Eine Handvoll Bücher

Diesmal mit: Rotkäppchen im neuen Gewand, dem dritten Jemand, der Suche nach Antworten, einer sehr gefährlichen Onlinechallenge und einem Beitrag zu #metoo.

Wie Blut so rot – Marissa Meyer

Die Handlung: Scarlet lebt mit ihrer Grandmére auf einem Bauernhof in Frankreich. Natürlich hat sie von dem Vorfall im asiatischen Staatenbund mit der Königin von Luna und dem Cyborg Cinder gehört, aber nie gedacht, dass es sie betreffen könnte. Eines Abends trifft sie auf den Widerstandskämpfer Wolf, der ihr helfen will. Denn ihre Grandmére ist verschwunden und Scarlet ist sich sicher, dass sie entführt wurde.

Meine Meinung: Ich war echt gespannt, wie es bei den Luna-Chroniken weitergehen sollte, aber hab doch irgendwie gezögert weiterzulesen. Rotkäppchen war nun nicht gerade das Märchen, was ich gerne gelesen habe. Aber auch hier schafft es Autorin Marissa Meyer die Geschichte spielerisch in ihre steampunkige Welt zu integrieren. Ich mochte die Geschichte von Scarlet sogar am Ende ein bisschen lieber, weil die lange Einführungsphase fehlte und es sehr schnell sehr spannend wurde. Auch wenn die Geschichte von Scarlet im Vordergrund steht, wird dennoch auch Cinders Geschichte weitererzählt. So kann man erahnen, in welche Richtung das ganze gehen kann und doch tappe ich vollends im Dunkeln, wie die Geschichte aufgelöst werden soll. Gerade am Anfang habe ich gemerkt, dass ich vielleicht ein bisschen weniger Zeit zwischen den beiden Bänden hätte lassen sollen, da ich so doch etwas schwer in den zweiten Band reinkam, da die Autorin auf das übliche „Was bisher geschah“ verzichtete. Durch ein paar kurze Erinnerungen, die geschickt eingebaut wurden, konnte ich mich dann aber doch wieder an die wichtigsten Details erinnern und so die neue Geschichte genießen. Vor allem fand ich es gut, dass mich die Geschichte im zweiten Band noch wesentlich mehr überraschen konnte, da der erste, der sich an Aschenputtel orientierte, sich noch sehr am Schema des Märchens orientierte. Man erkennt zwar auch hier, um welches Märchen es sich handelt, aber mit mehr Freiheiten, um sich besser an die Rahmenhandlung anzupassen. Der dritte Teil steht jetzt noch dringender auf meiner Wunschliste.

Someone to stay – Laura Kneidl

Die Handlung: Aliza hat Lucien auf einem Sommerfest kennengelernt und eigentlich fanden sich beide auch gleich sympathisch. Aber sie haben einfach absolut keine Zeit für eine Beziehung. Aliza jongliert mit ihrem Jura-Studium, ihrem erfolgreichem Blog, Zeit mit ihrer Familie und Freunden und dann steht auch noch die Veröffentlichung ihres Buches kurz bevor. Lucien hat sein Studium, seinen Job und das Sorgerecht für seine jüngere Schwester, die ihn ganz schön auf Trab hält. Hat ihre Liebe dennoch eine Zukunft?

Meine Meinung: Was habe ich auf den dritten und letzten Teil der Someone-Reihe hingefiebert. Aliza und Lucien waren mir schon in den beiden vorherigen Bänden (Someone New und Someone Else) so sympathisch und ich freute mich, auf die Geschichte der beiden. Ich liebe die Reihe schon allein deswegen, weil sie wunderbar divers ist, vermeintliche Tabuthemen anspricht und es doch wunderschöne Liebesgeschichten sind. Und auch hier bekam ich genau das wieder geboten. Allerdings, wie das wahrscheinlich immer so ist, waren meine Erwartungen an den dritten Band mit meinen Lieblingscharakteren einfach ein bisschen zu hoch. Denn es ist eine absolut tolle Geschichte, behandelt auch wieder wichtige Themen und Aliza und Lucien sind einfach nur supersüß miteinander. Aber irgendwo fehlte mir das letzte Etwas. Wäre es der erste Teil gewesen, wäre ich wahrscheinlich absolut zufrieden mit allem, aber so waren meine Erwartungen einfach höher. Fassen wir zusammen: Von den Charakteren her, war dies wohl mein liebstes Buch der Reihe. Vom Gesamteindruck fand ich Someone New ein bisschen besser, einfach weil es mich, gerade mit der Auflösung am Ende, mehr geflasht hat.

Hold me tonight – Lana Rotaru

Die Handlung: Amanda ist noch immer auf der Suche nach Antworten zu dem Tod ihres Bruders. Diesmal findet sie sogar welche und kommt dadurch Dante wieder näher, der sie jedoch mit seiner Bad Boy-Attitüde noch immer in den Wahnsinn treibt. Was ist damals wirklich geschehen? Welche Rolle spielte Dante?

Meine Meinung: Den ersten Band habe ich noch ziemlich kritisch betrachtet, weil er mir einfach keine meiner Fragen beantworten konnte. Dies wird nun endlich erfüllt. Dadurch konnte ich die Geschichte zwischen Amanda und Dante auch mehr genießen. Natürlich gab es trotzdem immer noch neue Fragen, die beantwortet werden wollten, aber es gibt ja auch noch zwei Bände. Aber die Antworten, die man erhält, hatten es dann auch direkt in sich. Außerdem war man so einerseits etwas befriedigt, weil es endlich Antworten gab und andererseits konnte man immer noch mit der Geschichte mitfiebern, weil es halt immer noch unbeantwortete bzw. neue Fragen gab. So richtig in die Geschichte habe ich dann aber gegen Ende gefunden. Dann hat es Autorin Lana Rotaru geschafft einen Showdown der besonders spannenden Klasse zu schaffen. Ab da konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Es war so gut und so spannend! Jetzt bin ich schon gespannt, wie es im dritten Band weitergehen wird. Aber bisher ist Band 2 mein Highlight der Reihe.

Zwei Leben in einer Nacht – Carolin Wahl

Die Handlung: Sam und Casper kennen sich nicht. Doch in dieser Nacht treffen sie aufeinander. Denn sie haben beide einer Online-Challenge zugestimmt. Das Ziel: Gemeinsamer Selbstmord. Doch zuvor stehen fünf Aufgaben bevor, die sie auf diesen Schritt vorbereiten sollen.

Meine Meinung: Ich hatte vor diesem Buch ein bisschen Angst. Ich bin immer immer wieder um es herum geschlichen, weil ich es einerseits gut fand, dass so ein Thema angesprochen wurde, aber andererseits feige war, um mich mit so einem Thema und vor allem den Gedanken der Protagonisten auseinanderzusetzen. Ich habe mich schließlich dafür entschieden. Und ich muss sagen, dass Carolin Wahl es schafft eben nicht die typischen Klischees zu verarbeiten, sondern greifbare Charaktere zu schaffen, dessen Gründe man vielleicht nicht bis zur endgültigen Konsequenz nachvollziehen kann, denen man aber auch nicht zuschreibt, dass sie einfach nur überreagieren würden. Wir bleiben auch ganz nah an den beiden Protagonisten, ihren Ängsten, Sorgen und Träumen. Wir befassen uns wirklich mit ihnen. Die Handlung ist linear, nur durchbrochen von kleinen Rückblenden, um die Charaktere noch besser zu verstehen. Sie dürfen ihre Geschichten auch abwechselnd erzählen, so dass man beide auf die eigene Art versteht. Und obwohl die Dialoge und Gedanken der Protagonisten im Vordergrund standen, ist das Buch auch durchgehend spannend. Frau Wahl schafft auf 280 Seiten, was andere auf 500 nicht schaffen. Abschließend möchte ich noch dafür plädieren, das Buch zur Pflichtlektüre an Schulen zu machen.

Meine dunkle Vanessa – Kate Elizabeth Russell

Die Handlung: Vanessa ist Mitte 30 und arbeitet als Concierge. Ihr Leben ist aber das reinste Chaos. Und mitten in der ganzen MeToo-Debatte tauchen Anschuldigungen gegen Jacob Strane, einen ehemaligen Lehrer Vanessas auf, in der er beschuldigt wird, Minderjährige sexuell belästigt zu haben. Vanessa hat mit Strane ihre ganz eigene Geschichte, aber die war doch etwas ganz anderes, oder? Vanessa muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander setzen, und sich dabei fragen, ist sie als Teenager vergewaltigt worden?

Meine Meinung: Meine dunkle Vanessa ist so ein Buch, dass ich unbedingt lesen wollte, dass mir dann aber sehr schwer fiel zu lesen. Und das lag einfach an dem Thema. Denn Mrs. Russell hat einen sehr flüssigen Schreibstil und schafft es das sehr schwierige Thema aus den richtigen Blickwinkeln zu betrachten. Die Handlung wird stets aus der Sicht von Vanessa erzählt und zwar auf zwei Zeitebenen. Einmal 2017 als die Beschuldigungen gegen Strane auftauchen und Vanessa anfängt zu reflektieren und 2000/2001 als sie selbst als 14/15-jährigen auf Strane trifft. Dabei schafft Russell es gekonnt, nicht in die typischen Täter/Opfer-Muster zu verfallen, sondern ganz differenziert an die Sache heranzugehen. So gibt es eine sanfte Aufarbeitung der Geschichte, allerdings stets aus Vanessas Sicht. Am Ende kann ich dennoch nicht sagen, ob ich das Buch gut fand. Ich fand es gut, dass es kein klassisches Täter-Opfer-Klischee gab, ich fand es gut, dass auf alle Konsequenzen bis ins Erwachsenenalter eingegangen wurden, dass sich mit der metoo-Debatte auseinandergesetzt wurde, dass aber auch gewisse Vorgehensweisen hinterfragt wurden. Ich fand es schade, dass die Aufarbeitung von Vanessa wesentlich kürzer ausfiel, als die Rückblenden. Und mir fehlte am Ende irgendwo die Reflexion Vanessas. Aber da wäre es wahrscheinlich auch schwierig geworden, dass ohne den erhobenen Moralfinger zu machen bzw. ohne die vorher aufgebaute Vanessa zu zerstören.

