Last Night in Soho

Ein Vorwort

Als ich den Trailer vom neusten Edgar Wright Film sah, war ich sofort Feuer und Flamme. Das es kein Gute Laune Film werden würde, war mir klar, aber noch nicht so richtig in welche Richtung es gehen sollte – also tatsächlich mal ein Trailer, der nicht zu viel verriet. Dass es sich um einen Horror-Thriller handelte und damit so gar nicht mein Genre ist, habe ich erst später erfahren. Doch meine Begeisterung war bereits zu hoch und die vielen positiven Rezensionen taten ihr übriges. Wie er mir letztlich gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Eloise (Thomasin McKenzie) zieht von Cornwall, wo sie bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist und deren Liebe zu den 60ern aufgenommen hat, nach London. Sie wurde dort an einer Design Uni angenommen. Nachts träumt sie von einer jungen Sängerin namens Sandy (Anya Taylor-Joy), die es in den 60ern versucht zu etwas zu bringen. Schnell wird Sandy ihr Idol. Doch die Träume ändern sich zunehmends und bald wird Eloise auch im wachen Zustand verfolgt.

Meine Meinung

Ich mag die Cornetto-Reihe und auch Baby Driver konnte mich begeistern. Mit Scott Pilgrim hingegen kann ich recht wenig anfangen. So war ich auf den neusten Film von Regisseur Edgar Wright gespannt. Doch auch wenn Last Night in Soho handwerklich deutlich seine Handschrift trägt, ist der Film doch ganz anders aufgebaut als seine bisherigen Werke.
Zunächst lernen wir Eloise kennen. In wenigen Szenen wird ihre Faszination für die Swinging Sixties deutlich. Schon begleiten wir sie auf den Weg in die Großstadt London. Wer ebenfalls aus einer Kleinstadt oder einem Dorf kommt, wird ihren Schock und die gleichzeitige Faszination begreifen. Gleichzeitig tauchen hier die ersten kritischen Szenen auf, die aufzeigen, wie Alltagssexismus aussieht. Weiter geht es mit Neid, Missgunst und ersten Anzeichen von Mobbing. Kein Wunder also, dass sich unsere Protagonistin am liebsten wegträumen würde. Und wieso nicht in die Swinging Sixties, die sie so gern mag.
Nach einem Umzug in eine kleine Wohnung bei einer strengen älteren Dame – Diana Riggs letzte Rolle. Hier scheint sie ihre Ruhe in ihren Träumen zu finden, aber auch Stärke durch ihr neues Vorbild Sandy. So scheint alles so viel besser zu sein, dass Eloise aufhört zu leben und sich in ihren Träumen verliert. Doch dann kommt der Turn und sie muss erkennen, dass auch die Sixties so ihre Probleme haben.
War der erste Teil ein beschwingtes Wegträumen von der Realität und so ziemlich das, was ich mir nach dem Trailer erhofft hatte, kommt nun das böse Erwachen. Sowohl für die Potagonistin als auch für mich. Dabei hält Wright das sehr hohe handwerkliche Niveau und beweist wieder einmal sein Händchen die Szenen perfekt zur Musik zu synchronisieren. Doch die Tonalität ändert sich rapide und wird zum angekündigten Horror-Thriller.
Hier beweist Wright einmal mehr, was ein Film wirklich kann und wofür Kino da ist. Denn die ganze Atmosphäre hüllt einen ein und reißt einen mit. Für mich als Angsthase war das eine sehr schwere Erfahrung.
Leider wurde gerade dieser Part dann auch sehr ausgeschlachtet. Irgendwann hat man die Intention einfach verstanden und braucht nicht noch eine Szene, in der sie von gesichtlosen grauen Männern verfolgt wird. Ein paar Minuten kürzer hätte dem Film durchaus gut getan.
Last Night in Soho lebt regelrecht von den beiden Hauptdarstellerinnen Thomasin McKenzie und Anya Taylor-Joy. Letztere hat zwar in vielen Szenen ihr übliches stoisches Gesicht aufgesetzt, was sie schon in einigen Filmen und Serien gezeigt hat. Ist es hier noch passend, bleibt doch zu hoffen, dass sie doch bald wieder mehr Split und weniger Queens Gambit zeigen darf. Hingegen bleibt Diana Rigg in ihrer letzten Rolle weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das ist etwas schade, mindert den Wert ihrer Darstellung jedoch nicht.
Letztlich ist der Film eine wunderbare Hommage an die Sixties, aber hebt gleichzeitig den Zeigefinger und weist daraufhin, die Epoche nicht zu glorifizieren, da auch sie ihre Abgründe hat. Gleichzeitig zeigt der Film, dass auch in der Gegenwart noch Abgründe liegen und es nicht reicht auf die Vergangenheit zu deuten und zu sagen, wie es damals war. Das ganze wird verpackt in einen spannenden und absolut mitreißenden Horror-Thriller, der wie gesagt für schwache Nerven wie bei mir sehr grenzwertig ist.

Das Fazit

Last Night in Soho ist ein handwerklich brilliant inszenierter Horror-Thriller, der Spannung durch Atmosphäre und Musik erzeugt, die so mitreißend sind, dass man sich mit schwachen Nerven überlegen sollte ihn zu sehen. Bis auf ein paar kleine Längen gegen Ende weiß der Film immer den richtigen Ton zu treffen. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Last Night in Soho läuft seit dem 11.11.2021 in den deutschen Kinos

Contra

Ein Vorwort

Sönke Wortmann inszeniert nach der Vorname eine zweite französische Adaption und damit gleich den zweiten Film mit Christopher Maria Herbst innerhalb eines Monats. Diesmal geht es jedoch in eine völlig andere Richtung. Ob der Film auch qualitativ in eine völlig andere Richtung geht, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Richard Pohl (Christoph Maria Herbst) ist Dozent an einer Uni. Doch nach einigen grenzwertigen Äußerungen steht er vor einer Disziplinarsanhörung. Die Lösung: Er soll der Studentin Naima Hamid (Nilam Farooq) helfen, im Rhetorikwettbewerb weiter zu kommen.

