Ein Vorwort
Die Cinemathek ist ein Format, in dem kleinere Filme, die es vorher nicht ins Kinoprogramm geschafft haben, an einem Abend nachgeholt werden. Heute mit: One Life
Nachdem wir uns am Freitag in Zwei zu Eins mit dem Ende der DDR befasst haben, müssen wir jetzt leider noch einmal in ein weitaus düsteres Kapitel der Geschichte eintauchen. One Life befasst sich mit dem Thema Kinderdeportation aus der Tschechoslowakei vor Hitlers Einmarsch nach England. Und eine zentrale Figur in dem Unterfangen. Warum ich den Film jeden ans Herz lege, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung
Nicholas „Nicky“ Winton ist Börsenmarkler und reist 1938 nach Prag, um Geflüchteten Familien zu helfen, die vor Hitlers Mobilmachung flohen. Dabei ist er bestürzt über die Zustände und versucht alles, um zumindest die Kinder nach Großbritannien zu evakuieren. Dabei steht ihm vor allem die Bürokratie im Weg. Fünfzig Jahre später räumt Nicky sein Büro auf und findet das Album über die evakuierten Kinder. Er begibt sich auf die Suche nach einer Zeitung, die darüber berichten will.
Meine Meinung
In Zeiten, in denen rechte Parteien wieder stark gewählt werden, ist es gut, dass der düstere Teil der deutschen Geschichte noch einmal filmisch aufgearbeitet wird, damit nichts davon in Vergessenheit gerät. Mit One Life wird nochmal ein neues Kapitel beleuchtet, das sonst meist unterschlagen wird.
Aber fangen wir am Anfang an. Zunächst lernen wir Nicky Winton in den 1980er Jahren kennen. Ein älterer Mann, der seine Frau damit in den Wahnsinn treibt, dass er ständig neue Sachen anschleppt, die er wohltätigen Organisation spenden kann. Nur, dass er sie nicht so schnell los wird und daher die Wohnung langsam voll ist. Also soll er ausmisten. Dabei fällt ihm die Mappe mit all den Erinnerungen an die Kinder-Evakuierungen in die Hand. Wir reisen also mit ihm in die Vergangenheit und treffen sein jüngeres Ich 1938 auf dem Weg nach Prag. Hitler ist zuvor ins Sudetenland einmarschiert und die Flüchtlinge sind in Lagern unter unhygienischsten Bedingungen untergebracht. Die Möglichkeiten etwas dagegen zu tun, sind begrenzt. Die wenigen Freiwilligen sind überlastet und Nickys Vorschlag zumindest die Kinder nach Großbritannien zu evakuieren, scheint ein Ding der Unmöglichkeit.
Im Laufe des Films wird zwischen beiden Perspektiven gewechselt, wodurch deutlich wird, wie sehr Nicky auch viele Jahre später noch leidet. Denn er konnte nicht alle retten. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit und letztlich gegen die Bürokratie. Denn das ist ein Aspekt, der im Film deutlich gezeigt wurde. Auch, wenn er sich über die Zeit immer mehr Unterstützende gesucht hat und auch mit Spenden ausgeholfen wurde, so musste er doch die britische Bürokratie einhalten. Und die sah nicht vor, ihm entgegenzukommen. Und auch, wenn es so viele Erfolge gab, sind es doch die Fehlschläge, die dem Film diesen bitteren Beigeschmack geben und gerade am Ende zu Tränen zu rühren vermag.
Dennoch schaffen er und sein Team es unheimlich viele Kinder zu retten. Das ist wohl auch die große Botschaft des Films: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und Menschlichkeit in unmenschlichsten Zeiten kann Leben retten.
Das Fazit
One Life ist ein stark erzählter Film mit pointierter Botschaft, der neben dem emotionalen Part auch viele Fakten zu vermitteln weiß. Und die Menschlichkeit in den Vordergrund stellt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.
One Life lief ursprünglich ab dem 28.03.2024 in den deutschen Kinos
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