Habt ihr eins davon gelesen? Wie fandet ihr es?

Ohne Schuld

Ein Vorwort

Charlotte Link gehört wohl zu den AutorInnen, die sich mit recht zu meinen Lieblingen zählen dürfen. Hat sie mich doch Buch um Buch begeistern können. Bis sie 2015 mit Die Betrogene zum ersten Mal Richtung Krimi ging. Auch konnte mich die Protagonistin Kate Linville einfach nicht überzeugen. Kurz darauf gab es mit Die Entscheidung den nächsten Krimi, ohne Linville, der aber an blassen Figuren krankte und sich zu sehr an Stereotypen orientierte. 2018 sollte es dann mit Die Suche weitergehen, in der wir erneut auf Linville trafen. Das war der Punkt, wo ich dachte, dass ich einfach keine Krimis von Charlotte Link mehr lesen werden. Und nun kam Ohne Schuld. Wieder mit Kate Linville als Protagonistin. Und ich konnte nicht anders und musste es doch lesen. Und was soll ich sagen: Ich wurde positiv überrascht und hätte es bereut, wenn ich es nicht gelesen hätte. Wieso erfahrt ihr in meiner Kritik.

 

Die Handlung

Kate Linville hat ihren Job bei Scotland Yard gekündigt, um im Norden noch einmal völlig neu anzufangen. Und schon ist sie mitten drin im neuen Fall. Denn im Zug rennt ihr eine panische Frau in die Arme. Xenia Paget ist sich sicher, dass sie ermordet werden soll. Und tatsächlich stehen beide Frauen kurz darauf unter Beschuss. Die Ereignisse werden aber noch rätselhafter als ein paar Tage später eine andere Frau mit dem Fahrrad über einen gespannten Draht fährt und sich lebensbedrohlich verletzt. Das erstaunliche ist, dass an beiden Orten Schüsse aus der gleichen Waffe abgefeuert wurde. Wo ist der rote Faden? Wie gehören beide Frauen zusammen?

Meine Meinung

Ohne Schuld beginnt eigentlich ähnlich wie auch Die Betrogene oder Die Suche. Wir haben Kate Linville, die irgendwie in den aktuellen Fall der Polizei von Scarborough reinstolpert. Diesmal aber muss sie danach nicht auf eigene Faust ermitteln, sondern ist direkt in die Ermittlungen eingespannt. Das hat schon einmal den Vorteil, dass sie viel mehr Freiraum bekommt, um ihre Fähigkeiten als Ermittlerin zu demonstrieren, anstatt die halbe Zeit über ihr einsames Leben zu jammern. Das macht sie als Person schon einmal greifbarer. Man fiebert mehr mit ihr mit, statt sich zu freuen, wenn es mal nicht um sie geht. Natürlich ist sie nicht sofort ein neuer Mensch, ihr Charakter bleibt sich noch treu, aber es ist ein besseres Gleichgewicht. Dann haben wir vermehrt wechselnde Perspektiven zwischen anderen Charakteren aus ihrem Team, bzw. den betroffenen Frauen. Unterbrochen wird das ganze durch eine Art Tagebucheintrag einer lange Zeit unbekannten Person, die irgendwo mit allem zu tun zu haben scheint. 
Die Handlung an sich ist sehr linear und lange Zeit wird auch nichts genaueres über die Hintergründe der neuen Charaktere erzählt, sondern immer nur angedeutet. Lediglich die Tagebucheinträge scheinen irgendwo Hinweise zu geben, aber die kann man einfach keinem zuordnen. Die Ermittlungen selbst kommen nur langsam voran, aber das wirkt dafür umso realistischer. Auch schafft Link es immer wieder versteckte Hinweise einzubauen, so dass man als Leser miträtseln kann und selbst zwischendurch fast verzweifelt, weil einfach nichts passen will. Dafür ist man als Leser aber auch durch die wechselnden Perspektiven an allen Charakteren nah dran und verfolgt gespannt ihre Schicksale. 
Die Lösung des Falls ist dann noch einmal völlig überraschen und deckte sich nicht mit meinen Vermutungen, was ein gutes Zeichen ist. Gleichfalls ist es absolut erschreckend, wozu Menschen fähig sind. Link versucht zwar die meisten Taten zu erklären und manche Teile der Auflösung kann man irgendwo noch nachvollziehen, auch wenn es echt erschreckend ist. 
Mit knapp 550 Seiten ist Ohne Schuld schon ein dickes Buch für einen Krimi. Aber der Fall reicht dafür aus, um alle Seiten spannend zu füllen, ohne das er unnötig gestreckt oder aufgeplustert wirkt. Hier zeigt Link einmal mehr, dass sie ihre Geschichten um die Charaktere spannt und diese auch einfach ihre Ecken und Kanten zeigen dürfen – Fun Fact: Genau das habe ich mir in meiner Kritik zu Die Entscheidung gewünscht. Manchmal gehen Wünsche also doch in Erfüllung! 

Das Fazit

Ohne Schuld ist zwar nicht Charlottes Link erster Krimi, aber der erste, der qualitativ an ihre psychologischen Spannungsromane heranreicht. Spannende Handlung, interessante Charaktere, große Geheimnisse und realistische Polizeiarbeit vereinen sich hier zu einem Krimi mit Links ganz besonderer Handschrift. 

Ohne Schuld ist seit dem 02.11.2020 in allen Buchhandlungen erhältlich

Ohne Schuld wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Rückblick auf den Oktober 2020

Willkommen mitten in der zweiten Coronawelle. Erneut mit Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Kinos. Und weil einem die aktuellen Themen nur traurig/wütend machen können, blicken ich lieber noch einmal auf den Oktober zurück, in dem ich mich noch an den geöffneten Kinos erfreuen konnte. 

Anime Special

The Dragon Dentist: Nonoko gehört zu den Zahnärzten eines großen Drachens, der kilometer lang ist, ganze Schlachtschiffe transportieren kann und im aktuellen Krieg entscheiden sein kann. Eines Tages taucht der Soldat Bell aus einem der Zähne auf. Er gehört eigentlich der Gegenseite an und ist gestorben. Sein Auftauchen aus dem Zahn ist ein Omen für großes Unheil. – Eine sehr interessante Idee, die spannend und voller schöner Bilder umgesetzt wurde. Auch für Nicht-Anime-Fans durchaus sehenswert.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Jim Knopf und die Wilde 13: Die Fortsetzung und zweite Buchverfilmung der Reihe. Auch diesmal begleiten wir wieder Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer auf neuen Abenteuern. Denn Lummerland braucht einen Leuchtturm. Auch kommen sie der Wilden 13 auf die Spur. – Der Film hat aus dem Vorgänger gelernt, kleinere Stolpersteine werden umschifft und die Geschichte mit einer sehr schönen Optik umgesetzt.

Es ist zu deinem Besten: Deutschland und seine Komödien. Diesmal darf die Altherrenriege sich um ihre Töchter sorgen. Denn die haben nicht gerade den Männergeschmack, den sich die Väter erhoffen. Also beschließen die Väter nachzuhelfen. – Deutlich besserer Humor als nach dem Trailer zu vermuten war, aber dennoch verpasst der Film es mehr zu sein als nur die übliche deutsche Komödie oder gar Tiefgang zu haben.

Vergiftete Wahrheit: Anwalt Robert Bilott stolpert in einen Skandal, der unsere Gesundheit betrifft. Der Streit soll 19 Jahre dauern. – Der Film umschifft die üblichen Stolpersteine eines investigativen Films und erzählt die Geschichte verständlich und spannend.

Der geheime Garten: Mary Lennox (Dixie Egerichs) entstammt einer britischen Familie, die in Indien lebt. Nach dem Tod der Eltern reist sie zu ihrem Onkel auf ein alten britisches Anwesen. Sie kann sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen, bis sie den Schlüssel zu einem geheimen Garten findet. – Handlungstechnisch viel neu interpretiert zur Buchvorlage, dadurch aber eine schöne Geschichte mit traumhafter Kulisse geschaffen.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Im Oktober lief erneut Hamilton (ich liebe dieses Musical) bei mir. Für meine Monsterwochen liefen Bram Stokers Dracula, Mary Shelleys Frankenstein, und die drei Draculaverfilmungen mit Christopher Lee (Dracula, Draculas Rückkehr und Das Blut von Dracula) bei mir im Heimkino.

Enola Holmes: Die jüngere Schwester des Meisterdetektivs stolpert nach dem Verschwinden ihrer Mutter in eigene Ermittlungen. – Spannende Geschichte, tolle Protagonistin, schöne Optik und interessante Rätsel.

Der blaue Engel: Professor Rath will eigentlich nur dafür sorgen, dass seine Schüler nichts unflätiges im Variete Der Blaue Engel tun. Dabei verfällt er selbst der Tingeltangelsängerin Lola Lola (Marlene Dietrich). – Ein weiterer Klassiker, den die ARD im Rahmen der dritten Staffel von Babylon Berlin zeigte. Der zweite deutsche Tonfilm brachte den Durchbruch für Marlene Dietrich, auch wenn die Geschichte aus heutiger Zeit vielleicht etwas chaotisch wirken mag. 

M – eine Stadt sucht einen Mörder: In Berlin verschwinden Kinder und werden ermordet wieder aufgefunden. Angst geht um in der Stadt. Als es eine Spur gibt, tut sich ein Mob zusammen. – Der dritte Klassiker, den ich von der ARD Aktion sehen konnte. Eine spannende Kriminalgeschichte über Selbstjustiz.

