Jim Knopf und die Wilde 13

Ein Vorwort

2018 lief bereits der erste Teil der Realverfilmung des Kinderbuchklassikers von Michael Ende in den deutschen Kinos. Obwohl er nicht so erfolgreich war, wie man es sich bei den hohen Produktionskosten wohl gewünscht hätte, kommt nun mit der Wilden 13 auch der zweite Teil ins Kino. Als Grund wird vor allem angeführt, dass die beiden Jungdarsteller Solomon Gordon und Leighanne Esperanzate sonst zu groß und zu alt wären für ihre Rollen und man eine Neubesetzung vermeiden wollte. Mir gefiel der erste Teil grundsätzlich, nur hat mir der besondere Funken und das gewisse Etwas meiner Kindheitserinnerung gefehlt. (Nachzulesen hier) Kann der zweite Teil den ersten nun toppen und die Geschichte der Lummerländer zu einem guten Ende bringen?

Quelle

Die Handlung

Als der Postbote (Volker Michalowski) erneut gegen die Küste von Lummerland stößt, stellt König Alfons (Uwe Ochsenknecht) fest, dass sie dringend einen Leuchtturm brauchen. Doch dafür ist auf der kleinen Insel einfach kein Platz. Also beschließen Lukas (Henning Baum) und Jim Knopf (Solomon Gordon) Herrn Tur Tur (Milan Peschel), den Scheinriesen, zu fragen. Also brechen sie zu einem neuen Abenteuer auf. Doch noch immer beschäftigt Jim die Frage seiner Herkunft. Die Antwort erhofft er sich vom goldenen Drachen der Weisheit, der bald erwachen soll. Dieser schickt ihn aber zu einem weiteren Abenteuer los, denn nur die Wilde 13, eine Bande von Piraten, die ihn einst aussetzte, hat die Antwort für ihn.

Meine Meinung

Es geht wieder los. Auch das zweite Abenteuer der Lummerländer Lukas und Jim Knopf steckt wieder voller neuer Welten, alten Bekannten und vor allem voller Gefahren. Dabei setzt der Film, wie schon der erste Teil wieder sehr stark auf eine herausragende Optik. Ob nun Lummerland, Mandala oder diesmal auch das „Land, das nicht sein darf“. Während man den beiden auftauchenden Drachen das CGI noch ansieht, wirkt der Rest in guter alter Handarbeit hergestellt. Auch schauspielerisch braucht sich der zweite Teil keinesfalls hinter dem ersten zu verstecken. Gerade Rick Kavanian als die Wilde 13 kann in seiner mehrfach Rolle durchaus punkten und verschafft dem Film einen richtigen Mehrwert. 
Handlungstechnisch hält er sich fast noch penibler an die Buchvorlage als schon der erste Teil, was aber auch hier sehr gut funktioniert. Kleinere Änderungen sind auch für eingefleischte Buchfans verzeihbar. Lediglich das Auslassen der Reise durch die Stadt der Meermenschen hinterlässt einen kleinen Wermutstropfen. Da die wichtigsten Charaktere diesmal auch bereits vorgestellt waren, konnte das Abenteuer wesentlich schneller voranschreiten und das Hauptaugenmerk lag diesmal auf dem großen Finale. Hier war der Drahtseilakt zwischen realistischer Darstellung und Kindertauglichkeit gefragt, was sehr gut umgesetzt wurde. Wir kriegen also unseren Piratenkampf und doch mit möglichst geringem Gewaltakt. Die Freigabe ab 0 Jahren ist also durchaus berechtigt.
Ein Problem des ersten Teil war es, dass die Witze nicht so richtig fruchteten. Dies ist beim zweiten Teil ein bisschen umschifft worden, da er wesentlich weniger auf Humor angelegt war, aber die lockeren Passagen durchaus zum lachen ermuntern. So ist eine eher heitere Stimmung angesetzt, durchsetzt von ein paar spannenderen Stellen – wie gesagt: trotzdem sehr kinderfreundlich. Während das durchgehende Theme im ersten Teil noch „Eine Insel mit zwei Bergen“ war, wird dies auch hier weiterentwickelt und dem Lied der Wilden 13 „13 Kerle auf dem Totensarg“ angepasst. Leider lief das Lied nie in voller Länge, nicht einmal im Abspann. Das hat mich dann doch geärgert, weil es durchaus Ohrwurmcharakter hat. 
Jim Knopf und die Wilde 13 kann also nicht nur als Fortsetzung überzeugen, sondern auch in seiner Gesamtheit. Die Stolpersteine des ersten Teils wurden überwunden und die Gesamtstimmung verbessert. Lediglich Nepomuk ist immer noch zu sehr Sprecher Michael Bully Herbig angepasst und weniger dem eigentlichen Charakter. Aber auch damit kann man sich arrangieren. So ist es nun also die bildgewalige Umsetzung, die das Buch Endes verdient hat. Ich konnte mich zumindest in meine Kindheit zurückversetzt fühlen.

Das Fazit

Jim Knopf und die Wilde 13 punktet wieder durch eine bildgewaltige Optik, gute Schauspielleistungen – vor allem Solomon Gordon hat hier zugelegt – und eine gute Grundstimmung. Kleine Stolpersteine werden überspielt und dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Jim Knopf und die Wilde 13 läuft seit dem 01.10.2020 in den deutschen Kinos 

Meine Monsterwochen #3: Die filmischen Anfänge

Herzlich Willkommen zum dritten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die filmischen Anfänge gehen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Nosferatu – Symphonie des Grauens

Ein Vorwort

1922 erschien die erste heute noch existierende Verfilmung von Bram Stokers Klassiker. Tatsächlich gab es 1921 mit „Draculas Tod“ bereits einen ungarischen Stummfilm, der allerdings als verschollen gilt. Widmen wir uns also der Version von Friedrich Wilhelm Murnau, dessen Stiftung diesen Klassiker aufbereitete und fehlende Zwischensequenzen ersetzte. Es war übrigens gleichzeitig auch mein allererster Stummfilm, weswegen ich noch aufgeregter war. 

Die Handlung

Der Häusermakler Knock (Alexander Granach) erhält einen Auftrag vom Grafen Orlok (Max Schreck) aus den Karpaten. Dafür schickt er seinen Mitarbeiter Thomas Hutter (Gustav von Wagenheim) zum Grafen. Dieser landet nach langer Reise in der Burg und steht dem Grafen gegenüber. Dieser ist sehr an Hutters Blut und seiner Frau Ellen (Greta Schröder) interessiert und unterschreibt den Immobilienvertrag. Dann reist der Graf nach Wisborg und bringt Unheil über die Stadt.

Meine Meinung

Nosferatu ist eine sehr freie Adaption des Stoffes von Stoker. Das merkt man schon daran, dass die Namen und Handlungsorte geändert und angepasst wurden. Trotzdem bleibt das Grundkonstrukt erhalten. Gerade die Reise Harkers/Hutters zum Grafen Dracula/Orlok ist sehr ähnlich. Während sie im Buch jedoch nur einen kleinen Teil einnimmt, dauert sie hier einen Großteil des Films. Umso abweichender ist der restliche Film, schließlich war keine Zeit mehr um die restlichen 400 der 500 Buchseiten zu verfilmen. Hier entfällt die Geschichte rund um Lucy Westera gänzlich. Ebenso werden die Herrschaften Arthur Holmwood und Quincey Morris vollständig gestrichen. Dr. Sewart und Dr. Van Helsing treten in Prof. Bulwer als eine Person auf, mit sehr wenig Screentime. 
Wenn man sich bewusst macht, dass es sich um eine solch freie Adaption handelt, dann funktioniert Nosferatu erstaunlich gut. Er orientiert sich an dem Grundthema des Buches, der Faszination des Grafen für Mina Harker/Ellen Hutter. Nosferatus Aussehen ist abstoßend und so sonderbar, dass er kaum für einen normalen Menschen gehalten werden kann, was die sexuelle Anziehung im Keim erstickt. Stattdessen wird sich mit Bildern und Musik auf den Horroraspekt gestützt. Das funktioniert mit den damaligen Mitteln erstaunlich gut, wohl auch weil Schreck weiß, wie er allein das Aussehen seines Nosferatus auf die Zuschauer wirken lassen muss, ohne große Gesten.

