Netflix Originals: To all the boys

Ein Vorwort

2018 erschien der erste Teil „To all the boys I loved before“ und ich habe ihn damals direkt gesehen und für gut befunden. Danach ist es irgendwie völlig an mir vorbei gegangen, dass ein zweiter Teil erschien. Erst als Netflix mich nun darauf aufmerksam gemacht hat, dass nun der dritte Teil erschienen ist, ist mir das aufgefallen. Und so sah ich noch einmal den ersten Teil, um dann voll in die anderen beiden einzusteigen. Warum mir die Reihe insgesamt gefällt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

To all the boys I loved before

Die Handlung: Lara-Jean lebt nach dem Tod ihrer Mutter zusammen mit ihrem Vater und ihren beiden Schwestern. In ihrem Leben war sie bisher fünfmal verliebt. Jedes Mal wenn sie in der schlimmen Verknalltphase war, hat sie dem Jungen einen Liebesbrief geschrieben, aber nie abgeschickt. Bis dies eines Tages jemand anderes für sie übernimmt und ihr sonst so geordnetes Leben ordentlich aus der Bahn wirft.

Meine Meinung: Über diesen Teil habe ich bereits einmal ausführlich geschrieben, also werde ich mich hier eher kurz fassen. Im Prinzip handelt es sich um ein typisches Teeniedrama. Allerdings sind die Charaktere so sympathisch und der ganze Film hat einfach eine ganz eigene Dynamik, die mir sehr gefallen hat, weswegen es für mich einer der Vorzeigevertreter des Genres ist. Klar wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber dennoch etwas besonderes draus gemacht. Ich glaube jetzt nach dem zweiten Mal sehen, fand ich den Film sogar nochmal ein bisschen besser.

To all the boys – PS: I still love you

Die Handlung: Endlich glücklich! Lara-Jean und Peter haben endlich zusammen gefunden. Doch als die Highschool ein Freiwilligenprogramm startet und die beiden sich für unterschiedliche Projekte einteilten, wird es kompliziert. Denn zusammen mit Lara-Jean im Belleview – einem Seniorenheim – arbeitet ausgerechnet John Ambrose. Eben jener, der den fünften Brief erhalten hat und sich jetzt durchaus Chancen ausrechnet. Wird das die Beziehung der beiden überstehen?

Meine Meinung: Ich war ja sehr skeptisch, ob es noch einen zweiten – und dann auch noch einen dritten Teil – der Reihe braucht. Denn eigentlich ist das Ende vom ersten Film rund. Dann habe ich die Handlung gelesen und fragte mich, ob es nicht einfach zu viel künstliches Drama dann wird. Aber ich muss sagen, dass die Macher das sehr gut umschifft haben. Denn sie verarbeiten gleich zwei Themen in einem. Zum einen natürlich Lara-Jeans Konflikt mit John Ambrose, der gerade in der zweiten Hälfte den Großteil einnimmt. Doch gerade am Anfang geht es vielmehr im die Beziehung von Lara-Jean und Peter, und wieso es noch immer kompliziert ist. Peter ist halt sehr beliebt und wird gerade am Valtinstag mit Briefen überschüttet. Lara-Jean hat Angst nicht richtig reinzupassen in seine Welt, was verständlich und nicht übertrieben dargestellt wird. Das ganze wird dann noch in Zusammenhang gebracht mit Peters Ex Gen, die weiterhin eine Rolle spielt. Grundsätzlich ist also sehr viel los in dem Film, was ihn aber auch wieder sehr abwechslungsreich macht. Es bleibt die sehr sympathische Grundstimmung des ersten Teils und die Geschichte wird logisch weiterentwickelt. Ich habe eigentlich nur zwei kleine Kritikpunkte. Zum einen gibt es doch ein paar Stellen, die sehr gezwungen dramatisch werden, einfach weil noch etwas Drama reinmusste. Zum anderen wurde mit Holland Taylor als Stormy ein sehr toller und spannender Charakter eingeführt. Leider bekommt Stormy sehr wenig Screentime. Hier hätte ich mir einfach ein bisschen mehr gewünscht, als nur ab und an als Stichwortgeberin aufzutauchen.

To all the boys – Always and forever

Die Handlung: Im letzten Highschooljahr wird es noch einmal aufregen bei Lara-Jean und Peter. Der Abschlussball und die Hochzeit von Lara-Jeans Dad steht bevor. Doch viel wichtiger ist die Frage, ob beide in Stanford angenommen werden. Denn Lara-Jean hat sich  auch noch an anderen Colleges beworben, unter anderem auf Drängen ihrer älteren Schwester in New York.

Meine Meinung: Der dritte Teil hatte das Problem und den Vorteil, dass er noch einmal eine ganz neue Richtung einschlug. Problem, weil eben schon alle Briefe abgearbeitet waren und es nur noch um Lara-Jean und Peter ging und ob ihre Beziehung eine eventuelle Fernbeziehung aushalten würde. Vorteil, weil dadurch kein neues künstliches Drama erzeugt wird, sondern gewisse Punkte in Ruhe abgehandelt werden können. An sich schafft der dritte Teil es auch einen tollen Abschluss zu sein, allerdings ist er etwas holpriger erzählt als die vorherigen Teile. Denn hier gibt es ganz bewusst die erzählerischen Unterteilungen in Abschnitte, wie Abschlussball, die Hochzeit oder auch eine Schulfahrt nach New York. So wird zwar allen wichtigen Abschnitten genügend Platz eingeräumt, gleichzeitig ist aber gerade die Collegefrage stets übergeordnet. Letztlich wird aber die ganze Reihe zu einem schönen Ende gebracht. Auch hier ist einfach die sympathische Grundstimmung wieder zu fühlen, die sich durch alle drei Filme zieht.

Das Fazit

To all the boys I loved before ist eine sehr sympathische Filmreihe aus dem Genre Romance. Gerade die tollen Charaktere und die sympathische Grundstimmung macht die Reihe zu einem tollen Genrevertreter. Zwar wird hier handlungstechnisch das Rad nicht neu erfunden, aber auf eine gute Weise umgesetzt. Auf jeden Fall eine Sehempfehlung, mindestens für den ersten Teil und wer den mochte, sollte auch weiterschauen.

To all the boys I loved before ist bei Netflix verfügbar

Disney+ Original: Soul

Ein Vorwort

Willkommen im zweiten Lockdown mit weiterhin geschlossenen Kinos. Disney hat jedoch im letzten Jahr seinen Streamingdienst veröffentlicht und haut da einfach seine gestrichenen Kinofilme raus. Nachdem Mulan für drei Monate nur mit VIP-Zugang möglich war und nun im Standardabo enthalten ist, hat Disney gelernt und hat Soul gleich ohne VIP Zugang verfügbar gemacht. Wie ich den neusten Pixarfilm finde, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Joe Gardner ist eigentlich leidenschaftlicher Jazzpianist, versauert aber in einem Lehrerjob. Bis er eine einmalige Chance bekommt – und kurz darauf einen schweren Unfall hat. Seine Seele ist bereits auf dem Weg ins Jenseits, doch Joe will das nicht akzeptieren und landet im Davorseins. Hier sammeln sich alle Seelen zur Vorbereitung auf die Erde. Joe sieht seine Chance in seinen Körper zurückzukommen und landet im Mentorenprogramm für neue Seelen. Doch Seele 22 hat keine Ambition auf die Erde zu kommen.

Meine Meinung

Wenn ein neuer Pixarfilm rauskommt, bin ich meistens etwas zwiegespalten. Wird es ein neuer Alles steht Kopf/Coco/Findet Nemo Film – also einen den ich richtig gerne mag – oder eher Cars/Merida/Die Unglaublichen – also einen, mit dem ich einfach nichts anfangen kann. Auf dem ersten Blick hat Soul bereits Ähnlichkeiten mit Alles steht Kopf und tatsächlich bleiben die Ähnlichkeiten auch erhalten.
Während Alles steht Kopf sich vorgenommen hat, das Innere der Menschen mit Gedanken und Gefühlen und Erinnerungen irgendwie kindergerecht vorstellbar zu machen, versucht Soul nun das namensgebende Konstrukt der Seele umzusetzen. Und zumindest optisch haut das schon einmal hin. Auch ist die ganze Grundidee wirklich gut durchdacht und gerade die ganzen Kleinigkeiten sind wieder unfassbar gut ausgearbeitet. Es werden die Fragen gestellt, was Begabungen sind, wofür man sich begeistert und wann eine Seele bereit für einen Körper ist. Das Ganze wird wieder umrahmt von einer Geschichte. Und letztlich ist es die Geschichte, die den Unterschied macht. Denn während Alles steht Kopf einfach durchgehend eine durchdachte Geschichte hat und durch immer wieder witzige Einschübe. Soul hat zwar auch eine durchdachte Geschichte, aber die wirkt an einigen Stellen einfach ein bisschen gestreckt. Letztlich waren die Ideen wohl ein bisschen zu wenig für die 100 Minuten Laufzeit. Gerade die Witze kommen die meiste Zeit etwas zu kurz.
Versteht mich nicht falsch, ich habe schon immer mal wieder gelacht. Aber es waren eher vereinzelte Momente, als dass ich wirklich sagen würde, der Film sei witzig.
Grundsätzlich waren Joe Gardner und Seele 22 auch interessante Charaktere und ihre Gegensätze guter Nährstoff für den Film. Aber irgendwo hat mich die Geschichte nicht final abgeholt und ich kann einfach nicht sagen, woran es lag. Vielleicht sind meine Erwartungen zu hoch gewesen, als ich die Ähnlichkeit zu Alles steht Kopf bemerkt habe. Ich weiß es einfach nicht. Denn objektiv ist der Film durchaus gut.

