The Darlington

Ein Vorwort

Als Autorin Laura Kneidl ihre neue Reihe vorstellte und sie mit den Vibes von Pretty Woman und Plötzlich Prinzessin bewarb, war ich schon sehr interessiert. Als dann die Klappentexte herauskamen, war ich von der Arm/Reich Schere der Charaktere doch stark abgeschreckt, spricht mich die Thematik eher selten an. Zumal mir der aktuelle Trend der High Society New Adult nicht zusagt und ich die meisten Bücher übersprungen habe. Aber irgendwie war ich doch neugierig, da mich die erste Reihe der Autorin mitunter wieder zum lesen gebracht hatte, also gab ich den Hörbücher eine Chance. Warum The Darlington erneut ein guter Vertreter des Genres ist und meine Vorurteile nicht bestätigte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Cover der drei Bücher der Reihe, die das Darlingtonlogo umrankt von Blättern zeigen, vor einem Bücherregal.

Band 1 – Henry & Kate

Die Cover des ersten Buchs der Reihe, das das Darlingtonlogo umrankt von Blättern zeigt

Die Handlung: Henry ist der millionenschwere Erbe des berühmten The Darlington. Doch ein Skandal rund um seinen Vater überschattet das Hotel, wodurch es in Schieflage gerät. Und dann ist auch noch sein Handy verschwunden. Dies findet er bei der obdachlosen Kate, die alles verloren hat. Zwischen beiden entsteht eine ganz besondere Verbindung und Kate findet eine Anstellung im Darlington. Doch ist der Unterschied einfach zu groß zwischen ihnen?

Meine Meinung: Natürlich habe ich früher auch Pretty Woman geschaut und mich für Vivian gefreut, als sie nach einem ausführlichen Shoppingtrip den gemeinen Verkäuferinnen ein „Schön blöd“ entgegenschleuderte oder als Mia sich in Plötzlich Prinzessin endlich für ihre Rolle entschieden hat und sich dann auch für den netten Bruder ihrer besten Freundin entschieden hat, statt des eingebildeten Mistkerls. Aber als ich den Klappentext zu The Darlington gelesen habe, habe ich nichts von den Vibes gespürt, die eigentlich auch auf vielen Ebenen inzwischen überholt sind – was den Nostalgiefaktor jedoch nicht trübt. Stattdessen war meine Sorge, dass mich diesmal nicht nur der High Society Aspekt stören würde, immerhin haben wir es natürlich gleich mit einem Millionenerben zu tun, sondern unsere Prota ist obdachlos. Bitte nicht falsch verstehen, mir geht es nicht um die Tatsache an sich, ich habe Laura Kneidl zugetraut sich genug mit dem Thema auseinander gesetzt zu haben. Mir geht es vielmehr um das sehr starke Machtgefälle zwischen den beiden. Denn nach Gesprächen mit Leuten, die sich viel mit den Gründen für Obdachlosigkeit und den Weg heraus beschäftigt haben, vor Ort waren und diese Gespräche direkt geführt haben, ist mir bewusst, dass es fast unmöglich ist, aus der Obdachlosigkeit zu kommen, ohne eine helfende Hand zu haben. Diese aber in einem Romancesetting, ohne direkt in die nächste Abhängigkeit zu geraten, stellte ich mir einfach wahnsinnig schwer vor und machte um die Reihe zunächst einen Bogen. Aber irgendwann siegte doch die Neugier, hatte Laura Kneidl doch auch bereits andere Themen mit einer Stärke umgesetzt, die auf dem Buchmarkt sonst oft vergebens gesucht wird. Und tatsächlich, all meine Befürchtungen waren völlig umsonst. Wir bekommen Kates ganze ungeschönte Geschichte und verstehen ihren Weg und wo sie ihren Ausweg gesucht hat. Wir treffen aber auch auf Henry, der sich seiner Privilegien durchaus bewusst ist, diese refklektiert hat und einen Weg sucht für sich selbst, aber auch für seine Angestellten auf bestmögliche Weise einzustehen. Denn abgesehen von der Romancegeschichte bekommen wir mit seinem Vater eben auch die Kehrseite der High Society. Einen Mann, der (mutmaßlich) mehrere Frauen vergewaltigt hat, aber so viel Macht und teure Anwälte hat, dass der Prozess bereits im Vorfeld schlecht aussieht. Dennoch gibt es in der gesamten Reihe hier die mutigen Frauen, die für sich und ihre Rechte kämpfen, die Gerechtigkeit wollen und denen egal ist, gegen wie viel Macht und Einfluss sie kämpfen. Dies zieht sich auch durch alle drei Bücher, weswegen wir hier keine Auflösung geboten kriegen, was vollkommen okay ist. Die Realität zeigt, wie schwer es ist, als Frau beweisen zu können, dass Nein gesagt wurde, das es keine einvernehmliche Handlung war, und genau das wird hier auch gezeigt. Zwar immer nur am Rand, denn die Handlung zwischen Kate und Henry bietet so viel mehr, aber sie ist stets präsent. Kommen wir also zu unserem Pärchen zurück. Ja, Henry hilft Kate aus der Obdachlosigkeit, bietet ihr ein Heim im Hotel und einen Job. Was zu dem nächsten Problem führt, da er nun ihr Chef ist und sie ihm so viel verdankt, wie soll jetzt noch eine Beziehung auf Augenhöhe möglich sein? Aber auch genau dem stellt sich das Buch. Es lässt die Frage von beiden Charakteren ausdiskutieren, ihren Weg finden, gegen Hindernisse und Vorurteile ankämpfen. Und natürlich auch gegen die Presse, denn wir sind immer noch in der High Society. Und damit bleibt mir zum ersten Band nur abschließend die Frage zu stellen: Wieso habe ich an der Autorin gezweifelt?

Band 2 – Ethan & Grace

Die Cover des zweiten Buchs der Reihe, das das Darlingtonlogo umrankt von Blättern zeigt

Die Handlung: Nach dem Unfalltod ihrer Zwillingsschwester trauert Grace noch immer und vergräbt sich in ihrer Arbeit als Zimmermädchen im Luxushotel The Darlington. Dort ist es ausgerechnet Partyboy und zweiter Sohn der Gründerfamilie Ethan Darlington, der ihr beisteht. Und beide müssen feststellen, dass sie auf der gleichen Seite stehen und das Knistern zwischen ihnen nicht mehr ignorieren können.

Meine Meinung: Um ehrlich zu sein, habe ich es direkt nochmal getan. Zwischen Band Eins und Band Zwei vergeht bei mir über ein halbes Jahr, ehe ich mich doch der Fortsetzung widme. Das liegt daran, dass der Cliffhanger aus Band 1, der direkt Grace betrifft, und die Einführung von Ethan aus dem vorherigen Band, erneut meine schlimmsten Befürchtungen befeuert haben. Ich hielt den Cliffhanger nicht für sinnvoll auflösbar und befürchtete das Schlimmste. Zumal Ethan zuvor ein ziemlicher Kotzbrocken war und ich ihn mir einfach nicht als Love Interest vorstellen konnte. Doch auch diesmal wurde ich eines besseren belehrt und vielleicht sollte ich anfangen weniger Vorurteile zu haben, zumindest bei Autorinnen, die zuvor mehrfach bewiesen haben, das sie ihr Handwerk verstehen. Denn Ethan hat hier bereits aus anderen Gründen angefangen seinen Lebenstil zu überdenken und sich und seine Werte neu zu definieren. Dafür brauchte es keinen Schubs von Grace, was ich sehr begrüße. Natürlich geht es auch hier weiter mit den Prozessen gegen den Vater und wir sehen, wie Ethan diese stets begleitet. Wir lernen aber auch seine Gründe dafür und dass er durchaus nicht für die Verteidigung dabei ist. Hier merkte ich, dass ich selbst wieder zu früh geurteilt hatte, ohne die Beweggründe zu kennen und auch wenn ich anderer Meinung war, verstand ich, wieso er handelte. Gegen Ende bekommt das Buch noch einen Crime-Drill, der zur Geschichte an sich passte, und meine Befürchtungen vom Anfang komplett widerlegten. Also, wieso hatte ich erneut so lange gezögert?

Band 3 – Logan & Rose

Die Cover des dritten Buchs der Reihe, das das Darlingtonlogo umrankt von Blättern zeigt

Die Handlung: Der Prozess rund um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Richard Darlington geht in die finale Phase. Und weil es immer mehr nach einer Niederlage aussieht, mischt sich nun auch Logan ein. Der mittlere Sohn hat eigentlich vor vielen Jahren mit seiner Familie gebrochen, will aber nun eine Zeugin finden und für die Recherchen heuert er im Familienhotel als Küchenchef an. Dabei trifft er auf Rose, mit der er vor vielen Jahren einen One-Night-Stand hatte, den beide nicht vergessen können. Doch Rose hat Gründe, warum sie sich auf keinen Darlington einlassen will. Nur dass es ihr bei Logan immer schwerer fällt.

