Chérie, ich komme – die Erfindung der Lust

Ein Vorwort

Ich möchte wirklich nur einmal mit dem Verantwortlichen der deutschen Filmtitel sprechen. Denn wie aus „Pour le Plaisir“, was so viel heißt wie „Zum Vergnügen“, wurde kurzum einfach der sperrige und plakative Titel „Chérie, ich komme“. Noch mit dem wunderbaren Untertitel „Die Erfindung der Lust“, damit auch noch der letzte potenzielle Kinobesuchende abgeschreckt wird. Warum der Film mehr ist als sein schrecklicher Titel, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels mit Kinoticket auf einer Filmklappe.

Die Handlung

Fanny und Thomas sind seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Nur, dass Fanny noch nie einen Orgasmus hatte und das Thomas all die Jahre verschwiegen hat. Unter Anleitung einer Sexualtherapeutin beichtet sie dies, was Thomas zunächst in eine Krise stürzt. Doch er ist auch Erfinder und Ingenieur und verspricht ihr ein Gerät zu entwickeln, mit dem sie mühelos kommen kann. Eine chaotische Reise beginnt.

Meine Meinung

Hätte mich nicht eine Freundin gedrängt in den Film zu gehen, ich hätte es gelassen. Denn allein der – wohlgemerkt nur der deutsche – Titel hatte mich absolut abgeschreckt. Zumal in letzter Zeit aus Frankreich auch eher die Komödien mit absolutem Cringealarm bzw hochgradig problematischem Humor rübergeschwappt sind. Aber ich lass mich immer gern eines besseren belehren und „Pour le Plaisir“, um bei dem wesentlich besserem Originaltitel zu bleiben, konnte mich wirklich begeistern.
Aber fangen wir am Anfang an. Wir lernen Fanny kennen, die mit ihrer Sexualtherapeutin darüber spricht, dass sie noch nie einen Orgasmus hatte. Ein bisschen zurückhaltend in der Ausdrucksweise, aber doch mit einem klaren Ziel. Das wird Fanny über die Dauer des Films auch beibehalten. Denn zunächst soll sie die Thematik mit ihrem Mann klären, doch der glaubt seit vielen Jahren glücklicher Ehe, dass es ihr an nichts gemangelt hat. Denn was tun wir Frauen, um das arme Ego des Mannes nicht zu zerstören: Wir lügen und täuschen vor.
Dieser steckt aber schon in einer halben Lebenskrise, da er seit Ewigkeiten keinen Job mehr hatte, seine Erfindungen einfach nichts einbringen und sie vermutlich das Haus verkaufen müssen.
Aber hier kommen wir schon zu dem Part, den der Film wirklich gut aufgreift. Er zeigt beide Perspektiven, ohne eine davon klein zu reden und stellt dennoch Fannys Wunsch nach einem Orgasmus in den Mittelpunkt und nicht das Ego eines Mannes. Natürlich darf Thomas enttäuscht sein, dass er all die Jahre angelogen wurde, aber er setzt sich darüber hinaus auch mit dem eigentlichen Problem auseinander und versucht sich in seine Frau hineinzuversetzen. Zwar auf seine ganz eigene Art und mit verschiedenen Rückschlägen, aber obwohl es hier um Sex und Orgasmen geht, steht dennoch die Liebe im Vordergrund. Denn hier ist eben nicht die Lösung, dass sie die Ehe dann wohl beenden müssen, weil sie nicht zusammen passen, sondern sie arbeiten zusammen an Lösungsansätzen, die mal mehr und mal weniger gut harmonieren. Durch das Umfeld kommen auch noch verschiedene Meinungen mit dazu, die auch gehört werden, wodurch der gesamte Diskurs eingebracht wird.
Und so gut der Film in seiner Gesamtheit funktioniert, gibt es dennoch einzelne Szenen, wo einfach ein Schritt zu weit gegangen wurde. Wo aus lustig nur noch ein Augenrollen wurde – Stichwort Fisch im Klo. Aber das ist hier tatsächlich jammern auf hohem Niveau. Denn die Darstellenden Alexandra Lamy und François Cluzet harmonieren nicht nur gut, sondern spielen die Rollen auch so sympathisch, das ich regelrecht mitgefiebert habe, ob sie das „Problem“ lösen können.
Wer also mal wieder Lust auf eine kleine Perle aus Frankreich hat, dem sei der Film ans Herz gelegt.

Das Fazit

Pour le Plaisir schafft es aus einem Thema mit hoher Cringegefahr einen absolut sympathischen und liebevollen Film zu machen, der wichtige Themen anspricht und sich dabei doch auf die Liebe besinnt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Chérie, ich komme – Die Erfindung der Lust läuft seit dem 23.07.2026 in den deutschen Kinos

The End of Oak Street

Ein Vorwort

Wenn es um Dinosaurier im Film geht, bin ich doch gern am Start. Und wenn es dann nicht das unzähligste Jurassic World Sequel ist, sondern ein ganz neuer Ansatz, kann ich erst recht nicht widerstehen. Und auch, wenn The End of Oak Street nach dem Trailer in eine atmosphärischere düstere Richtung gehen sollte, gab mir die FSK 12 Freigabe doch Hoffnung, dass ich als kleiner Angsthase nichts zu befürchten habe. Wie viel Dino in diesem Film steckt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels mit Kinoticket auf einer Filmklappe. Von oben rechts schaut ein Dinoplüschtier herein.

Die Handlung

amilie Platt lebt 1982 in einer Kleinstadt in den USA. Kleinere Unstimmigkeiten zwischen den Eltern und die ganz normalen Teenagerprobleme der beiden Kinder bestimmen den Alltag. Bis ihr Viertel eines Nachts ca. 200 Millionen Jahre in die Vergangenheit katapultiert wird. Und plötzlich stehen sie auf dem Speiseplan.

