Verity

Ein Vorwort

Ihr habt hoffentlich noch nicht genug von Bücherkritiken? Denn ich habe noch eine für euch! Wie schon bei den Beiträgen zuvor, handelt es sich um ein Buch, dass ich nicht in einer Kurzkritik abhandeln wollte. Außerdem ist die Kinolandschaft aktuell wieder etwas Mau, es haben wohl viele Filme Platz für Tenet gemacht. Also geht es hier jetzt um das aktuelle Werk von Colleen Hoover, das so anders ist, als ihre bisherigen.

Die Handlung

Lowen ist Autorin, doch keine sonderlich erfolgreiche. Zu sehr wehrt sie sich gegen alles, was mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat. Doch nun steht sie kurz vor der Pleite, nachdem sie sich eine längere Auszeit genommen hat, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Nach deren Tod nimmt sie nun einen Termin im Verlag wahr, um sich eine neue Einnahmequelle zu sichern. Auf dem Weg dorthin begegnet sie Jeremy unter denkbar schlechten Bedingungen. Kurz darauf trifft sie ihn wieder. Im Verlagsgebäude bei ihrem Meeting. Denn Jeremy ist der Ehemann der Starautorin Verity Crawford, die nach einem Autounfall nicht mehr in der Lage ist zu schreiben. Nun soll Lowen die begonnene Thrillerreihe Veritys weiterschreiben. Dafür bekommt sie nicht nur ein gutes Honorar, sondern wird auch von Jeremy eingeladen, in seinem Haus die Unterlagen Veritys durchzusehen. Doch dabei macht sie eine folgenreiche Entdeckung.

Meine Meinung

Von Colleen Hoover ist der treue Leser gewohnt eine absolut hinreißende Liebesgeschichte zu bekommen, doch immer irgendwo mit einem schwierigen Thema. Diesmal hat sich Frau Hoover jedoch über die „Schranken“ eines herkömmlichen Liebesromans hinaus gewagt und sich dem Genre des Psychothrillers genähert. So hat sie eine interessante Verwebung beider Genres geschaffen, die nur in Ansätzen den beiden Genres zugeordnet werden kann, aber beide nicht weitergehend vertieft. 
So hat sie mit der Anziehung, die ab der ersten Sekunde zwischen Lowen und Jeremy herrscht, den typischen Auftakt einer Liebesgeschichte. Durch die Geschichte mit der Thrillerautorin Verity, also Jeremys Ehefrau, und der beängstigenden Geschichte des Ehepaares, die von Verlust geprägt ist, nähern wir uns dem Thrillerbereich. Durch Aufzeichnungen, die Lowen in Veritys Büro findet, kommen wir in den Bereich des Psychothrillers. Letztlich ist es eine interessante Mischung, aber durch die Kürze des Buches kommt beides ein wenig zu kurz. Mit 357 Seiten hat es zwar die durchschnittliche Seitenzahl eines Hoover-Buches, aber kann sich einfach nicht richtig entfalten, weil irgendwo beide Genres abgedeckt werden wollen. Zumal sich auch einige Stellen einfach wiederholen. Man weiß zwar früh, worauf die Geschichte hinaus will, aber das Erreichen dieses dauert durch die vielen Wiederholungen einfach an. 
Dennoch kann man dem Buch nicht absprechen, dass es spannend ist, gerade zum Ende hin wird nochmal einiges rausgeholt und die Auflösung lässt einen reichlich unentschlossen und verwirrt zurück, was aber ein Geniestreich der Autorin ist, weil man sich hier wirklich fragen kann, wem man trauen kann/sollte. Dadurch wird einiges von den Wiederholungen zuvor, die sich aber keiner Stelle wirklich ziehen oder fehl am Platz wirken, wieder gut gemacht. 
Ich schreibe selten von der Covergestaltung der Bücher. Diesmal möchte ich aber doch mal darüber sprechen. Denn viele haben das Cover wegen der Farbauswahl kritisiert, die nicht zu dem eher düsteren Thema passe. Dem stimme ich zwar zu, finde das Cover aber dennoch gut gestaltet, da es eben den Kontrast zwischen den beiden Genres irgendwo widerspiegelt. Die rosa Wolken der verliebten und dazu die Vögel, die spätestens seit Hitchcock bedrohlich wirken können. Und ein düsterer Einband hätte einfach nicht zu der Geschichte gepasst.
Charakterlich ist wieder wenig auszusetzen. Hier beweist Mrs. Hoover wieder, dass sie einfach ein Talent dafür hat, Charaktere kurz vorzuführen und schon fühlt man sich ihnen verbunden. Hier ist es bei Familie Crawford allerdings wesentlich schwieriger, was ja aber auch durch die Grundunsicherheit der Charaktere gegenüber geschuldet ist. 

Das Fazit

Verity bleibt in der Grundstruktur ein gewohnt starkes Buch von Colleen Hoover. Durch den Ausflug ins Psychotrillergenre und der Verwebung mit der typischen Liebesgeschichte überzeugt das Buch aber nicht völlig, da beide Genres irgendwo zu kurz kommen und sich nicht richtig entfalten können. Dennoch ist es eine spannende Geschichte mit großartigem Ende.

Verity ist seit dem 13.03.2020 in den deutschen Buchläden verfügbar

Das Buch der gelöschten Wörter

Ein Vorwort

Bei den meisten Büchern im meinem Regal weiß ich ganz genau, warum ich sie mir gekauft habe. Sei es Empfehlungen von Freunden, Bloggern oder weil sie mir nach dem Kauf von anderen Büchern empfohlen wurden. Teilweise sind es auch einfach nur Neuerscheinungen von Autoren, die ich zuvor bereits mochte. Vielleicht ist mir ein Buch ins Auge gefallen, wenn ich in einem Buchladen stöbern war. Zu manchen Büchern könnte ich die Geschichte, wieso ich sie mir gekauft habt, stundenlang erzählen, weil sie so abgedreht ist. Und dann gibt es die Bücher, die mir einfach durch Zufall in die Hände fielen. So erging es mir mit dem ersten Band der Reihe „Das Buch der gelöschten Wörter“. Dann klang die Geschichte auch noch interessant. Aber schon nach der Hälfte des ersten Bands wusste ich es. Dies ist eine Reihe, die ich nicht mehr so schnell aus der Hand legen konnte und die mich noch eine ganze Weile beschäftigen wird. – Dieser Beitrag wird versucht spoilerfrei zu halten, so dass die Handlungsübersichten der Folgebände vielleicht an ein paar Stellen etwas schwammig wirken können. So kann auch von allen, die die Bücher erst noch lesen wollen, dieser Beitrag vollständig gelesen werden.

Die übergreifende Handlung

Die Londonerin Hope Turner erfährt, dass alle Buchwelten existieren. Und zusammen mit dem Wanderer Rufus Walker kann sie in eben diese reisen. Von dort gibt es einen zentralen Punkt, an dem sich alle treffen. Buchfiguren, Wanderer und Verwandler, wie Hope eine sein soll. Doch die Buchwelten, sowie die Welt da draußen sind in Gefahr. Denn wenn in der „realen Welt“ Wörter in böser Absicht geschrieben werden, auch wenn sie wieder gelöscht werden, können sie Katastrophen ungeahnten Ausmaßes auslösen. Doch dafür gibt es das Buch der gelöschten Wörter. Dieses saugt ebendiese bösen Wörter auf. Doch sollte sich das Buch einmal füllen, wird alles dort drinnen real. Deswegen haben die Verwandler die Aufgabe regelmäßig das Buch zu säubern, in dem sie einen Satz mit böser Absicht in etwas gutes verwandeln. Genau dies wird zu Hopes Aufgabe. Doch gibt es eine Gruppe, genannt die Absorbierer, die das Chaos wollen. Und genau die gilt es nun aufzuhalten.

Der erste Federstrich

Die Handlung: Hope Turner lebt ein ganz normales Leben. Mit ihrem Ex Christian ist seit längerem Schluss und sie sorgt sich um ihre Alzheimer kranke Mutter. Bis sie auf den schweigsamen Rufus Walker trifft. Der eröffnet ihr, dass all ihre geliebten Buchwelten tatsächlich existieren. Außerdem drängt er sie dazu, sofort mit ihr zu kommen, denn ihre Hilfe wird dringend benötigt. Sie will ihn als absoluten Spinner abtun, bis sie in Miss Gateways Buchladen tatsächlich direkt in Stolz und Vorurteil reingelesen wird. Sie wacht in Pemberley auf und erfährt vom Bund, der die Buchwelten schützt, dem Buch der gelöschten Wörter und ihrer Aufgabe als Verwandlerin genau dies regelmäßig zu reinigen. Kaum in der Zentrale angekommen, stellen sie fest, dass es einen Anschlag auf eben diese gab. Schneller als gedacht ist Hope mitten in ihrem ersten Abenteuer.

