Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte

Ein Vorwort

Würde ich regelmäßig in einen Buchladen nur zum stöbern gehen, wäre dies wohl ein Titel und Coverkauf geworden. Da der Buchladen meines Vertrauens leider zu klein zum ausgiebigen Stöbern ist, lasse ich meist nur meine Bestellliste da und hol die einen Tag später ab. So hat mir Bookstagram geholfen, in dem das Buch regelmäßig in meine Timeline gespült wurde und meist mit dem dezenten Hinweis, dass es LGTBQIAP+-Charaktere gibt. Da war ich gleich dabei. Wie es mir gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Linus Baker ist Sachbearbeiter beim BBMM (Behörde für die Betreuung magischer Minderjähriger). Auch wenn ihn sein Job nicht gerade glücklich macht, glaubt er doch damit etwas Gutes zu tun. Dann bekommt er vom Allerhöchsten Management den Auftrag das Heim von Mr. Parnassus genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch was Linus dort erlebt, darauf konnte ihn kein Bericht vorbereiten.

Meine Meinung

Bei dem Namen Parnassus muss ich unwillkürlich an den Film „Das Kabinet des Dr. Parnassus“ denken. Ich fand ihn eher so semi, auch wenn sich mir eine Szene sehr nachhaltig ins Gedächtnis gebrannt hat. Dennoch ist es ein so außergewöhnlicher Name, dass ich bei den Beiträgen dazu auf Bookstagram aufmerksam wurde. Hinzu kam das Cover, auch wenn es eigentlich überhaupt nicht meine Farbe ist. Der Klappentext klang auch vielversprechend, weswegen ich dem Buch unbedingt eine Chance geben wollte. Als sich dann noch die Gelegenheit zu einem Buddyread bot, konnte mich nichts mehr halten.
Der Anfang der Geschichte war auch komplett nach meinem Geschmack. Ein sympathischer Protagonist, der trotz des ständigen Regens regelmäßig seinen Schirm vergisst. Und die BBMM war eine sehr gekonnte Überspitzung von Behörden und Großraumbüros. Jeder, der so etwas schonmal mitmachen musste, wird sich hier wiederfinden und herzhaft über die ganze Idee dahinter lachen können. Weiter geht es zur Insel, auf der das Heim liegt. Hier finden sich viele Parallelen zu „Die Insel der besonderen Kinder“, auch wenn die Grundstimmung und auch das Setting sich doch stark unterscheiden. Das erste Zusammentreffen der magischen Kinder und Linus habe ich als schwierig empfunden, auch wenn sich um eine betont lockere Atmosphäre bemüht wird.
Das ändert sich glücklicherweise im Laufe des Buches. Die Geschichte wird lockerer, auch wenn sie sich immer wieder schwierigen Themen widmet. Hier geht es vordergründig, um Außenseiter, einfach weil sie „anders“ sind. Um Kinder, die ihren Platz in der Welt suchen, auch wenn ihnen von allen Seiten gesagt wird, dass sie keinen Platz verdienen. Um Vorurteile und wie sie von mächtigen Institutionen nur geschürt werden. Aber auch um den schrittweisen Abbau dieser, um Freundschaft, um einfach Kindsein. Dabei verliert das Buch nie seinen oberflächlich lockeren Ton, auch wenn darunter eine dicke Schicht an Botschaften liegt.
Grundsätzlich waren viele Handlungsschritte vorhersehbar. Dennoch ist nie das absolut offensichtliche eingetreten, was oftmals meine Befürchtung war. Zwar ging es immer in die bekannte Richtung, hat aber nochmal eine neue Nuance reingebracht, so dass man doch auch überrascht wurde. So erfindet Mr Parnassus Heim für magisch Begabte das Rad nicht neu, aber verleiht ihm mehr Farbe und Persönlichkeit. Und hat mit Linus Baker wohl den für Introvertierte nachvollziehbarsten Charakter seit langem.

Das Fazit

Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte orientiert sich an bekannten Plotstrukturen, verleiht dem ganzen aber etwas neues frisches. Trotz betont lockerer Atmosphäre, geht das Buch auf viele wichtige Themen ein und schafft es mit Witz und Herz zu überzeugen.

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