The undefeated presents: Hamilton in-depth: Ein zweites Special über Hamilton mit Interviews der Darsteller und des Regisseurs. – Wie schon das Special „History has its eyes on you“ bringt das Special tiefere Einblicke in die Hintergründe. Diesmal erzählen die Darsteller unter anderem wie es bei ihren Castings ablief.

Stuber: Ein Cop wird an den Augen operiert und kann daher nur verschwommen sehen. Genau an dem Tag bekommt er den Hinweis, dass ein Drogenboss einen großen Coup plant. Da er mit dem Drogenboss noch etwas persönliches zu klären hat, holt er sich ein Uber, das ihn zur Übergabe fahren soll. – Eine Buddykomödie mit etwas schräger Prämisse. So richtig wollen die Witze auch nicht zünden, aber zumindest wurde nicht an Actionmaterial gespart.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Die Misswahl – der Beginn einer Revolution: Einer Gruppe Frauen ist der Sexismus während der Misswahlen ein Dorn im Auge. Sie versuchen durch verschiedene Aktionen darauf aufmerksam zu machen. – Hier interessierte mich das Thema schon und dann sah der Trailer gleichzeitig spannend und witzig aus. Der Film wird nachgeholt.

Mrs. Taylors Singing Club: Eine Gruppe von Frauen, deren Männer allesamt im Auslandseinsatz sind, gründen einen Chor, um sich gemeinsam in der unsicheren Zeit zu unterstützen. – Trotz eher verhaltener Kritiken, hat mich der Trailer bereits zutiefst berührt – vielleicht auch nur wegen der Interpretation von Time after time. Auf jeden Fall möchte ich den Film gerne noch sehen.

Hexen hexen: Hexen mit einer Abneigung gegen Kinder. Damit versucht ein Waisenjunge zurechtzukommen. – Kurz vor den Kinoschließungen kam noch das Remake der Roald Dahl Verfilmung in die Kinos. Der Trailer sprach mich direkt an, auch wenn ich weder den Roman, noch das Original kenne.

Ganz knapp nicht auf die Liste geschafft haben es: Niemals, Selten, Manchmal, Nie, Peninsula und Kajillionaire

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

The Home Edit – Staffel 1 (Eine tolle Serie übers Aufräumen mit charmanten Hosts)

Modern Family – Staffel 10 (Noch immer eine tolle Sitcom mit tollen Charakteren und auch in der 10. Staffel ist die Luft noch nicht raus)

Love, Death and Robots – Staffel 1 (Eine Anthalogieserie mit den Themen Liebe, Roboter und Tod, leider waren die meisten Episode so gar nicht mein Fall)

The Mentalist – Staffel 1-2 (Ich bin lange um die Serie herumgeschlichen, da aber mal wieder Crimezeit im Herbst ist, habe ich sie mal ausprobiert und sie gefällt mir sehr gut)

Tiny House Nation – Staffel 1-2 (Interessante Serie über das Bauen von Tiny Häusern, aber so der letzte Funken hat gefehlt)

Sex Education – Staffel 1 (Grundsätzlich gute Idee, interessante Charaktere, die Serie nimmt kein Blatt vor den Mund. Aber mich hat sie nicht richtig abgeholt und gerade mit dem Mobbingthema hatte ich persönlich zu kämpfen)

Upload – Staffel 1 (Coole Idee, langatmiger Einstieg, hinten raus hat die Serie aber die Kurve bekommen) 

Community – Staffel 5 (Vielleicht hätte man die Serie doch nach der vierten Staffel enden lassen sollen. Spätestens wenn zu viele Darsteller abspringen, bringt es vielleicht nichts mehr)

Emily in Paris – Staffel 1 (Ich weiß noch nicht, ob es ein Statement gegen die Werbebranche oder gegen Frankreich ist, auf jeden Fall sehr kritische Darstellung mit einer dafür viel zu gut gelaunten Protagonistin. Schwierige Serie)

Miracle Workers – Staffel 1 (Ich präsentiere: Definitiv eins meiner Jahreshighlights. Der schwarze Humor darüber den Himmel als große Fabrik darzustellen mit einem sehr durchgeknallten Gott fand ich einfach nur herrlich!)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 11
Seiten gesamt: 4.076
Seiten pro Tag: 131 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 6
Taschenbuch: 4
E-Book: 1

Die Chroniken von Alice 1 – Finsternis im Wunderland: Alice ist in einer Irrenanstalt, da alle glauben, dass sie sich die Geschichte mit dem Kaninchen nur ausgedacht hat. Nur ihr Zellennachbar Hatter glaubt ihr. Bei einem Brand in der Anstalt können sie fliehen. Und auf einmal muss Alice feststellen, dass ihre Erinnerung echt ist, – Diese horrormäßige Adaption der Alice im Wunderlandgeschichte ist voller guter Ideen, passenden Bezugspunkten und doch in vielerlei Sinne absolut abschreckend. Eine spannende Geschichte!

Talus: Erin ist Guide in Edinburgh. Ihre Spezialität sind Gruselführungen, zumal sie an Magie glaubt. Bis sie erkennt, dass es Magie wirklich gibt und schon ist sie mittendrin im Abenteuer. – Liza Grimm schafft es spielerisch den Leser in ihre neue magische Welt unter Edinburgh zu ziehen und zu faszinieren.

Illuminae – Die Illuminae Akten 1: Nach dem Anschlag auf ihren Planeten finden sich Ezra und Kady auf unterschiedlichen Schiffen wieder auf dem Weg zur Rettungsstation. doch sie werden noch immer von der feindlichen Flotte verfolgt und auch intern gibt es einige schwerwiegende Probleme. – Dieses Buch ist alles, nur nicht gewöhnlich. Denn es ist nicht linear geschrieben, sondern beinhaltet diverse Chatverläuft, Protokolle, Übersichtspläne, Berichte und andere Arten der Aufzeichnung. Es liest sich daher eher wie ein Film als ein Buch. Und ist dabei auch noch unfassbar spannend!

Ein Schotte kommt selten allein*: Janne liebt Schottland, hasst aber Busrundreisen. Leider haben ihre Freunde ihr genau diese Art zu reisen geschenkt. Aber nachdem Janne in den falschen Bus einsteigt und neben dem gutaussehenden Schotten Alex landet, findet sie Busreisen gar nicht mehr so schlimm. – Am Anfang hat mich Jannes sehr negative Einstellung gestört, aber nachdem sie den Bus tauscht, wird es ein wirklich tolles Buch. [Werbung]

Der blaue Express – ein Fall für Poirot: Auf dem legendären blauen Express wird eine Millionärserbin ermordet und sehr wertvolle Diamanten sind gestohlen. Hercule Poirot nimmt sich dem Fall an und lässt sich von der einfachsten Lösung nicht beeindrucken. – Bisher eine der stärksten Geschichten, vor allem weil es aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt wurde und sich nicht an einen Erzähler klammert.

Wie Blut so rot: Cyborg Cinder hat entdeckt, dass sie die Erbin von Luna ist und deswegen vor vielen Jahren aus dem Weg geräumt werden sollte. Gleichzeitig sucht Scarlet in Südfrankreich nach ihrer Grandmere. Dabei begegnet sie dem Widerstandskämpfer Wolf. – Der zweite Teil der Luna Chroniken war sogar noch ein bisschen spannender als der erste Teil, vielleicht weil mir die Geschichte um Scarlet und Wolf mehr zusagte. 

Truly – Nach dem Tod ihrer Mutter kommt Andy endlich auf dem Campus in Seattle an. Leider ohne Stipendium und ohne Wohnheimplatz. Durch Zufall bekommt sie einen Job hinter einer Bar und lernt dort den stillen Cooper kennen. Und trotz seiner abweisenden Art fühlt sich Andy zu ihm hingezogen. – Ein New Adult Roman, in dem ich mich sehr schnell verliebt habe. Ich mochte den Schreibstil, die Charaktere und die Handlung. Einfach nur toll.

Der geheime Garten: Mary Lennox entstammt einer britischen Familie, die in Indien lebt. Nach dem Tod der Eltern reist sie zu ihrem Onkel auf ein alten britisches Anwesen. Sie kann sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen, bis sie den Schlüssel zu einem geheimen Garten findet. – Pünktlich zum Kinostart habe ich auch die Buchvorlage gelesen. Ich wusste, dass ich es vor vielen Jahren schon einmal gelesen hatte, aber nicht mehr worum es genau ging. Das Buch ist sehr nüchtern geschrieben, aber die beschriebene Geschichte ist trotzdem sehr toll, auch wenn die Magie hier eher im Kopf der Kinder stattfindet.

Someone to stay: Aliza hat Lucien auf einer Sommerparty kennengelernt und beide waren sich sofort sympathisch. Doch Aliza hat mit ihrem Studium, ihrem Blog, ihrem Buch, das bald erscheint, und ihren Freunden eigentlich schon genug zu tun. Auch Lucien versucht neben Studium, Job und dem Sorgerecht für seine jüngere Schwester noch ein wenig Zeit für Freunde zu finden. Wie sollen sie nur je zusammen finden? – Der dritte und damit letzte Teil der Someone Reihe war von mir am heißesten ersehnt, mochte ich Aliza und Lucien schon in den vorherigen Bänden am meisten. Und die Geschichte ist wirklich toll geworden, auch wenn sie im Mittelteil einen kleinen Hänger hatte.

Hold me tonight – Amanda sucht noch immer nach Antworten über den Tod ihres Bruders. Und diesmal scheint sie tatsächlich zu Dante durchzudringen und erhält erste Erklärungen. Bis sie auf einmal mitten in eine Strudel aus vermissten Leuten steckt. – Der zweite Teil der Crushed Trust Reihe beginnt wie bereits der erste etwas langsam, schafft es dann aber endlich ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen und wird am Ende sogar richtig spannend.