Meine Meinung: Der erste Teil der Reihe ist natürlich einer mit noch relativ vielen Erklärungen, da die Welt erst noch vorgestellt werden muss. Dies geschieht jedoch immer im überschaubarem Rahmen, so dass weder Hope, noch der Leser komplett überfordert sind. Man ist immer an Hopes Seite und entdeckt so mit ihr schrittweise eine absolut fantastische Welt. Diese wird nach den grundlegenden Erklärungen auch immer weiter vertieft, so dass die gesamte Idee mit einer Zentrale für Buchfiguren absolut stimmig ist. Hinzu kommt eine liebevolle Auswahl der auftauchenden Buchfiguren. So sind beispielsweise Guinevere, oder kurz Gwen, und Lancelot, kurz Lance, aus der Artussage die Gefährten des Wanderers Rufus, dem sich Hope als Verwandlerin anschließt. Aber auch viele andere Figuren haben mal eine größere mal eine kleinere Rolle. Allerdings hat sich die Autorin durch das Urheberrecht auf Figuren beschränkt, deren AutorIn seit mehr als 70 Jahren verstorben ist. Moderne Bücher werden immer nur grob angedeutet. Aber dadurch wird man eher getrieben doch auch mal wieder einen der „älteren Schinken“ in die Hand zu nehmen. Bei den Buchwelten und Charakteren beweist Autorin Mary E. Garner ein ausgezeichnetes Händchen dafür, diese verstanden zu haben, aber auch neu interpretieren zu können. 
Am positivsten sticht jedoch die Hauptfigur heraus. Hope Turner ist Anfang Vierzig und damit schon einmal nicht der Stereotyp einer klassischen Fantasy-Heldin. Dafür ist sie wunderbar intelligent, sympathisch und hat doch ihre Makel. Sie ist einfach ein Charakter, der nicht für den großen Kampf gemacht ist, dies aber mit ihren anderen Qualitäten wieder wett macht und so trotzdem hilfreich im Kampf gegen die Absorbierer ist. Sie ist zwar in ihrer Welt die klassische Außenseiterin, dies ist aber diesmal fast Voraussetzung für ihre Arbeit und soll nicht einfach nur dem Klischee entsprechen, dass alle Bücherwürmer Einzelgänger seien. 
Mary E. Garner schafft es mit einem wunderbar flüssigem Schreibstil einen die beschriebenen Welten näher zu bringen. Dabei vereint sie viele wunderbare Ideen zu einer großen Geschichte. Der erste Band stellt hier klar den Auftakt dar, doch verkommt er nicht zu einem bloßen Einleitungsband, sondern hat selbst auch schon genug eigene Handlung zu bieten.

Zwischen den Seiten

Die Handlung: Der erste Verräter des Bundes wurde identifiziert, fand jedoch ein schmerzliches Ende. Nun ist Hope jedoch um ihre Mutter besorgt. Mit Erlaubnis der Chefin des Bundes verlegt sie diese in das Krankenhaus der Zentrale, wo heraus-gefunden wird, dass ihre Mutter gar kein Alzheimer hat, sondern ihr Gedächtnis vernebelt wurde. Außerdem geht die Suche nach dem Anführer der Absorbierer weiter. Nach einem Missverständnis zwischen Rufus und Hope, wird ihr zunächst ein neuer Wanderer zugeteilt. Doch es ist keine Zeit für Missverständnisse. So müssen sich alle zusammen reißen und machen sich auf die Suche, um ihre und alle anderen Welten zu retten.

Meine Meinung: Ein zweiter Teil hat oft das Problem sich als bloßer Füllerband zu erweisen, der lediglich dazu dient, das große Finale im dritten Teil einzuleiten. Dies ist hier nicht der Fall. Auch der zweite Band kann von der ersten Seite an den Leser an das Buch fesseln und immer neue Erkenntnisse und Entdeckungen sorgen dafür, dass man kaum Luftholen kann. Auch hier werden noch neue Aspekte der Buchwelten beleuchtet und so gehen die Erklärungen der Welt weiter, auch wenn sie natürlich spärlicher sind, als im ersten Band. Der zweite Band fügt sich wunderbar in die Gesamthandlung, die an sich auch als ein großer Einzelband funktioniert hätte, hat aber auch seinen eigenen Spannungsbogen und sein eigenes „großes Finale“, auch wenn es natürlich nur ein Kampf als Zwischenstation ist. Die Figuren entwickeln sich auch hier noch einmal weiter, allen voran Hope, die einige wichtige Lektionen lernt. Es werden wieder neue Welten entdeckt, die sich ebenfalls wunderbar in die Gesamthandlung einschmiegen. Wie schon der erste Band endet auch der zweite mit einem Cliffhanger. Man sollte Band 3 hier unbedingt schon bereit liegen haben!

Die letzten Zeilen

Die Handlung: Der Bund ist dem Anführer der Absorbierer auf den Fersen. Doch ein neues Problem hat sich aufgetan. Es scheint, als würden die Absorbierer dem Bund immer einen Schritt voraus sein. In einer letzten verzweifelten Handlung versucht Hope ihre geliebten Buchwelten, aber auch ihre eigene zu retten. Dabei stellt sich einmal mehr die Frage, wem sie wirklich vertrauen kann. 

Meine Meinung: Habe ich es bei den beiden Vorgängerbänden noch geschafft sie zwischendurch einmal aus der Hand zu legen, gab es beim finalen Band kein Halten mehr. Ich habe es (beinahe) in einem Rutsch durchgelesen. Zu spannend waren die finalen Verwicklungen. Dabei hat die Autorin bewusst ruhigere Momente eingebaut, um dem Leser zwischen den ganzen spannenden Passagen auch mal eine Verschnaufpause zu gönnen. Doch die aufgebauten Rätsel wollten nun endlich entschlüsselt werden. Wer glaubte zuvor schon alles über die Buchwelten gewusst zu haben, lernt hier doch noch neue Dinge dazu. So ist der dritte Band nicht nur für das große Finale da, sondern bietet auch weiter die Möglichkeit die entstandene Welt zu erkunden. Aber natürlich geht es auch um das große Finale, das völlig anders ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Dennoch bringt Mary E. Garner alles zu einem runden Schluss. Auch wenn ich mit dem Ende nicht unbedingt einverstanden bin und es mich vielleicht auch am Ende das Buch etwas wütend durch die Gegend schleudern ließ. Aber es ist nun einmal die logische Konsequenz aus dem zuvor geschehenen und natürlich lässt einen die Autorin auch nicht ohne ein paar hoffnungsvolle Worte zurück. Dennoch fiel mir der Abschied ungewohnt schwer und es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich diese Reihe gelesen habe. 

Das Fazit

Das Buch der gelöschten Wörter ist eine dieser Buchreihen, die einen von Anfang an gefangen nehmen und bis zum Schluss nicht mehr loslassen. Ich habe mich direkt in sie verliebt und könnte hier noch ewig weiter schwärmen. Aber eigentlich bleibt mir nur zu sagen, dass es hier meine absolute Leseempfehlung gibt. Es ist einfach eine Fantasy-Reihe, die es schafft jenseits der üblichen Stereotypen zu agieren. Außerdem ist es eine Reihe für alle Bücherfans, die schon immer davon träumte in die gelesenen Buchwelten eintauchen zu können. 

PS: Auf der Website der Autorin wurden noch einmal die wichtigsten Buchwelten aufgelistet. Wer Lust hat daraus eine Challenge zu machen, kann sich gerne bei mir melden. Oder wenn ihr hören solltet, dass es die schon irgendwo gibt, gebt mir Bescheid! Ich wäre sofort dabei.

Alice im Düsterland – Ein Spielbuch

Ein Vorwort

In meiner kurzen Bloggerpause vor ein paar Wochen war meine beste Freundin zu Besuch. Genau wie ich, ist sie ein großer Bücherwurm und wir zeigen uns gerne unsere Neuanschaffung. Diesmal hatte sie eine ganz besondere Neuentdeckung im Gepäck. Ein Spielbuch. Damit ist der Leser mittendrin, statt nur dabei. Was es damit genau auf sich hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Alice kann sich an ihre Abenteuer im Wunderland kaum noch erinnern. Doch als sie Jahre später wieder zurückkehrt, kehren Erinnerungen zurück. An das weiße Kaninchen, ihren Fall durch das Kaninchenloch und noch vielem mehr. Doch etwas ist passiert im Wunderland. Die wunderlichen Gestalten von früher scheinen nun Alpträumen entsprungen zu sein. Begleite Alice bei ihrem Weg zur roten Festung.