Das Fazit

Die Adaption ist sehr lose, das Grundthema nicht wirklich aufgegriffen, aber wenn man sich davon löst und den Film als frühen Vertreter des Horrorgenres annimmt, dann funktioniert er gut. 

Frankenstein

Ein Vorwort

Die Version von 1931 mit Boris Karloff in der Hauptrolle ist genau genommen nicht ganz die erste Verfilmung des Stoffes von Mary Shelley. Bereits 1910 wurde ein 13-minütiger Kurzfilm gedreht. Mit 71 Minuten ist die Version von 1931 allerdings die erste abendfüllende Verfilmung, daher will ich mich dieser widmen. Im Gegensatz zu Nosferatu befinden wir uns hier inzwischen in der Tonfilmzeit.

Die Handlung

Der junge Wissenschaftler Henry Frankenstein (Colin Clive) experimentiert abgeschieden und nur mit seinem Gehilfen Fritz (Dwight Frye) um aus menschlichen Leichen Leben zu erschaffen. Dafür besorgt Fritz ein Gehirn aus einem Vorlesungssaal. Kurz vor der Vollendung werden die beiden von Henrys Verlobter Elizabeth (Mae Clarke) und Doktor Waldmann (Edward Van Sloan), der die Vorlesung mit den Gehirnen hielt, überrascht. Sie wohnen dem Experiment bei, Waldmann ist aber besorgt, weil Fritz das Gehirn eines Mörders entwendet hat. Das Experiment gelingt und das Monster wird eingesperrt, kann aber weniger später entkommen.

Meine Meinung

Als ich die Vorlage zu Frankenstein las, war ich etwas überrascht, wie weit sie doch von meiner Vorstellung entfernt war. Das große Experiment, der Blitzschlag, alles fehlte und war in wenigen Sätzen abgearbeitet, der Gehilfe – in meiner Vorstellung der bucklige Igor – fehlte und das Monster war weniger Monster, als vielmehr einsam und durch die Abneigung der Menschen grausam geworden. Nach der Sichtung des Films weiß ich, dass dieser einfach viele Dinge abgeändert hat, die wiederum übernommen wurden und so den eigentlichen Mythos um Frankensteins Monster schufen, und nicht das Buch selbst. 
Diese Erkenntnis macht den Film gleich noch spannender, da er es geschafft hat durch seine Abweichungen und Neuinterpretationen dem ganzen eine völlig neue Richtung zu geben. Problematisch wird es allerdings dadurch, dass die grundlegende Frage des Buches wer denn nun das Monster von beiden ist, Wissenschaftler oder Kreatur, gänzlich ausgespart wurde. Stattdessen schafft Boris Karloff es, sein Monster mit einer kindlichen Naivität zu spielen, so dass die Sympathien schnell bei ihm liegen. 
Wir haben hier also eine Verfilmung die gerade wegen und nicht trotz ihrer vielen Änderungen gegenüber des Buches einen Klassiker geschaffen hat. Ob man die „Wer von beiden ist das eigentliche Monster“-Frage wirklich durch ein „Macht ein Mördergehirn einen zum Mörder“ ersetzen musste, möchte ich hier mal offen lassen. 

Das Fazit

Es wurden minimale Stellen aus dem Buch herausgegriffen und neu zusammengesetzt, ausgeweitet und dadurch wurde der heute bekannte Frankensteinmythos geschaffen. Dadurch wurde ein zeitloser Horrorklassiker geschaffen, der bis heute an vielen Stellen inspiriert. 

Netflix Original: Enola Holmes

Ein Vorwort

Bevor ich überhaupt irgendetwas von dem Inhalt des Films wusste, sprangen mir bereits die Schlagzeilen über die Klage der Doyle-Erbengemeinschaft entgegen. Was war passiert? Nun vereinfacht gesagt, wird der Sherlock im Film Enola Holmes wohl relativ menschlich dargestellt, er zeige Gefühle und respektiere Frauen, was die literarische Figur wohl nur in den letzten zehn Geschichten von Doyle tat, die der Autor erst nach dem 1. Weltkrieg schrieb. Und genau an diesen hat die Erbengemeinschaft noch Rechte dran. Während andere Adaptionen, wie die BBC Serie Sherlock oder auch Elementary auch ohne es zu müssen, an die Erbengemeinschaft zahle, weigere sich Netflix hier. Wie die Geschichte ausgeht? Ich habe keine Ahnung. Ob mir der Film trotzdem gefallen hat? Oh ja, warum verrate ich euch in meiner Kritik.

Die Handlung

Enola Holmes (Millie Bobby Brown) wächst weitgehend allein bei ihrer Mutter (Helena Bonham Carter) auf, da ihre beiden älteren Brüder Sherlock (Henry Cavill) und Mycroft (Sam Claflin) bereits ausgezogen sind und der Vater früh verstarb. Dadurch wächst sie sehr untypisch für Mädchen ihrer Zeit auf. Sie kann kämpfen, spielt Tennis im Haus und lernt das Entschlüsseln von Anagrammen. Als ihre Mutter an ihrem 16. Geburtstag spurlos verschwindet, will sich Mycroft ihrer Erziehung annehmen und sie in ein Mädcheninternat stecken. Sherlock soll sich unterdessen der Suche nach der Mutter widmen. Doch Enola hat keine Lust auf das Internat und flüchtet. Mit ein wenig Geld, dass ihre Mutter für sie versteckt hatte, schafft sie es nach London und trifft unterwegs auf den ebenfalls flüchtigen Lord Viscount Tewksbury (Louis Partridge).

Meine Meinung

Ich mag Sherlock Holmes und viele seiner Adaptionen. Daher fiel mir die Entscheidung diesen Film zu sehen nicht schwer. Und ich wurde auch nicht enttäuscht. Denn Enola Holmes mag zwar „nur“ die kleine Schwester des berühmten Detektiv zu sein, aber ihre Geschichte hat den typischen Charme der Geschichten, eine schöne Geschichte, eine tolle Protagonistin und spannende Rätsel zum entschlüsseln. Aber fangen wir vorne an.
Wir lernen zunächst Enola und ihre Mutter kennen. Dabei erzählt Enola ihre Geschichte selbst und durchbricht dadurch gerne einmal die vierte Wand, was den Zuschauer von Anfang an mitten in die Geschichte eintauchen lässt. Man erfährt in kürzester Zeit alle wichtigen Informationen und schon geht die Geschichte los mit dem Verschwinden der Mutter. 
Enola ist dabei ein sympathischer kleiner Wildfang, die sich nicht an bestehende Konventionen halten will, und auch ihre Kindheit war alles andere als normal. Millie Bobby Brown schafft es die verschiedenen Stimmungen und Emotionen unserer Protagonistin sehr gut einzufangen und umzusetzen. Egal, ob sie sich als Junge verkleidet, kämpfen muss oder eine Lady spielt. Dabei muss sie sich keinesfalls hinter ihren Schauspielkollegen Cavill, Claflin oder Bonham-Carter verstecken. 
Henry Cavills Sherlock ist dann schon ein wenig seltsamer. Denn er passt nicht in das bekannte Bild des Meisterdetektivs. Das ist an dieser Stelle aber durchaus nichts schlechtes, spielt er ihn doch als eleganten Mann, der sich hinter einer eisernen Fassade versteckt und nur ganz selten Emotionen zeigt. Er ist ein sehr nachdenklicher und grüblerischer Sherlock, was zur Stimmung des Films passt und einen guten Kontrast zu Claflins Mycroft bildet. Dieser ist nämlich eine ebenfalls gewagte Darstellung. Während man vielleicht zu sehr an Mark Gatiss Darstellung aus der BBC Variante gewöhnt ist, haben wir hier zwar noch immer einen eleganten Mycroft, aber eben auch einen sehr eitlen und eingebildeten. Claflin schafft es seine Rolle an die Grenze zum Übertriebenen zu treiben, ohne diese zu überschreiten. 
Kommen wir also zur Handlung. Diese ist in mehrere Rätsel unterteilt, die gelöst werden wollen, laufen aber schließlich zu einer großen Handlung zusammen. Dabei ist sie durchgehend spannend, Enola hat einige gute Ideen zur Entschlüsselung, die auch optisch sehr gut umgesetzt wurden. Vor allem die Optik des Films sticht hervor. Man merkt, dass für den einst als Kinofilm geplanten Film ausreichend Budget zur Verfügung stand, so dass man sich an den Bildern und auch einem realistisch verdrecktem London kaum satt sehen kann. Die Rätsel reichen aus, um einen kompletten Film zu füllen, ohne das man von Schauplatz zu Schauplatz hetzen muss. 
Und zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, dass Burn Gorman mitspielen durfte, den ich immer wieder sehr gerne sehe. Und ja, das mag vielleicht lediglich für mich ein Pluspunkt sein, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