Juno und die Reise zu den Wundern*: Juno ist eine junge Frau, die seit ihrer Kindheit unter Einsamkeit leidet. In der schielenden Stadt begegnet sie dem geheimnisvollen Mr. James, der ihr aus einer alten Münze zwei Ringe anfertigt. Mit deren Hilfe bestimmt sie die nächsten Stationen ihrer großen Reise. Ein Abenteuer steht bevor, voller neuer Bekanntschaften und außergewöhnlicher Erlebnisse. – Irgendwo zwischen Kinderbuch und Einstieg in die Philosophie mit einer guten Mischung Lebensweisheiten. [Werbung]

*Ich bedanke mich bei den Verlagen für die Rezensionsexemplare

Wie war euer Oktober? Wie immer die Frage: Habt ihr Film/Serien/Buchempfehlungen für mich?

 

Juno und die Reise zu den Wundern

Ein Vorwort

Es hätte ein ganz normaler Tag im Hause Moon werden können. Doch dann flatterte eine E-Mail ins Postfach. Schauspielerin Judith Hoersch, den meisten wohl aus diversen Fernsehproduktionen, aber auch aus Filmen, wie A Cure for Wellness oder Schneeflöckchen, bekannt, hat ein Buch geschrieben. Und weil der Beititel des Buches schon „Eine fabelhafte Geschichte“ heißt, zog es kurz darauf in meinem Bücherregal ein.

Die Handlung

Juno ist eine junge Frau, die seit ihrer Kindheit unter Einsamkeit leidet. In der schielenden Stadt begegnet sie dem geheimnisvollen Mr. James, der ihr aus einer alten Münze zwei Ringe anfertigt. Mit deren Hilfe bestimmt sie die nächsten Stationen ihrer großen Reise. Ein Abenteuer steht bevor, voller neuer Bekanntschaften und außergewöhnlicher Erlebnisse.

Meine Meinung

Als ich das Buch bestellt, hielt ich es für ein typisches Kinderbuch. Als es bei mir einzog und ich anfing zu lesen, hielt ich es für eine tiefgründige philosophische Abhandlung über den Sinn des Lebens. Die Wahrheit dürfte irgendwo zwischen beiden Annahmen liegen. Denn einerseits ist es eine Geschichte, die wohl für Kinder geschrieben wurde. Einige Handlungselemente, wie sprechende Kamele oder die Möglichkeit mit einem Pony von Island bis Afrika zu reiten (und das in wenigen Tagen) sind so fantastisch, dass sie wohl nur einem Kinderbuch entsprungen sein können. Gleichzeitig scheint es eine philosophische Abhandlung über die Einsamkeit zu sein. Juno lernt auf ihren Reisen verschiedene Menschen kennen, die ihr immer wieder Lektionen über das Leben mitgeben, die zwar simpel gehalten sind, aber trotzdem wohl eher von Erwachsenen richtig verstanden werden. 
Die Handlung selbst beginnt in Junos Kindheit. Die Beziehung zu ihren Eltern, wenn diese auch sehr unterschiedlich waren, hat mich irgendwo traurig gestimmt. Von da an, braucht das Buch aber noch eine ganze Weile, ehe es endlich auf die Reise losgeht. Dabei werden keine direkt Länder- oder Städtenamen genannt, sondern Umschreibungen. Während ich einige direkt zuordnen konnte, rätsle ich bei anderen immer noch. Es gibt zwar im Buchrücken eine Karte mit eingezeichneten Symbolen und dazu am Ende des Buches auch eine Legende, aber einige Länder und Städte finde ich trotzdem noch schwer richtig zuzuordnen. Beispielsweise kann ich nicht sagen, ob die schielende Stadt in Schottland oder Norwegen liegen soll. Letztlich ist dies aber für die Geschichten nicht ausschlaggebend.
Die Geschichten sind alle sehr kurz gehalten, weswegen sie sich gut als Gute-Nacht-Geschichten oder als kleine Zwischendurchlektüre eignen. Mit 160 Seiten ist das Buch insgesamt sehr dünn und zügig durchlesbar. Aber gerade dafür ist der Anfang bis zum Beginn der Reise sehr lange und leider auch langatmig geraten. Dafür hätte ich mir hintenheraus noch ein paar mehr Geschichten von der Reise gewünscht, oder ein richtiges Ende. Denn leider wirkt das ziemlich übereilt. Ganz nach dem Motto, die Geschichte ist nun erzählt, also noch schnell die Auflösung in ein Kapitel pressen und fertig ist das Buch. Reicht mir für die Geschichte als Ende leider nicht. 
Grundsätzlich hat mir das Buch gefallen. Gerade die verschiedenen Abenteuer fand ich sehr schön und es fühlte sich wie eine kleine Philosophiestunde für zwischendurch an. Die fantastischen Elemente haben sich gut in die Geschichte eingefügt, so dass kein Widerspruch zwischen rational erklärbarem und fantastischem entstand. Dennoch find ich es schwierig eine Zielgruppe für das Buch zu bestimmen, der ich es empfehlen könnte. 

Das Fazit

Juno und die Reise zu den Wundern steckt irgendwo zwischen Kinderbuch und philosophischer Abhandlung fest und hat so keine klare Zielgruppe. Dennoch ist es zwischendurch eine süße, fantastische Geschichte voller Lebensweisheiten, trotz zu langem Anfang und zu kurzem Ende.

Juno und die Reise zu den Wundern ist seit dem 12.10.2020 in allen Buchhandlungen erhältlich.

Juno und die Reise zu den Wundern wurde mir vom Diederichs Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Eine Handvoll Bücher

Heute mit: dem Finden einer Stimme im Theater, den 10. Hungerspielen, eine Historikerin auf Zeitreisen, einer erwachenden Schattenkönigin und einer horrormäßigen Alice im Wunderland-Adaption.

Never Doubt – Emma Scott

Die Handlung: Willow muss mit ihren Eltern aus New York City wegziehen und findet sich im kleinen Städtchen Harmony wieder. Eigentlich würde sie lauthals protestieren, aber seit dem Vorfall vor einem Jahr hat sie ihre Stimme verloren. Bei einem Vorsprechen am örtlichen Theater findet sie ihre Stimme in den Worten Shakespeares wieder. Ebenso wie der Bad Boy der Stadt Isaac, der auf der Bühne jemand ganz anderes zu sein scheint.

Meine Meinung: Emma Scotts All in-Reihe gehört auf jeden Fall zu meinen Jahreshighlights. Never Doubt ist ein Einzelband, aber ebenfalls mit einer sehr tiefgehenden Geschichte. Es behandelt Tabuthemen und setzt sich mit Vorurteilen auseinander. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Willow und Isaac erzählt, was einem Einblicke in die Gedankenwelt von beiden Seiten ermöglicht. Gemeinsam haben sie ihre Liebe zum Theater und das sie mit ihren eigenen Worten nicht sagen können, was sie gerne sagen wollen und daher die Worte auf der Bühne nutzen. Dabei schafft es Emma Scott wieder ihre Geschichte so tief zu gestalten und die einzelnen Szenen so intensiv werden zu lassen, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Dabei geht Emma Scott wieder dem Weg des logischen und nicht unbedingt dem, den der Leser sich wünschen würde. Aber auch diesmal schafft sie es den Leser am Ende doch noch zufrieden zu stellen, auch wenn die Protagonisten eventuell eine Hürde mehr nehmen mussten, als in vergleichbaren Werken.

Die Tribute von Panem X – Suzanne Collins

Die Handlung: Die 10. Hungerspiele stehen bevor. Der junge Coriolanus Snow ist Schüler an der Akademie im Kapitol. Obwohl der Name seiner Familie noch viel Einfluss hat, lebt er doch in ärmlichen Verhältnissen. Als er die Chance bekommt als Mentor bei den Hungerspielen mit zu wirken und die Aussicht auf ein Stipendium für das Studium lockt, ist er sofort dabei. Doch dann bekommt er als Tribut das Mädchen aus Distrikt 12 zu geteilt. Doch Snow versucht alles, um ihr und sich selbst zum Sieg zu verhelfen.

Meine Meinung: Brauchte es ein Prequel zur Tribute von Panem Reihe? Wohl eher nicht. War die Entscheidung den späteren Präsidenten Snow als Protagonist vorzustellen eine gute Entscheidung? Nun, durchaus, birgt die Geschichte doch ziemlich viel Potential. Hat die Geschichte das Potential auch genutzt? Tja, das ist nun etwas schwierig zu beantworten. Erst einmal ist Das Lied von Vogel und Schlange mit knapp über 600 Seiten schon sehr dick – zum Vergleich der erste Band hatte knapp über 400 Seiten – die Geschichte musste also einiges bieten, um spannend zu bleiben. Und zunächst ist die Einsicht in das Leben im Kapitol auch durchaus spannend. Es ist noch lange nicht das schillernde Überflussparadies, wie später in Katniss‘ Zeitstrang, da die Rebellion der Distrikte erst 10 Jahre zurückliegt und auch das Kapitol sich davon noch erholen muss. Autorin Suzanne Collins verfolgt hier also das Prinzip, die Entwicklungen des Kapitols und der Hungerspiele aufzugreifen. Die Hungerspiele sind also noch lange nicht die, die wir von Katniss kennen. Allein die verschiedenen Überlegungen, wie man die Spiele effektiver bzw. spannender gestalten könnte, sind gut durchdacht und spannend zu verfolgen. So hat auch der treue Leser immer noch etwas neues zu entdecken. Auch die Geschichte zwischen dem Mädchen aus Distrikt 12 und Snow ist sehr interessant, weil es doch die spätere Bedeutung der Dialoge zwischen Katniss und Snow verdeutlicht. Auch der dritte Abschnitt des Buches, wirkt er am Anfang noch völlig aus der Luft gegriffen, gewinnt am Ende an Bedeutung für die Entwicklung Snows zu dem gerissenen Präsidenten. Letztlich ist das Buch aber einfach zu lang. Viele Szenen waren spannend, interessant und wichtig für das Verständnis eines zuvor sehr einseitigen Charakters. Aber viele hätte man auch kürzen können. Und mit einer besseren Reduktion auf das wirklich wichtige, hätte dem Buch noch einmal gut getan. Kommen wir zur Ausgangsfrage zurück. Es hätte dieses Prequel nicht gebraucht, aber es war durch seine Umsetzung auch nicht völlig sinnfrei. Durch den deutlichen Zeitsprung war genug Potential für die Geschichte da, das größtenteils genutzt wurde.

Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv – Jodi Taylor

Die Handlung: Madeleine „Max“ Maxwell ist Historikerin und Archäologin. Dabei ist sie für die stumpfe Forschungsarbeit in einer Bibliothek oder langweilige Ausgrabungen so gar nicht geeignet. Als ihre ehemalige Lehrerin ihr einen Job am St. Marys Institut anbieten, ist sie zunächst verwirrt. Doch als sie erfährt, was St. Marys wirklich macht, ist sie sofort dabei. Denn es ist kein gewöhnliches Institut. Denn hier werden Zeitreisen gemacht, um die wirklichen historischen Ereignisse live nachvollziehen zu können. Doch zunächst muss Max durch eine strenge Einarbeitungsphase.

Meine Meinung: Die Geschichte hatte mich sofort. Witzigerweise hatte ich zunächst den zweiten Teil auf den SuB, weil ich mich in den versprochenen Dodo der Handlung verguckt hatte. Ich beschloss dann aber doch zunächst den ersten Band zu lesen, was auch gut war, weil hier so viel passiert, dass ich wahrscheinlich vieles im zweiten nicht verstanden hätte. Dabei ist Max nicht unbedingt die sympathischste Protagonistin, aber trotzdem eine mit der man immer mitfiebert, auch mit all ihren Ecken und Kanten. Die Geschichte ist durchgehend spannend, was wohl auch daran liegt, dass einfach wahnsinnig viel passiert. Ich würde fast sagen zu viel, denn gefühlt sind die Protagonisten ständig nur in Gefahr und vor immer größeren Problemen. Was also andere Autoren in einer gesamten Trilogie erzählt hätten, findet hier in einem Band statt. Kommen wir auch schon zum einzigen Problem, das ich mit dem Buch hatte: Der Erzählstil. Es lag gar nicht am Schreibstil selbst, denn der war wunderbar flüssig. Es war wirklich der Erzählstil. Ein Beispiel: Mitten im Buch wird einem auf einmal gesagt, dass die Geschichte schon eine Zeitspanne von 5 Jahren umfasst. Das konnte der Leser aber an keiner Stelle wirklich ausmachen. Und natürlich kann in so einem Institut in fünf Jahren sehr viel passieren. Das erklärt auch die vielen Abenteuer, die alle erzählt werden. Im Prinzip gibt es keinen großen Spannungsbogen über das ganze Buch, sondern ein ständiges auf und ab. Problem taucht auf, Problem scheint unlösbar, Problem wird mit Verlusten und Verletzungen gelöst. Das nächste Problem taucht auf, das Problem scheint noch unlösbarer, wird dann aber mit noch mehr Verlusten und Verletzungen gelöst. Ein absolutes Finale bahnt sich, wird erstaunlich schnell gelöst. Naja, es gibt ja noch ein weiteres Problem. Aber das kann man ja wann anders lösen. Problem drängt sich und das eigentliche Finale startet. Es waren einfach zu viele Komponenten für eigenständige Bücher, das man sich auf keins richtig konzentrieren konnte und die Autorin auch viele eher stiefmütterlich behandelt hat, weil es natürlich noch die eine große Verschwörung geben musste. Man kann das auf und ab der Spannung gut finden. Mir war es einfach zu viel und ich habe auch einfach irgendwann die Übersicht verloren, so dass ich wirklich tolle Handlungsabschnitte nicht mehr so toll finden konnte.
Um es kurz zu machen: Ich mochte die Handlung und die Ideen sehr. Ich mochte nur nicht, wie sie erzählt wurden. Und das ist schade, weil es im großen und ganzen ein wirklich tolles Buch ist.

Rowan & Ash – Michael Handel

Die Handlung: Rowan ist seit seiner Kindheit mit der Kronprinzessin von Iriann, einer Insel, die einst von den Magiereserven aus dem mysteriösen Schattenlabyrinth profitierte, verlobt. Nun steht die Hochzeit bald bevor. Doch es gibt zwei Probleme. Zum einen droht die dunkle Königin aus dem Schattenlabyrinth zu erwachen und es wird überlegt, dieses zu versiegeln, was aber große Auswirkungen auf den Einfluss der Insel hätte. Zum anderen liebt Rowan jemand anderen. Allerdings nicht seine beste Freundin Raven, was ihm gerne unterstellt wird, sondern den Königssohn Ash.

Meine Meinung: Ein Fantasyroman mit einem homosexuellen Protagonisten? Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Und Christian Handel hat es wirklich geschafft mit Rowan einen wirklich tollen Helden zu kreieren, der eben nicht in die typischen Klischees passt. Er ist nicht der große Kämpfer, ist dafür aber schlau und gebildet. Er will nicht König werden, um Macht zu erlangen, sondern er will seine Verlobte unterstützen und beraten. Und er kämpft damit, dass er seine Homosexualität verbergen muss, weil sie in Iriann verpönt ist. Christian Handel zeigt uns, dass Mut auch ganz anders sein kann. Und das gerade das Überwinden von Ängsten viel Mut erfordert. Gleichzeitig schafft er es spielerisch uns in eine ganz neue Welt einzuführen, die für einen Einzelband eigentlich zu schade ist, aber trotzdem gut erklärt wird, ohne das es lediglich darum geht. Hier eine Information eingestreut, dort eine platziert, und schon fühle ich mich mittendrin, statt nur dabei. Und ganz nebenbei ist die Geschichte auch einfach nur rund und gelungen. Einziger Wermutstropfen ist das sehr offen gehaltene Ende. Ich habe im Rahmen der digitalen Frankfurter Buchmesse ein Interview mit dem Autor verfolgt, der meinte, dass für ihn die Geschichte an der Stelle fertig erzählt war und er eigentlich überrascht war, dass so viele das Ende kritisierten. Nun, Herr Handel, für mich ist das Ende nicht fertig erzählt, ganz und gar nicht! Denn die ausschlaggebenden Entscheidungen für die Zukunft wurden eben ausgelassen, nachdem Rowan zumindest eine getroffen hat. Aber genau die waren für mich spannend. Aber wie gesagt, dass macht den wirklich guten Roman nicht weniger gut, sondern lässt einen nur leicht unbefriedigt zurück.

Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland – Christina Henry

Die Handlung: Alice sitzt in einer Irrenanstalt, ihr einziger Gesprächspartner ist Hatter, der in der Nachbarzelle sitzt. Er soll einige Menschen abgeschlachtet haben, doch auf Alice macht er einen liebevollen Eindruck. Als die Irrenanstalt brennt, können die beiden den Flammen entkommen. Doch nun muss sich Alice ihrer Vergangenheit stellen. Einer verhängnisvollen Teeparty und dem weißen Kaninchen, doch was aus ihrer verschwommenen Erinnerung ist wahr und was geschah damals wirklich?

Meine Meinung: Ich bin ein großer Fan von Alice im Wunderland. Auch Adaptionen davon können mich gelegentlich in den Bann ziehen, sofern sie gut durchdacht sind und zwar etwas eigenständiges bieten, aber nicht die ganze Geschichte ad absurdum führen. Ein sehr gelungenes Beispiel ist Die Chroniken von Alice Dilogie, zumindest soweit ich das nach diesem ersten Band beurteilen kann. Denn das Wunderland wird hier in eine Stadt verwandelt, deren alter Stadtteil von verschiedenen Anführern „regiert“ werden. Dabei kommen einem die Gestalten durchaus bekannt vor. Zimmermann, Walross, Raupe, Grinser, etc. Doch man sollte sich vor Augen führen, dass es sich um eine Horrorvariante handelt. Auch wäre eine Triggerwarnung, was Gewalt, Vergewaltigung und ähnliches angeht, am Anfang durchaus angemessen gewesen. Wer mit solchen Themen Probleme hat, sollte von dem Buch Abstand nehmen. Wer sich trotzdem von einer Alice im Wunderland Horrorvariante überzeugen möchte, wird hier nicht enttäuscht. Die Geschichte ist, nachdem sie einmal Fahrt aufgenommen hat, durchgehend spannend, voller gut durchdachter Elemente, wenn auch an ein paar Stellen sehr grausam, und kann mit einem sehr flüssigem Schreibstil überzeugen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie es im zweiten Teil weitergehen soll.

Habt ihr eins der Titel gelesen? Wie fandet ihr es?

Ein Schotte kommt selten allein

Ein Vorwort

Während ich euch in der letzten Woche die magische Welt unter Edinburgh näher brachte, soll es diese Woche um eine Sache gehen, die ich zusätzlich zur Erkundung Edinburghs vorhatte: Busrundreise. Während es bei mir nur um kurze Tagesausflüge gehen sollte – danke Corona, für nichts – bekommt Karin Müllers Janne gleich das Rundumpaket mit. Aber zum Glück wird es noch abenteuerlich. Wie mir Ein Schotte kommt selten allein gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Janne ist begeisterter Schottlandfan und liebt die Serie Outlander. Als ihre Freundinnen ihr zu ihrem 40. Geburtstag eine Reise ins Land des Whiskeys und der Highlands schenken, müsste sie eigentlich überglücklich sein. Aber Janne hasst Busreisen. Und genau darum handelt es sich bei der Reise. Und schon ist sie eingequetscht zwischen lauten Outlander-Fans und muss Sightseeing nach einer strengen Stoppuhr machen. Bis sie aus Versehen in den falschen Bus steigt und sich auf einmal neben dem charmanten Schotten Alex wiederfindet, beginnt ihr Abenteuer erst richtig.