Meine Meinung

Seid ihr auch noch genauso verwirrt über den Begriff Spielbuch, wie ich es war, als mir davon erzählt wurde? Kurz erklärt bedeutet das, dass man nicht nur rein eine Geschichte liest, sondern direkten Einfluss auf das Geschehen nehmen kann. Hierzu trifft man Entscheidungen, würfelt Kampfe und Proben aus und muss Rätsel lösen.
Dafür gibt es keine Kapitel im klassischen Sinne, sondern mal kürzere oder mal längere Abschnitte. Am Ende jedes Abschnitts gibt es entweder eine Entscheidung, eine Probe oder einen Kampf. Je nachdem, was man wählt, springt man zu einem neuen Abschnitt im Buch. Dadurch entwickelt sich eine ganz persönliche Geschichte. Man kann das Buch daher auch mehrfach spielen, da es immer wieder Abschnitte gibt, die man vorher gar nicht gelesen hatte, einfach weil man diesmal andere Entscheidungen trifft. Schlechte Entscheidungen können aber auch zum sofortigen Ende des Abenteuers führen. Daher kann es passieren, dass man mehr oder weniger gezwungen wird, noch einmal von vorne anzufangen und andere Entscheidungen zu treffen.
Zum Spiel braucht man natürlich das Buch, zwei Würfel, Stift und einen Zettel für Notizen. Im Buch gibt es Alices‘ Abenteuerblatt. Ich empfehle es zu kopieren, damit man während des Spiels weniger blättern muss. Hier werden Alices Fähigkeiten, Kampfwerte und der Wahnsinnslevel notiert, die sich im Laufe des Spiels verändern können. Außerdem gibt es zwei Sonderfähigkeiten „Seltsam und seltsamer“ sowie „Die Feder ist mächtiger“, die man begrenzt und an bestimmten Stellen einsetzen kann. Außerdem dient das Abenteuerblatt zur besseren Übersicht bei den Kämpfen. 
Wenn man alle Spielutensilien bereit gelegt hat, kann es auch schon losgehen. Zunächst folgt eine kurze Einleitung, wie einzelne Anweisungen auszuführen sind und wie das Buch generell aufgebaut ist. Gerade die Erklärung über den Ablauf von Kämpfen ist ein wenig länger. Hier empfiehlt es sich beim ersten Kampf nochmal zur Anleitung zurückzublättern und diese dann anzuwenden, da man sich die einzelnen Besonderheiten sonst nur schwer merken kann. Dann geht es auch schon los mit der Einleitung und die ersten Entscheidungen sind zu treffen. 
Grundsätzlich hat mir die Geschichte und die Entscheidungen, die man treffen konnte, gut gefallen. Es war spannend, gab immer wieder etwas zu entdecken und hatte viel Bezug zu Alice im Wunderland, auch wenn es eine komplett neue Geschichte war. Zwischendurch gab es zwar ein paar Stellen, die ein wenig langatmiger waren, zum Beispiel sind wir relativ lange durch ein Labyrinth geirrt – ich empfehle das Anlegen einer Karte! – doch auch das gehört irgendwo zum Spiel dazu. Begleitet wird der Text auch oft von ganz wunderbaren Illustrationen, die viele Beschreibungen von Kreaturen verdeutlichen.
Das einzige, was mich wirklich gestört hat, war, dass es zwischendurch ein paar Rätsel gab, die wirklich ganz schön schwer waren, selbst wenn man beide Originalbücher kennt. Außerdem gibt es eine Stelle im Buch, die ohne Möglichkeit zu entkommen, zum sofortigen Ende des Buches führt, wenn man vorher nicht durch Zufall an einer ganz bestimmten anderen Stelle im Buch war. Außerdem muss man hier dann noch ein halber Schachmeister sein. Hier hätte es zumindest die Möglichkeit geben müssen, eine der beiden Spezialfähigkeiten einsetzen zu können. Sonst wird man an der Stelle ganz schnell gefrustet. 

Das Fazit

Alice im Düsterland ist ein Spielbuch voller Geheimnisse und finsterer Gestalten, so dass die Erkundung der Welt unglaublich viel Spaß macht, bis auf ein kleines Manko, dass den Spielspaß ziemlich trüben kann. Eine Empfehlung für jeden, der Rollenspiele mal ganz vereinfacht spielen will, oder für jeden, der schon immer beim Lesen mehr Mitbestimmen wollte.

Kiss me never

Ein Vorwort

2017 entdeckte ich Autorin Lana Rotaru mit ihrer damals im Selfpublishing erschienen Reihe „Deadly Sin Saga“. Es folgte ihre bereits abgeschlossene Reihe „Black – die Panther Trilogie„. Und ab dann hieß es für mich warten. Bis Frau Rotaru schließlich bekannt gab, dass sie wohl nicht mehr schreiben würde. Verzweiflung machte sich in mir breit. Doch manchmal geschehen noch Wunder. Und so kehrte Frau Rotaru als Autorin zurück und diesmal mit dabei: Der Impress-Verlag. Dies bedeutete nicht nur, dass sie Seven Sins-Reihe wieder aufgenommen wurde und (hoffentlich) endlich beendet wird, sondern auch, dass Impress noch eine weitere Reihe von Frau Rotaru ins Programm aufnahm. Die Crushed Trust-Reihe bestehend aus vier Bände rund um Amanda und den Frauenschwarm Dante wollte ich eigentlich erst nach der Seven Sins Reihe beginnen, doch als ich nach einer Ausschreibung der Autorin ein Rezensionsexemplar erhielt, wurde es nun Zeit, der Reihe jetzt schon eine Chane zu geben. Wie mir der Auftakt der Reihe gefiel, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Amanda ist sich sicher, dass der Tod ihres Bruders Andrew kein Motorradunfall war. Es war Mord. Und seine beiden besten Freunde Van und Dante sind darin verwickelt. Doch ausgerechnet für Dante hat sie selbst jahrelang geschwärmt. Nun versucht sie der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Dabei kommt sie Dante gefährlich nah. Doch was hat es mit den Zetas auf sich? Und hatte Andrew vielleicht mehr Geheimnisse als Amanda dachte?

Meine Meinung

Wenn Liebesgeschichten über mehrere Bände erzählt werden, bin ich zunächst immer skeptisch. Denn in den meisten Fällen bedeutet das, dass sich die Geschichte an vorgeschriebene Muster hält. So verhält es sich meistens so, dass die Charaktere langsam zueinander finden, am Ende des ersten Bands auseinander gerissen werden, meistens einfach nur ein Missverständnis, dass sich irgendwann im zweiten Band aufklärt, nur um dann am Ende des zweiten Bands wieder auseinander gerissen zu werden und so weiter und so fort. Meistens funktioniert das bei Romantasy besser, als bei romantischen Fantasy-Geschichten, da sich hier die einzelnen Bände eher mit dem Aufbau zum großen Finale befassen und die Liebesgeschichte nur an zweiter Stelle steht. Und so versucht Lana Rotaru hier einen guten Kompromiss aus beiden Varianten zu bauen. Denn neben der aufkommenden Liebesgeschichte geht es eben auch um das Rätsel um den Tod von Amandas Bruder Andrew. 
Hierzu werden im ersten Band bereits einige Hinweise gestreut und so kommt bereits erste Spannung auf. Dennoch tappt Amanda und auch der Leser hier größtenteils noch völlig im Dunkeln. Vor allem bleibt es völlig offen, wem man trauen kann und wer die Wahrheit erzählt und wer nur falsche Fährten legt. So will man unbedingt mehr erfahren, muss sich aber zunächst durch eine Menge Wiederholungen graben. 
Dafür wird man aber mit einem wunderbar flüssigem Schreibstil entlohnt. Auch ist die Protagonistin zwar sehr hartnäckig in ihren Forderungen, wird dadurch aber nicht unsympathisch, sondern bleibt menschlich. So fiebert man mit ihr, stolpert über neue Erkenntnisse, hinterfragt alles, was ihr erzählt wird und hofft darauf, dass sich die Geschichte aufklärt.
Wesentlich undurchsichtiger ist ihr Gegenstück Dante. Der Inbegriff eines Bad Boys, aber trotzdem lernt man seine menschlichen Seiten kennen. Bei Bad Boys habe ich immer das Problem, dass ich ihren Wandel nachvollziehen muss. Bzw. dürfen sie am Anfang nicht so unfassbar unsympathisch werden, dass man ihnen ihr Verhalten nicht mehr verzeihen kann. Hier steht Dante zwischenzeitlich ziemlich auf der Kippe, dennoch merkt man ihm seine gute Seite stets noch an, was mir eine weitere Geschichte mit ihm realistisch macht.
Letztlich merkt man dem Band an, dass er als Einleitung für das kommende konzipiert wurde. Dafür funktioniert er noch erstaunlich gut und macht Lust auf die nächsten Bände. Wirklich störend ist nur eins: Das sehr abrupte Ende. Hier ist man gerade mitten in einer neuen Spur und kann es kaum erwarten herauszufinden, was dort passiert, als die Worte „Ende des ersten Bands“ auftauchen. Allerdings stellt Frau Rotaru so tatsächlich sicher, dass man auf jeden Fall zum nächsten Band greift. 

Das Fazit

Kiss me never ist ein guter Auftakt, der Spannung aufbaut, die Charaktere einführt, aber leider auch nicht versucht mehr als das zu sein. So endet die Einleitung sehr plötzlich. Doch sympathische Charaktere und ein schöner flüssiger Schreibstil entschuldigen einiges. Dann brauch ich wohl nun dringend den zweiten Band.

