Dune – der Film

Ein Vorwort

Nachdem ich euch am Montag bereits das Buch vorgestellt habe, folgt nun endlich auch mein Beitrag zu dem Kinoereignis des Jahres. Denn eins ist sicher, James Bond kann einpacken, an Dune wird er nicht rankommen. Denis Villeneuve hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Was Dune so besonders macht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Haus Atreides wird vom Imperator dazu aufgefordert den Planeten Arrakis von Baron Harkonnen (Stellan Skarsgard) zu übernehmen und die Produktion des allseits beliebten Gewürzes Spice sicherzustellen. Der Planet ist jedoch eine einzige Wüste und spärlich besiedelt, abgesehen von den einheimischen Fremen. Paul Atreides (Timothee Chalamet), Sohn des Herzogs (Oscar Isaac), hat vor der Abreise seltsame Träume und fürchtet sich um die Zukunft. Sind es nur Träume oder ist seine Familie in Gefahr?

Meine Meinung

Dune galt lange Zeit als Unverfilmbar. Erste Versuche sind gänzlich gescheitert. 1984 gab es dann bereits eine Verfilmung von David Lynch, die unter schwierigen Bedingungen produziert wurde und so Zuschauer und Kritiker wenig überzeugte. Auch eine Miniserie aus den 2000er konnte sich nicht durchsetzen. Nun durfte niemand geringeres als Denis Villeneuve sich an dem Stoff probieren. Eben jener Schauspieler, der zuvor durch verschiedene Genres stromerte und mit Prisoners, Sicario oder auch einem Arrival eben diese ordentlich aufpolierte und einen neuen Schliff verlieh. Mit Blade Runner 2049 versuchte er sich dann erstmals an einem Blockbuster, der finanzielle Erfolg ließ allerdings zu wünschen übrig.
Nun stand also Dune bevor. Villeneuve verkündete bereits im Vorfeld, dass er nicht das ganze erste Buch verfilmt hat, sondern lediglich die erste Hälfte, um dem gewaltigen Werk genügend Zeit zu lassen. Da ich das buch im Vorfeld gelesen habe, konnte ich mir aber gerade das nicht vorstellen. Zum einen weil das Buch in drei Sinnabschnitte unterteilt ist und so keine logische Hälfte direkt existiert. Zum anderen weil gerade der zweite Teil, wo der Film dann ja enden müsste, einige langatmige Stellen aufweist.
Aber was soll ich sagen: Ich habe Denis Villeneuve unterschatzt. Denn er hält sich beinahe akribisch an die Vorlage. Fast jede Szene taucht auf, wenn auch ab uns an an einer anderen zeitlichen Stelle. Lediglich ganz wenige Szenen wurden dazugedichtet, was aber notwendig war, um an anderer Stelle unnötige erklärende Diskussionen einzustreichen. Auch fehlen nur einige wenige, die es aber auch nicht braucht, um die Handlung des Buches im Film zu vermitteln. Gleichzeitig versteht Villeneuve es auch wunderbar Szenen, die im Buch zu kurz kommen, auf der Leinwand aber wunderbar wirken zu verlängern, um den Spannungsgrad für die Zuschauer zu erhöhen und optisch mehr zu bieten. Dafür wurden ewig lange Kapitel, in denen es um Taktiken und Diplomatie geht, auf das nötigste gekürzt.
So ist Dune mit einer Länge von 155 Minuten spannend, logisch, gut durchdacht und vorallem eins: Optisch absolut herausragend! Die Liebe zum Detail merkt man in jeder einzelnen Szene. Allein der Landeanflug eines Raumschiffes auf einem der Planeten wird so atemberaubend inszeniert, dass man sich nichts spannenderes vorstellen könnte, als genau das anzusehen. Der Film ist einfach für die große Kinoleinwand geschaffen. Wer die Chance hat, sollte ihn also unbedingt im Kino sehen!
Besetzungstechnisch wurde hier alles aufgefahren, was Hollywood zu bieten hat. Timothee Chalamet setzt seinen Siegeszug als herausragender Charakterdarsteller weiter fort. Tatsächlich scheint er auch die einzig logische Wahl zu sein – zumindest fällt mir kein passenderer Darsteller ein. Jede Nuance der Mimik passt perfekt. Er zeigt Paul mit allen Facetten. Was die Buchlesenden in inneren Mologen über den Charakter erfuhren, zeigt Chalamet allein anhand der Mimik. Damit spielt er alle seine Mitdarsteller*innen an die Wand. Und dabei sind einfach mal Namen, wie Ferguson, Issac, Skarsgard, Bardem und Rampling. Wer bisher noch nicht an das Ausnahmetalent glaubte, wird spätestens hier überzeugt.
Auch die anderen Darsteller*innen beweisen hier noch einmal, was in ihnen steckt und beleben den Film auf eine ganz eigene Art. Eine gute Entwicklung ist auch, dass Sharon Duncan-Brewster die Rolle der Dr. Liet Kynes übernehmen konnte, die im Buch männlich ausgelegt war.
Kommen wir noch zur Filmmusik von Hans Zimmer. Eben jener Komponist, der bei vielen großen Produktionen mitwirkte, der aber auch in letzter Zeit kritisch betrachtet wurde, weil er mit seinem gleichen Stil zu sehr in die „Mainstream“-Kerbe haute. Bei Dune hat er sich aber noch einmal selbst übertroffen und einen in sich stimmigen Score erschaffen, der auf jede Nuance des Films eingeht und gerade durch kleine unterschwellige Melodien die nötige Stimmung erzeugt. Natürlich gibt es dann auch wieder die großen epischen Hymnen, wie zum Beispiel Pauls Dream.
Und tatsächlich endet der Film ziemlich auf die Seite genau in der Mitte des Buches. Auch wenn es mir beim lesen nicht bewusst war, so ist es doch eine sehr schlaue Stelle, da im folgenden wieder vieles neues erklärt wird und sich der (hoffentlich bald bestätigte) zweite Teil ausführlich damit befassen kann. Denn so gut der erste Teil jetzt auch ist, es braucht den zweiten, um die Geschichte zu einem halbwegs befriedigenden Ende zu führen.

Das Fazit

Dune beeindruckt auf allen Ebenen. Die Handlung nimmt sich Zeit ist aber gleichzeitig an jeder Stelle spannend, Score und Besetzung ist einfach nur herausragend. Aber gerade optisch ist es wohl einer der besten Filme der letzten Jahre, wenn nicht sogar aller Zeiten. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Dune läuft seit dem 16.09.2021 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Filme – 04/21

Herzlich Willkommen zur vierten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Wenn eine Straße sprechen könnte, einem zukünftigen Krieg, wildgewordenen Vögeln, Abgründen in der Musikindustrie und eine Reise nach Korea.

If Beale street could talk

Die Handlung: 1970er, Harlem in New York. Alfonso Hunt wird festgenommen, mit dem Vorwurf der Vergewaltigung. Seine Freundin Tish und sein bester Freund Daniel können ihm ein Alibi geben, doch das Opfer identifiziert ihn bei einer Gegenüberstellung. Nun sitzt er im Gefängnis und Trish und ihre Familie versuchen alles, um ihn rauszuholen und seine Unschuld zu beweisen. 

