Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.2

Wie beim letzten Mal angekündigt, versuche in in dieser Kategorie ein wenig aufzuräumen. Den ersten Teil, der sich mit den Filmen aus den Jahren 2014 und 2015 beschäftigte, findet ihr hier. Nun soll es um das Jahr 2016 gehen. Wie immer versuche ich mich kurz zu fassen und leider sind einige Sichtungen auch schon eine Weile her, weswegen ich mich nicht mehr an alles detailliert erinnere.

2016

1) Where to invade next

Michael Moore spaltet mit seinen Filmen und Äußerungen gerne einmal. Vor allem wird ihm gerne einseitige Berichterstattung vorgeworfen. So sollte man seine Filme immer noch einmal kritisch hinterfragen. Dennoch muss ich sagen, dass mir dieser Film sehr gut gefallen hat. Moore zieht aus, um einige Länder zu besuchen und zu „besetzen“, um ihre Ideen und Werte in bestimmten Dingen zu „stehlen“. So besucht er Italien und ist völlig fasziniert von den Arbeitnehmerrechten, in Finnland von deren Schulsystem, in Deutschland von der Vergangenheitsbewältigung und so weiter. Insgesamt neun Länder, hauptsächlich in Europa werden besucht und mit den Gegebenheiten in den USA verglichen, wobei die USA eindeutig nicht gut wegkommen. Doch die Themen werden immer mit einer humorvollen Pointe versehen und so schmunzelt man durch den Film, auch wenn einige Themen eindeutig nicht zum schmunzeln sind.

2) Trumbo

Dalton Trumbo war ein gefeierter Drehbuchautor. Der Film befasst sich mit seinem Leben und vor allem seiner Zeit auf der berüchtigten Blacklist in den 1940er und 1950er Jahren. Da er Mitglied der kommunistischen Partei in den USA war, wurde ihm verboten zu arbeiten, da er seine kommunistischen Ansichten in die Filme einbringen könnte.
Der Film hat mit einem stark spielenden Bryan Cranston bereits die wichtigste Hauptzutat für den Film gewonnen. Hierfür wurde er zu Recht als bester Hauptdarsteller bei den Oscars nominiert – verloren hat er letztendlich gegen Leonardo diCaprio in The Revenant. Auch das übrige Drehbuch ist rund und gut gestaltet.

3) Triple 9

Ein Triple 9 ist ein Funkspruch der amerikanischen Polizei, die aussagt, dass ein Officer niedergeschossen wurde und sich alle im Unfeld befindlichen Polizisten sofort dort einzufinden haben. Im Film wird dieser Funkspruch von einer Gruppe korrupter Polizisten genutzt, um für die russische Mafia Überfälle zu begehen.
Dabei wartet der Film grundsätzlich mit einem starken Cast auf, die aber alle nicht sonderlich motiviert zu sein scheinen. So wird der Film mehr oder weniger lediglich abgespielt, ohne das eine Schauspielleistung wirklich auffällt. Auch das Drehbuch erscheint nicht wirklich rund, hat es doch eine „unerwartete“ Wendung zu viel. Schade, hier wäre eindeutig mehr möglich gewesen.

4) Alle Farben des Lebens

Ray (Elle Fanning) ist als Ramona geboren, lebt inzwischen aber seit fünf Jahren als Ray. Nun will der 16-jährige auch die offizielle Geschlechtsumwandlung vollziehen lassen. Dafür braucht er die Unterschrift beider Elternteile. So muss seine alleinerziehende Mutter (Naomi Watts) ihren Ex ausfindig machen. Dieser ist der Umwandlung jedoch abgeneigt. Keine große Hilfe ist Rays lesbische Großmutter (Susan Sarandon), die ebenfalls mit im Haus lebt.
Alle Farben des Lebens ist eine berührende Familiengeschichte, die in drei Generationen die Abweichung des „traditionellen“ Familienbildes zeigt. Die lesbische Großmutter, die alleinerziehende Mutter und der Sohn, der im Körper einer Tochter geboren wurde. Dabei wird mit dem Thema Geschlechtsumwandlung absolut respektvoll umgegangen und von verschiedenen Standpunkten beleuchtet, so dass sich der Zuschauer seine eigene Meinung bilden kann. Dabei sticht vor allem das starke Spiel aller drei Frauen hervor. Schade, dass der Film ein bisschen untergegangen zu sein scheint.

5) Nocturnal Animals

Die Galeriebesitzerin Susan Morrow (Amy Adams) bekommt von ihrem Ex-Mann ein Manuskript, in dem es um einen Familienvater geht, dessen Frau und Tochter bei einem Überfall entführt und getötet werden und der später versucht Rache zu nehmen. Morrow erinnert sich an die Ehe zurück und wie sie geendet hat.
Nocturnal Animals ist einer dieser Filme, die ich einfach nicht verstanden habe. Ich kann mir die Zusammenfassung der Handlung so oft durchlesen und weiß hinterher immer noch nicht, was er mir nun damit sagen wollte. Eindeutig nicht mein Film.

6) Willkommen bei den Hartmanns

Die Flüchtlingsthematik ist noch immer aktuell, auch wenn inzwischen nicht mehr in aller Munde. 2016 kam ein Film, der sich auf humorvolle Weise versucht hat, genau dem zu stellen. Familie Hartmann gehört zu den besser gestellten Familien des Landes. Die gelangweilte ehemalige Lehrerin Angelika will ihren Beitrag in der Flüchtlingskrise leisten und überredet ihre Familie dazu einen Flüchtling bei sich aufzunehmen. Doch nicht nur die Familie hat mit der neuen Situation zu kämpfen.
Willkommen bei den Hartmanns greift ein aktuelles Thema auf, um es leider in eine 08/15 deutsche Komödie zu pressen. Weder die Thematik Flüchtlinge, noch Nazis und Vorurteile werden richtig durchleuchtet und auch die Geschichte rund um die Familie ist sehr konstruiert und weidet sich an den undurchdachten Witzen. Leider ein weiterer Reinfall des deutschen Kinos.

