Phantastische Tierwesen 3 – Dumbledores Geheimnisse

Ein Vorwort

Nach einer etwas längeren Pause hat nun auch der dritte von fünf Teilen der Phantastischen Tierwesen-Reihe die Kinoleinwand erobert. Nachdem der zweite Teil eher durchmischte Kritiken erhielt, wurde die Vorproduktion verlängert, damit Rowling* mehr Zeit für das Drehbuch bekäme. Johnny Depp wurde durch Mads Mikkelsen ersetzt (aber trotzdem voll bezahlt) und dann kam noch Corona, wodurch sich der Filmstart noch mehr verschob. So ist der zweite Teil bereits 2018 erschienen. Nun sind die Erwartungen Warner Brothers dementsprechend hoch, da die Produktion ordentlich Geld verschlang. Ob der dritte Teil nun an Tempo gewinnen konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Der Tierliebhaber Newt Scamander reist mit einem Koffer voller magischer Tierwesen in die USA. Er sucht einen bestimmten Magier, um ein seltenes Geschöpf in Arizona freizulassen. Durch ein Missverständnis landet sein Koffer aber in den Händen des Nicht-Magiers (Muggle/No-Maj) Jacob Kowalski. Als dieser den Koffer öffnet, können ein paar Tierwesen entfliehen. Newt und Jacob wollen diese nun wieder einfangen. Dabei treffen sie auf die Schwestern Tina und Queenie Goldstein. Tina ist eine ehemalige Aurorin und versucht noch immer ihren Job auszuführen. Da Newt sowohl durch die Einführung der Wesen, als auch durch die Einweihung Jacobs, gegen das Gesetzt verstoßen hat, bringt sie beide vor den Magierkongress. Der Auror Peter Graves verdreht jedoch Tatsachen und verurteilt Tina und Newt zum Tode, während Jacob die Erinnerung an die Magierwelt entzogen werden sollte. Durch Queenies Hilfe können sie fliehen. Zeitgleich taucht ein sogenanntes Obscurus auf. Hierbei handelt es sich um Zaubererkinder, die ihre magischen Fähigkeiten unterdrücken. Es wird angenommen, dass sie nicht älter als 10 Jahre alt werden können. Graves hat sich für die Suche Unterstützung durch den schüchternen Credence geholt, der bei seiner herrischen Mutter lebt, die überall vor der Gefahr von Zauberern warnt. Am Ende stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei dem Obscurus um Credence handelt. Graves, der sich kurz vorher noch von Credence abgewandt hat, versucht nun unbedingt sein Vertrauen zurückzugewinnen. Letztendlich ist es aber Newt, der die richtigen Worte findet, da er auf seinen Reisen bereits einem Oscurus begegnet ist und dieses retten konnte. Eintreffende Auroren greifen jedoch an. Credence flieht. Graves wird beschuldigt und versucht ebenfalls zu fliehen, wobei es Newt jedoch gelingt ihn zu fesseln und ihm seine wahre Identität zu entlocken: Gellert Grindelwald. Ein Zauberer, der schon zuvor versucht hatte die Magierwelt in Dunkelheit zu stürzen. Dieser wird nun gefangen genommen. Newt reist zurück nach England, obwohl er und Tina Gefühle füreinander entwickelt haben. Zuvor jedoch werden Jacob schlussendlich doch die Erinnerungen an die Zaubererwelt genommen, sehr zum Leidwesen von Tinas Schwester Queenie, da sie sich in Jacob verliebt hat.
In Grindelwalds Verbrechen gelingt es diesem zu fliehen und erneut Anhänger*innen um sich zu scharen. Drei Monate später erfährt Newt Scamander, dass Credence überlebt hat und sich in Paris aufhalten soll. Nachdem er Jacob und Queenie wiedergetroffen hat, die sich kurz darauf zerstreiten, reist er mit Jacob nach Paris, wo er auch Tina vermutet. Credence ist in einem Zirkus und befreit dort Nagini, eine Malediktus. Zusammen sind sie auf der Suche nach Credence Mutter. Sie finden seine alte Nanny, die wird aber getötet, bevor er mehr Informationen bekommt. Newt und Jacob spüren Tina auf, geraten aber ebenso wie diese in die Gefangenschaft von Yusuf Kama, der ebenfalls Credence sucht. Sie können sich befreien und treffen auf Nicolas Flamel, der ihnen Unterschlupf bietet. Tina und Newt suchen im Archiv des Zaubereiministerium von Frankreich eine Info und treffen dort auf Leta Lestrange, die nach der gleichen Info sucht. Zusammen gehen sie zum Familiengrab der Lestranges, wo sie Credence, Nagini und schließlich auch Yusuf treffen. Dort stellt sich heraus, dass Leta Credence als Baby gegen ihren Bruder ausgetauscht hatte, worauf dieser verstarb und Credence heimatlos aufwuchs. Erschüttert, weil er seine Herkunft immer noch nicht kennt, zieht es die Gruppe zu einer Ankündigung Grindelwalds, der sich Queenie zwischenzeitlich angeschlossen hat. Dort kommt es zum Kampf zwischen dessen Anhänger*innen und Auror*innen, die die Kundgebung unterbrechen wollen. Am Ende können Newt und seine Freund*innen die Zerstörung Paris verhindern, doch Grindelwald entkommt und nimmt Queenie und Credence mit. In der letzten Szene eröffnet Grindelwald Credence, dass er ein Dumbledore sei.

Die Handlung

Gellert Grindelwald (Mads Mikkelsen) muss noch immer aus dem Untergrund agieren. Doch Dumbledore (Jude Law) befürchtet, dass der deutsche Zaubererminister Anton Vogel (Oliver Masucci) ihn frei sprechen könnte und schickt daher das Team rund um den Magizoologen Newt Scamander (Eddie Redmayne) nach Deutschland. Da Grindelwald aber durch ein magisches Wesen stellenweise in die Zukunft sehen kann, müssen sie versuchen möglichst unplanmäßig vorzugehen.