Meine Meinung: Immerhin hier gab es für mich kein Zögern mehr. Ich war gespannt auf die Geschichte, zumal Logan zuvor zwar bereits auftauchte, durch die Distanz zu seiner Familie aber auch für mich nie ein möglicherweise problematischer Love Interest war. Und als finaler Band wusste ich, dass auch der Gerichtsprozess um Richard Darlington endlich ein Ende finden würde. Die Frage, war auf welche Art. Und das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Aber für den Weg dahin brauchte es noch eine zuverlässliche Zeugin und die ist Logan sehr bereit zu finden, was sich aber als schwierig herausstellt. Vor allem, wenn der One-Night-Stand von damals, den er nie vergessen hat, direkt vor einem steht. Ich würde gar nicht sagen, dass ich die Geschichte am meisten mochte, weil ich die Charaktere diesmal an keiner Stelle vorverurteilt hatte. Aber Logan hatte schon im ersten Band einen Platz in meinem Herzen bekommen und auch Rose kannte ich nun schon zwei Bände über, was irgendwie ein anderes Gefühl auslöste. Aber auch Henry lernen wir hier nochmal von einer neuen Seite kennen und der Gerichtsprozess wurde immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Und hier zeigt sich wieder, wie nah an der Realität das leider alles ist. Denn ohne neue Beweise drohte der Prozess zu scheitern. Das mutige Aufstehen der Frauen, die sich damit die Wut und den Hass vieler Leute ausgesetzt haben, drohte zu Nichts zu verfallen. Ich möchte euch hier den Ausgang auch gar nicht vorweg nehmen, dafür möchte ich euch die Buchreihe viel zu gern ans Herz legen. Aber diese Reihe ist einfach so viel mehr als nur drei Geschichten in der High Society und das war etwas, was ich dringend mal wieder brauchte.

Das Fazit

The Darlington bringt uns nicht nur drei gut geschriebene Liebesgeschichten, sondern auch einen Gerichtsprozess, der es in sich hat. Laura Kneidl beweist einmal mehr ihr Geschick für gute Figuren, starke Charaktere und vor allem viel Einfühlungsvermögen. Ein Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen, verpackt in drei tolle Bücher. Und auch, wenn es sehr viel Realität beinhaltet, ist es doch ein Ausbrechen aus eben dieser. Und daher kann ich die Reihe nur vollsten Herzens empfehlen.

Zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit

Ein Vorwort

Wie viele von uns hegen innerlich den Wunsch einmal in den Weltraum zu reisen? Einmal die Erde von oben sehen und doch scheint der Traum unendlich weit weg. Doch wie viel unwahrscheinlicher ist der Traum, wenn dann noch eine Querschnittslähmung dazukommt? Doch auch, wenn es unmöglich schien, hat Michaela Benthaus genau dies zustande gebracht. Sie war die erste Rollstuhlfahrerin im All. Über ihren Traum und ihren Weg dorthin berichtet sie in dieser Autobiographie und wieso ich das Buch empfehle, berichte ich in dem heutigen Beitrag.

Das Buch wurde mir vom Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich dafür und kennzeichne diesen Beitrag als Werbung.

Das Buch steht vor einem Bücherregal. Daneben ist eine Tasse mit dem Spruch "Stay Wild Moonchild".

Die Handlung

Michaela Benthaus studiert, um irgendwann in der Raumfahrt arbeiten zu können. Ihr heimlicher Traum ist es aber irgendwann selbst einmal ins All zu reisen. Doch dann hat sie einen schweren Mountainbike Unfall und erwacht mit einer Querschnittslähmung. Doch sie gibt nicht auf und kämpft sich nicht nur zurück in ihren Alltag, sondern auch beruflich weiter. Nur ein paar Jahre später schafft sie es als erste Rollstuhlfahrerin ins All.

Meine Meinung

Bisher sind ca. 700 Menschen im Weltraum gewesen. Die Quote der Männer ist dabei sehr hoch. Noch immer ist es als Frau sehr schwierig Astronautin zu werden und wenn sie es schafft, dann kommen abstruse Meldungen, wie Tamponmengen, die ihr zur Verfügung gestellt werden. Aber selbst, wenn wir hiervon einmal absehen, wie wahrscheinlich ist es, dass Menschen mit Behinderungen es ins All schaffen? Aber wenn niemand den Anfang macht, wie soll die Forschung zur Barrierefreiheit dann vorankommen?
Wir lernen Michaela als junge Frau mitten in ihrem Studium der Mechatronik kennen. Als Ausgleich fährt sie Mountainbike und lebt ihr Leben in vollen Zügen. Die Faszination für den Weltraum ist bereits da und ihr Aufbaustudium soll sie mehr in diese Richtung bringen. Doch nur ein Sprung, der nicht so funktioniert hat, wie er sollte und schon ändert sich ihr Leben schlagartig. Unzählige Operationen später steht fest, dass sie eine Querschnittslähmung hat und nun im Rollstuhl sitzt. Schon hier nimmt sie uns mit, teilt ihre Gedanken, reflektiert die Erlebnisse und zeigt ungeschönt ihre Ängste und Sorgen. Ein ganz schön harter Einstieg, aber wir Lesenden wurden damit auch direkt in Michis Realität gezogen, die ungeschönt dargestellt wird, aber auch nicht überdramatisiert. Und mit dieser schonungslosen Ehrlichkeit konfrontiert sie uns noch ein paar Mal.
Denn auch, wenn sie ihren Weg zurück ins Leben findet und ihren Alltag und ihre Träume wieder aufnimmt, so zeigt sie doch ganz klar, wie ihr mangelnde oder gar fehlende Barrierefreiheit den Alltag unnötig verkomplizieren und worüber sich jemand ohne Rollstuhl keine Gedanken machen muss. Bürokratie, die das Mindestmaß an notwendigem stark verkompliziert und wer nicht gerade eine Anwältin als Mutter hat, die unerbitterlich für die Rechte kämpft, steht noch einmal schlechter da. Und auch das ist ein Punkt, den die Autorin immer wieder klar betont. Es sind ihre Erfahrungen, ihre Gedanken und ihr Umgang mit der Behinderung. Es ist keine Blaupause, die auf alle im Rollstuhl oder mit Querschnittslähmung übertragen werden kann.
Wir begleiten Michi weiter durch ihr Studium und schließlich zu ihrem ersten Job. Wir lernen mit ihr Menschen kennen, die ihren Weg begleitet haben und die an ihren Traum ebenfalls glaubten und sich für mehr Barrierefreiheit in der Raumfahrt eingesetzt haben. Vom Parabelflug über eine Marssimulation auf der Erde. Die einzelnen Stationen sind so schon unfassbar spannend und zeigen immer neue Herausforderungen und wie diese gemeistert wurden.
Selbst, wenn sie am Ende nicht in den Weltraum geflogen wäre, wäre der Weg dahin schon dieses Buch absolut wert gewesen. Denn auf jeder Seite kommt ihre Begeisterung für die Raumfahrt durch und das auf allen Ebenen. Dabei erklärt sie uns einzelne Begriffe und Abläufe so, dass auch jeder, der absolut kein Vorwissen hat, es versteht, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Insgesamt waren es sehr angenehme Erklärungen und auch die Bedeutung von Unternehmen, wie Blue Origin und Space-X, die bei mir wegen ihrer CEOs eher negativ besetzt sind. Sie geht in einen kritischen Diskurs und erläutert ihre Haltung dazu mit Argumenten, die mir vorher gar nicht bewusst waren.
Am Ende ist es eine wahnsinnig gut geschriebene Geschichte über ein Leben, das alles andere als leicht ist, aber geprägt von großen Träumen und dem Weg dahin. Sie ist inspirierend, ohne bewusst inspirierend sein zu wollen. So herzlich und voller Ehrlichkeit und da es hilft, weiter das Bewusstsein für mangelnde Barrierefreiheit zu schärfen, auch abseits des Themas Raumfahrt ein wichtiges Buch.

Das Fazit

Zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit bietet eine spannende Geschichte, geprägt von Ehrlichkeit und Träumen. Die Faszination zur Raumfahrt ist allgegenwärtig und doch ist es auch ein Appell an mehr Sichtbarkeit und für mehr Barrierefreiheit. Ich kann es nur bedingungslos weiterempfehlen.

Coyote vs. ACME

Ein Vorwort

Wer von euch ist auch mit den Looney Tunes aufgewachsen? Die Kurzfilme gehörten für mich früher regelmäßig zum Sonntag Morgen Programm. Und natürlich neben Bugs Bunny und Tweety mochte ich sehr den Road Runner und Wile E. Coyote. Das Meep Meep des Road Runners nutze ich häufig, wenn ich Leute auf mich aufmerksam machen will und freu mich, wenn Leute drauf einsteigen. Dass es nun einen neuen Film mit genau diesen Charakteren geben sollte, ging aber komplett an mir vorbei. Umso überraschter und begeisterter war mein Kinobesuch. Ob der Film meinen Kindheitserinnerungen gerecht werden konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Kinotitels auf einer Filmklappe.

