Eine Handvoll Serien – 2/21

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der serientastischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Einer eisernen Lady, Sirenengesang, einem unwiderstehlichem Duke, Musik im Kopf und albernem Bingen.

The Crown – Staffel 4

Die Handlung: Wir sind in den 1980er Jahren angekommen und es wird eisern in Großbritannien. Denn Margaret Thatcher wird Premierministerin. Gleichzeitig tritt Diana Spencer in Charles Leben. Auf jeden Fall wird es wieder dramatisch im Hause Windsor.

Meine Meinung: Man könnte meinen, dass der Serie nach drei starken Staffeln irgendwann die Luft ausgeht. Doch eher das Gegenteil ist hier der Fall. Denn gerade weil sich die Handlung der Gegenwart nähert. bzw ein Stadium erreicht hat, an dass sich manche vielleicht erinnern, und anderen durch noch immer vielen Berichten darüber, doch noch bekannt sind. Allein die Bilder der Hochzeit von Charles und Diana sind wohl für viele noch allgegenwärtig. Aber auch die Zeit als Margaret Thatcher Premierministerin war, ist vielen noch geläufig – zumindest geläufiger als Churchills Regierung zu Beginn der ersten Staffel. Aber natürlich stehen auch diesmal wieder die großen Dramen im Vordergrund. Hier wird wieder gut die Balance gehalten zwischen Folgen, wo das Drama überwiegt, Folgen wo das politische überwiegt und Folgen, die Einzelereignisse behandeln. Schauspielerisch ist Gillian Anderson als Margaret Thatcher zum Cast gestoßen, die die Frau gebührend in all ihren Facetten darstellt und dem gesamten Cast in nichts nachsteht. Einziger Wermutstropfen der Staffel ist, dass wir uns nicht nur von Anderson, sondern auch vom übrigen Cast verabschieden müssen, da nach zwei Staffeln nun wieder ein Castwechsel ansteht. Allerdings bin ich auch gespannt auf Imelda Stauntons Darstellung der Queen.

Mysterious Mermaids – Staffel 1

Die Handlung: In der Küstenstadt Bristol Cove gibt es schon lange Sagen um Meerjungfrauen. Doch als ein Fischerboot eine richtige findet, steht die halbe Stadt Kopf. Das Militär entführt sie und einen verletzten Zeugen und fängt an Experimente durchzuführen. Währenddessen trifft der Meeresbiologe Ben auf die mysteriöse Ryn, die sich als Schwester der entführten Meerjungfrau entpuppt. Zusammen mit seiner Freundin Maddie versucht er ihre Schwester zu finden und beide wieder ins Wasser zu entlassen.

Meine Meinung: Warum man den Originaltitel ‚Sirens‘ in ‚Mysterious Mermaids‘ unbennen musste, werde ich wohl nie verstehen, aber bevor ich einen langen Monolog darüber halte, warum ich das Wort ‚Meerjungfrau‘ für bedenklich halte, gehen wir gleich mal zur Serie über. Die Grundidee gefiel mir sehr gut und auch das Geheimnisvolle rund um die Sirenen mit den verschiedenen Mythen und Realitäten war gut verwoben. Die Spannung variierte von Folge zu Folge. Ein Kritikpunkt ist, dass die Serie im Prinzip zweigeteilt ist. In der Mitte gibt es ein Ereignis, das ein schönes Ende einer Miniserie hätte sein können. Aber stattdessen wird die Geschichte weiter erzählt und dreht sich ab einer gewissen Stelle auch immer weiter im Kreis. Dennoch gibt es noch spannungsreiche Handlungsstränge, so dass ein gutes Niveau gehalten wird. Ein bisschen weniger im Kreis drehen der Handlung hätte der Serie aber gut getan. Schauspielerisch war alles in Ordnung, aber hier ist auch keiner wirklich hervorgestochen. Im Endeffekt eine Serie, die man mal gucken kann, die aber auch einiges an Potential verschenkt.

Bridgerton – Staffel 1

Die Handlung: 1813 in London. Es ist Ballsaison und neben Daphne aus dem Hause Brigerton, stehen gleich drei Debütantinnen aus dem Haus Fetherington in den Startöchern. Neben dem Urteil der Königin ist aber seit neustem auch das Urteil der geheimnisvollen Kolumnenschreiberin Lady Whistledown von entscheidener Bedeutung. Ihre Klatschgeschichten bilden den Rahmen der Serie.

Meine Meinung: Im Dezember 2020 erschien die Serie auf Netflix und war danach nicht mehr wegzudenken. Als hätte die Bingegemeinschaft auf diesen Mix aus Stolz und Vorurteil und Gossip Girl gewartet, war die Serie auf einmal in aller Munde. Ein erfolgreicher Start und ausufernde Lobeshymnen ließen mich die Serie eher kritisch beäugen. Hatte sie zwar von Anfang an meine Aufmerksamkeit, sagte mir doch die Beschreibung und der Trailer sehr zu, zögerte ich jedoch, da ich merkte, dass sich meine Erwartungen immer weiter erhöhten. Doch schließlich gab ich nach und was soll ich sagen: Die Serie ist wirklich gut! Sie erfüllt genau das, was sie verspricht. Sie peppt praktisch die Eleganz von Stolz und Vorurteil mit allerlei Klatsch auf und verpackt das so spannend, dass man die Serie gut durchbingen kann. Gute Darsteller, gute Portion Drama, Spannung und viele Emotionen vereinen die Serie. Ich kann generell nichts schlechtes zur Serie sagen, allerdings ist es trotzdem fraglich, ob der Hype in der Form, wie es geschah, gerechtfertig ist.

Zoeys Extraordinary Playlist – Staffel 1

Die Handlung: Zoey wollte eigentlich nur ein MRT machen lassen. Doch als sie in der Röhre war, kommt es zu einem Erdbeben. Danach kann sie hören, wie alle Menschen ihre Gedanken und Gefühle heraussingen. Zusammen mit ihrer Nachbarin Mo versucht sie dies zu ergründen und zu verstehen. Schnell merkt sie, dass sie den Leuten helfen muss. Gleichzeitig ist sie hin und her gerissen zwischen zwei Männern, ihrem Job und ihrem Vater, der an einer tödlichen Nervenkrankheit leidet.

Meine Meinung: Über die Serie bin ich relativ zufällig gestolpert, aber schon nach der ersten Folge wollte ich sie nicht mehr missen in meinem Leben. Die Fröhlichkeit der Serie ist einfach ansteckend. Und dabei widmet sie sich mitunter auch sehr schweren Themen. So hat man eine gute Balance zwischen dem Drama, gerade Zoeys Hin- und Hergerissenheit zwischen zwei Männern und den Themen, die einen wirklich mitnehmen können. Dazu gehören zum einen die Selbstzweifel ihrer Nachbarin Mo, die als queerer Charakter mit den typischen Vorurteilen zu kämpfen hat. Diese werden jedoch nicht zu hoch aufgebauscht, sondern in einer Folge respektvoll behandelt. Viel mehr Platz nimmt da Zoeys Vater ein, der an einer tödlichen Nervenkrankheit leidet. Hier geht es um die Liebe der Familie, die den Vater auf seinem Weg begleiten und sich mit dem nahenden Tod abfinden müssen. Es geht um Trauerbewältigung, noch ehe der endgültige Tod eintritt. All das wird von einem wirklich tollen Soundtrack begleitet. Alle Darsteller sind gut ausgewählt und können ihre Lieder gut rüberbringen. Auf jeden Fall eine Sehempfehlung!

Binge Reloaded – Staffel 1

Die Handlung: Ob Serien, wie The Handmaids Tale, Vikings, oder auch diverse Fernsehformate, wie The Masked Singer oder das Traumschiff, vor dieser Serie ist nichts sicher. Eine Gruppe Comedians und Schauspieler*innen haben sich zusammengetan und parodieren wieder einmal querbeet.