Das Fazit

Enola Holmes ist ein intelligent geschriebener Film mit tollen Schauspieler, schöner Optik, spannender Handlung, interessanten Rätseln und vor allem toller Protagonistin. Eine absolut Sehempfehlung! 

Meine Monsterwochen #2: Die Bücher

Herzlich Willkommen zum zweiten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die literarischen Vorlagen gehen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

 

Dracula

Ein Vorwort

1897 veröffentlichte Bram Stoker sein großes Werk, nicht ahnend, dass er damit den berühmtesten Vampir der Literaturgeschichte erschuf. Seitdem wurde er unzählige Male in Film und Fernsehen adaptiert, erwähnt oder als Referenz herangezogen. Doch mit diesem Werk fing der Hype an.

Die Handlung

Der Rechtsanwalt Jonathan Harker reist von England nach Transsilvanien (Siebenbürgen, Rumänien). Dort soll er einen neuen Klienten treffen. Trotz der Warnungen der ortansässigen Bürger, gelangt er zur Burg. Dort trifft er auf Graf Dracula, einem sonderbaren Zeitgenossen. Nach und nach merkt er, dass er zu einem Gefangenen wurde und der Graf ein Vampir ist. Dieser reist schließlich, Harker zurücklassend, allein nach London und treibt dort sein Unwesen. Dabei trifft er auf die Freundinnen Lucy und Mina, wobei Mina Jonathans Verlobte ist. Als Lucy unbekannte Krankheitssymptome entwickelt, wird der Universalgelehrte Abraham Van Helsing zur Hilfe gerufen. Zusammen mit dem Irrenarzt Dr. Seward, Lucys Verlobtem Arthur Holmwood und Quincey Morris, einem Texaner, versuchen sie Lucy und Mina vor den Fängen des Grafen zu retten.

Meine Meinung

Die weitreichende Handlung Draculas auf die wichtigsten Bestandteile herunterzubrechen, ist schon ein Kunststück. Denn wenn man den anfänglichen Reisebericht Harkers erst einmal hinter sich gebracht hat, wird man schnell von der Handlung gefangen genommen. Erzählt wird sie durch verschiedene Schriftstücke. An vorderster Stelle stehen die Tagebücher von Mina, Jonathan, Dr. Seward und stellenweise Van Helsing. Unterbrochen werden sie von kleineren Berichten aus Zeitungen, Lucys Tagebuch oder dem Logbuch eines Schiffes. Alle zusammen erzählen die Geschichte. Durch die kleinen Wechsel im Schreibstil und die verschiedenen Perspektiven, erhält der Leser einen umfassenden Einblick in die Handlung. Auch die Entwicklung der Figuren kann man hierdurch gut nachvollziehen. So ist Van Helsing zum Anfang nicht der große Vampirjäger, zu dem er in späteren Interpretationen gerne gemacht wurde. Er ist ein Universalgelehrter, der seine Erkenntnisse über Vampire stetig durch die Forschung und dem Lesen anderer Erfahrungsberichte erweitert.
Besonders faszinierend ist hier der Umgang mit den Motiven der Liebe, Lust, Anziehung und Unschuld. Mit Mina Murray, später Harker, wurde zumindest ansatzweise eine starke Frau eingebracht, die zwar die gesellschaftliche Rolle als Frau einnimmt, sich aber an den Unternehmungen der Männer beteiligt, bzw. ebenfalls wichtige Rollen übernimmt. So ist Dracula eine faszinierende Mischung aus Horror- und Abenteuergeschichte, die einen stets aufs Neue überraschen, begeistern, aber auch ängstigen kann. Gerade diese abschreckende Anziehung, die der Graf auf die weiblichen Wesen ausübt, trägt wohl zur großen Faszination des Werkes bei.

Das Fazit

Dracula ist nicht umsonst ein absoluter Klassiker und grundlegende Lektüre im Horrorgenre. Aufgelockert durch die verschiedenen ErzählerInnen wechselt es zwischen Horror und Abenteuer hin und her und erzeugt dadurch eine ganz eigene Spannung, die über die gesamte Dicke gehalten werden kann.

Frankenstein

Ein Vorwort

Bereits einige Jahre vor Dracula schrieb Mary Shelley ihren Roman Frankenstein – oder Der moderne Prometheus. Geschrieben im Jahr ohne Sommer und als einziges einer Reihe von Gruselgeschichten geschrieben in eben jenem Sommer letztlich auch veröffentlicht. Dabei ist Frankensteins Monster kein klassisches Monster, denn es ist von Menschenhand erschaffen. 

Die Handlung

Auf einer Expedition in der Arktis holt die Mannschaft von Robert Walton einen jungen Mann irgendwo gefangen zwischen Tod und Wahnsinn an Bord. Es handelt sich um Victor Frankenstein, der sein eigenes Monster jagt. Nachdem er sich mit dem Kapitän etwas angefreundet hat, erzählt er ihm seine Geschichte. Wie er als junger Student forschte, um Leben zu erschaffen. Wie er sein Monster schuf und es dann sich selbst überließ. Und wie dieses beschloss sich zu rächen.

Meine Meinung

Was im Vergleich zu Dracula als erstes auffällt, ist, dass Frankenstein wesentlich dünner ist. Die Geschichte wird also auf wesentlich weniger Seiten erzählt. Das ist aber auch gut, denn die Geschichte hat wesentlich weniger Zugkraft. Auch wenn die Geschichte gleichfalls spannend ist, hapert es hier an einer spannenden Umsetzung. Während die Einleitung noch gut gelingt und man Frankenstein und seine Forschungen begleitet und hier auch noch logisch erklärt wird, warum Frankenstein in die falsche Richtung der Forschung getrieben wird, entgleitet uns der Protagonist danach zunehmend. Die in Filmen groß gezeigte Schöpfung wird in wenigen Sätzen abgehandelt und einen Igor – oder einen anderen Gehilfen – gibt es überhaupt nicht. Stattdessen haben wir einen heulenden Frankenstein, der sein Monster einfach sich selbst überlässt. 
In späteren Gesprächen mit seinem wiedergekehrten Monster wird es noch einmal spannender und auch tiefgründiger. Denn hier ist die Frage, wer das wahre Monster ist. Der es erschaffen hat und sich selbst überließ, oder das Wesen, dass überall allein wegen des Aussehens verstoßen wurde und sich dadurch immer mehr in seinen Hass verstrickt. Letztlich bleibt der Roman aber in allen Belangen oberflächlich, was schade ist. Wenn er sich aber auf etwas konzentriert, dann sind es die Gedanken und Fragen darüber, was ein Monster wirklich ausmacht. Leider wird auch der Protagonist stetig unausstehlicher in seinen Klagen. 

