Tausend Zeilen

Ein Vorwort

Michael „Bully“ Herbig hat sich in der deutschen Medienlandschaft durch seine Comedy einen Namen gemacht und prägte gerade die 2000er Jahre mit Filmen wie Schuh des Manitu oder auch Traumschiff Surprise. Mit Ballon (2018) brachte er seinen ersten ernsten Film heraus, der jedoch gleich ins Schwarze traf. Nun nahm er sich ein relativ aktuelles Thema vor und brachte seinen zweiten ernsten Film heraus. Warum Tausend Zeilen nicht gänzlich funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Lars Bogenius (Jonas Nay) ist ein aufstrebener Journalist bei Die Chronik und bekannt für seine mitreißenden Reportagen, für die er bereits mehrere Preise gewonnen hat. Doch als er bei einer Reportage über die Flüchtlinge Mexikos in die USA zusammen mit seinem Kollegen Juan Romero (Elyas M’Barek) schreiben soll, fallen diesem Unstimmigkeiten auf. Die Chefetage möchte davon jedoch nichts hören, weswegen sich Romero allein auf Nachforschungen begibt.

Meine Meinung

Nach dem Trailer war ich nicht wirklich überzeugt, ob ich den Film sehen wollte, da dieser sehr wirr geschnitten ist und irgendwie merkwürdige Szenen enthielt, die im finalen Film kaum Bewandnis hatten. Aber nach Ballon hatte Bully bei mir einen Vertrauensvorschuss und irgendwie sprach mich das Thema auch an.
Mit dem „Fall Relotius“ oder dem „Fall Spiegel“ hatte ich mich vorher sehr wenig beschäftigt, weswegen die Vorgänge mir im Film sehr neu waren. Dabei geht es ziemlich schnell ins Eingemachte, immerhin hatte der Film mit 93 Minuten einen ziemlich straffen Zeitplan. Dadurch geht dem Film vermutlich das Subtile verloren. Mit der Holzhammer-Methode werden schnell die gängigen Akteure vorgestellt und ziemlich schnell ins Schwarz-Weiß-Schema von Gut und Böse gepresst. Keine Zwischentöne. Die karriereorientierten Chefs, die die Auflage pushen wollen und daher ziemlich eindeutige Botschaften verbreiten. Die Mitarbeitenden, die versuchen dem Druck standzuhalten und eben Lars Bogenius, der sich sehr offensichtlich in seinen Lügengeschichten verstrickt und zu glatt wirkt. Er ist hier ganz eindeutig der Antagonist, keine Hintergrundgeschichte, so dass er irgendwie jeder sein könnte, kein Warum, kein Motiv, nur sein scheinbares Kalkül. Als Gegenspieler haben wir Romero, der den überforderten Protagonisten spielt. Mit ihm bekommt die Geschichte ein Gesicht und gerade seine Entwicklung zur Überforderung wird auch mit einer Familiengeschichte glaubhaft dargestellt.
Die Geschichte wird stringent erzählt und da wahrscheinlich jedem außer mir der Ausgang klar war, wird hier gar nicht versucht das Ende zu verschleiern. Es geht nicht um das Was, sondern nur um das Wie. Dadurch, dass die Charaktere aber sehr überzeichnet sind, schwankt Bully immer wieder hin zur Satire, hält sich dann aber selbst zurück. Zwischendurch gibt es dann wieder kleinere Montagen, die zeigen, was möglich gewesen wäre, wenn man sich hier mehr getraut hätte.
Stattdessen versucht man irgendwie den Journalismus zu verteidigen, während man eigentlich einen großen Journalismus-Skandal erzählt. Dadurch wird sich auch auf die Figur Bogenius als Antagonisten konzentriert, und nur gegen Ende kurz erwähnt, dass hier ein ganzes System falsch ausgerichtet war.
So hat Tausend Zeilen durchaus gute Ansätze und funktioniert in seiner Gesamtheit ganz gut. Doch er wirkt sehr plump und zu Überzeichnet, ohne die Chance der Satire zu nutzen. Dies bleibt als Wermutstropfen zurück. Schauspielerisch birgt der Film wenig herausragendes. Alle Darstellenden spielen ihre Rollen auf gutem Niveau, kommen aber aus den einfach gezeichneten Charakteren nicht heraus.
So verfliegen die 93 Minuten nur so, und der Film ist keinesfalls langweilig. Aber im fehlt der Biss, der ihn auf ein höheres Niveau gehoben hätte.