Meine Meinung: Nach Moonlight präsentierte uns Regisseur Barry Jenkins seinen zweiten großen Film, der direkt drei Nominierungen bei der Oscarverleihung 2019 bekam und einen Goldjungen für Regina King einheimste. Der Film basiert auf dem Buch von James Baldwin und erzählt die Geschichte von Afonso und Tish. Gleichzeitig könnte es aber auch die Geschichte von zu vielen anderen PoC sein. Dabei wird die Geschichte sehr langsam und ruhig erzählt. Es geht in vorderster Linie um die Protagonist*innen. Wie sie sich gefunden haben, was ihre täglichen Probleme sind und wie sie mit der aktuellen Situation zurecht kommen. Das geht stellenweise ganz schön nah, wenn man bedenkt wie viel Hass ihnen entgegengebracht wird, einfach aufgrund der Hautfarbe. Auch wenn der Film in den 1970er Jahren spielt, ist er noch immer aktuell – was ihn umso bestürzender macht. Regina King als überforderte Mutter hat hier verdient den Oscar als beste Nebendarstellerin gewonnen.

The Tomorrow War

Die Handlung: 2022 bekommt die Menschheit Besuch aus der Zukunft. Denn 2051 steckt die Menschheit im Krieg mit Aliens und es sieht schlecht aus. Deswegen werden Soldaten aus der Vergangenheit benötigt um für 7 Tage in der Zukunft zu kämpfen. Einer davon ist Dan Forester. 

Meine Meinung: Die Prämisse des Films klang gut und auch wenn ich im Vorfeld bereits viele negative Kritiken gelesen hatte, wollte ich dem Film eine Chance geben. Wobei ich bei Filmen mit Zeitreisen grundsätzlich skeptisch bin, da einfach viele Fallen lauern. Aber während im letzten Jahr ein Tenet diese geschickt nutzt und mit Paradoxen spielt und sich zu eigen macht, denkt sich The Tomorrow War „egal“ und läuft mit Anlauf in jede sich bietende Falle. Herauskommt also ein Film, der schon einmal grundliegend unlogisch ist. Leider macht die Handlung darüber hinaus auch nicht viel her. Sehr vorhersehbar, austauschbare Charaktere und ein stoischer Chris Pratt, der sichtlich überfordert ist, seinem Charakter Sympathiepunkte einzubringen, ohne ein Witz nach dem nächsten zu reißen. Richtig lächerlich wird es dann aber im letzten Teil, in dem der ganze bisherige Film noch einmal auf den Kopf gestellt wird und noch unlogischer wird als zuvor. Wobei ich den Vulkanjungen schon ein bisschen gefeiert habe – das war aber so ziemlich der einzige erheiternde Moment.

Die Vögel

Die Handlung: Mitch Brenner spielt Melanie Daniels einen Streich. Sie will sich rächen und fährt dafür zu seinem Haus in Bodega Bay. Dort bleibt sie unerwartet länger und kommt Mitch näher. Doch die Vögel in Bodega Bay fangen an sich sehr merkwürdig zu verhalten. 

Meine Meinung: Mein erster Alfred Hitchcock Film und ja Schande über mein Haupt. Aber ich hab dieses Jahr ein paar Klassiker nachgeholt und die Vögel war einer davon. Ob es nun die richtige Wahl für den Anfang war, dürfen mir gerne die Hitchcock-Fans unter euch verraten. Grundsätzlich hatte ich so meine Schwierigkeiten mit der ersten Szene, die sich mir einfach nicht erschlossen hat. Sobald wir jedoch ins verschlafene Bodega Bay reisen, nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf. Die namensgebenden Vögel sind für die heutige Zeit zwar sehr witzig animiert, aber nicht minder gefährlich. Die ständige Bedrohnung ist allgegenwärtig und auch ohne viel Handlung drum herum, reicht es um eine dauergespannte Stimmung zu erzeugen. Die Protagonistin ist stellenweise etwas anstrengend, entwickelt sich aber im Laufe des Films zum positiven. Wirklich gestört hat mich nur das sehr offene Ende. Keine Erklärung, was mit den Vögeln los war, wieso das passierte, wie das gelöst werden konnte, nichts. Ich habe zwar nachgelesen, dass das mit der Buchvorlage übereinstimmen soll, aber es hat mich gestört.

Kill your friends

Die Handlung: In den 1990er Jahren versucht der Musikproduzen Stelfox als A&R-Manager den Durchbruch zu schaffen. Doch die Musikszene ist ein Haifischbecken. Es wird blutig. 

Meine Meinung: Den Film habe ich irgendwann mal auf gut Glück gekauft, weil mich der Cast ansprach. Auch der Titel klang ganz spannend. So ging ich mit wenigen Erwartungen an den Film und bekam einen ziemlichen Reinfall. Denn der Film versucht sich mit der Musikindustrie der 1990er Jahre auseinander zu setzen, greift aber ziemlich daneben. Im Prinzip ist die Aussage, dass die Branche ein reines Haifischbecken ist, dort nur schlechte Menschen arbeiten und ein Fehler jeden zum Mörder machen könnte. Er will provozieren, nicht weil es sinnvoll ist, sondern einfach weil er es kann. So zieht sich die Handlung, auch wenn der Film mit 103 Minuten eigentlich gar nicht so lang ist. Auch wenn ich Nicholas Hoult eigentlich als Schauspieler sehr gerne sehen, so hat er in diesem Film überhaupt nicht funktioniert. Er versucht seinen Charakter bewusst cool auszulegen, was nicht immer passt.

Die Taschendiebin

Die Handlung: In den 1930er Jahren ist Korea von Japan besetzt. Taschendiebin Sookee wird als Hausmädchen bei einer Japanerin eingeschleust. Sie soll die Erbin manipulieren, damit sie den Hochstapler Fujiwara heiratet. Dabei ist mehr als nur eine Intrige aktiv.

Meine Meinung: So hoch gelobt, dass ich ihm nun endlich auch eine Chance gab. Und rein optisch ist der Film durchaus einen Blick wert, hat er doch einen ganz eigenen Stil und eine interessante Farbgebung. Und die Handlung ist, was die Intrigen und Thrillerelemente angeht auch durchaus spannend. Die Dreiteilung des Films ist sinnvoll und bringt immer wieder etwas neues, da sich jeweils neue Intrigen zeigen oder gesponnen werden. Dennoch ist der Film mit 145 Minuten etwas zu lang für die Geschichte, die erzählt wird. Die Erzählweise ist hier auch entspannter, als beispielweise bei Oldboy, wo man sich ganz schön dran gewöhnen musste. Ihr merkt schon, dass hier noch ein großes Aber kommt – und ihr habt Recht. Denn der Film war mir zu gewollt provokant. Die Damen durften sich regelmäßig entkleiden und gerade in den lesbischen Sexszenen wurde dann auch jedes Klischee untergebracht, was die Pornoindustrie verbreitet. Auch darüber hinaus ging es an vielen Stellen gar nicht um die Intrigen, sondern rein um Provokation. Kann man natürlich als Kunst interpretieren, mich hat es eher abgeschreckt.