Kiss me never ist am 01.09.2020 als Taschenbuch erschienen

Kiss me never wurde mir von der Autorin und dem Impress Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

20 für 2020 – Ausgelesen

Ein Vorwort

Manchmal klappt es mit guten Vorsätzen eben doch besser als gedacht. Zum Jahresbeginn präsentierte ich euch meine 20 für 2020, also 20 Bücher, die ich 2020 lesen wollte. Dies habe ich nun tatsächlich geschafft. Alle 20 geplanten Bücher sind gelesen – und noch ein paar mehr… Über die meisten habe ich bereits irgendwo berichtet, aber hier soll es noch einmal um alle in Kurzform gehen. 

20 für 2020

Momo – Michael EndeKlassiker/Liste der Schande
Eines der wenigen Bücher Michael Endes, die ich in meiner Kindheit nicht gelesen habe. Die Geschichte um das Waisenkind Momo, das in einer Welt, wo graue Herren den Menschen die Zeit stehlen, für Spaß und Abwechslung sorgt, konnte mich ebenso wie die anderen Werke Endes in den Bann ziehen. 

Someone New – Laura KneidlMultiple Bände
Der Auftakt der zweiten von mir gelesenen Reihe von Frau Kneidl, die mich ebenso wie die Berühre mich. Nicht-Reihe allein durch den Schreibstil sofort bannen konnte. Die Geschichte zieht sich am Anfang ein wenig, dafür ist die Auflösung am Ende eine so wichtige Botschaft, dass ich dieses Buch trotzdem jedem empfehlen möchte. -> Kurzkritik

All in – 1000 Augenblicke – Emma ScottMultiple Bände
Dieses Duo war eigentlich ein Zufallsgriff, weil es mir aufgrund meiner Lesegewohnheit empfohlen wurde. Doch schnell entwickelte sich der Band zu einem meiner Jahreshighlights. Nur den zweiten Band verschlang ich noch schneller. Voller Herzschmerz und doch so wunderschön. -> Kritik

Was perfekt war – Colleen HooverEinzelbände
Colleen Hoover ist für mich in den meisten Fällen ein Garant für eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Mit Was perfekt war beweist sie wieder, dass sie wunderbare Liebesgeschichten schreiben kann, geht hier allerdings auch wieder auf ein bisher eher totgeschwiegenes Thema ein. Leider teilweise voller Wiederholungen, die sie aber mit ihrem wunderbaren Schreibstil wett machen kann. -> Kurzkritik

Erbarmen – Jussi Adler-OlsenMultiple Bände
Es wurde für mich mal wieder Zeit für einen Krimi/Thriller und außerdem konnte ich so ein Band von meinem SuB abbauen. Leider konnte mich die Geschichte rund um den sehr unsympathischen Ermittler Carl Mørck wenig begeistern. Die Folgebände (drei davon bereits in meinem Bücherregal) werden wohl noch einige Zeit auf sich warten müssen. -> Kurzkritik

Poirot – Das großen Vier – Agatha ChristieEinzelband
Ein weiterer Fall für Poirot wollte von mir gelesen werden. Allerdings haben wir hier eine wirre Anordnung von irgendwie zusammenhängenden Kurzgeschichten, die mich absolut nicht überzeugen konnten. -> Kurzkritik

Wer die Nachtigall stört – Harper LeeKlassiker/Liste der Schande
Zurück in den USA der 1930er Jahre erlebte ich das Thema Rassismus aus den Augen zweier Kinder. Ein wunderbar geschriebenes Werk mit einem wichtigen Thema. -> Kurzkritik

Die grüne Ente – Manu CausseEinzelband
Den Roadtrip durch Frankreich bekam ich von meinem besten Freund nach bestandener Führerscheinprüfung geschenkt. Nun wurde es endlich vom SuB befreit. Versprochen wurde eine lustige Reise mit Großvater und Katze auf der Rückbank, die alles kommentieren. Bekommen habe ich etwas ganz anderes, was mich leider nicht wirklich überzeugen konnte. -> Kurzkritik

Pu der Bär – A. A. MilneKlassiker/Liste der Schande
Eines meiner absoluten „Kindheitshelden“ und doch habe ich nie die Buchvorlage gelesen. Dies habe ich nun endlich nachgeholt. Leider fand ich den Schreibstil sehr anstrengend und Milne hat sich wohl ein Battle mit Tolkien um die meisten Lieder geliefert. Dennoch sind es irgendwo die Geschichten, die ich seit meiner Kindheit kenne. 

Am dunklen Fluss – Anna RomerEinzelband
Wurde mir als begeisterte Kate Morton Leserin empfohlen. Hinzu kam, dass es in Australien spielt, was mich ebenfalls stark interessierte. Letztlich wurde die Geschichte aber künstlich lang gezogen und mit einer überflüssigen zweiten Geschichte gespickt. Konnte mich trotz überraschendem Ende nicht überzeugen. -> Kurzkritik

The Green Mile – Stephen KingEinzelband
Natürlich durfte Mr. King himself auch nicht auf meiner Jahresliste fehlen. Diesmal war The Green Mile dran. Ursprünglich aus mehreren Einzelteilen bestehend, die nach und nach veröffentlicht wurden, ist jedoch jeder Teil für sich rund und auch die Gesamtgeschichte funktioniert wunderbar. Wieder einmal ein sehr schönes Werk. -> Kritik

Das Café der guten Wünsche – Marie AdamsEinzelband
Gedacht als Sommerlektüre, war es leider eine gesamte Enttäuschung. Schlechter Schreibstil, naive Charaktere und langweilige Handlung trafen hier aufeinander, gespickt mit allerlei Geschwafel. Leider ein Flop. -> Kurzkritik

Harry Potter und der Orden des Phönix – J. K. RowlingWiederholungstäter
Seit einiger Zeit versuche ich noch einmal die gesamte Harry Potter Reihe zu lesen. Der fünfte Teil stand an. Er war – wie auch die Male zuvor – der anstrengendste Teil, da Harry gefühlt permanent auf jemanden wütend ist. Dennoch hatte ich ihn irgendwie noch schlimmer in Erinnerung. – Hiermit distanziere ich mich von den Aussagen Rowlings. Transfrauen sind Frauen! 

Angelfall – Am Ende der Welt – Susan Ee – Multiple Bände
Das große Finale der Angelfallreihe ließ mich am Anfang etwas ratlos zurück, weil ich doch zu viel Zeit seit dem zweiten Band habe verstreichen lassen. Doch nachdem ich wieder in die Geschichte reinkam, bekam ich ein atemloses Finale, dass die Reihe würdig beendet. -> Kurzkritik

James Bond 007 – Leben und Sterben lassen – Ian FlemingMultiple Bände
Nachdem mich der erste Band der James Bond Reihe eher weniger überzeugen konnte, gab ich der Reihe dennoch eine Chance. Der zweite Band ist auch schon wesentlich spannender und hat mehr vom Charme der Filme. 

Die Bücherdiebin – Markus ZusakEinzelband
Nachdem ich mich lange weigerte mehr von Zusak zu lesen, seit ich mit Der Joker eines meiner absoluten Lieblingsbücher fand, um nicht enttäuscht zu werden, war es nun doch Zeit für die Bücherdiebin. Am Anfang brauchte ich meine Zeit, um an den Erzählstil heranzukommen, aber danach wurde ich mich einer wunderbaren, aber auch ernsten und traurigen Geschichte belohnt, die mich am Ende in Tränen aufgelöst zurückließ. -> Kritik

Heute hat die Welt Geburtstag – FlakeHörbuch/Einzelband
Der Keyboarder von Rammstein plaudert hier aus dem Nähkästchen. Der Zuhörer/Leser begleitet ihn bei einem Konzert und erfährt zwischendurch einiges über die Bandgeschichte. Durch einen lockeren Schreibstil und einem wunderbar vom Autor eingesprochenem Hörbuch nicht nur was für Fans der Band. -> Kurzkritik

Sherlock Holmes – Das Zeichen der Vier – Arthur Conan DoyleKlassiker/Liste der Schande 
Nach den großen Vier Christies, gab es nun auch das Zeichen der Vier. Der zweite Roman rund um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes gefiel mir auch etwas besser als der erste Roman, auch wenn es zwischendurch wieder ein paar Längen gab. 

The Ivy Years 5 – Bis wir uns finden – Sarina BowenMultiple Bände
Der fünfte und bisher letzte Band der Ivy Years Reihe konnte mich leider nicht mehr überzeugen. Zu gleich war inzwischen der Ablauf der Reihe, zu ähnlich die Schicksale. So habe ich leider nicht mehr mit den Charakteren mitgefiebert. 

Dream Again – Band 5 – Mona KarstenMultiple Bände
Hingegen konnte mich der fünfte Band der Again-Reihe wieder überzeugen. Zwar brauchte ich auch hier eine kleine Anlaufphase, aber danach war ich von der Geschichte wie gebannt. Soweit ich weiß ist hiermit auch die Again-Reihe beendet. Dream Again ist zwar nicht mein Lieblingsteil der Reihe, aber dennoch eine schöne Abschlussgeschichte. 