Meine Meinung

Ein Schotte kommt selten allein von Karin Müller sprach mir durch den Klappentext genau aus der Seele. Zunächst konnte ich mich auch gut mit der Protagonistin Janne identifizieren, auch wenn uns noch einige Jahre trennen. Zunächst erfahren wir auch nur im Ansatz, dass sie immer wieder Probleme mit ihren Beziehungen hatte, weil sie sich auf die falschen Männer eingelassen hat. Dies wird jedoch noch genauer erschlossen. Und schon nach wenigen Seiten geht es auf große Schottlandreise. Leider erfolgte ab da sehr schnell die Ernüchterung. Denn die Busreise, auf die ich mich schon irgendwie freute, hab ich sie doch dieses Jahr nicht selbst erleben können, entpuppt sich zu einem durchgehenden Janne-Jammer. Alle Mitreisenden sind für sie irgendwie blöd – und ja, einige hätten mich wohl auch genervt – und nervig und sie ist ja in allem besser. Die Mädelstruppe sind große Outlander-Quietsche-Fans und es ist natürlich viel kultivierter, Outlander nur im stillen zu lieben. Und der Reiseleiter hat natürlich auch einen kleinen Klaps, weil er mit einer Funko-Pop Braveheart-Puppe, die er ein bisschen verschönert hat, rumreist. Hier fiel es mir wirklich schwer weiter in die Geschichte reinzukommen und ich distanzierte mich immer mehr von dem Gemecker und Gejammer der Protagonistin. 
Aber damit ist die Geschichte natürlich noch lange nicht vorbei. Und das ist auch gut. Denn sobald Janne in den falschen Bus springt und Alex kennenlernt, wandelt sich die Geschichte deutlich und wird zu einer tollen Liebesgeschichte. Liebe zwischen zwei Menschen und Liebe zu einem wunderbaren Land. Denn auch wenn es größtenteils als Busreise weiter geht, ist hier doch das Gefühl viel besser. Die Mitreisenden sind angenehmer und es gibt weniger reines Outlandergerede. Ab hier wird auch immer deutlich warum Janne so ist, wie sie ist und man kann sie und ihre Handlungen deutlich besser nachvollziehen. 
Ihr neuer Reisepartner Alex ist zwar etwas zu perfekt und natürlich auch immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, aber für die Geschichte verzeiht man so einiges. Wenn so sympathische Schotten auf einen warten, werde ich wohl auch aus Versehen mal in den falschen Bus springen. 
Karin Müller schafft es mit einem flüssigen Schreibstil den Leser voll und ganz für das Land im hohen Norden der britischen Insel zu gewinnen. Und das ganz ohne die gängigen Klischees zu überstrapazieren. Also wenn man das erste Dritten geschafft hat und alle gängigen Busreisenklischees durch sind. Aber durch diesen Teil muss man sich einfach durchkämpfen, denn es lohnt sich!

Das Fazit

Ein Schotte kommt selten allein hat ein nerviges erstes Drittel, doch danach hat sich die Geschichte eingespielt. Auch wenn es sich die Handlung manchmal etwas leicht macht, ist die Geschichte doch zum träumen. Ob nun von einem etwas verregnetem Land oder einem gepflegtem Mann, darf sich jeder Leser selbst aussuchen. 

Ein Schotte kommt selten allein ist seit dem 11.05.2020 in allen Buchhandlungen erhältlich

Ein Schotte kommt selten allein wurde mir vom Penguin Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Talus

Ein Vorwort

Ich will schon seit vielen Jahren einmal nach Schottland. Und dieses Jahr hätte es soweit sein können, die Reise nach Edinburgh war bereits gebucht. Aber wie bei so vielen anderen hat Corona meine Reisepläne gecancelt. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als zumindest durch Buchwelten in die Stadt einzutauchen. Und Talus wollte mich nicht nur nach Edinburgh mitnehmen, sondern auch noch in eine magische Welt unter Edinburgh. Wie mir das Buch in die magische Welt gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Touristenführerin Erin glaubt an Magie, wird dafür aber immer ausgelacht. Als sie dann aber bei einer Führung in den Vaults einem echten Geist begegnet, ist sie gar nicht mehr so begeistert. Und schon steckt sie mitten in einem Wettlauf um den magischen Gegenstand Talus zu finden. Mit dabei ist der Tarotleger Kaito, die Gebräuhexe Lu und der Schattenleser Noah. Doch Talus ist mächtig und sollte nicht in die falschen Hände geraten.

Meine Meinung

Liza Grimm schafft es spielerisch eine völlig neue magische Welt unter Edinburgh zu schaffen. Dabei hat sie sich die richtige Stadt ausgesucht, die bereits voller Mythen und Legenden ist. Gut recherchiert, Legende aufgegriffen und ein steter Glaube an die Magie. Schon haben wir mit Erin auch unsere erste der vier Protagonisten. Sie ist ein Mensch und Touristenführerin. Sie ist mit dem steten Glauben an Magie aufgewachsen, bis ihre Tante Charly erkrankte. Eben jene Frau, die sie immer bestätigte und ihr die Begeisterung für die Magie gab. Umso begeisterte ist sie, als sie nach dem Erlebnis mit dem Geist erfährt, dass es wirklich Magie gibt. Da die anderen Protagonisten alle zur magischen Welt gehören, haben wir mit Erin praktisch unseren Verknüpfungspunkt. Wenn ihr die Grundlagen der magischen Welt erklärt werden, dann werden sie dadurch auch dem Leser erklärt, ohne in ständige Ausschweifungen zu verfallen.
Weitere Protagonisten sind Kaito, ein Tarotleger, der lieber in der Menschenwelt lebt, weil er als Tarotleger automatisch einen niedrigeren Stand in der magischen Welt hat. Noah, ein Schattenleser, der von Geburt an einen hohen Stand hat und verzweifelt versucht den hohen Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Als er die Ermittlungen eines wichtigen Falls übernehmen darf und vom Rat der Hexen direkt dafür ausgewählt wurde, kann er sein Glück kaum fassen. Doch dieser Fall hat es in sich. Und zu guter Letzt hätten wir dann noch Lu, eine Gebräuhexe. Sie lebt gerade für zwei Jahre in der Menschenwelt, da dies zu ihrer Ausbildung gehört. Dabei ist ihr größter Wunsch eine Wasserhexe zu sein. Bis auf Kaito bekommen alle Protagonisten Kapitel, die aus ihrer Sicht erzählt wurde. Ein bisschen schade, da ich Kaito am meisten mochte und mich seine Gedanken schon sehr interessiert hätten.
Alle vier sind vom Charakter und von ihrer Geschichte her sehr unterschiedlich, aber ihre Geschichten überschneiden sich an bestimmten Stellen, so dass man erahnen kann, wo sich sich letztlich treffen werden. Wie das ganze dann aber doch geschieht, ist dann noch einmal eine völlige Überraschung und traf mich auch sehr unvorbereitet.
Über das Ende zu reden, ist nicht leicht, da hier schnell gespoilert werden kann. Sagen wir es einfach mal so: Das Buch baut sich relativ langsam auf und nimmt sich die Zeit die Charaktere, die magische Welt und die Rätsel aufzubauen, die nach und nach gelöst werden wollen. Viele Rätsel werden noch mit in den zweiten Teil genommen, einige Fragezeichen konnten aber auch gelöst werden. Dennoch ließ mich der erste Teil sehr fassungslos zurück. Da war Frau Grimm nicht nur sehr gemein zu ihren Lesern, sondern musste auch noch einen großen Cliffhanger einbauen.
Letztlich ist es eine Geschichte, die mich komplett abholen konnte, obwohl ich sonst solche Aufbaubände eher weniger mag. Aber Liza Grimm weiß es, neben dem Weltenbau und der Charakterisierung eben genug Brotkrumen zu verstreuen, um den Leser bei der Stange zu halten und durch ihren sehr schönen und flüssigen Schreibstil das Buch in einem zu verschlingen. Und nun heißt es warten auf den zweiten Teil.

Das Fazit

Talus zieht den Leser in seinen Bann und wenn man mitten in der wunderbaren magischen Welt in Edinburgh versunken ist und die Charaktere lieb gewonnen hat, ist es auch schon zu Ende – das ist übrigens positiv gemeint und ist ein deutliches Zeichen für Liza Grimms sehr schönen Erzähl- und Schreibstil.

Talus ist seit dem 01.10.2020 in allen Buchhandlungen zu finden

PS: Erinnert mich daran, demnächst nur noch Bücher zu lesen, wo der/die AutorIn die Fortsetzung bereits geschrieben hat und nicht erst noch schreiben muss…

Doctor Sleep – Kritik zu Buch & Film

Ein Vorwort

Eigentlich sollte es in dieser Kategorie ein bisschen mehr Vielfalt geben, als der dritte Beitrag über Stephen King, aber aus Doctor Sleep musste ich einfach eine Doppelkritik machen, weil ich das Buch letztes Jahr eigentlich nur in die Hand genommen habe, um es vor dem Kinostart gelesen zu haben. Dass ich den Film dann im Kino gar nicht sehen konnte, war ärgerlich, aber dafür gab es nun meine Heimkinopremiere. 