Das Fazit

Soul ist ein Film, der mit seiner Idee und vielen Teilen seiner Umsetzung vieles richtig macht. Lediglich einige Witze kommen zu kurz, der Film hat gerade am Anfang ein paar Längen und leider holt mich der Film nicht final ab. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Soul ist seit dem 25.12.2020 auf Disney+ verfügbar

Dreierlei Weihnachten

Ihr Lieben, ich wünsche euch ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest, auch wenn es dieses Jahr wohl für viele anders ausfällt, als erhofft. Wie jedes Jahr möchte ich euch zu Weihnachten drei Kurzkritiken vorstellen, alle zum Thema Weihnachten.

Der Weihnachtosaurus

Die Handlung: William Trudel wünscht sich nichts mehr als einen echten Dinosaurier vom Weihnachtsmann. Und wie es der Zufall so will schlüpft genau zur Weihnachtszeit am Nordpol ein Dino. Der Weihnachtsmann nimmt diesen bei sich auf und gibt ihm den Namen Weihnachtosaurus. Doch am Weihnachtsabend kommt alles ganz anders und William und der Weihnachtosaurus erleben ein gemeinsames Abenteuer.

Meine Meinung: Der Weihnachtosaurus ist ganz klar ein Buch, das für Kinder konzipiert wurde. Der Schreibstil ist sehr einfach und auch die Geschichte selbst ist grundsätzlich sehr simpel gehalten. Aber dennoch ist es ein großer Spaß für groß und klein. Die Geschichte ist einfach wahnsinnig süß und vor allem für mich als Dinofan war der Weihnachtosaurus etwas ganz besonderes. Auch wenn die meisten Charaktere am Anfang in ein ganz klares Schema gepresst werden, sind doch Entwicklungen möglich. In welche Richtung diese abtriften, ist für den erfahrenen Leser wohl vorhersehbar, bietet aber gerade für Kinder eine schöne Moral. Schön ist auch, dass William im Rollstuhl sitzt, dies aber als relativ normal dargestellt wird. Das Buch hat darüber hinaus auch eine gute Portion Humor zu bieten und ist an den richtigen Stellen auch spannend. Ich konnte es zwischenzeitlich kaum aus den Händen legen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Zu guter Letzt möchte ich noch die unfassbar süßen Illustrationen erwähnen, die sich durch das ganze Buch ziehen. Dadurch werden Charaktere, Figuren und Geschichte noch einmal wesentlich lebendiger, es ist aber dennoch ein Roman und kein Bilderbuch.

Der Bär und die Nachtigall

Die Handlung: Im hohen Norden von Rus werden die alten Sagen noch hochgehalten. Bis sich Gutsherr Pjotr Wladimirowitsch eine neue Frau nimmt, die den christlichen Glauben ver-stärkend unterstützt. Vor allem Pjotrs jüngste Tochter Wasja leidet darunter, denn sie kann die alten Hausgeister und Sagengestalten sehen und weiß, dass sie nicht nur Märchen sind. Doch die Kräfte der Geister schwinden und der Bär ist erwacht. Reichen Wasjas Kräfte aus, um die Hoffnung zu erhalten?

Meine Meinung: Der Bär und die Nachtigall ist so ein Buch, über das ich im Buchladen durch Zufall gestolpert bin. Die Geschichte klang interessant, also musste es mit. Aber dann landete es auf meinem SuB und verweilte dort auch eine ganze Weile. Ich schlich immer wieder um die Geschichte herum und nahm sie doch nicht in die Hand. Und auch wenn es eher eine Wintergeschichte ist als eine wirkliche Weihnachtsgeschichte, passte sie doch wunderbar in die jetzige Zeit. Tatsächlich bin ich auch jetzt am Ende noch immer ein wenig zwiegespalten. Ich mochte die Geschichte und gerade die Einbindung der russischen Sagen war wirklich toll gemacht. Auch die Charaktere waren, wenn auch nicht immer sympathisch, so doch immer passend für die Geschichte. Aber letztlich wurde mir als nicht Kenner der russischen Märchen und Sagen ein bisschen zu wenig erklärt. Das war etwas störend. Und für den doch sehr langen Aufbau war mir das Ende etwas zu schnell. Da war die Erwartung und Spannung, die im gesamten Buch aufgebaut wurde höher, als es am Ende gelöst wurde. Dennoch bin ich sehr gespannt auf den zweiten Band, wie diese Geschichte weitergehen soll.

Holidate

Die Handlung: Sloane (Emma Roberts) findet die Weihnachtsfeiertage bei ihrer Familie einfach nur gräßlich. Denn seit sie Single ist, bekommt sie von allen nur Mitleid und Verkupplungs-vorschläge. Auch Jackson (Luke Bracey) hat die Nase voll von Dates zur Weihnachtszeit. Als die beiden in der Mall aufeinander treffen, handeln sie eine Vereinbarung aus. Sie sind ab sofort das Holidate für den jeweils anderen. Das bedeutet, dass sie nur an den Feiertagen daten – und davon gibt es eine ganze Menge – aber ansonsten keinen Kontakt haben.

Meine Meinung: Ich habe dieses Jahr irgendwie mehr Weihnachtsserien als -filme gesehen. Aber zumindest einen wollte ich gesehen haben, um ihn euch hier vorzustellen. Und mit der romantischen Komödie Holidate habe ich mir zwar nicht den absolut tiefgründigsten Film vorgestellt, aber zumindest einen, der mich unterhält. Nun ja, unterhalten hat er mich zwar, aber wohl eher nicht auf eine gute Art. Denn trotz eines starken Anfangs und interessanten Charakteren, macht der Film erstaunlich wenig aus seinen Charakteren und hat dafür extrem viel Fremdschämpotential. Gefühlt ist jeder Witz einfach ein bisschen zu sehr gewollt und übertrieben. Ansonsten hält er sich an den typischen Aufbau einer romantischen Komödie, was grundsätzlich nicht schlimm ist, aber der Film sagt dauernd, dass sich in romantischen Komödien alle komplett blöd verhalten und das sie ja viel besser wären. Nein, ihr seid noch viel schlimmer! Letztlich hat der Film zwar interessante Charaktere, man erfährt aber eigentlich nichts über sie, wirft mit platten Witzen um sich, treibt diese auf die Spitze und bringt einen dazu sich für den Film zu schämen und das mit einer absolut vorhersehbaren Handlung. Das nächste Mal ein bisschen weniger über andere romantische Komödien herziehen und erstmal selbst etwas anständiges abliefern bitte. So und weil ich diesen Beitrag mit etwas positivem abschließen möchte, so sei gesagt, dass wenigstens die Feiertage gut getroffen wurden.

Ich wünsche euch alle schöne Weihnachten und hoffe, dass ihr trotz der aktuellen Lage ein paar besinnliche Tage verbringt 🙂

Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 11

Die letzte Ausgabe aus dieser Kategorie ist schon wieder relativ lange her. Aber ich habe tatsächlich auch wenig Kinofilme nachgeholt und stattdessen mehr Originals oder andere Filme gesehen. Dennoch habe ich wieder ein paar zusammengesammelt und kann sie euch nun voller Stolz in Form einer Handvoll Kurzkritiken präsentieren.

Onward – keine halben Sachen

Die Handlung: In einer Welt voller Fantasywesen wird die Magie immer schwächer. An Ians  Geburtstag bekommt er jedoch zusammen mit seinem Bruder Barley den Zauberstab des verstorbenen Vaters geschenkt. Mit dem sollen sie ihren Vater für 24 Stunden zurück ins Leben holen können. Doch der Zauber misslingt und ihr Vater ist nur zur Hälfte wieder da Zusammen müssen sich die zwei sehr unterschiedlichen Brüder auf eine abenteuerliche Reise begeben.

Meine Meinung: Pixar schafft es ja meist einzigartige Charaktere zu erschaffen, mit tollen Handlungen und vielen durchdachten Einzelheiten. Als der Trailer zu Onward herauskam war ich mir bereits klar, dass ich für diesen Film nicht die Zielgruppe war. Dabei fand ich das grundlegende Thema durchaus spannend. Im Prinzip verfolgt das Abenteuer der zwei Brüder nämlich die grundlegende Idee von Pen and Paper Rollenspielen, wie Dungeons and Dragons. Gepaart mit einer fantastischen Welt und allerlei Fabelwesen war das eigentlich total mein Thema. Aber Pixar versucht das diesmal einfach zu gewollt witzig zu machen. Allerhand Slapstick mit dem halben Dad ist vorprogrammiert und auch einige Fabelwesen, die sie treffen, sind zu gewollt ins Lächerliche gezogen. Das konnte mich nicht abholen. Gerade gegen Ende versuchen sie dann doch noch etwas an Tiefe zu gewinnen, aber da war ich schon zu weit von den Charakteren entfernt. Das liegt wohl vor allem daran, dass mich Barley als Charakter unfassbar genervt hat. Mit Ian hatte ich fast Mitleid, aus ihm hätte man noch einiges machen können. Auch die spannenden Elemente konnten mich diesmal nicht mitreißen. Schade.

Stuber – 5 Sterne Undercover

Die Handlung: Vic Manning (Dave Bautista) bekommt eine Augenoperation und kann daher einen Tag lang ganz schlecht sehen. Genau an diesem Tag bekommt er einen entscheidenden Hinweis zur Ergreifung eines Kriminellen, der seine frühere Partnerin auf dem Gewissen hat. Da er kein Auto fahren kann, ruft er sich ein Uber. Stu (Kumail Nanjiani) versucht eigentlich nur noch die letzte Fahrt des Tages über die Bühne zu bringen, als ausgerechnet Vic in sein Uber steigt. Und schon ist Stu mittendrin in einer wilden Verfolgungsjagd.