Cinemathek: Jacques – Entdecker der Ozeane

Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Jacques – Entdecker der Ozeane. Der Film lief ursprünglich ab dem 08.12.2016 in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

71% unseres Planeten werden nicht von Landmassen bedeckt, sondern sind überspült von Wassermassen. Die sieben Weltmeere sind Heimat einer vielfältigen Flora und Fauna. Während die Landmassen viel und schnell erforscht wurden, war die Wasserwelt noch lange ein Mysterium. Jacques Cousteau entwickelte in den 1940er Jahren zunächst die Vorläufer der heutigen Taucheranzüge und zudem ein Gerät, mit dem man unter Wasser filmen kann. Zeit seines Lebens erforschte er die Meere und drehte über 100 Unterwasserfilme. Nachdem der Film „Die Tiefseetaucher“, der sich ebenfalls mit dem Leben von Cousteau beschäftigte, wohl eher unter Klamauk einzuordnen war – in den Hauptrollen Bill Murray, Owen Wilson, Cate Blanchett, Willem Dafoe und Jeff Goldblum – schlägt Regisseur Jérôme Salle einen wesentlich ernsteren Ton für sein Biopic an.

Die Handlung

Jacques Cousteau arbeitet mit seinen Freunden an der Entwicklung von Taucheranzügen und einer Unterwasserkamera, um immer wieder kleine Filme zu drehen, die im Stile einer Gartenparty im Freundeskreis gezeigt werden. Doch Cousteau will mehr. So handelt er einen Deal mit einem großen Unternehmen aus, um ein altes Schiff zu ergattern, die „Calypso“. Doch bevor er in See stechen kann, um die Meere zu erforschen, bedarf es noch einer Menge Überredungskunst. Letztendlich schafft er aber alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen und schickt seine beiden Söhne auf ein Internat, was diese nicht gut aufnehmen. Vor allem Philip schlägt sehr nach seinem Vater und möchte auch wie er die Meere erforschen. Von diesen Anfangszenarien erzählt der Film stringent die Lebensgeschichte von Jacques Cousteau, seiner Frau, seinen Söhnen und seiner Crew.

Meine Meinung

Biopics sind immer wieder ein schwieriges Thema, da man sich eben an einem festen Leben einer Person orientiert und den Lebensweg nicht für einen besonders dramatischen Aufbau komplett verändern kann. Während uns „Snowden“ im letzten Jahr ein besonders gelungenes Exemplar bot, ordnet sich „Jacques – Entdecker der Ozeane“ eher im gesunden  Mittelfeld ein. Die Geschichte von Cousteau wird auf 123 Minuten gestreckt und verzichet zumindest auf die Kinder- und Kriegsjahre. Ansonsten werden die einzelnen Stationen chronologisch abgehandelt. Zu Beginn erscheint der Film noch als schöner Familienfilm und erzählt wie Cousteau seine Leidenschaft mit Frau und Söhnen teilt und auch einen gesunden Freundeskreis pflegt. Immer wieder unterbrochen durch kleine Meeresaufnahmen, plätschert der Film zufrieden vor sich hin. Mit dem Kauf der Calypso kommen dann zum ersten Mal Stolpersteine in den Film, die es zu beseitigen gilt. Hier baut der Film einen gesunden Grad an Spannung auf. Leider vermag er es nicht diesen dauerhaft zu halten und verliert sich ab einem gewissen Zeitpunkt immer wieder im gleichen Muster. Nach der Hälfte scheint der Film seinen Höhepunkt erreicht zu haben und schwächt danach durch zu viel dramatische Stellen immer weiter ab.
Die Charaktere bekommen alle genügend Raum, um sich vorzustellen und zu entwickeln. Gerade Cousteau macht während der Spiellänge immer wieder 180° Wendungen durch, die jedoch an jeder Stelle glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt werden. Man schwangt bei ihm immer wieder zwischen Bewunderung und Abneigung, da er ein großes Lebenswerk vorzuweisen hat, sich mittendrin aber in so ein Ekelpaket verwandelt, dass man ihm seine Misserfolge mehr gönnt, als seine Erfolge.
Am Ende verlässt man den Film mit dem Gefühl „Ganz nett den Film mal gesehen zu haben, ich muss ihn aber auch kein zweites Mal sehen“. An sich ist er Grundsolide, schläft hier und da über die Strenge des gesunden Maßes an Spannung und Dramatik und plätschert stellenweise immer mal wieder vor sich hin, fängt sich aber doch immer wieder und schafft spannender Abschnitte.
Während des Films werden immer wieder die Dreharbeiten der Crew gezeigt, aber wirkliche Ausschnitte aus den über 100 Werken von Cousteau finden kaum Platz im Film, da es sich doch größtenteils um die Menschen und nicht um das Werk dreht. Dennoch wird sich genügend Zeit genommen, um über die Themen Umweltschutz und Tierschutz zu sprechen und dabei auch eine kleine Diskussion zu führen. Hier zeigt der Film nach einer längeren Flaute erstmals wieder Spannung und bringt die Handlung weiter.
Am Ende schafft „Jacques – Entdecker der Ozeane“ gerade noch rechtzeitig den Absprung, bevor er sich in seiner Handlung verrennt und schafft den Bogen zum Anfang des Films zu schließen.

Das Fazit

Mit Höhen und Schwächen zeigt „Jacques – Entdecker der Ozeane“ das Leben des Meeresforschers Jacques Cousteau in allen Facetten und fängt Höhepunkte und Tiefen auf. Unterbrochen von etwas zähen und zu dramatischen Parts, bleibt es doch eine solide Leistung, auch wenn er zu keiner zweiten Sichtung des Stoffes einlädt. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Florence Foster Jenkins

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Florence Foster Jenkins. Der Film lief ursprünglich ab dem 24.11.2016 in den deutschen Kinos.

Madame Florence Foster Jenkins ist sehr wohlhabend, aber auch sehr krank. Ihr einziger Lebensinhalt ist die Musik. Da ihr das Klavierspiel durch eine Nervenschädigung verwehrt bleibt, singt sie für ihr Leben gerne Arien. Das einzige Problem an der Sache: Sie kann absolut nicht singen. Doch ihr Mann St. Clair Bayfield setzt alles daran, dass sie ihren Traum leben kann und niemals erfährt, wie schlecht sie singt.