Das Fazit

Frankenstein oder Der moderne Prometheus ist ein Klassiker des Horrorgenres, doch der größte Horror spielt sich hier hinter den Kulissen ab. Ein unleidiger Protagonist und eine Konzentration auf die falschen Aspekte macht das Werk etwas langatmig, dennoch ist die Grundsatzfrage über das Monstersein wieder gut ausgearbeitet. 

Doctor Sleep – Kritik zu Buch & Film

Ein Vorwort

Eigentlich sollte es in dieser Kategorie ein bisschen mehr Vielfalt geben, als der dritte Beitrag über Stephen King, aber aus Doctor Sleep musste ich einfach eine Doppelkritik machen, weil ich das Buch letztes Jahr eigentlich nur in die Hand genommen habe, um es vor dem Kinostart gelesen zu haben. Dass ich den Film dann im Kino gar nicht sehen konnte, war ärgerlich, aber dafür gab es nun meine Heimkinopremiere. 

Die Handlung

Dan Torrance kennt der treue Leser noch aus Shining. Er hat die Ereignisse im Overlook-Hotel überlebt und erliegt Jahre später, wie einst sein Vater, dem Alkohol. Für einen Neuanfang zieht er in ein kleines Städtchen, wird trocken und bekommt schließlich einen Job als Pfleger in einem Hospiz. Dort macht er sich einen Namen als Doctor Sleep, weil er den Patienten in ihren letzten Minuten beisteht. Das er diese mit Hilfe seines Shinings besonders angenehm gestaltet, weiß außer ihm keiner. Er hat eine besondere Verbindung zu dem Mädchen Abra, das er noch nie gesehen hat. Sie können über ihr Shining kommunizieren. Von ihr erfährt er, dass es eine Gruppe von Wesen gibt, die sich selbst als Wahren Knoten bezeichnen, die sich vom Shining und der Angst von Kindern ernähren, da sie dadurch nicht sterben. Als der Wahre Knoten es nun auf Abra abgesehen hat, versucht Dan alles, um den Knoten entgültig aufzuhalten.

Meine Meinung zum Buch

Stephen King schreibt keine Mehrteiler und keine Fortsetzungen. So hieß es lange Zeit. Tatsächlich ist Doctor Sleep seine erste Fortsetzung. Die Geschichte, was aus dem kleinen Danny wurde, sollte einfach erzählt werden. Dabei stellt er wieder ein paar sehr ernste Beobachtungen an. Zum einen, dass Kinder mit Alkoholikern als Eltern oft ins gleiche Schema verfallen. King selbst kämpfte mit Alkohol und Drogen, weswegen er die Sitzungen der anonymen Alkoholiker im Buch auch sehr ausufernd beschreibt und die Grundsätze an vielen Stellen in die Geschichte einwebt. Zum anderen, dass das Shining bedrohlich sein kann. In diesem Fall durch den Wahren Knoten, die Kinder mit Shining suchen, quälen, töten und dann das Shining aufsaugen. Beide Beobachtungen führen zu einer logischen Schlussfolgerung, nämlich dieser Geschichte. Allerdings lebt sie hauptsächlich von Kings unfassbar gutem Erzählstil. Denn für das erzählte ist die Geschichte zu lang. Vieles hätte man weglassen können, dann wäre das Buch vielleicht ein bisschen spannender gewesen. Versteht mich nicht falsch, nach normalen Maßstäben war das Buch durchaus spannend. Wenn man es aber beispielsweise mit seinem direkten Vorfahren „Shining“ vergleicht, dann merkt man dem Buch die Längen an, da es einfach nicht die gleiche bedrohliche Stimmung schafft. Letztlich würde ich das Buch als Gut, aber nicht als Herausragend bezeichnen. King schafft es wieder auf die Charaktere und ihre Zwiespalte einzugehen und eine Fortsetzung zu schaffen, die sich von ihrem Vorgänger löst und gleichzeitig mit ihm verbunden bleibt. 

Meine Meinung zum Film

Mit Verfilmungen von Stephen King Werken ist es so eine Sache. Gerade seit dem Erfolg von dem Es-Remake sprießen sie wieder aus dem Boden. Friedhof der Kuscheltiere konnte an den Erfolg schon nicht anknüpfen. Doctor Sleep – oder Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen, wie der deutsche Verleih ihn nennt – hatte nun das Problem, das auch noch Stanley Kubricks Shining-Verfilmung irgendwo mit drin steckt. Während für viele dadurch wohl die Messlatte hoch gelegt wurde, war für mich eher das Problem, das Kubrick einige Änderungen vornahm, die nun zwangsläufig wieder mit aufgegriffen wurden. Um es kurz zu machen: Ich mag Kubricks Shining nicht. Ich gehe da ganz mit Stephen King mit, dass die Stimmung und der langsame Spannungsaufbau mit steigendem Wahnsinnslevel im Overlook-Hotel von Kubrick nicht eingefangen wurde, sondern viel zu plakativ dargestellt wurde. Für mich musste Doctor Sleep also eine Hürde mehr nehmen. 
Das vordergründigste Problem, das ich mit der Doctor Sleep Verfilmung habe, ist die Länge von 152 Minuten unter Streichung vieler interessanter Elemente. Das eine Verfilmung immer Elemente und Handlungsstränge aus einer Buchvorlage – gerade einer so umfangreichen, wie Kings – streichen muss, ist mir völlig bewusst. Aber wenn die Entscheidung nun so fiel, dann hätte der Film auch deutlich kürzer sein können. Denn die noch übrigen Elemente werden nun so langatmig erzählt, dass man bereits 90 Minuten sah und sich fragt, wann denn die eigentliche Handlung nun ansetzt. Hier wäre eine kompaktere Erzählung besser gewesen, oder wenn man die Länge hätte halten wollen, dann bitte mit mehr Inhalt. 
Das letztlich auch der finale Kampf stark vom Buch abweicht, ist dann wohl wieder Kubrick geschuldet, der einfach sein eigenes Ende schrieb und im Film daher ganz andere Möglichkeiten geschaffen wurden. Hier versucht der Film auch nochmal alles aus diesen Möglichkeiten auszuschöpfen, letztlich hat er den Zuschauer aber an diesem Punkt schon verloren, so dass der finale Kampf einen auch nicht mehr zurückbringt. 
Schauspielerisch ist der Film auf einem guten Niveau, vor allem Rebecca Ferguson merkt man ihren Spaß und ihren Enthusiasmus an ihrer Rolle deutlich an. Ewan McGregor spielt gewohnt solide, holt aus seiner Rolle aber auch nicht mehr raus. 

Das Fazit

Während das Buch sich wieder voll und ganz auf die Charaktere konzentriert und eine solide Handlung um diese baut und vor allem durch Kings Erzählstil lebt und spannend bleibt, verliert sich der Film in seiner Oberflächlichkeit. Durch die lange Lauflänge bei vergleichsweise wenig adaptiertem Inhalt kann der Film keine Spannung aufbauen.  Während das Buch wohl zu Kings schwächeren Erzählungen gehört, was aber dem ansonsten sehr hohem Niveau geschuldet ist, und trotzdem noch eine solide Leistung abliefert, ist die Verfilmung irgendwo knapp unterm Mittelmaß. 