Meine Meinung

Während der erste Film durchaus noch als Einzelfilm funktioniert, wurde mit dem zweiten deutlich, dass die Geschichte wesentlich größere Wellen schlagen würde. Nur leider kam sie nicht wirklich vorwärts, weil immer mehr Einzelhandlungen aufgemacht wurden. Nun kämpfte der dritte merklich diese alle wieder irgendwo aufzunehmen. Beziehungsweise beschließt er, dass einige nur noch eine Nebenbemerkung wert sind. So sind Figuren entweder einfach verschwunden, tot oder tauchen nur ganz kurz auf. Denn der Fokus liegt nun deutlicher auf Grindelwald und Dumbledore, auch wenn durch die Teambildung Newt wieder ordentlich Screentime bekommt und damit auch die namensgebenden Tierwesen.
Zum einen funktioniert diese Fokussierung deutlich besser, weil man das Gefühl hat, dass sich der Film vorwärts bewegt. Es gibt eine klare Struktur, worauf der Film hinaus will. Zwischendurch gibt es zwar weiterhin Zwischenepisoden, wovon die ein oder andere schon stark gestellt wirkt, um das ein oder andere Tierwesen miteinzubringen – oder den bekannten mehr Screentime zu gewähren. Zum anderen hat man aber auch das Gefühl, dass einiges jetzt eher störend ist, was vorher aber lang und breit aufgebaut wurde und jetzt eher in einer Nebenhandlung weggewischt werden soll. Gerade die große Offenbarung am Ende des zweiten Teils wird jetzt in wenigen Sätzen gelöst und scheint einfach nicht mehr gut genug zu sein für die Handlung. Das wirkt alles ein wenig willkürlich. Zumal auch die vermeintlichen Geheimnisse eher die altbekannte Geschichte zu sein scheint, die bereits in den Harry Potter Büchern behandelt wurde.
So schleppt sich die Handlung vorwärts, funktioniert im Großen und Ganzen doch besser als der zweite Teil, da er weniger mit Fanservice arbeitet und sich mehr auf die vertrauten Charaktere konzentriert. Doch in der Einordnung der Reihe wirkt er ebenfalls sperrig und es bleibt fraglich ob die Reihe in den kommenden zwei Filmen den Sprung noch einmal schafft.
Immerhin ist das Universum wieder deutlich gewachsen, es gab neue Einblicke und allein optisch war der Film ein Schmaus. Neue Tierwesen und neue Orte luden zum Entdecken ein. Der Wechsel von Johnny Depp zu Mads Mikkelsen war leider deutlich zu merken. Nicht einmal, weil Mikkelsen seine Rolle nicht gut gespielt hätte, aber sein Grindelwald hatte nicht das gleiche Charisma wie Depps. Wäre er von Anfang an Grindelwald gewesen hätte es wahrscheinlich wesentlich besser funktioniert, weil der Vergleich einfach nicht da gewesen wäre.
So bleibt ein Film voller guter Schauspieler*innen in einem weiterhin faszinierenden Universum mit supersüßen Tierwesen, doch der Film hakt an zu vielen Stellen, um wirklich rund zu laufen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Reihe weiter entwickelt.

Das Fazit

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse hat eine klarere und strukturiertere Handlung als Teil 2, aber hakt trotzdem an zu vielen Stellen, da Ereignisse erzwungen werden, Figuren gestrichen oder in den Hintergrund gedrängt werden, die vorher wichtig schienen. Der Fokus wurde zu gewollt verschoben. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Phantastische Tierwesen 3: Dumbledores Geheimnisse läuft seit dem 07.04.2022 in den deutschen Kinos

*ich distanziere mich von Rowlings transfeindlichen Aussagen. Trans Women are Women!

 

Cyberempathie

Ein Vorwort

Kennt ihr diese Bücher, bei denen ihr ganz genau wisst, wie und warum ihr sie gekauft habt? Also bei mir und Cyberempathie war das so: Im letzten November flanierte ich über die Buch Berlin. Zwischendurch traf ich auf bekannte Gesichter, durch die man neue Bekanntschaften machte – und ja, ich bin verdammt schlecht in Namen merken… Nun eine dieser neuen Bekanntschaften stand neben mir, als wir an einem Stand vorbei kamen von mehreren Autor*innen, die im Gedankenreich Verlag veröffentlicht hatten. Unter anderem E. F. von Hainwald, der sich uns annahm und einige Bücher vorstellte. Unter anderem auch seine. Bei Cyberempathie angekommen, beugte sich meine neue Bekanntschaft zu mir und sagte schlicht „Lies es“. Ich scherzte noch mit dem Autor, dass ich da so eine Stimme im Ohr hätte, die mir zu dem Buch riete. Doch sie gab nicht auf. „Lies es!“ bekräftigte sie wieder, „es ist sooo gut, du wirst es nicht bereuen.“ Ich glaubte ihr und kaufte es. Ob sie recht hatte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Leon ist ein Erinnerungskonstrukteur in der Oberstadt von Skyscrape, wo alle durch das Cybernet gefühlsmäßig miteinander verbunden sind. Doch nach einem Vorfall wird er in die Unterstadt verbannt, wo raue Sitten herrschen. Nur mit Hilfe von Rade, einem Ex-Soldaten, überlebt er und findet sich in die neue Umgebung ein. Doch die Trennung vom Cybernet macht ihm schwer zu schaffen. Leon muss neu lernen Emotionen zu erkennen.