Meine Meinung

Contra nimmt sich der leider immer noch aktuellen Diskussion des „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ an. Doch dabei trifft er an mehr als nur einer Stelle einen Nerv und dreht das ganze in den rhetorischen Kontext. Bewusst werden hier – bis auf eine eher gewollt geschriebene Szene – keine leeren Phrasen reproduziert, sondern in einer einfühlsamen Geschichte durchleuchtet.
Denn Richard Pohl ist zwar auf dem ersten Blick das Klischee des alten weißen Mannes, der seine gehobene Stellung als Professor ausnutzt, um seine Meinung über die der anderen zu stellen, doch das kippt sehr schnell, wenn er die Rhetorik hinter seinen Aussagen erläutert. Hier wird bewusst kein überzeugter Rassist aufgebaut, mit dem man dann sympathisieren soll, sondern lediglich die alte Garde, die im Laufe des Films lernt, warum political correctness so wichtig ist.
Durch Naima wird dann die Kehrseite der Medaille deutlich. Der Kampf ums Überleben in den ärmeren Randbezirken der Stadt, der Alltagsrassismus, die Erwartungshaltung der Familie und Freunde, die Erwartungshaltung der Gesellschaft, alles prasselt auf sie ein.  Dabei schafft sie es ihre inneren Konflikte in wenigen Sätzen zu äußern. So fühlt man mit ihr mit, ohne, dass sie sich und ihre Gefühle immer wieder erläutern muss. Farooq ist hierfür die ideale Besetzung. Gleichzeitig hat man durch ihre Familie und Freunde auch mehr als einen Anhaltspunkt und sieht so die Situation aus verschiedenen Blickwinkel.
Handlungstechnisch ist natürlich ein gewisser Weg vorgezeichnet, doch an der ein oder anderen Stelle weiß die Handlung durchaus zu überraschen. Dabei schafft sie es sogar bis auf zwei Szenen auf bewusst provokative Dialoge zu verzichten. Klar werden die Rhetorikwettbewerbe nicht vollständig gezeigt und lassen den Fokus sehr einseitig auf der Protagonistin. Doch dies reicht zum Verständnis des Werdegangs und ihrer Entwicklung vollkommen aus. Dabei bleibt der Film auf einem spannenden Niveau und schafft die ernste Thematik trotz lockerer Grundstimmung vernünftig zu vermitteln.

Das Fazit

Contra ist ein Film, der mit einem ernsten Thema in lockerem Tonfall umgeht, gleichzeitig aber spielend viele Situationen schafft, aus denen gelernt werden kann. Die Besetzung aus Farooq und Herbst harmoniert wunderbar. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Contra läuft seit dem 28.10.2021 in den deutschen Kinos

Dear Evan Hansen

Ein Vorwort

Ich bin ein großer Musical-Fan. Doch vor der Verfilmung hatte ich von Dear Evan Hansen nur am Rande gehört, was wohl auch damit zusammenhängt, dass es – meines Wissens nach – noch keine deutsche Aufführung hatte. Umso überraschter war ich, dass die Lieder im Film ins Deutsche übersetzt sind, was mit ein Kritikpunkt bei vielen war. Wie mir der Film gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Evan Hansen (Ben Platt) kämpft mit Panikattacken und Depressionen. In seiner Therapie wird ihm geraten, dass er sich jeden Tag einen Brief an sich selbst schreiben soll. Diesen klaut ihm sein Mitschüler Connor (Colton Ryan) und steckt ihn ein. Am nächsten Tag wird er ins Büro des Direktors gerufen, um Connors Eltern zu treffen. Denn dieser hat Suizid begangen. Das einzige, was die Eltern fanden, war der Brief, den sie für einen Abschiedsbrief an den besten Freund halten. Evan landet in einem Lügenkonstrukt, weil er so endlich Aufmerksamkeit bekommt.

Meine Meinung

Musicalverfilmungen sind nach dem Fiasko mit Cats auch seltener geworden. Nun hat sich Stephen Chbosky nach Vielleicht lieber morgen und Wunder an die Vorlage gewagt. In seinen bisherigen Filmen bewies er, dass er durchaus mit schwierigen Themen umgehen kann und die Themen auf Augenhöhe mit Jugendlichen vermitteln kann. Jetzt kam allerdings noch der Musicalteil dazu.
Mit Ben Platt als Hauptdarsteller konnte er wohl wenig falsch machen, immerhin spielte dieser die Rolle bereits am Broadway und gewann für die Rolle Tony und Grammy. Das zeigt sich auch im Film, denn die Rolle scheint ihm in Fleisch und blut übergegangen zu sein. Die Handlung selbst kommt eher langsam ins Rollen. Wir lernen Evan und seine Mutter kennen, die eher knapp über die Runden kommen. In der Schule sind es die typischen Rollenbilder, die reproduziert werden. Doch nach und nach wird davon immer mehr abgewichen. Die Charaktere bekommen Tiefe, Ecken und Kanten. Umso schader ist es, dass auf das Thema Suizidprävention oder der Umgang mit Depressionen kaum eingegangen wird.
Stattdessen wird sich an den üblichen Dramenaufbau gehalten, die Wendung gegen Ende kommt wenig überraschend.
Die Musicalnummern sind bis auf wenige Ausnahmen wenig mitreißend. Die Melodien sehr einfach und wiederholend. Hier ist es schwierig zu beurteilen, wie viel durch die eher mühsame deutsche Übersetzung verloren ging und wie viel vorher da war.
Worauf sich der Film aber durchaus versteht, sind Emotionen. Diese transportiert er so gut, dass einem die Geschichte sehr nah geht. Eine große Packung Taschentücher ist hier überaus empfehlenswert. Denn auch, wenn ich an einigen Stellen die Vertiefung der Thematik vermisst habe, so sind es doch die Sichtweisen Betroffener, sei es trauernder Angehöriger oder eben die Mitschüler*innen, die mit Depressionen oder anderen nicht sichtbaren Erkrankungen kämpfen, die den Film bereichern.
Schauspielerisch wartet der Film gerade bei den „Erwachsenen“ aus. Julianne Moore, Amy Adams oder auch ein Danny Pino geben sich die Ehre. Doch die „Jungdarsteller“ müssen sich keinesfalls verstecken, schaffen sie es doch ebenso die Emotionen rüberzubringen und ihre Charaktere die nötige Tiefe zu verleihen.