Meine Meinung

Einer der häufigsten Kritikpunkte an den Jurassic Park/World Filmen – und ja auch an Steven Spielbergs Meisterwerk von 1993 – ist, dass Dinos aus verschiedenen Zeitaltern und von verschiedenen Lebensräumen zusammengewürfelt wurden. Denn der legendäre Kampf zwischen T-Rex und Stegosaurus, der so oft in Filmen und Serien herangezogen wurde, hat niemals stattgefunden. Und wenn sich auf etwas konzentriert wurde, dann meist auf die Kreidezeit, um eben jenen beliebten Scharfzahn zeigen zu können.
Nicht so The End of Oak Street, die bewusst den Zeitraum von 200 Millionen Jahren nennen und damit rein Dinos aus der Jurazeit eingebracht haben. Mit dabei meine persönlichen Favoriten, wie Allosaurus, aber auch meinen absoluten Lieblingsdino Brachiosaurus. Und von den Dinos, die ich direkt erkannt habe, gab es zumindest auch Funde in Nordamerika, was den Bezug zum Film noch besser recherchiert macht. Zeitgleich wurden auch neue Erkenntnisse aus der Forschung eingebaut, die den Dinos weniger die typische Repitilienhaut und mehr Fell attestiert.
Aber okay, genug von den Dinofakten und kommen wir zum Film. Hier haben wir einen soliden Einstieg, der uns die Familie Platt vorstellt und uns einerseits die typische achtziger Jahre Vorstadtfamilie zeigt, aber auch individuelle Charaktere, um die wir im Folgenden fiebern werden. Denn auch wenn die Anzeichen zunächst subtil sind, werden wir schnell in die Albtraumversion der Vorstadt katapultiert. Hier wurde der Nostalgietrend von Serien, wie Stranger Things, genommen und mit einer wesentlich realistischeren Variante eines Dinofilms kombiniert.
Und hier sollte die FSK Freigabe mit 12 definitiv überdacht werden, denn der Film hatte es stellenweise schon in sich – zumal eben auch jüngere Kinder unter elterlicher Aufsicht rein dürfen und zumindest die Eltern neben mir im Kino bei der Beschreibung „Film mit Dinos“ nicht weiter nachgedacht hatten. Denn die beklemmende Atmosphäre des Film funktioniert gut, da immer wieder zwischen Plänen und Verzweiflung geschwenkt wird. Hier hatte ich oft das Gefühl, dass es gar keine Lösung für das Problem geben könnte. Doch der Film schafft es nicht nur eine runde Lösung zu finden, sondern diese auch in einem Finale voller Nervenkitzel zu inszenieren. So sehr habe ich mich schon lange nicht mehr im Kinosessel gewunden, weil ich die Spannung kaum ertragen konnte.
Zu der gelungenen Inszenierung tragen auch die Hauptdarstellenden Ewan McGregor und Anne Hathaway bei, die zusammen mit den Jungdarstellenden Maisy Stella und Christian Convery die sich stetig steigernde Verzweiflung gelungen rüberbringen. Und auch, wenn sich der Film viel Mühe mit den Dinos gegeben hat, hätte ich doch gern ein bisschen mehr von ihnen gesehen. Aber das ist wirklich nur mein ganz persönliches Bedürfnis nach mehr Dinos.

Das Fazit

The End of Oak Street inszeniert die zunehmende Verzweiflung einer Familie sehr spannend und garniert dies mit einer der besten Darstellung der aktuellen Dinosaurierforschung seit langem. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

The End of Oak Street läuft seit dem 13.08.2026 in den deutschen Kinos

One Night Only

Ein Vorwort

Bei manchen Filmen wäre ich ja gern bei der Ideenfindung dabei gewesen. Bei One Night Only stell ich mir das ungefähr so vor: Wollen wir noch einen The Purge Film machen? Ne, lass mal, das Prequel ist gescheitert und den Rest haben wir auserzählt. Okay, aber mit dem Konzept muss sich doch noch was machen lassen? Okay, also statt in einer Nacht Gewalttaten und Mord zu erlauben, können wir ja was ähnlich schlimmes erlauben, zum Beispiel außerehelicher Sex! Aber der ist doch gar nicht verboten. Na, dann verbieten wir den halt in unserem Film. Und wenn du bis hier noch nicht ausgestiegen bist, dann erfahr doch in meinem heutigen Beitrag, warum die Prämisse nicht wirklich was taugt.

Der Filmtitel als Fanart auf einer Filmklappe.

Die Handlung

Vor drei Jahren wurde der außereheliche Geschlechtsverkehr in den USA verboten. Bis auf eine Nacht. Während Allie sich mit ihrer besten Freundin ganz entspannt zwei Partner für die Nacht suchen wollte, hat Owen größere Pläne und will seiner Freundin einen Antrag machen. Bei Beiden kommt es anders und sie treffen sich immer wieder, während sie nur auf der Suche sind, nach einer guten Nummer für die eine Nacht.

