Nürnberg

Ein Vorwort

Bereits Ende 1945 fand der erste der insgesamte zwölf Nürnberger Prozesse statt, in denen die Kriegsverbrechen des Naziregimes vor Gericht gestellt wurden. Ein Meilenstein in der Gerichtsgeschichte, aber bis heute auch umstritten. Dennoch war ich an der Verfilmung des Hauptprozesses durchaus interessiert. Warum der Film in seiner Gesamtheit echt gut ist, aber auch seine Schwierigkeiten hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe arrangiert

Die Handlung

Der zweite Weltkrieg ist zu Ende und Herrmann Göhring wird festgenommen. In Nürnberg sollen er und weitere Führungsoffiziere angeklagt werden. Doch nicht nur die Rechtsprechung ist auf diesen Fall nicht vorbereitet, auch gilt es die Gefangenen bis zum Prozessende vom Suizid abzuhalten. Dafür wird Psychater Douglas Kelley engagiert, der sich fortan vornimmt gerade Göhring zu knacken.

Meine Meinung

In einer Welt, in der der Rechtsruck immer stärker wird, sind Filme über die Folgen eben dieses gar nicht genug zu betonen. Und das die Akteure des Nationalsozialismuses eben auch Menschen waren, die den Bau der Konzentrationslager angeordnet haben, nur weil sie sich über andere Menschen erhaben fühlten.
Genau damit befasst sich Nürnberg. Beziehungsweise mit den titelgebenden Prozessen. Dabei wird eine interessante Perspektive gewählt, denn der Hauptteil des Films zeigt uns Rami Malek als Psychater Douglas Kelley, der versucht hinter die Fassade von Herrmann Göhring zu blicken. Dabei setzt er bewusst die Sprachbarriere ein oder geht über Göhrings Frau und versucht eine Bindung aufzubauen. Dabei zeig sich vor allem eins: Göhring bereut nichts, sondern versucht sich als den Unwissenden darzustellen. Das ist zwar durchaus spannend anzusehen und verrät sehr viel über das Gedankengut der Täter, aber dadurch geraten die Prozesse an sich ziemlich in den Hintergrund.
Denn hierfür müssen erst einmal rechtliche Hürden überwunden werden, was ich persönlich durchaus spannender fand. Denn der Gedanke der Prozesse war eben die Täter nicht einfach hinzurichten, sondern ihnen einen fairen Prozess zu garantieren. Eben das, was sie unter ihrer Herrschaft nicht zugelassen haben. Um keine Märtyrer zuzulassen, sondern juristisch belegt, die Gräueltaten aufzuzeigen. So kommt es aber, dass der gerade einmal der erste Prozess überhaupt angesprochen wird, und auch hier, nur minimale Ausschnitte gezeigt werden.
Mit einer Lauflänge von 148 Minuten ist der Film nicht gerade kurz und dennoch kratzt er gerade einmal an der Oberfläche der Thematik. Ich glaube kaum, dass ich das schreibe, aber vielleicht wäre hier eine Serie das bessere Format gewesen. Tschernobyl hat gezeigt, wie das dramaturgisch funktionieren kann und dann hätten alle Elemente ihre benötigte Zeit bekommen.
Dennoch ist Nürnberg durchaus ein starker Film und das will ich ihm gar nicht absprechen. Er legt, gerade auch in einer der letzten Szenen, den Finger auf ein brankaktuelles Problem und zeigt, wie es in der Geschichte bereits einmal für unzählige Morde gesorgt hat. Und ich verstehe auch den Fokus den er hat, aber ich hätte mir dennoch eine leichte Verschiebung gewünscht. Auch schauspielerisch hat der Film einiges auf dem Kasten. Russel Crowe als Herrmann Göhring funktioniert, solange er kein überzeugendes Deutsch sprechen muss, sehr gut, er schafft es den Narzisten überzeugen zu verkörpern. Auch Rami Malek und Michael Shannon spielen ihre Rollen überzeugend, sowie der Nebencast rund um Richard E. Grant.
Zu guter Letzt noch eine kleine Content Note: In Nürnberg werden Originalaufnahmen aus Konzentrationslagern, auch Endlagern, gezeigt. Dabei wird sowohl der Zustand der Überlebenden, als auch die Berge an Leichen und die Tötungseinrichtungen gezeigt. Bitte entscheidet selbst, ob ihr euch in der Verfassung dazu fühlt.

Das Fazit

Nürnberg legt den Finger auf ein brandaktuelles Thema und erzählt dabei rein historische Ereignisse. Der Schwerpunkt auf Göhring Psychiater zu legen, funktioniert grundsätzlich, dadurch kommen die namensgebenden Prozesse jedoch relativ kurz. Dennoch eine interessante Aufarbeitung in beklemmender Atmosphäre. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Nürnberg läuft seit dem 07.05.2026 in den deutschen Kinos

Michael

Ein Vorwort

Nachdem die Musikerbiopics nach ihrer Hochphase zum Glück ein wenig nachgelassen haben, wurde es dennoch Zeit sich mit einem Namen zu befassen, der bisher fehlte. Michael Jackson. Ein Künstler, der neue Maßstäbe setzte, eine ganze Generation prägte und am Ende nur noch für seine negativen Schlagzeilen bekannt war. Wie sollte so ein Film funktionieren? Nun, genauso, wie dieser. Mehr dazu in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe arrangiert mit Kinoticket und einem Mikrofon

Die Handlung

Mit gerade einmal acht Jahren steht der junge Michael Jackson zusammen mit seinen Brüdern als Jackson 5 auf der großen Bühne. Getrieben von seinem gewalttätigen und manipulierenden Vater muss er schon früh funktionieren und darf kein eigenes Leben, geschweige denn Freundschaften haben. Der Erfolg kommt und schnürt ihn immer weiter ein, doch er versucht sich zu lösen und seinen eigenen weg zu finden.