Jahr für Jahr treten bei den verschiedensten Castingshows im deutschen Fernsehen Leute an, die unbedingt wollen, dass ihr Talent entdeckt wird. Gerade offene Gesangscastings zeigen aber schnell, dass nicht jeder das Talent hat, was er in sich selbst zu schlummern glaubt. Aber was, wenn man gar nicht auf die Castingshows angewiesen wär, sondern gleich das nötige Geld hätte, um Konzerte geben zu können oder gar Platten aufzunehmen?
Florence Foster Jenkins lebt praktisch nur für die Musik. Durch ein großes Erbe ist es ihr vergönnt, ihr ganzes Leben nach der Musik auszurichten. Bereits als Kind spielte sie begeistert Klavier und feierte Erfolge damit, doch nach einer Erkrankung, die unter anderem ihre Nerven schädigte, kann sie nicht mehr spielen. Also widmet sie ihr Leben nun auf andere Weise der Musik. Zum einen spendet sie immer wieder großzügig an verschiedene musikalische Einrichtungen, zum anderen singt sie für ihr Leben gern. Dafür engagiert sie extra einen Gesangslehrer von der Metropolitan Opera und den Klavierspieler Cosme McMoon. Dieser ist sehr überrascht, als er sie zum ersten Mal singen hört. Denn Madame Jenkins Gesang besteht aus einer Aneinanderreihung schiefer Töne und der Nichtachtung des Takts. Doch ihr Mann und ihr Gesangslehrer loben ihren Gesang in den höchsten Tönen. St Clair Bayfield, ihr Mann, setzt eine Menge Geld ein, damit immer nur ausgewählte Menschen ihren Gesang hören und sie hinterher loben können. Denn eine echte Kritik, so befürchtet er, könnte ihren Gesundheitszustand verschlechtern.
Florence Foster Jenkins ist ein etwas gespaltener Film. Denn zum einen thematisiert er eine unglaubliche Leidenschaft zur Musik und die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe und einer tiefen Freundschaft. Andererseits spielt er 1944, also noch mitten im zweiten Weltkrieg und thematisiert nebenbei die schrecklichen Folgen einer Krankheit. Die Grundstimmung ist jedoch während des ganzen Films sehr positiv. Die “negativen” Aspekte, wie Krieg und Krankheit werden dabei dem Zuschauer etwas untergeschoben. So kann man Florence Foster Jenkins mit einer Leichtigkeit gucken und sich an Madame Jenkins Auftritten erfreuen, ohne genauer über die ganzen Umstände nachzudenken. Trotzdem trifft einen gleichzeitig ihre Geschichte, denn sie singt sich – trotz schiefer Töne – in die Herzen der Zuschauer.
Das liegt vor allem an Meryl Streeps Schauspielkünsten. Diese schwanken bekanntlich von Film zu Film, aber als Florence Foster Jenkins ist sie wieder in Höchstform. In einem Interview sagte sie, dass für sie die größte Hürde der Rolle war, wirklich schief zu singen. Bereits in Mamma Mia zeigte sie, dass sie eigentlich singen kann und auch für Florence Foster Jenkins arbeitete sie mit einem Lehrer für Arien zusammen. Erst kurz vor Drehbeginn musste sie lernen diese Lieder schief zu singen. Vor allem die Überwindung zu haben Lieder bewusst schief zu singen, im Bewusstsein, dass jeder der dies hört unweigerlich anfangen wird zu lachen. Chapeau Mrs Streep!
Die übrigen Schauspielleistungen siedeln sich souveränen Bereich an und stechen nicht heraus. Lediglich Simon Helbergs Synchronstimme scheint nicht so richtig zu seiner Rolle zu passen. Sie spricht sehr hoch und piepsig und schafft die Betonungen der Mimik nicht widerzuspiegeln.
Der Film erzählt die Geschichte sehr geradlinig, ohne Schnörkel oder überflüssige Dialoge. Dabei überzeugt vor allem das Gute Herz von Madame Jenkins, was den Film so sehenswert macht. Ein richtiger Spannungsfaktor kommt nur bedingt auf, ist bei diesem Film aber auch überflüssig.

Alles in allem ein Film, der die Herzen berührt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Morris aus Amerika

Willkommen in der Cinemathek, heute mit Morris aus Amerika. Der Film lief ursprünglich ab dem 03.11.2016 in den deutschen Kinos.

Morris ist aus Amerika, musste aber nach dem Tod seiner Mutter zu seinem Vater nach Heidelberg ziehen, weil dieser hier einen Trainerjob hat. Er tut sich schwer die Sprache zu lernen und möchte eigentlich gerne Rapper werden. Doch Freunde findet er auch keine, bis er auf Katrin trifft.