Meine Meinung

Auch, wenn die Ideenfindung für den Film bestimmt witzig war und ich von der Grundprämisse eigentlich auch angesprochen wurde, sagten mir die Trailer so gar nicht zu. Die Befürchtung war groß, dass es nur eine billige Prämisse für eine Liebesgeschichte mit vielen spicy Szenen werden würde und nichts wirklich draus gemacht wurde. Und so kam es dann auch.
Aber fangen wir am Anfang an. Zunächst lernen wir Owen kennen, der bereits in einer glücklichen Beziehung ist und sich darauf freut, die Nacht mit seiner Freundin zu verbringen. Und natürlich sucht er sich die unromantischste Nacht überhaupt aus, um ihr einen Antrag zu machen. Nur, dass diese ganz andere Pläne hat und zwar weiterhin eine Beziehung mit ihm will, aber die Sexnacht dann doch lieber mit dem Nachbarn verbringen will. Am Boden zerstört irrt Owen durch die Nacht und trifft zunächst auf Allie. Die hatte ebenfalls Pläne. Denn unsere Romantikerin glaubt allen ernstes in der Nacht der ausgelebten Triebe die große Liebe zu finden. Also will sie mit ihrer besten Freundin in einer Kneipe nach netten Jungs Ausschau halten und sich dabei Zeit lassen. Nur, dass diese bereits nach fünf Minuten ihr perfektes Date gefunden hat. Doch Allies Plan die Nacht dann einfach zu Hause zu verbringen, vereitelt ihre Mitbewohnerin, die sie direkt wieder auf die Jagd schickt. Dabei trifft sie auf Owen.
Es könnte so einfach sein, denn die Chemie zwischen den beiden Charakteren und vor allen den beiden Schauspielenden Monica Barbaro und Callum Turner ist immens. Aber natürlich brauchen wir vorher noch unzählige Nebenstränge und die beiden müssen zunächst Haters werden, ehe sie zu Lovers werden dürfen. Dabei wird auch mehr auf platte Attitüten gesetzt, als wirklich ausgereifte Witze aufzubauen. Hier war mehr Fremdscham am Start als dass ich mich gut unterhalten gefühlt hätte.
Und war das Humorlevel nicht schon enttäuschend genug, so bleibt auch die Frage, wieso diese alternative Realität mit den unzähligen Regeln für diese Nacht geschaffen wurde, wenn sie so gar nicht genutzt wurde. Anstatt wirklich auf die Probleme, die sich dadurch ergeben können, einzugehen und dabei auch den Mut zu besitzen, unbequeme Themen anzusprechen, wird lieber auf das nächste poppende Pärchen geblendet. Lediglich ein kurzes Gespräch mit einer Polizistin, die auch in dieser Nacht damit beschäftigt ist, Sexualverbrecher zu fassen, bringt irgendwie mal eine andere Ebene rein, und selbst das bleibt nichtssagend.
Dabei waren doch gerade die Purge Filme, diejenigen, die sich getraut haben, auf die menschliche Psyche einzugehen und auch die Unterschiede zwischen den Schichten hervorzuheben. So hätte mich auch interessiert, wie es bei One Night Only mit der Vergewaltigungsrate in dieser Nacht aussähe. Wie sich diejenigen mit Geld Prostituierte geholt hätten und wie deren Leben nach der neuen Regelung aussähe. Wie viele in einer schlechten Ehe gefangen wären, die sie nur eingingen, um Sex zu haben, und wie hoch ist dann eigentlich die Scheidungsrate? Aber nein, lasst uns lieber Owens Mutter noch ein drittes Mal mit ihrem Liebhaber und der Luftpolsterfolie zeigen.
Weil für die platte Romcom, die hierbei rauskam, war die Prämisse einfach zu aufgeladen. Aber Monica und Callum würde ich gern noch einmal in einer besseren Romanze zusammen sehen.

Das Fazit

One Night Only bedient sich einer interessanten Prämisse, die aber nur als Vorwand für eine substanzlose Romcom genommen wird, anstatt diese richtig auszuarbeiten. So wirkt alles nur platt, auch wenn die beiden Hauptdarstellenden und ihre unfassbare Chemie alles geben. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

One Night Only läuft seit dem 27.08.2026 in den deutschen Kinos

Piper House

Ein Vorwort

Der Herbst steht vor der Tür und bringt raues Wetter mit sich. Was eignet sich da besser als zwei lockere Sommerlektüren, bevor wir uns dieser Tatsache stellen müssen? Und so entführt uns Autorin Philippa Penn nach Nantucket ins Piper House. Warum ich beide Bücher sehr empfehlen kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Painting Trust

Die Handlung: Betty und Ewan waren das Traumpaar, obwohl sie aus verschiedenen Welten kamen. Doch eine Intrige lässt sie voneinander wegdriften und alles, was sie hatten steht auf der Kippe. Zurückgezogen in ihrem Ferienhaus Piper House im malerischen Nantucket kommen sie sich wieder näher. Können sie zurückbekommen, was sie einst hatten?

Meine Meinung: Es brauchte nur ein kurzes Gespräch auf der Buch Berlin, um mich zu überzeugen, das Buch zu kaufen. Das Setting mit Nantucket konnte mich schon überzeugen und dann die Beschreibung von Piper House. Hinzu kam, dass es um eine zweite Chance geht. Das Pärchen hat bereits das Kennenlernen, die auf und abs, die Hochzeit und alles hinter sich. Beim Lesen konnte ich mich auch so schnell in beide Protas einfinden und habe mit ihnen gelitten. Habe gehofft, gebangt und mitgefiebert. Der Schreibstil ist super flüssig und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Leider war das Zusammentreffen dann doch etwas überhastet und konnte die Emotionen der beiden nicht genug ausleben lassen. Es ging einfach alles sehr schnell und der Grund, warum sich die beiden nach all der Zeit von jetzt auf gleich trennten, ist dann so offensichtlich einfach eine Falle gewesen, dass ich nicht verstanden habe, warum Ewan darauf gefallen ist. Das war leider ziemlich schade, weil es mich mehr rausgerissen hat, als vermutet. Dennoch hat mich das Finale wieder sehr in Atem gehalten und die Suche nach dem Strippenzieher war gut ausgearbeitet, so dass ich wieder komplett mit der Geschichte ausgesöhnt wurde. So konnte ich eine Rückkehr nach Piper House kaum erwarten.

Chasing Harmony

Die Handlung: Die erfolgreiche Sängerin Willow Rose flieht vor ihrem toxischen Manager und nimmt das Angebot ihrer neuen Freundin Beth an, um sich in Piper House auf der Insel Nantucket zurückzuziehen. Allerdings kommt auch Beth Schwager auf die Idee. Nate steht schon eine ganze Weile unter dem Druck seines Vaters, weil er als Musiker noch immer nicht erfolgreich ist.

Meine Meinung: Zum Glück dauerte es nur bis zur Leipziger Buchmesse, bis ich Band 2 in den Händen hielt. Willow haben wir bereits kurz im ersten Band kennengelernt und schon da wollte ich ihre Geschichte wissen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass die Fortsetzung von ihr handelte. Wir sind zügig wieder in Piper House gelandet und haben diesmal die Kulisse des Hauses mit Garten und der Lage wesentlich mehr genießen können. Auch die Geschichte hat sich langsamer entwickelt, was aber auch an den Protagonist*innen lag, die sich selbst erstmal finden mussten. Beide haben ihre Päckchen zum tragen gehabt und mussten erst die Sicht auf sich selbst ändern, ehe sie über sich hinaus wachsen konnten. Diese Entwicklung ist nachvollziehbar gezeigt worden und konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistern. Damit mochte ich Band 2 ein bisschen lieber und wäre sehr offen für einen dritten Band.