Habt ihr einen Film davon gesehen? Wie fandet ihr ihn?

Dune – das Buch

Ein Vorwort

Die neue Dune-Verfilmung von Denis Villeneuve steht bevor – bzw. wenn dieser Beitrag erscheint, ist er bereits angelaufen. Für mich war es damit an der Zeit endlich einmal ein Blick in das Buch zu wagen. Das hatte ich mir fest vorgenommen und dann zusammen mit der ständigen Filmverschiebung auch nach hinten geschoben. Bis ich feststellte, dass der Film bereits dieses Jahr im September anlaufen sollte und nicht wie angenommen im Dezember – hatte das wohl mit dem ursprünglichen Starttermin verwechselt. Nun war das Buch nicht gerade dünn und die Zeit knapp. Wie es mir gefallen hat, möchte ich euch heute berichten.

Die Handlung

Herzog Leto Atreides bekommt vom Imperator den Auftrag den Wüstenplaneten Arrakis von Baron Harkonnen zu übernehmen. Arrakis ist ein Planet, der nur spärlich besiedelt ist, da ein Überleben auf ihm sehr schwer ist, vor allem durch die ständig präsente Wasserknappheit. Doch er besitzt etwas, was das ganze Universum will: Das Gewürz. Mit dabei ist auch sein Sohn Paul, der sich einer ganz besonderen Ausbildung ausgesetzt sah und noch eine große Rolle im Kampf um das Schicksal des Planeten spielen soll.

Meine Meinung

Dune hat knapp 800 Seiten Länge, wobei die letzten 50 rein Anhänge und Erklärungen sind. Die eigentliche Geschichte beläuft sich auf knapp 750 Seiten und ist in drei große Abschnitte unterteilt. Kapitelnummern gibt es nicht, dafür wird jedes neue Kapitel mit einem Auszug aus weiteren fiktiven Büchern aus dem Universum begonnen. Da die Auszüge allesamt von einem Charakter geschrieben wurden, der erst gegen Ende relevant wird, und wahrscheinlich in den Folgeteilen, nimmt es nicht so viel vorweg, auch wenn manche Andeutungen einen schon in eine gewisse Vorahnung versetzen.
Das Buch beginnt irgendwo am Anfang der Geschichte und doch mittendrin. Die Lesenden werden in eine Situation reingeworfen und müssen sich anhand der Dialoge eine Menge zusammenreimen. Im Folgenden wird dies besser, auch wenn der Erzählstil gewöhnungsbedürftig bleibt. Das liegt vor allem daran, dass wenig aktive Handlung beschrieben wird, sondern viel durch Dialoge und innere Monologe beschrieben wird. Das ist nichts grundsätzlich schlechtes, vor allem, weil Frank Herbert sein Handwerk versteht und die Geschichte auch so spannend erzählt. Es ist halt nur ungewöhnlich und ich habe so ziemlich den ganzen ersten Teil gebraucht, um mich daran zu gewöhnen.
Die Geschichte selbst hat Höhen und Tiefen. Gerade die ersten Kapitel sind sehr langsam aufgebaut, doch sobald die Charaktere es nach Arrakis geschafft haben, geht es ziemlich schnell und auch einige Vorgänge, mit denen ich nicht einverstanden war. Danach kommt die Handlung wieder zur Ruhe und nimmt sich Zeit, auch wenn es einem nicht so vorkommt. Gerade im letzten Teil nimmt die Handlung nochmal ordentlich schwung auf. Auch wenn sie es wieder schafft in dem Momenten, wo es am spannendsten ist … einfach weiterzuspringen. Das hat mich schon ein bisschen gestört, aber letztlich hätte es nicht zum Rest des Buches gepasst.
Dune schafft es eine völlig neue Welt zu erschaffen und der Weltenbau dabei ist einfach faszinierend. Einige Sachen sind mir auch im Nachhinein noch nicht klar, was es genau damit auf sich hat, aber die muss man wohl einfach akzeptieren.
Das Ende ist ein wenig enttäuschend, da es gefühlt mitten im Satz endet. Ein etwas runderes Ende wäre wünschenswert gewesen. Nun gut, muss man wohl die Folgebände auch lesen. Dennoch hat der erste Band einen halbwegs runden Abschluss. Man könnte es so mit dem offenen Ende lassen oder eben weiterlesen, wenn man Gewissheit haben möchte, was danach passiert. Ob das zeitnah bei mir geschieht, weiß ich noch nicht.

Das Fazit

Dune überzeugt vor allem durch den faszinierenden Weltenbau. Die Geschichte wirkt gestreckt, funktioniert dennoch erstaunlich gut beim lesen, auch wenn der Erzählstil gewöhnungsbedürftig ist.

Shang-Chi and the legend of the ten rings

Ein Vorwort

Ein neuer Marvel Film stand bevor. Diesmal wurde wieder ein ganz neuer Marvel-Held vorgestellt, der auch noch keinen Gastauftritt irgendwo hatte. Warum es sich gleichzeitig wie ein Marvel Film und wie keiner anfühlt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Für Shang-Chi and the legend of the ten rings muss man keinen bisherigen Marvel-Film gesehen haben, um ihn zu verstehen. Um ein paar Andeutungen zu verstehen, empfehle ich folgende Filme gesehen zu haben: Iron Man 3, Der unglaubliche Hulk, Doctor Strange, Captain Marvel.

Die Handlung

Shang-Chi (Simu Liu) lebt zusammen mit seiner besten Freundin Katy (Awkwafina) in den USA. Sie arbeiten zusammen für einen Parkservice. Doch Shang-Chi hat ein düsteres Familiengeheimnis, das ihn nun einholt. Denn sein Vater (Tony Leung) ist der Anführer der zehn Ringe.