Das Fazit

Dear Evan Hansen überzeugt gerade durch Charaktere, Darsteller und Emotionen. Handlungstechnisch ein wenig zu vorhersehbar, es gibt keine Auseinandersetzung mit den Themen und die Musicalnummer sind (zumindest im Deutschen) sehr unspektakulär. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Dear Evan Hansen läuft seit dem 28.10.2021 in den deutschen Kinos

Mona – und täglich grüßt der Erzdämon

Ein Vorwort

Kennt ihr diese Bücher, von denen ihr hört und ihr müsst sie einfach lesen? So erging es mir bei Mona von I. B. Zimmermann. Kurzerhand bewarb ich mich auf ein Rezensionsexemplar und als ich schon kurz davor war, es mir einfach zu kaufen, kam doch noch die Rückmeldung und das Reziexemplar an. Warum mich das Buch auch tatsächlich so begeisterte, wie ich es mir erhofft hatte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Mona Nosferatuh ist eine Junghexe Stufe 9, hat aber Probleme ihre Kräfte unter Kontrolle zu halten. Sie tritt ihren neuen Job im Museum an und trifft dort auf den Vampir Boris, den Werwolf Ben und die Skelettin Bärbel. Bei einem Einbruch ins Museum beschwört sie einen Dämon herauf. Doch Balthazar ist fortan an sie gebunden und muss immer erscheinen, wenn sie Hilfe benötigt. Beide versuchen sich mit dem Bund anzufreunden und dann kommen noch Gefühle dazu.

Meine Meinung

Erst einmal große Entwarnung. Auch wenn der Untertitel des Buches es suggeriert, es ist keine Und täglich grüßt das Murmeltier Story. Keine Zeitschleife, dafür jede Menge Übernatürliches. Wir haben hier alles von Hexen, Werwölfe, Vampire, Feen, Dämonen, einfach alles. Aber wer jetzt eine schnulzige Liebesgeschichte mit Biss erwartet, liegt ebenfalls falsch. Denn Mona ist vieles, aber kein Alltagsbrei.
Das beginnt schon mit der Protagonistin Mona. Sie ist komplett aus dem Leben gegriffen. Eine junge Frau, die so schon ihre Probleme im Alltag hat und dann auch noch als Junghexe oftmals komplett überfordert ist. So nahbar und nachvollziehbar war schon lange keine Protagonistin mehr. Und ihre Freund*innen sind einfach nur cool. Sei es Boris, der Vampir, der versucht vegan zu leben. Ben, der Werwolf, der gerne zwischen menschlicher und hündischer Gestalt wechselt. Bärbel, die Skelettin mit dem schiefgelaufenen Fluch, die zur Kommunikation Scharade spielen muss. Oder eben Balthasar, der Erzdämon. Zigarren rauchend, stets cool und immer mit diesem schelmischen Grinsen.
Die Geschichte lässt sich dabei Zeit, um die Charaktere in den verschiedenen Situationen miteinander zu agieren. Man könnte auch sagen, dass die Geschichte viele Kurzgeschichten enthält, die irgendwo mit dem Haupthandlungsstrang verbunden sind. Das wäre bei anderen Autor*innen vielleicht zäh geworden, nicht so bei Frau Zimmermann. Sie bringt so viele skurill schöne Ideen ein, dass jede „Nebenquest“ Spaß macht beim erkunden. So verfliegen die 475 Seiten nur so und man möchte doch immer mehr erkunden.
Denn das ist auch der Hauptfokus des Buches: Es macht beim Lesen einfach Spaß. Die Autorin beschreibt es nicht umsonst als „Funtasy mit Biss“. Ich bin an mehreren Stellen nicht mehr aus dem Lachen herausgekommen. Der wunderbar lockere Schreibstil ist dabei ebenso hilfreich.
Das große Finale ist dann auch genau das, worauf das Buch die ganze Zeit hingearbeitet hat. Spannend, mitreißend und alle Charaktere dürfen noch einmal zeigen, was in ihnen steckt. Nur der Cliffhanger in der letzten Szene ist echt fies. Hier kann man nur hoffen, dass der zweite Band möglichst bald kommt, denn ich kann von Mona nicht genug kriegen.

Das Fazit

Mona vereint viele bekannte Elemente, macht darauf aber eine ganz besondere übernatürliche Mischung. Der Schreibstil ist locker, die Handlung macht unheimlich viel Spaß und die Protagonistin ist eine der nahbarsten, die ich je gelesen habe. Große Leseempfehlung an dieser Stelle!

Mona wurde mir von der Autorin und dem Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

The Eternals

Ein Vorwort

Marvel versucht sich in der vierten Phase noch zu finden und startete eine Phase mit einer Mischung aus bekannten Held*innen und ganz neuen Projekten. Nach Black Widow und vor dem dritten Spider-Man durfte nach Shang-Chi uns nun die Eternals ihren ersten Auftritt im MCU (=Marvel Cinematic Universe) machen. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Für Eternals muss kein Marvel Film vorab zwingend zum Verständnis gesehen werden. Grundsätzlich ist es sinnvoll für ein paar Anspielungen die Handlung aus Avengers Infinity War und Avengers Endgame zu kennen. Der Film funktioniert aber auch das Vorwissen.

Die Handlung

5000 v. Chr. werden zehn Eternals zur Erde geschickt. Sie sollen sie dort vor den sogenannten Deviants schützen, dürften sich aber nicht in die Menschheitsgeschichte einmischen. Das führt ab einem gewissen Punkt zu Spannungen im Team und sie trennen sich. In der Gegenwart werden Sersi (Gemma Chan) und Sprite (Lia McHugh) von einem Deviant angegriffen, die sie für ausgestorben hielten. Ikaris (Richard Madden) kommt ihnen zur Hilfe. Zusammen ziehen sie los, um das Team wiederzuvereinen und die Emergenz bevorsteht.

