und nimmt schwierige Themen auf, die gut umgesetzt sind.

Malady Deeply Moved: Der Schatten ist weiter hinter Malady her, um an die Liste der Almeidas zu kommen. Diese hält dich und genießt ihren Geburtstag. Doch die Bedrohnung kommt näher, ebenso wie sie Jupiter näher kommt. Doch da sind noch die Gefühle für Narcisco. – Dritter Band der Malady-Reihe, der sich am Niveau der Vorbände orientiert.

Mythnoir: Shary versucht auf dem Pferdehof ihrer Großeltern die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Da taucht der geheimnisvolle Nevan auf. Durch einen Unfall landet sie in seiner Welt, in Mythnoir. An einer Akademie muss sie sich ihrem neuen Leben stellen, voller Magie und Insignien. Dabei soll sie eine große Rolle in der Rettung der Welt spielen. Shary ist das alles sehr egal, sie will nur zurück. – Ein magisches Debüt mit einer spannenden Welt, tollen Charakteren, nur ein bisschen wenig Erklärungen.

My roomate is a cat 5: Harus Vergangenheit wird genauer betrachtet und Subaru resümiert, wie sich sein Leben seit der Begegnung mit Haru verändert hat. – Es wird traurig, aber auch hoffnungsvoll. Weiterhin eine Geschichte zum Dahinschmelzen, aber auch mit Fokus auf Soziale Ängste.

Love me forever: Der Abschluss der Reihe um die Zetas. Dante und Amanda haben endlich zusammengefunden und eine heiße Spur zu den Menschenhändlern. Können sie Jenny finden und Andrews Tod rächen? – Schwacher Finalband. Viel zu langes Beziehungshin und her, um dann das Finale in wenige Seiten zu quetschen. Sehr schade!

Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte

Ein Vorwort

Würde ich regelmäßig in einen Buchladen nur zum stöbern gehen, wäre dies wohl ein Titel und Coverkauf geworden. Da der Buchladen meines Vertrauens leider zu klein zum ausgiebigen Stöbern ist, lasse ich meist nur meine Bestellliste da und hol die einen Tag später ab. So hat mir Bookstagram geholfen, in dem das Buch regelmäßig in meine Timeline gespült wurde und meist mit dem dezenten Hinweis, dass es LGTBQIAP+-Charaktere gibt. Da war ich gleich dabei. Wie es mir gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Linus Baker ist Sachbearbeiter beim BBMM (Behörde für die Betreuung magischer Minderjähriger). Auch wenn ihn sein Job nicht gerade glücklich macht, glaubt er doch damit etwas Gutes zu tun. Dann bekommt er vom Allerhöchsten Management den Auftrag das Heim von Mr. Parnassus genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch was Linus dort erlebt, darauf konnte ihn kein Bericht vorbereiten.

Meine Meinung

Bei dem Namen Parnassus muss ich unwillkürlich an den Film „Das Kabinet des Dr. Parnassus“ denken. Ich fand ihn eher so semi, auch wenn sich mir eine Szene sehr nachhaltig ins Gedächtnis gebrannt hat. Dennoch ist es ein so außergewöhnlicher Name, dass ich bei den Beiträgen dazu auf Bookstagram aufmerksam wurde. Hinzu kam das Cover, auch wenn es eigentlich überhaupt nicht meine Farbe ist. Der Klappentext klang auch vielversprechend, weswegen ich dem Buch unbedingt eine Chance geben wollte. Als sich dann noch die Gelegenheit zu einem Buddyread bot, konnte mich nichts mehr halten.
Der Anfang der Geschichte war auch komplett nach meinem Geschmack. Ein sympathischer Protagonist, der trotz des ständigen Regens regelmäßig seinen Schirm vergisst. Und die BBMM war eine sehr gekonnte Überspitzung von Behörden und Großraumbüros. Jeder, der so etwas schonmal mitmachen musste, wird sich hier wiederfinden und herzhaft über die ganze Idee dahinter lachen können. Weiter geht es zur Insel, auf der das Heim liegt. Hier finden sich viele Parallelen zu „Die Insel der besonderen Kinder“, auch wenn die Grundstimmung und auch das Setting sich doch stark unterscheiden. Das erste Zusammentreffen der magischen Kinder und Linus habe ich als schwierig empfunden, auch wenn sich um eine betont lockere Atmosphäre bemüht wird.
Das ändert sich glücklicherweise im Laufe des Buches. Die Geschichte wird lockerer, auch wenn sie sich immer wieder schwierigen Themen widmet. Hier geht es vordergründig, um Außenseiter, einfach weil sie „anders“ sind. Um Kinder, die ihren Platz in der Welt suchen, auch wenn ihnen von allen Seiten gesagt wird, dass sie keinen Platz verdienen. Um Vorurteile und wie sie von mächtigen Institutionen nur geschürt werden. Aber auch um den schrittweisen Abbau dieser, um Freundschaft, um einfach Kindsein. Dabei verliert das Buch nie seinen oberflächlich lockeren Ton, auch wenn darunter eine dicke Schicht an Botschaften liegt.
Grundsätzlich waren viele Handlungsschritte vorhersehbar. Dennoch ist nie das absolut offensichtliche eingetreten, was oftmals meine Befürchtung war. Zwar ging es immer in die bekannte Richtung, hat aber nochmal eine neue Nuance reingebracht, so dass man doch auch überrascht wurde. So erfindet Mr Parnassus Heim für magisch Begabte das Rad nicht neu, aber verleiht ihm mehr Farbe und Persönlichkeit. Und hat mit Linus Baker wohl den für Introvertierte nachvollziehbarsten Charakter seit langem.

Das Fazit

Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte orientiert sich an bekannten Plotstrukturen, verleiht dem ganzen aber etwas neues frisches. Trotz betont lockerer Atmosphäre, geht das Buch auf viele wichtige Themen ein und schafft es mit Witz und Herz zu überzeugen.