Meine Meinung

Ob man nun mit der Musik von Michael Jackson etwas anfangen kann oder nicht, Fakt ist, dass viele seiner Hits weltbekannt sind und einen so eigenen Stil aufweisen, dass sie direkt erkennbar sind. Doch mir war zum Beispiel nicht bekannt, welche bedeutenden Schritte hinter diesen Hits standen für einen BPoC Künstler. So war ich gespannt auf den Film, hatte aber auch meine Zweifel. Wie würde mit den noch immer im Raum stehenden Vorwürfen umgegangen werden, die nie bewiesen, aber auch nie widerlegt werden konnten, was bei der Thematik aber auch generell schwierig ist.
Nun, so weit geht der Film aber gar nicht, sondern behandelt die Jahre 1966 bis 1988, also die Zeit, wo die Jackson 5 das erste Mal auftreten bis Michael final ankündigt, keine Konzerte mehr mit seinen Brüdern zu geben. Dies war allerdings nicht die Anfangsversion, jedoch hatte der Film bereits im Vorfeld mit einigen Klagen zu kämpfen. So wurden alle Szenen rund um Diana Ross gestrichen und erste Darstellungen rund um die Missbrauchsvorwürfe. Gleichzeitig sollen sich andere Mitstreiter reingeklagt haben und generell hatte die Familie Jackson wohl einen großen Einfluss auf das Drehbuch.
Herausgekommen ist ein Film, der die schwierigsten Themen umschifft, und sich allein um die Geschichte der toxischen Familienverhältnisse durch den gewalttätigen Vater, der die Kinder isolierte und zu Höchstleistungen zwang, um die erfolgreiche Gruppe der Jackson 5 herauszubringen, über Michaels eigene Solokarriere und die finale Entsagung von seinem Vater und dessen erneuten Tourplänen. Dadurch ist es immer noch kein Feel Good Film, sondern ein knallhartes Drama, und es kann zu Recht Kritik an einigen Darstellungen geben. An sich ergibt sich aber eine runde Geschichte, die wichtige Aspekte aus der Karriere in den genanntene Jahren aufgreift und viele Charakterzüge einbaut.
Gleich am Anfang wurde es für mich jedoch schon schwierig, denn es gibt für Filme einfach keine Triggerwarnungen, und genau die hätte ich gebraucht, da hier detailliert gezeigt wird, wie Josef Jackson seine Söhne nicht nur psychisch unter Druck setzt und regelrecht drangsaliert in seinen Bestrebungen sie erfolgreich zu machen, um seinem eigenen Leben in ärmlichen Verhältnissen zu entkommen, sondern eben auch physisch misshandelt – sprich ihn verprügelt. Auch im weiteren Verlauf wird es nur bedingt besser, also wenn ein toxisches/gewalttätiges Elternhaus für euch Trigger enthalten kann, dann ist dieser Film für euch mit Vorsicht zu genießen. Passt auf euch auf!
Es wird glaubhaft dargestellt, wie Michael aufwuchs und immer erfolgreicher wurde, später auch als Solokünstler und wie eingeschränkt er doch in seinen Möglichkeiten war. Wie sehr er darauf bedacht war, sich und seinen Stil zu zeigen und doch gleichzeitig absolut unsicher wegen sich und seiner Erscheinung. Dies mag für Fans alles sehr oberflächlich wirken, da sie noch viel mehr dazu wissen, aber für mich als durchschnittliche Kinobesucherin, waren es genug Infos, um die Person Michael Jackson besser zu verstehen. Auch wichtige Ereignisse, wie der gesamte Pepsivorfall, waren Geschehnisse, die an mir komplett vorüber gingen. Diese aufgearbeitet eingearbeitet zu sehen, hat mir nochmal einiges vermittelt, was mir zuvor einfach nicht bewusst war.
Hervorzuheben sind hier auch die schauspielerischen Leistungen, vor allem von Jaafar Jackson, der seinem Onkel wie aus dem Gesicht geschnitten ist, und seine ikonischen Tanzbewegungen wunderbar erneut zum Leben erwecken konnte.
So blieb bei mir kein Auge trocken während des Films. Ich litt mit dem kleinen Jungen und dem heranwachsendem Mann, lernte und verstand mehr. Und gönnte ihm seinen Triumpf in der letzten Szene, in der er sich von seinem Vater lossagte.
Nur, um die Einblendung „Seine Geschichte geht weiter“ zu lesen, die möglicherweise auf einen zweiten Teil hindeuten könnte. Und ich kann nur sagen: Bitte nicht. Es war ein runder Film, ein runder Abschluss der Thematik. Alles weitere kann nur schief gehen und die bisherige Produktionsgeschichte zeigt bereits, dass hier viel mit Klagen zu rechnen ist und so viele Vorwürfe sind bis heute unaufgearbeitet, dass sich nicht gerade Hollywood daran setzen sollte. Schon gar nicht, wenn nur die Familie einer Seite der Klagen an der Produktion beteiligt ist.

Das Fazit

Michael schafft es den beschriebenen Zeitraum aus meiner Laiensicht filmisch gut rüberzubringen und schafft dabei große Emotionen, mitreissende Momente und zeigt den Charakter hinter der Legende. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Michael läuft seit dem 23.04.2026 in den deutschen Kinos

Glennkill: Ein Schaftskrimi

Ein Vorwort

2005 kletterte der Debütroman der deutschen Autorin Leonie Swann in Windeseile auf die Spiegel Bestseller Liste und löste einen großen Hype aus. Ein Krimi aus der Sicht von Schafen klang so neuartig, dass ich das Buch ewig in den Buchhandlungen gesehen, aber nie zugegriffen habe. Zwar habe ich damals schon viel gelesen, aber Krimis waren zu der Zeit nicht mein Genre. Und jetzt 21 Jahre später, wäre so ein cosy Crime genau meins gewesen. Und da kam Working Title Film – eine britische Produktionsfirma – mit der Realverfilmung um die Ecke. Warum ich den Film sehr weiterempfehlen kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels mit Kinoticket auf einer Filmklappe. Darüber steht ein Schafkuscheltier und schaut in die Kamera

Die Handlung

George Hardy ist Schäfer und lebt sehr zurückgezogen mit seiner Schafsherde, der er jeden Abend aus einem Krimi vorliest. Bis er eines Nachts ermordet wird. Zumindest ist das seiner Herde, allen voran Schäfin Lily, direkt klar, während der ortsansässige Polizist überfordert ist und daher Herzinfarkt eintragen lässt. Doch Lily, zusammen mit dem Widder Moppel und dem Einzelgänger Sebastian, versucht Hinweise zu finden und dem Polizisten zuzuspielen, so dass dieser doch mit den Ermittlungen beginnt.

Meine Meinung

Schafe als Protagonisten? Da war ich auf jeden Fall dabei. Doch als Ermittler in einem Kriminalfall? Wie sollte das funktionieren? Doch der Trailer sprach mich direkt an und ich erinnerte mich grob, dass Buch vor vielen Jahren schon mehrfach in Buchhandlungen gesehen zu haben. Schön ist zunächst, dass die Schafe untereinander für uns zu verstehen sind, aber die Menschen im Film nicht mit ihnen reden können. Dadurch ist keine direkte Fantasyebene drin und sorgt für eine Menge Missverständnisse, die zur guten Stimmung beitragen.
Aber fangen wir am Anfang an. Zunächst lernen wir George und seine Schafe kennen, ihre wichtigsten Eigenschaften, die so liebevoll erzählt werden, dass sie auch in Erinnerungen bleiben, da sie später noch wichtig werden. Dann schwenken wir ins Dorf und lernen dort die wichtigsten Bewohnenden kennen. Dabei sind einfach alle absolut überzeichnet, aber dabei zeitgleich so liebevoll charakterisiert, dass es direkt wieder funktioniert. Nehmen wir allein den Polizisten Tim Derry, der in seiner Karriere noch nie mit einem Mordfall zu tun hatte. Er ist völlig überfordert und hat überhaupt keine Routine, wie er vorgehen muss. Daher lässt er sich von den Leuten in seiner Umgebung leiten und beeinflussen, bis die Schafe ihm einen Krimi zukommen lassen, der ihm das wichtigste Grundwissen vermittelt. An diesem hangelt er sich dann auch lang und schafft es eigene Impulse zu setzen und über sich hinauszuwachsen.
Dennoch ist er immer wieder darauf angewiesen, dass die Schafe ihn in die richtige Richtung stupsen, auch wenn diese ab einem gewissen Punkt auch überfragt sind. Darüber hinaus lernen die schafe aber auch einiges über die Welt außerhalb ihrer Wiese, müssen über ihre Grenzen hinaus gehen und über sich selbst hinauswachsen.
Das Ganze wird mit so viel Liebe dargestellt, voller Witz, kleiner Details und trotz teilweise schwierigerer Themen, bleibt es cosy und ist einfach ein Feel-Good-Film. Die überzeichneten Charaktere werden mit der Zeit vielschichtiger und mehr als sie zunächst zu sein schienen. Da bekomme ich fast Lust, auf mehr Geschichten aus Denbrook.
Im Endeffekt ist es ein whodunnit für Einsteiger. Viele Hinweise tauchen zwischendrin bereits auf, dennoch konnte ich nicht sagen, wer es war, bis zur Auflösung. Einige Sachen wurden wohl auch für den Plot ein wenig verdreht, damit es zur Auflösung und zur Botschaft des Films passt, wie mir meine Landwirtschaftsinteressierte und Pflanzenexpertin – aka meine Kinobegleitung – nicht müde wurde, zu erzählen. Aber das konnte dem Film irgendwo verziehen werden, weil es hier gar nicht so sehr um die Logik hinter des Wies ging, sondern vielmehr um die Auflösung und die Hilfe der Schafe.
Und Lily und Moppel von Anke Engelke und Bastian Pastewka synchronisieren zu lassen, spricht übrigens auch sehr dafür ihn in deutscher Synchro zu schauen, die geben dem Ganzen noch einmal eine schöne Dynamik. Auch darüber hinaus wurde auf Darstellenden- und Synchronsprechendenseite keine Mühen und Kosten gescheut und ein tolles Ensemble zusammengestellt, die den Film gut zu tragen wissen.