Meine Monsterwochen #1: Mythos & Wahrheit

Herzlich Willkommen zu meinen Monsterwochen. Während viele zur Zeit den Horrorctober feiern, ich aber wenig Lust auf 13 Horrorfilme hatte – ich hab schon selten Lust auf einen Horrorfilm – möchte ich mich in diesem Monat in einem sechsteiligen Special mit zwei der bekanntesten „Monster“ der Literatur- und Filmgeschichte beschäftigen. Die Rede ist von Dracula und Frankenstein. Dabei soll es in verschiedenen Beiträgen um die literarische Vorlage gehen und dann die Umsetzung und Interpretation in verschiedenen „Filmzeitaltern“. Das klingt jetzt vielleicht alles ein bisschen großspurig, im Prinzip handelt es sich um meine üblichen Kritiken nur diesmal halt gesammelt zu einem bestimmten Thema 😉

Mythos & Wahrheit

Ein Vorwort

Den Auftakt in dieser Reihe macht ein mehrstimmig vertontes Hörbuch. Warum ich damit anfange? Nun ja, weil genau genommen die ganze Idee der Monsterweeks damit anfing. Denn durch das Hören dieser interessanten Fakten und Nacherzählungen schaffte es Dracula endlich von meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) und ich widmete mich direkt danach auch noch Frankenstein. Und dann fing das Projekt an sich zu verselbstständigen. 

Die Handlung

Dracula und Frankensteins Monster sind zwei der bekanntesten literarischen Gestalten. Der eine das klassische Monster, der andere ein Opfer seiner Umstände? Diesen und noch vielen anderen Fragen geht das Hörbuch auf den Grund. Hat Dracula wirklich gelebt? Wie kamen Stoker und Shelley zu ihren Ideen? Was ist Mythos und was ist Wahrheit?

Meine Meinung

Mythos & Wahrheit fängt als kleine Nacherzählung der Geschichten an. Doch zwischendurch wird sie immer wieder unterbrochen von interessanten Fakten, Nachforschungen zur Mythologie, Geschichte des Autoren/der Autorin, wie es dazu kam, dass die Geschichte geschrieben wurde – was gerade bei Mary Shelley ziemlich interessant ist. Welche Vorbilder hatten die Autoren. Auf welchen Mythologien stützen sie sich. Bei Dracula folgt noch eine Reise nach Rumänien, wo Draculas Burg stehen soll. 
Die große Stärke des Hörbuchs ist die mehrstimmige Vertonung und die Musik- und Geräuschkulisse, die wunderbar zur erzählten Geschichte passt. Auch die Stimmen sind sehr passend. Sprecher sind u.a. Bodo Primus, Matthias Haase und Fritz Stavenhagen. 
Für meinen Geschmack war es dann aber doch ein bisschen zu viel Nacherzählung der Geschichte, ein wenig zu viel Wahrheit und einfach viel zu wenig wirklich Mythos. Vielleicht waren hier meine Erwartungen auch einfach etwas anders. Dennoch war es eine schöne Lektüre für zwischendurch und hat mich dazu bewogen beide Buchvorlagen endlich einmal zu lesen. So konnte ich meinen SuB und meine Liste der Schande ein bisschen weiter abbauen. 
Die Hörbücher gibt es übrigens im Viererpack zusammen mit Sherlock Holmes und Edgar Allen Poe. 

Das Fazit

Mythos & Wahrheit ist ein schön vertontes Hörbuch, dass sich perfekt als Kurzlektüre zwischendurch eignet und mit einigen interessanten Fakten aufwartet. Für meinen Geschmack etwas zu viel Wahrheit und zu wenig Mythos.

Rückblick auf den September 2020

Der September war schon ein seltsamer Monat. Zunächst schien es, als ob der Sommer nicht enden wollte, obwohl die Tage schon merklich kürzer werden, und schwupps waren wir mitten im Herbst. Auf einmal war es verregnet, kalt und grau. Und kaum hat man sich daran wieder gewöhnt, traut sich die Sonne doch wieder raus. Trotzdem ist mein aktueller Lieblingsplatz wieder die Couch, eingekuschelt in einer Decke, einen warmen Tee in der Hand und entweder mit einem guten Film/Serie oder einem gutem Buch. Was bei mir im September medial los war, erzähle ich euch in meinem Rückblick.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

X-Men – New Mutants: Der finale Film der Reihe weicht deutlich vom üblichen Schema ab. Wir treffen auf eine Gruppe junger Mutanten in einem Krankenhaus, aus dem sie nicht abhauen können. Dort sollen sie lernen ihre Kräfte unter Kontrolle zu halten. Doch als sich die Albträume der Insassen inkarnieren, müssen sie alle über sich hinauswachsen. – Erfrischend anders, kein üblicher Superheldenfilm, aber leider trotzdem nicht fertig durchdacht. Man merkt viel verschenktes Potential, sobald der Film vom Coming of Age Flair abweicht.

Hello Again: Täglich grüßt das Murmeltier als deutsche Komödie. Zazie versucht die Hochzeit ihres ehemals besten Freundes aufzuhalten, ruiniert sie stattdessen aber einfach nur. Und wacht einfach am gleichen Tag wieder auf. Doch was muss sie tun, um die Zeitschleife zu durchbrechen? – Deutsche Komödie, die die Gags leider zu lange ausspielt, weswegen sie weniger wirken, nette Handlung, konnte leider nicht wirklich überzeugen.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

In Vorbereitung auf meine Monsterwochen (mehr dazu ab morgen) habe ich folgende Filme gesehen: Nosferatu, Frankenstein, Dracula Untold und I, Frankenstein. In den nächsten Wochen gibt es mehr Informationen zu den einzelnen Filmen.

Harry Potter und der Orden des Phönix: Mein Partner hat inzwischen den fünften Band durchgehört, weswegen wir nun den fünften Film sehen konnten. In seiner Kürze hat er es geschafft die langwierigen Passagen des Buches gekonnt zu umschiffen und sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Und Imelda Stauntons Umbridge muss man einfach hassen, so genial gespielt ist sie. 

Singin‘ in the rain: Ein Musical-Klassiker, der mir bisher entgangen ist. Der Wandel von Stumm- zu Tonfilm wird für das Studio Monumental Pictures zum Schlamassel. Ihre hauseigene Diva hat eine sehr anstrengende Stimme. Also soll sie aus dem Hintergrund synchronisiert werden. Das ganze geht mit einer Menge Drama einher. – Schöne Geschichte, tolle Lieder, teilweise ein paar Szenen zu lang ausgespielt, aber im Grunde ein Herzfilm.

Doctor Sleep: Ich weigere mich den deutschen Titel „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ zu verwenden. Wer hat denn da beim deutschen Verleih wieder getrunken? Danny, bekannt als Junge aus Shining, ist inzwischen erwachsen. Als trockener Alkoholiker lebt er in einer Kleinstadt und arbeitet in einem Hospiz. Als die junge Ava ihm von einer Gruppe erzählt, die Kinder mit Shining quälen und töten, um sich vom Shining zu ernähren, verspricht er ihr zu helfen. – Buchverfilmung der Shiningfortsetzung. Schon das Buch hat die wenige Handlung eigentlich nur durch den guten Schreibstil Kings überspielen können. Daraus einen Film mit einer Lauflänge von 152 Minuten zu machen, war einfach zu viel des Guten.

Metropolis: Die ARD hat zurzeit einige Filme der 1920er Jahre in der Mediathek. Daher konnte ich endlich einen der ersten Monumentalfilme sehen. In Metropolis gibt es eine ausgeprägte Zweiklassengesellschaft. Freder, der Sohn des Stadtoberhaupts, schleicht sich in die Arbeiterschicht, um einem Mädchen nachzulaufen, die den Arbeiter das Warten auf einen Mittler zwischen oben und unten predigt. Doch von ihr wird ein Maschinenebenbild gefertigt, das die Arbeiter zur Revolte anstacheln soll. – Bildgewaltig, vor allem wenn man die damaligen Mittel bedenkt. Eine Geschichte voller Metaphern und Interpretationsspielräume, aber mit 145 Minuten (in der restaurierten Fassung der Murnau Stiftung) einfach zu lang. 

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Jean SebergAgainst all Enemies: Kristen Stewart verkörpert die Schauspielerin und Aktivistin Jean Seberg. Ein Film zwischen Drama und Thriller und bei mir noch auf der Liste. 