Meine Meinung

Sci-Fi ist eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre, doch ab und an wage ich einen Ausflug in die Zukunft. Vor Cyberempathie hatte ich dennoch Respekt, da es mit einer Länge von 530 Seiten doch kein kurzer Ausflug würde. Gerade am Anfang bin ich auch nicht wirklich in die Geschichte reingekommen, da sich gerade im Teil in der Oberstadt viel Weltenbau und Erklärungen auf wenig Handlung trafen. Dies besserte sich tatsächlich sobald Leon in die Unterstadt kommt und ab da wird es spannend.
Denn was E. F. von Hainwald beherrscht ist der Weltenbau. Man fühlt sich wie mittendrin, erlebt, leidet und fühlt mit dem Protagonisten. Die Geschichte baut sich langsam auf und ist gespickt mit immer neuen episodenartigen Erlebnissen, die sich zu einem harmonischen Großen und Ganzen verschmelzen und auf das große Finale hinarbeiten. Dabei bleibt jedoch stets Zeit, um zwischen den spannenden Szenen auch einmal inne zu halten und tiefgründige Fragen zu stellen. Denn durch Leons Vergangenheit mit dem Cyberspace und Rades Erfahrungen als Ex-Soldat geht es auch ganz viel um das Thema Emotionen, Empathie und das Miteinander.
So erhält man ein spannendes Sci-Fi Werk mit der tiefgründigen Frage, was Emotionen sind und wie sie uns ausmachen. Was passiert, wenn man durch ein verbindenes System alle Emotionen von den Menschen  um einen herum fühlen würde. Würde uns das zu mitfühlenden und empathischen Menschen machen oder würden wir dadurch eine gewisse Abhängigkeit entwickeln. Und was passiert, wenn wir die Menschen um uns herum nicht mehr fühlen können?
Gerade mit dem Ende macht von Hainwald noch einmal eine neue Ebene auf, die dem Ganzen noch einmal eine neue Ebene verpasst. Und auch, wenn ich erst vom Ende enttäuscht war, weil ich geglaubt hatte, dass es sich in eine andere Richtung entwickelt. Aber dann war ich doch positiv überrascht, weil ich mit dem Ende so gar nicht gerechnet hätte und das muss ein Autor bei einer Vielleserin wie mir auch erstmal schaffen.

Das Fazit

Cyberempathie ist ein spannender, packender Sci-Fi Roman mit Tiefgang. Die Länge des Buches ist optimal genutzt, um die Charaktere aufzubauen und sich entwickeln zu lassen, einzelne Abstecher zum Ausbau der Welt zu machen und dennoch den Fokus auf die Entwicklung zum Ende zu lassen. Die tiefgründigen Fragen, die wie nebenbei gestellt werden, machen dieses Buch besonders lesenswert.

Disney+ Original: Rot

Ein Vorwort

Seit dem Launch von Disney+ bringen Disney und Pixar nicht nur regelmäßig Kinofilme gleichzeitig auf der Plattform raus, sondern eben auch Originals. Nachdem im letzten Sommer Luca für Wellen sorgte, befasst sich Pixar diesmal in Rot mit der Pubertät. Was dies mit einem roten Panda zu tun hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Meilin Lee ist 13 und während sie in der Schule ein klassischer Teenager ist und mit ihren Freundinnen für eine angesagte Boyband schwärmt, ist sie zu Hause die absolute Vorzeigetochter. Doch bei einem starken Emotionsausbruch verwandelt sie sich auf einmal in einen roten Panda. Laut ihrer Mutter ist das ein Familienfluch und sie kann das bei einer Zeremonie beim nächsten roten Mond beseitigen. Solange soll sie sich isolieren. Doch als Meilin merkt, dass ihre Freundinnen sie beruhigen können, versucht sie ihren Alltag zu normalisieren. Vor allem, weil ein Konzert der Boyband ansteht.

Meine Meinung

Pixar und ich sind so eine Sache. Gesehen habe ich die meisten Filme (außer die Toy Story Reihe, da mich die nie interessiert hat), wirklich gemocht die wenigsten. Außer Findet Nemo, Alles steht Kopf und Coco konnte mich kein Pixarfilm wirklich begeistern und doch versuche ich es immer wieder. Versteht mich nicht falsch. Ich mag einige Pixarfilme (okay, einige auch wirklich gar nicht), aber die meisten kommen für mich nicht über die „Ganz nett einmal gesehen zu haben“ Schiene hinaus. So leider auch wieder bei Rot passiert.
Aber fangen wir vorne an. Sich grundsätzlich mal mit Teenagern und den Problemen auseinander zu setzen, fand ich schon längst an der Zeit. Gerade die Parallele zwischen körperlichen Veränderungen, wie der Menstruation, und der Heimsuchung durch den roten Panda fand ich gut gewählt. Auch die Abgrenzung zwischen Freundeskreis und Elternhaus war gut nachvollziehbar, auch wenn Meilins Mutter schon eine sehr überzeichnete Helikoptermutter war. Und genau hier setzt bei mir das erste Problem an. Denn gerade durch diese Überzeichnung und den sehr krassen Unterschied zwischen der Meilin in der Schule und bei ihren Freundinnen und der Meilin zu Hause fehlte mir von Anfang an die Wärme, um in die Handlung richtig hineingesogen zu werden. Stattdessen blieb ich eher auf Abstand.
Das ändert sich auch im folgenden leider nicht, auch wenn hier die Handlung zumindest durch ein paar witzige Einfälle aufgelockert wird. Leider war auch die Handlung bis auf wenige Ausnahmen sehr vorhersehbar, vor allem das Desaster, was einen gegen Ende erwartet, war irgendwo abzusehen. Und grundsätzlich ist es auch nicht schlimm, wenn eine Handlung vorhersehbar ist, sofern sie es mit einem ganz eigenen Charme tut oder man trotzdem in dem Film versinken kann. Aber genau das fehlt hier alles.
Unnahebare Charaktere treffen auf vorhersehbare Handlung. Und so schön die Metaphern doch ausfallen und so positiv die Botschaft am Ende ist, so zäh ist der Weg dahin.