Meine Meinung: Eigentlich hatte der Film Potential genau für mich gemacht zu sein. Buddykomödie mit Crimelementen, klang super und auch das sehr ungleiche Team aus Dave Bautista und Kumail Nanjiani klang vielversprechend. Leider wurde aus der Vorlage nicht allzuviel gemacht. Die Witze werden zu lange ausgekostet, die Handlung ist sehr platt, Tiefe habe ich ja nicht erwartet, aber eine kleine Abweichung des üblichen Schemas wäre schon nett gewesen. Stattdessen wurde sich darauf verlegt die immer gleiche Action abzuspielen, die Charaktere von A nach B zu rennen und den Film mit Wiederholungen zu strecken. Dass der Film trotzdem nur auf 93 Minuten kommt, sagt viel über das vorhandene Material aus. Aber am problematischsten ist, dass die meisten Witze einfach nicht funktionieren, beziehungsweise einmal funktionieren und dann immer und immer wieder ausgespielt werden. Da hilft es auch nicht, dass Bautista und Najiani grundsätzlich eine gute Dynamik hatten, auch wenn ihre Charaktere schon sehr stereotypisch auf Gegenteile aufgebaut wurden.

Booksmart

Die Handlung: Die Freundinnen Molly und Amy haben ihre gesamte Highschoolzeit brav nur gelernt, um jetzt an ihren Traumunis angenommen zu sein. Bis sie herausfinden, dass auch ihre Mitschüler an den Elite-Unis angenommen wurden. Sie beschließen in der letzten Nacht der High School alle Partys nachzuholen. Eine turbulente Nacht beginnt.

Meine Meinung: Olivia Wilde als Schauspielerin kennt man, nun hat sie sich auf den Regiestuhl begeben. Und hat mit Molly und Amy zwei Charaktere geschaffen, die am Anfang sehr nahbar waren. Dann geht die Partysuche los und auch da hatte der Film einige gute Einfälle. Er baut running gags auf, die auch durchgehend funktionieren und so für eine grundsätzlich heitere Stimmung sorgen. Doch das Problem mit dem Film ist, dass er nicht über seine Länge von 102 Minuten funktioniert. Er verliert sich irgendwann in der Handlung, so dass diese einfach nicht vorwärts kommt. Auch wird gerade Molly immer unsympathischer und die Chemie zwischen den beiden Charakteren gerät immer mehr ins Wanken. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo der Film selbst nicht mehr weiß, was er eigentlich erzählen will und es nur noch versucht mit einem möglichst großen Knall zu Ende zu bringen. Das ist sehr schade, denn bis dahin war der Film durchaus unterhaltsam. Er hätte vielleicht die ein oder andere Zwischenstation überspringen sollen und sich lieber auf ein runderes Ende konzentrieren sollen. Und sich vielleicht noch ein bisschen besser auf die Charaktere eingehen sollen.

Drei Schritte zu dir

Die Handlung: Stella und Will leiden beide an Mukoviszidose, jedoch an unterschiedlichen Typen, so dass die Bakterien des jeweils anderen den anderen umbringen könnten. Dennoch freunden sie sich an. Durch einen Queue halten sie den Abstand zusammen ein. Denn näher als drei Schritte könnte den Tod des Anderen bedeuten..

Meine Meinung: Drei Schritte zu dir vereint mehrere Genres in einem. Es befasst sich mit den Themen Krankheit, Tod und Trauerbewältigung. Dabei ist die stetige Kulisse das Krankenhaus. Dazu schleichen sich dann noch die Themen Freundschaft und natürlich auch Liebe. Denn an sich ist der Film ein Liebesfilm mit einer etwas anderen Kulisse. Das funktioniert auf einer gewissen Ebene ganz gut, ist das Drama zwar vorprogrammiert, aber eben völlig anders als in den herkömmlichen Liebesdramen. Und sie könnten thematisch wesentlich tiefer gehen. Diesen Schritt wagt der Film jedoch nicht, hat er so schon alle Hände voll zu tun alle Themen irgendwo um die Liebesgeschichte zu bauen. Man sollte sich also darauf einstellen, dass die Liebesgeschichte zu jeder Zeit im Vordergrund steht. Charakterlich ist es vor allem Stella, die den Film mit ihrer Herzlichkeit und all ihren Ecken und Kanten bereichert. Man lacht mit ihr, man weint mit ihr. Will hingegen bleibt etwas blass. Er ist halt der geheimnisvolle, sarkastische, hoffnungslose Loveinterest. Letztlich erzählt der Film die Geschichte, die er erzählen will und er macht das gut. Aber es ist kein Film, der großartig im Gedächtnis bleibt oder durch wahnsinnige Tiefe überzeugt.

One cut of the dead

Die Handlung: Auf einem abgeschiedenem Gelände versucht ein Regisseur einen Zombiefilm zu drehen. Doch er kauft seiner Darstellerin ihre Performance nicht ab. In der daraufhin ausgerufenen Drehpause tauchen jedoch auf einmal wirklich Zombies auf.

Meine Meinung: Ich hasse Zombies, ich hasse Zombiefilme, ich feier diesen Film so unfassbar. Denn er schafft es dem Genre noch einmal etwas neues zu verpassen. Grundsätzlich sollte man über diesen Film nicht allzuviel wissen. Es ist lediglich gut zu wissen, dass man die erste halbe Stunde des Films überstehen muss, danach wird er nämlich wirklich gut. Und das ist wirklich gut zu wissen, denn sonst könnte man während dieser ersten halben Stunde ernsthaft auf die Idee kommen den Film abzuschalten. Danach wird es ein Spaß für alle, auch für jemanden wie mich, die absolut nichts mit Zombiefilme anfangen kann. Und mehr möchte ich tatsächlich nicht dazu schreiben, denn sonst verrate ich doch noch zu viel 😉

 

Mulan

Ein Vorwort

Mulan ist einer dieser Filme, der eine lange Odysee hinter sich hat. Kurz vor Kinostart wurden die Kinos geschlossen, dann wurde der Film mehrfach verschoben, dann auf Disney+ mit VIP Zugang angeboten, inzwischen ist er auf Disney+ im normalen Abo enthalten. Nachdem der Animationsfilm in China boykottiert wurde, versuchte das Realfilm-Remake sich nun ein bisschen einzuschmeicheln. Mushu musste weichen, und als Hauptdarstellerin wurde eine systemtreue Chinesin ausgewählt. Und auch, wenn ich immer und immer wieder predige, Disney solle sich mehr von seinen Vorlagen lösen, wenn sie schon alles in ein Remake pressen müssen und dabei immer Maleficent und Dumbo lobend erwähne, war gerade ich entsetzt. Ein Mulanfilm ohne Mushu? Ja, ich verstehe, dass die Darstellung für die Chinesen beleidigend war und es daher grundsätzlich sinnvoll ist, ihn wegzulassen, aber er ist nunmal einer meiner Lieblingscharaktere… Okay, lange Rede, kurzer Sinn: Wie ich die Neuverfilmung von Mulan als Realfilm fand, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Hua Mulan (Liu Yifei) wächst ziemlich unbedarft auf. Ihr Vater lässt ihr viele Freiheite und vergisst dabei, sie so zu erziehen, dass sie erkennt, dass ihre Stellung als Frau sehr gering ist. Als ein Reitervolk in China einfällt, wird auch Mulans Vater als Soldat einberufen. Da dieser aber Verletzungen aus dem vorherigen Krieg hat, ist sich die Familie sicher, dass er einen zweiten Krieg nicht überleben wird. Kurzum stiehlt Mulan seine Rüstung und Einberufungsbefehl, obwohl ihr die Todesstrafe droht, sollte herauskommen, dass sie eine Frau ist.

Meine Meinung

Im Vorfeld habe ich über den Film eigentlich nur Extreme gehört. Leute, die den Film absolut in den Himmel lobten und Leute, die den Film absolut zerrissen. Gefühlt gab es nichts dazwischen. Ich habe versucht meine Erwartungen an den Film daher möglichst gering zu halten und was soll ich sagen: Ich bin wohl die eine Meinung zwischen den Extremen.
Aber ganz von vorne. Mulan greift grundsätzlich die bekannte Geschichte wieder auf, setzt aber bereits in ihrer Kindheit an, um ihren rebellischen Charakter besser verständlich zu machen. Das erklärt auch einige Wendungen im weiteren Film und ist daher sehr sinnvoll. Generell ist der Tonfall der Geschichte aber erwachsener als bei der Animationsvorlage. Auch fallen diesmal nicht die Hunnen ein, und zwar aus dem einzigen Grund, weil der Kaiser die Mauer gebaut hat, sondern diesmal handelt es sich um ein Reitervolk, dass eine wesentlich bessere Hintergrundgeschichte hat. So ist einiges deutlich besser durchdacht und auch einfach realistischer dargestellt.
Dennoch fehlt es dem Film nicht an Magie. Diese ist zwar wesentlich bedachter eingesetzt, aber dennoch vorhanden und auch wichtig. Aber trotz aller Bemühungen bleibt der Film an vielen Stellen blass. Weite Teile des Films plätschert die Geschichte vor sich hin, ohne den Zuschauer wirklich an den Bildschirm bannen zu können. Das kann zum Teil auch daran liegen, dass der Film im Kino noch einmal wesentlich eindrucksvoller gewirkt hat, weil gerade die Landschaftsaufnahmen schon beeindruckend sind. Das kann aber auch daran liegen, dass einige Charaktere zwar da sind, aber doch eher blass im Hintergrund bleiben. Es gibt eigentlich nur ganz wenige Charaktere bei denen wirklich eine Entwicklung sichtbar ist und die auch eine Geschichte bekommen. Das ist schade, war doch das Zusammenspiel mit ihren Kameraden im Animationsfilm noch eine wichtige Komponente.
Das größte Problem des Films, warum es am Ende auch einfach keine runde Sache wird, ist, dass die Handlung an einigen Stellen erzwungen gewendet wird. Soll heißen, dass man von Punkt A zu Punkt B kommen wollte und anstatt das sinnvoll zu erarbeiten, wurde einfach mit dem Finger geschnippt und schon haben sich die Charaktere um entschieden und machen/denken jetzt was völlig anderes. Das ist nicht nur billig gelöst, sondern nimmt auch dem Film viel an Aussagekraft. Vor allem, weil es bereits in der Animationsvorlage besser gelöst war.
Letztlich ist Mulan nicht der Film, der er hätte sein können. Seine Aussagen zur Unterdrückung der Frau sind in diversen Metaphern zwar angedeutet, werden aber nie mit der Tiefe behandelt, die sie hätten haben können. Einige wenige Änderungen und vor allem ein besseres Durchdenken der Handlung hätten einiges retten können, so bleibt der Film blass und unaussagekräftig. Schade!