Meine Meinung

Das nach Endgame neue Wege im MCU beschritten werden mussten, stand fest. Mit den Serien Loki und What If wurde dann auch festgelegt, dass es wohl in die Richtung der Multiversen geht. Hierfür benötigte man aber neue Teilnehmer*innen, da viele der ursprünglichen Avengers ausgestiegen sind. Da boten sich die Eternals regelrecht an. Dennoch hat der Film einige Schwachstellen und es bleibt fraglich, wie sie in zukünftige Projekte eingebunden werden sollen. Doch von vorne
Während bei Star Wars der am Anfang durchrollende Text mit Erklärungen einfach Kult ist und irgendwie auch noch zu den neuen Filmen dazugehört, so wirkt dies doch in einer Großproduktion wie bei Marvel irgendwie ideenlos. Zumal es darum ging drei grundsätzliche Begrifflichkeiten zu klären, die man im darauffolgenden sowieso noch einmal bildlich erklärt bekommt. Das ist jetzt zwar nichts gravierendes, steht aber symbolisch für vieles im Film.
Die Einführung der Charaktere im Zusammenhang mit mehreren geschichtlichen Ereignissen funktioniert gut und verdeutlicht, wieso sie so lange auf der Erde lebten, ohne in die bisherigen Ereignisse eingegriffen zu haben. Die folgende Handlung wird in der Gegenwart mit mehreren Rückblenden erzählt. Dadurch verzögert sich das sowieso schon lange zusammenraufen der Gruppe und man wird immer wieder aus dem Fluss gerissen. Dabei sind die Rückblenden mitunter spannender als die eigentliche Geschichte. Das Problem ist hier auch, dass es zehn neue Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten sind, die alle irgendwie vorgestellt werden wollen. Das klappt nur bedingt und so denkt man ab einbem gewissen Punkt, dass die Gruppe wieder vollständig ist und doch fehlt immer noch jemand.
Und sobald alle wieder versammelt sind, kommt der – eigentlich überhaupt nicht – unerwartete Plottwist. Ab hier wird es eine altbekannte Weltrettungsmission, in der natürlich alle über sich hinauswachsen. Ergo: Der Film traut sich handlungstechnisch nichts, sondern reproduziert alte Erzählstrukturen.
Dennoch funktioniert der Film. Das liegt wohl daran, dass die Charaktere durch ihre Vielfältigkeit punkten können. Auch wenn einige zu kurz kommen oder gar blass bleiben, macht es die Mischung. Und auch, wenn sich die Handlung mitunter zieht und einiges unfreiwillig vorhersehbar ist, wird es nie langweilig.
Am enttäuschendsten ist wohl das Ende. Denn mit einer Lauflänge von 157 Minuten wurde sich gut Zeit gelassen, um die Eternals vorzustellen. Nur, dass sie am Ende so positioniert werden, dass sie vermutlich in den kommenden Filmen keine Relevanz haben werden. Das ist schade, denn von einigen Charakteren möchte ich unbedingt mehr sehen.

Das Fazit

The Eternals wirken etwas lieblos ins MCU eingeführt. Trotz einiger spannenden Sequenzen und Handlungsstränge kann die Haupthandlung nicht überzeugen. Neben einigen tollen Charakteren gibt es zu viele blasse und das Ende katapultiert sie ähnlich wie Captain Marvel in die Bedeutungslosigkeit. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

The Eternals läuft seit dem 03.11.2021 in den deutschen Kinos.

PS: Wie für Marvel üblich gibt es sowohl eine Midcredit, wie auch eine Postcreditscene. Also sitzenbleiben bis zum Schluss 😉

Eine Handvoll Serien – 6/21 – Reportagenspecial

Herzlich Willkommen zur sechsten Ausgabe der serientastischen Handvoll in diesem Jahr – einem Reportagenspecial. Heute mit dabei: Eine chaotische Köchin, einem fancy Motel, Aufräumen mal anders, traumhaften Häusern und Zickenkrieg in Australien.

Cooking with Paris – Staffel 1

Die Handlung: Paris Hilton hat ihren Ruf als IT-Girl und Partymaus hart erarbeitet. Doch nun will sie es ruhiger angehen lassen und sesshaft werden. Damit sie ihren Verlobten auch kulinarisch verwöhnen kann, versucht sie sich an einigen Rezepten. Dabei bekommt sie prominente Unterstützung.

Meine Meinung: Man kann von Paris Hilton halten, was man möchte, aber die Frau weiß sich zu vermarkten. Wie viel von der hilflosen Blondine in gewagten Designeroutfits gespielt ist und wie viel wirklich sie, vermag ich nicht zu sagen. Auf jeden Fall versteht sie etwas von gewagtem Auftritt. Auch die Kochshow selbst wirkt wie eine einzige Selbstinszenierung. Daneben wirkt Kim Kardeshian wie die Vorzeigehausfrau schlechthin. Wenn man die Serie aber mit einem gewissen Augenzwinkern betrachtet, funktioniert sie erstaunlich gut. Die Rezepte sind abwechslungsreich und aufwendig. Die grundsätzliche Überforderung beim Kochen für Anfänger*innen ist oftmals durchaus nachvollziehbar. Es ist eher das drum herum – ich meine wer kocht freiwillig im Abendkleid und mit Seidenhandschuhen? – das so herrlich abstrus wirkt. Sagen wir für die leichte Unterhaltung zwischendurch funktioniert die Serie erstaunlich gut. Man sollte nur keine Erwartungen an sie haben.

Motel Makeover – Staffel 1

Die Handlung: Die Freudinnen April und Sarah haben bereits ein Motel zusammen eröffnet. Nun wollen sie ein weiteres übernehmen. Dafür suchen sie sich ein heruntergewirtschaftetes und verpassen ihm ihren ganz eigenen Stil.

Meine Meinung: Eigentlich hatte ich nur durch Zufall auf die Serie geklickt, wollte nur kurz reinschauen. Dann war ich kurzzeitig abgeschreckt, weil es um ein Renovierungsprojekt über eine ganze Staffel geht. Ich befürchtete, dass es sich dadurch ziehen könnte. Doch schon nach einer Folge konnte ich nicht mehr wegschalten und habe die Staffel in drei Tagen durchgebinged. Dabei ist es vor allem die positive Art der beiden Freundinnen, die mich immer wieder mitgerissen hat. Ihre Vorliebe für gewisse Farben und einem guten Rosé sorgte fast dafür, dass ich meinen Weinvorrat aufgestockt hätte. Aber auch darüber hinaus ist es spannend, auch wenn die beiden sich eher durch überspielte Inkompetenz auszeichnen. Dennoch funktioniert es gut, da die beiden sich an den wichtigen Stellen Hilfe holen und genau wissen, wo ihre Stärken sind. Letztlich ziehen sich die Renovierungen tatsächlich aber eher Corona geschuldet. Mir hat die Serie gut gefallen und ich freu mich schon auf das nächste Projekt der beiden.