Das Fazit

Piper House überzeugt durch ein tollen Setting, das malerisch beschrieben ein regelrechtes Fernweh auslöst. Die Dualität zwischen dem originalen Nantucket und dem old money Anwohnern ist gut beschrieben und schafft den Spagat, um kritisch genug zu sein, ohne den Charaktern ihren Background abzusprechen. Abgesehen von einem Kritikpunkt am ersten Band mochte ich beide Bücher richtig gern und empfehle die Reihe daher von Herzen.

Solo Mio

Ein Vorwort

Kevin James ist in seiner Karriere bisher eher für seine komödiantischen Rollen bekannt. Vor allem die vielen Filme mit Adam Sandler haben gezeigt, dass mein Verständnis von Humor und seine Werke nicht wirklich kompatibel sind. Umso abgeneigter war ich von ihm in der Hauptrolle dieser Rom-Com. Aber das Setting in Rom hat mich überzeugt und ich muss sagen, zum Glück, denn so schlecht war der Film dann doch nicht. Mehr dazu in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe

Die Handlung

Matt Taylor erfüllt sich einen großen Traum und plant seine Hochzeit in Rom. Nur, dass seine Braut kalte Füße bekommt und ihn am Altar stehen lässt. Da er sein Flitterwochenpaket nicht mehr stornieren kann, nimmt er an den Paaraktivitäten als Single teil. Nebenbei lernt er in einem Café Gia kennen, die ebenfalls eine schwierige Trennung hinter sich hat. Die beiden kommen sich näher, doch Matt hat Angst ihr zu sagen, dass er vor ein paar Tagen noch heiraten wollte.

Meine Meinung

Wenn ich an außergewöhnliche Hochzeitslocations denke, ist Rom nicht unbedingt die erste Idee, die mir kommt. Aber die Stadt ist ein Setting, das irgendwie aus der Mode gekommen ist, und ein bisschen italienisches Lebensgefühl schadet ja auch nicht. So zog mich das ganze Drumherum viel mehr an, als der Trailer an sich. Und zunächst scheint es auch einfach der typische „am Altar verlassen“ Plot zu werden, aber irgendwie hatte der Film auch direkt einen gewissen Charme.
Aber beginnen wir am Anfang. Wir lernen Matt Taylor und seine Verlobte nur kurz kennen. Eine schöne Szene der beiden Lehrenden bei seinem Antrag umringt von ihren Schüler*innen. Schon sind wir in Rom und die Hochzeit soll in wenigen Minuten starten. Nur, dass die Braut verschwunden ist. Die verzweifelte Suche, das Finden des Briefs, der Versuch sie zurückzuholen. All das ist nicht neu, bildete aber auch nur die Grundlage. Denn der eigentliche Film beginnt erst, wenn Matt erfährt, dass er sein Flitterwochenpaket nicht stornieren kann.
Ab hier treffen wir auf zwei weitere Paare, die das gleiche Paket gebucht haben und jede auf ihre Art völlig überzeichnet und teilweise toxisch ist. Aber das ist hier tatsächlich verzeihbar, denn der Punkt ist klar: Matt war mit seiner Verlobten vermeintlich viel glücklicher, aber die anderen haben die Hochzeit zusammen durchgezogen. Die Frage des Warums steht hier immer wieder im Raum, aber machen wir uns nichts vor: Tiefgründige Antworten finden wir hier nicht.
Doch durch das Auftauchen von Gia bekommt der Film eine neue Richtung. Wir bekommen Hoffnung und vorallem trotz eigener Probleme ein gewisses Gefühl für die Leichtigkeit in der Mentalität der Italiener*innen. Vielleicht geht es mit den beiden ein bisschen schnell. Plötzlich befinden wir uns im Anwesen von Gias Familie, Andrea Boticelli taucht auf und neben Fanboy Momenten Matts und seiner Freunde, gibt es auch mal ein Liedchen. Was sich deplatziert anhört, harmoniert erstaunlich gut mit der Geschichte und so fühlt es sich trotz allem irgendwie rund an.
Auch der Humor ist entgegen meiner Befürchtungen größtenteils gut gewählt und ergibt sich eher aus den Situationen, als dass plumpe Oneliner fließen. So haben wir zwar ausgewählte Klischees, aber auch irgendwie erfrischende Charaktere, die so sehr nicht passen, das sie schon wieder wunderbar in diesen Film gehören. Es werden genügend Emotionen erzeugt, dass ich mit Matt mitgefühlt und Gia und seine neuen Bekanntschaften schnell ins Herz geschlossen habe. Denn Solo Mio will eben nicht viel. Keine große Geschichte, keine großen Gesten, keine großen Gefühle. Nur eine warmherzige süße kleine Geschichte, die in Italien wunderbar ansässig ist und irgendwie ein gutes Gefühl hinterlässt. Ein Film, der aber auch weiß, dass er nicht mehr ist und auch gar nichts größeres anstrebt. Und damit ist er einer der besten Rom-Coms, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Das Fazit

Solo Mio ist eine süße Rom-Com, die Fernweh nach Italien auslöst, die Geschichte rund, wenn auch mit einigen Ecken und Kanten erzählt und dabei lediglich gut unterhalten will, statt große Thematiken aufzuwühlen. Und das macht er auf gute Weise, wird jedoch nicht lange im Gedächtnis bleiben. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Solo Mio läuft seit dem 28.05.2026 in den deutschen Kinos

Der Teufel trägt Prada 2

Ein Vorwort

Zwanzig Jahre nach dem erfolgreichen ersten Film, der bis heute ikonische Szenen beinhaltet, kam nun doch eine Fortsetzung in die Kinos. Bereits 2013 wurde ein zweiter Band der Buchvorlage veröffentlicht, doch Meryl Streep lehnte stets ab wieder in ihre Rolle der Miranda Priestly zu schlüpfen. Bis jetzt. Warum die Hoffnungen auf eine wirkliche Weiterentwicklung der Geschichte jedoch vergebens sind, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Titels mit Kinoticket auf einer Filmklappe.

Die Handlung

Vor 20 Jahren ist Andy Sachs aus der Redaktion der Modezeitschrift Runway ausgeschieden. Nun kehrt sie auf Bestreben des Eigentümers zurück, um einen Skandal zu reduzieren, und legt sich erneut mit Miranda Priestly an, die über diese Einmischung keineswegs begeistert ist.