David Copperfield: Eine historische Komödie mit einem Cast, der sich liest, als ob man meine Wunschliste zusammengecastet hätte – ich bitte euch Hugh Laurie und Peter Capaldi in einem Film? Ich werde diesen Film auf jeden Fall nachholen!

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

Community – Staffel 3+4 (Man könnte meinen, dass Dan Harmon irgendwann die Ideen ausgehen müssten, aber nein, die Serie bleibt einfach gut)

The Comedy Line-up – Staffel 2 (Einige gute Kurzauftritte gab es in der zweiten Staffel)

Down to Earth with Zac Efron (Inspirierende Reise um die Erde zu den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz)

Dark – Staffel 2 (Nach der Einführung der wichtigsten Charaktere in Staffel 1, ging es nun richtig zur Sache)

Indian Matchmaking – Staffel 1 (Interessante Heranführung an die indische Tradition der Heiratsvermittlung, hat bei mir einige Vorurteile ausgeräumt, andere hingegen bestätigt)

Julie and the Phantoms – Staffel 1 (Wunderbare Geschichte um eine tote Band, die nach 25 Jahren als Geister zurückkommen. Und sooo tolle Lieder!)

Disney Galerie – The Mandalorian – Staffel 1 (Zur Disney+ Serie gibt es nicht ein einfaches Making off, nein es gibt eine ganze Staffel dazu. Hier kommen Regisseure, Schauspieler, und viele andere Beteiligten zu Wort, was einen sehr tiefen Einblick hinter die Kulissen gibt. Und wenn dann Star Wars Fan/Regisseur/Showrunner Dave Filoni von den verschiedenen Verbindungen erzählt, will man gleich noch einmal die alten Filme gucken)

Stumptown – Staffel 1 (Coole Crimeserie mit tougher Protagonistin, diversen Charakteren, spannenden Fällen und tollen Dialogen)

Rick & Morty – Staffel 4 (Lange haben wir warten müssen, jetzt ist sie da. Leider stellenweise etwas enttäuschend, weil manche Episoden einfach zu überzogen sind, im großen und ganzen aber noch immer starke Erzählungen)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 10
Seiten gesamt: 4.132
Seiten pro Tag: 137 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 3
Taschenbuch: 5
Comic: 2

Harleen – Band 2 & 3: Der Joker sitzt im Arkum Asylum und Harleen Quinzel ist seine Psychiaterin. Doch sie gerät immer mehr in seinen Bann. – Spannende und bildgewaltige Comicreihe.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Das große Finale der Reihe war ein Wiederholungstäter und irgendwie hatte ich gerade den Anfang weniger zäh in Erinnerung. Und das Ende weniger abrupt. Aber trotzdem noch einige faszinierende Fakten, Ideen und Plottwists. – Hiermit distanziere ich mich von den Aussagen Rowlings. Transfrauen sind Frauen!  

Sturmhöhe: Der junge Lockwood pachtet Trushcross Grange. Bei seinem Antrittsbesuch auf Wuthering Heights trifft er den unsympathischen Heathcliff. Zurück in der Grange bittet er seine Haushälterin ihm die Geschichte der beiden Familien Earnshaw mit ihrem Findelkind Heathcliff und Familie Linton zu erzählen. – Wieder ein Klassiker auf meiner Liste der Schande abgearbeitet. Leider war in diesem Werk kein einziger Charakter wirklich sympathisch und so war es etwas schwer dem Buch bis zum Ende zu folgen.

Rowan & Ash: Rowan ist seit vielen Jahren mit der Prinzessin von Iriann verlobt. Die Hochzeit steht im nächsten Jahr bevor, als Rowan mit seiner Familie in die Hauptstadt reist. Denn das Schattenlabyrinth ist wieder erwacht, was die Wiedererweckung der schwarzen Königin voraussagt. Nun steht das Land vor der Frage, ob das Schattenlabyinth endgültig versiegelt werden soll, was aber auch die Magie in Iriann erlöschen lassen würde. Doch Rowan hat noch ein ganz anderes Problem. Denn er liebt den Königssohn Ash. – Eine spannende Geschichte im High Fantasy-Bereich. Und noch viel besser: Eine queere Liebesgeschichte. Nur das Ende kam mir dann etwas zu schnell und lässt zu viel offen. 

Never Doubt: Willow hat im letzten Sommer ein traumatisches Erlebnis gehabt. Nun zieht sie mit ihren Eltern von New York in das beschauliche Städtchen Harmony. Dort bekommt sie eine Rolle im städtischen Theater und schafft es endlich ihre Geschichte, aber mit den Worten Shakespeares zu erzählen. Dabei trifft sie auf den Stadt-Bad Boy Isaac. – Wieder eine schöne, aber auch traurige Geschichte von Emma Scott, die mit der All in-Reihe dieses Jahr bereits eines meiner Jahreshighlights schaffte.

OMG Diese Aisling – Aisling ist eigentlich sehr glücklich mit John, doch dieser kann sich einfach nicht dazu durchringen ihr einen Antrag zu machen. Also trennt sie sich kurzerhand und zieht endlich von zu Hause aus. Doch mit ihrer Kollegin und jetzt auch Mitbewohnerin Sadhbh gibt es immer etwas zu erleben. – Man muss Aisling mögen und ihre Taten nachvollziehen können, um das Buch zu mögen. Und gerade das klappt bei mir nur bedingt. Grundsätzlich ein tolles Buch mit viel Fernweh nach Irland, aber irgendwo ist die Gesamtgeschichte nicht ganz ausgereift.

Die Tribute von Panem X: Bei den 10. Hungerspielen soll es erstmals Mentoren geben und zwar Schüler aus dem Kapitol. Einer davon ist Coriolanus Snow, der spätere Präsident. Doch ausgerechnet er bekommt das Mädchen aus Distrikt 12 als Tribut. Wie soll er es schaffen ihr das Überleben und sich selbst den Sieg zu sichern? – Hätte es diese Vorgeschichte gebraucht? Vermutlich nicht. Dennoch ist sie größtenteils spannend, bringt interessante Einblicke in das Denken von Snow und den Alltag des Kapitols, sowie die Anfänge der Hungerspiele.

Percy Jackson – Diebe im Olymp: Percy Jackson dachte eigentlich, dass er ein ganz normaler Junge sei mit Legasthenie. Bis sein bester Freund Grover und seine Mutter verzweifelt versuchen ihn ins Camp Half-Blood zu schicken. Dort erfährt er, dass sein Vater der griechische Gott Poseidon ist und das ein Krieg zwischen den Göttern bevorsteht. Ein Krieg, den Percy verhindern soll. – Auch wenn mir die Reihe schon vielfach empfohlen wurde, hatte ich mich bisher nicht herangewagt. Nun war es soweit. Und ja, mein erstes Eintauchen in das Leben der Halbblüter war ganz interessant, aber irgendwie nicht das Wow, das ich erwartet hatte, vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu hoch.

Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv: Madleine „Max“ Maxwell bekommt nach ihrem Studium der Archäologie einen Job im St. Marys Institut. Doch dort wird nicht einfach nur in der Geschichte geforscht, sondern sie wird erlebt. Mit Hilfe von Zeitreisen erleben die Historiker die Geschichte am eigenen Leib. Doch zuvor muss Max die Aufnahme überleben. – Spannende Geschichte, tolle Ideen, flüssiger Schreibstil, aber ein absolut grauenhafter Erzählstil. So ist die Geschichte viel zu vollgepackt mit hochdramatischen und spannenden Ereignissen, die aber wie kleine Nebensachen erzählt werden. So ist die Geschichte zu voll. Sehr schade, denn das Potential war hier sehr hoch.

Wie war euer September? Wie immer die Frage: Habt ihr Film/Serien/Buchempfehlungen für mich?