Meine Meinung

Im Vorfeld zu Shang-Chi hatte ich so ziemlich keine Meinung zum Film. Es war keiner, auf den ich mich total gefreut habe, da er ein mir unbekannter Avenger war – der also auch noch in keinem von mir gelesenem Comic aufgetaucht ist. Andererseits sah er aber auch neu und erfrischend aus, da er verschiedene Stile kombiniert, die in den bisherigen Filmen des MCU (=Marvel Cinematic Universe) so nicht auftauchten.
Dies merkt man schon am Anfang, wenn die Legende der zehn Ringe von einer Off-Stimme erzählt wird. Kurz darauf wird man in die Gegenwart katapultiert und trifft auf Shang-Chi, der als Shaun sich mit seiner besten Freundin Katy durchs Leben boxt. Hier scheint es erst einmal wie eine typische Marvel Origin Story. Kurz darauf lernt Katy und damit der Zuschauer, dass Shaun ein anderes Leben vorher geführt hat, als er bei seinem Vater aufwuchs. Hier übernimmt der Film Merkmale der typischen Martial Arts Filme. Die Kampfszenen sind dabei sehr beeindruckend, die Busszene, die man auch schon aus dem Trailer kannte, war mir persönlich aber etwas zu lang. Im Folgenden tauchen wir gleich mehrfach in andere Welten ab. Beim zweiten Mal landen wir dabei gleich in einer völlig neuen Fantasy-Welt. So staunend hat man als Marvel-Fan wohl zuletzt Wakanda bestaunt.
So vereint Shang-Chi Fantasy mit Martial Art, einer anderen Kultur und kombiniert dies mit dem typischen Marvel-Humor, der diesmal vor allem durch Awkwafinas Rolle Katy eingebracht wird. Das unterscheidet ihn von den bisherigen Filmen und funktioniert im großen und ganzen auch. Letztlich war es mir aber zuviel. Ich kann es nicht genau begründen, da es in sich irgendwo stimmig war, aber ich war während der Endschlacht weniger beeindruckt, nach dem Motto „oh wow, was für tolle Fantasywesen“, sondern eher „ah, das auch noch“. Nichtsdestotrotz habe ich mich gut unterhalten gefühlt und es ist schön, dass Marvel auch nochmal eine neue völlig neue Richtung einschlagen kann.
Ich bin noch gespannt, wie Shang-Chi sich ins MCU einbringt. Ein Versuch dazu wurde mit der Midcredit-Scene bereits gewagt, wobei der wohl auch nur nochmal für einen Witz gut war.

Das Fazit

Shang-Chi and the legend of the ten rings kombiniert verschiedene Genre und versieht sie mit dem typischen MArvel-Humor. Funktioniert in seiner Gesamtheit ganz gut, haut einen aber auch nicht völlig vom Hocker. Dafür gibt es solide 07 von 10 möglichen Punkten.

Shang-Chi läuft seit dem 02.09.2021 in den deutschen Kinos

Das Meer der Legenden

Ein Vorwort

Ob es sinnvoll ist als Autor*in auf Twitch zu streamen und beispielsweise Co-Working anzubieten? Nun sagen wir es mal so, dies ist allein in diesem Jahr das vierte Buch einer Autor*in, die ich über Twitch kennengelernt habe und mindestens zwei liegen noch auf meinem SuB (=Stapel ungelesener Bücher), Tendenz steigend. Diesmal möchte ich auch das Debut von Babsi Schwarz vorstellen.

Die Handlung

Die Halbnixe Mavi landet durch Zufall auf dem Schiff des berüchtigen Piraten Tayon. Da sie auf der Flucht vor einem anderen Mann ist, der sich mehr um ihre anatomische Besonderheit kümmern will, schließt sie sich der Gruppe an und segelt Abenteuern entgegen.

Meine Meinung

Das Meer der Legenden ist das Debut von Babsi Schwarz und im Gedankenreich-Verlag erschienen. Vom Genre her ist es schwierig einzuordnen. Im Vordergrund steht die abenteuerliche Piratengeschichte, aber Babsi schafft es noch wesentlich mehr Themen einzubringen. Von der obligatorischen, aber sehr süßen und dezenten, Liebesgeschichte, über Freundschaft, Zusammenhalt, die Liebe zur See und auch unterschwellig Kritik an der Verschmutzung der Meere.
Mavi ist als Protagonistin hin- und hergerissen zwsichen ihrer Verbundenheit zu zwei Welten, der an Land und der an Wasser. Da sie eine Halbnixe ist, gehört sie in beide Welten nicht vollständig. Sie kann nicht ohne Wasser leben, aber auch nicht ohne das Land. Außgestoßen von den anderen Nixen, versucht sie an Land nicht entdeckt zu werden. Allein am Beispiel des Schiffarztes Wayland, der an ihr Experimente durchführen will, zeigen sich die Gefahren, die für Wesen, wie sie lauern. Es geht also ebenso um Akzeptanz und darum einen Platz auf der Welt zu finden. Dabei ist sie als Protagonistin sehr sympathisch und nahbar. Sie ist gleichzeitig stark und zäh, gesteht sich  aber auch ihre Schwächen ein.
Tayon ist ein guter Gegenpart. Oberflächlich ist er der harte Pirat und Kapitän, der seinem Ruf teilweise auch gerecht wird. Schiffe werden überfallen und geplündert. Dabei werden Gefangene gemacht, die hinterher zwar nicht als Sklaven, aber dennoch verkauft werden. Dennoch schafft Babsi es ihn in dieser Rolle glaubwürdig zu beschreiben und gleichzeitig auch andere Seiten zu beschreiben. Sein großes Herz und sein unermüdlicher Einsatz für die Crew lassen ihn einem schneller ans Herz wachsen als einem lieb ist.
Aber auch die restliche Crew ist einfach toll. Hier wünscht man sich glatt mit dabei sein zu können. Wobei die Gefahren, die so ein Leben mit sich bringt, hier auch nicht glorifiziert werden. Glücklicherweise hat am Ende auch mein Lieblingscharakter ganz knapp überlebt, ansonsten wäre das sehr betrüblich geworden.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, auch wenn man als erfahrene*r Leser*in ein paar Stolpersteine findet, wie die sehr ofte Wiederholung von Namen. Diese stören den Lesefluss jedoch nicht.
Ich habe keine Ahnung, ob Nixenwunsch der Auftaktband einer Reihe ist oder es als Einzelband angelegt wurde. Ich weiß nur, dass es in sich gut geschlossen ist, ich mich aber auf ein Wiedersehen mit der Piratenbande freuen würde (Wink mit dem Zaunpfahl, falls die Autorin das lesen sollte).

Das Fazit

Das Meer der Legenden ist eine gut durchdachte, spannende Piratenabenteuergeschichte mit allerlei Tiefgang, tollen Charakteren und viel Liebe zur See.

Promising Young Woman

Ein Vorwort

Er wird schon jetzt als der wichtigste Film des Jahres gehandelt. Locker und farbenfroh, doch mit einem sehr schwierigen Thema trat Promising Young Woman bei den diesjährigen Oscars an und kam mit einem Goldjungen nach fünf Nominierungen nach Hause. Wie er mit dem Thema umgeht und ob er aus gutem Grund als so wichtig angesehen wird, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Cassie Thomas (Carey Mulligan) hat ihr Medizinstudium nach dem Selbstmord ihrer besten Freundin abgebrochen. Jetzt arbeitet sie in einem Café und verbringt ihre Abende in Clubs, wo sie so tut, als wäre sie sturzbetrunken und dann mit Männern mitgeht, die sie als leichte Beute ansehen. Nach und nach sucht sie Leute aus der Vergangenheit auf, um die Geschehnisse auf unkonventionelle Art aufzuarbeiten.