Meine Meinung: Switch Reloaded dürfte vielen noch ein Begriff sein, wo diverse Fernsehformate parodiert wurden, mache mehr andere weniger witzig. Mit Binge Reloaded schien diese Idee nun auf das stärkere Streamingverhalten der Zuschauer angepasst zu werden. Und es werden auch einige Serien aufgegriffen. Allerdings wurde größtenteils auch wieder auf Show- und Fernsehformate zurückgegriffen, was allerdings bei Switch Reloaded schon komplett ausgereizt wurde. Dadurch wurde auf jeden Fall einiges an Potential verschenkt. Das nächste Problem ist, dass nur die wenigsten Parodien wirklich witzig sind. Gerade die Fernsehformate wirken in sich schon so überzogen, dass eine Parodie nichts mehr auf die Spitze treiben kann. Lediglich die Varianten von 4Blocks und Two and a half man haben mir wirklich Spaß gemacht. Dafür war aber einfach zu viel dazwischen, was mir gar nicht gefallen hat oder mich einfach nicht abgeholt hat. Wenn man sich hier einmal getraut hätte von platten Attitüden abzukommen, wäre wesentlich mehr möglich gewesen.

Habt ihr eine davon gesehen? Wie hat sie euch gefallen?

Neues aus der Welt

Ein Vorwort

Tom Hanks ist einer meiner Lieblingsschauspieler. Durch geschlossene Kinos durfte er allerdings derzeit eher auf meinem Fernseher sein Talent beweisen. Erst kam ‚der wunderbare Mr. Rogers‘ direkt auf DVD raus, nun kam ‚Neues aus der Welt‘ direkt bei Netflix raus. Aber so konnte er von mir direkt gesehen werden. Warum er mir erstaunluch gut gefallen hat, obwohl ich eigentlich kein Fan von Western bin, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Fünf Jahre nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs zieht der ehemalige Captain der Südstaatenarmee Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks) durch Texas, um in den Orten die Nachrichten zu lesen. Auf seinem Weg trifft er auf Johanna (Helena Zengel), die nach der Ermordung ihrer deutschen Eltern von Indigenen aufgezogen wurden. Nun soll sie zu ihrer Tante und ihrem Onkel gebracht werden. Da der zuständige Beamte aber erst in drei Monaten zurückkehrt, nimmt er sich kurzerhand selbst der Aufgabe an. Doch der Weg ist voller Gefahren.

Meine Meinung

Ich bin kein Fan von Western. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber tendenziell bin ich einfach nicht die Zielgruppe. Der einzige Grund, warum ich diesen Film sehen wollte, war Tom Hanks. Und so begann auch der Film und ich war gefühlt wieder von allem genervt, was aber den Western so authentisch machte. Meine Befürchtungen schienen alle bestätigt. Dann tauchte auch noch Helena Zengel auf und ihre Rolle war einfach sehr nervig angelegt, also sie spielt ihre Rolle schon gut, aber ihre Rolle ist sehr widerspenstig und genau das spielt sie auch, was mir den Film nicht sympathischer machte.
Und jetzt kommt das große Aber. Denn ich habe den Film weiter gesehen und kann vermerken: Ich fand ihn letztendlich doch gut. Warum ist jetzt eine sehr gute Frage, die für mich gar nicht so einfach zu beantworten ist.
Zum einen dürfte wohl die aufgebaute Atmosphäre einen großen Teil dazu beitragen. Denn wird man am Anfang noch mit der (meines Wissens nach) sehr realistischen Darstellung der Verhältnisse kurz nach dem Krieg überfordert, gewöhnt man sich schnell daran und weiß dann die Nicht-Glorifizierung des Wilden Westens zu schätzen. Gerade Tom Hanks weiß hier wieder mit seiner ruhigen Art durch den Film zu führen, gleichzeitig werden bei seinem Charakter aber auch Nuancen eingeführt, die ihn nicht rein zum großen Helden machen, was ihn aber menschlich macht. Er ist nicht der große Revolverheld und er ist irgendwo ein gebrochener Mann und wer könnte diese ruhige bedächtige Art besser spielen als Tom Hanks?
Und auch an Helena Zwengels Spiel gewöhnt man sich schließlich. Denn ihren Charakter spielt sie sehr passend, auch sobald eine gewisse Vertrauensbasis zwischem dem Captain und Johanna da ist, verträgt man sich selbst auch mit ihr.
Neues aus der Welt wird grundsätzlich langsam und ruhig erzählt, aber wird immer wieder von spannenden Szenen unterbrochen, was einen guten Kontrast bildet. Aber selbst wenn Spannung aufgebaut wird, geht es nie ins Übertriebene. Es bleibt immer ein Hang zum Realismus da.

Das Fazit

Neues aus der Welt ist ein gut gespielter, ruhig erzählter und vor allem realitätsnaher Western, der auf große Schießereien und allerlei Klischees verzichtet. Stattdessen sind wir hier ganz nah an den Charakteren erzählt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Neues aus der Welt ist bei Netflix auf Abruf verfügbar

Eine Handvoll Filme 1/2021

Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe eine Handvoll Filme in diesem Jahr. Wie konnte es denn passieren, dass wir schon März haben und ich euch noch keine Handvoll präsentiert habe? Heute mit: philosophierenden Philosophen, Cluedo in der Filmvariante, eine Hochzeit, bei der der Schein trügt, ein Thriller voller Erinnerungen und ein Spion beim Geheimdienst.

The Philosophers

Die Handlung: Eine Gruppe aus Philosophiestudenten soll in einem Gedankenexperiment ein Endzeitszenario durchspielen. Jeder bekommt einen Beruf und Fähigkeiten zugeteilt. Nun sollen sie entscheiden, wen sie aus der Gruppe in einen Survivalbunker stecken würden. Für 20 Studenten gibt es nur 10 Plätze, wie werden sie sich entscheiden?

Meine Meinung: Philosophie ist so ein Wissenschaftsstrang, mit dem ich mich noch so überhaupt nicht auseinander gesetzt habe. Dennoch klang der Film grundsätzlich erst einmal spannend. Für den Laien, wie mich, gibt es auch am Anfang noch einmal eine kurze Übersicht der gängigen Gedankenexperimente. So ist man gewappnet, auf das, was als nächstes kommt. Und so ist gerade die erste Runde erst einmal komplett spannend. Zwischendurch vergisst man beinahe, dass es sich nur um ein Gedankenexperiment handelt, da die erzählte Handlung für den  Zuschauer direkt dargestellt wird. Zudem wird so die benötigte Spannung erzeugt. Auch beim zweiten Versuch ist man noch mit dabei, auch wenn man hier schon genervter von den ganzen Beziehungsdramen ist. Die dritte Version ist dann auch die finale und das ist gut so, weil zu dem Zeitpunkt der Zuschauer kurz davor ist vollständig abzuschalten. So richtig packend ist es da schon nicht mehr, da sich die Szenarien auch ähneln. Enttäuschend ist dann noch irgendwo das Ende, wenn die Motive für die ganzen Gedankenexperimente erklärt werden. Das hätte man entweder besser lösen oder ganz weglassen können.

Clue

Die Handlung: In einer stürmischen Nacht treffen sich mehrere Personen in einem alten Herrenhaus. Alle haben sie mysteriöse Einladungen bekommen, keiner weiß, warum er wirklich da ist. Doch sie alle werden erpresst. Eine aufregende Nacht steht bevor, die nicht jeder überleben wird.