Das Fazit

Mulan schafft es neue Komponenten einzubinden, vereint einen guten Cast und tolle Landschaftsbilder, schafft es aber nicht die neue Geschichte bis zum Ende logisch zu gestalten. Blasse Handlung, blasse Nebencharaktere und einige zu gewollte Wendungen ziehen den Film wieder ein Stück runter. Dennoch lohnt sich der Blick!

Mulan ist seit dem 04.12.2020 auf Disney+ auch ohne VIP-Zugang verfügbar

Der wunderbare Mr. Rogers

Ein Vorwort

Auf kaum einen Film habe ich mich 2020 so sehr gefreut, wie auf Der wunderbare Mr. Rogers. Lief er in den USA bereits 2019 an, hätte er bei uns in der Nachoscarsaison laufen sollen. Dann kamen die Kinoschließungen. Daraufhin wurde der Film verschoben, bis es nun direkt das DVD-Release gab. Nun konnte ich ihn aber endlich im heimischen Fernsehkino sehen. Warum das ein tolles Erlebnis war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Journalist Lloyd Vogel (Matthew Rhys) ist bekannt dafür, dass er scharfe Kritiken an seinen Interviewpartnern schreibt. Als das Magazin, für das er arbeitet, eine Sonderausgabe über Helden machen will, stimmt einzig der beliebte Kindershow Moderator Fred Rogers (Tom Hanks) einem Interview zu. Das Treffen verläuft allerdings völlig anders, als Lloyd sich das vorgestellt hat. Statt wirklich etwas zu erfahren, bringt Rogers ihn dazu, sich wieder mit sich selbst und seinen familiären Problemen zu beschäftigen.

Meine Meinung

Wir alle haben doch diesen einen Star aus unserer Kindheit, von dem wir einfach nichts Schlechtes denken wollen. Und dann kommt dieser eine Journalist, der unbedingt etwas finden will, weil doch jeder irgendwo Leichen im Keller hat. Genau das Thema verkörpert Der wunderbare Mr. Rogers. Seine Sendung „a beautiful day in the neighborhood“ ist hierzulande wahrscheinlich eher unbekannt. Dennoch zeigen bereits die wenigen Szenen im Film, dass es wohl eine Mischung aus Sendung mit der Maus und Löwenzahn sein dürfte – zumindest wenn man es partout mit irgendetwas aus unserer Kindheit vergleichen muss.
Allein vom Titel her dürfte man darauf schließen, dass es in vorderster Linie um Mr. Rogers geht. Allerdings geht es vielmehr um den Artikel von Lloyd Vogel und wie dieser entstanden ist. Dafür dient der Artikel „Can you say… hero?“ von Tom Junod aus dem Jahr 1998 als Vorbild.
Ich glaube Mr. Rogers ist so ziemlich der netteste Mensch, den ich je auf einer Kinoleinwand getroffen habe. Daher befürchtet man fast, dass einem der Film allerlei Negatives zu erzählen hat. Aber obwohl der Film dramatisch und gerade gegen Ende auch sehr traurig ist, ist er nie negativ. Er bleibt in einer konstant positiven Erzählweise, die einen selbst absolut beruhigt.
Wir lernen in diesem Film nicht Mr. Rogers kennen, in dem er einfach die Fragen des Interviews beantwortet. Aber dennoch lernen wir ihn kennen. Seine Denkweisen und Ansätze im Umgang mit Lloyd erzählen so viel mehr, als jedes normale Interview könnte. Und irgendwo steckt in jedem von uns ein bisschen Lloyd Vogel. Wir alle haben doch bestimmt das eine Ereignis in unserem Leben, das uns prägt und das wir nicht vergeben können. Wenn ihr jetzt an etwas Bestimmtes gedacht habt, dann ist der Film für euch. Dann ist das genau der Film, den ihr braucht. Allerdings auch genau die Art Film, die einen triggern kann, weswegen bei dem ein oder anderen mehr Taschentücher von Nöten sein könnten.
Besetzungstechnisch wurde hier alles richtig gemacht. Tom Hanks war wohl die einzig wahre Wahl für Fred Rogers und verkörpert auch einfach sein gesamtes Wesen. Hier wirkt nichts aufgesetzt oder erzwungen. Auch Matthew Rhys passt perfekt in seine Rolle des Lloyd Vogel. Mit Chris Cooper als Lloyds Vater und Susan Kelechi Watson als seine Frau wird die Sache rund. Schauspielerisch sind wir hier auf hohem Niveau unterwegs. Auch die Optik und vor allem die Kulissen der Show, die auch perfekt genutzt wurden, um die Ortswechsel darzustellen und dem Film eine Struktur zu geben.
Wenn ich den Film mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es schön. Der Film ist einfach nur schön. Und genau solche Filme muss es einfach auch geben. Und jetzt alle: Wourld you be my? Could you be my neighbor?

Das Fazit

Der wunderbare Mr. Rogers überzeugt durch ruhige Erzählweise, gute Darsteller und vor allem ganz viel Herz. Und obwohl er stellenweise sehr traurig ist, bleibt er doch immer Positiv. 

Der wunderbare Mr. Rogers ist seit dem 19.11.2020 auf DVD, BluRay und VOD erhältlich.

Eine Handvoll Filme

Heute mit: Einem aus dem Ruder laufendem Versteckspiel, verschmähten zweitgeborenen, einem Einbrecher mit Moral, einer Reise zum Mond und einer Auserwählten

Ready or not

Die Handlung: Die Familie Le Domas sind berühmt für ihre Brettspiele und damit reich geworden. Am Abend von der Hochzeit von Grace und Alex Le Domas, kommt die Familie zusammen. Grace soll eine Karte ziehen, welches Spiel die Familie spielt. Dies sei eine alte Familientradition. Doch als Grace ‚Verstecken‘ zieht, muss sie feststellen, dass bei der Karte der Spaß aufhört. Denn nun macht die Familie jagt auf sie, um sie bei einem Ritual zu opfern.

Meine Meinung: Ready or not hat im deutschen den Beititel „Auf die Plätze, fertig, tot“, was vielleicht mehr an ein Wettrennen, als an ein Versteckspiel erinnert. Dennoch schafft es die Horrorkomödie ihre Ausgangsgeschichte in wenigen Szenen zu erzählen und dann gleich in die Jagd einzusteigen. Diese ist erfindungsreich, hat zwar einige vorhersehbare Wendungen, aber auch einige Überraschungen zu bieten. Vor allem schafft der Film es eine gute Balance zwischen Horror und Komödie zu halten. So kommen sowohl Horrorfilmfans auf ihre Kosten, als auch kann ich als Angsthase den Film genießen. Einziges Hindernis beim ungestörten Sehen sind die Charaktere. Zwar sind es eigentlich gar nicht so viele, aber da einige am Anfang nur im Nebensatz erwähnt wurden, war es doch manchmal schwer ihre Zugehörigkeit und irgendwann auch ihre Absichten richtig einzuordnen. Letztlich ist es ein Film, den man gut in der Gruppe sehen kann, weil er einfach für unterschiedliche Interessen Material liefert.

Der geheime Club der zweitgeborenen Royals

Die Handlung: Sam ist eine Prinzessin des fiktiven Königreichs Illyrien. Allerdings ist sie die zweitgeborene. Und während sich ihre Schwester auf die Krönung vorbereitet, organisiert Sam lieber Demonstrationen gegen die Monarchie. Nach einigen Fehltritten wird sie von ihrer Mutter in die Sommerschule geschickt. Doch die stellt sich als ein geheimes Camp heraus, in dem zweitgeborene Royals entdecken, dass sie Superkräfte haben. Dies dürfen sie auch schnell unter Beweis stellen, denn ein gefährlicher Häftling ist ausgebrochen.

Meine Meinung: Unter dem Titel hatte ich mir tatsächlich einen ganz anderen Film vorgestellt. Erwartet hatte ich wohl eine Art Breakfast Club mit zweitgeborenen Royals und einigen tiefgründigen Dialogen. Aber das wäre wahrscheinlich einfach zu wenig Disney. Stattdessen versucht man hier die Superheldenbranche für ein noch jüngeres Publikum zugänglich zu machen. Das steckt voller Klischees, vorhersehbarer Handlung und platter Charaktere. Das ist besonders enttäuschend, weil der Film in meinem Kopf bereits gut war, und dann die Realität damit einfach nicht mithalten konnte. Das Problem ist halt auch einfach, dass der Film sich die Ausgangshandlung sehr konstruiert hat, um dann mit den üblichen Handlungsmustern weiterzumachen. Unverstandene Teenager haben auf einmal Kräfte, kommen an eine Akademie, lernen diese im Schnelldurchlauf zu kontrollieren, und sind dann natürlich sofort bereit, um es mit dem großen Bösen aufzunehmen. Nicht nur, dass ich das schon einmal zu oft gesehen habe, die Umsetzung ist eben auch disneytypisch weichgespült. Kein Konflikt darf offen bleiben. Keine tiefgründigen Dialoge. Vielleicht war ich letztlich auch einfach nicht mehr die Zielgruppe, möchte ich gar nicht ausschließen. Aber ein bisschen Einfallsreichtum wird man doch wohl erwarten dürfen.

Bad Samaritan

Die Handlung: Sean hält sich zusammen mit seinem Kumpel Derek mit Einbrüchen über Wasser. Dabei parken sie vermeintlich die Autos von Restaurantgästen, fahren aber stattdessen zu deren Häusern und stehlen ein paar Kleinigkeiten. Das funktioniert eine Zeit lang ganz gut. Bei Cale, der im Maserati vorfährt, sieht alles absolut verlockend aus. Auch wird Sean im Haus mit einer neuen Kreditkarte fündig. Doch leider findet er auch eine gefesselte Frau vor, die ihn verzweifelt um Hilfe anfleht. Was soll er jetzt tun, immerhin begeht er gerade selbst eine Straftat.