Die Handlung

Nach jahrelangen Fehlversuchen endlich den Road Runner zu fangen, hat Wile E. Coyote wieder einen herben Rückschlag erlitten. Nachdem er eine Werbung für einen Anwalt für Cartoonschäden sieht, packt er alle Artikel von ACME, die er im Laufe der Jahre gesammelt hat, zusammen, um eine große Klage hervorzurufen. Nur, dass dieser eher auf minimale Vergleiche spezialisiert ist und nicht mit einem so großen Prozess gerechnet hat. Doch ACME hat noch mehr zu verbergen und versucht daher alles, dass nicht zu tief gegraben wird.

Meine Meinung

Wirklich viel Marketing hatte der Film im Voraus nicht, so dass er fast an mir vorbeigegangen wäre. Dabei wäre er fast steuerlich einfach abgeschrieben worden und konnte nur durch das kleine Studio Ketchup Entertainment gerettet werden. Also eigentlich eine spannende Entstehungsgeschichte, aber darum soll es hier gar nicht großartig gehen. Denn allein die Prämisse, dass die Geschichten von Coyote und Road Runner genutzt werden, um einen großen Rechtsstreit vom Zaun zu brechen, zog mich sofort ins Kino.
Dabei bekommen wir direkt am Anfang gezeigt, dass es wohl um etwas deutlich größeres gehen wird. Denn wir treffen zunächst auf Dr. Lorre, der in einer ACME Fabrik eine schreckliche Entdeckung gemacht hat. Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, riskiert er alles und verliert. Hier haben wir also bereits eine große Verschwörung, ehe wir zu Wile E. Coyote kommen und in der eigentlichen Geschichte landen. Wir begleiten seine Reise in die Stadt zu Kevin Avery, der eine nicht wirklich erfolgreiche Anwaltskanzlei führt, die sich auf Cartoonschäden spezialisiert hat. Allerdings eher auf Vergleiche mit kleinen Entschädigungssummen.
Und hier entwickelt sich die Geschichte sehr dynamisch. Wir haben natürlich einige Klischees, die aber auch direkt so benannt werden. Der frustrierte Anwalt ohne Erfolg, die übereifrige Nichte, die noch an das Gute im Rechtssystem glaubt und natürlich der böse Konzern, der eine sehr gut organisierte Rechtsabteilung hat. Und mittendrin eine Menge Cartoon Charaktere. Und die Vermischung dieser Elemente macht auch den Witz aus, denn es ist ein reines „Was wäre, wenn die Cartoon Charaktere einfach in unserer Welt leben würden“. Wir bekommen das Loch in der Wand beim herausrennen, aufgemalte Türen, die zu echten werden und jede Menge weitere Kleinigkeiten, die beim entdecken unglaublich viel Spaß machen, ebenso wie die ganzen Cameos aus dem Looney Tunes Universum.
Auch die Freundschaft, die sich zwischen Kevin und Avery Paige und Coyote aufbaut, ist gut geschrieben und durch ein Auf und Ab geprägt. Die Dynamik mit John Cena als Gegenspieler sorgt auch für einige witzige Momente, so dass der Film gut zu unterhalten weiß. Meine Erwartung an die Gagdichte war eine höhere, aber zu sagen, sie wäre zu niedrig, ist auch übertrieben.
Lediglich das Ende hinterlässt leider einen Nachgeschmack. Hier wird die Anfangssequenz um Dr. Lorre und seine Entdeckungen wieder aufgegriffen und wir bekommen eine alternative Erzählung zu Tierversuchen. Und dass der böse Konzern nur auf Profit aus ist, überrascht natürlich keineswegs. Aber dass hier keine Gegenargumentation aufgemacht wird, sondern die Begründung einfach so stehen gelassen wird, da die Geschichte mit dem Road Runner auserzählt werden musste, ist durchaus problematisch. Gerade da auch Kinder zur Zielgruppe gehören, hätten diese Aussagen eingeordnet werden müssen. So bleibt irgendwo ein Nachgeschmack bei einem ansonsten sehr unterhaltsamen Film.

Das Fazit

Coyote vs. ACME schafft es Nostalgie in ein modernes Setting zu verfrachten und die Looney Tunes in eine witzige Geschichte rund um einen Rechtsstreit zu stecken. Mit tollen Witzen und einer ans Herz gehenden Geschichte weiß der Film Jung und Alt abzuholen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Coyote vs. ACME läuft seit dem 10.09.2026 in den deutschen Kinos

Spider-man 4 – Brand new Day

Ein Vorwort

Ach das MCU existiert noch? Das war meine ehrliche Reaktion als ich zum ersten Mal den Trailer zum inzwischen vierten Spider-Man Film aus dem Hause Marvel (aber eben auch aus dem Hause Sony … es ist kompliziert). Denn nach zu vielen schlechten Filmen und Serien in den letzten Jahren ist meine Begeisterung sehr stark abgeflacht und ich habe aktuelle Entwicklungen nur noch am Rande verfolgt. Warum Spider-Man – Brand new Day ein Grund ist, dem MCU doch wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels mit Kinokarte auf einer Filmklappe

Die Handlung

Vier Jahre, nachdem die Welt und damit auch seine besten Freunde und seine große Liebe Peter Parker vergessen mussten, schuftet er sich als Spider-Man jeden Tag kaputt. Bis jemand es schafft Besitz von Menschen zu nehmen und diese dazu zu bringen das Hochsicherheitsgefängnis anzugreifen. Dabei wird der Schwerverbrecher Scorpion befreit, der kurz darauf die Damage Control angreift. Doch Peter kämpft zeitgleich mit seinen Spinnenkräften, die außer Kontrolle geraten. Hat auch er ein Monster in sich, das kontrolliert werden muss?

Meine Meinung

Es gab Zeiten da war ich mit dem MCU so sehr vertraut, dass ich aus dem Kopf ganze Zusammenfassungen geschrieben habe, damit ich euch die in Beiträgen zu neuen Filmen verlinken konnte, damit ihr stets wusstet, welche vorherigen Filme relevant waren und was dort passiert ist. Denn im MCU ist alles irgendwie miteinander verknüpft und es gibt so viele Andeutungen, die für Fans stets ein Beweis war, wenn alle gefunden wurden, dass man sich wirklich gut auskannte. Doch nachdem mit Endgame meiner Meinung nach ein runder Abschluss gefunden wurde, ging die vierte Phase los und eröffnete nach der Infinity-Saga die Multiverse-Saga. Die war leider geprägt von unfassbar schlechten Filmen, wie Eternals, und selbst bekannte Helden bekamen grauenhafte Fortsetzungen, wie Dr. Strange. Hinzu kam eine regelrechte Flut an Serien und während am Anfang noch ganz interessante dabei waren, nahmen auch diese immer mehr an Qualität ab und spätestens bei dem Komplettreinfall She-Hulk hatte ich kein Interesse mehr.
Aber irgendwo schlummerte meine Liebe zu dem Fandom noch. Ein The Avengers kann ich bis heute fast auswendig mitsprechen. Und während ich die Serien einfach anfing zu ignorieren, verfolgte ich die Filme noch halbherzig. Hier gab es zumindest immer weniger pro Jahr und die absolute Übersättigung nahm etwas ab. Und zumindest die Thunderbolts konnten mich wieder überzeugen, dass noch Ideen im MCU schlummerten, die langsam rausgelassen werden wollten.
Und damit kommen wir nach unfassbar vielen Worten vorab endlich zu Spider-Man. Denn nach dem Trailer war ich mir nicht sicher, ob hier etwas draus werden könnte, oder ob er sich in die immer länger werdende Liste der Enttäuschungen einreihen würde. Aber erste Eindrücke im Freundeskreis erzählten vom Gegenteil also ging ich vergleichsweise optimistisch ins Kino.
Und nach einem eher ruhigen Anfang kommen wir wahnsinnig schnell in die Action, die es aber schafft eine Menge Geheimnisse aufzumachen und daher auch noch eine Weile ein Rätselraten lässt, mit welchem Antagonisten wir denn konfrontiert werden. Und als die Auflösung kam, war ich sehr enttäuscht, denn es war keine Unbekannte im erweiterten MCU (aus Spoilergründen bleibe ich hier bewusst wage), und ich verband nichts Gutes mit dem Charakter. Aber Brand New Day bewies mir das endlich das Gegenteil. Nämlich, das mit einem starken Hintergrund, einer durchdachten Story und wenn die Antagonsten mal nicht austauschbare Statisten sind, wir durchaus mit ihnen mitfühlen können.
Vor allem wird hier aber viel damit gespielt, wer ist wirklich Gut und Böse. Das wird auch durch Spider-Mans Problemen mit seinem Spinnen-Gen gezeigt, wodurch er überlegt, ob er sich kontrollieren muss, wie Hulk. Hier zeigt der Film, wie zuletzt auch Thunderbolts, das sie vom reinen Popcornkino auf eine andere Ebene zu klettern wissen. Aber keine Angst, die Action kommt hier nicht zu kurz. Auch treffen wir wieder alte Bekannte, wie Peters Freunde Ned und MJ, aber auch bekannte Gesichter aus dem MCU, wie Hulk und relativ frisch The Punisher. Dieser ist aus der gleichnamigen Netflix-Serie bekannt, die jetzt irgendwie seit Daredevil ins MCU aufgenommen wurde, auch Canon ist. Und er bringt hier definitiv frischen Schwung mit und bietet einen guten Kontrast zu Peter. Die Dialoge zwischen den beiden lockern den gesamten Film deutlich auf, ihre unterschiedlichen Herangehensweisen bieten Spielraum für Diskussionen und sorgen so für differenzierte Betrachtungsmöglichkeiten.
So macht Brand New Day einiges richtig und konnte mich durchaus überzeugen dem MCU wieder mehr eine Chance zu geben, Ich bin sehr gespannt, ob dich Doomsday hier gleich wieder übernimmt, oder der gute Kurs beibehalten wird.