Meine Meinung: Ein Film, der auf dem Brettspiel Cluedo basiert Clue zu nennen, leuchtet mir ja durchaus ein und war für mich auch ein interessanter Anhaltspunkt. Warum man ihn im Deutschen mit ‚Alle Mörder sind schon da‘ übersetzen musste, übersteigt mein Verständnis. Aber nun gut, wir haben mit dem alten Herrenhaus schon einmal die perfekte Kulisse für den Film. Für eine gute Atmosphäre ist gesorgt. Was folgt, wirkte auf dem ersten Blick wie ein kunterbuntes Durcheinander und ein hin und her Gerenne im ganzen Haus. Das muss man mögen, aber ich fand es herrlich überzeichnet. Dazu hat auch Tim Curry als Butler Wadsworth einen großen Teil des Slapstickhumor beigetragen. Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß beim Film, weil er sich eben nicht ernst nimmt. Weil er die typischen Waffen aus Cluedo irgendwie geschafft hat unterzubringen. Und weil er irgendwie seinen ganz eigenen Charme hat.

Die Schein-Hochzeit

Die Handlung: Jennifer und Vince treffen auf einer Hochzeit aufeinander und können sich auf den ersten Blick überhaupt nicht ausstehen. Doch beide stellen fasziniert fest, dass so eine Hochzeit eine wahre Goldgrube an Geschenken ist. Kurz darauf stehen beide zwar vor ganz unterschiedlichen Problemen, aber beide brauchen sie dringend Geld. Und so beschließen sie nur zum Schein zu heiraten, die Geschenke abzugreifen und dann wieder getrennte Wege zu gehen.

Meine Meinung: Dass Melissa Joan Hart und Joey Lawrence eine gute Dynamik zusammen haben, beweisen sie in ihrer gemeinsamen Serie Melissa & Joey. Doch vor Start der Serie waren die beiden bereits in ‚Die Schein-Hochzeit‘ zu sehen und bewiesen ihre gute Dynamik. Die Handlung ist sehr einfach gehalten und vieles – gerade das Ende – ist absolut vorhersehbar, aber das macht der Film mit tollen Charakteren, spannenden Sidekicks und kleineren Überraschungen auf jeden Fall wett. Kurzum ist es eine sehr schlichte romantische Komödie, aber dafür eine der besseren Vertreter des Genres, auch wenn das Rad halt nicht neu erfunden wird. Das liegt halt wirklich in vorderster Linie an den beiden Hauptdarstellern, die mit ihrer Dynamik und ihrem überzeugenden Zusammenspiel für eine gute Atmosphäre sorgen. Auch wenn der Film ursprünglich als Fernsehfilm geplant, sehr einfach produziert wurde – in Deutschland lief er im Kino – merkt man es ihm so erstmal nicht an.

Mindscape

Die Handlung: Mindscape ist eine Detektiv-Agentur, die sich darauf spezialisiert hat, in die Gedanken und Erinnerungen der Klienten einzudringen, um dort Hinweise zu finden. John Washington erhält den Auftrag bei Familie Green Therapiesitzungen mit der Tochter Anna abzuhalten. Hier soll er prüfen, ob ihr Stiefvater sie zu Recht in eine Anstalt schicken will. Doch dabei fallen ihm immer mehr Ungereimtheiten auf.

Meine Meinung: Zu Beginn des Films zog ich kurz Vergleiche zu Minority Report, verwarf diese jedoch ganz schnell wieder. Auch wenn es zunächst ähnlich klingen mag, ist die Umsetzung von Mindscape als Psychothriller doch eine ganz andere. Hier lebt der Film vom brillianten und gut nuancierten Spiel von Taissa Famiga, die selbst Mark Strong gegen die Wand spielt. Hier gibt es genug Rätsel zu lösen und doch überrascht die Auflösung. Der stetige Wechsel von ’normalen‘ Szenen und Erinnerungszenen erzeugt eine spannende Atmosphäre, bei der man immer unsicherer wird, wen man trauen kann und wem nicht. Zumal John Washington durch seine eigene Vergangenheit immer mehr zu einem Erzähler wird, bei dem man nicht so richtig weiß, ob er ein zuverlässiger Erzähler ist. Das Ende ist auf jeden Fall – für mich zumindest – unvorhersehbar und bringt den Film noch einmal auf eine ganz neue Ebene. Wer also noch einen guten Psychothriller braucht, dem sei dieser Film empfohlen.

Dame König As Spion

Die Handlung: Control, der Leiter des britischen Geheimdienst, wird nach einem Misserfolg in Budapest in den Ruhestand geschickt und stirbt kurz darauf. Daraufhin wird George Smiley reaktiviert, der den Spion unter den Spionen finden soll. Dabei entdeckt er einen ganzen Haufen an Ungereimtheiten.

Meine Meinung: John le Carré und ich hatten literarisch bisher noch keine Übereinstimmung, soll heißen: ich habe kein Buch von ihm gelesen. Dafür stolper ich immer wieder über Verfilmungen von ihm. Verräter wie wir, war gar nicht meins, die Miniserie The Night Manager fand ich dafür umso gelungener. Nun durfte Dame König As Spion bei mir einziehen, was vor allem dem Cast rund um Gary Oldman geschuldet ist. Der Film ist sehr ruhig angelegt und man wird direkt mit einigen Namen konfrontiert und muss sich schnell die dazu passenden Gesichter merken. Auf jeden Fall sollte man eine Vorliebe für Spionagefilme haben und auch mit dem Setting der 1970er etwas anfangen können, ansonsten ist man hier sehr schnell raus. Leider bin ich gar nicht in die Handlung reingekommen und hatte daraufhin Probleme die einzelnen Schritte und auch die große Auslösung zu verstehen. Was man dem Film auf jeden Fall eingestehen muss, ist, dass er schauspielerisch einwandfrei ist.

Habt ihr einen Film davon gesehen? Wie fandet ihr ihn?

Dark

Ein Vorwort

Bei manchen Sachen bin ich einfach „Late to the Party“. So lief die erste Staffel von Dark bereits 2017 an. Als eine der deutschen Netflixproduktionen habe ich aber zunächst eher einen großen Bogen um sie gemacht, zu groß waren meine Vorurteile. Tatsächlich musste erst mein bester Freund ein großer Darkfan werden und mir immer und immer wieder von der Serie vorschwärmen. Als er mich nach Ende der finalen dritten Staffel aber auch noch im Hinsicht auf das Ende beruhigen konnte, dass die Serie nämlich durchaus von Anfang an einen Plan hat und das Ende logisch und vor allem ein richtiges Ende ist, habe ich dann endlich nachgegeben. Und nun drei Staffeln später, möchte ich euch von der Serie berichten.

Die Handlung

In der fiktiven Kleinstadt Winden verschwinden Kinder. Die Polizei, aber auch die ortansässigen Familien sind in Alarmbereitschaft. Als mit Mikkel Nielsen ein weiterer Junge verschwindet, fangen die Beschuldigungen an. Was keiner ahnt: Mikkel ist durch eine Passage in den Windener Höhlen im Jahr 1986 gelandet. Doch damit haben die mytseriösen Ereignisse gerade erst begonnen.