Meine Meinung

Promising Young Woman nimmt sich einem Thema an, das aktueller denn je ist und doch bei vielen nur noch ein müdes Augenrollen hervorruft: Sexismus, Sexuelle Belästigung, bis hin zur Vergewaltigung. Dabei werden aber keine ausufernden Diskussionen genutzt, sondern die Thematik wird in Form eines Rache-Thrillers erzählt. Aber fangen wir am Anfang an.
Wir lernen Protagonistin Cassie an einem der Abende kennen, in denen sie sich im Club gespielt betrunken abschleppen lässt. Dabei schaut sie, wie weit die Herren gehen und ob sie ihren Zustand ausnutzen. Bevor diese zu übergriffig werden, zeigt sie ihren nüchternen Zustand. Die Reaktionen sind dabei ähnlich. Unverständnis, Rechtfertigungen, bis zu wüsten Anschuldigungen. Auch ohne moralischen Fingerzeig wird hier deutlich wie falsch eine solche Situation ist und wo in der Einstellung der Männer der Fehler liegt. Durch ein zufälliges Treffen mit einem ehemaligen Kommilitonen, kommen Erinnerungen zurück und sie beginnt mit ihren Rachefeldzug. Dabei wird deutlich, dass Ryan (Bo Burnham) als Gegenpart angelegt ist und rücksichtsvolles und verständnisvolles Verhalten bei ihm dominiert. So entspinnt sich neben dem Rachethriller auch eine Liebesgeschichte. Hier zeigt sich auch die subtile Stärke des Drehbuchs, da Cassie traumatisiert durch den Verlust ihrer besten Freundin Probleme hat zu vertrauen. So werden gleichzeitig die Auswirkungen für die Hinterbliebenden gezeigt, ohne ständig darauf hinzuweisen, ganz gemäß dem Leitsatz „Show, don’t tell“.
Die Racheabschnitte selbst werden auf verschiedenste Weise aufgezogen und sind durchweg bitterböse. Auch hier zeigt sich, wie die verschiedenen Gruppen auf die Anschuldigungen reagiert haben und wie sie Jahre später darüber denken. Und wie sie handeln, wenn sie erneut damit konfrontiert werden. Zwar ist Cassies Verhalten hier höchst fragwürdig, als filmisches Mittel zur Verdeutlichung passt es aber umso besser.
Schauspielerisch ist es vor allem Carey Mulligan als Cassie, die hier hervorsticht. Dieser Zwiespalt zwischen der offenen „Mir ist alles egal“-Haltung und dem darunter verborgenen Trauma, spielt sie gekonnt aus. Dabei sind es nicht die großen Gesten, sondern die kleinen Änderungen in der Mimik die den Unterschied machen.
Unterm Fazit werde ich noch ein paar weitere Worte über den Film verlieren. Da ich dafür aber hochgradig spoilern muss, setzte ich diese nach unten.

Das Fazit

Promising Young Woman nimmt sich einer schwierigen Thematik an und zeigt Missstände in der Gesellschaft auf ohne mit der Moralkeule zu kommen. Doch selbst der lockere Grundton kann über die Relevanz des Erzählten nicht hinwegtäuschen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Promising Young Woman läuft seit dem 19.08.2021 in den deutschen Kinos

Meine Meinung – Fortsetzung – Achtung Spoiler!

Der größte Kritikpunkt für mich am Film ist die Wendung, die Ryan am Ende nimmt. Vom tollen Vorzeigemann, der sie unterstützt und ihr Halt im Leben gibt durch seine verständnisvolle Art zu eben jenem Schema, das sie bekämpft. Seine Involvierung in die Ereignisse von damals und sein Schweigen dazu, hat mich stark getroffen. Hier hätte ich mir wirklich gewünscht, dass er der Good Guy geblieben wäre. So bleibt die Botschaft, dass wirklich alle Männer schlecht sind und man niemandem vertrauen kann.
Hingegen umso gelungener finde ich das Ende. Denn durch ihren Tod bei der letzten Racheaktion wird noch einmal verdeutlicht, welch gefährliches Spiel sie spielte. Denn schon allein, dass sie in den Bars mit all den Männern mitging, hätte schlimm ausgehen können. Hier nur einmal an den Mann geraten, der sich auch an ihrer Nüchternheit nicht stört und sie dann eben mit Gewalt vergewaltigt. Dass es für sie dann kein Happy-end gibt, war für mich die logische Schlussfolgerung. Dennoch finde ich es auch gut, dass es nicht beim ursprünglich geplanten Ende der Regisseurin (ihr Tod) blieb, sondern noch eine letzte Szene (Hochzeit) beigefügt wurde, wodurch die Hoffnung, dass es wenigsten ein bisschen Gerichtigkeit gibt, aufrecht bleibt.

Eine Handvoll Serien – 05/21

Herzlich Willkommen zur fünften Ausgabe der serientastischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit dabei: ein peinlicher Vater, ein Höllenfürst, frittierte Leckereien, erste Highschoolerfahrungen und ein neu inszeniertes Musical.

Dad stop embarrassing me – Staffel 1

Die Handlung: Unternehmer Brian Dixon (Jamie Foxx) lebt zusammen mit seinem Vater und seiner Schwester. Große Aufregung herrscht, als auch seine Tochter Sasha (Kyla-Drew) ebenfalls zu ihm zieht. Doch der Balanceakt zwischen cooler Dad und strenger Vater gelingen ihm nicht immer.

Meine Meinung: Dad stop embarassing me wollte vieles sein. Jung, hip, erfrischend, eben ein Gegenpol zu den gängigen Sitcoms. Leider ist sie vorangig eins: Nervig. Denn gerade Jamie Foxx in der Rolle des Brian Dixon ist eine schlechte Parodie auf so ziemlich alles. Das seine Firma bei seinen Führungsqualitäten überhaupt Erfolg hat, kauft man der Serie an keiner Stelle ab, seine sozialen Kompetenzen sind auch eher mangelhaft, was die Frage auffwirft, wieso überhaupt noch jemand mit ihm befreundet ist. Und das locker-strenge Vater-Tochter-Verhältnis ist auch eher ein sprunghafter Wechsel. Zumal die strenge Seite selten irgendwo begründet ist und wenn doch sehr schnell ins Lächerliche gezogen wird. Die Serie weist nicht einen guten Gag auf, die Charaktere bleiben bis zum Ende flach. Lediglich eine halbwegs gute Folge – ich sag nur Grillwettbewerb – macht die Serie erträglich. Das Prinzip ist ansonsten auch bei allen gleich: Brian hat irgendeine abstruse Idee, seine Tochter macht, was sie will, er schimpft, sie heult rum, was er für ein gemeiner Vater ist und letztlich macht sie doch wieder, was sie will. Letztlich dürfte es hier wohl keine zweite Staffel geben und selbst wenn, dann ohne mich.

Dad stop embarassing me ist auf Netflix verfügbar

Lucifer – Staffel 5

Die Handlung: Lucifer (Tom Ellis) ist wieder in der Hölle, um dort nach dem rechten zu sehen. Unterdess taucht sein Bruder Michael (Tom Ellis) auf und gibt sich als den Höllenfürsten aus. Doch Chloe (Lauren German) kommt dahinter. Fortan geht es um Geschwisterrivalität und ob Lucifer und Chloe endlich zueinander finden.