Das Fazit

Anfang Januar habe ich diese Liste geschrieben. Bei einigen Bänden war ich schon damals skeptisch, wollt sie aber endlich gelesen haben, auf einige Bücher habe ich mich gefreut, manche haben es eher durch Zufall auf die Liste geschafft. Und so ist auch bei der Auswertung alles dabei. Absolute Enttäuschungen, Bücher, die ich ganz okay fand, die mich begeistern konnten und Bücher, die es schon jetzt zu meinen Jahreshighlights schaffen konnten. Ich freu mich jetzt schon auf die 21 für 2021. 

All in: 1000 Augenblicke & Zwei Versprechen

Ein Vowort

Bei den meisten meiner Bücher kann ich ziemlich genau sagen, wann und wie ich auf sie aufmerksam geworden bin. Diesmal ist die Geschichte allerdings nicht ganz so spannend. Als ich Ende letzten Jahres meine Liste der 20 für 2020, also 20 Bücher, die ich 2020 lesen möchte, geschrieben habe, fielen mir ein paar Titel natürlich sofort ein. Um aber auf die 20 zu kommen, stöberte ich durch ein paar Buchblogs und ließ mich von den Empfehlungen bei Büchern, die ich unbedingt lesen wollte, inspirieren. Dadurch stieß ich auf den ersten Band. Und als ich den eher zögerlich anfing, verliebte ich mich sogleich in die Geschichte. So war mein erster Gang, als die Buchläden wieder öffnen durften, sofort in die Buchhandlung meines Vertrauens, um auch noch den zweiten Band zu erwerben. Ich möchte hier auch gleich am Anfang eine große Spoilerwarnung aussprechen! Ich kann unmöglich über den zweiten Band sprechen, ohne den Twist des ersten Bandes zu verraten. Daher hier die Warnung, wer den ersten Teil interessant findet und überlegt ihn zu lesen, bitte nichts über den zweiten Teil lesen!

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1000 Augenblicke

Die Handlung: Kacey ist ein Rockstar. Ihre Band hat den totalen Durchbruch gerade geschafft, doch die Tour verlangt Kacey einiges ab. Dem ständigen Druck und der Erfolgserwartung kommt sie mit nur einem Mittel bei. Alkohol. Viel Alkohol. Auch bei der Show in Las Vegas hat sie wieder einen Absturz. Doch diesmal wacht sie in der Wohnung von Jonas Fletcher auf. Der junge Künstler verdient sich als Chauffeur ein wenig was dazu und konnte Kacey nicht wie gewollt in der Bandvilla abliefern. Kacey ist fasziniert von Jonas, der, im Gegensatz zu ihr, sein Leben ein bisschen zu gut unter Kontrolle hat. Doch die Tour soll noch eine ganze Weile laufen und Jonas verbirgt ein großes Geheimnis. Wird es eine Zukunft für beide geben?

Meine Meinung: Die letzte Frage ist natürlich absolut vorhersehbar. Autorin Emma Scott löst die Frage nach dem Ob auch sehr schnell auf, ziemlich untypisch für einen klassischen Liebesroman. Dieses Buch ist auch alles andere als klassisch. Denn die Konzentration liegt weniger auf dem Ob als vielmehr auf dem Wie. Kacey kämpft mit dem Druck als erfolgreicher Rockstar und ihrem Alkoholproblem und auch Jonas hat einige Probleme, die nach und nach immer deutlicher werden. Man könnte Emma Scott vorwerfen, dass sie einige der Probleme ein bisschen zu schnell löst und ganz schnell neue Wege eingeschlagen werden können. Allerdings hätte ein Ausweiten dieser Themen auch die Essenz des Buches angegriffen. Denn wir erleben hier eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich seit langem gelesen habe. Da die äußeren Umstände schon genug Drama bieten, wird in der Liebesgeschichte an sich, größtenteils darauf verzichtet.
Kacey ist als Charakter am Anfang sicher gewöhnungsbedürftig. Sie entwickelt sich aber schnell in eine gute Richtung. Für einen Außenstehenden ist es wohl auch schwer nachvollziehbar, warum sie so viel Alkohol braucht. Aber eine Sucht, ist nun einmal von außen nicht nachzuvollziehen und Scott gibt sich hier große Mühe es aus Kaceys Sicht dennoch verständlich rüberzubringen. Jonas hingegen ist von Anfang an ein sehr greifbarer Charakter. Und tatsächlich war es einmal sehr erfrischend, dass die Dame der Rockstar ist und nicht der Mann. Außerdem ist er sehr bodenständig und daher eigentlich erst einmal nicht der potentielle Herr in einem Liebesdrama. Dennoch passt er perfekt in die Geschichte – zumal ich gerne mal mehr Bücher lesen würde, in dem der Kerl nicht von Anfang an nur als anbetungswürdig beschrieben wird.
Das Ende ist dann ab einem gewissen Punkt zwar vorhersehbar, dennoch erhofft man sich einen anderen Ausgang. Aber es ist konsequent und macht nicht die Ernsthaftigkeit des ganzen vorherigen Buches zu nichte.
Ein weiterer Pluspunkt ist Scotts Schreibstil, der sehr flüssig zu lesen ist, das richtige Maß aus Gedanken und Dialog hat und es schafft trotz eines gewissen Alltages sich auf einige wenige Wiederholungen zu beschränken. Hierfür gibt es eine absolute Leseempfehlung!

Zwei Versprechen

Ich weise noch einmal daraufhin, dass der Inhalt des zweiten Bandes ein großer Spoiler für den ersten Band ist. Es lässt sich aber nicht vermeiden!

Die Handlung: An Jonas Sterbebett wurden zwei Versprechen gegeben. Kacey versprach zu versuchen erneut zu lieben. Jonas wusste, dass sein Bruder Theo der richtige für sie ist und das Theo sich bereits in sie verliebt hatte. So nahm er ihm das Versprechen ab, dass Theo alles versuchen sollte, um Kacey wieder glücklich zu machen. Nach dem Tod Jonas‘ ist die Welt für Kacey zusammengebrochen. Egal, wie gut sie sich auf diesen Moment vorbereitet hat, sie kann es sich doch nicht vorstellen, ohne ihn zu leben. Theo versucht ihr zu helfen und gleichzeitig seine Familie, die ebenfalls unter dem Verlust leidet, zusammenzuhalten. Doch dann ist Kacey auf einmal verschwunden. Theo hofft, sie wiederzufinden und tatsächlich bekommt er schließlich einen Anruf aus New Orleans. Er reist zu ihr und findet sie einem desaströsen Zustand wieder. Wie sollen beide ihr Versprechen einhalten können?

Meine Meinung: Der zweite Band steht hier einmal mehr im Schatten des ersten. Denn eine so wunderbare Liebesgeschichte zu toppen, ist wohl kaum möglich. Autorin Emma Scott versucht das auch gar nicht. Sie nimmt den Schatten des ersten Buches bewusst auf und spielt damit. Und tatsächlich schafft sie es den Wandel von Theo, dem distanziertem Bruder aus dem ersten Band, zu einem Mann, dessen innere Zerrissenheit man vollständig nachvollziehen kann. Auch ist der Wandel von Kacey von einem zum anderen Bruder bereits im ersten Band vorbereitet worden. Dennoch wird mit dem Thema Trauerarbeit respektvoll umgegangen. Auch hier gibt es einige Entwicklungen, die relativ schnell abgearbeitet wurden – und teilweise dadurch auch etwas unrealistisch waren. Dann gab es wiederum Entwicklungen, die sehr lange aufgebaut wurden, nur um am Ende wieder zunichte gemacht wurden. Das dürfte dann wohl auch mein einziger Kritikpunkt sein, dass die Fernbeziehung Las Vegas-New Orleans ein wenig merkwürdig aufgelöst wurde. Allerdings ist es auch hier wieder jammern auf hohem Niveau, denn auch die zweite Liebesgeschichte konnte mich hier vollständig in den Bann ziehen. Beide Geschichten funktionieren unabhängig und auch zusammenhängend sehr gut, weil sie auf unterschiedliche Art aufgezogen wurde und gut miteinander harmonieren. Ebenso wie Kacey musste man als Leser den Verlust von Jonas erst noch verarbeiten und konnte sich nicht sofort auf Theo einlassen. Aber nach und nach, verstand man, warum es sich bei beiden Brüdern um unterschiedliche Abschnitte handelte und kann Kacey Anziehung zu Theo sogar nachvollziehen. Ich könnte letztendlich nicht sagen, welches Buch von beiden mich mehr begeistern konnte.

Eine Handvoll Bücher

Heute mal mit einem Thriller/Krimi, einer Geschichte über verblasste Erinnerungen, Liebe zwischen Mitbewohnern, dem Auftakt der Breathless-Erotik-Trilogie und dem Abschluss der Engel-Apokalypse. Klingt interessant? Dann unbedingt weiterlesen!

Erbarmen – Jussi Adler-Olsen

Die Handlung: Carl Mørck ist Ermittler bei der Kopenhagener Polizei. Nach einem Zwischenfall ist sein einer Partner tot und der andere querschnittsgelähmt. Da er bei den anderen Kollegen nicht unbedingt beliebt ist, kommt das von der Regierung geforderte Sonderdezenat Q, das sich mit unaufgeklärten Fällen befassen soll, gerade richtig. Carl soll die Abteilung alleine leiten. Er holt sich noch einen Angestellten. Hafez el-Assad ist Syrer und sollte eigentlich nur für die Reinigung zuständig sein, doch hängt er sich gerne in die Fälle rein. So auch in den der verschwundenen Merete Lynggaard, einer Politikerin. Während Carl am Anfang wenig Lust hat, wirklich zu arbeiten, stellt er doch bald fest, dass bei der damaligen Ermittlung Spuren nicht genauer verfolgt wurden.