Hello Again

Ein Vorwort

Das Prinzip der Zeitschleife hat sich seit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ immer mehr durchgesetzt und ist inzwischen in allen möglichen Varianten ausprobiert worden. Nun hat es auch der deutsche Film entdeckt und gleich in die nächste romantische Komödie gesteckt. Warum die Umsetzung leider nicht so richtig funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Zazie (Alicia von Rittberg) erhält kurzfristig eine Einladung zu der Hochzeit von Philipp (Tim Oliver Schultz) und Franziska (Emilia Schüle). Während Philipp in ihrer Kindheit Zazies bester Freund war, erinnert sie sich an Franziska als Sadistin. Also überredet sie ihren Mitbewohner Anton (Edin Hasanović) sie auf die Hochzeit zu begleiten. Durch sehr viel Alkohol verwandelt Zazie die Hochzeit jedoch in ein Desaster. Zum Glück wacht sie jeden Tag wieder am gleichen Morgen auf. Doch was ist ihre Aufgabe, um aus dieser Zeitschleife zu erwachen?

Meine Meinung

1993 lief „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in den Kinos an. Seitdem hat sich am Prinzip der Zeitschleifenfilme wenig geändert. ProtagonistIn erlebt den gleichen Tag immer und immer wieder, bis sie das Geschehen richtig abgeändert hat und endlich am darauffolgenden Tag aufwachen darf. Nachdem das Murmeltier als romantische Komödie gut ankam, wurde das Prinzip auch in anderen Genres versucht. So konnten beispielsweise Edge of Tomorrow im Sci-Fi-Action Bereich und Happy Deathday im Horrorfilmgenre das Prinzip gelungen umsetzen. 
Wenn man schon am Grundprinzip und -ablauf nichts ändert, dann muss wenigstens die Geschichte irgendwo interessant und spannend bleiben. Und genau hier liegt das große Problem an Hello Again. Er verliert den Zuschauer sehr schnell und kann ihn nicht mehr zurückgewinnen. Aber fangen wir am Anfang an. Das Szenario ist schnell klar. Zazie wacht jeden Morgen auf, kommt verspätet auf der Hochzeit an, kann sie also nicht mehr verhindern und verhält sich dann total daneben. Anton wird eigentlich immer nur mit in die Katastrophe reingezogen und kann einfach nicht Nein sagen. Zazie erhält immer mehr Informationen und versucht auf alle möglichen Arten die Hochzeit noch zu verhindern. Doch während die Möglichkeiten, wenn man sie kurz zusammengefasst erzählt, durchaus Potential haben und für viele Lacher hätten sorgen können, verlieren sie leider durch die Länge einzelner Szenen diese Kraft und sorgen nur ab und an für einen müden Lacher. Obwohl der Film mit 92 Minuten kurz und knackig erzählt wirkt, fühlt er sich einfach sehr lange an. 
Das könnte auch daran liegen, dass man zu keinem der Charaktere eine wirkliche Bindung aufbaut. Von Rittbergs Zazie ist ein komplettes Wrack und zeigt das auch in jeder Szene. Ihre Abneigung gegenüber Beziehungen und Hochzeiten wird anhand einer kurzen Einleitung mit ihren immer streitenden Eltern versucht zu erklären, was aber auch nur bedingt funktioniert. Hinzu kommt, dass man sich mitunter bei ihrer dauerhaft brüchigen Stimme, was nicht immer passend ist, leider eine geübte Synchronsprecherin gewünscht hat und das für einen deutschen Film. Dabei hat von Rittberg eigentlich mehrfach bewiesen, dass sie durchaus starke Rollen spielen kann (Ballon, Herz aus Stahl, Verräter wie wir). Auch ihr Gegenpart, die Braut Franziska, wird nur als arrogantes Biest dargestellt, wogegen Emilia Schüle in ihrem Spiel auch wenig versucht anzugehen.
Lediglich die beiden Herren im Spiel Bräutigam Philipp und Mitbewohner Anton versuchen noch die Sympathien der Zuschauer durch ihre „Eigenheiten“ auf sich zu ziehen, sei es der Ordnungstick des Bräutigams oder die Narkolepsie des Mitbewohners. 
Die Auflösung des Ganzen ist dann halt auch genau das, was der geübte Zuschauer von Anfang an vorhergesehen hat. Absolut kein Überraschungseffekt, der das Ende vielleicht doch noch ein bisschen spannender gemacht hätte. 
Kurzum der Film hangelt sich am altbekannten Schema entlang, punktet zwischendurch ein bisschen durch Ideen, schafft es aber nicht die pointiert genug darzustellen, so dass sich der Film ziemlich zieht und verliert die Punkte dann wieder durch ein einfallsloses Ende und nervige Charaktere.

Das Fazit

Hello Again schafft es leider nicht sich vom Altbekanntem zu lösen und setzt die eigenen Ideen langatmig um, so dass er weder wirklich lustig noch wirklich spannend ist. Mit kürzeren Szenen hätte es vielleicht noch funktionieren können. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Hello Again läuft seit dem 17.09.2020 in den deutschen Kinos

X-Men: New Mutants

Ein Vorwort

Nach einer langen Leidensgeschichte hat es nun der letzte X-Men Film in die Kinos geschafft. Zwischendurch standen die Chancen dafür ja sehr schlecht. Regisseur Josh Boone (Das Schicksal ist ein mieser Verräter) hatte zunächst eine große Vision, sie sollte nah an den Comics bleiben und einem Horrorfilm gleichen. Seitdem wurde der Film immer weiter nach hinten verschoben und immer mehr wurde daran herumgedoktert, bis er schließlich fast neu gedreht wurde. Was der letzte X-Men Film nun wirklich kann und warum er kein Vollfiasko, wie zuvor Dark Phoenix war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Danielle Moonstar (Blu Hunt) erwacht nach einem Angriff auf ihr Reservat in einem eher ungewöhnlichen Krankenhaus. Unter der Leitung der Ärztin Dr. Reyes (Alice Braga) sind hier eine Handvoll Patienten untergebracht, alle mit ungewöhnlichen Fähigkeiten. Laut Dr. Reyes sollen sie diese kontrollieren lernen, um auf eine größere Sache vorbereitet zu werden. Doch etwas scheint dort nicht zu stimmen.

Meine Meinung

Nach der langen Entstehungsgeschichte habe ich ehrlich gesagt eine absolute Katastrophe erwartet. Ähnlich wie bei Venom, wo man zu viele Handschriften erkannt hat. Zumal die letzten X-Men Filme Apocalypse und Dark Phoenix sich ja eher zu übertreffen versuchten, wer die Reihe unwürdiger beendet hätte. Nun fällt diese Aufgabe den New Mutants zu. Und ganz ehrlich, der Reihe hätte es wesentlich schlechter ergehen können, allerdings auch wesentlich besser.
Mit New Mutants wird sich zum ersten Mal vom klassischen Schema weggetraut. Wir haben hier keine Superhelden im Superheldenanzug und auch keinen klassischen Bösewicht. Wir haben keine Cameos von bekannten Mutanten und auch nur ganz wenig Anspielungen auf die bekannte Welt. Stattdessen haben wir eine Anstalt, die grundsätzlich einem Horrorfilm entsprungen sein könnte, was wohl auch der ursprüngliche Wille des Regisseurs war, und drinnen haben wir eine Mutanten Coming of age Story, die aus gutem Grund mit dem Breakfast Club verglichen wird. 
Das Ganze wurde mit einem überwiegend guten Cast unterstrichen, auch wenn Hauptdarstellerin Blu Hunt ihre Danielle eher blass darstellt. Hier kommt sie gegen ihre erfahreneren Kollegen, allen voran Anya Taylor-Joy, einfach nicht an. Die Stärke des Films liegt auch deutlich in den Charakteren und ihrem Miteinander. Denn solange sich der Film auf das Coming-of-age konzentriert, funktioniert er. 
Das ändert sich leider, sobald er versucht sich auch als Horrorfilm zu präsentieren. Was mir als Schisser vielleicht noch zu Gute kommt, ist leider eine ziemliche Verschwendung des Settings. Die zwischendurch auftauchenden Monster sind wenig gruselig und eigentlich beobachten wir eher die Charaktere, die schreien, wenn es sie selbst betrifft und die anderen die von einem zum anderen rennen. Gerade hier hätte man viel mehr aus dem Setting machen können, mehr mit den Ängsten der Charaktere spielen und die Fähigkeiten der Mutanten mehr einsetzen können.
Denn dann hätte man sich das sehr plumpe Finale wohl auch sparen können. Denn so ist es ein reines „Wir lassen noch einmal alle Charaktere ihre Fähigkeiten zeigen! Und zwar schön nach einander, damit auch alle richtig zur Geltung kommen“. Das ist für das Finale des Finalfilms einer solchen Reihe dann doch sehr billig. 
Letztlich passt der Titel, denn der Film zeigt neue Mutanten, die mit den Filmen zuvor nichts zu tun hatte. Letztlich lässt er sich auch mit den wenigen Referenzen trotzdem ins X-Men Universum einordnen. Was hier aber hätte draus werden können, wenn man dem Regisseur einfach vertraut hätte, bleibt nur zu erahnen.