Meine Meinung: Bad Samaritan ist so ein Film, den ich allein aufgrund seiner Prämisse wahrscheinlich nicht gucken würde. Aber meine beste Freundin kann sehr überzeugend sein. Mein Problem ist, dass ich es nicht sehen kann, wenn jemand ein Verbrechen sieht und ihm dann einfach nicht geglaubt wird und der Verbrecher es so hindrehen kann, dass der andere verrückt ist und sich das ausdenkt. Da drehe ich beim Schauen fast durch. Nun gab es hier allerdings das Argument, dass einfach David Tennant mitspielt. Aber Freunde des 10. Doktors aufgepasst. Mr. Tennant kann die coolsten Rollen unfassbar sympathisch spielen – siehe Doctor Who und Good Omens – er kann aber auch die schlimmsten Psychopathen mit einer Extraportion Kälte spielen – Vorgeschmack dazu bei Jessica Jones. Robert Sheehan (Umbrella Academy, Misfits, Mortal Engines) ist dafür der perfekte Gegenpart, verkörpert er doch den unsicheren Einbrecher, der mit der ganzen Situation einfach überfordert ist, einfach wunderbar. Das Problem des Films ist also nicht der Cast. Das Problem mit dem Film ist auch nicht die Handlung, die es immer wieder schafft unfassbar viel Spannung zu erzeugen. Nein, das Problem des Films ist das Ende. Denn hier scheint der Film einfach alles, was er vorher aufgebaut hat, über Bord zu werfen und sich zu denken: Slapstick mit einem eiskalten Folterheld, der zu einem lachhaften Psychopathen wird? Das klingt so, als ob wir uns damit den ganzen Film kaputt machen, lass das mal machen! Sehr geehrter Herr Regisseur Dean Devlin, ich liebe ihre unfassbar intelligente Serie Leverage, aber entschuldigen Sie bitte: Dieser Film ist am Ende einfach nur Mist.

Die bunte Seite des Mondes

Die Handlung: Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die 14-jährige Fei Fei nicht damit klar, dass ihr Vater sich eine neue Frau sucht, die auch noch einen Sohn mitbringt, den Fei Fei als absolut nervtötend empfindet. Also beschließt sie zusammen mit ihrem Kaninchen zum Mond zu reisen, wo der Legende nach die Mondgöttin Chang’e leben soll, die sich nach ihrer ersten großen Liebe verzehrt. Und tatsächlich schafft sie es eine Rakete zu bauen. Doch auf der bunten Seite des Mondes ist es etwas anders als gedacht.

Meine Meinung: Disney? Is that you? Nein es handelt sich hierbei um ein Netflix Original, das vom Gewand her aber auch gut zu Disney passen würde. Allein die supersüße Vorgeschichte der Familie und dem supersüßen Häschen. Bis die Mutter stirbt. So weit, so Disney. Darauf versuchen sie die Geschichte eines trauerndes Mädchens abzubilden, das versucht, dass trotz des Tods der Mutter alles so bleibt, wie es war. Die drohende Veränderung durch neue Frau mit einem sehr aufgewecktem Sohn wird zielgruppengerecht aufgegriffen und man findet sich irgendwo in Fei Fei wieder, aber auch in ihrer neuen Stiefmutter, die alles versucht, damit Fei Fei sie mag, sie sich aber dennoch treu bleibt und sich nicht zu sehr der verstorbenen Mutter anzupassen. Der Film verliert seiner einen Großteil seiner zuvor starken Handlung, sobald es Fei Fei tatsächlich schafft mit einer selbstgebauten Rakete auf den Mond zu fliegen. Mal so in den Raum gestellt: Was wäre das eigentlich für ein unvorhersehbarer Plottwist gewesen, wenn sie nicht die Mondgöttin auf der bunten Seite des Mondes, sondern die Nazis auf der dunklen Seite des Mondes gefunden hätte? Aber gut, dass hätte wahrscheinlich auch nur ich cool gefunden. Stattdessen erleben wir jetzt die bunteste abgedrehteste Stadt, die je auf dem Mond zu finden war. Dann hätten wir noch eine Lady Gaga mäßige Gesangsnummer und der Kitsch ist perfekt. Erst nach und nach schafft der Film es wieder sich zu sammeln und wieder zu ernsteren Themen zurückzukommen. Die Geschichte der Mondgöttin Chang’e ist wohl eine sehr bekannte Legende in China. Ich wage zu bezweifeln, dass diese bunte Welt dort so gut ankommt. Aber immerhin schafft der Film es am Ende noch ein gut die Kurve zu kriegen und an der vorherigen Handlung mit ein paar guten Lebensweisheiten anzuknüpfen. So jetzt habe ich viel mehr dazu geschrieben, als ich wollte. Also nochmal die Kurzform: Zunächst eine starke Geschichte über den Verlust eines Elternteils und die Angst vor Veränderungen mit der neuen Frau des Vaters im Leben. Dann abgedrehter Kitsch, den keiner gebraucht hätte, am Ende doch noch die Kurve bekommen. Also ein bisschen weniger Popnummern, ein bisschen weniger bunte Seite des Mondes – also sie darf schon bunt bleiben, aber nicht so kitschig bunt – und das ganze wäre ein deutlich stärkerer Film geworden.

Mara und der Feuerbringer

Die Handlung: Mara Lorbeer dachte sie wäre ein ganz normales Mädchen mit einer etwas ungewöhnliches Mutter. Doch dann erzählt ihr ein Ast, dass sie eine Spakona ist, eine Seherin. Nach einigen Tagträumen vom gefesselten Loki, sucht sie verzweifelt Hilfe und sucht daher den Professor für germanische/nordische Mythologie an der Uni auf: Professor Weissinger. Nach einem etwas holprigen Start stecken die beiden schon bald mitten drin im Abenteuer. Denn Mara muss die Götterdämmerung aufhalten.

Meine Meinung: Der Film orientiert sich sehr stark am Buch und erzählt die Handlung nach, was auch relativ gut funktioniert. Der wahre Pluspunkt des Films zum Buch sind dann aber die Darsteller. Vor allem Jan Josef Liefers als Professor Weissinger kann der Rolle noch einmal eine ganz neue Richtung geben und bringt einen mehr als einmal zum schmunzeln. Tommy Krappweis, der Autor der Buchreihe, übernimmt hier Regie und das Drehbuch. Das funktioniert insofern, dass er sich mit seiner Geschichte bestens auskennt, und auch bereits über Erfahrung mit der Regie verfügt. Letztlich gibt es jedoch einige Handlungselemente, die auf dem Papier einfach besser funktionieren als auf der Leinwand. Denn gerade Hauptdarstellerin Lilian Prent scheint stellenweise überfordert, wie sie die sehr komplexe Gedankenwelt Maras richtig rüberbringen soll. Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau, denn an sich bekommen wir hier eine tolle Fantasy-Geschichte, die toll recherchiert ist, absolut fantastische Bilder hat – allein die Landschaftsaufnahmen! – einen tollen Cast aufweist und das ganze aus Deutschland, dem Land, das sonst nur die immer gleichen Komödien rausbringt. Also schaut den Film und wenn er auch gefiel, dann lest noch das gleich das Buch hinterher!

Rückblick auf den Oktober 2020

Willkommen mitten in der zweiten Coronawelle. Erneut mit Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Kinos. Und weil einem die aktuellen Themen nur traurig/wütend machen können, blicken ich lieber noch einmal auf den Oktober zurück, in dem ich mich noch an den geöffneten Kinos erfreuen konnte. 

Anime Special

The Dragon Dentist: Nonoko gehört zu den Zahnärzten eines großen Drachens, der kilometer lang ist, ganze Schlachtschiffe transportieren kann und im aktuellen Krieg entscheiden sein kann. Eines Tages taucht der Soldat Bell aus einem der Zähne auf. Er gehört eigentlich der Gegenseite an und ist gestorben. Sein Auftauchen aus dem Zahn ist ein Omen für großes Unheil. – Eine sehr interessante Idee, die spannend und voller schöner Bilder umgesetzt wurde. Auch für Nicht-Anime-Fans durchaus sehenswert.

Filme – auf großer Leinwand gesehen

Jim Knopf und die Wilde 13: Die Fortsetzung und zweite Buchverfilmung der Reihe. Auch diesmal begleiten wir wieder Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer auf neuen Abenteuern. Denn Lummerland braucht einen Leuchtturm. Auch kommen sie der Wilden 13 auf die Spur. – Der Film hat aus dem Vorgänger gelernt, kleinere Stolpersteine werden umschifft und die Geschichte mit einer sehr schönen Optik umgesetzt.

Es ist zu deinem Besten: Deutschland und seine Komödien. Diesmal darf die Altherrenriege sich um ihre Töchter sorgen. Denn die haben nicht gerade den Männergeschmack, den sich die Väter erhoffen. Also beschließen die Väter nachzuhelfen. – Deutlich besserer Humor als nach dem Trailer zu vermuten war, aber dennoch verpasst der Film es mehr zu sein als nur die übliche deutsche Komödie oder gar Tiefgang zu haben.

Vergiftete Wahrheit: Anwalt Robert Bilott stolpert in einen Skandal, der unsere Gesundheit betrifft. Der Streit soll 19 Jahre dauern. – Der Film umschifft die üblichen Stolpersteine eines investigativen Films und erzählt die Geschichte verständlich und spannend.

Der geheime Garten: Mary Lennox (Dixie Egerichs) entstammt einer britischen Familie, die in Indien lebt. Nach dem Tod der Eltern reist sie zu ihrem Onkel auf ein alten britisches Anwesen. Sie kann sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen, bis sie den Schlüssel zu einem geheimen Garten findet. – Handlungstechnisch viel neu interpretiert zur Buchvorlage, dadurch aber eine schöne Geschichte mit traumhafter Kulisse geschaffen.