Das Fazit

Glennkill: Ein Schafskrimi schafft es Klischees so aufzuarbeiten, das sie überwunden werden können, spielt mit den klassischen Whodunnit Elementen und überzeugt durch die liebevollen Charaktere und eben durch die Schafe. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Glennkill läuft seit dem 14.05.2026 in den deutschen Kinos

Edens Secret

Ein Vorwort

Anfang Dezember habe ich euch die ersten Bände aus der EdenS6 Reihe vorgestellt. Eine Reihe rund um eine fiktive K-Pop Band, die ich seit dem ersten Band absolut stanne und mich immer wieder auf die neuen Bände freue. Diesmal durften gleich zwei Mitglieder die Protagonisten werden, denn Autorin Ari N. Kang wagt sich an eine queere Story und das, wo Korea (leider) noch sehr hinterherhängt, was die Akzeptanz dieser angeht. Ich war also gerne wieder Leserin der ersten Stunde und freue mich euch den dritten Band der Reihe vorstellen zu dürfen.
Das E-Book wurde mir von der Autorin als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich dafür und kennzeichne diesen Beitrag als Werbung.

Das Cover auf einem E-Reader geklebt, der auf den vorherigen Bänden steht. Umrahmt von den Fotokarten der Member des Bandes, an der Seite ein Lightstick und vorne ein Bienenplüshie

Die Handlung

Haru ist aus dem Hiatus zurück, doch noch immer kann er nicht über den Grund seiner Abwesenheit reden. Denn seit dem Liebesgeständnis seines Bandkollegen Honey, hinterfragt er seine Sexualität. Honey ahnt jedoch nicht, dass er im Halbschlaf seine wahren Gefühle ausgeplaudert hat und versteht nicht, wieso Haru ihn immer weiter von sich stößt. Bis eine Dancekompetition ansteht und Haru mit seiner früheren Partnerin und seinem größten Feind zusammenarbeiten muss. Können sie die Vorurteile einer gleich-geschlechtlichen Beziehung in Korea überwinden und zusammenfinden?

Meine Meinung

Kurz vorm Pride Month wird das Thema queere Geschichten im K-Pop leider wieder brandaktuell. Denn Korea selbst ist, was die Akzeptanz angeht, leider auch noch ziemlich rückständig. Besorgniserregend und traurig wird es aber leider, da frisch die Nachricht aus Russland kam, dass eine junge Frau ins Gefängnis muss. Ihr Verbrechen: Sie hat auf einer Fanfictionseite eine Geschichte über zwei Stray Kids Member geschrieben und damit eine schwule Liebesgeschichte.
Mit der Frage, wie schwer es für Idols grundsätzlich mit dem Dating ist, hat Autorin Ari N. Kang bereits in zwei Bänden der EdenS Reihe behandelt. Doch diesmal ist sie noch einen Schritt weitergegangen und hat sich damit befasst, was wäre, wenn zwei Member der gleichen Gruppe sich ineinander verlieben. Oder sich nur einer von beiden verliebt und dies in einem unbedachten Moment unbewusst preisgibt.
So ist die Ausgangsituation in EdenS Secret. Haru wusste sich nicht zu helfen und ist mit dieser Information erst einmal in Hiatus (eine Auszeit von allen Aktivitäten im K-Pop). Doch Honey und sein Geständnis geht ihm nicht aus dem Kopf. Es folgt eine Reise, in der er sich mit seiner Sexualität auseinander setzen muss. Auf der anderen Seite haben wir Honey, der nicht weiß, was er da preisgegeben hat und der in der Vergangenheit bei einem unfreiwilligem Outing auch bereits sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Für ihn ist vom einen auf den anderen Tag ein guter Freund einfach verschwunden, der ihn fortan meidet. Er kämpft mit sich und seinen Gefühlen und will doch nur wieder den Ausgangspunkt zurück.
Denn das Idol-Dasein hat so schon genügend Stolpersteine, die hier mit dem Auftauchen von neuen Charakteren aus anderen Gruppen gezeigt werden. Denn mit Bone taucht Harus größter Konkurrent und erklärter Erzfeind auf. Mit seiner unfreundlichen Art bringt er den sonst eher ruhigen Member ziemlich auf die Palme. Doch dahinter steckt ein ziemliches Problem mit geplatzten Träumen, strengem Management und wenn das Konzept einer Band nicht aufgeht. Ich möchte hier nicht zu viel vorweg nehmen, aber die Autorin macht hier einige Ebenen auf, die sie aber auch gut umsetzt, ohne, dass das Hauptthema zu kurz kommt – und vielleicht wurden weitere Geschichten angeteasert, vielleicht interpretiere ich auch nur zu viel hinein. Ich werde auf jeden Fall berichten, sobald ein neues Abenteuer der Band EdenS6 in meinen Händen landet.

Das Fazit

Edens Secret nimmt sich einer gleichgeschlechtlichen Liebe an und kann die Thematik respektvoll und doch nah genug an einer möglichen Wirklichkeit im K-Pop behandeln. Mit vielen Insides aus dem Business schafft Autorin Ari N. Kang erneut eine mitreißende Geschichte rund um ihre Band EdenS6.

The Whitestone Hospital

Ein Vorwort

Ava Reed gehört auch zu den Autorinnen, die ich inzwischen blind kaufe. Obwohl mich der Vergleich ihrer Reihe mit Greys Anatomie eher abgeschreckt hat, da ich der Serie wenig abgewinnen kann, so haben mich ihre Posts zu ihrer Recherchearbeit und der bewusst realistischen Darstellung des Krankenhaus-Alltags doch komplett überzeugt, die Serie definitiv zu lesen. Warum das eine sehr gute Entscheidung war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die fünf Bücher nebeneinander aufgereiht mit Cover zur Kamera.

High Hopes

Alle Bände übereinander gestapelt, nur Band 1 steht aufrecht oben drauf

Die Handlung: Laura ergattert ihren Traumjob. Eine Assistenzärztinstelle in Phoenix. Dort findet sie sich nicht nur schnell ins Team ein, sondern ist auch angetan von Nash Brooks. Leider ist dieser ihr direkter Vorgesetzter und hat strenge Prinzipien, was Beziehungen angeht. Zwischen Visiten, Rettungseinsätzen und Operationen, knistert es dennoch.

Meine Meinung: Willkommen im Whitestone Hospital. Mit Laura und Nash haben wir die erste Geschichte der Reihe und lernen auch erst einmal das Team kennen. Dabei merkt man schnell, dass Autorin Ava Reed sehr ausführlich recherchiert hat und sich immer wieder bei medizinischem Fachpersonal rückversichert hat, um ihr Krankenhaus möglichst authentisch darzustellen. Laura eignet sich für den Auftakt auch perfekt als Protagonistin, da wir ihre Probleme gut mitverfolgen können, ohne hierdrin schon das größte Drama zu haben – was keineswegs heißt, dass die anderen Protagonist*innen nicht gute Geschichten bieten, aber so kommen wir gut in die Geschichte rein und erfahren eben auch schon mehr über die anderen Charaktere. Auch mit Nash haben wir einen guten ersten Love interest. Hier haben wir verbotene Liebe durch das Machtgefälle, womit aber umsichtig umgegangen wird und an keiner Stelle wird Laura irgendwie kleingeredet oder nicht ernst genommen. Feingefühl bei der Themenwahl beweist die Autorin auch hier, wenn es darum geht Einzelfälle zu beschreiben. Sei es in der Notaufnahme oder bei Einsätzen außerhalb. Einziges Manko ist der wirklich fiese Cliffhanger am Ende des Buches, denn ich musste für die Auflösung tatsächlich auf Band 2 warten.

Drowning Souls

Alle Bände übereinander gestapelt, nur Band 2 steht aufrecht oben drauf

Die Handlung: Sierra ist nach dem Unglück im Krankenhaus mit die erste am Unfallort. Dabei muss sie auch Mitch bergen, der voller Brandwunden ist. Zusammen versuchen sie die Geschehnisse zu verarbeiten und kommen sich dabei immer näher. Dabei versucht gerade Sierra ihr Privatleben zu verbergen. 