Das Fazit

Spider Man 4 – Brand New Day hat eine durchdachte Handlung, gute Charakterentwicklungen und kombiniert dies mit spannender Action. Die Kombination aus bekannten und neuen Charakteren geht gut auf und sorgt so für Hoffnung für das MCU. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Spider-Man 4 – Brand New Day lief seit dem 30.07.2026 in den deutschen Kinos

Dr. Stone

Ein Vorwort

Stellt euch vor, ihr würdet mehrere tausend Jahre schlafen und wacht als einer von wenigen Menschen wieder auf. Die Natur hat sich die Erde zurückgeholt und es wäre nichts von der heutigen Zivilisation mehr übrig. Würdet ihr überleben? Also ich wäre vollkommen aufgeschmissen. Aber genau um diese Prämisse und den Wiederaufbau durch Wissenschaft geht es in Dr. Stone. Warum die Serie die Idee gut umsetzt und darüber hinaus auch zu begeistern weiß, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Serientitel als Fanart auf einem lila Sofa mit Charakterkarte von Senku und Fernbedienung.

Die Handlung

Taiju hat sich nach fünf Jahren des Anschmachtens endlich entschieden seiner großen Liebe diese zu gestehen. Doch ein Phänomen, das einem grünen Licht gleicht, lässt alle Menschen und Schwalben zu Stein werden. Es vergehen tausende von Jahren, ehe Taiju durch ein Wunder aus seiner Starre erwacht. Zum Glück ist auch sein bester Freund Senku erwacht, der durch seine große Liebe zur Wissenschaft zwar das Leben in der neuen Steinzeit ganz gut gemeistert hat, es fehlt ihm aber an Kraft, die Taiju mitbringt. Zusammen versuchen sie ihr Leben annehmlicher zu machen. Dabei erwecken sie jedoch einen Gegner der Wissenschaft, der es fortan auf Senku abgesehen hat.

Meine Meinung

Nachdem dieser Anime regelmäßig in Bestenlisten von Animes auftauchte, wagte ich Anfang 2025 einen ersten Blick und war relativ schnell in den Bann gezogen. Die insgesamt vier Staffeln fanden nun vor ein paar Wochen ihren Abschluss und auch ich verfolgte das Finale gespannt. Dabei hat sich die Welt rasant weiterentwickelt und am Ende ging es sogar in den Weltraum.
Dabei begann alles ganz klein. Die Menschen erstarrten zu Stein und tausende von Jahren vergingen. Bis schließlich mit Senku und Taiju die ersten Menschen wieder erwachten. Und das ist eine glückliche Kombi, denn ganz klassisch ist einer stark und der andere hat genug Wissen, um die ersten Erfindungen vorzunehmen. Zusammen finden sie die sogenannte Wiedererweckungsflüssigkeit, wodurch sie Menschen entsteinen können. Doch gleich mit der dritten Person handeln sie sich ein Problem ein. Denn Tsukasa ist ein unheimlich guter Kämpfer und hilft ihnen daher im Kampf gegen die Wildtiere, die die Menschen als Futter ansehen, doch sieht er die Wissenschaft und die angestrebte Wiedererweckung der gesamten Menschheit als großen Fehler an. Denn waren sie es doch, die Hass und Missgunst gestreut hatten und die Natur stückweise zerstörten. Er dringt darauf, nur ganz bestimmte Menschen zurückzuholen.
Damit entstehen schon bald zwei Lager, was sich als Handlungsstrang noch bis durch die zweite Staffel erstreckt. Während es hier gerade am Anfang mitunter ein paar Längen gab, entdeckt Senku schon bald, dass es ein einziges Dorf gibt, das nie versteinert war, aber die Zeit davor maximal aus alten Mythen kennt. Hier findet er Verbündete und wir lernen eine Menge Charaktere kennen, die uns eine ganze Weile begleiten werden. Und mit diesen sehr unterschiedlichen Charakteren kommt auch richtig Schwung in die Handlung. Senku bleibt der Überflieger, der durch sein Wissen und mit der tatkräftigen Unterstützung aller weitere Entwicklungen vorantreibt. Aber hier wiederholt sich die Geschichte wohl, denn durch den Konflikt mit Tsukasa wird natürlich die Waffenentwicklung zunächst voran getrieben.
Und genau diese Entwicklung zieht sich auch durch alle Staffeln. Zwischendurch gibt es noch andere Handlungsstränge und mit der Zeit zeigt sich, dass es jemanden gibt, der/die bewusst die Versteinerung der Menschheit herbei geführt hat. Und so nimmt auch die Suche nach diesem Gegner viel Platz ein. Es bleibt aber stets ein guter Ausgleich zwischen Charakterentwicklung, Wissenschaft und Abenteuer. Zwar bleibt regelmäßig fraglich, wie Senku allein all das Wissen haben kann, immerhin war er zu seiner Versteinerung gerade mal 15 Jahre alt. Und auch, wenn er sich stets für die Wissenschaft interessiert hat, so gibt es doch so viele verschiedene Aspekte, in denen er auf einmal Profi ist, dass es doch etwas übertrieben wirkt.
Die einzelnen Staffeln haben verschiedene Arcs, in die sie aufgebaut sind. Dabei hätte gerade die abschließende vierte Staffel mit ihren insgesamt 37 Folgen durchaus in zwei Abschnitte geteilt werden können. Hier war mitunter der größte Spannungsaufbau zu verzeichnen, und doch wirkt das Ende unglaublich gehetzt. Über 94 Folgen haben wir die gesamte Geschichte verfolgt und gerade mal in den letzten zwei Folgen haben wir den finalen Showdown, der dann auch mit ein paar wenigen Dialogen geregelt wurde. Das war dann nach all der Zeit doch ziemlich enttäuschend. Da war das Mid-Season Finale wesentlich spannender und durchdachter.
Auch die Erklärung an sich, wie es zu allem kam und wieso die Menschheit versteinert wurde, fühlte sich sehr leer und gewollt an. Da wurde definitiv das Geheimnis größer aufgebaut, als es letztlich gelöst wurde. So hatte ich sehr viel Spaß über die ganzen Staffeln und habe mitgefiebert, mitgeweint, mitgebastelt, aber am Ende war ich doch etwas ratlos und fühlte mich um ein richtig ausgearbeitetes Ende betrogen. Und dennoch würde ich die Serie jederzeit weiterempfehlen.

Das Fazit

Dr. Stone ist ein Abenteuer-Anime, der mit einer einzigartigen Prämisse und gut umgesetzten wissenschaftlichen Erklärungen funktioniert und doch stets Charakterentwicklung und Spannung kombiniert. Einige Voraussetzungen müssen hier einfach akzeptiert werden und doch ist der wissenschaftliche Part gut recherchiert. Lediglich das Ende wirkt eher enttäuschend, da der Aufbau dorthin wesentlich spannender war und das große Geheimnis am Ende zu schnell abgehandelt wurde.

Die Odyssee

Ein Vorwort

Antike Heldensagen und Göttergeschichten sind gerade wieder voll im Trend. Zumindest lassen das die unzähligen Retelling, die aktuell den Büchermarkt überschwemmen vermuten. Und auch im Jugendbuchbereich lässt der noch immer bestehende Percy Jackson Hype, angespornt durch die aktuelle Serienadaption, den gleichen Schluss zu. Nicht auf meiner Bingokarte hatte ich, dass Regisseur Christopher Nolan da mit aufspringt. Eben jener Regisseur, der uns nicht nur The Dark Knight, sondern auch Inception oder zuletzt Oppenheimer brachte. Warum sein Ansatz sehr gut funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe. Dahinter liegt ein Buch über Mythologie, aufgeschlagen auf der Seite über Odysseus lange Heimkehr

Die Handlung

Acht Jahre nach dem Ende des trojanischen Krieges ist Odysseus noch immer nicht nach Hause zurückgekehrt. Seine Frau und Sohn haben alle Mühe die Freier unter Kontrolle zu halten, die den Thron mit einer Heirat besteigen wollen. Währenddessen ist Odysseus bei Kalypso und kann sich nicht erinnern. Doch nach und nach kommen die Erinnerungen an seine Irrfahrt zurück.