Meine Meinung: Nach der viel zu langatmigen dritten Staffel, wurde sich in der vierten – also nach der Rettung durch Netflix – auf eine kurze und knackige Handlung geeinigt, die man wieder gut sehen konnte. Nun brachte die fünfte wieder die am Anfang übliche Länge von 16 Folgen. Und das funktionierte leider gar nicht. Denn zwischendurch hat die Serie echt gute Einfälle und gerade die Folgen, in denen Gott auftaucht und aktiv an der Handlung teilnimmt, waren spaßig, spannend und hatten die guten alten Lucifer Vibes. Alles darüber hinaus leider gar nicht. Hier dreht sich die Handlung immer wieder im Kreis, die Charaktere machen die gleichen Fehler immer wieder und gerade die Beziehung zwischen Lucifer und Chloe war nicht die lang ersehnte, sondern eins der nervigsten hin und hers der Serienlandschaft. Bei jedem „aber diesmal wirklich“ hatte ich nur noch ein müdes Augenrollen übrig, denn es folgte das unvermeidbare „aber da ist noch dieses eine letzte Problem“. Auch die ganze Sache mit Michael und Tom Ellis nerviger Doppelrolle wird nach zwei Folgen einfach zu viel. Kurzum: Weniger Beziehungsdrama und vielleicht zwei Staffeln draus machen (einmal mit der Gott-Thematilk einmal mit der Michael-Thematik) und alles wäre wesentlich runder geworden.

Lucifer ist auf Prime Video im Abo enthalten

Fresh Fried & Crispy – Staffel 1

Die Handlung: Essenskritiker und Fast Food Fan Daym Drops reist durch die USA auf der Suche nach außergewöhnlichen Kreationen. Die einzige Voraussetzung: Die Essen müssen an irgendeiner Stelle frittiert sein. Je mehr desto besser.

Meine Meinung: Ganz wichtiger Tipp vorab: Schaut diese Serie nicht, wenn ihr hungrig seid und erst recht nicht, wenn ihr gerade abnehmen wollt. Denn die Massen an Essen und vor allem das viele Frittierfett setzt allein beim Zuschauen schon an den Hüften an. Pro Folge gibt es in einer Stadt durchschnittlich drei Restaurants, die besucht werden, wobei eins meist etwas größer aufgezogen wird. Wenn man Fan von frittiertem Essen ist, so findet man hier noch viele Ideen, da die Köstlichkeiten auch fernab des bekanntem sind und die volle Bandbreite des Möglichen abdecken. Zwischenzeitlich kann man über einige Kreationen zwar nur noch den Kopf schütteln, denn die Antwort auf die Frage, wie viel willst du frittieren, hier „ja“ zu lauten scheint. Oder frittierte Einzelbestandteile noch einmal als ganzes frittiert werden. Doch in den USA ist alles möglich. Mit Daym Drops hat man den idealen Moderator gefunden. Bekannt geworden ist er durch das Testen von Fast Food und ist hier ganz in seinem Element. Besonders sympathisch wurde er mir durch seine Abneigung gegen Tomaten, aber das ist dann wohl eine sehr subjektive Beurteilung. Grundsätzlich schafft er es, die Folgen spannend zu moderieren, auch wenn der Ablauf gleichbleibend ist. So und nun entschuldigt mich, ich muss mein Essen frittieren.

Fresh Fried and Crispy ist auf Netflix verfügbar

Noch nie in meinem Leben – Staffel 1

Die Handlung: Devi Vishwakumar (Maitreyi Ramakrishnan) hatte im letzten Schuljahr den Tod ihres Vaters und einer vorübergehende Lähmung zu verarbeiten. Nun will sie an der Highschool voll durchstarten und beliebter werden. Immer an ihrer Seite sind ihre besten Freundinnen Eleonor Wong (Ramona Young) und Fabiola Torres (Lee Rodriguez).

Meine Meinung: Die Beurteilung dieser Serie auf einer halbwegs objektiven Schiene, fällt mir bei dieser Serie besonders schwer. Denn viele Folgen haben mich durch die Themen Mobbing und Außenseiter stark getriggert – und ja, ich meine wirklich triggern im Sinne von psychischen und physischen Negativwirkungen. Dadurch brauchte ich beim Schauen einige Pausen und Ablenkung und habe immer wieder überlegt sie abzubrechen. Gleichzeitig hat sie mir durch ihre lockere Erzählweise und tollen Charaktere vor allem im Nebencharakterbereich gut gefallen, so dass ich doch der kompletten ersten Staffel eine Chance gegeben habe. Denn auch wenn es eigentlich normal sein sollte, so ist hier doch auffällig, wie wunderbar divers die Serie ist. Sie bietet Einblick in andere Kulturen, vor allem, da die Protagonistin indische Wurzeln hat, und inkludiert gleichzeitig noch LGBTQIAP+ Themen. Leider ist die Serie durch die Aufgewecktheit der Protagonistin für mich sehr anstrengend zu gucken. Dafür liebe ich den Großteil der Nebencharaktere. Ich bin also gleichzeitig begeistert von der Serie und konnte doch nicht richtig mit ihr warm werden. Ob ich die zweite Staffel sehen werde, weiß ich noch nicht.

Noch nie in meinem Leben ist auf Netflix verfügbar

High School Musical – das Musical – die Serie – Staffel 1

Die Handlung: Die neue Theaterlehrerin Miss Jenn (Kate Reinders) will den Film High School Musical neu inszenieren, da er an dieser Schule gedreht wurde. Doch schon beim Casting treten Probleme auf, da Nini (Olivia Rodrigo) als Gabriella gecastet wurde und ihr Ex-Freund Ricky (Joshua Bassett) als Troy. Dies stößt gerade ihrem neuen Freund EJ (Matt Cornett) bitter auf. Bei den Proben tauchen immer wieder neue Hindernisse auf, die es zu beheben gilt.

Meine Meinung: High School Musical gehört für mich einfach zu meiner Jugend dazu. Zu dem Zeitpunkt war ich im richtigen Teeniealter und in der Musical-AG meiner Schule, wo wir alle begeistert anfingen die Tänze zu lernen und die Lieder mitzusingen, wann immer sich die Gelegenheit bot. Für mich spielt also ein hoher Nostalgiefaktor mit rein. So hatte ich bereits vorab gehört, dass die neue Serie auf Disney+ nicht so richtig funktionieren soll, wollte ihr aber unbedingt eine Chance geben. Und ich bin sehr hin- und hergerissen. Denn zum einen mochte ich den sehr lockeren Erzählstil der Serie und auch hier gab es gerade bei den Nebencharakteren viele, die mir sofort sympathisch waren und mit denen ich mitgefiebert habe. Das Drama und die Hauptdarsteller*innen und auch das gesamte Drama um die Musicalproben, waren mir dagegen ziemlich egal. Da dies aber den Großteil der Serie einnahm, hatte ich zwischen den einzelnen Folgen teilweise große Pausen, da es mich nicht gerade in den Finger juckte, weiterzuschauen, was selten ein gutes Zeichen ist. Es war kein direktes Durchquälen, denn wenn ich eine Folge sah, gefiel es mir auch, aber es war auch kein Drama zwischendurch aufzuhören. Auch für die zweite Staffel bezweifel ich, dass das Prinzip noch einmal funktioniert. Dennoch könnte es sein, dass ich ihr irgendwann nochmal eine Chance gebe.