Meine Meinung

Dark ist eine dieser Serien, die man nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen kann, und bei der man andererseits aber auch nicht mehr verraten darf, weil jedes Wort zu viel ein ziemlicher Spoiler ist. Grob sollte man wissen, dass man in den ersten Folgen die vier zentralen Familien Kahnwald, Nielsen, Doppler und Tiedemann sich genau angucken sollte und vor allem: Möglichst schnell die Namen lernen. Sonst ist man bei der Serie schon bald raus. Denn zu den vier Familien kommen bald noch sehr viel mehr Charaktere und noch einige Zeitstränge.
Das ist in der ersten Staffel fast noch übersichtlich, hier gibt es tatsächlich primär noch ziemlich viel Drama zwischen den Familien und der Mysteryaspekt wird nach und nach aufgebaut. In der zweiten Staffel muss man dann schon deutlicher aufpassen, in welcher Zeit man sich gerade befindet, zumal da noch einmal neue Zeitstränge hinzukommen. Die Königsdisziplin ist es dann aber auch in der dritten noch alles nachvollziehen zu können. Denn hier kommt noch eine weitere Ebene hinzu, die ich hier aber noch nicht näher besprechen will. 
Grundsätzlich ist es gut, dass die Serie noch mit relativ wenigen Zeitsträngen anfängt. Denn die Vielzahl an Charakteren war für mich so schon sehr schwer zu merken. Auch ist es nicht ratsam zwischen den einzelnen Staffeln größere Pausen zu machen, weil man dann wieder irgendetwas vergisst, was irgendwann doch wieder wichtig werden kann. So ist Dark auch keine Serie, die man mal eben nebenbei sehen kann. Man muss hier schon aufmerksam bleiben, um einzelne Hinweise aufzuschnappen und zu entschlüsseln. Hier werden wohl vor allem die Serienfans Freude dran haben, die gerne Mysterien entschlüsseln, kein Problem mit komplexer Handlung auf vielen Zeitebenen haben, generell Zeitreisen und ihre physikalischen Überlegungen und Paradoxe mag.
Gleichzeitig muss man aber auch Kleinstadtdrama händeln können, denn das ist durchgehend dabei, auch wenn es ab einem bestimmten Punkt weniger wird. Und hier können alle Charaktere ganz schön eklig werden, auch wenn manche negativer hervorstechen als andere. Aber auch das macht irgendwo den Charme der Serie aus.
Eingangs sprach ich über meine Vorurteile bezüglich deutscher Serien. Tatsächlich haben sich diese gar nicht bestätigt. Lediglich in den ersten ca. vier Folgen ist der Ton etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem weil die Sprecher da ein bisschen nuschelig reden. Aber auch das legt sich sehr schnell.
Kommen wir zu guter Letzt noch auf den Schluss zu sprechen, wie immer versuche ich es spoilerfrei zu halten. Mir persönlich war in der dritten Staffel noch zu viel hin und her und es wurden noch einige neue Ebenen aufgemacht, so dass ich dachte, dass es einfach nicht mehr logisch aufgeklärt werden kann. Doch genau das haben sie hinbekommen. Ob einem das Ende nun gefällt, ist eine ganz andere Frage, aber bei allem, was davor schon geschehen ist, war es wohl die letzte Möglichkeit noch alles irgendwie logisch aufzulösen. Da merkt man eben, dass die drei Staffeln von Anfang an durchgeplant waren. Lediglich eine Kleinigkeit war mir am Ende noch immer nicht logisch, aber da ich das Finale mit einem Dark-Fan geguckt habe, konnte mir auch da alles erklärt werden.
Bleibt die finale Frage: Hat mir die Serie gefallen? Tja und genau das ist die schwierigste Frage. Ich mochte sehr viele Aspekte der Serie. Aber mir war es irgendwann einfach zu viel. Gerade die dritte Staffel mit der noch einmal zusätzlichen Ebene war für mich einfach zu viel, um noch Spaß an der Serie zu haben. Da ist das Zuschauen eher in Arbeit ausgeartet, wenn man noch alles verstehen wollte. Deswegen gibt es hier wirklich nur eine Empfehlung, wenn man die oben genannten Aspekte mag und sich wirklich mit der Serie befassen will. Sonst bringt sie leider nichts.  Hier vielleicht noch kurz eine Warnung: Wenn ihr in den ersten Staffeln mit den Namen Probleme habt und einen Stammbaum im Internet sucht, dann passt auf, dass es einer für die jeweilige Staffel ist. Denn sonst kann es massive Spoiler geben.

Das Fazit

Dark ist eine spannende Mysteryserie und für alle gut geeignet, die Zeitreisen mögen und da endlich mal eine wirklich gut durchdachte und logische Serie sehen wollen. Wer mit vielen Namen und Zeitebene Probleme hat, sollte es sich überlegen, auch wenn ein sanfter Einstieg in die Serie möglich ist.

Dark ist bei Netflix verfügbar

Wonder Woman 1984

Ein Vorwort

Den ewigen Wettstreit zwischen Marvel und DC dürfte ersterer zumindest mit dem erfolgreicheren Cinematic Universe gewonnen haben. Dafür schaffte es DC 2017 mit der ersten titelgebenden weiblichen Heldin aufzufahren. Wonder Woman war für viele ein gelungener Film, mich konnte er nur bedingt überzeugen. Als allerdings Justice League und Aquaman folgten, war man für den Wonder Woman Film schon fast wieder dankbar. Nun reihte sich die Fortsetzung, die einen großen Zeitsprung in das Jahr 1984 macht, in die unzähligen Filme in, die aufgrund geschlossener Kinos immer weiter verschoben wurden. Durch einen Deal zwischen Warner und HBO, sollte der Film nun beim HBOMax landen. Durch einen früheren Deal zwischen HBO und Sky landete er nun genau dort und ist vor Kinostart im Sky Cinema Paket enthalten. Warum mir die Fortsetzung deutlich besser gefiel als der erste Teil, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Quelle

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

In Wonder Woman lernen wir Diana Prince zum ersten Mal kennen. Sie wächst auf einer versteckten Insel namens Themyscira bei einem Amazonenstamm auf. Als sich der Pilot Steve Trevor auf die Insel verirrt, erfährt Diana zum ersten Mal etwas über die Welt außerhalb. Sie schließt sich ihm an und kämpft mit ihm Seite an Seite im ersten Weltkrieg. Am Ende muss sie niemand geringerem als dem Kriegsgott Ares entgegen treten. Doch beim finalen Kampf stirbt Steve.
In Justice League wird Wonder Woman von Batman rekrutiert, um gegen Steppenwolf zu kämpfen, der in Besitz der Mutterboxen kommen will, wovon sich eine auf Themyscira befindet.

Die Handlung

Diana Prince (Gal Gadot) pendelt zwischen ihren Leben als leitende Antropologin und Wonder Woman hin und her. Als ein geheimnisvoller Gegenstand vom FBI zur Untersuchung bei ihrer Kollegin Barbara Ann Minerva (Kristen Wiig) landet, überschlagen sich die Ereignisse. Denn der Gegenstand scheint Wünsche erfüllen zu können. Was genau hat der Geschäftsmann Maxwell Lord (Pedro Pascal) damit zu tun?