Meine Meinung

Ein zentrales Thema bei der Filmographie von Christopher Nolan ist die Zeit. Das begann schon bei seinen Anfängen mit Memento, der rückwärts erzählt wurde, und gipfelte vermutlich in Tenet. Und auch seine bisherigen historischen Werke Dunkirk und zuletzt Oppenheimer sind irgendwo voll mit der Thematik, wobei es bei Dunkirk auch auf gestalterischer Ebene großen Einfluss hatte. Als nun die Ankündigung kam, dass Nolan für seinen nächsten Film noch weiter zurückgehen würde und uns bis ans Ende des trojanischen Krieges bringt, war ich gleichzeitig gespannt und doch sicher: diesmal hat er sich übernommen. Die komplette Odyssee zu erzählen, dafür reicht kein Film.
Aber wie sich herausstellte, war das auch gar nicht Nolans Bestrebung. Und so erzählt er in den 172 Minuten nicht die gesamte Irrfahrt von Odysseus, aber bringt die wichtigsten Stationen mit rein und schafft es noch auch Elemente seiner wartenden Familie und Rückblicke auf den Krieg einzubauen. Und bevor hier ein Historiker meckert: Nein, der Film ist weder historisch korrekt, noch erzählt er die Odyssee fehlerfrei nach. Aber, und das ist ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt, er erzählt die Geschichte in einer Weise, die so faszinierend und mitreißend ist, das dies absolut irrelevant wird. Und bewusste Änderungen, die nicht auf schlechter Recherche, sondern dem Bewusstsein für das Element Film entstehen, verzeihe ich auch viel eher.
Aber fangen wir am Anfang an. Wir landen direkt am Hofe von Ithaka, wo wir einen der zentralen Handlungsorte haben. Der Hof von Odysseus, der seit vielen Jahren unbesetzt ist. Seine Frau Penelope hat viele Jahre regiert, doch die Freier besetzen jede Nacht mit ausschweifenden Partys die Hallen und während sie und ihr Sohn das Gesetz des Zeus ehren, suchen die Freier bewusst nach Streit. Zu dieser Situation schalten wir auch immer wieder zurück und erleben die zunehmende Verzweiflung von Mutter und Sohn und dem immer dreisterem Auftreten der Freier. Und immer wieder steht die Frage im Raum: Wo ist Odysseus. Den treffen wir mit Kalypso auf einer Insel und mit dem Verzehr der Lotusblüte dürfte den Mythologiekundigen einiges klar sein. Ab hier rekonstruiert der Film nach und nach die Irrfahrten und wie es dazu überhaupt kommen konnte. Immer wieder unterbrochen von anderen Episoden und einem Rückblick auf die finale Schlacht selbst.
Schon ab der ersten Sekunde zieht Nolan seine Zuschauenden in einen Bann und lässt sie erst mit dem Abspann wieder los. In meiner Kinovorstellung war am Anfang relativ viel Gewusel, was mich sonst stark gestört hätte, aber hier haben die ersten Töne des Soundtracks gereicht, um alles um mich herum zu vergessen und zu ignorieren. Gefühlt jeder kennt die Geschichte des trojanischen Pferds und wie der Krieg dadurch gewonnen werden konnte. Aber Nolan geht eben einen Schritt weiter und lässt die Geschichte aus dem Inneren erzählen und nie waren Männer in einem hölzernen Pferd so spannend. Hier ist einfach ein Meister der Erzählkunst am Werk gewesen.
Die einzelnen Stationen der Odyssee waren wir mal mehr mal weniger bekannt und auch, wenn ich einige Wendungen dadurch vorher wusste, so hab ich doch mitgefiebert, gebangt und gehofft. Und auch, wenn einige Szenen spannender waren als die anderen, so war es doch die Mischung, die den Reiz ausgemacht hat. Dieser stete Wahnsinn, der in jeder Pore steckte.
Dass Nolan schauspielerisch immer alles auffährt, was geht, ist auch kein Geheimnis. Und so tummeln sich hier einige hochkarätige Namen, die alle ihre Rollen gut spielen. Und optisch ist der Film eine Wucht. Selbst in der „abgeschnittenen“ Version – also kein IMAX Format – wirkt der Film in der Bedrücktheit der Bilder noch bis nach dem Kinobesuch nach. Hier wurde wirklich noch fürs Kino und nichts fürs Streaming produziert. Dass der komplette Film weltweit dennoch nur in wenigen Sälen voll gezeigt werden konnte, finde ich dennoch kritisch. Ebenso der umstrittene Drehort der Westsahara. Hierzu hätte es bestimmt ebenso gute Alternativen gegeben, auch wenn ich Nolans Hang zu praktischen Effekten sehr schätze.

Das Fazit

Die Odyssee ist ein ein Kinoerlebnis der ganz besonderen Art. Von Bildern über den Soundtrack bis zur Geschichte. Hier stimmt einfach alles. Nolans ganz eigene Handschrift verleiht dem antiken Stoff eine neue Prise Wahnsinn. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Die Odyssee läuft seit dem 16.07.2026 in den deutschen Kinos

Finding Emily

Ein Vorwort

Kennt ihr diesen einen magischen Moment, wenn ihr auf einer Party jemanden kennenlernt und auf einmal ist alles perfekt. Ihr redet und redet und lacht und glaubt direkt an Seelenverwandtschaft? Nur, um am nächsten Morgen festzustellen, dass die Handynummer nicht vollständig ist? Okay, zumindest das letzte Szenario ist wohl eher speziell, aber ich fand es einen tollen Aufhänger, um mal wieder eine Liebesgeschichte aus Großbritannien zu sehen, die nicht den typischen Hollywoodfilter hatte. Warum Finding Emily vieles richtig macht, aber ab und an auch den Fokus verliert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe

Die Handlung

Owen jobbt nach dem Tod seiner Mutter in einer Studierendenbar, wo er eines Nachts auf Emily trifft. Die beiden verstehen sich sofort, doch sie muss weiter zu einer anderen Party. Unter Zeitdruck gibt sie Owen ihre Nummer. Doch als der sie am nächsten Tag erreichen will, stellt er fest, dass sie eine Nummer zu wenig hat. Bei der Suche auf dem Campus trifft er auf eine andere Emily, die gerade an ihrer Abschlussarbeit sitzt und noch ein Fallbeispiel braucht. Sie sieht Owen als bestes Beispiel und bietet ihm Hilfe an. Nur leider schießen beide über das Ziel hinaus und bald steht der ganze Campus Kopf.

Meine Meinung

Wie viele Leute mit gleichen Namen an einer großen Uni studieren ist so gar keine Frage, die ich mir je gestellt habe. Aber es gibt in jeder Generation einzelne Namen, die so beliebt sind, dass sie ständig vergeben wurden. Und anscheinend gibt es unter den aktuellen Studierenden in Großbritannien sehr viele Emilys. Sofern sich der Film hier auf reale Fakten stützt. Und selbst wenn nicht, ist es doch ein realistisches Szenario. Und jetzt stellt euch vor, ihr sucht genau eine dieser unzähligen Emilys. Wie würdet ihr vorgehen?
Genau mit dieser Prämisse spielt der Film und fängt damit auch sehr süß an. Wir haben Owen, der sich einfach nicht anders zu helfen weiß und deswegen einen Aushang macht. Und eben im Sekretariat nachfragt und dort einen Tipp bekommt, welche Emily er meinen könnte. Dabei trifft er auf eine ganz andere Emily, die ihm aber bei der Suche helfen will. Und genau hier beginnt der Film unterschwellig noch eine andere Geschichte zu erzählen. Denn wir haben hier eine Protagonistin, die aus vielen Gründen einfach nicht an die Liebe glaubt und dies auch wissenschaftlich beweisen will. Owen ist also der perfekte Kandidat für ihr Fallbeispiel, dass Liebe wahnsinnig macht. Nur leider ist Owen gar nicht so wahnsinnig und hätte auch ziemlich früh wieder aufgegeben. Also beginnt Emily damit ihn zu manipulieren und immer weiter in eine Richtung zu drängen.
Das ist bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch noch irgendwo vertretbar als romantische Komödie und es gibt mehr als genug schöne Szenen, die den Film zu einem Vergnügen machen und die 111 Minuten wie im Flug verstreichen ließen. Leider driftet er irgendwann in eine Richtung, die sehr manipulierend und regelrecht toxisch ist. Auch das wäre vollkommen okay gewesen, wenn der Film nicht vergessen würde, es auch als eben dieses zu benennen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Stattdessen geht Owen durch die Hölle und wird an der ganzen Uni als Freak abgestempelt, es folgen sogar berufliche Konsequenzen, aber am Ende reicht eine Entschuldigung und „große Geste“, um all dies unwichtig werden zu lassen.
Dabei hatte der Film an einigen Stellen durchaus Potenzial. Auf eine Massenmail an alle Emilys der Uni gibt es verständlichermaßen Proteste. Leider wird hier die Anführerin als hysterische Feministin dargestellt, die wegen einer absoluten Kleinigkeit vollkommen ausrastet. Aber es ist eben keine Kleinigkeit, wenn jemand von außerhalb sensible Daten von einer Uni abgreifen kann. Aber anstatt sich darauf zu beziehen und eine sinnvolle Debatte zu eröffnen, wird um des Komödienfaktors hier bewusst alles ins Lächerliche gezogen. Auch noch an einigen weiteren Stellen im Film werden die Stimmen für mehr Schutz von Frauen so stark überzeichnet, dass die eigentlich sinnvolle Botschaft dahinter komplett verschwimmt. Wieso das problematisch ist, zeigt die aktuelle Debatte um Jane Doe an der Cornell in den USA, wo es eben nicht hysterische, zickige und eingebildete Frauen sind, die Männer bloßstellen, sondern sich die Frauen zusammentun, um ein Opfer einer Massenvergewaltigung zu schützen, während die Vergewalter absolut keine Konsequenzen für ihr handeln hatten, geschweige denn die 50 Männer, die geschwiegen haben.
Natürlich ist dort die Situation eine ganz andere als hier in unserer harmlosen Romcom. Aber den Fokus so zu verschieben und alles problematische und toxische nicht einzuordnen und jeder, der es versucht einzuordnen, auf so eklige Weise darzustellen, damit wir auch ja Mitleid mit unseren Protagonist*innen haben, ist halt schwierig.
Nichtsdestotrotz bin ich erstmal mit einem guten Gefühl aus dem Kino gegangen und fand ihn gut. Ich war gut unterhalten, fand gerade das Ende sehr schwach, aber die Darstellenden haben die Rollen gut verkörpert und ich war erleichtert endlich mal wieder keine Hollywood Schönheiten auf der Leinwand zu haben, sondern Durchschnittsgesichter, die viel realistischer sind. Aber je mehr ich im Nachgang über verschiedene Aspekte des Films gesprochen oder nachgedacht habe, lande ich doch immer wieder bei den negativen Aspekten. Und im Nachhinein stören sie mich leider immer mehr, wodurch ich meine ursprüngliche Bewertung, die ich beim Verlassen des Kinos im Kopf hatte, doch nach unten korrigieren muss.