Die Handlung

Dan Torrance kennt der treue Leser noch aus Shining. Er hat die Ereignisse im Overlook-Hotel überlebt und erliegt Jahre später, wie einst sein Vater, dem Alkohol. Für einen Neuanfang zieht er in ein kleines Städtchen, wird trocken und bekommt schließlich einen Job als Pfleger in einem Hospiz. Dort macht er sich einen Namen als Doctor Sleep, weil er den Patienten in ihren letzten Minuten beisteht. Das er diese mit Hilfe seines Shinings besonders angenehm gestaltet, weiß außer ihm keiner. Er hat eine besondere Verbindung zu dem Mädchen Abra, das er noch nie gesehen hat. Sie können über ihr Shining kommunizieren. Von ihr erfährt er, dass es eine Gruppe von Wesen gibt, die sich selbst als Wahren Knoten bezeichnen, die sich vom Shining und der Angst von Kindern ernähren, da sie dadurch nicht sterben. Als der Wahre Knoten es nun auf Abra abgesehen hat, versucht Dan alles, um den Knoten entgültig aufzuhalten.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King schreibt keine Mehrteiler und keine Fortsetzungen. So hieß es lange Zeit. Tatsächlich ist Doctor Sleep seine erste Fortsetzung. Die Geschichte, was aus dem kleinen Danny wurde, sollte einfach erzählt werden. Dabei stellt er wieder ein paar sehr ernste Beobachtungen an. Zum einen, dass Kinder mit Alkoholikern als Eltern oft ins gleiche Schema verfallen. King selbst kämpfte mit Alkohol und Drogen, weswegen er die Sitzungen der anonymen Alkoholiker im Buch auch sehr ausufernd beschreibt und die Grundsätze an vielen Stellen in die Geschichte einwebt. Zum anderen, dass das Shining bedrohlich sein kann. In diesem Fall durch den Wahren Knoten, die Kinder mit Shining suchen, quälen, töten und dann das Shining aufsaugen. Beide Beobachtungen führen zu einer logischen Schlussfolgerung, nämlich dieser Geschichte. Allerdings lebt sie hauptsächlich von Kings unfassbar gutem Erzählstil. Denn für das erzählte ist die Geschichte zu lang. Vieles hätte man weglassen können, dann wäre das Buch vielleicht ein bisschen spannender gewesen. Versteht mich nicht falsch, nach normalen Maßstäben war das Buch durchaus spannend. Wenn man es aber beispielsweise mit seinem direkten Vorfahren „Shining“ vergleicht, dann merkt man dem Buch die Längen an, da es einfach nicht die gleiche bedrohliche Stimmung schafft. Letztlich würde ich das Buch als Gut, aber nicht als Herausragend bezeichnen. King schafft es wieder auf die Charaktere und ihre Zwiespalte einzugehen und eine Fortsetzung zu schaffen, die sich von ihrem Vorgänger löst und gleichzeitig mit ihm verbunden bleibt. 

Meine Meinung zum Film

Mit Verfilmungen von Stephen King Werken ist es so eine Sache. Gerade seit dem Erfolg von dem Es-Remake sprießen sie wieder aus dem Boden. Friedhof der Kuscheltiere konnte an den Erfolg schon nicht anknüpfen. Doctor Sleep – oder Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen, wie der deutsche Verleih ihn nennt – hatte nun das Problem, das auch noch Stanley Kubricks Shining-Verfilmung irgendwo mit drin steckt. Während für viele dadurch wohl die Messlatte hoch gelegt wurde, war für mich eher das Problem, das Kubrick einige Änderungen vornahm, die nun zwangsläufig wieder mit aufgegriffen wurden. Um es kurz zu machen: Ich mag Kubricks Shining nicht. Ich gehe da ganz mit Stephen King mit, dass die Stimmung und der langsame Spannungsaufbau mit steigendem Wahnsinnslevel im Overlook-Hotel von Kubrick nicht eingefangen wurde, sondern viel zu plakativ dargestellt wurde. Für mich musste Doctor Sleep also eine Hürde mehr nehmen. 
Das vordergründigste Problem, das ich mit der Doctor Sleep Verfilmung habe, ist die Länge von 152 Minuten unter Streichung vieler interessanter Elemente. Das eine Verfilmung immer Elemente und Handlungsstränge aus einer Buchvorlage – gerade einer so umfangreichen, wie Kings – streichen muss, ist mir völlig bewusst. Aber wenn die Entscheidung nun so fiel, dann hätte der Film auch deutlich kürzer sein können. Denn die noch übrigen Elemente werden nun so langatmig erzählt, dass man bereits 90 Minuten sah und sich fragt, wann denn die eigentliche Handlung nun ansetzt. Hier wäre eine kompaktere Erzählung besser gewesen, oder wenn man die Länge hätte halten wollen, dann bitte mit mehr Inhalt. 
Das letztlich auch der finale Kampf stark vom Buch abweicht, ist dann wohl wieder Kubrick geschuldet, der einfach sein eigenes Ende schrieb und im Film daher ganz andere Möglichkeiten geschaffen wurden. Hier versucht der Film auch nochmal alles aus diesen Möglichkeiten auszuschöpfen, letztlich hat er den Zuschauer aber an diesem Punkt schon verloren, so dass der finale Kampf einen auch nicht mehr zurückbringt. 
Schauspielerisch ist der Film auf einem guten Niveau, vor allem Rebecca Ferguson merkt man ihren Spaß und ihren Enthusiasmus an ihrer Rolle deutlich an. Ewan McGregor spielt gewohnt solide, holt aus seiner Rolle aber auch nicht mehr raus. 

Das Fazit

Während das Buch sich wieder voll und ganz auf die Charaktere konzentriert und eine solide Handlung um diese baut und vor allem durch Kings Erzählstil lebt und spannend bleibt, verliert sich der Film in seiner Oberflächlichkeit. Durch die lange Lauflänge bei vergleichsweise wenig adaptiertem Inhalt kann der Film keine Spannung aufbauen.  Während das Buch wohl zu Kings schwächeren Erzählungen gehört, was aber dem ansonsten sehr hohem Niveau geschuldet ist, und trotzdem noch eine solide Leistung abliefert, ist die Verfilmung irgendwo knapp unterm Mittelmaß. 

Eine Handvoll Bücher

Heute mit: dem Finale des Kampfes zwischen Chimären und Seraphim, einem magischen Constable in London, dem Finale der Again-Reihe, dem Auftakt eines Kampfes mit den sieben Todsünden und einer chaotischen Irin. 

Dreams of Gods and Monsters

Die Handlung: Als die Dominion-Armee der Seraphim unter Führung des brutalen Jael das Tor von Eretz in die Welt der Menschen durchquert, beschließen Seraphim und Chimären ein wackliges Bündnis, das Akive und Karou wieder zusammenführt. Doch wie sollen sie gegen die zahlenmäßig überlegende Armee Jaels bestehen?

Meine Meinung: Der Abschluss der Zwischen den Welten Reihe kommt zunächst ziemlich ernüchternd daher. Nach einem richtig starken Auftakt bei Daughter of Smoke and Bone, einem eher langatmigen Zwischenteil bei Days of Blood and Starlight, sind nun alle Weichen für das große Finale gestellt. Das dieses mit fast 800 Seiten noch einmal deutlich dicker ist als die Vorgängerbände hätte schon ein Warnzeichen sein können. Denn Autorin Laini Taylor hat noch eine ganze Reihe von Ideen, die sie einbringen wollte. Leider verliert sie sich dabei in ewigen Wiederholungen, dreht sich ständig im Kreis, ehe das Buch nach über 500 Seiten doch endlich mal in Schwung kommt, und bringt dann nochmal so viele neue Wendungen gegen Ende ein, dass sie den finalen Kampf ganz einfach vergisst. Das, worauf die ganze Zeit hingearbeitet wurde, gibt es einfach nicht. Was es aber gibt, und was die wenigsten Fantasybücher schaffen: ein richtiges Ende. Es wird nicht einfach nach einer großen Schlacht aufgehört und vielleicht noch ein Epilog eingeführt. Nein, es werden alle Rätsel und Andeutungen aufgelöst, erklärt und zu Ende gebracht. Das macht zwar vieles wett, aber ich habe mich gerade am Anfang echt durch das Buch gequält und nach ca. 200 Seiten eine sehr lange Pause eingelegt, weil ich es einfach nicht mehr weiterlesen wollte.

Die Flüsse von London

Die Handlung: Constable Peter Grant wollte eigentlich eine ganz normale Karriere bei Scotland Yard. Doch als er an einem Tatort auf einen Geist trifft, wird er dem mysteriösen Detective Chief Inspector Nightingale zugeteilt. Dieser eröffnet ihm, dass er ein Zauberer ist und Peter auch magische Fähigkeiten hat. Zusammen fahnden sie nicht nur nach dem Mörder, sondern sollen auch einen Streit zwischen Mutter und Vater Themse schlichten.

Meine Meinung: Ich habe das Hörbuch schon vor einigen Jahren mal gehört, aber ehrlich gesagt, hatte ich das meiste schon wieder vergessen. Das könnte man als schlechtes Omen nehmen, wahrscheinlicher ist, dass ich damals nicht richtig aufgepasst habe, weil ich Hörbücher meistens bei längeren Autofahrten höre. Bevor ich mich jedoch an einen zweiten Band der Reihe wagen wollte, hörte ich also noch einmal den ersten Band, um mich an alle wichtigen Figuren zu erinnern. Und zu meiner Verteidigung: Es gibt hier wirklich eine Menge an Figuren. Grundsätzlich handelt es sich aber um eine fantastische Idee, die spannend und interessant umgesetzt wurde. Gerade die Kombination aus normaler Polizeiarbeit und den fantastischen Elementen, fand ich sehr gut umgesetzt. So wirkt es wie ein „normaler“ Krimi mit starken Charakteren, aber hebt sich eben doch durch das fantastische Element stark ab. Durch eine ordentliche Länge von 480 Seiten im Taschenbuch und knapp 4 Stunden Hörbuch bleibt genug Platz/Zeit um die Charaktere vorzustellen, die Arbeit von Nightingale zu erkunden und trotzdem den Kriminalfall nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ich bin auf jeden Fall auf die weiteren Teile gespannt!

Dream Again

Die Handlung: Jude hat sich an einer Schauspielkarriere in LA versucht und ist tief gefallen. Nun flieht sie zu ihrem Bruder Ezra nach Woodshill. Doch ihr Ex-Freund Blake ist Ezras Mitbewohner und alles andere als begeistert. Nun versucht Jude nicht nur irgendwie nach vorne zu sehen, sondern auch das Zerwürfnis mit Blake zu regeln. Denn eigentlich hat sie nie aufgehört ihn zu lieben.