Das Fazit

Tausend Zeilen ist ein durchaus spannender Film, der jedoch an sehr eindimensionalen Charakteren und dem Holzhammer-Erzählstil scheitert und so nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus kommt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Tausend Zeilen läuft seit dem 29.09.2022 in den deutschen Kinos

Liebesdings

Ein Vorwort

Es wurde mal wieder Zeit für eine deutsche Liebeskomödie. Der Trailer war absolut unterirdisch, einige Witze gingen mir sehr in die falsche Richtung und die Handlung klang einfach nur uninspiriert. Warum ich es hinterher gar nicht so sehr bereut habe, dass ich reingeschleppt wurde, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Marvin Bosch (Elyas M’Barek) ist ein gefeierter Schauspieler. Doch nach einem desaströsen Interview findet er sich im kurz vor dem Bankrott stehenden Theater von Frieda (Lucie Heinze) und ihren Freund*innen wieder. Da er untertauchen muss und Frieda Geld braucht, schließen sie sich zusammen.

Meine Meinung

Bei Trailern zu deutschen Liebeskomödien bin ich tendenziell sehr vorsichtig. Während andere Komödien, wie Der Vorname oder auch zuletzt Eingeschlossene Gesellschaft gezeigt haben, dass nicht alle deutschen Komödien nicht funktionieren, ist der Zusatz der Liebesgeschichte leider noch immer ein Garant dafür, dass der Film nicht funktioniert. Der Trailer zu Liebesdings schien schon alles zu bestätigen, gerade der erste mit langweiligem Voice-over ließ mich alle Vorurteile bestätigen. Dennoch ließ ich mich in den Film ziehen und rechnete mit dem schlimmsten.
Doch dafür wurde ich ziemlich überrascht. Denn die schlimmsten Szenen waren tatsächlich bereits im Trailer verbraten. Dennoch hat der Film zwei große Probleme: Er hat kaum Liebesgeschichte und ist nicht witzig. Für eine Liebeskomödie praktisch der Todesstoß. Die Liebesgeschichte ist zwar irgendwie da, aber wirkt auch eher wie ein Lückenfüller, wenn der Film nicht weiß, was er ansonsten erzählen soll. Plötzlich und unerwartet sind Gefühle da, Streit 1, Streit 2 und immer so weiter. Um die Geschichte auszuerzählen, hätte er sich viel mehr darauf konzentrieren müssen, doch da der Film überladen ist mit Themen, ist dies einfach hinten runter gefallen. So war es absolut nicht nachvollziehbar, woher die Gefühle der beiden kamen und wieso gleich so intensiv. Gleichzeitig versucht der Film sich als Komödie, doch vergreift sich dabei mehr als einmal im Ton. Die Stand-up Auftritte (unter anderem von Simon Pearce) sollen den Film etwas auflockern, schaffen es aber auch nur teilweise witzig zu sein.
Tatsächlich funktioniert der Film an den Stellen, an denen er eher ruhiger wird und ernstere Themen anspricht. Wenn es um die Diversität im Theater geht oder auch wenn es um Marvins Reflexion über das Schauspielersein geht, zeigt der Film, dass er nachgedacht hat und das er Aussagen hat. Wäre dies der Schwerpunkt gewesen, also weg mit Liebesgeschichte und Komödie, hätte es ein echt guter nachdenklicher Film sein können. Schauspielerisch war auf jeden Fall die Grundlage dafür da.
Stattdessen ist es ein Crashkurs Feminismus hier, ein bisschen Kritik am Presserummel da, nebenbei noch schnell trans Rechte und Depressionen einbauen. Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, wenn solche Themen eingebaut werden ohne das große Aushängeschild zu sein, weil es einfach normal ist. Aber Liebesdings ist überladen mit Botschaften, ohne für nur eine genug Zeit zu haben, um sie auszuerzählen. Gleichzeitig muss noch ein witziger One-Liner her, weil dem Drehbuch doch wieder einfiel, dass es sich um eine Komödie handelt.
So ist Liebesdings am Ende kein wirklich schlechter Film, er lässt sich vom Niveau her deutlich besser anschauen als andere Filme des Genres. Aber  er verpasst auch die Chance wirklich gut zu sein. Zu viele Baustellen, zu überladen, zu wenig Zeit für irgendwas. Schade. Denn er hätte wirklich das Gegenbeispiel zu den schlechten deutschen Liebeskomödien werden können.