Glück und Freude mit Marie Kondo – Staffel 1

Die Handlung: Nach ihrem Aufräumerfolg ist Marie Kondo mit einer neuen Serie zurück. Auch diesmal geht es rund um das Thema Aufräumen. Sowohl am Arbeitsplatz als auch – und hier vorallem – im Leben der Teilnehmer*innen. Dabei will sie Glück und Freude verteilen.

Meine Meinung: Marie Kondo hat für eine weltweite Welle gesorgt. Entweder mochte man ihren Aufräumstil und hat ihre Tipps und Tricks auch gleich umgesetzt, sowie bei mir, oder man konnte damit wenig anfangen. Doch ihre Standardfrage „Does it spark joy?“ (Deutsch = Entfacht es Freude?) ist noch immer in aller Munde. Nun kam keine direkte zweite Staffel, sondern eine neue Kurzserie mit drei Folgen. Diesmal geht es primär um Arbeitsplätze, die es gilt aufzuräumen. Dabei geht Marie jedoch tiefer und packt Probleme an der Wurzel, die meistens im familiären liegen. So schafft sie es mit ihren Aufräumaktionen Glück und Freude ins Leben der Teilnehmer*innen zu bringen. Dabei sind es die Geschichten, die einen mitnehmen und mitfiebern lassen. Gespickt wird es auch hier mit einigen schönen Aufräumtipps, die man gut umsetzen kann. Denn am Arbeitsplatz ist vieles einfach nötig, entfacht aber nicht unbedingt Freude. Dabei ist Marie mit ihrer Art wieder ein wichtiger Bestandteil der Serie, drängt sich jedoch nicht in den Vordergrund, sondern lässt die Geschichten für sich sprechen.

Traumhaus Makeover – Staffel 1-2

Die Handlung: Shea McGee hat zusammen mit ihrem Mann eine Renovierungsfirma gegründet. Egal, ob das ganze Haus oder nur einzelne Zimmer, egal ob großes oder kleines Budget, die McGees kümmern sich um alle Wünsche. Mit ihrem unvergleichlichen Einrichtungsstil treffen sie dabei immer ins Schwarze. 

Meine Meinung: Nachdem mir Motel Makeover so gut gefiel, bin ich bei den Empfehlungen bei den Traumhäusern gelandet. Bereits nach einer Folge hatte mich auch diese Serie gefangen und ich habe in kürzester Zeit beide bereits erschienen Staffeln durchgebinged. Auch hier sind es vor allem die McGees, die durch ihre grundsympathische Art einen gefangen nehmen. Hinzu kommt auch, dass die Projekte teilweise wirklich spannend sind und man das Endergebnis sehen will. Hier wird im Gegensatz zum Motel in jeder Folge ein anderes Projekt vorgestellt. Dabei reicht die Palette von einzelnem Raum zu ganzem Haus. Alles ist möglich. Interessant fand ich auch, dass es diesmal auch alle möglichen Budgets gab. Also auch kleine Budgets berücksichtigt wurden. Demnach gab es dann eher kleinere Änderungen, aber sie wurden nicht von vornherein abgelehnt. In Staffel zwei ist dann auch Corona und die Auswirkungen wieder mit enthalten, da es sich mit den Dreharbeiten überschnitten hat. Auch hier ist es interessant, wie in der Branche und den USA damit umgegangen wurde.

Instant Hotel – Staffel 1-2

Die Handlung: In Australien wird es immer mehr zur Mode das eigene Heim auch als Hotel anzubieten, also daraus ein sogenanntes Instant Hotel zu machen. Verschiedene Besitzer*innen treten gegeneinander an, um herauszufinden, wer Australiens bestes Instant Hotel hat.

Meine Meinung: Nachdem mir die beiden Makeover Serien so gut gefielen, hat mir Netflix diese Serie vorgeschlagen.Durch einen Fehler auf der Streamingplattform begann ich mit Staffel 2. Hier lernen wir vier Paare kennen, die ihre Instant Hotels nach einander präsentieren. Die besten zwei kommen ins Finale. Neben den anderen Paaren gibt es eine Jury aus zwei professionellen Bewerter*innen. Das hat vergleichsweise gut geklappt, auch wenn ein paar ziemlich arrogant und zickig war, aber hey, das hat zumindest für Stimmung gesorgt. Wirklich schlimm wurde es erst, als ich mir danach noch die erste Staffel ansah. Denn hier gab es zwei Runde mit je fünf Paaren und nur einer professionellen Jurymeinung. War ich schon über die Zickereien in der ersten Runde erstaunt, versetzte die zweite der Serie den Todesstoß. Nur Intrigen, Lügen, Bevorteilung und Zickereien. Es war echt ein Armutszeugnis. Für so ein Niveau kann ich auch nachmittags ins Privatfernsehen schalten. Hätte ich mit der Staffel angefangen, hätte ich die zweite wohl nie gesehen. Wer auf niveauvolle Unterhaltung steht, sollte von dieser Serie die Finger lassen.

Habt ihr eine davon gesehen? Wie fandet ihr sie?

Venom – let there be carnage

Ein Vorwort

Nachdem Sony Spider-Man an Disney verkauft hat, allerdings nur mit einer begrenzten Wahl an Antagonist*innen, versuchten sie selbst ihr Franchise aufzubauen. Doch nach den vielen Problemen des ersten Teils, glaubte wohl kaum noch jemand an einen zweiten Teil. Aber das hält ja bekanntlich in Hollywood niemanden ab. Nur sah der Trailer wenig vielversprechend aus. Warum ich den Film nicht so schlecht fand, wie befürchtet, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