Meine Meinung: Für meine 20 für 2020 wollte ich auch einen Thriller mit einbauen und die ersten vier Bände rund um Carl Mørck staubten eh schon lange auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) ein, da sie mir mehrfach wärmstens empfohlen wurden. Ich weiß allerdings auch wieder, warum ich Thriller/Krimis aktuell lieber in Serienform sehe, gerne mit einem abgeschlossenen Fall pro Folge. Denn diese langgezogenen Fälle schaffen es selten mich bis zum Schluss zu fesseln. Zu lange brauchen sie, um Fahrt aufzunehmen und selbst dann ziehen sie sich ewig. Hier kam noch hinzu, dass mir der Ermittler ziemlich unsympathisch war. Seine Rolle war wohl auch darauf ausgelegt, aber Ermittler mit Trübsalmiene, ständig schlechter Laune und tragischem Hintergrund hab ich wohl auch einfach einmal zu viel gelesen. Der Fall an sich war letztlich trotzdem spannend! Aber es war einfach ein Fall, den man auch auf halb so vielen Seiten hätte aufklären können.

Am dunklen Fluss – Anna Romer

Die Handlung: Ruby führt ein ganz normales Leben. Sie führt eine kleine Buchhandlung und ihr Freund Rob ist erfolgreicher Arzt. Doch auch nach vielen Jahren beschäftigt sie immer noch der Tod ihrer Schwester Jamie in ihrer Kindheit. Doch sie kann sich an das gesamte Jahr nicht mehr erinnern, obwohl sie bei Jamies Tod dabei gewesen sein müsste. Als sie eine alte Bekannte ihrer Mutter von früher trifft, die sie auf das alte Anwesen der Familie einlädt, zögert sie. Soll sie sich wirklich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen?

Meine Meinung: Eigentlich ist so ein Familiengeheimnis, das es zu entschlüsseln gilt, total mein Genre. Auch die Tatsache, dass der gesamte Roman in Australien spielt und es eben kein altes Anwesen in Großbritannien ist, hat mich magisch angezogen. Ich bin auch sehr leicht in die Geschichte reingekommen, der Schreibstil war angenehm, aber auch nichts besonderes. Neben der Geschichte um Ruby gibt es auch noch eine weitere Anfang des 20. Jahrhunderts. Am Ende wird zwar versucht beide Geschichten zu beginnen, dennoch ist die zweite Geschichte eigentlich vollkommen überflüssig – und dazu ist die Protagonistin aus der zweiten Geschichte auch ziemlich nervig. Doch selbst, wenn man den Teil ausblendet, wird die Hauptgeschichte an einigen Stellen künstlich in die Länge gezogen. Kaum kommt Ruby am alten Anwesen an, scheint die ganze Geschichte für eine mögliche Liebesgeschichte still zu stehen. Auf den letzten Seiten nimmt die Geschichte noch einmal deutlich an Fahrt zu, doch da hatte mich das Buch bereits verloren. Während davor viele Sachen vorhersehbar waren, hat mich das Ende noch einmal überraschen können.

Someone Else – Laura Kneidl

Die Handlung: Nachdem sich Micah und Julian im ersten Teil am Ende gefunden haben, ist Julian gänzlich bei Micah eingezogen. Dadurch leben seine Mitbewohner Auri und Cassie nun alleine zusammen. Und die Anziehung zwischen den beiden, die sie eher beim LARP rauslassen, ist weiterhin da. Doch auch, wenn sie sich beide zueinander hingezogen fühlen, wollen sie nicht ihre Freundschaft gefährden.

Meine Meinung: Zweite Bände sind tückisch. Und während ich schon dankbar war, dass der Schwerpunkt im zweiten Band nicht mehr auf den Protagonisten aus dem ersten lag und sich damit die Geschichte nicht ewig hinziehen konnte, war der Einstieg dennoch schwerer als beim ersten Band. Das lag wohl auch daran, dass man Cassie und Auri irgendwie schon kannte und auch die Probleme der beiden im ersten Band schon ein wenig angesprochen wurden. Da gibt es zum einen eben die Tatsache, dass sie beide nicht ihre Freundschaft gefährden wollen, dann ist Auri für die Außenwelt auch der Sportler und hält daher seinen inneren Geek gerne geheim, außer wenn er mit Cassie zusammen ist und ganz nebenbei wird eben auch noch das Rassismusproblem mit angesprochen. Eigentlich genug Themen für ein Buch, doch selbst eine wirklich gute Autorin, wie Laura Kneidl, schafft es dann doch nicht Längen zu vermeiden. Denn die Geschichte dreht sich eigentlich immer wieder im Kreis. Dann wird ein Vorstoß gewagt und ein paar Seiten weiter, ist dieser wieder vergessen. Hier hätten es ein paar Seiten weniger dann doch besser gemacht, zumal hier auch einfach die Einleitung und Einführung der Charaktere nicht mehr nötig war und sich damit die Geschichte noch mehr streckte, um auf die gleiche Seitenanzahl wie bei den anderen Werken zu kommen. Nichtsdestotrotz ist es eine schöne Geschichte! Ich möchte diesen Band nicht missen, aber kürzer wäre eben besser gewesen.

Breathless 1 – Gefährliches Verlangen – Maya Banks

Die Handlung: Gabe Hamilton ist erfolgreicher Geschäftsmann und hat sein Liebesleben gut im Griff. Doch schon länger hat er ein Auge auf Mia, die kleine Schwester seines Geschäftspartners und besten Freundes Jace geworfen. Als er auf einer Feier Mia ohne Jace antrifft, nutzt er die Chance ihr ein Angebot zu machen. Ein Vertrag, in dem festgelegt wird, dass Mia fortan seine Geliebte sei. Damit dies besser funktioniert, bietet er ihr gleichzeitig einen Job in seinem Unternehmen. Mia ist hin- und hergerissen, doch begehrt sie Gabe ebenfalls schon lange. Und da sie ihn nur nach seinen Regeln bekommen kann, lässt sie sich darauf ein.

Meine Meinung: Ein erfolgreicher Geschäftsmann und ein Vertrag, in dem die sexuellen Belange geregelt werden. Wem kommt es noch bekannt vor? Aber bevor ihr alle genervt die Augen verdreht, lässt mich dazu noch sagen, dass sich dieser Roman schnell weiter entwickelt und die schlimmsten Fehler des Vorbilds auslässt. Zum einen ist Mia nicht das kleine Mauerblümchen, sondern kennt durch ihren Bruder die Welt der erfolgreichen Geschäftsmänner, zum anderen wird nicht eine dazu gezwungen die Wünsche des anderen zu erfüllen, sondern es ist von vornherein ein beidseitiges Verlangen, das mit dem Vertrag eher festhält, dass es in beidseitigem Einverständnis ist. Auch gibt es keine Safewörter, sondern Mia kann zu allem einfach Nein sagen, wenn sie es nicht möchte. Also keine Vergewaltigung und keine häusliche Gewalt. Dennoch sind Handlung und Charaktere ziemlich platt angelegt. Aber für das sinnliche Lesevergnügen zwischendurch durchaus eine Empfehlung.

Angelfall 3 – Am Ende der Welt – Susan Ee

Die Handlung: Penryn und Raffe sind ein weiteres Mal Uriels Engeln entkommen. Raffe hat zwar seine Flügel wieder, doch muss er noch jemanden finden, der die Dämonenschwingen gegen seine Flügel austauscht. So suchen beide erneut das Widerstandscamp auf und bereiten sich auf den finalen Kampf vor. Doch dafür könnte es nötig werden hinabzusteigen in die Hölle. Werden die Menschen doch noch über die Engel siegen?

Meine Meinung: Eigentlich habe ich sehr lange auf den finalen Band gewartet, nur damit er dann doch auf meinem SuB einstaubt. Irgendetwas hat mich immer wieder davon abgehalten das Buch in die Hand zu nehmen. Und so ist der zweite Band bereits im Mai 2017 von mir gelesen worden. Dementsprechen schwer fiel es mir nun wieder in die Geschichte reinzukommen. Denn während mich bei vielen Autoren die ewig langen Wiederholungen aus den vorherigen Bänden stören, verzichtet Susan Ee fast vollständig darauf. Dadurch geriet ich nicht nur einmal ins schwimmen, wenn ich versuchte mich zu erinnern, was denn nun genau passiert war. Zumal gerade der Anfang ein reines Aneinanderreihen von spannenden Szenen war, was zwar den Spannungsbogen hoch halten soll, mich aber eher zweifelnd zurück ließ. Dies ändert sich zwar nicht wirklich, aber zumindest gab es dann doch wieder ein gutes Maß an Handlung. Ab der Hälfte konnte ich das Buch dann auch wieder gut lesen und war bereit für das große Finale. Letztlich ist es ein würdiger Abschluss einer größtenteils spannenden Reihe.

