Cinemathek: Jacques – Entdecker der Ozeane

Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Jacques – Entdecker der Ozeane. Der Film lief ursprünglich ab dem 08.12.2016 in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

71% unseres Planeten werden nicht von Landmassen bedeckt, sondern sind überspült von Wassermassen. Die sieben Weltmeere sind Heimat einer vielfältigen Flora und Fauna. Während die Landmassen viel und schnell erforscht wurden, war die Wasserwelt noch lange ein Mysterium. Jacques Cousteau entwickelte in den 1940er Jahren zunächst die Vorläufer der heutigen Taucheranzüge und zudem ein Gerät, mit dem man unter Wasser filmen kann. Zeit seines Lebens erforschte er die Meere und drehte über 100 Unterwasserfilme. Nachdem der Film „Die Tiefseetaucher“, der sich ebenfalls mit dem Leben von Cousteau beschäftigte, wohl eher unter Klamauk einzuordnen war – in den Hauptrollen Bill Murray, Owen Wilson, Cate Blanchett, Willem Dafoe und Jeff Goldblum – schlägt Regisseur Jérôme Salle einen wesentlich ernsteren Ton für sein Biopic an.

Die Handlung

Jacques Cousteau arbeitet mit seinen Freunden an der Entwicklung von Taucheranzügen und einer Unterwasserkamera, um immer wieder kleine Filme zu drehen, die im Stile einer Gartenparty im Freundeskreis gezeigt werden. Doch Cousteau will mehr. So handelt er einen Deal mit einem großen Unternehmen aus, um ein altes Schiff zu ergattern, die „Calypso“. Doch bevor er in See stechen kann, um die Meere zu erforschen, bedarf es noch einer Menge Überredungskunst. Letztendlich schafft er aber alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen und schickt seine beiden Söhne auf ein Internat, was diese nicht gut aufnehmen. Vor allem Philip schlägt sehr nach seinem Vater und möchte auch wie er die Meere erforschen. Von diesen Anfangszenarien erzählt der Film stringent die Lebensgeschichte von Jacques Cousteau, seiner Frau, seinen Söhnen und seiner Crew.

Meine Meinung

Biopics sind immer wieder ein schwieriges Thema, da man sich eben an einem festen Leben einer Person orientiert und den Lebensweg nicht für einen besonders dramatischen Aufbau komplett verändern kann. Während uns „Snowden“ im letzten Jahr ein besonders gelungenes Exemplar bot, ordnet sich „Jacques – Entdecker der Ozeane“ eher im gesunden  Mittelfeld ein. Die Geschichte von Cousteau wird auf 123 Minuten gestreckt und verzichet zumindest auf die Kinder- und Kriegsjahre. Ansonsten werden die einzelnen Stationen chronologisch abgehandelt. Zu Beginn erscheint der Film noch als schöner Familienfilm und erzählt wie Cousteau seine Leidenschaft mit Frau und Söhnen teilt und auch einen gesunden Freundeskreis pflegt. Immer wieder unterbrochen durch kleine Meeresaufnahmen, plätschert der Film zufrieden vor sich hin. Mit dem Kauf der Calypso kommen dann zum ersten Mal Stolpersteine in den Film, die es zu beseitigen gilt. Hier baut der Film einen gesunden Grad an Spannung auf. Leider vermag er es nicht diesen dauerhaft zu halten und verliert sich ab einem gewissen Zeitpunkt immer wieder im gleichen Muster. Nach der Hälfte scheint der Film seinen Höhepunkt erreicht zu haben und schwächt danach durch zu viel dramatische Stellen immer weiter ab.
Die Charaktere bekommen alle genügend Raum, um sich vorzustellen und zu entwickeln. Gerade Cousteau macht während der Spiellänge immer wieder 180° Wendungen durch, die jedoch an jeder Stelle glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt werden. Man schwangt bei ihm immer wieder zwischen Bewunderung und Abneigung, da er ein großes Lebenswerk vorzuweisen hat, sich mittendrin aber in so ein Ekelpaket verwandelt, dass man ihm seine Misserfolge mehr gönnt, als seine Erfolge.
Am Ende verlässt man den Film mit dem Gefühl „Ganz nett den Film mal gesehen zu haben, ich muss ihn aber auch kein zweites Mal sehen“. An sich ist er Grundsolide, schläft hier und da über die Strenge des gesunden Maßes an Spannung und Dramatik und plätschert stellenweise immer mal wieder vor sich hin, fängt sich aber doch immer wieder und schafft spannender Abschnitte.
Während des Films werden immer wieder die Dreharbeiten der Crew gezeigt, aber wirkliche Ausschnitte aus den über 100 Werken von Cousteau finden kaum Platz im Film, da es sich doch größtenteils um die Menschen und nicht um das Werk dreht. Dennoch wird sich genügend Zeit genommen, um über die Themen Umweltschutz und Tierschutz zu sprechen und dabei auch eine kleine Diskussion zu führen. Hier zeigt der Film nach einer längeren Flaute erstmals wieder Spannung und bringt die Handlung weiter.
Am Ende schafft „Jacques – Entdecker der Ozeane“ gerade noch rechtzeitig den Absprung, bevor er sich in seiner Handlung verrennt und schafft den Bogen zum Anfang des Films zu schließen.

Das Fazit

Mit Höhen und Schwächen zeigt „Jacques – Entdecker der Ozeane“ das Leben des Meeresforschers Jacques Cousteau in allen Facetten und fängt Höhepunkte und Tiefen auf. Unterbrochen von etwas zähen und zu dramatischen Parts, bleibt es doch eine solide Leistung, auch wenn er zu keiner zweiten Sichtung des Stoffes einlädt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Ein Gedanke zu „Cinemathek: Jacques – Entdecker der Ozeane

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