HSMDMDS ist auf Disney + verfügbar

Habt ihr eine davon gesehen? Wie hat sie euch gefallen?

The Father

Ein Vorwort

Die Tatsache, dass bei der diesjährigen Oscarverleihung die Reihenfolge der Kategorien geändert wurde und statt Bester Film diesmal Bester Hauptdarsteller als letztes vergeben wurde und Preisträger Anthony Hopkins dann nur per Bild eingeblendet werden konnte, sorgte für starke Kritik. Die Sinnhaftigkeit dessen sollte jedoch an anderer Stelle diskutiert werden. Ob der Gewinn Hopkins in der Kategorie gerechtfertigt war, das soll Thema des heutigen Beitrags sein.

Die Handlung

Anthony (Anthony Hopkins) ist 80 Jahre alt und dement. Dennoch will er seine Wohnung nicht verlassen und beteuert, dass er gut allein zurecht kommt. Seine Tochter Anne (Olivia Coleman) versucht so gut es geht für ihn da zu sein, doch stößt allmählich an ihre Grenzen.

Meine Meinung

Die Grundidee einen Film vollständig aus der Sicht eines Demenzkranken zu schreiben, ist schon ein schwieriges Unterfangen. Den schwierigsten Schritt dafür hatte Regisseur Florian Zeller schon hinter sich, denn der Film basiert auf seinem Theaterstück von 2012. Dies merkt man dem Kammerspielartigen Setting auch an. Nun musste es aber auch noch auf der Leinwand funktionieren.
Dafür setzt der Film auf kleine Details, die auf einer Bühne wohl schwierig umzusetzen gewesen wären. Die Feinheiten in der geänderten Einrichtung sind für die Zuschauer teilweise erst auf dem zweiten Blick ersichtlich, was aber den schleichenden Prozess der Verwirrung des Protagonisten unterstützt und auch den Zuschauer mehr  als einmal vor ein Rätsel stellt.
Die Handlung selbst bietet anfänglich, aber auch zwischenzeitlich immer wieder Stolpersteine, wo die Frage aufkommt, in welche Richtung der Film sich entwicklt. Die konkrete Auflösung erfolgt tatsächlich erst in den letzten Szenen, die die zuvor auftauchenden Rätsel lüftet. Das hängt damit zusammen, dass der Film aus dem hochgradig unzuverlässigen dementen Protagonisten erzählt wird. Der Film fängt gekonnt seinen Alltag ein, inklusive des Vergessens von Dingen. Aber auch zeitlich können einzelne Geschehnisse teils nicht richtig wiedergegeben werden. Dies erhöht die Spannung des Films, will man doch hinter des Rätselslösung kommen.
Getoppt wird die langsam erzählte, aber sehr feinfühlige Handlung und der dezente Kulissenwechsel, nur von den durch die Bank weg absolut grandiosen Darstellern. Während Rufus Sewell, Mark Gatiss oder auch Olivia Williams eher im Hintergrund bleiben, so sind es gerade Anthony Hopkins und Olivia Coleman, die ihren Ruf als ausgezeichnete Darsteller*innen wieder einmal gerecht werden. Denn der Film bedarf keiner großen Gesten oder der typischen „Oscarszene“, sondern es sind die kleinen Feinheiten. Der Stimmungswechsel, den man allein in den Augen der Darsteller*innen erkennt. Gerade Hopkins brilliert auf diesem Gebiet. Minutenlange Szenen mit einer Bandbreite von Emotionen und man sieht sie allein seinen Augen an. Für diese Leistungen kann man seinen Gewinn bei den diesjährigen Oscars nur als verdient ansehen. Coleman hingegen schafft es nicht gegen diese Leistung anzuspielen, sondern sie mit zu nutzen und zu eigen zu machen. Die innere Zerissenheit in jeder Szene nimmt man ihr ab und möchte sie mehr als einmal nur in den Arm nehmen.

Das Fazit

The Father ist ein ruhig erzählter und brilliant gespielter Film, dessen ganzes Spektrum erst am Ende deutlich wird und sich dadurch im Nachgang noch auf mehrfache Weise entfaltet. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The Father läuft seit dem 26.08.2021 in den deutschen Kinos

Free Guy

Ein Vorwort

Wenn man einen Gamer nach einer gelungenen Videospielverfilmung fragt, gibt es selten eine Antwort ohne Augenrollen. Doch wie ergeht es eigentlich den Nicht spielbaren Nebencharakteren? Genau mit dieser Frage befasst sich Free Guy. Wie das in Filmform funktioniert und ob es endlich Hoffnung am Videospielverfilmungshimmel gibt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Guy (Ryan Reynolds) lebt in Free City. Was er nicht weiß ist, dass er ein Charakter in einem Videospiel ist. Als er auf Molotov Girl (Jodie Comer) trifft, fällt er aus seiner Endlosschleife heraus und versucht sie zu beeindrucken. Diese wiederum ist eine Spielerin, die einen Feldzug gegen den Entwickler des Spiels führt.

Meine Meinung

Free Guy funktionierte schon im Trailer gut und sah nach einem lustigen Zeitvertreib aus. Auch wenn man meint im Trailer schon viel gesehen zu haben: Der Film bietet noch mehr! Dabei sind es hier gerade auch die kleinen Anspielungen, die wahnsinnig gut funktionieren – außer, wenn Disney anfängt mit einem „Schaut mal, wofür wir alles die Rechte haben“, das war gerade am Ende ein bisschen viel.
Aber fangen wir vorne an. Free City ist von mehreren Videospielen inspiriert, unter anderem GTA. Das heißt Guy lebt in einer sehr brutalen Welt und ist als Bankangestellter daran gewöhnt mehrfach täglich überfallen zu werden. Die Tatsache und diese Selbstverständlichkeit wird so selbstironisch vermittelt, dass man schon hier aus dem Lachen kaum noch herauskommt. Da dies als vollständiger Film wohl kaum funktionieren würde, gibt es die zweite Ebene rund um Millie, die als Spielerin Molotov Girl einen versteckten Clip sucht, während sie im realen Leben einen Feldzug gegen den Entwickler des Spiels Antwan (Taika Waititi) führt, da er Code von ihr und ihrem ehemaligen Partner Keys geklaut hat. Leider muss sie es beweisen.
So hangelt man sich in beiden Erzählebenen an den einzelnen Stationen entlang, die zwischen Spaß, Spannung und Drama hin und herwechseln. So ist die Abwechslung garantiert. Mit Guy seine Welt noch einmal neu zu erkunden ist unglaublich aufregend. Gamer finden hier wahrscheinlich noch viel mehr versteckte Anspielungen.
Schauspielerisch funktioniert der Film ebenfalls wunderbar. Ryan Reynolds spielt zwar seine inzwischen perfektionierte Rolle, irgendwo zwischen Deadpool, The Voices und Meisterdetektiv Pikachu, aber hat spürbar viel Spaß Guy mit Leben zu füllen. Der restliche Cast ordnet sich genau da ein. Taika Waititis Overacting mögen manche als übertrieben ansehen, ich fand es On Point, um seinen Charakter so herrliche überdreht wirken zu lassen – okay am Ende war es auch mir zu viel, aber bis dahin hab ich die Rolle sehr gefeiert!
Mit einer Lauflänge von 115 Minuten schafft Free Guy es auf mehreren Ebenen zu erzählen, die Charaktere gut einzuführen und sich entwickeln zu lassen. Selbst beim meckern auf hohem Niveau lässt sich hier kaum etwas finden – außer die bereits angemerkten Kleinigkeiten. Der Film ist in sich rund und funktioniert bestimmt auch noch beim mehrmaligen Sehen.