Das Fazit

Rot bietet eine gute Grundidee, die leider lieblos und vorhersehbar abgehandelt wird, ohne Nähe zum Publikum aufzubauen. Ein zäher Weg bis zur positiven Botschaft am Ende. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Rot ist seit dem 11.03.2022 auf Disney + verfügbar

Little Women – Buch & Film

Ein Vorwort

Little Women stand seit der Kinosichtung der Neuverfilmung im Jahr 2020 auf meiner Klassiker/Liste der Schande. Nachdem ich mir im letzten Jahr endlich die wunderschöne Neuauflage aus dem Coppenrath Verlag gegönnt habe, stand sie nun dieses Jahr auf meiner 22 für 2022 Liste. Nun habe ich sie endlich gelesen und möchte euch beide Versionen nochmal im Vergleich vorstellen.

Die Handlung

Jo March wächst mit ihren drei Schwestern in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon früh ist es ihr größter Wunsch Schriftstellerin zu werden. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts ist es für Frauen schwierig Geld zu verdienen. Familie March lässt sich jedoch nicht unterkriegen und räumt durch ein starkes Familienbündnis viele Hindernisse aus dem Weg.

Das Buch

Little Women ist in zwei Bücher aufgeteilt, wobei die erste Hälfte eher die Kindheit bzw. Jugend behandelt und der zweite den „erwachseneren“ Part. Da die vier Schwester natürlich unterschiedlich alt sind, ist die Grenze da fließend. Episodenartig werden in den einzelnen Kapiteln Alltagsgeschichten erzählt, die zusammengesehen die Charaktere weiter entwickeln. Dabei gibt es spannendere und weniger spannende Geschichten. Generell hat die erste Hälfte die schöneren Geschichten, aber auch die zweite bietet noch einige schöne Entwicklungen.
Vor allem vom Ende war ich positiv überrascht, da es sich in der Entwicklung vom Film unterscheidet, auch wenn bei beiden der Grundgedanke der Gleiche ist. Aber hier waren einige Entscheidungen wesentlich nachvollziehbarer, da sich hier mit mehr Details befasst wurde, wo der Film keine Zeit mehr für hatte.
Besonders hervorheben möchte ich noch die Neuausgabe des Coppenrath Verlags, da diese wunderschön gestaltet ist. Für den doch sehr stolzen Preis bekommt man farbige Innenillustrationen und eingelegte Specials, wie Briefe, Postkarten oder geschichtliche Hintergrundinformationen. Das erschwert zwar ein wenig das Lesen, da diese gerne einmal herausfallen.

Der Film

Eine etwas ausführlichere Kritik habe ich in Vorbereitung auf die Oscar Verleihung 2020 bereits geschrieben. Diese findet ihr hier. Im Folgenden möchte ich eher auf den Film im Vergleich zum Buch eingehen.

Beim ersten Mal sehen fand ich Little Women einfach nur schön. Herrlich reduziert, unaufgeregt und an den starken Charakteren entlang hangelnd. Nachdem ich den Film nun nach Beendigung des Buches noch einmal gesehen habe, komme ich zu dem Schluss, dass dies immer noch der Fall ist, doch ich bewundere, wie elegant die doch sehr episodenartigen Geschichten des Buches in eine flüssige Handlung gepackt wurde.
Wie schon oben beschrieben ist die zweite Hälfte und gerade das Ende der Teil, der sich am meisten unterscheidet. Dabei ist das ziemlich schade, weil so tatsächlich etwas künstliches Drama aufgebaut wurde und gerade die Filmentscheidungs Lauries (aus Spoilergründen definiere ich die nicht genauer) ist überhaupt nicht nachvollziehbar, während sich im Buch dafür genügend Zeit genommen wird. Dass das Ende geändert wurde, ist schon eher nachvollziehbar, bekommt man das Buchende ja doch irgendwie geliefert, nur noch mit einer zusätzlichen Botschaft dahinter.
Generell wird die erste Hälfte eher in Rückblenden erzählt, und der zweite Teil scheint die Haupthandlung einzunehmen. Das funktioniert aber gerade für den Film sehr gut, weil sich so die einzelnen Geschichten wesentlich besser einfließen lassen.

Das Fazit

Little Women funktioniert auf unterschiedliche Art, aber es immer sympathisch sowohl in Film als auch in Buchform. Während der Film gut geeignet ist für eine angenehme kurze Auszeit, bietet das Buch kleine Geschichten für kurzes Entschwinden vom Alltag.

Queer Eye – Germany

Ein Vorwort

Seit inzwischen fünf Staffeln gibt es die Makeover-Serie mit den Fab Five in den USA. Für eine zusätzliche Staffel reisten sie nach Japan und arbeiteten dort mit Dolmetscher*innen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Nun stand die Frage im Raum, ob es solche Specials auch noch mit anderen Ländern geben würden. Netflix beantwortete diese wohl vorerst mit Nein, doch die deutschen Fans bekamen schnell eine Alternative: Ein ganz neues Team. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Die Fab Five Germany sind Ayan, Aljosha, Leni, Jan-Henrik und David. Jede Folge reisen sie in eine andere Stadt und überraschen eine nominierte Person, deren Leben innerhalb einer Woche auf Vordermann gebracht wird. Dabei ist das oberste Ziel ein positives Lebensgefühl zu vermitteln.