Meine Meinung: Rückblende Cliffhanger Band Eins. Jeder, der den ersten Band gelesen hat und danach ewig gefiebert hat, wie es wohl ausgehen wird, konnte es nun endlich lesen. Und es war heftig. Aber damit gab es zumindest keine lange Einleitung oder einen langsamen Auftakt. Wir waren sofort wieder mittendrin im Geschehen und auch wieder mittendrin bei den Charakteren. Hier hatte ich am Anfang zwar ein paar Probleme mit dem Wechsel zu neuen Protagonist*innen, gerade bei Sierra war ich oft in Gedanken noch bei Laura, aber das war vermutlich nur mein Problem, denn charakterlich und gedanklich sind die beiden Protagonistinnen schon sehr unterschiedlich. Denn Sierra ist vom Charakter her nicht ganz einfach, was durchaus seine Gründe hat und wir im Laufe des Buches auch erkunden, aber im ersten Band hätte sie nicht funktioniert. Dafür ist ihre Geschichte mit Mitch bereits gut angeteasert worden und doch blieb es durchaus spannend, wie es mit den beiden weitergehen wird. Und kaum ist man wieder vollends in der Geschichte versunken, kommt das nächste Unglück. Im Buch in Form eines Sandsturm. Im realen Leben durch einen weiteren äußerst fiesen Cliffhanger – wobei ich diesen tatsächlich besser verdaut habe als den ersten.

Tough Choices

Alle Bände übereinander gestapelt, nur Band 3 steht aufrecht oben drauf

Die Handlung: Nach dem Sandsturm ist allerlei los im Whitestone Hospital. Der Pfleger Grant ist einfach nur froh, dass es der Assistenzärztin Masie vergleichsweise gut geht. Als sich die beiden näher kommen, steht jedoch nicht nur Masies Unsicherheit im Raum. Auch Grant hat ein Geheimnis, das er zeitnah lüften sollte, wenn er sie nicht verlieren will. 

Meine Meinung: Willkommen zurück zur dritten Runde im Whitestone Hospital. Und ich sage es gleich vorweg: Es ist mein Lieblingsband. Das war aber auch gar nicht schwer, denn ich mochte Maisie schon vorher unheimlich gern und habe nur auf ihre Geschichte gewartet. Und Grant ist einfach einer meiner liebsten book boyfriends. Ihre Geschichte ist so wholesome und cozy, wie eine Krankenhausgeschichte nur sein kann. Die beiden sind unfassbar süß und gerade dieses entschleunigte passte so gut zu allem. Damit haben wir trotz der gleichen Reihe und bekannter Figuren noch einmal eine ziemliche Wendung in der Erzählweise und gleichzeitig fügt sie sich nahtlos in die Reihe ein. Natürlich haben wir auch hier einen spannenden Auftakt, immerhin wurde der nächste Cliffhanger gelöst. Aber danach entschleunigt das Buch regelrecht und holt einem aus einem stressigen Alltag ab und lässt einen durchatmen. Es zählt nicht nur in der Reihe, sondern auch allgemein zu meinen liebsten Büchern. Das einzige Manko – ihr werdet es bereits erahnen – ist der nächste gemeine Cliffhanger am Ende des Buches. Vielleicht hätte ich draus lernen sollen und das letzte Kapitel einfach nicht lesen sollen. Aber nun heißt es wieder warten auf Band 4.

Saved Dreams

Alle Bände übereinander gestapelt, nur Band 4 steht aufrecht oben drauf

Die Handlung: Auch wenn Assistenzärztin Jane alles versucht hat, sie kommt um die Gynäkologie nicht herum. Und auch, wenn Oberärztin Abby ihr Herz zum schnellerschlagen bringt, so muss sie sich doch einem Trauma stellen, das sie trotz Therapie nie überwunden hat.

Meine Meinung: Wir sind zurück am Whitestone Hospital. Und nachdem in Band 3 schon sehr deutlich wurde, dass es diesmal um Jane gehen wird, die zuvor schon immer versucht hat, nicht in die Gynäkologie zu müssen, haben wir nun auch ihre Geschichte. Am Anfang wird wieder der Cliffhanger aus dem vorherigen Band aufgelöst und damit sind wir dann auch schon direkt bei Jane und Abby. Und damit haben wir auch ein queeres Pärchen im Vordergrund! Und das Setting in der Gynäkologie wird auch gleich genutzt, um einige Themen anzusprechen, die für Frauen* noch immer ein Tabuthema sind bzw. einfach viel zu wenig drüber gesprochen wird. Das Setting im Krankenhaus bringt auch weiterhin Schicksale zum Vorschein. Vordergründig geht es aber um Jane, die in der Vergangenheit etwas erlebt hat, was sie bis heute bricht. Ihr Weg, um damit umzugehen, und die gleichzeitige Annäherung zu Abby, ist zeitgleich sehr süß und auch sehr tragisch. Hier beweist Autorin Ava Reed wieder ihr einzigartiges Fingerspitzengefühl, um beide Themen gekonnt zu verbinden. Und so ist die Geschichte von Jane und Abby für mich der zweitbeste Roman der Reihe – an Masie und Grant sind sie einfach nicht rangekommen.

Colliding Hearts

Alle Bände übereinander gestapelt, nur Band 5 steht aufrecht oben drauf

Die Handlung: Ian gilt als der ewige Junggeselle am Whitestone Hospital. Doch Jess hat ihn soweit, dass er sich auf etwas Festes einlassen würde. Doch dafür muss sie ihm noch eine Chance geben, denn die Erste hat er verkackt. Neben dem Stalkerproblem ihrer Schwester und einer heftigen Diagnose, kommen sich beide näher, doch reicht es für ein für immer?

Meine Meinung: Seit Band 1 liebe ich Ian. Ich gehörte zu den Menschen, die die Autorin immer wieder gefragt haben, ob es nicht noch einen Band mit ihm geben würde. Und schließlich kam die Erlösung. Die Autorin hatte die Freigabe vom Verlag noch einen ungeplanten fünften Band zu schreiben und Ian wurde der Love Interest. Seine Geschichte mit Jess hatte sich in den vorherigen Bänden immer wieder angedeutet, weswegen das Paaring auch keine Überraschung war. Und dann verschob sich der Termin immer wieder – aus absolut nachvollziehbaren Gründen der Autorin, was ich ihr auf keinen Fall zum Vorwurf machen werde! Aber dadurch wurde die Vorfreude immer größer und als ich das Buch schließlich in den Händen hielt, konnte es mich eigentlich nur noch enttäuschen. Deswegen habe ich bewusst etwas Zeit verstreichen lassen, ehe ich mich der Geschichte widmete. Und am Anfang war ich voll drin. Wir bekommen die Geschichte der Zwei, die aber einfach vorher schon viel Zeit hatte, weswegen wir sie an einem Punkt treffen, wo die Beziehung absehbar wurde. Und versteht mich nicht falsch, das ist alles wirklich toll und ich habe es sehr geliebt, die Geschichte endlich zu lesen. Aber es hat sich auch irgendwie angefühlt, als würde ich im letzten Drittel der Geschichte ansetzen, anstatt von vorne. Und so ist das Buch nach dem ersten Drittel auch irgendwie erzählt. Selbst die Geschichte rund um das Stalkerthema wird irgendwie sehr undramatisch abgehakt und dann bekommen wir noch ein sehr großes Thema, was aber allein Jess betrifft und kaum die Beziehung der beiden betrifft. Auch hier, ich finde die Thematik wahnsinnig wichtig und Ava Reed setzt sie auch sehr empathisch um. Aber es fühlte sich mehr wie ein spin-off an als wirklich ein Teil der Reihe. Als ob wir doch alles mit Band Vier beendet haben und das hier unser Bonus ist. Und ich sag es wie es ist: Ich liebe es, dass wir diesen Bonus bekommen habe. Aber bin halt doch enttäuscht, dass der Bonus mit meinem Lieblingscharakter ist und er dadurch vergleichweise wenig „Screentime“ bzw. Entwicklungszeit hat.