Man stelle sich vor, man wird mit 13 Jahren aus seinem normalen Leben gerissen und muss in ein fremdes Land ziehen, in dem man die Sprache nicht spricht und niemanden kennt, außer den eigenen Vater, der aber wiederum den ganzen Tag arbeiten ist. So ist man größtenteils auf sich allein gestellt. Nun die Situation ist vielleicht kein Einzelfall, wird aber in Morris aus Amerika aufgegriffen.
Wir lernen zunächst Morris und seinen Vater beim Musik hören kennen. Schon hier merkt man, dass sie beiden eigentlich ein sehr kumpelhaftes Verhältnis haben und es Morris teilweise schwer fällt, seinen Vater als Respektperson ernst zu nehmen. Beide kommen ursprünglich aus Amerika, genauer gesagt aus New York. Jetzt wohnen sie in Heidelberg, Deutschland, weil sein Vater Curtis hier einen Job als Fußballtrainer angenommen hat. Morris Mutter ist erst vor kurzem verstorben und gerade Curtis hat den Tod noch nicht überwunden und fragt sich immer wieder, wie er ohne sie Morris groß ziehen soll. Morris spricht bisher nur gebrochenes Deutsch und besucht daher eine Deutschlehrerin, die ihn gleichzeitig ermuntert in den Sommerferien ein Jugendzentrum aufzusuchen und dort Freunde zu finden. Widerwillig geht Morris tatsächlich zu diesem Jugendzentrum. Doch dort trifft er nur auf Vorurteile. Die anderen Kinder hänseln ihn, weil er etwas dicker ist und nennen ihn abwertend „Big Mac“. Die einzige, die ein bisschen Interesse an ihm zu haben scheint ist die 15-jährige Katrin. Allerdings bringt sie Morris auch immer wieder in Schwierigkeiten.
Morris aus Amerika ist ein Film, der sich nicht so ganz sicher zu sein scheint, was er aussagen möchte. Zum einen nimmt er sich dem Thema Integration an und wie schwer es einem dabei gemacht werden kann. Gleichzeitig auch die Entfremdung der eigenen Kultur, wenn man auf eine neue trifft. Andererseits aber auch die Rebellion von Teenagern und der schwierigen Erziehung dieser. Da sich der Film nicht entscheiden kann, bezieht er alle Themen mit ein und sagt einfach gar nichts aus. Die 91 Minuten Laufzeit tröpfeln so vor sich hin, ohne das wirklich etwas passiert. Ständig wartet man darauf, dass wenigstens ein Thema genauer beleuchtet wird, doch nichts passiert. Stattdessen gibt der Film leere Phrasen wieder – wenn überhaupt mal ein richtiger Dialog geführt wird, was selbst schon relativ selten vorkommt – und versteckt sich hinter Vorurteilen.
Auch die Charaktere sind sehr eindimensional. Morris ist der dicke schwarze Junge aus Amerika. Deswegen mag er unweigerlich Rap und will natürlich Rapper werden. Weil seine Rap-Vorbilder natürlich nur über Nutten, Sex, Alkohol und Beleidigungen schreiben, können auch seine Texte nur davon handeln. Naiv lässt er sich von Katrin immer wieder in Schwierigkeiten bringen, obwohl er natürlich irgendwo weiß, dass sein Handeln falsch ist. Damit ist er aber auch noch der am besten charakterisierte Charakter des Films. Denn Katrin ist einfach nur diejenige, die komplett gegen ihre Eltern rebelliert, ohne das man weiß, wieso sie das tut, oder was ihre Eltern ihr getan haben. Deswegen raucht sie, nimmt Drogen, geht immer wieder heimlich auf Partys und hat natürlich einen Studenten als Freund, der sie auch schon zum Sex verführen will. Während dies alles in das Klitschee ihrer Rolle passt, hat sie doch irgendwo ein Interesse an Morris. Man weiß nicht wieso, denn es scheint über das allgemeine „Lass uns über Morris lustig machen, weil er dick ist“ hinaus zu gehen. Sie schleppt Morris mit auf Partys und will ihn zum Rauchen und zum Drogen nehmen verführen, scheint ihm damit aber nicht schaden zu wollen. Hier verliert sich der Film dann gänzlich und erzählt praktisch nichts mehr.
Curtis ist der typische frisch gebackene alleinerziehende Vater. Er ist mit der Erziehung überfordert, trauert noch immer und muss gleichzeitig versuchen den Lebensunterhalt für sich und Morris zu verdienen. Daher arbeitet er viel und lange und hat wenig Zeit für Morris. Trotzdem versucht er alles, um ein guter, aber auch ein cooler Vater zu sein.
So verliert Morris aus Amerika sich in Vorurteilen, nichtssagenden Dialogen und hat auch nach 91 Minuten noch keine Aussage getroffen. Das einzig wirklich positive am Film ist die wunderschöne Kulisse der Stadt Heidelberg (und ja ich bin voreingenommen, denn ich halte Heidelberg für die schönste Stadt Deutschlands!).

Ein Film, der sich besser aus ein Thema konzentrieren und seinen Charakteren sinnvolle Handlungen geben sollte. Für diese doch sehr schwache Leistung gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Mr. Robot

Nachdem Mr. Robot im letzten Jahr regelmäßig Nominierungen bei den Emmys, den Golden Globes und ähnlichem erhielt und dabei auch den ein oder anderen Preis abräumte, wagte ich mich endlich auch einmal an die Serie. Diese Kritik bezieht sich auf die erste Staffel.

Elliot Anderson arbeitet am Tag bei einem IT-Sicherheitsunternehmen, in der Nacht hackt er die Daten seiner Mitmenschen. Gleichzeitig leidet er unter Persönlichkeitsstörungen und Angstzuständen. Eines Tages erfährt er von dem ominösen Mr. Robot und der Hackergemeinde f-society. Er beschließt sich ihnen anzuschließen und gegen den Multikonzern E Corp vorzugehen und damit das globale Finanzsystem zum Einsturz zu bringen.

Mr. Robot befasst sich mit mehreren großen Themen und schnürt diese zu einem einzigen. Zum einen ist da die Verantwortung der Unternehmen. E Corp – von Elliot immer nur Evil Corp genannt – ist ein großer Multikonzern, der sich jedoch mehr um seine Finanzen als um seine Mitarbeiter kümmert. So kam es, dass Mitarbeiter Giftmüll ausgesetzt waren und dadurch an Leukämie erkrankten und starben. So auch Elliots Vater und die Mutter von Angela Moss, Elliots Kollegin und eine gute Freundin. Das zweite große Thema der Serie ist die Hackerszene. Die f-society um Mr. Robot, der Elliot beitritt, ist nur ein ganz kleines Licht. Im Laufe der Staffel haben sie aber immer wieder Kontakt zu anderen Hackergemeinschaften. Das dritte Thema ist Drogenkonsum und -vertrieb. Elliot selbst nimmt regelmäßig Morphium, versucht aber nicht abhängig zu werden. Seine Freundin Shayla ist seine Dealerin, steht aber im Abhängigkeitsverhältnis zu größeren Dealern. Beim vierten und letzten großes Thema geht es um Elliots Persönlichkeitsstörung und seinen Angstzuständen, mit denen er tagtäglich zu kämpfen hat. Woher rühren diese und wie kann er seinen Alltag mit Ihnen bewältigen? Durch diese vier großen Themen ist die Serie mehr als überfüllt. Sie springt wild hin und her, behandelt jedes Thema am Rand, aber nie gründlich.
Zeitgleich hat Mr. Robot sehr viele Figuren, die nur gelegentlich einmal auftreten oder die etwas häufiger auftreten, aber niemals richtig vorgestellt wurden. So wird selbst in der f-society auf Elliot, Mr Robot und Darlene der Fokus gelegt und die anderen Mitglieder immer mal wieder nebenbei erwähnt, wenn sie gerade einmal nützlich für die Serie wurden. Auch bei Allsafe Cybersecurity, der IT-Sicherheitsfirma, bei der Elliot arbeitet, werden einzelne Charaktere vorgestellt, teilweise charakterisiert und dann wieder abgelegt, weil sie nicht mehr wichtig genug sind. So lernt der Zuschauer im Laufe der Serie viel zu viele Charaktere kennen, um sie dann doch wieder zu vergessen. Hier wäre, wie auch schon bei den Handlungsthemen, weniger eindeutig mehr gewesen.
Aber wieso hat Mr. Robot dann so viele Nominierungen bekommen? Das liegt zum einen an der sehr guten Erzählstruktur, die einem durch das Wirrwarr der Handlung verhilft. So erzählt Elliot seine Gedanken, Weltanschauung und Beweggründe einem unsichtbaren Freund. Es wird immer als off-Stimme eingeblendet und dient so als Erzähler, um die teilweise doch verwirrenden Handlungen oder die technischen Begriffe besser nachvollziehbar zu machen. Gleichzeitig ist dies ein weiteres Indiz für Elliots Persönlichkeitsstörung, da er sich im Laufe der Staffel mehrfach fragt, wem er das denn alles erzählt, da sein Freund doch nur eingebildet ist.
Als zweiter Grund für die vielen Nominierungen ist zu sehen, dass die Serie trotz verworrener und überquellender Handlung immer noch einen großen Spannungsbogen schafft. Gebannt sieht man Folge für Folge, wie Elliot mit all seinen Problemen zu kämpfen hat und trotzdem irgendwie den Alltag meistert.
Ein weiterer großer Erfolgsfaktor ist Rami Malek, der Elliot Anderson spielt. Er schafft es perfekt den schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn bei Elliot zu verkörpern. Dabei spielt er ganz nuanciert und bezieht immer wieder mit ein, dass Elliot größtenteils unter Drogeneinfluss steht. So kann man sich stets in den Protagonisten hineinversetzen, auch wenn man seine Handlungen nicht immer nachvollziehen kann.