Meine Meinung

Ein deutscher Ableger meiner absoluten Lieblingsserie? Das konnte entweder sehr cool oder eine absolute Vollkatastrophe werden. Dennoch versuchte ich völlig wertfrei an die Sache zu gehen und dem neuen Team eine Chance zu geben.
Umso gespannter war ich auf die Vorstellung des neuen Teams bestehnend aus Leni (Life), Ayan (Design), Aljosha (Health), David (Beauty) und Jan-Henrik (Fashion), womit die bisherigen Bereiche größtenteils übernommen wurden. Vom Design, dem Aufbau und dem Ablauf wurde sich stark ans Vorbild gehalten. Was vielleicht etwas kontraproduktiv war, denn gerade in der ersten Folge merkt man, wie die neuen Fab Five eher so wirken, als würden sie auswendiggelernte Phrasen aufsagen. Aktionen, die helfen sollen, um Kandidat 1 aufzulockern, wirken hölzern und wie zu sehr gewollt. So war ich nach der ersten Folge sehr ernüchtert, waren doch meine Befürchtungen irgendwo bestätigt.
Doch zum Glück hab ich der Serie weiterhin eine Chance gegeben, denn schon ab Folge 2 sind die Anfangsprobleme zwar nicht komplett weg, aber das Team geht weg von den vorgeschriebene Phrasen und findet ihre eigene Dynamik, wodurch sie wunderbar zusammen funktionieren. Natürlich muss man sich auch hier immer noch bewusst machen, dass die neuen Fab Five nicht die alten ersetzen oder widerspiegeln, sondern eigene Persönlichkeiten sind.  Und gerade das macht den Reiz auch die Serie weiter zu gucken aus.
Weil, was beide Serien eint, ist die wunderbare Herzlichkeit und das Verständnis, mit dem auf jede Lebenssituation reagiert wird. Und das ist auch hier ab Folge 2 in jeder Pore zu spüren. Ab da macht es einfach Spaß den Fabs zuzuschauen und ich konnte mich einfach von Folge zu Folge treiben lassen. Da war es am Ende schade, dass nach fünf Folgen schon wieder Schluss war.
Natürlich gibt es auch hier die Charaktere mit denen ich schneller warm geworden bin und welche, bei denen ich länger gebraucht habe. Gerade bei Jan-Henrik habe ich sehr lange gebraucht, um mit ihm warm zu werden. Aber irgendwann kriegen sie einen alle.

Das Fazit

Queer Eye – Germany braucht eine Folge, um sich zu finden und die eigenen Persönlichkeiten in den Vordergrund zu stellen, anstatt die Phrasen aus dem Original zu übernehmen. Danach überzeugt auch der Ableger mit Wärme, Herzlichkeit und einzigartigen Charakteren.

Osterspecial – Dreierlei tierischstarke Filme zum Wohlfühlen

Bisher hatte ich auf diesem Blog eher weniger Osterspecial als eher welche zum Frühling. Doch dieses Jahr wollte es dafür einfach nicht so richtig passen. Stattdessen gibt es diesmal drei Filme, die gute Laune verbreiten und mindestens eine*n tierische starke Begleiter*in haben. Ich wünsche euch viel Spaß.

Aristocats

Die Handlung: Duchess und ihre drei Katzenkinder Marie, Toulouse und Berlios leben glücklich und zufrieden bei einer alten Dame im Herzen Paris. Doch als der Butler Edgar hört, dass die Dame ihr Erbe nicht an ihn, sondern an ihre Katzen eintragen lässt, beschließt er die Katzen in einer Nacht und Nebelaktion verschwinden zu lassen. Dabei kommt es zu einer Auseinandersetzung mit zwei Hunden, weswegen er das Körbchen verliert. Die Katzen treffen auf den Straßenkater Thomas O’Malley, der sich mit ihnen auf den Weg nach Hause macht.

Ein paar Worte: Aristocats ist einer meiner liebsten Filme von Disney. Zum einen geht es um Katzen und als Katzenbesitzerin schlägt mein Herz für diese Tiere sehr hoch. Zum anderen ist die Handlung größtenteils sehr unaufgeregt. Die Charaktere sind größtenteils einfach sehr liebevoll, auch wenn es trotzdem die kleinen Streitereien untereinander gibt. Ansonsten ist der Film auch einfach sehr witzig, durch die vielen verschiedenen Charaktere. Und natürlich gibt es die Ohrwurmverdächtigen und für Disney typischen Lieder.

Mia und der weiße Löwe

Die Handlung: Mia ist mit ihrer Familie nach Südafrika gezogen, weil ihr Vater dort eine Tierfarm eröffnet hat. Sie fühlt sich nicht richtig heimisch, bis ein weißes Löwenbaby geboren wird. Mia freundet sich zunehmend mit ihm an, doch ein Löwe ist eben kein Haustier. 

Ein paar Worte: Auch wenn die Handlung des Films sehr schlicht ist, macht ihn das nicht weniger gut. Den der Fokus liegt hier auf der einmaligen Freundschaft zwischen Mia und dem weißen Löwenbaby. Dabei gibt es viele herzerwärmende Momente, aber auch die Probleme werden dargestellt. Zusammen mit einigen wirklich schönen Landschaftsaufnahmen, ist es ein schöner Film für zwischendurch mit ganz viel Herz für Tiere. Doch auch ein paar ernstere Themen werden mit angesprochen, fügen sich aber in die restliche Handlung gut ein, so dass es doch größtenteils bei dem Feelgood-Film bleibt.

Kikis kleiner Lieferservice

Die Handlung: Kiki ist frisch 13 geworden und das bedeutet für Hexen, dass sie sich ihren Besen schnappen und sich eine eigene Stadt suchen. Dort müssen sie ein Jahr lang beweisen, dass sie auf eigenen Beinen stehen können. Übermotiviert sucht sich Kiki eine Stadt am Meer. Doch so einfach ist das allein zurechtkommen, dann doch nicht. 

Ein paar Worte: Wohl der unaufgeregste Studio Ghibli Film, den ich bisher gesehen habe und wohl bisher mein liebster. Tierischer Star ist hier wohl Kater Jiji, der Kiki bei ihrem Abenteuer begleitet und für sie da ist. Dabei sind die Charaktere sehr liebevoll, man begleitet Kiki episodenartig auf ihren Abenteuern. Jiji ist die meiste Zeit mit dabei, darf aber auch ab einem gewissen Punkt eine eigene Handlungslinie bekommen. Einfach ein schöner Film für Zwischendurch zum Wegträumen.

Was sind eure tierstarken Filme zum Wegträumen?