Das Fazit

Finding Emily ist oberflächlich gesehen eine solide Romcom, die an einigen Stellen ein bisschen über das Ziel hinausschießt, doch verbergen sich so viele problematische Stellen, die bis zum Ende nicht eingeordnet werden. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Finding Emily läuft seit dem 10.09.2026 in den deutschen Kinos

Rückblick auf den September 2026

Der erste Herbstmonat ist auch schon wieder vorüber und damit auch das Kinofest. Ich habe die Chance genutzt und direkt drei Filme hintereinander gesehen, womit meine Statistik deutlich gestiegen ist. Dafür waren es diesmal weniger Bücher als sonst, was aber völlig in Ordnung ist. So hat alles ein Auf und Ab. Und damit geht es ohne weitere Worte direkt in meinen medialen Rückblick auf den September:

Der Schriftzug Mein Monatsrückblick vor blauem Himmel mit Seifenblasen

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Coyote vs. ACME: Nach jahrelangen Fehlversuchen endlich den Road Runner zu fangen, hat Wile E. Coyote wieder einen herben Rückschlag erlitten. Nachdem er eine Werbung für einen Anwalt für Cartoonschäden sieht, packt er alle Artikel von ACME, die er im Laufe der Jahre gesammelt hat, zusammen, um eine große Klage hervorzurufen. Nur, dass dieser eher auf minimale Vergleiche spezialisiert ist und nicht mit einem so großen Prozess gerechnet hat. Doch ACME hat noch mehr zu verbergen und versucht daher alles, dass nicht zu tief gegraben wird. – Wer mit den Looney Toons aufgewachsen ist, wird hier seine Freude dran haben, auch wenn ich die Gagdichte etwas größer erwartet hätte. Das schmälert jedoch nicht den Spaß am Film, auch wenn sie am Ende ein bisschen übers Ziel herausschießen.

Finding Emily: Owen jobbt nach dem Tod seiner Mutter in einer Studierendenbar, wo er eines Nachts auf Emily trifft. Die beiden verstehen sich sofort, doch sie muss weiter zu einer anderen Party. Unter Zeitdruck gibt sie Owen ihre Nummer. Doch als der sie am nächsten Tag erreichen will, stellt er fest, dass sie eine Nummer zu wenig hat. Bei der Suche auf dem Campus trifft er auf eine andere Emily, die gerade an ihrer Abschlussarbeit sitzt und noch ein Fallbeispiel braucht. Sie sieht Owen als bestes Beispiel und bietet ihm Hilfe an. Nur leider schießen beide über das Ziel hinaus und bald steht der ganze Campus Kopf. – Eine süße Romanze aus Großbritannien, die mal nicht so weichgewaschen ist, wie die Konkurrenz aus Hollywood, was herrlich erfrischend ist. Leider verrennt sich der Film zwischenzeitlich, so dass er die falschen Botschaften vermittelt.

Die Odyssee: Acht Jahre nach dem Ende des trojanischen Krieges ist Odysseus noch immer nicht nach Hause zurückgekehrt. Seine Frau und Sohn haben alle Mühe die Freier unter Kontrolle zu halten, die den Thron mit einer Heirat besteigen wollen. Währenddessen ist Odysseus bei Kalypso und kann sich nicht erinnern. Doch nach und nach kommen die Erinnerungen an seine Irrfahrt zurück. – Christopher Nolan ist zurück und bringt eine der ältesten Geschichten auf die große Leinwand und schafft es dem antiken Stoff seinen ganz eigenen Stempel zu geben.

Spider-man 4 – Brand new Day: Vier Jahre, nachdem die Welt und damit auch seine besten Freunde und seine große Liebe Peter Parker vergessen mussten, schuftet er sich als Spider-Man jeden Tag kaputt. Bis jemand es schafft Besitz von Menschen zu nehmen und diese dazu zu bringen das Hochsicherheitsgefängnis anzugreifen. Dabei wird der Schwerverbrecher Scorpion befreit, der kurz darauf die Damage Control angreift. Doch Peter kämpft zeitgleich mit seinen Spinnenkräften, die außer Kontrolle geraten. Hat auch er ein Monster in sich, das kontrolliert werden muss? – Das MCU ist endlich zurück. Nach den vielen Enttäuschungen der letzten Phasen haben sie es wieder geschafft einen soliden Film zu erzählen und doch das Multiverse weiter auszubauen.

Pressure: 1944 planen die Allierten den D-Day und versuchen alle Eventualitäten auszuloten. Für die Wettervorhersage wird der Meteorologe James Stagg einberufen. Dieser, wohl wissend, dass Wetter immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden kann, macht sich durch seine Art nicht sonderlich beliebt. Vor allem mit seinem amerikanischen Kollegen Krick gerät er regelmäßig aneinander. Und General Eisenhower übt permanent weiter Druck aus, um eine verlässliche Vorhersage zu bekommen. – Bekannte historische Begebenheiten mal aus einem ganz anderen Blickwinkel und hochkarätig besetzt. Ich war von der ersten bis zur letzten Minute vollkommen gebannt.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Practical Magic: Die Owens sind Hexen, das weiß jeder im Ort. Nur, dass die gesamte Familie verflucht ist und jeder Mann, den sie lieben, sterben wird, weiß niemand. So gelangen die Owens Schwestern Sally und Gillian schon früh in die Obhut ihrer Tanten und wachsen zwischen Magie und Ausgrenzung der anderen Kleinstadtbewohner auf. Während Sally irgendwann ihren Gefühlen nachgibt und eine Familie gründet, versucht es Gillian mit losen One-Night-Stands. Das funktioniert für beide nicht sonderlich gut und sie müssen als Familie zusammenhalten, um alle Widrigkeiten auszuhalten. – Süße kleine Perle mit einer tollen Schwesterndynamik und ein perfekter Film für cosy Herbsttage.

Ponyo: Ponyo ist ein Goldfisch, die im Meer lebt und von ihrem Vater, einem Magier, behütet wird. Doch eines Tages entkommt sie und wird an Japans Strand gespült, wo sie auf den Jungen Sōsuke trifft. Vom Wunsch erfüllt nun ebenfalls ein Mädchen zu werden und mit ihrem neuen Freund mehr Zeit zu verbringen, lehnt sie sich gegen ihren Vater auf. Doch der Ozean versucht alles, um Ponyo zurück zu bekommen. – Eine weitere kleine Perle aus dem Hause Ghibli. Tolle Meeresbilder und eine schöne Geschichte über Freundschaft.

Cloud Atlas: In einer Zeitspanne von mehreren hundert Jahren werden sechs verschiedene Geschichten erzählt. Von einem defekten Nuklearreaktor und dessen journalistische Enthüllung, über die Rache eines Bruders, einen alternden Komponisten, der mit der jungen Konkurrenz nicht zurecht kommt, bis weit in die Zukunft. – Was war das? Ich kann nicht so richtig sagen, was ich da für ein Wirrwarr aus Geschichten gesehen habe und alles passte irgendwie schon zusammen, aber hat mir überhaupt nichts gegeben. Leider eher enttäuschend.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Practical Magic 2: Nachdem ich in diesem Monat endlich den ersten Teil gesehen habe, bin ich schon gespannt, was sie all die Jahre später draus gemacht haben. Auch, wenn die ersten Stimmen eher enttäuscht klingen.

Primetime: Klang von der Prämisse her echt gut und Robert Pattinson hat sich als Charakterdarsteller echt gemacht. Bin gespannt, was draus geworden ist.