Filme – auf großem Fernseher gesehen

Im Oktober lief erneut Hamilton (ich liebe dieses Musical) bei mir. Für meine Monsterwochen liefen Bram Stokers Dracula, Mary Shelleys Frankenstein, und die drei Draculaverfilmungen mit Christopher Lee (Dracula, Draculas Rückkehr und Das Blut von Dracula) bei mir im Heimkino.

Enola Holmes: Die jüngere Schwester des Meisterdetektivs stolpert nach dem Verschwinden ihrer Mutter in eigene Ermittlungen. – Spannende Geschichte, tolle Protagonistin, schöne Optik und interessante Rätsel.

Der blaue Engel: Professor Rath will eigentlich nur dafür sorgen, dass seine Schüler nichts unflätiges im Variete Der Blaue Engel tun. Dabei verfällt er selbst der Tingeltangelsängerin Lola Lola (Marlene Dietrich). – Ein weiterer Klassiker, den die ARD im Rahmen der dritten Staffel von Babylon Berlin zeigte. Der zweite deutsche Tonfilm brachte den Durchbruch für Marlene Dietrich, auch wenn die Geschichte aus heutiger Zeit vielleicht etwas chaotisch wirken mag. 

M – eine Stadt sucht einen Mörder: In Berlin verschwinden Kinder und werden ermordet wieder aufgefunden. Angst geht um in der Stadt. Als es eine Spur gibt, tut sich ein Mob zusammen. – Der dritte Klassiker, den ich von der ARD Aktion sehen konnte. Eine spannende Kriminalgeschichte über Selbstjustiz.

The undefeated presents: Hamilton in-depth: Ein zweites Special über Hamilton mit Interviews der Darsteller und des Regisseurs. – Wie schon das Special „History has its eyes on you“ bringt das Special tiefere Einblicke in die Hintergründe. Diesmal erzählen die Darsteller unter anderem wie es bei ihren Castings ablief.

Stuber: Ein Cop wird an den Augen operiert und kann daher nur verschwommen sehen. Genau an dem Tag bekommt er den Hinweis, dass ein Drogenboss einen großen Coup plant. Da er mit dem Drogenboss noch etwas persönliches zu klären hat, holt er sich ein Uber, das ihn zur Übergabe fahren soll. – Eine Buddykomödie mit etwas schräger Prämisse. So richtig wollen die Witze auch nicht zünden, aber zumindest wurde nicht an Actionmaterial gespart.

Filme – leider in diesem Monat verpasst

Die Misswahl – der Beginn einer Revolution: Einer Gruppe Frauen ist der Sexismus während der Misswahlen ein Dorn im Auge. Sie versuchen durch verschiedene Aktionen darauf aufmerksam zu machen. – Hier interessierte mich das Thema schon und dann sah der Trailer gleichzeitig spannend und witzig aus. Der Film wird nachgeholt.

Mrs. Taylors Singing Club: Eine Gruppe von Frauen, deren Männer allesamt im Auslandseinsatz sind, gründen einen Chor, um sich gemeinsam in der unsicheren Zeit zu unterstützen. – Trotz eher verhaltener Kritiken, hat mich der Trailer bereits zutiefst berührt – vielleicht auch nur wegen der Interpretation von Time after time. Auf jeden Fall möchte ich den Film gerne noch sehen.

Hexen hexen: Hexen mit einer Abneigung gegen Kinder. Damit versucht ein Waisenjunge zurechtzukommen. – Kurz vor den Kinoschließungen kam noch das Remake der Roald Dahl Verfilmung in die Kinos. Der Trailer sprach mich direkt an, auch wenn ich weder den Roman, noch das Original kenne.

Ganz knapp nicht auf die Liste geschafft haben es: Niemals, Selten, Manchmal, Nie, Peninsula und Kajillionaire

Serien – ein etwas ausführlicherer Überblick

The Home Edit – Staffel 1 (Eine tolle Serie übers Aufräumen mit charmanten Hosts)

Modern Family – Staffel 10 (Noch immer eine tolle Sitcom mit tollen Charakteren und auch in der 10. Staffel ist die Luft noch nicht raus)

Love, Death and Robots – Staffel 1 (Eine Anthalogieserie mit den Themen Liebe, Roboter und Tod, leider waren die meisten Episode so gar nicht mein Fall)

The Mentalist – Staffel 1-2 (Ich bin lange um die Serie herumgeschlichen, da aber mal wieder Crimezeit im Herbst ist, habe ich sie mal ausprobiert und sie gefällt mir sehr gut)

Tiny House Nation – Staffel 1-2 (Interessante Serie über das Bauen von Tiny Häusern, aber so der letzte Funken hat gefehlt)

Sex Education – Staffel 1 (Grundsätzlich gute Idee, interessante Charaktere, die Serie nimmt kein Blatt vor den Mund. Aber mich hat sie nicht richtig abgeholt und gerade mit dem Mobbingthema hatte ich persönlich zu kämpfen)

Upload – Staffel 1 (Coole Idee, langatmiger Einstieg, hinten raus hat die Serie aber die Kurve bekommen) 

Community – Staffel 5 (Vielleicht hätte man die Serie doch nach der vierten Staffel enden lassen sollen. Spätestens wenn zu viele Darsteller abspringen, bringt es vielleicht nichts mehr)

Emily in Paris – Staffel 1 (Ich weiß noch nicht, ob es ein Statement gegen die Werbebranche oder gegen Frankreich ist, auf jeden Fall sehr kritische Darstellung mit einer dafür viel zu gut gelaunten Protagonistin. Schwierige Serie)

Miracle Workers – Staffel 1 (Ich präsentiere: Definitiv eins meiner Jahreshighlights. Der schwarze Humor darüber den Himmel als große Fabrik darzustellen mit einem sehr durchgeknallten Gott fand ich einfach nur herrlich!)

Mein Lesemonat

Bücher insgesamt: 11
Seiten gesamt: 4.076
Seiten pro Tag: 131 im Durchschnitt
Gebundenes Buch: 6
Taschenbuch: 4
E-Book: 1

Die Chroniken von Alice 1 – Finsternis im Wunderland: Alice ist in einer Irrenanstalt, da alle glauben, dass sie sich die Geschichte mit dem Kaninchen nur ausgedacht hat. Nur ihr Zellennachbar Hatter glaubt ihr. Bei einem Brand in der Anstalt können sie fliehen. Und auf einmal muss Alice feststellen, dass ihre Erinnerung echt ist, – Diese horrormäßige Adaption der Alice im Wunderlandgeschichte ist voller guter Ideen, passenden Bezugspunkten und doch in vielerlei Sinne absolut abschreckend. Eine spannende Geschichte!

Talus: Erin ist Guide in Edinburgh. Ihre Spezialität sind Gruselführungen, zumal sie an Magie glaubt. Bis sie erkennt, dass es Magie wirklich gibt und schon ist sie mittendrin im Abenteuer. – Liza Grimm schafft es spielerisch den Leser in ihre neue magische Welt unter Edinburgh zu ziehen und zu faszinieren.

Illuminae – Die Illuminae Akten 1: Nach dem Anschlag auf ihren Planeten finden sich Ezra und Kady auf unterschiedlichen Schiffen wieder auf dem Weg zur Rettungsstation. doch sie werden noch immer von der feindlichen Flotte verfolgt und auch intern gibt es einige schwerwiegende Probleme. – Dieses Buch ist alles, nur nicht gewöhnlich. Denn es ist nicht linear geschrieben, sondern beinhaltet diverse Chatverläuft, Protokolle, Übersichtspläne, Berichte und andere Arten der Aufzeichnung. Es liest sich daher eher wie ein Film als ein Buch. Und ist dabei auch noch unfassbar spannend!

Ein Schotte kommt selten allein*: Janne liebt Schottland, hasst aber Busrundreisen. Leider haben ihre Freunde ihr genau diese Art zu reisen geschenkt. Aber nachdem Janne in den falschen Bus einsteigt und neben dem gutaussehenden Schotten Alex landet, findet sie Busreisen gar nicht mehr so schlimm. – Am Anfang hat mich Jannes sehr negative Einstellung gestört, aber nachdem sie den Bus tauscht, wird es ein wirklich tolles Buch. [Werbung]

Der blaue Express – ein Fall für Poirot: Auf dem legendären blauen Express wird eine Millionärserbin ermordet und sehr wertvolle Diamanten sind gestohlen. Hercule Poirot nimmt sich dem Fall an und lässt sich von der einfachsten Lösung nicht beeindrucken. – Bisher eine der stärksten Geschichten, vor allem weil es aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt wurde und sich nicht an einen Erzähler klammert.

Wie Blut so rot: Cyborg Cinder hat entdeckt, dass sie die Erbin von Luna ist und deswegen vor vielen Jahren aus dem Weg geräumt werden sollte. Gleichzeitig sucht Scarlet in Südfrankreich nach ihrer Grandmere. Dabei begegnet sie dem Widerstandskämpfer Wolf. – Der zweite Teil der Luna Chroniken war sogar noch ein bisschen spannender als der erste Teil, vielleicht weil mir die Geschichte um Scarlet und Wolf mehr zusagte. 

Truly – Nach dem Tod ihrer Mutter kommt Andy endlich auf dem Campus in Seattle an. Leider ohne Stipendium und ohne Wohnheimplatz. Durch Zufall bekommt sie einen Job hinter einer Bar und lernt dort den stillen Cooper kennen. Und trotz seiner abweisenden Art fühlt sich Andy zu ihm hingezogen. – Ein New Adult Roman, in dem ich mich sehr schnell verliebt habe. Ich mochte den Schreibstil, die Charaktere und die Handlung. Einfach nur toll.