Alles in allem ist Mr. Robot eine Serie mit Stärken und Schwächen. Schon nach den ersten Folgen sollte für den Zuschauer feststehen, ob sie mit den Schwächen klar kommt, oder nicht. Mich persönlich hat die Serie nicht richtig abholen können, weswegen ich noch nicht sicher bin, ob ich mir auch die zweite Staffel ansehen werde.

Cinemathek: My first Lady

Willkommen in der Cinemathek, heute mit My first Lady. Der Film lief ursprünglich ab dem 15.09.2016 in den deutschen Kinos.

Der junge Barack Obama arbeitet während seines Studium zeitweise in einer Anwaltskanzlei. Dort lernt er die Rechtsanwältin Michelle Robinson kennen, die er versucht für sich zu gewinnen. Sie gibt sich aber zurückhaltend, lässt sich aber letztendlich doch auf ein Date ein.

Nachdem nun Donald Trump die Präsidentenwahl gewann, denken viele sehnsüchtig an die Regierungszeit Obamas zurück. Besonders beliebtes Motiv in den sozialen Netzwerken ist der Vergleich zwischen der Liebe von Barack und Michelle Obama und Donald und Melania Trump, bei denen letztere selten gut wegkommen. Im letzten Jahr, noch vor der US-Wahl wurde das Motiv der Liebe zwischen den Obamas auch für den Film My first Lady genutzt. Viele Kritiker spotteten, dass dies lediglich der Versuch sei das Image der Obamas noch einmal anzuheben, da sie keinen Einfluss auf die Geschichtsbücher mehr nehmen können. Doch nehmen wir erst einmal den Film genauer unter die Lupe.
Es ist das Jahr 1989. Michelle Robinson arbeitet in einer Anwaltskanzlei und muss trotz der modernen Zeit als Schwarze und als Frau mehr arbeiten als ihre männlichen weißen Kollegen, um akzeptiert zu werden. Während seines Studiums absolviert der junge Jurastudent Barack Obama ein Praktikum in genau dieser Kanzlei. Er wirbt um Michelle, die ihn jedoch zunächst gänzlich zurückweist. Schließlich überredet er sie doch auf ein “Nicht-Date” und versucht sie an diesem einen Tag von sich zu überzeugen. Doch Michelle hat Angst auf Arbeit noch weniger Ernst genommen zu werden, wenn sie eine Beziehung zu einem Kollegen anfängt.
My first Lady ist keine Ausschweifende Erzählung über die gesamte Liebesbeziehung der Obamas und erzählt auch keine Grundsteine auf ihrem Weg ins weiße Haus. Der Film widmet sich nur einem einzigen Tag. Dem Tag des erstes Dates von Barack Obama und Michelle Robinson, bzw des ersten “Nicht-Dates”. Sie besuchen Ausstellungen, Debatten und das Kino und während Barack immer wieder versucht im guten Licht zu stehen, um Michelle zu beeindrucken, versucht diese verzweifelt nicht beeindruckt zu sein. Herausgekommen ist ein Film, der einfach nur die Schönheit der Liebe an vorderster Stelle steht. Beim Sehen des Films vergisst man, dass es sich um das spätere Präsidentenpaar der USA handelt. Man vergisst, dass sich beide später einmal politisch engagieren und lässt sich einfach nur auf die wahre unverfälschte Liebe ein. Die Geschichte selbst hätte auch von zwei absolut fiktiven Personen handeln können. Das hätte dem Film vielleicht auch ganz gut getan, denn so geht man doch mit einem gewissen Grundgefühl an den Film.
Im Prinzip zeigt My first Lady eine ganz simple und aufregende Liebesgeschichte. Ohne große Dramatik, aber auch ohne großen Spannungsbogen – immerhin weiß man ja bereits, dass sich die Beiden am Ende finden und heiraten. Dafür mit so viel Herz und Magie schon in den einfachsten Sätzen. Viele Liebesfilme kommen ja immer mit großem Drama und vielen Tränen daher. Beides fehlt in My first Lady vollkommen und lässt ihn damit schön aus der Masse herausstechen.

Alles in allem ein schöner unaufgeregter Liebesfilm, der auch über jedes andere Pärchen hätte sein können. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Ostfriesisch für Anfänger

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Ostfriesisch für Anfänger. Der Film lief ursprünglich ab dem 27.10.2016 in den deutschen Kinos.

Uwe Hinrichs lebt in Ostfriesland und schnackt nur platt. Hoch verschuldet, wurde sein Haus zwangsversteigert und soll nun eine Integrationsstätte für Fachkräfte aus dem Ausland werden. Doch Uwe lebt heimlich weiter in seinem Haus, da er nicht weiß, wohin er sonst soll. Dort wird er eines Tages von den Fachkräften überrascht. Und soll ihnen von nun an Deutsch beibringen. Doch Uwe spricht nur platt und unterrichtet dann auch dies.