Das Fazit

Die Whitestone Hospital Reihe ist einfach pure Liebe. Zwar war es gerade mit den Cliffhangern immer wieder ein Auf und Ab der Gefühle, aber die starke Recherche und die oftmals auch sehr schwierigen Themen harmonieren wunderbar mit der gesamten Clique, die wir hier über fünf Bände ins Herz schließen konnten. Ich freue mich schon auf Ava Reeds nächste Reihe.

Habt ihr die Reihe gelesen? Was war euer Lieblingsband?

The Bride!

Ein Vorwort

1818 erschien Mary Shelleys berühmtester Roman, der aus gutem Grund als Klassiker der Schauerliteratur zählt und unzählige Male adaptiert wurde. Nur vier Jahre nach der wohl bekanntesten Verfilmung gab Universal in seiner Monster Reihe dem nach seinem Schöpfer benannten Monster eine Braut. Nun wagte sich Maggie Gyllenhaal mit ihrer zweiten Regiearbeit erneut an diesen Stoff. Warum es eine Ausgeburt der Kunstkritisierenden ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe. Dahinter liegt eine Ausgabe von Frankenstein

Die Handlung

Nach Jahren des Umherwanderns sucht Frank aka Frankensteins Monster Dr. Euphronious auf, deren Buch über Wiedergeburt ihm Hoffnung auf eine Gefährtin machten. Die passende Leiche ist in Form der jungen Frau Ida, die kürzlich einem Mafiaboss zum Opfer fiel und von der Autorin Mary Shelley besessen ist, schnell gefunden. Da diese durch die Wiederbelebung das Gedächtnis verlor, ist es für Frank einfach, ihr eine Verlobung vorzutäuschen. Doch die beiden machen schnell die Polizei auf sich aufmerksam, die sie fortan durch das ganze Land verfolgt.

Meine Meinung

In den letzten Jahren schrieb ich immer wieder über die Innovationsfaulheit in Hollywood. Die immer gleichen Franchisen dominierten die Landschaft, unterbrochen von Sequels, Prequels und Remakes. Da waren Literaturverfilmungen wie Dune oder Wicked eben aus gutem Grund sehr beliebt, auch wenn es sich streng genommen bei beiden auch um Remakes handelt, bzw. Wicked das Bühnenmusical adaptierte. Nun dachte sich Maggie Gyllenhaal wohl, dass sie mit einer Neuinterpretation von Frankensteins Braut vielleicht genug in die Kerbe schlug, um die Aufmerksamkeit des Durchschnitsspublikums schlug, aber zeitgleich eine so hochgradig künstlerisch angehauchte Variante produzieren wollte, dass es dem Wunsch nach mehr Innovation und Ideenreichtum ebenso entsprach. Herauskam … nun, hier scheiden sich vermutlich die Geister.
Nehmen wir dafür direkt den Anfang. Wir bekommen direkt eine zweite erzählerische Ebene, denn Mary Shelley höchst selbst spricht aus dem Jenseits zu uns und siniert in einem dem Wahnsinn verfallenen Monolog über ihr Leben und ihre berühmte Figur Victor Frankenstein. Über den Kampf im ewigen Eis, der auf das Ende des Buches hinweist und letztlich, dass es doch auch eine weibliche Stimme bräuchte, sie nur die Chance dazu nicht hatte. Aber Vorhang auf für die Braut. Jesse Buckley, die auch die Rolle der Mary Shelley übernahm, spielt sich bereits in ihrer ersten Szene die Seele aus dem Leib und erzeugt dabei eine Exposition der Männerwelt, die leider so grotesk verkommt, dass sie eher unangenehm wirkt als wirklich eine Aussage zu haben. Dies ist dann auch zielgebend für den restlichen Film, der lieber in ausufernden Szenen den Wahnsinn der Geschichte zeigt, als wirklich etwas auszusagen. Und das, obwohl wir hier eine Mafiakomponente drin haben, Korruption bei der Polizei und immer wieder versucht wurde eine weibliche Stimme zu finden.
Sei es Penelope Cruz, die als Polizistin versucht in einer Männerdomäne ernst genommen zu werden, obwohl sie sehr offensichtlich die bessere Ermittlerin ist. Aber natürlich wird auch das nicht auserzählt, sondern wir bekommen am Ende nur die Geschichte und Motive ihres Kollegen, der in eine reumütigen Schuldszene versucht Vergebung zu erlangen. Oder nehmen wir Frank, wie hier das Monster genannt wurde, der so dringend nicht mehr einsam sein will, dass er sich eine Frau erschaffen lässt. Das diese dann mit Gedächtnisverlust kämpft und er sie komplett Gaslighted, dass sie verlobt seien und die große Liebe vorspielt. Die aber auch an keiner Stelle spürbar ist, sehen wir mal von den bewundernden Blicken Franks ab.
Den Film rettet eigentlich nur, dass alle Darstellenden absolut großartig in ihren Rollen sind. Denn jede noch so groteske Szene, jede noch so übertriebene Darstellung, alles hätte noch so viel schlimmer sein können, wenn wir nicht neben den bereits genannten noch einen Christian Bale, einen Jake Gyllenhaal oder eine Annette Benning gehabt hätten.
Wir haben auch durchaus gute Motive drin. Die Voreingenommenheit gegenüber Franks Aussehen, seine Besessenheit von der schillernden Welt des Kinos, seine greifbare Einsamkeit, die gerade spürbare Verzweiflung, wenn es nicht so läuft, wie er es sich ausgemalt hatte. Auch die Inszenierung von seiner Wunschwelt im Kino, die als regelmäßiges Motiv eingebaut wurde, ist genau das, was ich so lange auf der großen Leinwand vermisst habe. Aber diese für sich stehenden guten Szenen werden ständig von einer Überinszenierung und dem ausufernden Wahnsinn der Charaktere überschattet und driftet damit zu sehr in eine Kunstfraktion ab, die in jeder Einstellung und Mimik absolutes Interpretationsmaterial sieht. Aber dafür weicht jeglicher Unterhaltungswert.

Das Fazit

The Bride! ist so künstlerisch überinszeniert, dass die eigentlichen Themen gar nicht durchkommen, sondern wir immer nur wieder und wieder eingetrichtert bekommen, dass alle Männer schlecht sind. Durchaus guter Versuch aus dem Alltagssumpf Hollywoods herauszukommen, aber in der Umsetzung doch zu überambitioniert. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

The Bride läuft seit dem 05.03.2026 in den deutschen Kinos

Hoppers

Ein Vorwort

Während Pixar Anfang der 2000er durchaus ein Konkurrent für Disney war, wurde der Konzern kurzerhand aufgekauft und bietet seitdem eher die Filme, die weniger Erfolgsaussichten haben als die des Mutterkonzerns. So sammeln sich zwischen einzelnen echt guten Filmen leider eher die Enttäuschungen. Nun kam mit Hoppers ein Film ins Kino, der sich wieder an einem etwas anderen Thema versuchte und damit durchaus Erfolg hätte haben können. Warum das leider nicht der Fall ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels mit Kinokarte auf einer Filmklappe

Die Handlung

Mabel Tanaka hat in der Natur ihren Ausgleich zu den Ungerechtigkeiten, die Menschen Natur und Tiere antun, gefunden. Doch ihr Safe Space soll nun einer Autobahn weichen, da laut Bürgermeister dort keine Tiere mehr wohnen. Durch Zufall findet Mabel heraus, dass ihre Professorin an der Uni ein Verfahren entwickelt hat, mit dem sie sich in den nachgebildeten Körper eines Biebers transferieren kann. Sie flieht in diesem, um herauszufinden, wohin die Tiere verschwunden sind.