Meine Meinung

Bevor wir uns mit dem Film befassen, nur ein paar kurze Worte zu Spoiler. Ich versuche meine Beiträge grundsätzlich spoilerfrei zu halten. Allerdings kann man Spoiler ganz unterschiedlich auslegen. Ich werde in diesem Beitrag nur auf Dinge eingehen, die man bereits durch den Trailer wusste. Da ich aber mit einer Freundin gesprochen habe, die den Trailer nicht kannte und ich ihr daher ein Element des Films gespoilert habe, wollte ich es vorab noch einmal kurz erwähnt haben.
Wonder Woman 1984 beginnt, wie bereits der Vorgängerfilm, mit einer Szene auf Themyscira. Hier lernt Diana eine wichtige Lektion, die zunächst einmal banal erscheint, aber für den Film noch einmal wichtig wird. Mir hat auch gut gefallen, dass es noch einmal eine Szene auf Themyscira gab, da Diana ja nun dort seit einiger Zeit nicht mehr lebt. Weiter geht es ins Jahr 1984. Hier darf zunächst Wonder Woman einmal in Aktion treten, was sehr beeindruckend ist und den Film sofort gut Fahrt aufnehmen lässt. Im folgenden werden zentrale Charaktere vorgestellt, wie Barbara oder Maxwell Lord. Nach der kurzen Einführung geht es dann auch direkt in die Vollen.
Wenn man mal betrachtet, was mir am ersten Teil nicht gefiel, wie zum Beispiel der unpassende Charakterwandel Dianas von Amazonenkriegerin zum naiven Dickkopf, dann wurden diese Punkte im neuen Film deutlich aufgebessert. Diana ist nun ein gesetzter Charakter und handelt durchaus durchdachter. Auch haben wir hier keine Kriegssituation mehr, also kein reines Gut und Böse Szenario, was dem Film auch gut tut. Auch Gal Gadot hat sich weiter entwickelt und schafft es nun gekonnt  auch feine Nuancen zu spielen.
Aber warum gefällt mir nun der zweite Teil besser, außer, dass er Fehler des ersten ausgebügelt hat? Nun an erster Stelle gefällt mir die ganze Dynamik des Films. Es ist immer etwas los, aber die einzelnen Szenen sind stets zielführend. Er schafft es die Balance zwischen Spannung, Charakterentwicklung und auch Humor zu halten. Als ich den Trailer sah, habe ich mit einer Vollkatastrophe gerechnet, weil irgendwie Steve wieder da war, aus heiterem Himmel, und man keine richtige Handlung erkennen konnte. Doch mit der Geschichte rund um das Artefakt, das vermeintlich Wünscher erfüllt, gibt es für die oben genannten Elemente genug Spielraum. So kann man sich Zeit lassen für eine Szene, in der Steve die 80er erkundet. Während die bisherigen DC Filme oft an ihren zu hohen Ambitionen und der damit einhergehenden Fülle der Handlung scheiterten, reduziert Wonder Woman genau das auf ein überschaubares Maß. Hier geht es nicht darum, das Extended Universe voranzutreiben, gefühlt 1000 Charaktere auftauchen zu lassen und dann den Überboss zu bekämpfen. Sondern hier geht es um die Geschichte an sich. Und die konzentriert sich auf das Artefakt und die damit einhergehenden Konsequenzen.
Natürlich kann man die Konsequenzen irgendwann als zu sehr ausgeartet oder als übertrieben ansehen und normalerweise bin ich diejenige, die so etwas anprangert, aber hier hat es einfach in die lockere Atmosphäre gepasst. Lediglich das Ende war mir dann doch etwas zu abrupt. Für die Rolle, die mit Maxwell Lord aufgebaut wurde, war der Wandel dann ein wenig erzwungen. Aber selbst das ist hier irgendwo verzeihbar.
Die neu eingeführten Rollen sind dann wohl auch so ein Streitthema für sich. Während ich Kirsten Wiigs Figur und ihren Wandel gut nachvollziehen kann, verstehe ich Pedro Pascals Figur nur bedingt. Seine Rolle ist auf zwei wesentliche Merkmale reduziert, um ihn einfach nur zum Bösewicht zu machen. Zwischendurch wird noch versucht seiner Rolle etwas Tiefe zu geben, aber so richtig funktiniert es nicht.
So das war jetzt für meine Verhältnisse ganz schön viel Text, aber gefühlt habe ich immer noch nicht alles gesagt, was ich zu sagen habe. Ich versuche es trotzdem nochmal auf ein paar wenige Sätze runterzubrechen. Wonder Woman 1984 hat mir gut gefallen, weil er eben nicht Perfektion anstrebt und dann an allen Ecken scheitert, wie andere Filme des DCEU. Man kann dem Film vieles ankreiden, aber letztlich ist es wichtig ihn immer mit einem gewissen Augenzwinkern zu sehen und genau dann macht der Film einfach Spaß. Am Ende hat er sich in eine Ecke gespielt, aus der er nicht mehr ohne Plottloch herauskam, aber auch das ist irgendwo verschmerzbar. Für mich bisher einer der besten Filme des DCEU.

Das Fazit

Wonder Woman 1984 hat aus den Fehlern des ersten Teils gelernt und präsentiert und voller Selbstbewusstsein, aber auch mit einem Augenzwinkern. Man sollte die Handlung nicht zu akribisch verfolgen, sonst landet man zwangsläufig in Plottlöchern, aber der Charme und die gut genutzte Spannung des Films machen diese wieder wett. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Wonder Woman 1984 ist bei Sky im Cinema Paket oder bei Sky Ticket enthalten

Ashley Garcia

Ein Vorwort

Ich: Oh ich habe eine tolle neue Serie für mich entdeckt.
Netflix: Alles klar, Serie wird nach der ersten Staffel eingestellt
Warum ich euch trotzdem von Ashley Garcia berichten möchte? Weil ich die Serie wirklich mochte und vielleicht hilft es ja doch, ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, um Netflix noch umzustimmen.

Die Handlung

Ashley Garcia (Paulina Chávez) ist zwar erst 15, hat aber bereits einen Doktortitel und hat ein Jobangebot von der NASA. Dafür zieht sie zu ihrem Onkel Victor (Jencarlos Canela) und entkommt so zeitgleich ihrer sehr strengen Mutter. Nun kann sie zusammen mit ihrer besten Freundin Brooke (Bella Podaras) endlich typische Teenagerdinge tun. Vielleicht sich sogar verlieben?

Meine Meinung

The Expanding Universe of Ashley Garcia, oder Ashley Garcia – Genius in Love (was der offizielle deutsche Titel der Serie ist), besteht aus 16 Folgen, die in zwei Teilen hochgeladen wurden. Beide Teile enden jeweils mit einem Höhepunkt, weswegen man sie auch als zwei kurze Staffeln deuten kann – ich habe sowieso keine Ahnung, was dieser neue Trend mit den „Ausgaben“ oder „Teilen“ soll.
Das ganze ist eine Sitcom, mit Jugendseriencharakter, da die meisten Charaktere sehr jung sind und es eben primär um Themen, wie den ersten Kuss oder den ersten Freund geht. Dennoch eignet sich die Serie grundsätzlich für alle Altersgruppen. Die Witze sind eine gute Mischung aus den üblichen kurz rausgehauenen Sprüchen, die typisch sind für Sitcoms, und etwas länger aufgebauten Witzen. So ist für Fans beider Arten etwas dabei.
Die Charaktere sind sehr verschieden, entsprechen zwar größtenteils den Stereotypen, aber haben dafür alle eine sehr liebevolle Art. Wir haben mit Ashley den typischen Nerd, Brooke ist das typische It-Girl, Ted ist der Vorzeigefootballspieler, der aber nicht gerade die hellste Leuchte ist und Sting, der schüchterne Goodboy. Kompletiert wird das von Ashleys Onkel Victor. Er ist Footballcoach und Womanizer und muss, indem er Ashley bei sich aufnimmt, das erste Mal wirklich Verantwortung übernehmen.
Besonders schön finde ich auch, dass hier ein paar mexikanische Bräuche und Gewohnheiten ganz selbstverständlich eingewoben werden. Mit Ashley, Victor und Ted haben wir gleich drei Protagonisten, die diese hochhalten. So werden diese nicht nur im Nebensatz von Nebencharakteren erwähnt, sondern tauchen einfach immer wieder auf. Es ist sehr erfrischend.
Wirklich gestört hat mich an der Serie nur, dass sie mit einem typischen Cliffhanger geendet hat und diesen anscheinend nie auflöst. Allerdings ist es jetzt auch keiner, über dessen Auflösung ich ewig grübeln würde. Im Prinzip muss man einfach nur eine Minute vor Staffelende aufhören zu sehen und hat einen wirklich sehr schönen und runden Abschluss. Danach gibt es zwar noch eine Weihnachtsfolge, aber die ist sehr aus dem Zusammenhang gerissen und scheint irgendwo mittendrin zu spielen.

Das Fazit

Abgesetzt oder nicht, the expanding Universe of Ashley Garcia ist eine schöne Serie für zwischendurch, witzig, mit tollen Charakteren und hätte durchaus noch Potential gehabt. Wenn ihr ihr eine Chance geben wollt, schaut sie euch ruhig an, stoppt einfach nur ca. 1 Minute vor Ende, dann bleibt euch der Cliffhanger erspart.