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

Agatha Christies Seven Dials – Staffel 1 (Spannende Miniserie mit tollen Darsteller*innen. Hab sie an einem Abend durchgebinged, weil ich immer wissen wollte, wie es weitergeht und was die finale Auflösung war)

Virgin River – Staffel 3 (Keine Angst, der Serie ist ihr übertriebenes Drama nicht ausgegangen. Leider wird der Love Interest auch immer mehr zu einer Red Flag, wird aber weiter romantisiert und mal schauen, wie lange ich mit der Serie noch auskomme)

Boyfriend on Demand – K-Drama (Etwas zäher Einstieg. Schauspieler, auf die ich mich gefreut habe, tauchen nur kurz auf, aber gerade in der zweiten Hälfte sehr stark und da konnte ich kaum noch abschalten)

A man on the Inside – Staffel 1 (Lange keine Serie mehr gehabt, die mich emotional so mitgenommen hat. Eigentlich eine nette kleine Serie zwischen Krimi und Komödie, aber mit dem Setting im Altersheim werden so viele Ebenen zum Thema Älter werden, Einsamkeit und Verlust aufgemacht, dass es mich emotional absolut mitgerissen hat)

Miracolous – Die Abenteuer von Ladybug und Cat Noir – Staffel 4 (Marinette bekommt mehr Verantwortung und fühlt sich dem nicht gewachsen. Macht neue Ebenen auf und entwickelt so die Geschichte gekonnt weiter.)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 12
Seiten insgesamt: 3.358
Seiten pro Tag: 111 im Durchschnitt
Taschenbuch: 1
Comic/Manga/Graphic Novel: 4
Hörbuch: 7

Der Sommer, in dem Hikaru starb 6: Die Anomalien werden immer deutlicher und Yoshiki und Hikaru versuchen mehr darüber hinauszufinden. Da bringt sie ausgerechnet ein Klassenkamerad auf eine neue Spur. – Langsam bekommen wir mehr Infos, aber es ist immer noch sehr langsam erzählt.

The Tainted Cup: Am Rande des Imperiums wird eine Leiche gefunden, aus der ein Baum gewachsen ist. Das klingt skuril genug für die Ermittlerin Ana Dolabra und sie schickt ihren Assistenten, den Gravierer Dinios, vor, um Erkundigungen einzuholen. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass sie in eine wesentlich größere Verschwörung reingezogen wurden und das Schicksal des Imperiums in ihren Händen liegt. – Interessanter Weltenbau, bei den Namen bin ich aber schnell ausgestiegen und so gut durchdacht auch die Charaktere und der Fall waren, war es mir alles eine Spur zu viel. Handwerklich aber echt gut geschrieben.

Miss Merkel 2 – Mord auf dem Friedhof: Angela Merkel sucht in Ermangelung von neuen Mordfällen nach einer neuen Beschäftigung in ihrer Rente. Da trifft sie den charmanten Bestatter Kurt Kunkel, den sie insgeheim nur Aramis nennt, und ist begeistert, wie schön sie mit ihm über Shakespeare philosophieren kann. Doch kurz darauf ist der Friedhofsgärtner tot und Aramis im Kreis der Verdächtigen. Aber immerhin kann Angela endlich wieder ermitteln. – Ein weiterer Fall und wieder ein nettes Buch für Zwischendurch. Hatte durchaus seine Momente.

Momo – the blood taker 7: Momo ist weiterhin in Brunhildas Gefangenschaft, die einen großen Plan verfolgt. Doch Keigo ist auf dem Weg, um sie zu befreien, muss aber zunächst gegen Brunhildas Schergen und Fallen ankommen. Schafft er es rechtzeitig? – Es bleibt spannend und gerade die Kämpfe sind bildgewaltig abgebildet.

Träumertänzer: Oliver Masucci ist einer der erfolgreichsten deutschen Schauspieler und vorallem für seine charakterstarken Rollen bekannt. Doch als Kind einer Deutschen und eines italienischen Gastarbeiters hatte er es nicht immer leicht. In dieser Autobiographie blickt er zurück auf seine Familie und Karriere und wie sich am Ende alles gefügt hat. – Ein Schauspieler, den ich sehr schätze und ein wirklich reflektierter Blick auf seine Kindheit. Nur ein einzelnen Ansichten (Zusammenarbeit mit Roman Polanski und Johnny Depp) etwas kritisch.

Spellbound 5 – Lieber verhext als verstorben: Emma Hart gewöhnt sich so langsam an ihr Leben als Hexe, aber nicht an den Liebeskummer. Denn der gefallene Engel Daniel ist noch immer verlobt. Zur Ablenkung freundet sie sich mit dem Minotaurus Markos an. Und als bei dem Bauherrn eine Leiche auf der Baustelle gefunden wird, bietet sie gleich an wieder zu ermitteln. – Ein weiterer Fall und die ganze kleine Welt in Spellbound gefällt mir sehr gut. Freu mich schon auf das nächste Abenteuer.

Insomniacs 6: Ganta und Isaki sind noch immer auf dem Fotoausflug, um in den Mawaki-Ruinen das perfekte Foto zu schießen. Dabei kommen sie sich näher und sind gleichzeitig absolut überwältig von ihren Gefühlen. Bis sich Isakis Eltern einschalten. – Die Geschichte hat sich wunderbar weiter entwickelt und ich liebe die Dynamik der Charaktere einfach. Immer ein schöner kleiner Ausflug.

Cage of the Moon: Der Werwolf Gabhan versucht eine Werwölfin vor einem gefährlichen Rudel zu schützen, die Vampirin Honora verfolgt eine Spur zum Tod ihres Geliebten und der Polizist Dan, ein Mensch spezialisiert auf übernatürliche Ermittlungen, will nur schauen, dass auf dem Fairy Glow Festival alles geordnet verläuft. Doch alle drei finden sich in einem Ritual wieder, das sie aneinander bindet. Und so unterschiedlich sie auch sind, zieht es sie doch immer wieder zueinander. Aber liegt es wirklich nur an dem Ritual? – Nach dem Klappentext hatte ich mir die Geschichte etwas anders vorgestellt, wofür Noah Stoffers aber nichts kann. Die Dynamik zwischen den drei Protagonist*innen habe ich sehr gefeiert und hätte davon gern mehr gehabt. Die Story rund um das gefährliche Rudel war mir zu blutig und gewalttätig, das schmälert nicht die grundlegende Qualität des Buches, es war einfach nur nicht so ganz meins und ist mir an den Stellen auch schwer gefallen weiter zu lesen.

Was die Nacht verschweigt: Alex Easton hat die Ereignisse in Haus Usher gerade so verarbeitet, und will eigentlich nur seiner Freundin Miss Potter einen Gefallen tun und reist mit ihr in seine Heimat nach Gallazien. Doch dort wird er mit einem alten Volksglauben konfrontiert und muss sich erneut einem Wesen aus seinen Albträumen stellen. – Bleibt hinter dem Vorgängerband zurück. Zwar grundsätzlich wieder eine faszinierende Geschichte, aber es fehlt Poes brilliante Vorlage.

Drei Magier und eine Margarita: Tori will eigentlich nur einen neuen Job, denn durch ihre aufbrausende Art verliert sie ihre Kellnerjobs regelmäßig. Also nimmt sie kurzerhand einen Job als Barkeeperin an. Doch schon am ersten Abend reist ihr der Geduldsfaden und einer der Gäste bekommt eine Magerita ins Gesicht. Doch statt sie zu feuern, bekommt sie einen Arbeitsvertrag. Nur, dass es sich bei allen Anwesenden um Magier handelt und sie ein Mensch ist. Ob das gut gehen kann? – Ich bin schockverliebt in diese Reihe. So lange gezögert sie zu lesen und derzeit inhaliere ich die Bücher regelrecht. Tori ist ein wahnsinnig toller Charakter und die drei Magier sind einfach nur zum anschmachten.

Dunkle Künste und ein Daiquiri: Tori hat nach ihrem ersten Abenteuer eigentlich nur auf eine ruhige Schicht als Barkeeperin gehofft, doch ein abtrünniger Magier soll Jugendliche entführen. Da bietet sie ihre Hilfe als Lockvogel an und findet sich kurz darauf auf der Farm des dunklen Magiers wieder. Und keiner ihrer neuen Freunde kann zu ihr gelangen. – Auch der zweite Teil konnte mich voll und ganz abholen und ich hab ihn praktisch an einem Tag verschlungen. Die Qualität kann gehalten werden und ich bin so gespannt, wie es sich mit ihren drei Magiern weiter entwickelt.

Don’t kiss the Dragon 5: Der Drache Koga glaubt immer noch, dass Sakura eine Reinkarnation ist und versucht mehr Informationen zu finden. Das wird durch die Heimkehr von Sakuras Schwester Anzu jedoch erschwert. Was verbirgt die Familie und kann die Tragödie von damals verhindert werden? – Solider Abschluss der Reihe. War vollkommen in Ordnung, aber hat mich jetzt auch nicht vom Hocker gehauen.

Was waren eure Highlights im September?