Meine Meinung: Der fünfte und voraussichtlich letzte Teil der Again-Reihe zieht noch einmal ein ganz neues Gesicht in die Geschichte. Die Verbindung zu den vorherigen Teilen stellt diesmal Blake dar, der zusammen mit Hope und Everly in Nolans Seminar war. Natürlich dürfen auch einige der bereits bekannten Charaktere wieder auftauchen, wenn auch eher kurz. Die Geschichte selbst verfolgt das bekannte Schema und schafft es nur selten zu überraschen. Irgendwo war Jude auch nicht der greifbarste Charakter der Reihe. Versteht mich nicht falsch, sie war durchaus sympathisch und ihre Handlungen waren auch größtenteils nachvollziehbar. Aber die Geschichte von ihr und Blake hätte auch in ein wesentlich schmaleres Buch gepasst, dabei ist es mit 321 Seiten schon eher schmal. Kurzum: Auch der Abschluss der Again-Reihe hat mir wieder großen Spaß beim Lesen gemacht, ist aber mit der schwächste Band der Reihe, da er etwas zu vorhersehbar verläuft und sich in Wiederholungen verliert.

Seven Sins – hochmütiges Herz

Die Handlung: Avery hatte sich ihren 18. Geburtstag wohl ganz anders vorgestellt. Doch als der gutaussehende Dämon Nox ihr enthüllt, dass ihr Vater ihre Seele verpfändet hat und sie sterben wird, geht sie auf einen folgenschweren Deal ein. Sie kann versuchen die Prüfung der sieben Todsünden zu bestehen, dann wäre ihre Seele frei. Auf einmal muss sie feststellen, dass ihr bester Freund Adam ein Engel ist und sie beschützen soll. Und eigentlich weiß auch keiner so genau, was die Prüfungen beinhalten. Und so gehen die drei auf die Suche, um sich der ersten Prüfung zu stellen.

Meine Meinung: Autorin Lana Rotaru hatte sie Sevens Sins Reihe bereits vor ein paar Jahren angefangen und im Selfpublishing veröffentlicht. Schon damals habe ich sie verfolgt. Nun hat der Impress Verlag sie von der Autorin überarbeiten und auch endlich weiterschreiben lassen. Der erste Band beinhaltet nun den ursprünglich ersten Band und große Teile des zweiten Bands. Damit ist er immer noch ein reiner Einleitungsband. Das eigentlich spannende fängt erst im zweiten Band an. Das muss man allerdings wissen, um Hochmütiges Herz nicht voreilig wieder wegzulegen. Dennoch versteht sich Frau Rotaru darauf die Charaktere vorzustellen, einem näher zu bringen und die Handlung zu ebnen, damit es danach richtig losgehen kann. Durch ihren flüssigen Schreibstil hatte ich beim Lesen trotzdem Spaß. Umso gespannter bin ich auf die nächsten Bände.

OMG – Diese Ashling

Die Handlung: Aisling lebt mit 28 noch bei ihren Eltern im beschaulichen Ballygobbard. Sie pendelt regelmäßig zu ihrem Job in Dublin. Mit ihrem Freund John ist sie seit 7 Jahren zusammen. Doch als John ihr eröffnet, dass er sie noch lange nicht heiraten will und auch nicht mit ihr zusammenziehen will, beschießt Aisling ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie zieht zu ihrer Kollegin Sadhbh in eine hippe WG und probiert neue Dinge aus. Wenn das mal nicht im Chaos endet.

Meine Meinung: Ich bin durch den Youtube Kanal von Anabelle Stehl auf dieses Buch aufmerksam geworden. Dort findet man auch ein hilfreiches Video zur Aussprache der irischen Namen, die nicht ganz ohne sind (Link hier). Zu 100% bin ich aber nicht warm geworden mit dem Buch. Denn gerade zum Anfang konnte ich Aisling und ihre Handlungen noch irgendwo nachvollziehen und dann kam noch ein bisschen Sehnsucht nach Irland dazu, eigentlich eine gute Kombination. Doch mit fortschreitendem Buch wurde mit Aisling immer unsympathischer. Sie wird immer unselbstständiger und gerade wenn sie auf ihre hippere Kollegin Sadhbh trifft, wirkt sie eher wie ein Trampel, als eine starke Frau. Während ich einige Aufreger ihrerseits nachvollziehen konnte und auch wenig Probleme mit ihrer ständigen Weight Watchers Zählerei hatte, steigert sie sich mit fortlaufender Geschichte in immer mehr Belanglosigkeiten rein. Auch die Geschichte an sich, die in mehrere Kurzgeschichten unterteilt scheint, verrennt sich immer mehr. Zwar ergibt sie am Ende eine zusammenhängende Handlung, doch scheint den Autorinnen am Ende ein wenig die Ideen auszugehen.

Verity

Ein Vorwort

Ihr habt hoffentlich noch nicht genug von Bücherkritiken? Denn ich habe noch eine für euch! Wie schon bei den Beiträgen zuvor, handelt es sich um ein Buch, dass ich nicht in einer Kurzkritik abhandeln wollte. Außerdem ist die Kinolandschaft aktuell wieder etwas Mau, es haben wohl viele Filme Platz für Tenet gemacht. Also geht es hier jetzt um das aktuelle Werk von Colleen Hoover, das so anders ist, als ihre bisherigen.

Die Handlung

Lowen ist Autorin, doch keine sonderlich erfolgreiche. Zu sehr wehrt sie sich gegen alles, was mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat. Doch nun steht sie kurz vor der Pleite, nachdem sie sich eine längere Auszeit genommen hat, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Nach deren Tod nimmt sie nun einen Termin im Verlag wahr, um sich eine neue Einnahmequelle zu sichern. Auf dem Weg dorthin begegnet sie Jeremy unter denkbar schlechten Bedingungen. Kurz darauf trifft sie ihn wieder. Im Verlagsgebäude bei ihrem Meeting. Denn Jeremy ist der Ehemann der Starautorin Verity Crawford, die nach einem Autounfall nicht mehr in der Lage ist zu schreiben. Nun soll Lowen die begonnene Thrillerreihe Veritys weiterschreiben. Dafür bekommt sie nicht nur ein gutes Honorar, sondern wird auch von Jeremy eingeladen, in seinem Haus die Unterlagen Veritys durchzusehen. Doch dabei macht sie eine folgenreiche Entdeckung.

Meine Meinung

Von Colleen Hoover ist der treue Leser gewohnt eine absolut hinreißende Liebesgeschichte zu bekommen, doch immer irgendwo mit einem schwierigen Thema. Diesmal hat sich Frau Hoover jedoch über die „Schranken“ eines herkömmlichen Liebesromans hinaus gewagt und sich dem Genre des Psychothrillers genähert. So hat sie eine interessante Verwebung beider Genres geschaffen, die nur in Ansätzen den beiden Genres zugeordnet werden kann, aber beide nicht weitergehend vertieft. 
So hat sie mit der Anziehung, die ab der ersten Sekunde zwischen Lowen und Jeremy herrscht, den typischen Auftakt einer Liebesgeschichte. Durch die Geschichte mit der Thrillerautorin Verity, also Jeremys Ehefrau, und der beängstigenden Geschichte des Ehepaares, die von Verlust geprägt ist, nähern wir uns dem Thrillerbereich. Durch Aufzeichnungen, die Lowen in Veritys Büro findet, kommen wir in den Bereich des Psychothrillers. Letztlich ist es eine interessante Mischung, aber durch die Kürze des Buches kommt beides ein wenig zu kurz. Mit 357 Seiten hat es zwar die durchschnittliche Seitenzahl eines Hoover-Buches, aber kann sich einfach nicht richtig entfalten, weil irgendwo beide Genres abgedeckt werden wollen. Zumal sich auch einige Stellen einfach wiederholen. Man weiß zwar früh, worauf die Geschichte hinaus will, aber das Erreichen dieses dauert durch die vielen Wiederholungen einfach an. 
Dennoch kann man dem Buch nicht absprechen, dass es spannend ist, gerade zum Ende hin wird nochmal einiges rausgeholt und die Auflösung lässt einen reichlich unentschlossen und verwirrt zurück, was aber ein Geniestreich der Autorin ist, weil man sich hier wirklich fragen kann, wem man trauen kann/sollte. Dadurch wird einiges von den Wiederholungen zuvor, die sich aber keiner Stelle wirklich ziehen oder fehl am Platz wirken, wieder gut gemacht. 
Ich schreibe selten von der Covergestaltung der Bücher. Diesmal möchte ich aber doch mal darüber sprechen. Denn viele haben das Cover wegen der Farbauswahl kritisiert, die nicht zu dem eher düsteren Thema passe. Dem stimme ich zwar zu, finde das Cover aber dennoch gut gestaltet, da es eben den Kontrast zwischen den beiden Genres irgendwo widerspiegelt. Die rosa Wolken der verliebten und dazu die Vögel, die spätestens seit Hitchcock bedrohlich wirken können. Und ein düsterer Einband hätte einfach nicht zu der Geschichte gepasst.
Charakterlich ist wieder wenig auszusetzen. Hier beweist Mrs. Hoover wieder, dass sie einfach ein Talent dafür hat, Charaktere kurz vorzuführen und schon fühlt man sich ihnen verbunden. Hier ist es bei Familie Crawford allerdings wesentlich schwieriger, was ja aber auch durch die Grundunsicherheit der Charaktere gegenüber geschuldet ist. 

Das Fazit

Verity bleibt in der Grundstruktur ein gewohnt starkes Buch von Colleen Hoover. Durch den Ausflug ins Psychotrillergenre und der Verwebung mit der typischen Liebesgeschichte überzeugt das Buch aber nicht völlig, da beide Genres irgendwo zu kurz kommen und sich nicht richtig entfalten können. Dennoch ist es eine spannende Geschichte mit großartigem Ende.

Verity ist seit dem 13.03.2020 in den deutschen Buchläden verfügbar