Der geheime Garten: Mary Lennox entstammt einer britischen Familie, die in Indien lebt. Nach dem Tod der Eltern reist sie zu ihrem Onkel auf ein alten britisches Anwesen. Sie kann sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen, bis sie den Schlüssel zu einem geheimen Garten findet. – Pünktlich zum Kinostart habe ich auch die Buchvorlage gelesen. Ich wusste, dass ich es vor vielen Jahren schon einmal gelesen hatte, aber nicht mehr worum es genau ging. Das Buch ist sehr nüchtern geschrieben, aber die beschriebene Geschichte ist trotzdem sehr toll, auch wenn die Magie hier eher im Kopf der Kinder stattfindet.

Someone to stay: Aliza hat Lucien auf einer Sommerparty kennengelernt und beide waren sich sofort sympathisch. Doch Aliza hat mit ihrem Studium, ihrem Blog, ihrem Buch, das bald erscheint, und ihren Freunden eigentlich schon genug zu tun. Auch Lucien versucht neben Studium, Job und dem Sorgerecht für seine jüngere Schwester noch ein wenig Zeit für Freunde zu finden. Wie sollen sie nur je zusammen finden? – Der dritte und damit letzte Teil der Someone Reihe war von mir am heißesten ersehnt, mochte ich Aliza und Lucien schon in den vorherigen Bänden am meisten. Und die Geschichte ist wirklich toll geworden, auch wenn sie im Mittelteil einen kleinen Hänger hatte.

Hold me tonight – Amanda sucht noch immer nach Antworten über den Tod ihres Bruders. Und diesmal scheint sie tatsächlich zu Dante durchzudringen und erhält erste Erklärungen. Bis sie auf einmal mitten in eine Strudel aus vermissten Leuten steckt. – Der zweite Teil der Crushed Trust Reihe beginnt wie bereits der erste etwas langsam, schafft es dann aber endlich ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen und wird am Ende sogar richtig spannend.

Juno und die Reise zu den Wundern*: Juno ist eine junge Frau, die seit ihrer Kindheit unter Einsamkeit leidet. In der schielenden Stadt begegnet sie dem geheimnisvollen Mr. James, der ihr aus einer alten Münze zwei Ringe anfertigt. Mit deren Hilfe bestimmt sie die nächsten Stationen ihrer großen Reise. Ein Abenteuer steht bevor, voller neuer Bekanntschaften und außergewöhnlicher Erlebnisse. – Irgendwo zwischen Kinderbuch und Einstieg in die Philosophie mit einer guten Mischung Lebensweisheiten. [Werbung]

*Ich bedanke mich bei den Verlagen für die Rezensionsexemplare

Wie war euer Oktober? Wie immer die Frage: Habt ihr Film/Serien/Buchempfehlungen für mich?

 

Meine Monsterwochen #5: filmische Neuinterpretationen

Herzlich Willkommen zum fünftenTeil meiner Monsterwochen. Heute soll es um zwei filmische Neuinterpretationen gehen. Mit Dracula Untold wurde ein Prequel und mit I,Frankenstein ein Sequel zur bekannten Geschichte geschaffen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Dracula Untold

Ein Vorwort

2014 erschien mit Dracula Untold eine Art Prequel zur eigentlichen Draculageschichte in den Kinos. Dabei wurden lose Ideen aus der literarischen Vorlage und dem realen Fürsten Vlad III., der den Beinamen Draculea trug, übernommen und zusammengeführt. Für meine Monsterwochen fand ich es durchaus passend auch ein Film reinzunehmen, der sich mit einer möglichen Vorgeschichte befasst. 

Die Handlung

Fürst Vlad (Luke Evans) lebte als Kind unter dem osmanischen Herrscher, der Jünglinge aus Transsilvanien zu Kriegern ausbildete. Nach dem Tod seines Vaters wird Vlad Fürst und schwört, dass sein Sohn und auch die anderen Kinder seines Landes nicht das gleiche Schicksal haben sollen. Doch als sein ehemaliger Freund und inzwischen Sultan Mehmed II. (Dominic Cooper) ebendies von ihm verlangt, um den Krieg der Osmanen Richtung Mitteleuropa zu unterstützen, setzt Vlad alles daran, um dies zu verhindern. Doch der einzige Ausweg scheint ihm ein Pakt mit einem Vampir (Charles Dance) aus dem Reißzahngebirge. Dies verleiht ihm übermenschliche Fähigkeiten und wenn er drei Tage widersteht, verwandle er sich auch nicht in den Vampir. Doch kann er dem Durst widerstehen und gleichzeitig seine Familie und Untertanen beschützen?

Meine Meinung

Ich hab den Film damals (kann man nach sechs Jahren schon damals sagen?) im Kino gesehen. Nach dem Trailer, der sich mehr auf die Geschichte zwischen Vlad und Mehmed und zwischen Vlad und dem Vampir konzentrierte, hatte ich hohe Erwartungen an den Film. Das Problem war, dass das Endprodukt sich sehr auf bildgewaltige Schlachten konzentriert hat und wenig auf die eigentliche Geschichte. Was im Kino durchaus noch wirkt, wird auf dem heimischen Fernseher eben doch unbedeutender. 
Auch ist die Handlung nicht ganz unproblematisch. Dracula ist doch eigentlich Alptraummaterial. Ein hochgeschätztes Monster, aber eben doch ein Monster. Nur wird er durch diese Vorgeschichte nun beinahe menschlich. Auch wenn sich Historiker einig sind, dass die Gräueltaten des historischen Vlads III. stark überspitzt wurden und teilweise politisch motivierte Darstellungen waren, so trägt er doch Beinamen, wie „Sohn des Teufels“ und „Tepes – der Pfähler“. So richtig mag die Darstellung in Dracula Untold also nicht zu unserem Mythos zu passen. 
Aber auch das wäre wohl weit weniger unpassend, wenn es richtig ausgearbeitet worden wäre. Wenn wir eine vernünftige Geschichte gehabt hätten, die ein bisschen über die nun sehr rudimentär dargestellten Motive hinausgeht – Vlad: Will meinen Sohn beschützen, Mehmed: Will alles erobern, brauch Männer dafür, Vampir: will die Freiheit – mit mehr Mythos, mehr Dichtung, weniger Kämpfen oder vielleicht einfach besser dosierten Kämpfen zwischen richtiger Handlung, dann hätte daraus ein richtig interessanter Film werden können.
Zu guter Letzt gelingt aber dennoch die Überleitung zu Bram Stokers Werk, als in der letzten Szene Vlad, noch immer jung, auf Mina Harker trifft, die eine Reinkarnation seiner toten Frau darstellt. Ab hier wäre vielleicht eine interessante Neuinterpretation draus geworden. Einen solchen zweite Teil wird es aber wohl nie geben.

Das Fazit

Schwerpunkt auf viele bildgewaltige Kämpfe zu legen, mag im Ansatz noch im Kino funktionieren, aber eine besser ausgearbeitete Geschichte hätte dem Film deutlich besser gestanden, zumal das Potential einfach da war.

I, Frankenstein

Ein Vorwort

Als Gegenpart zu Dracula Untold hab ich leider keine Vorgeschichte zu Frankenstein gefunden, was auch nicht gepasst hätte, ist doch die Erschaffung des Monsters eine eigentliche Vorgeschichte zu dem später passierendem. Aber mit I, Frankenstein ebenfalls aus dem Jahr 2014 gibt es ein Sequel, welche das Monster überleben ließ und es in die heutige Zeit steckt. Also ein perfektes Gegenstück.

Die Handlung

Frankenstein verfolgt sein Monster (Aaron Eckhart bis in die Arktis, wo er schließlich erliegt. Sein Monster bringt ihn zurück in seine Heimat und setzt ihn in der Familiengruft bei. Dabei wird er von Dämonen überrascht, die er aber zusammen mit zwei Gargoyles in die Flucht schlagen kann. Die Gargoyles bringen ihn zu ihrem Orden und stellen ihn ihrer Königin Leonore (Miriam Otto) vor. Sie gibt dem Monster den Namen Adam und bittet ihn den Orden im Kampf gegen den Dämon Naberius (Bill Nighy) zu unterstützen. Adam lehnt ab und macht sich alleine auf den Weg. Über die Jahrhunderte hinweg, kämpft er immer wieder gegen Dämonen. In der heutigen Zeit kommt er erneut in Berührung mit dem Gargoyle-Orden und dem Dämon Naberius, der verzweifelt versucht, Frankensteins Experiment von damals zu wiederholen.

Meine Meinung

Ich kann mich wage erinnern, dass ich den Film schon einmal gesehen habe und nicht so gut fand. Diesmal beim zweiten Sehen fand ich ihn schon deutlich besser. Die ganze Grundidee, Frankensteins Monster überleben zu lassen und in die heutige Zeit zu verfrachten, funktioniert sehr gut. Auch die Idee, dass es immer noch jemanden gibt, der die Experimente Frankensteins wiederholen will, passen gut. Das es ausgerechnet Dämonen sein müssen, passt nicht so ganz, denn Frankenstein ist nur bedingt ein Fantasieroman, wird es doch unter dem Grundsatz der Wissenschaft gestellt. Aber hat man sich einmal damit abgefunden, funktioniert auch der Aspekt. Als Gegenpart einen Gargoyle-Orden ins Leben zu rufen, hatte durchaus Potential, was irgendwie nicht wirklich genutzt wurde. Und das war auch das Problem am Film. Er funktioniert solange Adam (Frankensteins Monster) allein unterwegs ist oder versucht Nachforschungen anzustellen bzw. den Dämonen entgegen tritt. Sobald der Gargoyle-Orden jedoch auftaucht ist es eine wilde Mischung aus Kirchenparodie, schlechtem Schauspiel, allen voran Miranda Otto, und übermäßigem Heldengefasel. Da Kevin Grevioux am Drehbuch beteiligt war, der auch die Comicvorlage schrieb, hätte ich doch etwas mehr erwartet, da Grevioux auch an der Underworld Reihe beteiligt war – zumindest an den ersten drei Teilen, bevor die Reihe den Bach runter ging. Auch gibt es durch den Orden ein wildes „Wer verrät wen?“, was ich selten mag. Schade, denn die Idee Gargoyles mit in die Handlung einzufügen, fand ich schon interessant. 