The expanding universe of Ashley Garcia ist bei Netflix verfügbar

Netflix Originals: To all the boys

Ein Vorwort

2018 erschien der erste Teil „To all the boys I loved before“ und ich habe ihn damals direkt gesehen und für gut befunden. Danach ist es irgendwie völlig an mir vorbei gegangen, dass ein zweiter Teil erschien. Erst als Netflix mich nun darauf aufmerksam gemacht hat, dass nun der dritte Teil erschienen ist, ist mir das aufgefallen. Und so sah ich noch einmal den ersten Teil, um dann voll in die anderen beiden einzusteigen. Warum mir die Reihe insgesamt gefällt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

To all the boys I loved before

Die Handlung: Lara-Jean lebt nach dem Tod ihrer Mutter zusammen mit ihrem Vater und ihren beiden Schwestern. In ihrem Leben war sie bisher fünfmal verliebt. Jedes Mal wenn sie in der schlimmen Verknalltphase war, hat sie dem Jungen einen Liebesbrief geschrieben, aber nie abgeschickt. Bis dies eines Tages jemand anderes für sie übernimmt und ihr sonst so geordnetes Leben ordentlich aus der Bahn wirft.

Meine Meinung: Über diesen Teil habe ich bereits einmal ausführlich geschrieben, also werde ich mich hier eher kurz fassen. Im Prinzip handelt es sich um ein typisches Teeniedrama. Allerdings sind die Charaktere so sympathisch und der ganze Film hat einfach eine ganz eigene Dynamik, die mir sehr gefallen hat, weswegen es für mich einer der Vorzeigevertreter des Genres ist. Klar wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber dennoch etwas besonderes draus gemacht. Ich glaube jetzt nach dem zweiten Mal sehen, fand ich den Film sogar nochmal ein bisschen besser.

To all the boys – PS: I still love you

Die Handlung: Endlich glücklich! Lara-Jean und Peter haben endlich zusammen gefunden. Doch als die Highschool ein Freiwilligenprogramm startet und die beiden sich für unterschiedliche Projekte einteilten, wird es kompliziert. Denn zusammen mit Lara-Jean im Belleview – einem Seniorenheim – arbeitet ausgerechnet John Ambrose. Eben jener, der den fünften Brief erhalten hat und sich jetzt durchaus Chancen ausrechnet. Wird das die Beziehung der beiden überstehen?

Meine Meinung: Ich war ja sehr skeptisch, ob es noch einen zweiten – und dann auch noch einen dritten Teil – der Reihe braucht. Denn eigentlich ist das Ende vom ersten Film rund. Dann habe ich die Handlung gelesen und fragte mich, ob es nicht einfach zu viel künstliches Drama dann wird. Aber ich muss sagen, dass die Macher das sehr gut umschifft haben. Denn sie verarbeiten gleich zwei Themen in einem. Zum einen natürlich Lara-Jeans Konflikt mit John Ambrose, der gerade in der zweiten Hälfte den Großteil einnimmt. Doch gerade am Anfang geht es vielmehr im die Beziehung von Lara-Jean und Peter, und wieso es noch immer kompliziert ist. Peter ist halt sehr beliebt und wird gerade am Valtinstag mit Briefen überschüttet. Lara-Jean hat Angst nicht richtig reinzupassen in seine Welt, was verständlich und nicht übertrieben dargestellt wird. Das ganze wird dann noch in Zusammenhang gebracht mit Peters Ex Gen, die weiterhin eine Rolle spielt. Grundsätzlich ist also sehr viel los in dem Film, was ihn aber auch wieder sehr abwechslungsreich macht. Es bleibt die sehr sympathische Grundstimmung des ersten Teils und die Geschichte wird logisch weiterentwickelt. Ich habe eigentlich nur zwei kleine Kritikpunkte. Zum einen gibt es doch ein paar Stellen, die sehr gezwungen dramatisch werden, einfach weil noch etwas Drama reinmusste. Zum anderen wurde mit Holland Taylor als Stormy ein sehr toller und spannender Charakter eingeführt. Leider bekommt Stormy sehr wenig Screentime. Hier hätte ich mir einfach ein bisschen mehr gewünscht, als nur ab und an als Stichwortgeberin aufzutauchen.

To all the boys – Always and forever

Die Handlung: Im letzten Highschooljahr wird es noch einmal aufregen bei Lara-Jean und Peter. Der Abschlussball und die Hochzeit von Lara-Jeans Dad steht bevor. Doch viel wichtiger ist die Frage, ob beide in Stanford angenommen werden. Denn Lara-Jean hat sich  auch noch an anderen Colleges beworben, unter anderem auf Drängen ihrer älteren Schwester in New York.

Meine Meinung: Der dritte Teil hatte das Problem und den Vorteil, dass er noch einmal eine ganz neue Richtung einschlug. Problem, weil eben schon alle Briefe abgearbeitet waren und es nur noch um Lara-Jean und Peter ging und ob ihre Beziehung eine eventuelle Fernbeziehung aushalten würde. Vorteil, weil dadurch kein neues künstliches Drama erzeugt wird, sondern gewisse Punkte in Ruhe abgehandelt werden können. An sich schafft der dritte Teil es auch einen tollen Abschluss zu sein, allerdings ist er etwas holpriger erzählt als die vorherigen Teile. Denn hier gibt es ganz bewusst die erzählerischen Unterteilungen in Abschnitte, wie Abschlussball, die Hochzeit oder auch eine Schulfahrt nach New York. So wird zwar allen wichtigen Abschnitten genügend Platz eingeräumt, gleichzeitig ist aber gerade die Collegefrage stets übergeordnet. Letztlich wird aber die ganze Reihe zu einem schönen Ende gebracht. Auch hier ist einfach die sympathische Grundstimmung wieder zu fühlen, die sich durch alle drei Filme zieht.

Das Fazit

To all the boys I loved before ist eine sehr sympathische Filmreihe aus dem Genre Romance. Gerade die tollen Charaktere und die sympathische Grundstimmung macht die Reihe zu einem tollen Genrevertreter. Zwar wird hier handlungstechnisch das Rad nicht neu erfunden, aber auf eine gute Weise umgesetzt. Auf jeden Fall eine Sehempfehlung, mindestens für den ersten Teil und wer den mochte, sollte auch weiterschauen.

To all the boys I loved before ist bei Netflix verfügbar

Die fantastischen Fälle des Rufus T. Feuerflieg

Ein Vowort

Tommy Krappweis ist eines dieser Allroundtalente, die viel mehr Aufmerksamkeit bekommen sollten. Vielen dürfte er ein Begriff sein mit seinen Fernsehformaten wie RTL Samstag Nacht und Bernd das Brot. Hier habe ich euch bereits seine Buchreihen Ghostsitter und Mara und der Feuerbringer, sowie die Verfilmung dazu, vorgestellt. Zu der Ghostsitter-Reihe gibt es inzwischen auch eine Hörspielreihe. Um die habe ich aber bisher noch einen Bogen gemacht, weil ich erst die Reihe zu Ende lesen möchte. Aber zur Ghostsitter Hörpsielreihe gibt es inzwischen schon ein Spin-off. Und in der geht es um den etwas quiligen Anwalt Rufus T. Feuerflieg. Warum es sich auf jeden Fall lohnt in die einmal reinzuhören, verrate ich euch heute.

Die Handlung

Die Anwaltskanzlei von Rufus T. Feuerflieg ist keine gewöhnliche. Denn hier werden allerlei magische und übernatürliche Wesen vertreten. Da wächst schonmal ein Urwald im Büro, ein Poltergeist taucht auf oder ein Werwolf steht vor der Tür. Aber Herr Feuerflieg hat natürlich immer alles unter Kontrolle, wenn auch auf eine sehr chaotische Art.

Folge 1 – Kreszenzia kommt

Weil eine Inkagöttin das Vorzimmer in einen Urwald verflucht hat, ist der Assistent von Anwalt Rufus T. Feuerflieg so erzürnt, dass er kurzerhand kündigt. Nun muss Feuerflieg jemand neues einstellen. Aber gibt es überhaupt jemand, der alle Anforderungen erfüllt?