Meine Meinung

Ich bin ganz ehrlich: Ich konnte den Hype um Der Teufel trägt Prada nie nachvollziehen. Ich fand ihn nicht witzig, ich fand das Verhalten von Miranda Priestly nie in Ordnung und Andy Sachs war auch nie sympathisch, wie sie mit ihren Freundschaften umging. Also habe ich bei der Ankündigung auf einen zweiten Teil nur müde mit der Schulter gezuckt. Aber nach einigem hin und her habe ich ihm doch eine Chance gegeben, weil ich einfach neugierig war, ob sie sich in zwanzig Jahren irgendwie weiterentwickelt haben.
Und zunächst sah es auch danach aus. Andy Sachs ist eine preisgekrönte Journalistin und kämpft mit dem weiteren Abbau von Stellen, da sich Printmedien einfach nicht mehr verkaufen. Aber dann wird ihr ein Job bei Runway angeboten und sie freut sich, wieder unter ihrer früheren Chefin zu arbeiten. Miranda Priestly kämpft nämlich gerade mit einem Skandal, den Andy durch gute Artikel gerade biegen soll. Natürlich will Miranda nichts davon wissen und behandelt Andy wieder herablassend und abwertend. So weit so bekannt und vorhersehbar. Aber hier versucht der Film wenigstens noch den Wandel im Journalismus zu zeigen und Miranda wird mehrfach durch ihre Äußerungen und Taten kritisiert. Die ikonische Mantelszene aus dem ersten Teil wird bewusst als nicht mehr zeigbar benannt, und der Wandel zu Onlineseite und Social Media wird behandelt.
Allerdings nur für ein paar wenige Minuten. Danach wird praktisch der gleiche Film nochmal gezeigt. Andy rennt verzweifelt hinter Miranda her und gibt ihr ganzes Leben auf, um von ihr angelächelt zu werden. Miranda darf immer noch sagen, was sie will, es wird aber halt mit einem „oh, das sagen wir nicht mehr“ ihrer Assistent kommentiert, woraufhin Miranda mit den Augen rollt und fortfährt. Keine Reflexion, keine Auseinandersetzung, nur ein stupides „Das dürfen wir sie unkommentiert nicht mehr sagen lassen“. Dann darf auch noch Emily Blunt wieder auftauchen und obwohl sie sich eine einzigartige Position erarbeitet hat, muss sie auch noch immer Miranda übertreffen und zeigen, dass sie ihr überlegen ist. Es ermüdet einfach nur.
Und das obwohl alle drei Schauspielerinnen Meryl Streep, Emily Blunt und Anne Hathaway in ihrer Karriere gezeigt haben, was in ihnen steckt. Aber hier geben sie das absolute Minimum, auch wenn Sonnenschein Meryl Streep hier noch am ehesten zeigt, was Schauspiel ist. Schade, dass sie hierfür doch nachgegeben hat und nicht standhaft bei ihrer Absage zu einem Sequel blieb.

Das Fazit

Der Teufel trägt Prada 2 erzählt praktisch die gleiche Geschichte nochmal und lässt alle halbwegs guten Ansätze in den ersten Minuten schon hinter sich. Eine ermüdende Geschichte über Charaktere, die in zwanzig Jahren nicht dazu gelernt haben. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Der Teufel trägt Prada 2 läuft seit dem 30.04.2026 in den deutschen Kinos

Nürnberg

Ein Vorwort

Bereits Ende 1945 fand der erste der insgesamte zwölf Nürnberger Prozesse statt, in denen die Kriegsverbrechen des Naziregimes vor Gericht gestellt wurden. Ein Meilenstein in der Gerichtsgeschichte, aber bis heute auch umstritten. Dennoch war ich an der Verfilmung des Hauptprozesses durchaus interessiert. Warum der Film in seiner Gesamtheit echt gut ist, aber auch seine Schwierigkeiten hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe arrangiert

Die Handlung

Der zweite Weltkrieg ist zu Ende und Herrmann Göhring wird festgenommen. In Nürnberg sollen er und weitere Führungsoffiziere angeklagt werden. Doch nicht nur die Rechtsprechung ist auf diesen Fall nicht vorbereitet, auch gilt es die Gefangenen bis zum Prozessende vom Suizid abzuhalten. Dafür wird Psychater Douglas Kelley engagiert, der sich fortan vornimmt gerade Göhring zu knacken.

Meine Meinung

In einer Welt, in der der Rechtsruck immer stärker wird, sind Filme über die Folgen eben dieses gar nicht genug zu betonen. Und das die Akteure des Nationalsozialismuses eben auch Menschen waren, die den Bau der Konzentrationslager angeordnet haben, nur weil sie sich über andere Menschen erhaben fühlten.
Genau damit befasst sich Nürnberg. Beziehungsweise mit den titelgebenden Prozessen. Dabei wird eine interessante Perspektive gewählt, denn der Hauptteil des Films zeigt uns Rami Malek als Psychater Douglas Kelley, der versucht hinter die Fassade von Herrmann Göhring zu blicken. Dabei setzt er bewusst die Sprachbarriere ein oder geht über Göhrings Frau und versucht eine Bindung aufzubauen. Dabei zeig sich vor allem eins: Göhring bereut nichts, sondern versucht sich als den Unwissenden darzustellen. Das ist zwar durchaus spannend anzusehen und verrät sehr viel über das Gedankengut der Täter, aber dadurch geraten die Prozesse an sich ziemlich in den Hintergrund.
Denn hierfür müssen erst einmal rechtliche Hürden überwunden werden, was ich persönlich durchaus spannender fand. Denn der Gedanke der Prozesse war eben die Täter nicht einfach hinzurichten, sondern ihnen einen fairen Prozess zu garantieren. Eben das, was sie unter ihrer Herrschaft nicht zugelassen haben. Um keine Märtyrer zuzulassen, sondern juristisch belegt, die Gräueltaten aufzuzeigen. So kommt es aber, dass der gerade einmal der erste Prozess überhaupt angesprochen wird, und auch hier, nur minimale Ausschnitte gezeigt werden.
Mit einer Lauflänge von 148 Minuten ist der Film nicht gerade kurz und dennoch kratzt er gerade einmal an der Oberfläche der Thematik. Ich glaube kaum, dass ich das schreibe, aber vielleicht wäre hier eine Serie das bessere Format gewesen. Tschernobyl hat gezeigt, wie das dramaturgisch funktionieren kann und dann hätten alle Elemente ihre benötigte Zeit bekommen.
Dennoch ist Nürnberg durchaus ein starker Film und das will ich ihm gar nicht absprechen. Er legt, gerade auch in einer der letzten Szenen, den Finger auf ein brankaktuelles Problem und zeigt, wie es in der Geschichte bereits einmal für unzählige Morde gesorgt hat. Und ich verstehe auch den Fokus den er hat, aber ich hätte mir dennoch eine leichte Verschiebung gewünscht. Auch schauspielerisch hat der Film einiges auf dem Kasten. Russel Crowe als Herrmann Göhring funktioniert, solange er kein überzeugendes Deutsch sprechen muss, sehr gut, er schafft es den Narzisten überzeugen zu verkörpern. Auch Rami Malek und Michael Shannon spielen ihre Rollen überzeugend, sowie der Nebencast rund um Richard E. Grant.
Zu guter Letzt noch eine kleine Content Note: In Nürnberg werden Originalaufnahmen aus Konzentrationslagern, auch Endlagern, gezeigt. Dabei wird sowohl der Zustand der Überlebenden, als auch die Berge an Leichen und die Tötungseinrichtungen gezeigt. Bitte entscheidet selbst, ob ihr euch in der Verfassung dazu fühlt.