Das Fazit

X-Men: New Mutants ist wohl nicht der schlechteste Abschluss der Reihe, aber kränkelt dann doch an zu vielen Stellen, um wirklich gut zu sein. So bleibt es nur ein netter Versuch eines Horrorfilms mit Coming-of-Age und Mutantenelementen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

X-Men: New Mutants läuft seit dem 10.09.2020 in den deutschen Kinos

Tesla

Ein Vorwort

Am Montag erschien mein Beitrag zu Edison – ein Leben voller Licht, der mich eher weniger überzeugen konnte. Bereits dort teaserte ich diesen Beitrag an, scheint er doch ein mehr oder weniger ein indirektes Sequel zu sein. Passenderweise hatte ich beide sogar direkt hintereinander und auch in der „richtigen“ Reihenfolge gesehen. Warum mir Tesla besser gefiel als Edison, mich aber trotzdem nicht vollständig überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Nikola Tesla (Ethan Hawke) kommt als Immigrant in die USA. Er startet seine Karriere in der Firma von Thomas Edison (Kyle MacLachlan), wechselt aber noch während des Stromkrieges zur Konkurrenz. Mit Westinghouse (Jim Gaffigan) an seiner Seite, und später J.P. Morgan als Geldgeber (Donnie Keshawarz), beginnt er die Ideen in seinem Kopf umzusetzen.

Meine Meinung

Warum Leonine die beiden Filme Edison und Tesla so kurz hintereinander in die Kinos geschickt hat, bleibt eine gute Frage. Denn zum einen könnte es durchaus gewollt sein, schließlich schließen sie thematisch aneinander an. Andererseits könnte es auch eines dieser komischen Zufälle durch Corona sein, denn so vergleicht man unweigerlich die beiden Filme miteinander, da neben Handlungsabschnitten sich auch viele der Charaktere überschneiden. So kommt man nicht umher das Casting miteinander zu vergleichen.
Während in ‚Edison‘ Tesla noch von Nicholas Hoult verkörpert wurde, gibt sich hier Ethan Hawke die Ehre. Der Unterschied hätte nicht größer sein können. Während Hoult seinen Tesla zwar als verkanntes Genie, aber auch als vornehmen Lebemann anlegt, der sich gerne als durchgehend reich ansieht, auch wenn er mal wieder in Geldnöten ist. Hawke hingegen zeigt ihn als stark introvertierten Mann, der stets etwas abweisend ist und eher schlecht als recht seine Ideen verteidigt. Welche Darstellung dem realen Tesla nun am nächsten kommt, dürfen gerne die Historiker beurteilen. Problematisch an Hawkes Tesla ist eher seine Unnahbarkeit. Hätte dies in ‚Edison‘ als Nebencharakter wohl noch funktioniert, birgt es hier seine Probleme, da ein Hauptdarsteller, der wenig sagt und mehr zu denken scheint, den Zuschauer leider schnell verlieren kann.
Regisseur Michael Almereyda versucht allerdings sehr viel um diesem Gefühl entgegenzuwirken. Da er aber nur ein Budget von ca. 5 Millionen Dollar zu Verfügung hat, muss er auch hier viel experimentieren oder tricksen. So fühlt sich der Film letztlich sehr zweigeteilt an. Es gibt den Lexikon-Teil und den Kunst-Teil.
Der Lexikon-Teil dauert ca. das erste Drittel des Films an. Hier wird mithilfe von Anne Morgan, Tochter des Finanziers J.P. Morgan, als Erzählerin noch einmal die wichtigsten Aspekte des Stromkrieges, also praktisch der gesamte Inhalt des Films ‚Edison‘, zusammengefasst, die auftauchenden Figuren werden erklärt und Teslas Rolle wird noch einmal entschlüsselt. Dafür werden ein Laptop, ein Beamer und Google verwendet. Tatsächlich erfährt man hier mehr über die Figuren und Zusammenhänge der verstrickten Personen als im gesamten Film ‚Edison‘, was noch einmal beweist, wie wenig dieser erklärt hat. Allerdings fühlt sich der Film hier auch eher nach einer Lehrstunde mit einfallsloser Präsentation an.
Abgelöst wird dieser vom Kunst-Teil. Das bedeutet zum einen, dass unsere immer unzuverlässiger werdende Erzählerin Anne Morgan, teilweise von Begegnungen erzählt, die auch dargestellt werden, wie beispielsweise zwischen Edison und Tesla, die es allerdings gar nicht gab, wie der Zuschauer am Ende der Szene aufgeklärt wird. Hier zieht Edison am Ende ein Smartphone aus der Hosentasche und spielt darauf. Während dies im ersten Moment wie ein großer Filmfehler wirkt, häufen sich solche Kleinigkeiten und sollen wohl eine sehr seltsame Art des „Foreshadowing“ sein. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass, wahrscheinlich aus Kostengründen, ganze Filmsets nicht gebaut/bereist wurden, sondern durch Leinwand ersetzt wurden, vor der Hawke agiert. Das Ganze gipfelt schließlich in eine etwas befremdlich wirkende Karaokeszene.
Leider verliert Tesla ab dem Kunst-Teil irgendwo seinen roten Faden und während ich nach Tesla zwar das Gefühl hatte, nun endlich Edison richtig verstanden zu haben, kann ich nicht genau sagen, was Tesla mir danach erzählen wollte. Mal sieht man Hawke mitten in einem Experiment sitzen, das wohl eine große Entdeckung sein könnte, aber nicht genauer erklärt wird, nur um sich dann wieder mitten in Gesprächen über Geld zu verlieren. So zieht sich gerade die zweite Hälfte des Films mit einer Lauflänge von 102 Minuten irgendwann und man vermisst die immer spärlicher werdenden Erklärungen Anne Morgans.
Doch auch wenn man irgendwo den Faden der Erzählung verloren hat, wirkt Tesla irgendwo mit seinem geringen Budget viel sympathischer erzählt, als Edison. Gerade diese kleinen Kunstgriffe wirken irgendwo so herrlich ironisch, dass sie wieder Spaß machen. Es bleibt spannend, was Tesla hätte sein können, wenn er das Budget von Edison gehabt hätte.

Das Fazit

Tesla ist ein Film, der am Anfang etwas zu viel und am Ende etwas zu wenig erklärt, aber aus seinem geringen Budget wunderbare Ideen zur Umsetzung entwickelt. Mit einem leider sehr schweigsamen und introvertierten Hauptcharakter verliert der Film zwischendurch leider seinen roten Faden. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Tesla läuft seit dem 20.08.2020 in den deutschen Kinos.