Das Fazit

Free Guy spielt zwar in einem Videospiel bietet aber auch für Nicht-Gamer eine Menge Spaß und versprüht einfach nur gute Laune. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Free Guy läuft seit dem 12.08.2021 in den deutschen Kinos

Neulich in der Sneak: Killers Bodyguard 2

Ein Vorwort

Ja, ihr sehr richtig: Ich war mal wieder in einer Sneak. Während diese im Kino meines Vertrauens seit Corona die Überraschungsvorstellung nicht wieder eingeführt wurde, so doch bei meiner besten Freundin, die ich letzte Woche besucht habe. Statt eines guten Films lief Killers Bodyguard 2. Warum er mir nicht gefiel, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Michael Bryce war einst ein gut bezahlter und hoch geachteter Bodyguard. Doch nachdem er einen Auftrag in den Sand setzte, verlor er fast alles und gibt sich nun mit unterklassigen Jobs zufrieden. Bis er einen Anruf von seiner Ex-Freundin bekommt, die den Auftragskiller Kincaid dringend zum internationalen Gerichtshof in Den Haag bringen muss, doch befürchtet, dass es in ihrer Organisation einen Maulwurf gibt. Doch Bryce und Kincaid können sich eigentlich überhaupt nicht riechen, da Kincaid öfter Aufträge hatte Bryce Klienten zu töten. Es folgt eine wilde Verfolgungsjagd, da die Handlanger des Angeklagten Vladislav Dukhovich ihnen dicht auf den Fernsen sind.

Die Handlung

Griechenland ist nach einer Ankündigung der EU im Ausnahmezustand. Dies nutzt Aristotle Papadopoulos (Antonia Banderas) aus, um Hackerangriffe an zentralen Knotenpunkten auszuführen. Der eigentlich in einer Auszeit befindliche Bodyguard Michael Bryce (Ryan Reynolds) wird von Sonia (Salma Hayek) abgeholt, um ihren Mann Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) zu befreien. Kurz darauf wird den dreien der Auftrag gegeben, Papadopoulos aufzuhalten.

Meine Meinung

Ich musste tatsächlich nachgucken, wie ich den ersten Teil gefunden habe. Mit 08 von 10 möglichen Punkten scheint er mir ganz gut gefallen zu haben. Gerade das Duo aus Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson habe ich lobend hervorgehoben. Ich musste das nachgucken, nicht weil ich mich nicht mehr erinnern konnte, dass er mir gefallen hat. Sondern, weil ich sicher gehen musste, dass meine Erinnerung wirklich an den ersten Teil dieses Film war. Denn dieser war so schlimm, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.
Also beginnen wir doch am Anfang. Griechenland befindet sich in einer Krise, die EU schreitet ein und fällt ein Urteil zum Ungunsten von Griechenland, was Aufstände auslöst. Das Land befindet sich kurz darauf im Ausnahmezustand. Das kommt einen vielleicht teilweise bekannt vor, denn genau dieses Szenario gab es vor ein paar Jahren. Wie das hier fast ins Lächerliche gezogen wird, ist ein Magenschlag für alle Griechen. Dann treffen wir auf Michael Bryce, der sich eine Auszeit vom Bodyguarding nehmen soll. Das ist tatsächlich der Teil des Films, der am besten funktioniert, was wohl schon alles sagt. Dann taucht Sonia Kincaid auf. Hat die echt schräge Beziehung zwischen Sonia und Darius (Jackson) im ersten Teil noch für Erheiterung gesorgt, so schlägt es hier ins Extreme um. Hier war man wohl der Ansicht, dass mehr besser sei und haben aus den wenigen Szenen im ersten Teil – wodurch es wahrscheinlich funktioniert hat – einen ganzen Film gebaut. Das sorgt dafür, dass der ganze Film extrem anstregend ist, da gerade Sonia (Hayek) nur am Fluchen und Keifen ist.
Wer davon noch nicht genervt genug ist, zumal auch die Herren nur damit beschäftigt sind, sich gegenseitig Beleidugungen an den Kopf zu werfen, dem wird noch eine absolut sinnlose Handlung hingeworfen, die größtenteils vorhersehbar ist, Wendungen hat, die keiner braucht und grundsätzlich komplett austauschbar. Denn die zweite Konstante neben den nervigen Charakteren sind die Explosionen im Minutentakt. Ja es ist ein Actionfilm und bei Verfolgungsjagden fliegt auch gerne mal was in die Luft. Aber so inflationär, wie es hier benutzt wird, wirkt es nur noch ermüdend.
Nun fragt ihr euch zurecht, ob es denn noch schlimmer kommen kann. Sagt euch gesagt: Ja, es geht. Auftritt Frank Grillo. Wobei nicht der Schauspieler das Problem ist, sondern der Charakter Bobby O’Neill. Wie man in der heutigen Zeit noch einen Charakter, der rassistisch, sexistisch und auch ansonsten in allen Facetten ein Arschloch ist, bleibt wohl ein Rätsel, das nur die Drehbuchautoren aufklären können.
So ist der Film weder spannend, da die Handlung zu generisch, austauschbar ist und dazu noch vorhersehbar, kein bisschen witzig (okay ein zwei Szenen am Anfang vielleicht), weil die Charaktere einfach nur nerven und dann auch noch auf mehren Ebene problematisch (Rassismus, Sexismus, Menschen mit Traumata werden lächerlich gemacht). Mein Tipp: Schaut euch lieber noch einmal den ersten Teil an und spart euer Geld.

Das Fazit

Killers Bodyguard 2 macht nicht nur so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann, sondern ist dann auch noch auf mehreren Ebene problematisch. Warum man aus dem soliden ersten Teil einen so schlechten zweiten Teil machen musste, bleibt fraglich. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Killers Bodyguard 2 läuft seit dem 26.08.2021 in den deutschen Kinos