Morbius

Ein Vorwort

Obwohl die beiden Venom Filme nicht sonderlich erfolgreich waren und von Kritiker*innen eher zerrissen wurden, hält Sony am Spider-Man Universum fest, in dem sie Antagonisten der Spider-Man Comics nehmen und ihnen eigene Filme geben. Nun stand Morbius bevor, der wegen der Pandemie mehrfach verschoben wurde. Der Trailer sah nur milde vielversprechend aus, die ersten Rückmeldungen waren sehr negativ. Trotzdem bilde ich mir ja gerne eine eigene Meinung. Warum ich jede negative Kritik nur völlig unterstützen kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Für Morbius ist kein Vorwissen nötig. Um alle Andeutungen zu verstehen, sollte man zumindest Venom und Spider-Man Homecoming gesehen haben.
Dr. Michael Morbius (Jared Leto) leidet an einer seltenen Blutkrankheit. Für ein Heilmittel reist der Medizin-Nobelpreisträger nach Costa Rica, um dort seltene Fledermäuse zu fangen und aus ihnen ein Serum zu entwickeln. Nachdem er es sich iniziert hat, verwandelt er sich jedoch und gerät in einen Blutrausch. Er entscheidet, dass die Auswirkungen zu heftig sind und versucht die Negativwirkungen unter Kontrolle zu bekommen. Doch sein Freund Milo (Matt Smith), der unter der gleichen Krankheit leidet, findet es und injiziert es sich ebenfalls. Nun muss Morbius ihn aufhalten und sich selbst unter Kontrolle halten.

Meine Meinung

Einen Film, in dem es um eine von Fledermäusen ausgelöste Mutation geht in einer Pandemie, die möglicherweise durch eine Fledermaus ausgelöst wurde, zu verschieben, war auch abgesehen von geschlossenen Kinos eine gute Entscheidung. Inzwischen konnte man diesen Aspekt zumindest mit Humor nehmen. Das Morbius eine einzige Katastrophe ist, liegt also zumindest nicht daran.
Hat Regisseur Daniel Espinos 2017 mit Life noch bewiesen, dass er intelligente und optisch gute Science-Fiction kann, scheint er hier sein Können gänzlich vorab abgegeben zu haben. Bei Morbius stimmt einfach gar nichts. Schlechtes Drehbuch, wirre Kamerafahrt, billige Effekte, schlechtes Schauspiel und von allem eine Nummer Zuviel sind eine sehr schlechte Mischung.
So beginnt der Film bei der Suche nach den Fledermäusen auf Costa Rica. Mit hölzernen Dialogen wird Protagonist Dr. Michael Morbius „vorgestellt“, die Effekte sind hier noch okay. Wenige Minuten später folgt die Rückblende in die Kindheit. Während hier wohl die Freundschaft zwischen Morbius und Milo erklärt werden soll und eine Verbindung entstehen könnte, wird lieblos durch die Szenen geeilt, keine Tiefe, keine Zeit zur Entfaltung. Zeitsprung zurück, die nicht gerade nachvollziehbare Freundschaft wird genutzt, um die Handlung voran zu treiben. Jared Harris taucht aus irgendeinem Grund als Privatarzt bei Milo auf, eine Erklärung dafür gibt es nicht. Kurzer Abstecher auf hoher See, Test mit dem Serum geht schief. Protagonist: Oh, war ne blöde Idee, seh ich ein, belassen wir es dabei. Doch nein! Der Antagonist muss doch noch geschaffen werden!
Ich belasse es mal dabei. Wir haben zu diesem Zeitpunkt knapp ein Drittel des Films geschafft und das war noch der logische. Alles, was danach folgt, wird immer gestellter, abstruser und so schnell und hektisch erzählt, dass man an keiner Stelle mitfieber kann oder sich auch nur irgendwie für das Kommende interessiert. Denn es ist einfach absolut vorhersehbar. Wie eine Checkliste wird ein Punkt nach dem nächsten emotionlos abgehakt. Kein Innehalten, kein Hinterfragen.
Doch auch darüber hinaus, funktioniert einfach nichts an diesem Film. Die Kamera schwenkt wild hin und her, erfasst kaum eine Szene klar. Alles ist verschwommen und hektisch. Darüber werden billige Effekte gepackt, die aber nicht auffallen, weil wir nicht lange genug auf einer Stelle verharren, um wirklich etwas wahrzunehmen.
Das Schauspiel sollte bei Größen, wie Jared Leto, Matt Smith und Jared Harris wohl auch besser sein, doch bei den platten Charakteren, kann auch diese Riege an Chararakterdarstellern nichts mehr ausrichten. Im Fall von Matt Smith schien es auch nicht gewollt zu sein, so gelangweilt, wie er seinen Milo anlegt.
Was bleibt also zu Morbius zu sagen? Eigentlich nichts, denn im großen Dschungel der Comicverfilmungen so etwas abzuliefern und dann auch noch so groß zu vermarkten, ist schon irgendwie peinlich. So wird das nichts mit Sonys Spider-Man Universum, auch wenn sie vermeintlich den nächsten Film schon angekündigt haben.

Das Fazit

Morbius hakt emotionslos eine Liste ab mit Dingen, die in eine Antagonistenverfilmung gehören, bleibt aber durch die lieblos zusammengeschriebene Handlung, emotionslose Charaktere und schlechten Effekten, mit einer hektischen Kamera nicht nur hinter den Erwartungen zurück, sondern versagt auf ganzer Linie. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Morbius läuft seit dem 31.03.2022 in den deutschen Kinos

Cinemathek: Schachnovelle

Ich erinnere mich, dass die Schachnovelle zu Schulzeiten mal in der Auswahl für die Lektüre im Deutschunterricht stand. Wir hatten uns dann aber mehrheitlich für Dürrenmatts Der Richter und sein Henker entschieden. Seitdem steht die Schachnovelle noch auf meiner Klassikerliste der Schande. Nachdem ich den Film im Kino leider verpasste, freute ich mich umso mehr, dass er ins Cinemathekprogramm aufgenommen wurde. Ob meine Freude darüber berechtigt war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Dr. Josef Bartok (Oliver Masucci) ist ein angesehener Notar in Wien. Als die Nazis in Österreich die Macht übernehmen, wird es für ihn brenzlig, denn er verwaltet das Vermögen einiger adliger Österreicher. Bevor er flüchten kann, wird er von den Nazis in Gewahrsam genommen. Da er die Zugangsziffern zu den Konten verbrannt hat, wird er in die Sonderbehandlung geschickt, um ihn zu brachen und die Ziffern von ihm aus seinem Gedächtnis zu bekommen.