In Venom stürzt ein Raumschiff der Life foundation ab. An Bord vier Symbionten. Während drei eingefangen werden können, flieht der vierte, in dem er Besitz von einer Ärztin ergreift. Gleichzeitig hat der Journalist Eddie Brock ein Interview mit dem Chef der Life Foundation Dr. Carlton Drake. Als er sich jedoch kritisch ihm gegenüber äußert, lässt, dieser ihn entfernen. Brock verliert kurz darauf seinen Job und seine Verlobte, die ebenfalls ihren Job verliert. Sechs Monate später wird Brock um Hilfe gebeten. Eine Mitarbeiterin bei der Life Foundation ruft ihn wegen ethischer Bedenken an, da die Experimente mit den Symbionten auf Menschen ausgeweitet werden sollen. Bei einem gescheiterten Befreiungsversuch nimmt ein Symbiont Besitz von Eddie, der kurz darauf übermenschliche Kräfte an sich feststellt. Dies lässt er von dem neuen Freund seiner ehemaligen Verlobten Anne untersuchen, der ihm kurz darauf mitteilt, dass er von einer Art Parasit befallen sei. Da Drake inzwischen von Brocks Einbruch weiß, setzt er eine Söldnergruppe auf ihn an. Bei der Flucht kommt es wieder zu seltsamen Ereignissen und Eddie flieht schließlich in veränderter Gestalt vor der Polizei.
Wieder bittet er Anne und ihren neuen Freund um Hilfe. Sie schaffen es Venom, so hat sich der Symbiont vorgestellt, von Eddie zu lösen, dieser kann jedoch fliehen. Zeitgleich sterben die anderen zwei Symbionten bei der Life Foundation, doch der vierte, der beim Absturz fliehen konnte, ergreift Besitz von Drake. Dieser will nun ein Raumschiff fertig machen, um noch mehr Symbionten auf die Erde zu holen, wodurch jedoch das Leben auf ihr vernichtet wird. Venom will das verhindern und verbindet sich wieder mit Eddie. Es kommt zum großen Kampf zwischen den beiden Symbionten. Dabei wird Drake zusammen mit seinem Symbionten getötet. Eddie und Venom überleben. Anne und Eddie söhnen sich aus, dennoch verschweigt er ihr, dass Venom überlebt hat und noch immer mit ihm verbunden ist.
In einer Mid-Credit-Scene trifft Eddie wieder in seiner Form als Journalist auf den eingesperrten Serienmörder Cletus Kasady. Damit wird unmittelbar der zweite Teil angekündigt.

Die Handlung

Eddie Brock (Tom Hardy) lebt noch immer mit dem Symbionten Venom in einem Körper. Dies birgt einige Probleme. Doch als er ins Gefängnis gerufen wird, um mit dem Serienmörder Cletus Kasady (Woody Harrelson) zu sprechen, findet Venom den entscheidenden Hinweis, um Cletus der Todesstrafe auszusetzen. Bei der Henkersmahlzeit gibt es einen Zusammenstoß von Kasady und Brock, wodurch dieser kurz sein Blut testet. Kurz darauf kann Kasady fliehen. Doch nicht nur das. Er scheint seinen eigenen Symbionten zu besitzen: Carnage.

Meine Meinung

Der erste Film kränkelte vor allem daran, dass zu viele Regisseure daran herumgedoktort haben und so die Tonalität sich ständig geändert hatte. Nun wurde für den zweiten Teil Andy Serkis verpflichtet. Dieser hat sich als Schauspieler auf jeden Fall einen Namen gemacht, als Regisseur ist er noch eher unbekannt, auch wenn er vorher schon zweimal den Regiestuhl übernahm. Das hat dem Film insofern gut getan, dass er wirklich wirkt, wie aus einer Vision erschaffen.
Nach dem Trailer hatte ich nicht erwartet, dass der Film funktioniert. Ein bisschen witzige Dialoge zwischen Eddie und Venom, und übermäßig viel Action mit Carnage. Herausgekommen sind witzige Dialoge zwischen Eddie und Venom und übermäßig viel Action mit Carnage. Aber! Es gibt tatsächlich so einen Anflug von aufeinander aufbauender Handlung, Charakterentwicklung und Tiefe. Nicht wirklich viel, versteht mich nicht falsch, aber doch deutlich mehr als der Trailer erwarten ließ.
Schon von Anfang an merkt man, dass Eddie und Venom eher schlecht als recht miteinander klar kommen. Neben der Grundhandlung rund um Kasady und später Carnage, geht es auch um das Zusammenleben mit einem Symbionten und die Probleme, die entstehen, wenn man sich mit jemanden den Körper teilen muss. Hier scheint vor allem Venom so eine Art Pubertät durchzumachen und sich von seinem strengen „Vater“ zu lösen. Gerade diese eher kleinen Szenen sind es, die zeigen, was der Film hätte sein können.
Auch die Hintergrundgeschichte von Kasady kommt zunächst einfach viel zu kurz, um dann im Endkampf mal eben eingeworfen zu werden. Das war dann leider der falsche Zeitpunkt, um die Ethik hinter seinen Taten auszudiskutieren. Da hätte vorher ein kritischer Blick deutlich besser getan, hätte dem Film aber mehr geboten. Wobei das verrückte Duo aus Woody Harrelson und Naomie Harris unglaublich viel Charme hat. Man möchte den beiden zwar nie begegnen, aber ihr tragisch verrückte tödliche Liebe schafft es die vielen Actionszenen zu mehr zu machen und auch der Endkampf wird dadurch aufgewertet.
Letztlich schafft Serkis es nicht das Venomverse neu zu erfinden. Er orientiert sich von der Tonalität her stark am Vorgänger, lässt aber viel eigenes einfließen. So ist Let there be Carnage ein Film, den man nett mal weggucken kann, bei dem dann die Schwächen auch nicht so ins Gewicht fallen. Schade ist es, dass man das Potential spürt, dass aber hinter einer belanglosen Actionhandlung verborgen bleibt.
So ist das Sequel nicht die Katastrophe, die ich nach dem Trailer vermutet hatte. Letztlich bleibt auch die Frage, ob ein Antiheld-Actionfilm wirklich Tiefe braucht, oder ob die Skizzierungen dessen bereits reichen. Auf jeden Fall durften sich die Charaktere weiterentwickeln und es war Zeit für ein paar witzige Dialoge, vor allem zwischen Eddie und Venom.