Folge 2 – Der Gartengnom

Der Werwolf Welf – bekannt aus der Ghostsitter Reihe – bringt einen neuen Klienten zu Rufus T. Feuerflieg, den Gartengnom Bibo. Dieser ist bei seiner Arbeit betrogen worden. Schnell nimmt sich Feuerflieg des Falls an und sucht Bibos Arbeitgeber zusammen mit Welf auf.

Folge 3 – Alles für die Katz

Ein seltenes Artefakt ist aus dem Museum entwendet worden. Feuerflieg wird verzweifelt angerufen und eilt sofort zum Schauplatz des Diebstahls. Helfen soll ihn ausgerechnet Dada, die Katzenfrau und Assistentin von Zoracz, dem Gegenspieler der Ghostsitterteile.

Folge 4 – Der Fall Merle

Ein ganz normaler Tag in der Anwaltskanzlei Rufus T. Feuerflieg. Bis ein Poltergeist im Büro auftaucht. Merle ist ein schicksalgebundener Poltergeist und kommt mit einer Nachricht aus dem Gefängnis. Feuerflieg steht diesmal vor einer großen moralischen Zwickmühle.

Folge 5 – Die neue alte Wohnung

Rufus T. Feuerflieg wohnt seit einiger Zeit in seinem Büro, aber warum eigentlich? Zusammen mit seiner Assistentin Kreszenzia versucht er herauszufinden, wo seine Wohnung eigentlich ist und was dort passierte.

Meine Meinung

Man könnte meinen, dass ich einige Hörspiele höre, nachdem ich euch neulich schon Johnny Sinclair und die Windsängerin vorgestellt habe. Dabei sind es gar nicht so viele. Aber bei Rufus T. Feuerflieg warte ich tatsächlich sehr sehnsüchtig auf neue Folgen.
Das liegt zum einen daran, dass sie sich gut nebenbei weghören lassen. Die Folgen sind relativ kurz, manche noch etwas länger als die anderen, aber die fünf bisher erschienen Folgen konnte ich in unter zwei Stunden weghören. Das ist manchmal schade, weil zum Beispiel in Folge vier fehlte mir ein bisschen die Auflösung am Ende, aber dafür sind sie stets gut auf den Punkt.
Das ist auch das bemerkenswerteste an der Reihe. Nicht nur die Folgen sind sehr gut auf den Punkt gebracht, sondern eben auch die Witze. Rufus T. Feuerflieg ist von der Art her sehr quirlig, was schnell nervig werden kann, aber ihm wird immer rechtzeitig Einhalt geboten, bevor das passieren kann. So kommen auch die anderen Charaktere mal zu Wort, und doch können die Witze ausgespielt werden.
Aber auch hier ist es wohl der Cast, der einfach unglaublich gut passt. Allein Wigald Boning als Rufus T. Feuerflieg ist einfach nur ein Genuss zu hören. Aber auch die anderen HörspielsprecherInnen passen unglaublich gut zu ihren Rollen und hauchen diesen viel Leben ein.
Wer sich unsicher ist, ob die Reihe etwas für einen ist, dem empfehle ich einfach mal in die erste Folge reinzuhören. Diese ist mit vier Teilen sehr kurz, aber auch sehr prägnant und gehört zu meinen Lieblingsfolgen. Wer da mit der Art von Feuerflieg oder dem Humor nicht zurecht kommt, dem gefallen auch die anderen Folgen nicht. Wer hier seinen Spaß hatte, wird auch die nächsten Folgen mögen.

Das Fazit

Rufus T. Feuerflieg ist einfach nur ein ganz besonderer Charakter, der es verdient hatte ein Spin-off zu bekommen. Mit seiner quirligen Art ist er ein Lachgarant, so dass die Folgen beim Hören einfach nur Spaß machen, wozu auch der gute Cast beiträgt. Wer auch nur im Ansatz etwas mit Hörspielen anfangen kann, sollte einmal einen Blick wagen.

Die phantastischen Fälle des Rufus T. Feuerflieg ist ein Amazon Original und kann auf Amazon Music gehört oder erworben werden.

Die Windsängerin

Ein Vorwort

Ich bin seit ein paar Monaten vermehrt auf Twitch unterwegs. Allerdings weniger – wie es das Twitch Klischee wohl vermuten lässt – im Gaming-Bereich, sondern vielmehr im künstlerischen Bereich. AutorInnen, FotografInnen, KünstlerInnen und auch HörspielregisseurInnen und HörspielsprecherInnen. Ich habe dadurch nicht nur viele neue Leute kennengelernt, sondern auch von vielen tollen Projekten erfahren. Und so kam es, dass ich mich am Samstag auf dem Twitch Kanal vom Hörspielsprecher Sven Matthias einfand. Er wollte sein neustes Projekt „Die Windsängerin“ mit uns gemeinsam hören. Und was soll ich sagen? Ich bin so geflashed von dem tollen Hörspiel, dass ich euch gleich davon erzählen muss.

Die Handlung

Ryan Kenrick ist Schriftsteller und reist 1921 nach dem Tod seiner Frau zur Inspirationssuche nach Haddington Island. mit dabei sind sein langjähriger Freund Dan Gusbird und sein Hausmädchen Olivia. Doch die Einwohner der Insel benehmen sich merkwürdig abweisend. Als dann auch noch eine seltsame Muschelverkäuferin und eine geheimnisvolle Windsängerin auftauchen, sind die drei schon mitten drin in einem rätselhaften Abenteuer.

Meine Meinung

Die Windsängerin besteht aus zwei Teilen, die beide über YouTube, Spotify oder Hörspielprojekte abrufbar sind. Der erste Teil geht ca. 70 Minuten der zweite ca. 60 Minuten. Eine Mischung aus Thriller und Mystery wurde versprochen und genau das wurde auch abgeliefert. Zunächst treffen wir auf die beiden Protagonisten, die sich auf Haddington Island treffen. Nach und nach merkt man jedoch immer mehr, dass auf der Insel etwas vorgeht. Es werden Rätsel geöffnet und im folgenden wird der Zuhörer immer wieder mit Brotkrumen in Form von Hinweisen und Andeutungen versorgt. Dabei bleiben wir stets an Ryan und Dan dran und erfahren alle neuen Hinweise mit ihnen zusammen. 
Und genau dadurch ist die Geschichte auch sehr spannend. Ich mochte vor allem die übernatürliche Komponente, die aber immer nur so leicht durchkommt. Es ist keine direkte Horrorgeschichte, hat aber auch hiervon leichte Elemente mit drin. Aber auf jeden Fall die gesamte Atmosphäre lässt einen schaudern. Für kleine Angsthasen wie mich war es sehr gut, dass das Hörspiel am hellichten Tag gehört wurde. Aber im Dunkeln wirkt es bestimmt noch viel schauriger.
Für die absolut gelungene Atmosphäre kommen mehrere Elemente zusammen. Neben der Geschichte, die immer wieder Wendungen hat, bei der man sich gerne unter der Bettdecke verkriechen möchte, liegt es wohl auch an den sehr passenden Stimmen, sowie an der Geräuschkulisse und vor allem wohl an der unglaublich passenden musikalischen Untermalung.
Zu den SprecherInnen kann ich nur sagen, dass der Cast hier wunderbar gepasst hat. Einfach jede Stimme hat dem verkörperten Charakter entsprochen und gezielt zur Atmosphäre beigetragen.
Mit dem Ende vom zweiten Teil ist die Geschichte um die Windsängerin zu einem guten Schluss gebracht wurden. Im Stream am Samstag gab es auch ein paar entfernte Szenen zu hören, die zeigten, wie die Geschichte ursprünglich ausgehen sollte. Zwar war das auch ein interessantes Ende, das schließlich gewählte gefällt mir aber deutlich besser. So ist es rund und schließt die Handlung in sich ab. Gleichzeitig macht es neugierig auf die geplanten nächsten Teile. Hier werden die beiden Protagonisten wieder auftauchen und weiteren Rätseln nachgehen. Ich freu mich auf jeden Fall schon drauf.