Das Fazit

Nürnberg legt den Finger auf ein brandaktuelles Thema und erzählt dabei rein historische Ereignisse. Der Schwerpunkt auf Göhring Psychiater zu legen, funktioniert grundsätzlich, dadurch kommen die namensgebenden Prozesse jedoch relativ kurz. Dennoch eine interessante Aufarbeitung in beklemmender Atmosphäre. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Nürnberg läuft seit dem 07.05.2026 in den deutschen Kinos

Michael

Ein Vorwort

Nachdem die Musikerbiopics nach ihrer Hochphase zum Glück ein wenig nachgelassen haben, wurde es dennoch Zeit sich mit einem Namen zu befassen, der bisher fehlte. Michael Jackson. Ein Künstler, der neue Maßstäbe setzte, eine ganze Generation prägte und am Ende nur noch für seine negativen Schlagzeilen bekannt war. Wie sollte so ein Film funktionieren? Nun, genauso, wie dieser. Mehr dazu in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe arrangiert mit Kinoticket und einem Mikrofon

Die Handlung

Mit gerade einmal acht Jahren steht der junge Michael Jackson zusammen mit seinen Brüdern als Jackson 5 auf der großen Bühne. Getrieben von seinem gewalttätigen und manipulierenden Vater muss er schon früh funktionieren und darf kein eigenes Leben, geschweige denn Freundschaften haben. Der Erfolg kommt und schnürt ihn immer weiter ein, doch er versucht sich zu lösen und seinen eigenen weg zu finden.

Meine Meinung

Ob man nun mit der Musik von Michael Jackson etwas anfangen kann oder nicht, Fakt ist, dass viele seiner Hits weltbekannt sind und einen so eigenen Stil aufweisen, dass sie direkt erkennbar sind. Doch mir war zum Beispiel nicht bekannt, welche bedeutenden Schritte hinter diesen Hits standen für einen BPoC Künstler. So war ich gespannt auf den Film, hatte aber auch meine Zweifel. Wie würde mit den noch immer im Raum stehenden Vorwürfen umgegangen werden, die nie bewiesen, aber auch nie widerlegt werden konnten, was bei der Thematik aber auch generell schwierig ist.
Nun, so weit geht der Film aber gar nicht, sondern behandelt die Jahre 1966 bis 1988, also die Zeit, wo die Jackson 5 das erste Mal auftreten bis Michael final ankündigt, keine Konzerte mehr mit seinen Brüdern zu geben. Dies war allerdings nicht die Anfangsversion, jedoch hatte der Film bereits im Vorfeld mit einigen Klagen zu kämpfen. So wurden alle Szenen rund um Diana Ross gestrichen und erste Darstellungen rund um die Missbrauchsvorwürfe. Gleichzeitig sollen sich andere Mitstreiter reingeklagt haben und generell hatte die Familie Jackson wohl einen großen Einfluss auf das Drehbuch.
Herausgekommen ist ein Film, der die schwierigsten Themen umschifft, und sich allein um die Geschichte der toxischen Familienverhältnisse durch den gewalttätigen Vater, der die Kinder isolierte und zu Höchstleistungen zwang, um die erfolgreiche Gruppe der Jackson 5 herauszubringen, über Michaels eigene Solokarriere und die finale Entsagung von seinem Vater und dessen erneuten Tourplänen. Dadurch ist es immer noch kein Feel Good Film, sondern ein knallhartes Drama, und es kann zu Recht Kritik an einigen Darstellungen geben. An sich ergibt sich aber eine runde Geschichte, die wichtige Aspekte aus der Karriere in den genanntene Jahren aufgreift und viele Charakterzüge einbaut.
Gleich am Anfang wurde es für mich jedoch schon schwierig, denn es gibt für Filme einfach keine Triggerwarnungen, und genau die hätte ich gebraucht, da hier detailliert gezeigt wird, wie Josef Jackson seine Söhne nicht nur psychisch unter Druck setzt und regelrecht drangsaliert in seinen Bestrebungen sie erfolgreich zu machen, um seinem eigenen Leben in ärmlichen Verhältnissen zu entkommen, sondern eben auch physisch misshandelt – sprich ihn verprügelt. Auch im weiteren Verlauf wird es nur bedingt besser, also wenn ein toxisches/gewalttätiges Elternhaus für euch Trigger enthalten kann, dann ist dieser Film für euch mit Vorsicht zu genießen. Passt auf euch auf!
Es wird glaubhaft dargestellt, wie Michael aufwuchs und immer erfolgreicher wurde, später auch als Solokünstler und wie eingeschränkt er doch in seinen Möglichkeiten war. Wie sehr er darauf bedacht war, sich und seinen Stil zu zeigen und doch gleichzeitig absolut unsicher wegen sich und seiner Erscheinung. Dies mag für Fans alles sehr oberflächlich wirken, da sie noch viel mehr dazu wissen, aber für mich als durchschnittliche Kinobesucherin, waren es genug Infos, um die Person Michael Jackson besser zu verstehen. Auch wichtige Ereignisse, wie der gesamte Pepsivorfall, waren Geschehnisse, die an mir komplett vorüber gingen. Diese aufgearbeitet eingearbeitet zu sehen, hat mir nochmal einiges vermittelt, was mir zuvor einfach nicht bewusst war.
Hervorzuheben sind hier auch die schauspielerischen Leistungen, vor allem von Jaafar Jackson, der seinem Onkel wie aus dem Gesicht geschnitten ist, und seine ikonischen Tanzbewegungen wunderbar erneut zum Leben erwecken konnte.
So blieb bei mir kein Auge trocken während des Films. Ich litt mit dem kleinen Jungen und dem heranwachsendem Mann, lernte und verstand mehr. Und gönnte ihm seinen Triumpf in der letzten Szene, in der er sich von seinem Vater lossagte.
Nur, um die Einblendung „Seine Geschichte geht weiter“ zu lesen, die möglicherweise auf einen zweiten Teil hindeuten könnte. Und ich kann nur sagen: Bitte nicht. Es war ein runder Film, ein runder Abschluss der Thematik. Alles weitere kann nur schief gehen und die bisherige Produktionsgeschichte zeigt bereits, dass hier viel mit Klagen zu rechnen ist und so viele Vorwürfe sind bis heute unaufgearbeitet, dass sich nicht gerade Hollywood daran setzen sollte. Schon gar nicht, wenn nur die Familie einer Seite der Klagen an der Produktion beteiligt ist.