Die Flüchtlingskrise ist noch immer in aller Munde. Über die Gründe warum geflüchtet wird, muss man wahrscheinlich nicht einmal mehr sprechen, die Bilder aus den Nachrichten sind zu eindeutig. Doch damit befasst sich Ostfriesisch für Anfänger gar nicht. Hier geht es um eine Gruppe Ausländer, die sich bewusst in Deutschland beworben haben, um hier als Fachkräfte zu arbeiten. Und Deutschland braucht diese Fachkräfte und unterstützt sie daher in ihrem Vorhaben. Und genau darum geht es in diesem Film.
Die Stadt Niederhörn hat sich für das Integrationsprogramm von ausländischen Fachkräften beworben. Doch als diese ankommen, finden die Betreuer eine große Einöde vor und das Schulgebäude, in dem die Sprachkurse stattfinden sollen ist eine Bruchbude. Diese Bruchbude war bis vor kurzem noch das Haus von Uwe Hinrichs. Hier lebte er mit seiner Frau Elfriede, ehe diese vor ein paar Jahren verstarb. Weil die Werft, in der Uwe jahrelang arbeitete Pleite ging, konnte er seinen Kredit nicht rechtzeitig zahlen und so ist er nun an sich Obdachlos, da sein Haus zwangsversteigert wurde und somit der Gemeinde in die Hände fiel. Eigentlich ist er Rentner, arbeitet aber noch in einer Tankstelle. Da diese, die er als Franchisenehmer betreibt, auch kaum schwarze Zahlen schreibt, steht er mit seinem vorgesetzten Franchisegeber ebenfalls auf Kriegsfuß. In sein relativ trostloses Leben passt am allerwenigsten noch eine Horde Ausländer, die zwar allesamt englisch sprechen, was aber Uwe nicht spricht, die in seinem Haus leben. Als er dann auch noch zwangsverpflichtet wird, den Fachkräften Deutsch beizubringen, wird es ihm erst recht zu bunt. Kurzerhand bringt er den Fachkräften Plattdeutsch bei. Chaos ist hier vorprogrammiert.
Man sollte meinen, dass die deutsche Filmwelt nur Schema F kann bei Filmen. Denn auch hier wird 1:1 der typische Dramenaufbau nachgebaut. Grundsituation schaffen, Problem taucht auf, Problem wird eher schlecht als recht versucht zu lösen, Problem und Protagonist freunden sich an, der große Knall und das anschließende Scherben aufsammeln. Während es bei manchen Filmen mit frischen Ideen oder interessanten Problemen noch sehenswert ist, fehlt hier jeglicher Identifizierungspunkt. Irgendwo werden die Themen Heimatliebe und warum man sie verlassen würde angesprochen, aber auch nicht näher vertieft. Damit handelt der Film die Thematik und auch die Handlung sehr oberflächlich ab, verstrickt sich in nichtssagenden Dialogen und lässt den Zuschauer etwas gelangweilt im Kinosaal zurück. Lediglich Dieter Hallervorden als Uwe Hinrichs bringt überhaupt etwas Spaß auf die Leinwand. Seine unvergleichliche Art schafft es dem Film wenigstens etwas besonderes zu geben.
Aber was möchte Ostfriesisch für Anfänger denn eigentlich? Für eine Komödie ist der Film nicht lustig genug, für ein Drama hat er nicht genug Tiefe. Im Endeffekt bringt er den Ostfriesen noch einmal ein wenig Heimatgefühl mit. So viel Platt wurde wohl selten auf der großen Leinwand gesprochen. Es werden viele Vorurteile aufgegriffen, dann aber leider auch so stehen lassen. Letztendlich wurde wohl eher der Dialekt verteidigt. Und zwischendurch gab es schon ein paar ganz lustige Momente.

Alles in allem weiß Ostfriesisch für Anfänger nicht, was sie erzählen wollen, nicht welche Zielgruppe sie ansprechen wollen und auch nicht, was für ein Genre sie eigentlich sein wollen. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Café Society

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Café Society. Der Film lief ursprünglich ab dem 10.11.2016 in den deutschen Kinos.

In den 1930er Jahren versucht der junge Bobby zunächst in Hollywood und später in New York seinen Weg zu finden. Doch auf seinem Weg trifft ihn die Liebe.

Hollywood in den 1930er Jahren, das goldene Zeitalter. Filmpläne werden auf rauschenden Partys besprochen und es ist ein reines Sehen und Gesehen werden. Genau in diese Zeit entführt uns Woody Allen mit seinem neuen Film.
Bobby will nicht in das Geschäft seines Vaters einsteigen und verlässt daher New York und zieht nach Los Angeles. Auf Bitte seiner Mutter nimmt sein Onkel Phil ihn ein bisschen unter seine Fittiche. Phil führt eine erfolgreiche Casting-Agentur in Hollywood und hat wenig Zeit für Bobby. Dieser verliebt sich in Phils Sekretärin Vonnie, die ihm die Stadt zeigt. Nach anfänglichem Zögern erwidert sie seine Gefühle. Doch es gibt kein Happy-End für die beiden und nach einer Entscheidung Vonnies kehrt Bobby dem Leben in Los Angeles den Rücken zu und kehrt nach New York zurück. Dort eröffnet er mit Hilfe seines Bruders Ben, der viel Geld durch kriminelle Machenschaften verdiente, einen Club, der sehr schnell sehr bekannt wird. Doch Vonnie kann er nicht vergessen.
Café Society ist ein Film, der praktisch ohne große Aussage bleibt. Auch ist es schwierig eine Handlungszusammenfassung zu schreiben, weil der Film gemütlich vor sich hin plätschert und eher ein Gefühl als eine Handlung vermittelt. Grundsätzlich wird der Kontrast zwischen Los Angeles bzw. der schillernden Welt von Hollywood und New York und deren Gangsterszene dargestellt, obwohl beide Seiten gleichwertig und urteilsfrei dargestellt werden. Hollywood wird immer sonnig und in eher goldenen Farbtönen dargestellt. Hier werden viele Partys gefeiert, auf der sich alles was Rang und Namen in der Filmbranche hat, trifft. Es lockt das große Geld mit scheinbar wenig Aufwand. New York wird im starken Kontrast dazu eher grau dargestellt. Hier gibt es weniger Gartenpartys, hier leben eher die echten Arbeitstiere. Die Grundeinstellung ist hier: Wer sich anstrengt, kann es ganz nach oben schaffen. Unser Protagonist Bobby stolpert im Laufe des Films in beide Leben einmal hinein. Während sein Onkel Phil in Hollywood voll und ganz aufgeblüht ist, findet er seinen Weg eher in New York.
So plätschert die Handlung vor sich hin, beschäftigt sich mit Phil und seinen Geschäften in Los Angeles, beschäftigt sich mit Ben, Bobbys Bruder, und seine kriminellen Machenschaften in New York und vor allem mit unserem Protagonisten Bobby und seiner großen Liebe Vonnie, zeigt uns von allen Seiten das Leben zu der Zeit. Der Film möchte auch gar nichts groß aussagen. Er möchte einfach nur einen Querschnitt durch die Zeit machen. Und mit seiner gemütlichen Art und dem Witz an angebrachten Stellen schafft er es auch den Zuschauer irgendwo abzuholen und 96 Minuten zu unterhalten. Ein Film für Kinogänger, die einmal wenig Action und trotzdem nicht viel nachdenken wollen, sondern sich einfach nur an eine ganz andere Zeit zurückdenken wollen.
Mit einem guten Cast u.a. mit Steve Carell und Jesse Eisenberg lässt sich der Film gut angucken. Lediglich Kristen Stewart sticht einmal mehr negativ hervor, da ein Gesichtsausdruck auch für diesen Film nicht ausreicht.