Die Bücherdiebin

Ein Vorwort

Sehr geehrter Herr Zusak,
mein Name ist Shalima Moon. Ich bin Bloggerin und daher der Ansicht meine Meinung hier niederschreiben zu dürfen. Zuerst möchte ich sagen, dass ich Ihr Werk „Der Joker“ sehr liebe und es zu meinen absolut liebsten Büchern gehört. Tatsächlich hatte ich – wohl aus der Angst bei anderen Ihrer Werke nicht die gleiche Magie zu spüren – es bisher vermieden, noch ein weiteres Werk Ihrerseits zu lesen. Witzigerweise bin ich sowohl mit meinem besten Freund als auch mit meiner besten Freundin über Sie ins Gespräch gekommen. Beide sagten mir, dass sie ein anderes Werk Ihrerseits, nämlich „Die Bücherdiebin“ gelesen hatten und es sehr mochten. Meine beste Freundin ging schließlich so weit, dass sie mir eine Ausgabe dieses  Buches zum Geburtstag schenkte. Ich habe es nun gelesen. Herr Zusak, wir müssen reden.

Die Handlung

Die 9-jährige Liesel Meminger wird von ihrer Mutter zu einer Pflegefamilie in Molching, bei München, gebracht. Auf der Fahrt dorthin stirbt ihr Bruder. Dort entdeckt der Tod sie das erste Mal und sie wird ihr erstes Buch stehlen. In den folgenden Wirren des zweiten Weltkriegs wird sie dem Tod noch mehrfach begegnen und noch mehr Bücher stehlen.

Meine Meinung

Herr Zusak, ich möchte zugeben, dass ich mich beim Einstieg in Ihr Buch noch ein wenig gesträubt habe. Die Erzählweise des Todes kam mir befremdlich vor, zumal er ständig vorzugreifen schien. Dann wiederum schien er wichtige Informationen einfach auszulassen. Ich weiß, noch immer nicht, woran der Bruder starb. Sie mögen argumentieren, dass dies für die Geschichte nicht wichtig sei, aber Herr Zusak, es ist höchst unbefriedigend. Doch nach und nach gewöhnte ich mich an die Erzählweise und ließ mich auf die Geschichte ein. Auf Liesel und auf ihre Pflegeeltern. Vorallem auf ihren neuen Papa Hans Hubermann. Auf den Nachbarsjungen Rudi und dessen Familie. Und ich habe sie in mein Herz geschlossen.
Herr Zusak, Sie sagten selbst in einem Interview, dass Sie eigentlich vorhatten nur ca. einen Monat an dem Buch zu arbeiten, es sollte nicht länger als 100 Seiten werden. Sie haben dem Werk drei Jahre gewidmet und es sind nun fast 600 Seiten geworden. Das war wohl zum einen eine gute, aber auch irgendwo eine schlechte Idee. Eine gute, weil Sie der Geschichte so viel mehr Tiefgang geben konnten. Sie nehmen sich die Zeit, um alle Charaktere richtig vorzustellen und teilweise auch in kurzen Kapiteln kurze Anekdoten zu erzählen. Die längeren Kapitel nutzen Sie, um die für die Geschichte wichtigen Aspekte zu erzählen. Sie haben so genug Zeit, um den Nationalsozialismus ganz langsam in die Geschichte zu lassen. Den Hass, gegen ganz normalen Menschen von ganz normalen Menschen die ihnen von abnormalen Menschen eingetrichert wurde. Es gibt wohl keine ehrlichere Art der Erzählung aus der Zeit, als ein ganz normales Mädchen aus einer ganz normalen Straße die Ereignisse einfließen zu lassen. Eine schlechte Idee Buch und Zeit zu verlängern war es wohl, weil dadurch gerade der Anfang etwas zäh gerät. Aber auch, weil man dadurch so viele Gelegenheiten findet, die Charaktere ins Herz zu schließen.
Herr Zusak, ich möchte mit Ihnen nun über das Ende sprechen. Für den Blogleser könnte der folgende Abschnitt Spoiler enthalten, aber sie kennen ja Ihre eigene Geschichte, also kann ich Ihnen gegenüber ja ganz offen sein. Mir ist bewusst, dass es vielleicht naiv war mein Herz an so viele Charaktere zu hängen. Eine Geschichte, die während des zweiten Weltkriegs spielt, ist nicht gerade prädestiniert für ein allumfassendes Happy-end. Aber warum dieses Ende? Herr Zusak, ich war schon desöfteren empört über die Enden von Büchern. Ich wollte Bücher aus dem Fenster werfen, ich wollte nach dem Hörer greifen, um Autoren meine Wut direkt ins Gesicht zu sagen, ich meckerte meinen Lebensgefährten voll, weil ich mit Enden nicht einverstanden war. Ich war auch schon traurig über Enden. Manchmal sind Enden einfach die logische Konsequenz, auch wenn sie mir nicht passen. Aber Herr Zusak, ich habe noch nie am Ende eines Buches so bittere Tränen der Verzweiflung geweint. Es fiel mir noch nie so schwer, die nächsten Seiten umzublättern, denn solange ich es nicht tat, konnte auf den folgenden Seiten stehen, dass alles nur ein Traum war. Ein Scherz des Todes. Aber diese Worte kamen nicht. Wie konnten sie mich so zurücklassen und dann auch noch eine Aussicht auf eine weit entfernte Zukunft geben? Und mich dann am Ende doch im Ungewissen lassen.

Das Fazit

Herr Zusak, schlussendlich möchte ich Ihnen sagen, dass mir Ihr Buch wirklich gut gefallen hat, auch wenn ich es am Anfang nicht mögen wollte und am Ende nicht fassen kann, dass ich es noch immer mag. Aber genau das sind sie. Die Geschichten, die einen noch lange begleiten. Die man nicht ablegen kann. Und die man ungefragt weiter empfehlen möchte. Herr Zusak, Sie werden diesen Beitrag wohl nie lesen. Aber ich hoffe ein paar Leser damit zu erreichen und das war wohl auch Ihre Intention beim Schreiben des Buches.

The Green Mile – Buch & Film

Ein Vorwort

Das Stephen King Verfilmungen nicht immer funktionieren zeigte zuletzt das Friedhof der Kuscheltiere Remake. Das sie aber auch durchaus funktionieren können, dürften die Verurteilten bewiesen haben – auch wenn ich die Buchvorlage dazu bisher noch nicht gelesen habe. Nun kannte ich The Green Mile bereits als Film, aber noch nicht als Buch. Dies habe ich nun nachgeholt und will hier einmal beide Medien gegenüberstellen.

Die Handlung

Paul Edgecombe arbeitet im Gefängnisblock E von Cold Mountain, in dem sich der elektrische Stuhl befindet. 1932 kommt John Coffey in diesen Block. Er soll zwei Mädchen vergewaltigt und getötet haben. Doch von Anfang an kommt Paul die Sache komisch vor. Doch er hat größere Probleme. Etwa den bösartigen Wärter Percy Wetmore, der alle durch seine Beziehungen nach Washington in Schach hält. Oder auch Billy Wharton, den verrückten und bösartigen Insassen. Doch mit Coffeys Erscheinen passieren ein paar merkwürdige Sachen.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King startete mit The Green Mile das Experiment einen Fortsetzungsroman zu schreiben. Und so ist das Buch in sechs Teile unterteilt, die ursprünglich nacheinander veröffentlicht wurden. So gibt es zwar immer noch einen roten Faden, der alles verbindet, dennoch stehen die Geschichten auch gut für sich. Dabei sind die Geschichten nicht chronologisch geordnet, dem Leser wird aber immer wieder vermittelt an welcher Stelle der Gesamthandlung man sich befindet.
King selbst schreibt in seinem Vorwort, dass er eigentlich gar keine Zeit hatte, um richtig für den Roman zu recherchieren und entschuldigt sich im Nachwort wegen ein paar historischer Ungenauigkeiten. Dennoch hat er wohl die Atmosphäre eines Todesblocks gut eingefangen. Die Abläufe, die Gedanken und auch die Insassen könnte es wohl wirklich so gegeben haben – außer vielleicht John Coffey.
Die Geschichte orientiert sich im Rahmen daran, dass Paul Edgecombe im hohen Alter seine Erinnerungen an eben jene Zeit nieder schreibt. So hat King immer wieder einen Anfang für die einzelnen Bücher. Die Geschichten unterscheiden sich in ihrer Spannung, lassen sich aber alle gut weglesen. Denn trotz der bedrückenden Stimmung eines Todestrakts, schafft King es interessante, wenn auch teilweise sehr bösartige, Charaktere zu schaffen und mit ihnen fantastische Geschichten zu kreieren.