Das Fazit

Liebesdings versagt als Liebeskomödie an der schwachen Liebesgeschichte und der kaum vorhandenen Komödie. Während er versucht mit ernsten Themen zu punkten, verpasst er die Chance wirklich etwas auszusagen, weil er viel zu vollgepackt ist. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Liebesdings läuft seit dem 07.07.2022 in den deutschen Kinos

Nightlife

Ein Vorwort

Dass die Deutschen immer nur Komödien auf die Kinoleinwand bringen, ist ein weit verbreitetes Klischee, das allerdings auch immer wieder gefüttert wird. Während zuletzt Enkel für Anfänger noch als Komödie vermarktet wurde, sich darunter aber ein gutes Drama verbarg, bringt uns nun Regisseur Simon Verhoeven eine sehr platte Komödie auf die Leinwand. Warum Nightlife abgesehen von ein paar guten Ideen, nur wenig kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Milo (Elyas M’Barek) und Renzo (Frederik Lau) wollen ihre eigene Bar eröffnen. Doch dafür brauchen sie Geld. Während Renzo dies beschaffen will, schafft Milo es ein Date mit Sunny (Palina Rojinski) klarzumachen, die eigentlich nach diesem Wochenende einen neuen Job in den USA antreten will. Doch das Date gerät schnell außer Kontrolle, da sich Renzo mit den falschen Leuten angelegt hat.

