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Ein Vorwort

Elyas M’Barek entwickelt sich immer mehr zum Zugpferd der deutschen Kinolandschaft. Im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen hat er jedoch bewiesen, dass er auch jenseits seiner Klamauk-Erfolgsreihe „Fack ju Göhte“ seine Stärken zeigen kann. So sah man ihn zuletzt in „Dieses bescheuerte Herz“ in einer nachdenklicheren Rolle. Nun versucht er als Junganwalt dies fortzusetzen.

Die Handlung

Der junge Anwalt Leinen (Elyas M’Barek) bekommt eine Pflichtverteidigung, die er zunächst annimmt. Kurz darauf muss er jedoch feststellen, dass er den Mörder seines Ziehvaters verteidigt. Da er das Mandat nicht einfach wieder abgeben kann, versucht er ein schnelles Geständnis zu bekommen. Doch Herr Collini (Franco Nero) schweigt eisern.

Meine Meinung

Der Fall Collini kommt zunächst als einfaches Gerichtsdrama daher. Dabei wird jedoch von Anfang an ein guter Spannungsbogen aufgebaut, da man zwar von vorneherein weiß, dass Collini den Mord begangen hat, aber eben nicht wieso. Hier spielt vor allem auch die Charakterkonstellation eine wichtige Rolle. Denn dem unerfahrenen Junganwalt Leinen steht ein alter Hase im Geschäft gegenüber, der den Fall schon gewonnen sieht und ganz ruhig und routiniert seiner Arbeit nachgeht und über die hibbelige Art des jungen Anwalts nur schmunzeln kann. Dann taucht auch noch der ehemalige Professor Leinens auf, den er in seinen Vorlesungen immer bewundert hat. Dieser vertritt die Familie des Ermordeten, eben jene Familie, mit der Leinen eine unbeschwerte Kindheit verbindet.
Schon allein dieser Umstand macht aus der Fall Collini einen spannenden Film. Jedoch hätte die Spannung wohl nicht über die gesamte Laufzeit von 123 Minuten gehalten werden können. So kommt der große Knall und eine komplette Wendung der Geschehnisse circa in der Mitte des Films. Hier wird der Zuschauer zunächst überrascht, weiß dann nicht genau, was er davon halten soll, bis es schließlich zu einer kompletten Kehrtwende der Sympathien kommt. Hier wird gekonnt mit den Emotionen des Zuschauers gespielt. Unterbrochen wird das ganze Schauspiel eigentlich nur durch eine völlig unnötige Liebesgeschichte, die dann auch sehr schnell im Sand verläuft.
Untermauert wird das Ganze von sehr starken Schauspielleistungen. Allen voran zeigt Elyas M’Barek noch einmal eine neue Seite und dürfte auch den letzten Kritiker nun überzeugt haben, dass er auch ernste Rollen spielen kann. Im Gegenüber steht ein Heiner Lauterbach, der seine Rolle zwischen Härte und Augenzwinkern wunderbar ausbalanciert. Und dann wäre da noch Franco Nero, der als Fabricio Collini noch einmal alle an die Wand spielt. Während des gesamten Films spricht er gerade mal ein paar wenige Sätze und doch schafft er es in seiner eigentlich steifen Miene so viele Gefühle zu zeigen, die sich teilweise nur in Nuancen ausdrücken und doch unfassbar viel aussagen. Im Gegensatz dazu spielt Alexandra Maria Lara ihre Rolle unpointiert, in den falschen Momenten aufbrausend und nichts sagend. Bis zum Ende kennt man ihre Beweggründe nicht, da sie absolut nichts aussagt. Weder durch Dialog noch durch Mimik.
Am Ende hat Der Fall Collini mit einem guten Spannungsbogen gepunktet, auch wenn man nach der großen Wendung in der Mitte des Films so ziemlich erahnen konnte, worauf der Film hinausläuft, und dies mit seinem guten Cast untermauert. Der Film bleibt sich auch hier in seiner Erzählung treu, untermauert seinen Standpunkt und klärt die Frage nach dem Motiv. Danach macht es sich der Film jedoch ein wenig leicht und überspringt einen essentiellen Punkt einer jeden Gerichtsverhandlung. So kann zwar jeder Zuschauer am Ende bei seiner eigenen Meinung bleiben, jedoch fehlt irgendwo die finale Auflösung. Ein kleiner Wehrmutstropfen eines ansonsten starken Films.

Das Fazit

Ein Gerichtsdrama, dass nicht nach dem „Wer“, sondern nach dem „Warum“ fragt und dies spannend erzählt und mit überwiegend guten Darstellern daher kommt. Jedoch fehlt nach der großen Wendung noch einmal das Unvorhergesehene und so gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der Fall Collini läuft seit dem 18.04.2019 in den deutschen Kinos.