Meine Meinung

Bei dem Titel Schachnovelle denkt man natürlich zuerst an das Spiel, was hier auch eine große Rolle einnimmt. Aber es gibt noch ein wesentlich zentraleres Thema: Zeit. Und die vergeht in dem Film ganz unterschiedlich schnell. Denn die Sonderbehandlung ist nichts anderes als vollständige Isolation. Kein Zeitgefühl, ständiges Alleinsein, nichts, um sich abzulenken. Und so sind auch die Zuschauenden komplett allein mit Masucci und seinem Schauspiel des langsamen Verrücktwerdens.
Zunächst ist davon jedoch nichts zu spüren. Wir lernen Dr. Josef Bartok als gutgelaunten und gutbetuchten Mann kennen, seine Frau und seinen Umgang. Die Bedrohung durch Nazideutschland ist zwar da, wirkt aber völlig weit weg. Doch dann wendet sich das Blatt von einem auf den anderen Moment. Und nicht nur Bartok sitzt in seiner Sonderbehandlung, sondern eben auch wir Zusehenden mit ihm. Ab hier ist es ein ständiger Wechsel zwischen zwei Erzählsträngen, wobei die zeitliche Einordnung hier immer wieder durcheinander kommt, was aber beabsichtigt ist. Während dies am Anfang noch ganz gut funktioniert, dehnt sich die Zeit danach gefühlt immer weiter aus und gerade das letzte Drittel zieht sich dann immer mehr.
Das liegt vor allem daran, dass der Geisteszustand von Bartok immer weiter leidet und wir damit unsere Bezugsperson immer weiter verlieren, da die Erzählungen aus seiner Sicht immer unzuverlässiger werden. Gerettet wird der Film dennoch von Martuccis einmaligem Spiel, wo er wieder einmal beweist, dass er völlig in seiner Rolle aufgehen kann und auch das ansonsten schwierige Beinahe-Ein-Personen-Kammerspiel wunderbar meistern kann. Das Ganze wird zwar versucht durch die zweite Zeitebene aufzubrechen, doch auch da beginnt sich die Zeit zunehmend zu ziehen.
So ist die Schachnovelle schon eine gelungene Umsetzung des Stoffes, schafft es aber nicht völlig die sehr gleichbleibende Handlung darzustellen, ohne im letzten Drittel ein paar Längen auszulösen. Dennoch auch kein Film für schwache Nerven. 

Das Fazit

Schachnovelle bietet eine gute Umsetzung des Stoffes trotz kleiner Längen am Ende. Vor allem Oliver Masucci überzeugt hier einmal mehr durch sein wandelbares Spiel. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Death Note

Ein Vorwort

Da sagt sie jahrelang, dass Anime und Mangas nicht ihr Ding sind und jetzt kommt schon der zweite Beitrag dazu innerhalb kürzester Zeit? Ja, ihr lest richtig. Ich habe meine allererste Mangareihe komplett durchgelesen und das hat durchaus eine Weile gedauert. Irgendwann vor ein paar Jahren (ja, ich war da schon sehr spät dran, die Mangas sind Anfang der 2000er Jahre entstanden) hatte ich einfach mal Lust drauf diesen vielgeschwärmten Manga zu lesen und habe mir Band 1 zugelegt. Und dann habe ich mich einfach in die Welt reinziehen lassen. Nach Band 7 hatte ich eine große Pause von ein paar Jahren, weil mich der Bruch in der Geschichte komplett rausgerissen hatte. Jetzt habe ich mich wieder rangetraut und konnte es dann bis zum Ende nicht mehr weglegen. Warum das so war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Light Yagami findet das Death Note des Todesgott Ryuk. Dieser hat sich in der Welt der Todesgötter gelangweilt und sucht nun Zerstreuung. Light hingegen ist von den Möglichkeiten des Death Note fasziniert. So fängt er fortan an damit gezielt Morde an Verbrechern auszuüben. Das ruft die Polizei weltweit auf den Plan. Auch Lights Vater, der bei der japanischen Polizei arbeitet, wird auf den Fall angesetzt. Doch erst als der mysteriöse L auftaucht, scheint er Light auf die Spur zu kommen.