Meine Meinung

Man nehme zwei erfolgreiche Jungdarsteller aus Deutschland, paare dies mit einer erfolgreichen Jungschauspielerin aus Deutschland, schreibe eine ziemlich abgedrehte Handlung, eine in die möglichst viel Slapstick reinpasst und garniere dies mit Klischees. Oh und man vergesse auf gar keinen Fall die obligatorische Liebesgeschichte. Et voila Nightlife.
Aber was läuft in dem Film nun so verkehrt. Zunächst tatsächlich erstmal gar nichts. Wir haben einen sehr überzeugenden Elyas M’Barek, der sich ein eigentlich cooles Leben aufgebaut hat und nun etwas verändern will. Vom Barkeeper zum Barbesitzer. Dann haben wir einen Frederick Lau, der die Rolle des ständig besoffenen oder zugekifften Kumpel spielt. Hier fangen dann die ersten Klischees an, aber es ist alles noch nicht weiter tragisch. Als weibliche Komponente hätten wir dann jedoch Palina Rojinski. Ihre Rolle der verbitterten, aber eigentlich zutiefst romantisch veranlagten Träumerin scheint dann mehr gewollt als gekonnt reingeschrieben zu sein. Denn eigentlich beschwert sie sich in einem fort über ihren Job und vor allem über Männer und das sie mit denen ja nicht mehr zu tun haben will. Trifft dann aber auf Milo, wirft den Vorsatz über Bord, erinnert sich wieder, dass sie kein Date will, wimmelt ihn ab, stimmt dann einem Date zu, wird dabei leicht versetzt, geht aber natürlich nicht, sagt dann während des Dates immer wieder, dass sie aktuell keine Beziehung will und jetzt gehen wird, geht aber einfach nicht. Hier fangen also schon die Probleme des Films an.
Es geht weiter damit, dass Renzo (Lau) in Schwierigkeiten gerät und dann geraten beide Freunde natürlich immer weiter in Schwierigkeiten, aber Milo will auf das Date nicht verzichten und versucht dann beides unter einen Hut zu bekommen. Man kann Nightlife hier noch zu gute halten, dass er durchaus zwischendurch gute Momente hatte und einzelne Witze durchaus auch funken. Leider habe ich bei den meisten Gags zwar reflexartig gelacht, mir direkt danach aber gedacht „Was ist denn das für ein Scheiß?“. Das spricht leider nicht für die Witze, die meist plump und mit spröden One-Linern daher kommen. So sind die Szenen beim Spieleabend durchaus witzig, zeigen aber auch nur billige Klischees von Rollenspielern und stellen sie alle als kostümliebende Trottel dar. Kann man für ein paar billige Gags durchaus machen, die eigentlichen Witze aus den Szenen hätten aber auch ohne die Klischees funktioniert.
Auch die Antagonisten wurden stupide aus dem Lehrbuch für Bösewichte übernommen. Natürlich sind es erstmal Russen, einer davon möchte jederzeit gerne anderen wehtun oder sie verstümmeln. Natürlich gibt es dann das obligatorische Ultimatum. Dann gibt es als Gegenspieler natürlich auch noch die superbösen Gangsterrapper, die es natürlich nicht schaffen unsere Protagonisten einzuholen.
Und so zieht sich der Film gefühlt von einer belanglosen Szene zur nächsten, man kann keinen Charakter wirklich ernst nehmen, die wenigsten Witze zünden richtig und das große Finale ist dann nur ein weiterer enttäuschender Aspekt – du sprichst russisch? Cool, ich spreche ja auch russisch…

Das Fazit

Nightlife ist einer dieser Filme, die das Klischee, dass die deutschen nur schlechte Komödien können, einmal mehr bestätigt. Plumpe Handlung, flache Charaktere, Witze, die sich nur aus One-Liners ergeben und das wohl schwächste Finale seit langem. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Der Fall Collini

Ein Vorwort

Elyas M’Barek entwickelt sich immer mehr zum Zugpferd der deutschen Kinolandschaft. Im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen hat er jedoch bewiesen, dass er auch jenseits seiner Klamauk-Erfolgsreihe „Fack ju Göhte“ seine Stärken zeigen kann. So sah man ihn zuletzt in „Dieses bescheuerte Herz“ in einer nachdenklicheren Rolle. Nun versucht er als Junganwalt dies fortzusetzen.

Die Handlung

Der junge Anwalt Leinen (Elyas M’Barek) bekommt eine Pflichtverteidigung, die er zunächst annimmt. Kurz darauf muss er jedoch feststellen, dass er den Mörder seines Ziehvaters verteidigt. Da er das Mandat nicht einfach wieder abgeben kann, versucht er ein schnelles Geständnis zu bekommen. Doch Herr Collini (Franco Nero) schweigt eisern.