Das Fazit

Michael schafft es den beschriebenen Zeitraum aus meiner Laiensicht filmisch gut rüberzubringen und schafft dabei große Emotionen, mitreissende Momente und zeigt den Charakter hinter der Legende. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Michael läuft seit dem 23.04.2026 in den deutschen Kinos

Glennkill: Ein Schaftskrimi

Ein Vorwort

2005 kletterte der Debütroman der deutschen Autorin Leonie Swann in Windeseile auf die Spiegel Bestseller Liste und löste einen großen Hype aus. Ein Krimi aus der Sicht von Schafen klang so neuartig, dass ich das Buch ewig in den Buchhandlungen gesehen, aber nie zugegriffen habe. Zwar habe ich damals schon viel gelesen, aber Krimis waren zu der Zeit nicht mein Genre. Und jetzt 21 Jahre später, wäre so ein cosy Crime genau meins gewesen. Und da kam Working Title Film – eine britische Produktionsfirma – mit der Realverfilmung um die Ecke. Warum ich den Film sehr weiterempfehlen kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels mit Kinoticket auf einer Filmklappe. Darüber steht ein Schafkuscheltier und schaut in die Kamera

Die Handlung

George Hardy ist Schäfer und lebt sehr zurückgezogen mit seiner Schafsherde, der er jeden Abend aus einem Krimi vorliest. Bis er eines Nachts ermordet wird. Zumindest ist das seiner Herde, allen voran Schäfin Lily, direkt klar, während der ortsansässige Polizist überfordert ist und daher Herzinfarkt eintragen lässt. Doch Lily, zusammen mit dem Widder Moppel und dem Einzelgänger Sebastian, versucht Hinweise zu finden und dem Polizisten zuzuspielen, so dass dieser doch mit den Ermittlungen beginnt.

Meine Meinung

Schafe als Protagonisten? Da war ich auf jeden Fall dabei. Doch als Ermittler in einem Kriminalfall? Wie sollte das funktionieren? Doch der Trailer sprach mich direkt an und ich erinnerte mich grob, dass Buch vor vielen Jahren schon mehrfach in Buchhandlungen gesehen zu haben. Schön ist zunächst, dass die Schafe untereinander für uns zu verstehen sind, aber die Menschen im Film nicht mit ihnen reden können. Dadurch ist keine direkte Fantasyebene drin und sorgt für eine Menge Missverständnisse, die zur guten Stimmung beitragen.
Aber fangen wir am Anfang an. Zunächst lernen wir George und seine Schafe kennen, ihre wichtigsten Eigenschaften, die so liebevoll erzählt werden, dass sie auch in Erinnerungen bleiben, da sie später noch wichtig werden. Dann schwenken wir ins Dorf und lernen dort die wichtigsten Bewohnenden kennen. Dabei sind einfach alle absolut überzeichnet, aber dabei zeitgleich so liebevoll charakterisiert, dass es direkt wieder funktioniert. Nehmen wir allein den Polizisten Tim Derry, der in seiner Karriere noch nie mit einem Mordfall zu tun hatte. Er ist völlig überfordert und hat überhaupt keine Routine, wie er vorgehen muss. Daher lässt er sich von den Leuten in seiner Umgebung leiten und beeinflussen, bis die Schafe ihm einen Krimi zukommen lassen, der ihm das wichtigste Grundwissen vermittelt. An diesem hangelt er sich dann auch lang und schafft es eigene Impulse zu setzen und über sich hinauszuwachsen.
Dennoch ist er immer wieder darauf angewiesen, dass die Schafe ihn in die richtige Richtung stupsen, auch wenn diese ab einem gewissen Punkt auch überfragt sind. Darüber hinaus lernen die schafe aber auch einiges über die Welt außerhalb ihrer Wiese, müssen über ihre Grenzen hinaus gehen und über sich selbst hinauswachsen.
Das Ganze wird mit so viel Liebe dargestellt, voller Witz, kleiner Details und trotz teilweise schwierigerer Themen, bleibt es cosy und ist einfach ein Feel-Good-Film. Die überzeichneten Charaktere werden mit der Zeit vielschichtiger und mehr als sie zunächst zu sein schienen. Da bekomme ich fast Lust, auf mehr Geschichten aus Denbrook.
Im Endeffekt ist es ein whodunnit für Einsteiger. Viele Hinweise tauchen zwischendrin bereits auf, dennoch konnte ich nicht sagen, wer es war, bis zur Auflösung. Einige Sachen wurden wohl auch für den Plot ein wenig verdreht, damit es zur Auflösung und zur Botschaft des Films passt, wie mir meine Landwirtschaftsinteressierte und Pflanzenexpertin – aka meine Kinobegleitung – nicht müde wurde, zu erzählen. Aber das konnte dem Film irgendwo verziehen werden, weil es hier gar nicht so sehr um die Logik hinter des Wies ging, sondern vielmehr um die Auflösung und die Hilfe der Schafe.
Und Lily und Moppel von Anke Engelke und Bastian Pastewka synchronisieren zu lassen, spricht übrigens auch sehr dafür ihn in deutscher Synchro zu schauen, die geben dem Ganzen noch einmal eine schöne Dynamik. Auch darüber hinaus wurde auf Darstellenden- und Synchronsprechendenseite keine Mühen und Kosten gescheut und ein tolles Ensemble zusammengestellt, die den Film gut zu tragen wissen.