Das Fazit

Eine grundsätzlich interessante und spannende Weiterentwicklung von Frankenstein, aber mit einem großen störenden Element, was das Sehvergnügen durchaus trübt. 

Meine Monsterwochen #4: Coppola & Branagh

Herzlich Willkommen zum vierten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die Verfilmungen von Francis Ford Coppola und Kenneth Branagh gehen

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Bram Stoker’s Dracula

Ein Vorwort

1992 brachte Francis Ford Coppola seine Interpretation des Stoffes von Bram Stoker in die Kinos. Ursprünglich wollte er den Film lediglich D nennen, um sich von anderen Verfilmungen abzusetzen. Da er aber eine größtenteils buchgetreue Fassung ablieferte, wurde letztlich sogar der Autorenname im Titel genannt. In dieser Reihe taucht er auf, da er ebenfalls zu den bekanntesten Verfilmungen gehört.

Die Handlung

Nach dem Selbstmord seiner Frau wird der transsilvanische Fürst Dracul (Gary Oldman) zu einem Vampir. Viele Jahre später reist der junge Anwalt Jonathan Harker (Keanu Reeves) auf das Anwesen des Grafen, um dort Verträge abzuschließen. Dabei sieht der Graf ein Bild von Harkers Verlobten Mina Murray (Winona Ryder), in der er seine verstorbene Frau entdeckt. Er überlässt Harker drei Vampirfrauen und reist nach London, wo er Mina umgarnt. Gleichzeitig stillt er seine Gier an Minas Freundin Lucy (Sadie Frost). Zur Hilfe eilt Professor Van Helsing (Anthony Hopkins).

Meine Meinung

Während Coppola mit Filmen wie Der Pate und Apocalypse Now sich einen gewissen Ruf erarbeitet hat, waren die Erwartungen an Dracula dementsprechend hoch. Doch mit dieser wilden Mischung aus Horror, Splatter und Liebesgeschichte wird er seinem Ruf wohl nicht gerecht. Fangen wir mit den positiven Aspekten an. Es wurden alle wichtigen Charaktere aus dem Buch übernommen und sie behalten größtenteils ihre Eigenschaften. Auch generelle Abläufe sind übernommen worden. Vor allem sticht wohl die Optik heraus, auch wenn einige Darstellungen stark übertrieben scheinen. Und spannend ist der Film auch, selbst wenn man das Buch und damit den Ausgang des Ganzen kennt. 
Kommen wir auch schon zu den Kritikpunkten. Hier dürften wohl an vorderster Stelle Coppolas übereifrige Darstellungen stehen. Ein bisschen viel Blut wird verspritzt, keine Szene ist einfach nur eine Szene, sondern alle sind dafür da, um Anstoß zu bieten. Während Stokers sexuelle Komponente der Geschichte stets untergründig blieb und nur leicht zu spüren war, wird sie hier mit dem Vorschlaghammer ausgenutzt. Während eigentlich der Akt des Blutsaugens erotisch sein sollte, wird hier ein halber Porno draus gemacht. Ob die dazu gedichtete Vorgeschichte des Grafen und die daraus resultierende Liebesgeschichte wirklich nötig war, sei mal dahin gestellt, im Gegensatz zu vielen anderen Aspekten wirkt sie aber nicht völlig fehl am Platz. Allerdings nimmt sie Mina als Charakter viele ihrer positiven Aspekte, scheint sie hier doch eher das verliebte Naivchen zu sein, statt der starken Frau aus dem Buch. Auch die Besetzung scheint teilweise etwas unglücklich. Sei es ein Anthony Hopkins als Van Helsing, der hier einen stets stark angeheiterten Professor abgibt, einen ausdruckslosen Keanu Reeves oder einen Gary Oldman, der sich auch stets der Grenze zum Overacting gefährlich nähert. Am ungeschicktesten dürfte aber wohl Winona Ryder als Mina Harker sein. Obwohl sie zu dem Zeitpunkt schon in einigen bekannten Produktionen mitgespielt hat, scheint sie hier das Schauspiel komplett verlernt zu haben. Kein Ausdruck, kaum Emotionen und dabei war ihre Rolle laut Drehbuch schon durchaus schwierig. 
Letztlich hatte der Film eigentlich einen namenhaften Cast und einen noch namenhafteren Regisseur. Dennoch weiß der Film vorne und hinten nicht, was er eigentlich sein will und was er schließlich aussagen will. Ja die Geschichte bleibt in den Grundzügen buchnah, aber letztlich wirkt es eher wie eine Parodie auf das Buch. 

Das Fazit

Francis Ford Coppolas Bram Stokers Dracula – man hätte vielleicht bei dem Namen D bleiben sollen – kennt nur zwei Arten: Zu viel und zu wenig. Zu viel Blut, Overacting und deutlich zu viel Pornocharakter. Zu wenig Schauspiel, zu wenig Charme, zu wenig Tiefe. Ein schwieriges Werk.

Mary Shelley’s Frankenstein

Ein Vorwort

Während mir Coppolas Verfilmung von Dracula regelrecht entgegensprang und ich sie unbedingt in meine Monsterwochen einbinden wollte, ging es nun darum ein ebenwürdiges Pendant dazu mit Frankenstein zu finden. Und auch wenn ich Kenneth Branagh nun keinesfalls mit Coppola gleichsetzen will, vereint die beiden doch zumindest die ähnliche Entstehungszeit, die hochkarätige Besetzung und die gleiche Huldigung der Buchvorlage durch Nennung des Autorenamens im Titel.

Die Handlung

Victor Frankenstein kommt über den Verlust der geliebten Mutter nicht hinweg. Als er auszieht, um zu studieren, sucht er noch immer nach Antworten. Er stößt auf ein Experiment eines seiner Professoren, der jedoch verstirbt. Also versucht Frankenstein das Experiment nachzumachen, wobei er aus Totem Leben erschaffen will. Doch seine Kreatur ängstigt ihn und er bereut seine Tat. Doch seine Taten holen ihn ständig wieder ein.

Meine Meinung

Ähnlich wie Coppola bleibt auch Branagh sehr nah an der Buchvorlage, zumindest in vielen Teilen. So tauchen alle wichtigen Figuren auf, auch wenn sie an manchen Stellen etwas umgeschrieben wurden, was aber erst einmal dem Film nicht schadet. Auch ähnlich wie Coppola inszeniert Branagh hier große Teile des Films ein wenig zu intensiv. Alles wird mit großen Gesten gemacht, nichts mit kleinen Worten. Keine Szene ist dezent inszeniert, sondern stets mit großem Trara.
Auch wenn der Aspekt bereits an der Belastbarkeit des Zuschauers zehrt, wird es dabei nicht belassen. Branagh schlüpft, wie in vielen seiner Filme, auch hier in die Hauptrolle und präsentiert uns seinen Victor Frankenstein. Da diese Rolle im Buch nicht unbedingt ein Sympathieträger ist, schreibt Branagh die Rolle ein wenig um. Statt mit einer permanenten naiven Weinerlichkeit umzugehen, hat nun der Zuschauer hier einen unter Strom stehenden Frankenstein, der ständig durch seine zu laute Stimme und zu heftigen Reden auffällt. Freunde und Familie stößt er regelmäßig von sich und wenn die nicht selbst zu ihm zurückkehren, obwohl er so ungehobelt war, läuft er ihnen selbst hinterher, um sich immerzu zu entschuldigen. Was so schon anstrengend wäre, wird noch auf die Spitze getrieben durch Branaghs konsequentes over-acting. Er geht damit so weit, dass er selbst Helena Bonham-Carter, die hier eigentlich noch ruhig und souverän spielt, fast verführt ihn ebendieses abzudriften.
Hat der Zuschauer einmal das erste Drittel überstanden, darf er ein wenig aufatmen. Denn ab hier wird die Inszenierung ein wenig ruhiger und bodenständiger. Vor allem dürfen wir ab jetzt aber auch Robert deNiro als Frankensteins Monster begrüßen. deNiro spielt die Kreatur wirklich auf den Punkt. Die Verwirrung über das plötzliche Leben und wie er von allen, sogar seinem eigenen Schöpfer, als abstoßend empfunden wurde, weswegen ihm permanent Hass und Ablehnung entgegenschlägt. Dabei wurde auch sein Aussehen wohl dem von Shelley erdachten angepasst. Man bekommt einen Einblick in sein Denken und Handeln, auch wenn einige kleinere Szenen weggelassen wurden, die doch eine große Aussage treffen könnten, warum er seine Entwicklung durchmacht. Hier spiele ich vor allem auf die kurze Szenen aus dem Buch an, wo die Kreatur ein Mädchen vor dem Ertrinken rettet und dann von ihrem Vater fast erschossen wird. Letztlich wurde die Grundabsicht Shelleys aber doch deutlich.
Wir kommen also zum letzten Drittel des Films. Hier wird das Drehbuch wieder aufgeregter und Szenen werden wild hin und her geworfen, ähnlich der Wankelmütigkeit von Branaghs Frankenstein. Hier dürften sich dann auch die größten Änderungen zu Shelleys Vorlage finden. Gerade das große Finale wird hier abgewandelt und zeigt einmal mehr, dass verzweifelt versucht wurde, eine eher dialoglastige Geschichte, mit vielen Beschreibungen der Gedanken und des Innenlebens des Protagonisten, eine bildgewaltige Verfilmung zu machen. Dass der Film mit einer wesentlich dezenteren Darstellung vielleicht sogar besser verfahren wäre, wird hier komplett außer Acht gelassen.

Das Fazit

Buchnah und doch so opulent inszeniert, dass man sich nur die Haare raufen kann. Der Film erfasst irgendwo die Grundstimmung und Tiefe des Buches und kann doch die essenziellen Botschaften nur bedingt rüberbringen.