Meine Meinung

Der Fall Collini kommt zunächst als einfaches Gerichtsdrama daher. Dabei wird jedoch von Anfang an ein guter Spannungsbogen aufgebaut, da man zwar von vorneherein weiß, dass Collini den Mord begangen hat, aber eben nicht wieso. Hier spielt vor allem auch die Charakterkonstellation eine wichtige Rolle. Denn dem unerfahrenen Junganwalt Leinen steht ein alter Hase im Geschäft gegenüber, der den Fall schon gewonnen sieht und ganz ruhig und routiniert seiner Arbeit nachgeht und über die hibbelige Art des jungen Anwalts nur schmunzeln kann. Dann taucht auch noch der ehemalige Professor Leinens auf, den er in seinen Vorlesungen immer bewundert hat. Dieser vertritt die Familie des Ermordeten, eben jene Familie, mit der Leinen eine unbeschwerte Kindheit verbindet.
Schon allein dieser Umstand macht aus der Fall Collini einen spannenden Film. Jedoch hätte die Spannung wohl nicht über die gesamte Laufzeit von 123 Minuten gehalten werden können. So kommt der große Knall und eine komplette Wendung der Geschehnisse circa in der Mitte des Films. Hier wird der Zuschauer zunächst überrascht, weiß dann nicht genau, was er davon halten soll, bis es schließlich zu einer kompletten Kehrtwende der Sympathien kommt. Hier wird gekonnt mit den Emotionen des Zuschauers gespielt. Unterbrochen wird das ganze Schauspiel eigentlich nur durch eine völlig unnötige Liebesgeschichte, die dann auch sehr schnell im Sand verläuft.
Untermauert wird das Ganze von sehr starken Schauspielleistungen. Allen voran zeigt Elyas M’Barek noch einmal eine neue Seite und dürfte auch den letzten Kritiker nun überzeugt haben, dass er auch ernste Rollen spielen kann. Im Gegenüber steht ein Heiner Lauterbach, der seine Rolle zwischen Härte und Augenzwinkern wunderbar ausbalanciert. Und dann wäre da noch Franco Nero, der als Fabricio Collini noch einmal alle an die Wand spielt. Während des gesamten Films spricht er gerade mal ein paar wenige Sätze und doch schafft er es in seiner eigentlich steifen Miene so viele Gefühle zu zeigen, die sich teilweise nur in Nuancen ausdrücken und doch unfassbar viel aussagen. Im Gegensatz dazu spielt Alexandra Maria Lara ihre Rolle unpointiert, in den falschen Momenten aufbrausend und nichts sagend. Bis zum Ende kennt man ihre Beweggründe nicht, da sie absolut nichts aussagt. Weder durch Dialog noch durch Mimik.
Am Ende hat Der Fall Collini mit einem guten Spannungsbogen gepunktet, auch wenn man nach der großen Wendung in der Mitte des Films so ziemlich erahnen konnte, worauf der Film hinausläuft, und dies mit seinem guten Cast untermauert. Der Film bleibt sich auch hier in seiner Erzählung treu, untermauert seinen Standpunkt und klärt die Frage nach dem Motiv. Danach macht es sich der Film jedoch ein wenig leicht und überspringt einen essentiellen Punkt einer jeden Gerichtsverhandlung. So kann zwar jeder Zuschauer am Ende bei seiner eigenen Meinung bleiben, jedoch fehlt irgendwo die finale Auflösung. Ein kleiner Wehrmutstropfen eines ansonsten starken Films.

Das Fazit

Ein Gerichtsdrama, dass nicht nach dem „Wer“, sondern nach dem „Warum“ fragt und dies spannend erzählt und mit überwiegend guten Darstellern daher kommt. Jedoch fehlt nach der großen Wendung noch einmal das Unvorhergesehene und so gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Der Fall Collini läuft seit dem 18.04.2019 in den deutschen Kinos.

Dieses bescheuerte Herz

Am 21.12.2017 erschien ein Drama mit realem Hintergrund in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Auf dem ersten Blick scheint die Geschichte von Dieses bescheuerte Herz einem bekannt vorkommen, zumindest wenn man die erfolgreiche französische Komödie Ziemlich beste Freunde gesehen hat. Doch der erste Unterschied ist, dass diesmal nicht der Arme dem kranken Reichen helfen muss, sondern der Reiche dazu verdonnert wird dem kranken Armen zu helfen. Das ganze basiert auf dem Buch von Daniel Meyer und Lars Amend, die realen Akteure des Films.