Alles in allem ein sehr ruhiger Film, der lediglich von der Zielgruppe der ruhesuchenden Kinogänger angesehen werden sollte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Passengers

Am 05.01.2017 erschien ein neuer Science Fiction Film in den deutschen Kinos.

Die Avalon ist auf einer 120 Jahre dauernden Reise zu einer neuen Kolonie der Erde. An Bord 500 Passagiere, die ein neues Leben beginnen wollen. Doch nach 30 Jahren kommt es zu einem Zwischenfall, in dessen Folge der Passagier Jim Preston aufwacht, und sich nun ganz alleine zurechtfinden muss. Später erwacht auch Aurora Lane viel zu früh. Beide versuchen nun die Ursache und eine Lösung zu finden.

Der Traum andere Planeten zu besiedeln dürfte bei einigen Menschen groß sein. So wäre dann auch die Entscheidung sich vom Leben auf der Erde abzuwenden und ein neues auf einem weit entfernten neuen Planeten zu beginnen, für diese Menschen sehr einfach. Doch was ist, wenn die Reise zu diesem Planeten 120 Jahre dauert? Wenn man weiß, dass man durch besondere Schlafkammern die Reise zwar mit gleichem Alter überlebt, man nach dem Erwachen aber alle geliebten Menschen spätestens an Altersschwäche verloren hätte? Der Film Passengers befasst sich nicht direkt mit den 5000 Menschen an Bord der Avalon, die genau diese Entscheidung gewählt haben. Aber dafür mit denen, deren Traum platze, da sie nicht einmal auf der Hälfte der Strecke aufwachten.
Jim Preston hat sich für den Schritt entschieden sein alten Leben hinter sích zu lassen und 120 Jahre später ein neues auf einem fremden Planeten zu beginnen. Doch nach 30 Jahren der Reise kommt es zu einem technischen Defekt und er erwacht, 90 Jahre zu früh. Nach einer anfänglichen Desorientierung, fällt ihm schnell auf, dass abgesehen von ihm keiner wach ist. In seiner Verzweiflung versucht er die Besatzung wach zu kriegen, die Tür zu deren Schlafkammern ist aber nicht aufbrechbar. Als einzigen Ansprechpartner hat er Arthur, ein Androide, der als Barkeeper angestellt ist. In den ersten Wochen erkundet Preston noch nach und nach das Schiff und findet gerade im Bereich der ersten Klasse viele Annehmlichkeiten. Doch die Monate vergehen und die Einsamkeit und die Gewissheit, dass er alleine auf diesem Schiff sterben wird, setzen ihm immer mehr zu. Bis eines Tages die Schönheit Aurora Lane ebenfalls erwacht und er eine Gefährtin in seinem Leiden bekommt. Doch mit dem Schiff stimmt etwas nicht, es kommt immer wieder zu technischen Störungen und Ausfällen.
Passengers befasst sich mit dem Thema, wie man mit der Aussicht auf den sicheren Tod in Einsamkeit umgeht. An Bord der Avalon gibt es keine Hilfe, der Notruf zur Zentrale auf der Erde braucht 55 Jahre, ehe mit einer Antwort gerechnet werden kann. Der einzige Ansprechpartner ist ein Androide ohne Gefühle. Man gab sein ganzes Leben für einen Traum auf und nun ist dieser geplatzt. Wie sieht nun der Alltag aus? Fällt man in Depression oder würde man den unvermeidlichen Tod um Jahre vorziehen? Das erste Drittel des Films befasst sich mit genau dieser Frage. Dann ändert sich die Stimmung des Films, nachdem auch Aurora Lane erwachte und beide nun in ihrer Verzweiflung vereint sind. Ab hier wirkt der Film eher wie ein Liebesfilm und die Grundthematik gerät ein wenig sehr in den Hintergrund. Erst gegen Ende ändert sich die Stimmung des Films wieder, nachdem die Fehlermeldungen der Avalon überhand nehmen. Hier entdeckt man die meisten Szenen, die im Trailer verwendet wurden. Das der Trailer daher wieder einmal falsche Erwartungen an den Film schürten, ist damit wohl nicht weiter erwähnenswert. Wenn man sich dafür entscheidet Passengers zu sehen, dann sollte man lieber mit einem Liebesdrama als mit einem spannenden Science Fiction Abenteuer rechnen. Aber wenn man sich auf die Stimmung des Films einlässt, dann kann der Film sehr gut unterhalten und macht Spaß beim Sehen.
Das liegt vorallem daran, dass Chris Pratt als Jim Preston und Jennifer Lawrence als Aurora Lane im miteinander sehr gut harmonieren und ihre Rollen überzeugend darstellen. Michael Sheen als Androide Arthur sorgt für die nötigen Lacher, um die Stimmung etwas aufzuhellen. Lediglich der Auftritt von Laurence Fishbourne ist ziemlich überflüssig und hätte ohne namenhaften Schauspieler gelöst werden können bzw. die Rolle hätte komplett weggelassen werden können.
Trotz großer Liebesgeschichte, die mit seinem Drama den Großteil des Films einnimmt, ist der Film spannend, auch wenn er bis zum Abspann vorhersehbar bleibt. Lediglich mit einer Wendung rechnete man nicht von Anfang an, aber Passengers sieht eher den Weg als das Ziel an.
Die einzige große Enttäuschung des Films ist, dass man aus der Grundthematik etwas wesentlich interessanteres und philosophischeres hätte erschaffen können, statt einer normalen Liebesgeschichte. Beispielsweise hätte man sich mit den Gründen und Gedanken von 5000 Menschen befassen können, die ihr Leben aufgegeben haben für diese Reise. Dies hätte sogar gut in den vorhandenen Film eingebaut werden können.