Meine Meinung zum Film

Regisseur und Drehbuchautor Frank Darabont hatte bereits Kings Kurzgeschichte Die Verurteilten verfilmt. Fünf Jahre später widmete er sich seinem nächsten Projekt. Mit The Green Mile hatte er sich erneut ein King Werk, das in einem Gefängnisblock spielt, ausgesucht. Prominent besetzt mit Tom Hanks, der Paul Edgecombe spielt, hatte der Film also beste Voraussetzungen. Seine große Stärke ist es wohl, dass er sich eng an die Buchvorlage hält. Die größten Änderungen dürften sein, dass der Film die Bücher in der veröffentlichten Reihenfolge erzählt, aber so tut, als wären diese chronologisch erzählt. Auch große Teile der Geschichte um den alten Paul im Altenheim wurden weggelassen, z. B. den tyrannischen Pfleger Brad Dolan, der Pauls Erinnerungen an Percy Wetmore stärkt. Diese Änderungen verändern jedoch nicht den Charakter der Geschichte.
Mit 181 Minuten ist The Green Mile sehr lang geworden, dadurch konnte aber auch jede Geschichte auserzählt werden, ohne irgendetwas streichen zu müssen. Die Spannung wird trotzdem durchgehend hoch gehalten. Auch die weiteren Rollen sind gut besetzt. Selbst Szenen, die eigentlich nur mit der Gedankenwelt Pauls funktionieren dürften, werden durch kleine Ausschmückungen so umgesetzt, dass man auch ohne gelesene Buchvorlage alles versteht. So kriegt man durch den Film einen guten Überblick über die Geschichte. Richtig rund wird es allerdings trotzdem erst im Buch durch die erläuternden Gedanken.

Das Fazit

Egal, ob als Buch oder als Film, The Green Mile funktioniert durch seine fantastischen Geschichten in beiden Medien und vermittelt so einen Einblick in einen Todestrakt in den 1930er Jahren und spielt mit den Motiven von Gut und Böse.

Eine Handvoll Bücherkritiken

Ich weiß noch nicht, ob dies eine wiederkehrende Kategorie wird, aber da ich merke, dass ich es meist nicht schaffe über ein Buch einen ganzen Beitrag zu verfassen und daher die meisten gelesenen Bücher nur in den Monatsrückblicken behandle, soll es hier um eine Handvoll Kurzkritiken gehen.

Mr. Barnacals Schildkröte

Die Handlung: Mr. Barnacal lebt in einer mehr oder weniger postapokalyptischen Welt in einem viel zu großen Haus für ihn, mit allerlei interessanten Zimmer und genießt die Zeit für sich allein. Doch eines Tages tauchen mehrere Personen auf, die ihm seine Schildkröte abkaufen wollen. Unwirsch wegen der Belästigung versucht Mr. Barnacal die Personen loszuwerden. Doch das ist gar nicht so leicht und während diese eine Belagerung anfangen, fängt Mr. Barnacal an nachzudenken. Besaß er überhaupt eine Schildkröte und wo könnte die sich wohl aufhalten?

Meine Meinung: Mir wurde dieses Buch auf der Comic Con in Berlin vom Wölfchen Verlag in die Hand gedrückt und so mitreißend beschrieben, dass ich das Buch nicht nur sofort kaufte, sondern auch sofort anfing es zu lesen. Und gerade der Anfang gefiel mir wirklich gut, weil es genau das war, was ich erwartet hatte. Man erfährt allerhand über Mr. Barnacals Haus und die fantastischen Zimmer, die teilweise ganze Klimazonen annehmen. Doch die Belagerung zieht sich danach immer mehr hin und das Buch verliert viel an Schwung, da man auch irgendwie nichts so richtig über die Welt an sich erfährt. Und gerade gegen Ende versucht Autorin Lisa Brenk noch einmal alles, um ein spannendes Finale hinzulegen, hatte mich bis dahin aber bereits verloren. Hinzu kommt, dass ich mit dem Schreibstil von Frau Brenk nicht warm geworden bin. Die Satzstrukturen waren sehr einfach gehalten, ebenso wie die Beschreibungen, so dass ich nicht wirklich in der Geschichte versinken konnte. Wem aber die Beschreibung der Geschichte interessiert, sollte durchaus einen Blick mal wagen.

Der Anschlag

Die Handlung: Jake Epping ist eigentlich ein ganz normaler Englischlehrer in Lisbon Falls. Doch eines Tages besucht er das Diner von seinem Freund Al Templeton, der innerhalb von einer Nacht um Jahre gealtert scheint. Und dieser erzählt ihm, dass es in seinem Diner eine Treppe in die Vergangenheit gibt, mit der er ins Jahr 1958 kommt. Al bittet Jake inbrünstig seinen gescheiterten Plan das Attentat auf J. F. Kennedy 1963 zu verhindern, da er glaubt das die Welt danach eine bessere werden müsste. Nach ersten Versuchen gibt Jake schließlich nach und reist ins Jahr 1958.

Meine Meinung: Das Stephen King sich sehr ausführlich mit dem Attentat, den möglichen Hintergründen, Beweggründen, Abläufen und auch mit der Rolle von Lee Harvey Oswald beschäftigt hat, merkt man dem Buch auf jeder Seite an. Auch das er die Geschichte der Welt danach sehr genau durchdacht hat und mögliche andere Zukunftsszenarien erdacht hat, die mit dem Überleben oder Sterben von JFK zusammenhängen, merkt man ständig. Darüber hinaus erzählt er aber die Geschichte eines Mannes, der aus der Zeit gefallen scheint. Während die Vergangenheit permanent gegen ihn arbeitet, versucht Jake fünf Jahre in einer für ihn fremden Welt zu überleben. In diesem relativ neuen Buch Kings (2011 erschienen), zeigt er, dass er noch immer Geschichten in aller Fülle erzählen kann, man merkt aber auch, dass er an einigen Stellen ein wenig abgedriftet ist, weswegen Längen zwischendurch nicht ausgeschlossen sind. Letztlich bleiben jedoch alle Geschehnisse logisch – wenn man sich damit abfindet, dass Zeitreisen existieren – auch wenn ich mit einigen Wendungen einfach nicht einverstanden war. Der Anschlag ist bestimmt nicht Kings bestes Werk, aber bei weitem auch nicht sein schwächstes.

Wir sehen uns beim Happy End

Die Handlung: Ella ist von Happy-Ends besessen. Alle Geschichten und Filme ohne Happy-End muss sie umschreiben und kriegt beim Sehen/Lesen jedes Mal fast einen Zusammenbruch. Doch als ihre augenscheinlich perfekte Beziehung in die Brüche geht, findet sie sich auf einmal im Haus von Oscar wieder, der sein Gedächtnis verloren hat, und der einige Geheimnisse zu haben scheint. Ella versucht also sein persönliches Happy-End heraufzubeschwören und stellt fest, dass dies im realen Leben wohl doch nicht so leicht ist.

Meine Meinung: Wer sich von dem helltürkisen Einband und den rosa eingefärbten Seiten nicht abschrecken lässt, der findet in Wir sehen uns beim Happy End eine Geschichte über eine zunächst schrecklich naive Ella, die man am liebsten aus ihrer Traumwelt schütteln will. Doch nach und nach wird man mit ihr warm und erkennt, dass sie wohl auch etwas zu verbergen hat. Obwohl das Buch fast 600 Seiten umfasst, liest sich die Geschichte so flüssig weg, dass keine Längen aufkommen und man voll in der Geschichte aufgeht, die einen irgendwo doch verzaubert.

Ghostsitter – Geister geerbt & Ghostsitter 2 – Achtung Poltergeist

Die Handlung: Tom lebt eigentlich ein ganz normales Leben für einen 10-jährigen. Bis er eines Tages eine Geisterbahn erbt. Das außergewöhnliche: Alle Bewohner der Geisterbahn sind echt. Der Werwolf Welf ist bei Nichtvollmond noch am normalsten. Zombie Wombie hat zwar sehr viel Kraft, geht aber nirgends ohne seinen Kuschelhasen hin, Vampir Vlarad mutiert zu dem Wesen, von dem er Spenderblut bekam, Hop-Tep, die Mumie, hat ein heißblütiges Temperament und dann gibt es noch Mimi, das Geistermädchen. Alles nicht so leicht zu managen für Tom. Und im zweiten Teil bekommen die Freunde es dann auch noch mit einem Poltergeist zu tun

Meine Meinung: Auf diese Buchreihe bin ich aufmerksam geworden, weil Autor Tommy Krappweis sie auf den Elbenwald-Festivals vorstellte. Konzipiert ist das Ganze zwar als Kinderbuch, doch sind die Charaktere so herrlich gezeichnet und die Geschichten so liebevoll und durchdacht erzählt, dass auch Erwachsene hier durchaus ihren Spaß dran haben. So ganz logisch sollte man hier nicht drangehen, denn wer würde einem 10-jährigen die Leitung einer Geisterbahn übertragen bzw. diese Geisterbahn dann einen Stellplatz geben? Aber wenn man sich einmal mit der Prämisse abgefunden hat, findet man sich regelmäßig in neuen spannenden und gerne auch lustigen Szenen wieder.
Die Buchreihe wurde auch als Hörspiel aufgezogen und vereint Sprecher, wie Christoph Maria Herbst, Hugo Egon Balder oder auch Wigald Boning.