Die Handlung

Lenny ist fast dreißig, hat aber keine Lust etwas sinnvolles mit seinem Leben anzufangen. Lieber verprasst er bei ausufernden Partys das Geld seines Vaters, eines erfolreichen Arztes. Doch eines Tages übertreibt es Lenny so sehr, dass sein Vater ihm den Geldhahn zudreht. Um wieder an sein heiß geliebtes Geld zu kommen, muss Lenny den herzkranken David für eine Weile betreuen. Denn dieser ist seit seiner Geburt herzkrank und hat mit 15 Jahren inzwischen alle Lebenslust verloren.

Meine Meinung

Dieses bescheuerte Herz hat zwar einen sehr bescheuerten Titel – immer wenn ich jemandem erzählt habe, welchen Film ich gesehen habe, wurde ich fragt, ob mir der Film nicht gefallen hätte… Nein das ist wirklich der Titel des Films – hat aber ansonsten einiges auf dem Kasten. Denn er befasst sich gleich mit einer Vielzahl von Themen und Charakterentwicklungen.
Da haben wir zum einen Lenny, den reichen Arztsohn. Zunächst wird er als das übliche Beispiel vorgeführt. Mit zu viel Geld aufgewachsen, also wofür Verantwortung für irgendwas übernehmen? Doch nach und nach kommen immer mehr Aspekte dazu. Der nicht überwundene Tod der Mutter, das distanzierte Verhältnis zum Vater. Erst durch David und seine Probleme den Alltag zu bewältigen, merkt er, was er alles hat und fängt auch an seinen Vater zu verstehen. Dabei passiert auch das nicht von jetzt auf gleich. Denn zunächst kämpft er mit seiner ihm zugeteilten Aufgabe. Denn wie soll er einen kranken Teenager dazu bringen das Leben wieder zu mögen? Er versucht es zunächst mit den materiellen Dingen, stößt aber bald an seine Grenzen. Diese zu überwinden sind der interessante Aspekt des Films.
Als nächstes lernen wir David kennen. Er ist zum einen der typische Teenager mitten in der Pubertät. Er möchte unbedingt ein Mädchen kennenlernen, ist genervt von seiner Mutter und auf die Schule hat er auch nicht wirklich Lust. Und dann kommt hinzu, dass er herzkrank ist. Doch sein schwaches Herz sind nicht die einzigen Symptome mit denen er zu kämpfen hat. Daher fallen viele normale Unternehmungen für ihn immer flach und sein Leben ist stark eingeschränkt. Darunter leidet er, aber gleichzeitig ist er so frustriert immer wieder sehr heftige Schmerzen zu haben, die ihm auch psychisch immer mehr zusetzen. Erst durch Lennys sehr einfach Art zu leben und den vielen „Abenteuern“ die die beiden miteinander erleben, wird es langsam aber stetig besser.
Als dritte wichtige Figur ist Davids Mutter Betty zu nennen. Sie ist wohl die ehrlichste Figur des Films, der die größte Sympathie zufliegt und mit der man am meisten mitleidet. Denn sie schwankt immer wieder zwischen sehr großer Sorge um David, da sie auch schon sehr viel miterlebt hat, gleichzeitig muss sie aber auch immer die strenge Mutter sein, damit David regelmäßig seine Tabletten nimmt oder muss ihm viele Unternehmungen einfach verbieten. Alles zusammen bringt sie immer wieder ans Ende ihrer Nerven und sie weiß oft einfach nicht mehr weiter.
Das Zusammenspiel aus den Charakterentwicklungen und einer zwar in seiner Grundstruktur relativ einfachen Handlung, im Detail aber doch liebevollen, logischen und teilweise auch überraschenden Handlung und sehr ehrlichen Darstellungen ergibt einen Film, der ganz tief ins Herz geht, berührt und einen auch zum nachdenken anregt. Elyas M’Barek scheint zwar aktuell in gefühlt jedem zweiten deutschen Film mitzuspielen, aber auch hier gibt er wieder eine gute Leistung ab und schafft die Balance zwischen reichem Erben und verzweifeltem Mentor. Philip Noah Schwarz gibt sein Kinodebüt in diesem Film und überzeugt sogleich auf voller Linie. Emotionale Szenen, lustige Szenen, schwierige Szenen, alles schafft er mit großer Bravour. Man kann es sich gut vorstellen ihn auch in anderen Produktionen auf der großen Leinwand zu sehen.
Der Soundtrack ist gut gewählt und passt in die einzelnen Szenen. Szenenbilder sind gut inszeniert und stimmig.