Alles in allem gerät die Ausgangsthematik durch die Liebesgeschichte ziemlich schnell in den Hintergrund, aber mit der anderen Stimmung schafft Passengers es trotzdem einen sehenswerten Film zu kreieren. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Assassin’s Creed

Am 27.12.2016 erschien eine neue Videospielverfilmung in den deutschen Kinos.

Callum Lynch ist des Mordes für Schuldig befunden und wird mit der Todesspritze hingerichtet. Doch anstatt zu sterben, wird er in eine geheime Forschungseinrichtung gebracht, denn er ist ein direkter Nachfahre des Assassinen Aguilar de Nerha. Mit Hilfe einer neuen Technologie, dem sogenannten Animus, kann Cal in die Erinnerungen seines Vorfahren eintauchen. Dadurch soll er der Organisation den Aufenthaltsort des sagenumwobenen Edenapfels zeigen.

Spieleverfilmungen haben es nicht leicht, denn die Gamer hängen an ihren Spielen und sehen es nicht gerne, wenn sie „missbraucht“ werden. So scheiterte bisher eine Spieleverfilmung nach der nächsten, da sie es nicht schafften sowohl Handlung als auch Actionelemente richtig zusammen zu basteln. Filme, wie Silent Hill oder Resident Evil waren da noch etwas erfolgreicher, hatten aber nicht mehr viel mit den ursprünglichen Spielen zu tun. Nun hat sich Ubisoft an der Verfilmung ihrer beliebten Spielereihe Assassin’s Creed versucht.
Der Film lässt den Zuschauer direkt in eine alte vergessene Welt eintauchen, nach Spanien zur Zeit der Inquisition. Dort lernen wir das Kredo der Assassinen (Assassin’s Creed) kennen, die gerade beraten, wie sie den Edenapfel am besten beschützen können. Dann gibt es einen Zeitsprung in die 1980er Jahre und wir lernen Cal Lynch als Junge kennen, der gerade miterleben musste, wie sein Vater seine Mutter ermordet hat. Dort bekommt man schon den ersten Hinweis auf Cals Blutlinie. Es folgt ein weiterer Zeitsprung in das Jahr 2016, in den Todestrakt eines Gefängnisses. Dort lernen wir Callum Lynch als erwachsenen Mann kennen, der kurz vor der Todesstrafe steht und Besuch von einem Pater bekommt. Kurz darauf bekommt er die Todesspritze, erwacht aber doch wieder. Dr. Sophia Rikkin erklärt ihm, dass er hingerichtet wurde und daher für die Welt außerhalb ihrer Institution nicht mehr existent ist. Während Lynch noch versucht die ganzen Informationen zu verdauen, wird er an den Animus angeschlossen, eine Maschine, die ihn mit den Erinnerungen seines Vorfahren Aguilar de Nerha verbindet. Dieser hat im Spanien des 15. Jahrhunderts zusammen mit dem Kredo der Assassinen den sagenumwobenen Edenapfel vor der Kirche versteckt. Nun will Rikkin zusammen mit ihrem Vater Alan Rikkin, beide Mitglieder eines Templerordens, den Aufenthaltsort durch Lynch herausfinden. Doch nicht nur im Animus muss sich Lynch allerhand Gefahren stellen, denn in der Einrichtung selbst befinden sich andere Nachfahren, die das Geheimnis um den Edenapfel um jeden Preis beschützen wollen.
Assassin’s Creed versucht die Fehler früherer Spieleverfilmungen zu umschiffen und schreibt eine umfangreiche Handlung und baut lange Actionsequenzen und Verfolgungsjagden im Animus mit ein, leider machen sie dabei ihre eigenen Fehler. Denn die Handlung selbst spielt praktisch nur in der Gegenwart in der Forschungseinrichtung und die Action findet beinahe ausschließlich in der Vergangenheit statt. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht, weil die Handlung immer wieder für die Actionsequenzen unterbrochen wird und nicht stringent erzählt wird. Auch ist die Handlung durch viele Charaktere, die nicht richtig vorgestellt werden, mitunter chaotisch und unübersichtlich. Es bleibt lange Zeit unbegreiflich, welche Charaktere nun genau welche Ziele verfolgen und warum sie handeln, wie sie handeln. Das ganze kann auch nicht als stilistisches Mittel gewertet werden, denn das Wissen, um die Charaktere stellt einen Grundpfeiler des Verstehens der Handlung dar. Auch widerspricht diese strikte Trennung dem Spielprinzip von Assassin’s Creed, in der es grundsätzlich immer eine Rahmenhandlung außerhalb des Animus gab, aber die meiste Zeit im Animus stattfand. So fehlt im Film einfach das richtige Feeling.
Was man Assassin’s Creed lassen muss, ist die Optik. Denn gerade die Szenen in der Vergangenheit im Spanien des 15. Jahrhunderts sind ein Augenschmaus auf der Leinwand und heben sich vom Alltagsbrei ab. Auch die Kämpfe im Animus sind sehr gut choreographiert. Auf den langen Verfolgungsjagden über die Dächer der Stadt bleibt die Kamera fast durchgehend an den Darstellern und baut nur wenige Schnitts ein, was ein sehr hohes Niveau widerspiegelt.  So ist zumindest für das Auge etwas positives im Film zu finden.

Alles in allem kann Assassin’s Creed Nicht-Kenner der Spiele maximal optisch noch begeistern, Kenner der Spiele dürften auch davon nicht zu überzeugen sein. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.