Das Fazit

Wer Lust auf ein spannendes Mysteryhörspiel hat, mit tollen Charakteren, tollen Stimmen und einer Geschichte, die einen komplett zu fesseln weiß, der sollte unbedingt mal in Die Windsängerin reinhören.

Frühling, Sommer, Herbst und Tod

Ein Vorwort

Ich bin ganz schön spät unter die Stephen King Leser gegangen. Dennoch versuche ich jedes Jahr mindestens ein Werk nachzuholen. Und der Winter eignet sich meiner Meinung nach dafür immer besonders gut. Dieses Mal fiel es mir schwer mich für eins zu entscheiden, also entschied ich mich diesmal für eine Kurzromansammlung. In Frühling, Sommer, Herbst und Tod findet man die Novellen „Pin up“ – besser bekannt unter dem Namen der Verfilmung „Die Verurteilten“ -, „Der Musterschüler“, „Die Leiche“ – besser bekannt unter dem Namen der Verfilmung „Stand by me“ – und „Atemübungen“.  Wie mir die einzelnen Geschichten gefallen haben, erzähle ich euch im heutigen Beitrag.

Pin up

Die Handlung: Andy Dufresne landet im Shawshank-Gefängnis, da er seine Frau ermordet haben soll. Obwohl er all die Zeit die Tat leugnet, muss er sich an den Alltag im Gefängnis gewöhnen.

Meine Meinung: Ich habe die Verurteilten bisher zwar nur einmal gesehen, aber dennoch hatte ich während der ganzen Geschichte die Stimme von Norman Freeman im Ohr. Das liegt daran, dass die Verfilmung sehr nah an der Geschichte ist und sie nur minimal ein bisschen ausbaut. Wem der Film gefallen hat, dem wird auch die Geschichte gefallen, wobei das Buch hier auch keinen Mehrwert – im Sinne von mehr/zusätzliche Informationen – bietet. Stephen King schafft es hier tatsächlich die Geschichte sehr auf den Punkt zu erzählen. Keine Szene ist unnötig, alles hat eine gute Länge, um spannend zu bleiben. Dabei ist es zugleich auch ein sehr spannender Einblick in ein Gefängnisleben. Denn King hat diesmal keine übernatürlichen Elemente eingebaut, aber dafür ist das Grauen im Gefängnisalltag selbst. Den Launen von Wärtern und Leitern ausgesetzt, aber vor allem auch den anderen Mitinsassen, da möchte man nicht tauschen.

Der Musterschüler

Die Handlung: Todd Bowden, 13 Jahre alt, ist wohl das, was man einen Musterschüler nennt. Bis er eines Tages an der Haustür von Mr. Denker klopft, einem ruhigen älteren Herr, und ihn als Kurt Dussander, einem Naziverbrecher, der sich absetzten konnte, identifiziert. Doch Todd ist gar nicht daran gelesen, Herrn Dussander auffliegen zu lassen, vielmehr möchte er die Informationen über die Konzentrationslager aus erster Hand erfahren.

Meine Meinung: Das ist wohl die Geschichte von Stephen King, mit der ich bisher am meisten Probleme hatte. Nicht nur widmet er sich hier einem sehr schwierigen Thema, auch die Umsetzung ist es, die mich stellenweise störte. Dabei beginnt die Geschichte ganz interessant, in dem King geschickt mit dem Opfer/Täter-Schema spielt. Stellenweise erwischt man sich, wie man mit einem Naziverbrecher Mitleid empfindet. Doch das dreht sich sehr schnell und das nachfolgende ist sehr heftig. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, aber bei einigen Sachen fragt man sich schon, ob es nötig war, so etwas aufzuschreiben. Aber auch abgesehen davon wird halt das spannende Ausgangsdilemma nicht wirklich weiter verfolgt, was sehr schade ist. Letztendlich möchte man zwar immer noch wissen, wie die Geschichte ausgeht, doch das Ende lässt einen dann auch etwas unbefriedigt zurück, was irgendwie nicht für die Geschichte spricht. Auf jeden Fall ließ mich die Geschichte voller Diskussionsbedarf zurück, weswegen es umso toller war, dass mein bester Freund daraufhin auch mal eben schnell die Novelle gelesen hat und wir dann darüber reden konnten.

Die Leiche

Die Handlung: Eine Gruppe von Jungen beschließen zu einer Leiche eines vom Zug überfahrenden Jungen zu wandern. Da sie zu Fuß unterwegs sind, brauchen sie zwei Tage. Unterwegs haben sie einige Erlebnisse. Vor allem geht es aber auch um ihr Umfeld und wie das geprägt hat.

Meine Meinung: Nach der Musterschüler bot die Leiche wieder ein bisschen Entspannung. Klar ist das Grundziel, nämlich zu einer Leiche zu wandern, nicht gerade leichte Kost, und auch die Gespräche der Jungen haben es zwischenzeitlich in sich, aber dennoch ist die Grundatmosphäre sehr entspannt. Es geht um Freundschaft, aber vor allem auch um die Einflüsse der Eltern. So plätschert die Geschichte eine ganze Weile vor sich hin. Es ist halt eine Geschichte, bei der man sich eher auf die Atmosphäre einlassen muss. Ein heißer Sommertag und eine Gruppe von Freunden, die losziehen, um ein Abenteuer zu erleben. Wobei hier ganz klar der Weg das Ziel ist. Man kann es am ehesten ein bisschen mit Es vergleichen, zumal es auch hier eine jüngere Freundesgruppe gibt und eine rivalisierende Ältere. Aber gleichzeitig hinkt der Vergleich auch  wieder, ist auch dies eine Geschichte ohne übernatürliche Komponente. Ich habe die Verfilmung bisher noch nicht gesehen, bin aber schon etwas gespannt, wie man die Handlung zu einem ganzen Film strecken kann. Vielleicht hol ich den einfach demnächst mal nach.

Atemtechnik

Die Handlung: David Atley wird von seinem Chef eingeladen, ihn in einen Herrenclub zu begleiten. Ihm kommt der Club zwar etwas seltsam vor, er wagt es aber nicht etwas zu hinterfragen. Kurz vor Weihnachten erzählt einer der Anwesenden eine Geschichte. In der geht es um eine schwangere Frau, die von ihrem Arzt Atemübungen gelehrt bekommt.

Meine Meinung: In der kürzesten Novelle des Buches steckt King gleich nochmal zwei Geschichten rein. Als Rahmenhandlung dient „Der Klub“, der von David Atley und dem Herrenclub erzählt. Unterbrochen wird dies von der erzählten Geschichte „Atemtechnik“, also einer Geschichte in einer Geschichte. Beides sind irgendwo auch ganz nette Geschichten und die Novelle lässt sich gut weglesen. Den größeren Sinn dahinter erschließt sich mir nicht, aber grundsätzlich muss so eine Geschichte für mich auch nicht immer eine Aussage haben. An sich waren beide auch spannend, man wollte bei beiden wissen, wie es weitergeht. Atemtechnik ist für mich auch abgeschlossen. Bei Der Klub habe ich noch offene Fragen. Er soll wohl in einer weiteren Kurzgeschichte (Im Morgengrauen heißt der Sammelband) erwähnt werden, ich bezweifel aber, ob man da wirklich mehr erfährt. Etwas schade, allerdings auch nicht weiter tragisch.

Das Fazit

Frühling, Sommer, Herbst und Tod ist ein Buch von Stephen King, dass wenig übernatürliches zu bieten hat. Auch die Horrorelemente sind kleiner aus gewöhnlich und eher menschlicher Natur. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, aber überwiegend gut. Lediglich der Musterschüler hat mich ziemlich abgeschreckt. Mit insgesamt 700 Seiten ist das Buch zwar immer noch dick, aber für kingsche Verhältnisse doch noch sehr dünn. Auf jeden Fall lohnt sich ein Blick, nicht nur für King Fans.