Meine Meinung

Auch, wenn ich in letzter Zeit immer wieder von Pixarfilmen enttäuscht wurde, so machte mich der Trailer zu Hoppers neugierig genug, um ihm doch noch eine Chance zu geben. Sprechende Tiere und die Gesetze der Natur aus einer anderen Perspektive? Da war ich dabei. Und er hatte auch gerade am Anfang gute Tendenzen, die sich leider schnell aufgelöst haben. Aber fangen wir am Anfang an.
Zunächst lernen wir Mabel in jungen Jahren kennen, die mit der schlechten Behandlung von Tieren in den Schulen Probleme hat, aber hier die falschen Methoden wählt. Die überforderte Mutter schiebt sie kurzerhand zur Oma ab, die ihr den Ruheort im Wald zeigt. Die Jahre ziehen ins Land und Mabel ist noch immer eine Ökoaktivistin, die sich gern mit dem Bürgermeister anlegt. Während dieser zunächst wie der typische Politiker daherkommt, könnte man aufgrund der nächsten Situationen meinen, dass er genau dies nicht ist. Und diesen Ansatz fand ich erfrischend und neu, aber wir merken schnell: Doch, er erfüllt alle Klischees. Aber nun, wir brauchen halt ein Feindbild und können das Thema nicht mit Argumenten füllen, schon gar nicht in einem Kinderfilm. Bei der Recherche zu den Umständen nervt Mabel immer wieder ihre Professorin, die hier ein wenig den Mutterersatz wohl mimt, denn egal, wie wenig sich die Student an Regeln hält oder diese bewusst bricht, es wird immer noch teilweise mit Verständnis reagiert, von Konsequenzen keine Spur. So kommen wir auch in das geheime Labor eben jener Professorin.
Während wir hier mit ihrer Kollegin wenigstens eine erwachsene Person haben, die mal nicht mit Verständnis, sondern mit der angemessenen Verärgerung reagiert, kann Mabel natürlich sofort ihren Willen durchsetzen und transferiert sich in einen Bieber, mit dem sie andere in ihre Ruheoase locken will, damit der Autobahnbau gestoppt werden kann. Ab hier könnte der Film also endlich spannend werden, denn wir haben es endlich in den Bieberkörper geschafft und sind damit unter den Tieren, die wir damit auch verstehen können.
Aber so witzig, wie im Trailer angedeutet, ist der Teil leider nicht. Die witzigste Szene, die mich im Trailer jedes Mal abholen konnte, wirkt hier überhaupt nicht genutzt, und das zieht sich leider immer weiter durch. Denn statt sich wirklich mit dem Thema Naturschutz und was die Lebensräume der Tiere angeht bzw. den Vorteil der Tiere für die Menschen, zu beschäftigen, wird lieber auf den nächsten platten Gag gesetzt, der überhaupt nicht zündet. Denn war der Bieberanführer mit Hang zu Zumba noch eine gute Idee, so sind die Obersten der Reptilien, Vögel, Fische und Insekten nur noch eine Karikatur ihrer Spezies und repräsentieren machtgeile, aber handlungsscheue Politiker*innen. Hier fehlt jegliche Aussage oder Zusammenhang zur eigentlichen Thematik des Films.
Spätestens ab dem Punkt, wo die „bösen“ Nicht-Säugetiere das Labor überfallen und den Insektenkönig in eine Variante des Bürgermeisters stecken, hat der Film jegliches Niveau und Anspruch verloren. Kinder, die den Film sehen, lernen nur, dass Taten keine Konsequenzen haben, weil egal, wie viel schlimmer du alles für die Umwelt machst, wenn du bereust, ist doch am Ende alles okay. Und du kannst deine Freund*innen stark verletzen, sie werden trotzdem zu dir halten. Warum auch immer.
Ich wollte Hoppers wirklich mögen, aber leider zeigt sich hier wieder einmal, dass die Drehbuchschreibenden in Hollywood ihre Ideen nicht mehr durchdenken, sondern lieber irgendetwas produzieren, als drauf zu achten, dass irgendwie Ideenvielfalt und Lebensweisheit aufeinander trifft. Eben jenen Teil, den wir in einem Alles steht Kopf noch zu feiern wussten, und selbst ein Findet Nemo schon besser machen konnte.

Das Fazit

Hoppers mag irgendwo eine gute Grundprämisse haben, setzt aber lieber auf platte und unlustige Action, statt die wenigen guten Ansätze zum Thema konsequent zu nutzen und reiht sich daher in die Pixarenttäuschungen der letzten Jahre ein. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Hoppers läuft seit dem 05.03.2026 in den deutschen Kinos

Eine Handvoll Bücher – 1/26

Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Rockstar trifft Popstar, Mord im Zug, koreanischen Mythen, der Weihnachtsmann wird verklagt und Hexen in Irland.

Die im Beitrag genannten Bücher voreinander arrangiert. Im Hintergrund steht ein Bücherregal

Bewitching Rosie

Die Handlung: Ihr Auslandssemester in Irland hat sich Rosie ganz anders vorgestellt. Eigentlich wollte sie mit ihrem Freund dorthin, der sie jedoch kurz vorher sitzen lässt. Zum Glück hat sie die besten Freundinnen überhaupt, die sie vorher für sechs Wochen begleiten. Doch zu ihrem 21. Geburtstag erwachen Hexenkräfte in Rosie, die sie zum lokalen Zirkel führen. Doch die sind nicht begeistert von der Amerikanerin.

Meine Meinung: Die Idee klang gut und aus irgendeinem Grund hatte mich die Leseprobe auch nicht abgeschreckt und so durfte dieses Buch auf der Buch Berlin mit. Im Nachhinein habe ich die Leseprobe wohl nicht intensiv genug gelesen, denn sie ist eigentlich ein ziemlich gutes Frühwarnsystem für die Geschichte, die leider so gar nicht funktioniert hat. Abgesehen davon, dass hier nicht einmal eine Klimatabelle oder auch nur eine Karte von Florida aufgemacht wurde, denn sonst wären nicht so viele Fehler dazu passiert, auch Irland wird allein durch Klischees aufgebaut. Worüber man zunächst vielleicht noch hinwegsehen kann, wird es doch stetig schlimmer. Natürlich besteht ein Hexenzirkel aus Irland aus Nachfahren der Salem-Hexen, weil wieso hier mit dem Klischee aufhören, Hinzu kommen absolute Logiklöcher, die Charaktere verhalten sich immer so, wie es gerade zur Handlung passen muss und nicht so, wie es logisch wäre. Der gutaussehende Love Interest darf sie übrigens komplett verarschen, aber keine Angst seine rasiermesserscharfen Wangenknochen (ja, wurde wirklich so beschrieben) retten alles. Das einzig positive war hier das Seelentier, ein sarkastisches Schaf, was zwar wieder mit einem Klischee spielt, aber immerhin einmal auf den ganzen Seiten mich unterhalten konnte. Die Erklärungen am Anfang sind nett gestaltet und machten eigentlich Hoffnung auf mehr und auch das Trans-Thema hätte gut umgesetzt werden können, war hier aber auch nur Mittel zum Zweck. Schade.

Fake Wifey

Die Handlung: Amerie ist Anwältin, die in einem kleinen Büro versauert, aber immerhin scheint ein Werbespot eine neue Klientin angezogen zu haben. Maddy ist zwar noch in der Grundschule, aber braucht dringend eine Anwältin, um den Weihnachtsmann zu verklagen. Denn sie hat sich gewünscht, dass ihr Daddy endlich eine neue Frau findet und jetzt ist er immer noch Single. Besagter Daddy ist ein ehemaliger Eishockey-Spieler und bittet Amerie kurzerhand seine Fake-Freundin zu spielen. Doch weiß sie wirklich worauf sie sich da einlässt?