Das Fazit

Venom 2 – let there be carnage schafft es aus dem Schatten des ersten Teils aufzusteigen. Stellenweise erahnt man das Potential einer tiefergehenden Handlung, die dann jedoch von einer Vielzahl von Actionszenen überschattet werden. Letztlich kommt er über ganz nett nicht hinaus. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Venom – let there be carnage läuft seit dem 21.10.2021 in den deutschen Kinos

Talus 2 – Die Magie des Würfels

Ein Vorwort

Im letzten Jahr hab ich euch bereits den ersten Teil „Die Hexen von Edinburgh“ vorgestellt. Mit einem der miesesten Cliffhanger, den ich in den letzten Jahren gelesen habe – vielleicht abgesehen von Ophelia Scale – ließ uns Autorin Liza Grimm ein ganzes Jahr warten. Doch nun ist es endlich da. Ob sich das Warten gelohnt hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Talus, der geheime Würfel der magischen Welt, der den Herzenswunsch, aber auch die größte Angst erfüllt, wurde gewürfelt. Die ersten Folgen sind zu merken. Erin und Kaito sitzen im magischen Gefängnis, bis ihr Mitwirken geklärt ist. Noah versucht das Verschwinden seines Vaters zu klären. Und dann ist da noch Jessica, eine Runenhexe, die mit dem Tod eines geliebten Menschen nicht zurecht kommt. Können sie die Pläne der gefährlichen Caradain aufhalten?

Meine Meinung

Wenn zwischem dem Lesen von zwei Bänden eine zu große Spanne liegt, wird das bei mir oft zum Problem, wenn keine kleinen Wiederholungen eingebaut werden. Diese kleinen Erinnerungsstützen, die nicht stören, wenn man die ganze Reihe in einem wegliest, aber denjenigen hilft, die eine gewisse Spanne dazwischen hatten. Glücklicherweise baut Liza Grimm diese in ausreichendem Maße ein, so bin ich schnell wieder die in die magische Welt unter Edinburgh eingetaucht.
Der zweite Band setzt dort an, wo der erste aufgehört hat. Wir erleben die Protagonist*innen dabei, wie sie die Ereignisse versuchen zu verarbeiten. Doch dafür ist keine Zeit, geschehen sofort wieder allerhand Dinge, die alle in Atem halten. Dabei kommt es zu neuen Bündnissen und vielen Entwicklungen, die ich sehr mochte. Liza Grimm baut ihre Welt weiter aus und schafft damit einen Sog, da man unbedingt immer noch mehr wissen will.
Dennoch war es gerade das erste Drittel, was sich bei mir beim Lesen etwas gezogen hat. Ich bin zwar schnell wieder in die Welt eingetaucht, aber nach der ersten Orientierung gibt es die Momente, wo alle auf der Stelle zu laufen scheinen. Sobald dieser Punkt überwunden war, wurde es wieder so spannend, dass ich, gerade gegen Ende, das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Dabei hat mir die Autorin an mindestens zwei Stellen – wieder einmal – das Herz gebrochen und mit einigen Entwicklungen war ich nicht einverstanden, aber das ändert nichts daran, dass sie logisch ausgearbeitet waren und es halt einfach nicht danach geht, was ich für die Figuren wollte. Und auch wenn es ein bittersüßes Ende war, konnte ich mich gut damit anfreunden, da die wichtigste Entwicklung für mich Bestand hatte.
Die Entscheidung die Geschichte in einer Dilogie zu erzählen, war definitiv die Richtige. Auch wenn ich mir mehr Geschichten aus dieser Welt wünsche und mit den Charakteren gerne mehr Zeit verbracht hätte, so ist die Geschichte doch auserzählt. Hier auf Biegen und Brechen einen dritten Band aus dem Hut zu zaubern, hätte der Spannung nicht gut getan. Und vielleicht gibt es ja irgendwann ein Spin-off und ein erneutes Eintauchen in dieser faszinierende Welt.

Das Fazit

Talus 2 – Die Magie des Würfels ist ein gelungener Abschluss der Dilogie. Alle Fragen werden beantworten und bis auf einen kleinen Hänger im ersten Drittel hält das Buch einen in Atem. Dennoch sollte man Taschentücher bereit stellen.

Es ist nur eine Phase, Hase

Ein Vorwort

Deutsche Filme boomen gerade im Kino. Sind nicht nur zeitgleich Es ist nur eine Phase, Hase und Fly gestartet, so erwartet und Christoph Maria Herbst Ende des Monats auch noch in Kontra. Beckenrand Sheriff ist noch nicht lange her, Die Schachnovelle läuft noch und Wunderschön steht auch nach längerer Verschiebung in den Startlöchern. Warum man Es ist nur eine Phase, Hase durchaus aus dieser Aufzählung streichen könnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Paul (Christoph Maria Herbst) und Emilia (Christiane Paul) sind verheiratet, haben drei Kinder und werden von ihrem Freundeskreis gerne als das perfekte Paar bezeichnet. Doch beide sind festgefahren und vor allem Emilia ist zunehmend unglücklich. Daher beschließen sie eine Pause einzulegen. Begleitet von ihren Freund*innen diskutieren sie die Alterspubertät und versuchen herauszufinden, was sie vom Leben wollen.

Meine Meinung

Habe ich zuletzt bei Beckenrand Sheriff noch gelobt, dass der deutsche Film sich gebessert hätte und deutsche Komödien auch gut funktionieren können, wird hier wieder jegliches Klischee bedient. Nach dem Trailer hatte ich meine Erwartungen schon stark heruntergeschraubt, doch das war nur die Spitze des Eisberges.
Dabei beginnt der Film gar nicht mal so übel. Wir lernen die Eheleute Paul und Emilia kennen, die auf den ersten Blick eine gute Ehe führen. Doch bald werden die Probleme deutlich. Sie sind gefangen in ihrem Alltag und Beziehungsmustern und sehnen sich nach der Zeit als sie frisch verliebt und spontan waren. Bis hierhin ist der Film und auch die Charaktere absolut nachvollziehbar. Doch bald wird das Niveau des Films deutlich, wenn eine im Poloch steckende Kugel Thema für mehrere komplett ausgespielte Szenen ist. Leider bleibt es auch nicht bei diesem Ausrutscher, den zumindest die Zielgruppe Ü-40 lustig findet, sondern ist lediglich der Auftakt für einen Film voller Fremdschampotential. Seien es die Lack- und Lederversuche, die in einer Absurdität ins Lächerliche gezogen werden, dass es nicht mehr lustig ist, sei es eine minutenlange Szene über eine Prostatauntersuchung, die nach einem kurzen Anfangsgag schon die Messlatte fürs Fremdschämen sehr hoch legte, dann aber noch bis ins unendliche ausgespielt wurde.
Schauspielerisch ist Es ist nur eine Phase, Hase eigentlich gut aufgestellt, passen Christoph Maria Herbst und Christiane Paul doch gut zusammen und bieten für das schlechte Drehbuch ein erstaunlich hohes Niveau. Wobei zwischen den ganzen abstrusen Szenen sich auch ernste und tiefgründige Szenen verstecken. Leider muss man diese zwischen den schnellen Gags und ausgespielten Peinlichkeiten eher suchen.
Es hätte ein Film über das Älterwerden sein können, das sich auf humorvolle Art mit den damit einhergehenden Problemen befasst. Vielleicht hat die Buchvorlage auch genau das – ich hab sie nicht gelesen, kann also die Umsetzung nicht beurteilen. Stattdessen sind alle Klischees übers Älter werden vorhanden und verbreiten nur eine Botschaft: Werdet nicht alt, dann scheitern alle Beziehungen.