Meine Meinung

Zunächst hatte mich die Idee des Death Note einfach gereizt, fand die Welt der Todesgötter aber etwas langweilig ausgearbeitet, vielleicht hatte ich mir hier einfach mehr erhofft. Nach und nach habe ich mich aber immer mehr mit Ryuk angefreundet und hab mich gefreut mit ihm die Menschenwelt zu erkunden. Gleichzeitig fand ich Lights Umgang mit dem Death Note zugleich faszinierend und doch beängstigend. Nach und nach folgen immer wieder spannende Abschnitte und es ist stets faszinierend, wie sich Light immer darauf vorbereitet, damit er nicht gefasst wird.
Dazu kommen immer mehr Charaktere, dennoch kann man gut die Übersicht behalten. Richtig spannend wird es, wenn Lights Gegenspieler L auftaucht, denn ab da muss Light immer kreativer werden, um den Verdacht von sich abzulenken. Dabei spielt die Reihe fast ausnahmslos in der Menschenwelt, was ein bisschen schade ist, da ich mich über ein paar mehr Einblicke in die Welt der Todesgötter gefreut hätte.
Nach einem sehr starken Auftakt und einem spannenden Mittelfinale, fällt die Handlung erst einmal in sich zusammen und versucht sich neu aufzubauen. Genau das war der Punkt, wo ich rausgefallen bin und einige Zeit brauchte, um mich wieder ran zu wagen. Es ist danach definitiv anders und ich habe mich bis fast zum Schluss nicht an die beiden neuen Charaktere gewöhnt. Dennoch wird an der Spannung deutlich wieder gearbeitet.
Gerade zum Ende hin, fiel es mir schwer die Reihe aus der Hand zu legen, da ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. Auch, wenn das Ende das einzig logische ist und es anders nicht hätte enden können, war ich über den Ausgang etwas enttäuscht. Es ist halt eine Reihe, die sehr über Dialoge und wenig über Handlung getragen wird, weswegen auch das Ende sehr dialoglastig ist. Es passt wie gesagt ins Gesamtkonzept und doch war es irgendwie enttäuschend. Da war das Mittelfinale deutlich spannender.

Das Fazit

Starker Auftakt, spannendes Mittelfinale, dann ein bisschen langatmig, ehe es zum Finale wieder spannend wird. Death Note hat eine spannende Grundidee und auch zwischendrin immer wieder neue Ideen, um die Lesenden bei der Stange zu halten. Leider vergleichsweise schwaches Finale.

Attack on Titan

Ein Vorwort

Ihr kennt mich eher als Animemuffel, weswegen ich auch selten Serien aus dem Bereich schaue. Doch manchmal braucht man nur die eine Serie, die alles ändert. Und so habe ich nach Violet Evergarden die zweite Animeserie gefunden, die mir gefiel. Wieso „gefallen“ ein sehr schwacher Ausdruck für mein durchbingen dieser Serie ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Vor 100 Jahren tauchten Titanen auf, die Menschen essen und keinen anderen Lebenszweck zu schein haben. Daher zog sich die Menschheit hinter drei hohen Mauern zurück. Doch als der kolossale und der gepanzerte Titan auftauchen und zwei Löcher in die Mauer machen, muss die Menschheit einen Großteil ihres Territorium aufgeben. Eren Jäger und seine Freund*innen Armin und Mikasa sind unter den Geflüchteten. Sie treten dem Militär bei, um Eren Traum ein Teil des Aufklärungstrupps zu werden, wahr werden zu lassen und gegen die Titanen anzutreten.

Aus Spoilergründen verzichte ich darauf die Handlungen der einzelnen Staffeln zu beschreiben

Staffel 1

Nach einer ganz kurzen Einführungsphase der Welt und der ersten Charaktere geht es gleich spannend los. Die Welt wird auf den Kopf gestellt und es geht los mit der militärischen Ausbildung. Dabei geht es fast durchgehend rasant zu und wir lernen immer wieder neue Charaktere kennen. Dabei ist gerade die erste Hälfte noch im Bereich „okay“, aber spätestens ab der zweiten Hälfte, wenn es um den Aufklärungstrupp geht (und mein absoluter Lieblingscharakter auftaucht) wird es so spannend und fesselnd, wie ich es lange bei keiner Serie mehr hatte.
Dabei ist vor allem der Weltenbau absolut faszinierend. Durch die Mauern ist die Welt natürlich begrenzt, aber die ganze Geschichte, die erst nach und nach entschlüsselt wird, ist unglaublich spannend und faszinierend. Die Charaktere sind sehr durchwachsen und man sollte sich überlegen, an wen man sein Herz hängt. Durch die durchschnittliche Episodenlänge von 25 Minuten lässt sich die Serie gut durchbingen. Bzw. lassen die Cliffhanger und spannenden Folgen es auch gar nicht anders zu.

Staffel 2

Nach dem Ende der ersten Staffel – was tatsächlich auch einen Sinnabschnitt beendete – konnte ich gar nicht anders, als mir sofort Staffel 2 zuzulegen. Ohne große Umschweife geht es hier direkt spannend weiter und wieder hält uns die Staffel komplett in Atem. Es werden neue Fragen aufgemacht, während andere beantwortet werden.
Vor allem war es hier aber auch an vielen Stellen einfach wieder ein Bangen, was mit den liebgewordenen Charakteren passiert. Da die Handlung an mehreren Schauplätzen spielt, wird das Bangen auch gern in die Länge gezogen. Auch hier gibt es keine andere Chance außer die Staffel durchzubingen. Da sie im Vergleich sehr kurz ist (12 Folgen), geht das hier noch einmal schneller.
Dabei sei hier auch noch einmal auf die tollen Zeichnungen und Animationen hingewiesen, die an einigen Stellen einem Gemälde ähneln – vor allem, wenn es um die Wolken und den Himmel geht. Einfach wunderschön.

Staffel 3

Staffel 3 war dann diejenige, die mich völlig fertig gemacht hat. Am Ende habe ich nur noch geweint (ich sagte doch, man soll drauf achten, an welche Charaktere man sein Herz hängt… sagen wir, das ist aus Erfahrung). Doch von vorne. Nach der kurzen zweiten Staffel ist Staffel 3 wieder mit einer normalen Länge (22 Episoden) am Start. Während gerade am Anfang viel politisches beigemischt ist, geht es auch um die Vergangenheit einiger Charaktere und wie sie zu dem geworden sind, was sie jetzt sind. Nebenbei wird auch die Handlung deutlich vorangetrieben. Während es einige spannende Höhepunkte über die Staffel verteilt gab, ist es gerade das Finale der dritten Staffel, die noch einmal alles rausreißt. Unter anderem mein Herz. Schaut euch die Serie trotzdem an! Sie ist einfach nur gut!
Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig als auf die vollständige Ausstrahlung der finalen vierten Staffel zu warten.