Meine Meinung: Meine Reise mit Anya Omah ist ein auf und ab. Mal will ich nie wieder etwas von ihr lesen, dann verliebe ich mich in ihre Bücher und diesmal war es leider wieder ein Reinfall. Denn mochte ich ihr Fake Roomie echt gern, weil die Chemie zwischen den Charakteren unglaublich gut funktioniert hat, so enttäuscht war ich jetzt von der Fake Wifey. Dabei klang die Geschichte wirklich zuckersüß und hatte unglaublich viel Potential. Und zunächst scheint auch genau das einzutreten, was ich mir nach dem Klappentext erhofft hatte. Das Aufeinandertreffen mit Maddy, die den Weihnachtsmann verklagen will, und damit das zusammentreffen mit dem Eishockey-Spieler, der sie bittet seine Fake-Freundin zu spielen. So weit, so süß und charmant. Leider verkommt die Geschichte daraufhin zu einem Reingepresse in eine Handlung, die einfach nicht natürlich funktioniert, sondern nur funktioniert, weil die Autorin will, dass sie so funktioniert. Alles an Entwicklung ist so gezwungen und gepresst, dass es nur noch nervig ist. Als Eishockey-Spieler ist der Love Interest natürlich auch noch ein super Geschäftsmann, der ihr beruflich aus der Patsche hilft. Vom Grundsatz konnte dies noch halbwegs logisch eingeflochten werden, aber in der Umsetzung stimmt gar nicht mehr. Ich war am Ende nur genervt vom Buch und muss leider wieder sagen, dass ich von der Autorin erstmal wieder eine Pause brauche.

Nächster Halt Mord

Die Handlung: Millies Schwester Rachel soll als Journalistin die Jungfernfahrt eines Luxuszugs begleiten, der an dem berühmten Orient-Express angelehnt wurde. Da ist Millie direkt dabei und freundet sich mit dem Stewart James an.

Meine Meinung: Ich liebe die cosy Crimes von Alexandra Fischer-Hunold. Hier konnte mich bisher jedes Buch abholen und als dann noch die Ankündigung kam, dass es eine Hommage an Mord im Orient-Express werden soll, konnte ich es kaum erwarten, bis das Buch endlich bei mir einziehen durfte. Und gerade das Setting, das Ambiente und die Reise an sich, schafft die Autorin wieder wunderbar zu erzählen, so dass auch alles logisch wirkt. Was leider nicht logisch wirkt, ist der Mordfall und die Auflösung dieses. Bzw. ist das falsch formuliert. Der Tathergang und die Auflösung weisen keine Logiklöcher an sich auf. Aber es wurden zu gewollt falsche Fährten gelegt, die Charaktere haben zu sehr so agiert, wie sie mussten, damit die Lösung am Ende aufging und es gab noch zu viele Nebenbeiverwicklungen, die im Gegensatz zum Vorbild am Ende eben nichts mit dem eigentlichen Mord zu tun hatten. Damit ist es dennoch ein besseres Buch als viele andere des Genres, doch im Vergleich zu den anderen Werken der Autorin eben doch mit Abstand das Schwächste.

Prinzessin der tausend Diebe

Die Handlung: Hana will nichts mit ihrer Familie zu tun haben, wurden sie und ihre Mutter doch aus der Gilde ausgeschlossen. Doch die Nachfolge steht an und ihr Vater hegt auf einmal Familiengefühle und will sie statt ihrer Stiefschwester als Clanführerin sehen. Doch da steht noch eine Prüfung auf Leben und Tod dazwischen. Zum Glück kann sie sich mit einem machtlosen Gott zusammentun, der ebenfalls noch eine Rechnung mit der Familie offen hat.

Meine Meinung: Thea Hong konnte mich im letzten Jahr mit ihrem Seoulicious absolut abholen. Aber wie ihr vielleicht schon im Laufe dieses Beitrags gemerkt habt, kamen hier eher die Enttäuschungen zusammen. Und leider reiht sich die Prinzessin der tausend Diebe bei den Totalreinfällen mit ein. Dabei klang es vom Ansatz her recht spannend, gerade weil auch viele koreanische Legenden mit einfließen sollten. In ihrem Debüt hatte sie sich viel mit der Frage der eigenen Identität zwischen Korea und Deutschland befasst, was unglaublich tiefgründig war und regelrecht über mich weggerollt ist. Hier hatten wir jetzt zunächst den Genrewechsel ins Fantastische, was mich aber auch sehr ansprach. Leider treffen hier viele Klischees aufeinander und die gesamte Clanstruktur ist schon merkwürdig, aber gut, habe ich noch akzeptiert. Als dann jedoch ein gewisser Tiger-Gott auftauchte und seine einzige Eigenschaft wieder sein gutes Aussehen ist, wollte ich schon aufgeben. Aber mit dem Buchclub im Rücken, habe ich bis zum Ende durchgehalten. Die Prüfungen sind stark von den koreanischen Mythen, Legenden, aber auch der Geschichte geprägt, was ich gern gut gefunden hätte, aber sie kommen viel zu kurz. Für die Länge des Buches sind es einfach zu viele Prüfungen, es wird gehetzt, gekürzt, teilweise ist mir der Ausgang auch einfach nicht logisch. Zwischensequenzen sind nur dazu da, um wieder Luft zu holen, bieten aber keinen Mehrwert, die ganze Auflösung ist absolut abstrus. Mir fehlten die Emotionen, die Tiefe, einfach alles. Ich wollte das Buch mögen, aber ich kann es einfach nicht.

Gentle Heart

Die Handlung: Popstar Ashley Cruz will nie wieder eine Beziehung. Denn ihr Ex-Freund, der Rapper Menace, nutzt noch immer jede Chance, ihr das Leben schwer zu machen. Als sie auf den Gitarristen Logan Buckley von Scarlet Luck trifft, verbindet sie sofort eine unglaubliche Anziehung. Aber mehr als Freundschaft+ kann Ashley nicht bieten. Doch reicht es für sie?

Meine Meinung: Zum Abschluss habe ich aber noch einmal ein richtiges Highlight für euch. Nachdem ich bisher eher enttäuscht war, bin ich an dieses Buch sehr vorsichtig rangegangen, weil ich die Ursprungsdilogie sehr geliebt habe. Es war Rockstar-Romance vom Feinsten und doch irgendwie mit einem neuen Einschlag. Da war die Befürchtung groß, dass auch eine Mona Kasten diese Magie nicht noch einmal wirken kann. Und wie sie kann! War ich mit der Protagonistin ebenfalls skeptisch, hat sie mich hier absolut umgehauen. Und Logan ist einfach eine wandelnde Green Flag! Dabei müssen beide mehr über sich lernen und miteinander wachsen, Vertrauen lernen und gleichzeitig noch irgendwie das Prominentenleben meistern. Hier wurden wieder eine Menge Aspekte sehr sorgfältig aufgearbeitet und es gibt auch ein Wiedersehen mit Charakteren aus ihrer Again-Reihe. Und ich sag euch, die Tension in diesem Buch ist der absolute Hammer. Es war Liebe von der ersten bis zur letzten Seite und seit langer Zeit kann ich mal wieder voller Überzeugung sagen: Fünf von Fünf Sternen sind hier absolut angebracht. Anwärter auf Jahreshighlight.

Habt ihr eins der Bücher gelesen? Verratet mir gern eure Meinung!

Zoomania 2

Ein Vorwort

Nachdem die letzten Film bei Disney nicht so performenten, wie sie sollten, konzentriert sich der Konzern wieder mehr auf Fortsetzungen. Und so bekam Zoomania nach fast zehn Jahren noch eine Fortsetzung. Die Befürchtungen waren hoch, dass es sich nur um einen billigen Abklatsch handelt. Aber Zoomania konnte mich erneut überraschen. Wieso, das erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf Filmklappe mit DVD des ersten Teils dahinter

Die Handlung

Judy und Nick haben sich nach der Überführung der Bürgermeisterin einen gewissen Ruf erarbeitet. Doch den beiden Rookies scheint der Erfolg zu Kopf gestiegen zu sein, weswegen sie erstmal kürzer treten sollen. Ausgerechnet da taucht eine Schlange in Zootopia auf. Doch Reptilien sind in der Stadt verboten.