Das Fazit

Es ist nur eine Phase, Hase ist seit langem der Film mit dem größten Fremdschäm-Potential. Statt das Thema humorvoll anzugehen, wird auf billige Gags gesetzt, die minutenlang ausgespielt werden. Daran ändern auch die guten Schauspieler*innen nichts. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Es ist nur eine Phase, Hase läuft seit dem 14.10.2021 in den deutschen Kinos

Monsterwochen #4 – Die Musik der Nacht

Herzlich Willkommen zur vierten Ausgabe der Monsterwochen in diesem Jahr. Nach Dracula und Frankenstein im letzten Jahr, wollen wir uns in diesem Jahr mit dem Phantom der Oper auseinander setzen. Heute geht es um die Musicals.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in vier Beiträgen um Das Phantom der Oper in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und das Phantom der Oper ist ein prominenter Vertreter des Genres!

Das Phantom der Oper

Die Handlung: Nach einem Vorfall bei den Proben zu Hannibal, in der die Übergabe an die neuen Operndirektoren angekündet wurde, ersetzte die junge Baletttänzerin Christin Daae die Diva Carlotta. Dabei entdeckt die der Vicomte de Chagny, der sie aus Kindertagen kennt. Das Wiedersehen der beiden, ruft jedoch Christines heimlichen Lehrer aus den Plan: Das Phantom. Die Eifersucht ist geweckt und es folgt ein Tauziehen der beiden Konkurrenten, um das Herz der jungen Frau. Gleichzeitig gibt es mehrere Vorfälle an der Oper, die auch auf das Phantom zurückzuführen sind.

Meine Meinung: Der einzige Film aus der diesjährigen Reihe, den ich schon vorher kannte und liebe. Die Verfilmung von Andrew Lloyd Webbers Meistermusical. Düstere Klänge, Opernelemente, gepaart mit Musicalmelodien erzeugen ein Gänsehaut erzeugendes Klangmeisterwerk. Auch Schauspielerisch hat der Film einiges zu bieten. In einer Phase, in der Gerard Butler noch nicht mit Vorsicht zu genießen war, gibt er ein Phantom ab, das zwischen Mitleid und Wahnsinn so gekonnt schwankt, dass er einen komplexen Charakter ausbaut. Im Vergleich zum Buch merkt man, dass sich die Geschichte stark daran orientiert, aber auch einige Elemente ändert, ausbaut oder verschiebt. Die größte Änderung dürfte wohl die Hintergrundgeschichte des Phantoms sein, die seine ganze Persönlichkeit verschiebt. Wenn man nur das Musical kennt, kann durchaus die Frage aufkommen, warum er in meinen Monsterwochen behandelt wird, auch wenn hier deutlich Soziapathische Züge aufkommen und man sollte die Leichen beachten, die er hinter sich herzieht. Dennoch sind es alles Änderungen, die nachvollziehbar sind, oder dem Buch eine zusätzliche Ebene geben, die ihm gut getan hätte. Schön fand ich, dass die Rolle der Madame Giry deutlich ausgebaut wurde und wir eine weitere starke und durchsetzungskräftige Frauenrolle gewonnen haben. Dass dafür der Perser (im Buch namenlos und nur darüber definiert) komplett gestrichen wurde und dadurch ein rein weißer Cast genutzt wurde, hinterlässt dagegen einen schalen Nachgeschmack. Dennoch zählt das Musical für mich zur besten Verfilmung.

Love never dies

Die Handlung: Christine und Raoul reisen nach New York und folgen einer mysteriösen Einladung. Nicht ahnend, dass das Phantom noch lebt, treffen sie in Coney Island auf Madame Giry und ihre Tochter. Christine wird spontan für ein Auftritt engagiert. Da das Paar unter Geldproblemen leidet, nimmt sie an. Dort treffen die Eheleute mit ihrem Sohn Gustav auch auf das Phantom. Alte Gefühle und Rivalitäten werden neu entfacht.

Meine Meinung: Wusste ich, dass es eine Fortsetzung zum Musical gab? Nicht, bis ich für die Monsterwochen recherchiert habe. Zunächst stand ich dem Ganzen skeptisch gegenüber, ließ mich dann aber doch darauf ein, da Andrew Lloyd Webber erneut seine Finger mit im Spiel hatte. Diesmal handelt es sich um eine Aufzeichnung des Bühnenmusicals und nicht um einen eigenständig gedrehten Film. Dadurch unterscheiden sich auch die Darsteller*innen der Rollen, was aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kein Hindernis darstellt. Die Handlung ist in sich schlüssig und die Lieder gut inszeniert – auch wenn sie nicht an den Gänsehautfaktor des ersten Teil herankommen. Gestört hat mich dagegen, dass die Charaktere sich teilweise sehr gestark gedreht haben und nicht mehr ihrer Persönlichkeit entsprechen. Dem Phantom wird alles aus dem ersten Teil vergeben. Ein paar Leichen? Nicht weiter tragisch, er hatte es halt schwer. Entführung und Nötigung? Es ist halt wahre Liebe! Stalkerei und Obzession? Ich wiederhole: Es ist halt wahre Liebe! Man muss sich halt daran gewöhnen, dass all das vorherige größtenteils ignoriert wird, dann funktioniert auch die Geschichte.

Das Fazit

Andrew Lloyd Webbers Musicalverfilmung zu Das Phantom der Oper ist eine dieser Verfilmungen, die das Buch bereichern. Bei der großen Streitfrage Film oder Buch würde hier der Film gewinnen.
Love never dies als Fortsetzung dazu funktioniert nur bedingt, kommt inszenatorisch nicht an den Vorgänger ran und verfälscht auch die Charaktere stark.