Chérie, ich komme – die Erfindung der Lust

Ein Vorwort

Ich möchte wirklich nur einmal mit dem Verantwortlichen der deutschen Filmtitel sprechen. Denn wie aus „Pour le Plaisir“, was so viel heißt wie „Zum Vergnügen“, wurde kurzum einfach der sperrige und plakative Titel „Chérie, ich komme“. Noch mit dem wunderbaren Untertitel „Die Erfindung der Lust“, damit auch noch der letzte potenzielle Kinobesuchende abgeschreckt wird. Warum der Film mehr ist als sein schrecklicher Titel, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels mit Kinoticket auf einer Filmklappe.

Die Handlung

Fanny und Thomas sind seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Nur, dass Fanny noch nie einen Orgasmus hatte und das Thomas all die Jahre verschwiegen hat. Unter Anleitung einer Sexualtherapeutin beichtet sie dies, was Thomas zunächst in eine Krise stürzt. Doch er ist auch Erfinder und Ingenieur und verspricht ihr ein Gerät zu entwickeln, mit dem sie mühelos kommen kann. Eine chaotische Reise beginnt.

Meine Meinung

Hätte mich nicht eine Freundin gedrängt in den Film zu gehen, ich hätte es gelassen. Denn allein der – wohlgemerkt nur der deutsche – Titel hatte mich absolut abgeschreckt. Zumal in letzter Zeit aus Frankreich auch eher die Komödien mit absolutem Cringealarm bzw hochgradig problematischem Humor rübergeschwappt sind. Aber ich lass mich immer gern eines besseren belehren und „Pour le Plaisir“, um bei dem wesentlich besserem Originaltitel zu bleiben, konnte mich wirklich begeistern.
Aber fangen wir am Anfang an. Wir lernen Fanny kennen, die mit ihrer Sexualtherapeutin darüber spricht, dass sie noch nie einen Orgasmus hatte. Ein bisschen zurückhaltend in der Ausdrucksweise, aber doch mit einem klaren Ziel. Das wird Fanny über die Dauer des Films auch beibehalten. Denn zunächst soll sie die Thematik mit ihrem Mann klären, doch der glaubt seit vielen Jahren glücklicher Ehe, dass es ihr an nichts gemangelt hat. Denn was tun wir Frauen, um das arme Ego des Mannes nicht zu zerstören: Wir lügen und täuschen vor.
Dieser steckt aber schon in einer halben Lebenskrise, da er seit Ewigkeiten keinen Job mehr hatte, seine Erfindungen einfach nichts einbringen und sie vermutlich das Haus verkaufen müssen.
Aber hier kommen wir schon zu dem Part, den der Film wirklich gut aufgreift. Er zeigt beide Perspektiven, ohne eine davon klein zu reden und stellt dennoch Fannys Wunsch nach einem Orgasmus in den Mittelpunkt und nicht das Ego eines Mannes. Natürlich darf Thomas enttäuscht sein, dass er all die Jahre angelogen wurde, aber er setzt sich darüber hinaus auch mit dem eigentlichen Problem auseinander und versucht sich in seine Frau hineinzuversetzen. Zwar auf seine ganz eigene Art und mit verschiedenen Rückschlägen, aber obwohl es hier um Sex und Orgasmen geht, steht dennoch die Liebe im Vordergrund. Denn hier ist eben nicht die Lösung, dass sie die Ehe dann wohl beenden müssen, weil sie nicht zusammen passen, sondern sie arbeiten zusammen an Lösungsansätzen, die mal mehr und mal weniger gut harmonieren. Durch das Umfeld kommen auch noch verschiedene Meinungen mit dazu, die auch gehört werden, wodurch der gesamte Diskurs eingebracht wird.
Und so gut der Film in seiner Gesamtheit funktioniert, gibt es dennoch einzelne Szenen, wo einfach ein Schritt zu weit gegangen wurde. Wo aus lustig nur noch ein Augenrollen wurde – Stichwort Fisch im Klo. Aber das ist hier tatsächlich jammern auf hohem Niveau. Denn die Darstellenden Alexandra Lamy und François Cluzet harmonieren nicht nur gut, sondern spielen die Rollen auch so sympathisch, das ich regelrecht mitgefiebert habe, ob sie das „Problem“ lösen können.
Wer also mal wieder Lust auf eine kleine Perle aus Frankreich hat, dem sei der Film ans Herz gelegt.

Das Fazit

Pour le Plaisir schafft es aus einem Thema mit hoher Cringegefahr einen absolut sympathischen und liebevollen Film zu machen, der wichtige Themen anspricht und sich dabei doch auf die Liebe besinnt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Chérie, ich komme – Die Erfindung der Lust läuft seit dem 23.07.2026 in den deutschen Kinos

The End of Oak Street

Ein Vorwort

Wenn es um Dinosaurier im Film geht, bin ich doch gern am Start. Und wenn es dann nicht das unzähligste Jurassic World Sequel ist, sondern ein ganz neuer Ansatz, kann ich erst recht nicht widerstehen. Und auch, wenn The End of Oak Street nach dem Trailer in eine atmosphärischere düstere Richtung gehen sollte, gab mir die FSK 12 Freigabe doch Hoffnung, dass ich als kleiner Angsthase nichts zu befürchten habe. Wie viel Dino in diesem Film steckt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels mit Kinoticket auf einer Filmklappe. Von oben rechts schaut ein Dinoplüschtier herein.

Die Handlung

amilie Platt lebt 1982 in einer Kleinstadt in den USA. Kleinere Unstimmigkeiten zwischen den Eltern und die ganz normalen Teenagerprobleme der beiden Kinder bestimmen den Alltag. Bis ihr Viertel eines Nachts ca. 200 Millionen Jahre in die Vergangenheit katapultiert wird. Und plötzlich stehen sie auf dem Speiseplan.

Meine Meinung

Einer der häufigsten Kritikpunkte an den Jurassic Park/World Filmen – und ja auch an Steven Spielbergs Meisterwerk von 1993 – ist, dass Dinos aus verschiedenen Zeitaltern und von verschiedenen Lebensräumen zusammengewürfelt wurden. Denn der legendäre Kampf zwischen T-Rex und Stegosaurus, der so oft in Filmen und Serien herangezogen wurde, hat niemals stattgefunden. Und wenn sich auf etwas konzentriert wurde, dann meist auf die Kreidezeit, um eben jenen beliebten Scharfzahn zeigen zu können.
Nicht so The End of Oak Street, die bewusst den Zeitraum von 200 Millionen Jahren nennen und damit rein Dinos aus der Jurazeit eingebracht haben. Mit dabei meine persönlichen Favoriten, wie Allosaurus, aber auch meinen absoluten Lieblingsdino Brachiosaurus. Und von den Dinos, die ich direkt erkannt habe, gab es zumindest auch Funde in Nordamerika, was den Bezug zum Film noch besser recherchiert macht. Zeitgleich wurden auch neue Erkenntnisse aus der Forschung eingebaut, die den Dinos weniger die typische Repitilienhaut und mehr Fell attestiert.
Aber okay, genug von den Dinofakten und kommen wir zum Film. Hier haben wir einen soliden Einstieg, der uns die Familie Platt vorstellt und uns einerseits die typische achtziger Jahre Vorstadtfamilie zeigt, aber auch individuelle Charaktere, um die wir im Folgenden fiebern werden. Denn auch wenn die Anzeichen zunächst subtil sind, werden wir schnell in die Albtraumversion der Vorstadt katapultiert. Hier wurde der Nostalgietrend von Serien, wie Stranger Things, genommen und mit einer wesentlich realistischeren Variante eines Dinofilms kombiniert.
Und hier sollte die FSK Freigabe mit 12 definitiv überdacht werden, denn der Film hatte es stellenweise schon in sich – zumal eben auch jüngere Kinder unter elterlicher Aufsicht rein dürfen und zumindest die Eltern neben mir im Kino bei der Beschreibung „Film mit Dinos“ nicht weiter nachgedacht hatten. Denn die beklemmende Atmosphäre des Film funktioniert gut, da immer wieder zwischen Plänen und Verzweiflung geschwenkt wird. Hier hatte ich oft das Gefühl, dass es gar keine Lösung für das Problem geben könnte. Doch der Film schafft es nicht nur eine runde Lösung zu finden, sondern diese auch in einem Finale voller Nervenkitzel zu inszenieren. So sehr habe ich mich schon lange nicht mehr im Kinosessel gewunden, weil ich die Spannung kaum ertragen konnte.
Zu der gelungenen Inszenierung tragen auch die Hauptdarstellenden Ewan McGregor und Anne Hathaway bei, die zusammen mit den Jungdarstellenden Maisy Stella und Christian Convery die sich stetig steigernde Verzweiflung gelungen rüberbringen. Und auch, wenn sich der Film viel Mühe mit den Dinos gegeben hat, hätte ich doch gern ein bisschen mehr von ihnen gesehen. Aber das ist wirklich nur mein ganz persönliches Bedürfnis nach mehr Dinos.

Das Fazit

The End of Oak Street inszeniert die zunehmende Verzweiflung einer Familie sehr spannend und garniert dies mit einer der besten Darstellung der aktuellen Dinosaurierforschung seit langem. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The End of Oak Street läuft seit dem 13.08.2026 in den deutschen Kinos