Meine Meinung

Fast zehn Jahre sind eine lange Zeit, aber irgendwie ist es gerade auch wieder Mode nach diesem Zeitraum noch eine Fortsetzung rauszuhauen. Nachdem dies zuletzt bei die Unfassbaren nur bedingt funktionierte, war jetzt die Frage, ob es zumindest genug neue Ideen gab, oder ob die gleiche Geschichte noch einmal aufgewärmt wird. Zumindest nach dem Trailer schienen meine Befürchtungen bestätigt, dennoch gab ich dem Film eine Chance und wurde wirklich positiv überrascht.
Denn bekommen wir zu Anfang noch das selbstsichere Paar Judy und Nick vorgesetzt, bekommt diese Fassade schnell Löcher. Zunächst werden sie von ihrem Vorgesetzten zur Therapie gebracht, nachdem sie einen Auftrag ziemlich versaut haben, damit sie an sich arbeiten können und da werden dann auch schnell die Schattenseiten ihrer Partnerschaft deutlich. Nur, weil sie im ersten Teil den richtigen Riecher hatten und da am Ende auch gut zusammengearbeitet haben, heißt das eben nicht, dass sie perfekt sind, was der Film gut zeigt.
Auch darüber hinaus macht der Film vieles richtig. Die Polizei wird in allerlei Klischees gezeigt, aber eben mit so vielen verschiedenen Charakteren, das dennoch eine gewisse Vielfalt zu merken ist. Wir haben das Thema Korruption, Ausgrenzung, Stigmatisierung und Rassismus, die von vielen Seiten beleuchtet wird. Wie Macht und Einfluss den Charakter bilden können und wie schädlich dieses sein kann.
Dazu kommen so viele coole Einfälle, die das Seherlebnisse verschönern und für eine Menge Witz sorgen. Hier sind alte Bekannte dabei, aber auch eine Menge neue Gesichter, die wunderbar zur Geschichte passen. Wir lernen noch einmal mehr über die Stadt und wie sie gebaut wurde, wie einzelne Tierarten sich angepasst haben und warum es anderen nicht vergönnt war, sich in Zootopia anzusiedeln.
Letztlich ist es eine runde Geschichte mit vielen Details, die zum schmunzeln anregen, aber eben auch wieder der Aufarbeitung von schwierigen Themen, aber diesmal auch alles etwas subtiler, was mich am ersten Teil etwas gestört hatte. Dabei werden die Fronten sehr früh geklärt, weil den Charakteren auch einfach mal zugehört wird, dennoch kann die Handlung überraschen – auch wenn der „große Plottwist“ keinesfalls überraschend, sondern leider sehr vorhersehbar ist.

Das Fazit

Zoomania 2 kann mit einer durchdachten Handlung und viel Witz, Charme, aber auch schwierigen Themen überzeugen und zeigt, dass manchmal eine Fortsetzung nach langer Zeit auch wirklich mit neuen Themen daher kommen kann. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Zoomania 2 läuft seit dem 26.11.2025 in den deutschen Kinos

Wicked – For Good

Ein Vorwort

Die Zahl der guten und sehr hochwertigen Musicalverfilmungen ist hoch. Doch dann gab es in den letzten Jahren eben auch so Vollkatastrophen wie Cats, oder eben schlichtweg schlecht besetzte, wie Dear Evan Hanssen. Seitdem ist es gefühlt ruhig geworden an der Musicalfront. Bis 2024 dann Wicked die Kinos im Sturm eroberte. Hier passte einfach alles: Geschichte, Cast, Optik, die Lieder. Nun stand der zweite Teil an, der erstmal gegen die eigene Konkurrenz ankommen musste. Warum er das nicht ganz geschafft hat, aber doch ein toller Film ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Der Filmtitel als Fanart auf einer Filmklappe

Die Handlung

Elphaba wird vom Zauberer und ihrer früheren Lehrerin immer noch überall verunglimpft und ihre Aufklärungsversuche werden manipuliert. Glinda und Fiyero stützen das Bild, auch wenn es ihnen schwer fällt. Doch zur geplanten Hochzeit der beiden taucht auch Elphaba auf und bringt Chaos. Die Freundschaft der beiden Hexen steht auf dem Spiel. Und dann taucht auch noch ein Mädchen aus Kansas auf.

Meine Meinung

Lang ersehnt und doch war die Angst groß, dass der zweite Teil nicht mit dem ersten mithalten kann. Hatten wir das gleiche Phänomen doch erst bei Dune, wo der zweite Teil auch nur an dem direkten Vergleich zu seinem eigenen Vorgänger schwächelte. Und Wicked war einfach ein 10/10 Film.
Aber beginnen wir am Anfang. Ein Jahr ist seit dem ersten Teil vergangen und Elphaba ist beschäftigt auf überwiegend friedliche Art zu zeigen, dass der Zauberer lügt, während Glinda und Fiyero mitten in der Propagandmaschinerie von eben jenen sind. Hin und her gerissen zwischen den Gefühlen zu ihrer besten Freundin, sieht Glinda sich dennoch in der Aufgabe das Volk ein gutes Vorbild zu geben. Fiyero ist da schon weniger überzeugt, nutzt aber seine Stellung, um Elphaba vor allen anderen zu finden.
Mitten in diesem Szenario haben wir erneut das Thema der Tiere, die hier lieber in eine ungewisse Zukunft fliehen, als länger gegen die Propaganda anzukämpfen, die sie als das ultimative Böse brandmarken. Und auch hier ist die Thematik leider aktueller denn je, denn der Kampf gegen Rassismus ist gefühlt ein Kampf gegen Windmühlen und die Energie und die Angst vor dem Widerstand sind groß.
Gehen wir weiter zu Nessarose, die verzweifelt versucht nicht mit ihrer Schwester verglichen zu werden und daher die Erlasse des Zauberers mit größtem Vergnügen umsetzt. Enttäuscht von ihrer großem Liebe Moq, sucht sie alle Schuld in Elphaba. Die gibt ihr jedoch einen guten Moment. Und hier ist ein gutes Beispiel für kleine Änderungen, die eine Menge ausmachen. Denn während im Original Elphaba die Schuhe der Schwester so verzaubert, dass sie „wieder laufen kann“, wurde hier die Magie genutzt, um sie schweben zu lassen, so dass sie wieder einen besonderen unbeschwerten Moment erleben kann. So wurde der Ableismus gekonnt rausgenommen, ohne die Aussage zu verändern.
Und auch, wenn hier wieder einiges richtig gemacht wird und die Handlung sich nach und nach weiter zusammenfügt, so haben wir leider auch Schwächen. Das beginnt schon bei dem sehr gehetzt wirkenden Ton. Denn durfte der erste Teil noch 160 Minuten gehen, haben wir hier eine Lauflänge von 138 Minuten für aber viel mehr Themen und Handlungsorte. Da kamen manche Szenen dann doch zu kurz und logische Entwicklungen wirkten sehr gezwungen. Andererseits war es auch gut, dass sich an anderen Stellen mehr Zeit genommen wurde. So bekommt hier Glinda viel mehr Tiefgang, da wir ihre Erziehung kennenlernen und verstehen, wieso sie Entscheidungen trifft, wie sie sie trifft.
So hat auch For Good wieder einige gute Änderungen drin, kommt mit ausdrucksstarken Stimmen daher und hat eher das Problem, dass die Handlung generell an zu viele Stellen springt und daher nicht mehr den lockeren Fluss des ersten Teils hat. So ist es weiterhin ein starker Film, ein tolles Musical und lebt vom tollen Cast, hat aber einfach zu viel zu erzählen. So ist gerade der finale Wandel von Elphaba, so wie er erzählt wurde, nicht nachvollziehbar und auch das Ende lässt Fragen offen. Wie gesagt, er steht einfach nur im Schatten seines eigenen Vorgängers.

Das Fazit

Wicked: For Good hat die üblichen Schwierigkeiten einer zweigeteilten Handlung und steht im Schatten des eigenen ersten Teils. Dennoch wird hier vieles Richtig gemacht und der Film kann mit Cast, Liedern, Optik und auch der Handlung überzeugen, wobei die einige Stolpersteine überspringt, dennoch leicht gehetzt wirkt und daran am meisten krankt. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Wicked: For Good lief seit dem 21.11.2025 in den deutschen Kinos