Das Fazit

Glennkill: Ein Schafskrimi schafft es Klischees so aufzuarbeiten, das sie überwunden werden können, spielt mit den klassischen Whodunnit Elementen und überzeugt durch die liebevollen Charaktere und eben durch die Schafe. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Glennkill läuft seit dem 14.05.2026 in den deutschen Kinos

Edens Secret

Ein Vorwort

Anfang Dezember habe ich euch die ersten Bände aus der EdenS6 Reihe vorgestellt. Eine Reihe rund um eine fiktive K-Pop Band, die ich seit dem ersten Band absolut stanne und mich immer wieder auf die neuen Bände freue. Diesmal durften gleich zwei Mitglieder die Protagonisten werden, denn Autorin Ari N. Kang wagt sich an eine queere Story und das, wo Korea (leider) noch sehr hinterherhängt, was die Akzeptanz dieser angeht. Ich war also gerne wieder Leserin der ersten Stunde und freue mich euch den dritten Band der Reihe vorstellen zu dürfen.
Das E-Book wurde mir von der Autorin als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich dafür und kennzeichne diesen Beitrag als Werbung.

Das Cover auf einem E-Reader geklebt, der auf den vorherigen Bänden steht. Umrahmt von den Fotokarten der Member des Bandes, an der Seite ein Lightstick und vorne ein Bienenplüshie

Die Handlung

Haru ist aus dem Hiatus zurück, doch noch immer kann er nicht über den Grund seiner Abwesenheit reden. Denn seit dem Liebesgeständnis seines Bandkollegen Honey, hinterfragt er seine Sexualität. Honey ahnt jedoch nicht, dass er im Halbschlaf seine wahren Gefühle ausgeplaudert hat und versteht nicht, wieso Haru ihn immer weiter von sich stößt. Bis eine Dancekompetition ansteht und Haru mit seiner früheren Partnerin und seinem größten Feind zusammenarbeiten muss. Können sie die Vorurteile einer gleich-geschlechtlichen Beziehung in Korea überwinden und zusammenfinden?

Meine Meinung

Kurz vorm Pride Month wird das Thema queere Geschichten im K-Pop leider wieder brandaktuell. Denn Korea selbst ist, was die Akzeptanz angeht, leider auch noch ziemlich rückständig. Besorgniserregend und traurig wird es aber leider, da frisch die Nachricht aus Russland kam, dass eine junge Frau ins Gefängnis muss. Ihr Verbrechen: Sie hat auf einer Fanfictionseite eine Geschichte über zwei Stray Kids Member geschrieben und damit eine schwule Liebesgeschichte.
Mit der Frage, wie schwer es für Idols grundsätzlich mit dem Dating ist, hat Autorin Ari N. Kang bereits in zwei Bänden der EdenS Reihe behandelt. Doch diesmal ist sie noch einen Schritt weitergegangen und hat sich damit befasst, was wäre, wenn zwei Member der gleichen Gruppe sich ineinander verlieben. Oder sich nur einer von beiden verliebt und dies in einem unbedachten Moment unbewusst preisgibt.
So ist die Ausgangsituation in EdenS Secret. Haru wusste sich nicht zu helfen und ist mit dieser Information erst einmal in Hiatus (eine Auszeit von allen Aktivitäten im K-Pop). Doch Honey und sein Geständnis geht ihm nicht aus dem Kopf. Es folgt eine Reise, in der er sich mit seiner Sexualität auseinander setzen muss. Auf der anderen Seite haben wir Honey, der nicht weiß, was er da preisgegeben hat und der in der Vergangenheit bei einem unfreiwilligem Outing auch bereits sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Für ihn ist vom einen auf den anderen Tag ein guter Freund einfach verschwunden, der ihn fortan meidet. Er kämpft mit sich und seinen Gefühlen und will doch nur wieder den Ausgangspunkt zurück.
Denn das Idol-Dasein hat so schon genügend Stolpersteine, die hier mit dem Auftauchen von neuen Charakteren aus anderen Gruppen gezeigt werden. Denn mit Bone taucht Harus größter Konkurrent und erklärter Erzfeind auf. Mit seiner unfreundlichen Art bringt er den sonst eher ruhigen Member ziemlich auf die Palme. Doch dahinter steckt ein ziemliches Problem mit geplatzten Träumen, strengem Management und wenn das Konzept einer Band nicht aufgeht. Ich möchte hier nicht zu viel vorweg nehmen, aber die Autorin macht hier einige Ebenen auf, die sie aber auch gut umsetzt, ohne, dass das Hauptthema zu kurz kommt – und vielleicht wurden weitere Geschichten angeteasert, vielleicht interpretiere ich auch nur zu viel hinein. Ich werde auf jeden Fall berichten, sobald ein neues Abenteuer der Band EdenS6 in meinen Händen landet.

Das Fazit

Edens Secret nimmt sich einer gleichgeschlechtlichen Liebe an und kann die Thematik respektvoll und doch nah genug an einer möglichen Wirklichkeit im K-Pop behandeln. Mit vielen Insides aus dem Business schafft Autorin Ari N. Kang erneut eine mitreißende Geschichte rund um ihre Band EdenS6.