Das Fazit

Dieses bescheuerte Herz schafft es das Drama zwar komödisch anzuhauchen, aber nimmt seine Themen sehr ernst und zeigt so sehr realistisch das Leben eines herzkranken Teenagers, ohne zu beschönigen, aber trotzdem mit durchgehend hoher Spannung. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Fack ju Göhte 3 – Final Fuck

Am 26.10.2017 erschien der dritte und (hoffentlich) letzte Teil der Fack ju Göhte Reihe in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

Als im Jahr 2013 der erste Teil der Fack ju Göhte Reihe in die deutschen Kinos kam, hätte wohl niemand mit dem unbeschreiblichen Erfolg des Filmes gerechnet. Zeki Müller und seine Chaosklasse trafen genau den richtigen Punkt. Die überforderten Lehrer und die missmutigen Schüler wurden angesprochen und das ganze als Komödie mit sozialkritischem Inhalt konzipiert. Alle Figuren waren irgendwo überzogen dargestellt, aber es funktionierte. Der Erfolg wurde dann im Jahr 2015 noch einmal getoppt, auch wenn die Fortsetzung inhaltlich weit hinter dem starken ersten Teil zurück blieb. Nun sollte der Erfolg noch einmal getoppt werden mit dem großen Final Fuck. Doch schafft der dritte Teil die Kurve zur Qualität des ersten oder orientiert er sich doch an dem allzu abgedrehten des zweiten Teils?

Was bisher geschah:

Hier soll es einen kleinen Überblick über die ersten zwei Filme geben, für alle, die diese entweder verdrängt haben oder den dritten Teil sehen möchte, ohne die anderen zu kennen. Spoiler sind dadurch nicht vermeidbar.

Im ersten Teil lernten wir den Sträfling Zeki Müller kennen, der nach einem Bankraub seine Strafe abgesessen hat. Nun will er eigentlich nur noch sein Geld holen und ein neues Leben beginnen. Doch eben jene Person, der er das Geld anvertraut hat, hat dieses auf einer Baustelle vergraben, auf der inzwischen die neue Turnhalle der Goethe-Gesamtschule steht. Also will er sich als Hausmeister in der Schule einschleusen, um nachts heimlich nach seinem Geld zu graben. Leider gibt es ein kleines Missverständnis mit der Direktorin und er wird promt als Lehrer engagiert. Damit nicht genug, bekommt er auch noch die assozialste Klasse der ganzen Schule zugeteilt. Dumm und doch absolut von sich eingenommen und dabei um keinen Streich verlegen. Herr Müller hat ebenso wenig Lust Unterricht zu geben. Doch müssen sie sich alle zusammenreißen und wachsen so zusammen.

Im zweiten Teil findet Zeki Müller Diamanten im hohen Wert, die jedoch durch blöde Zufälle als Spende in Thailand landen. Um diese zurückzuholen, muss er zusammen mit der Klasse der Konkurrenzschule und seiner Chaosklasse auf Klassenfahrt nach Thailand. Natürlich sind seine Schüler kaum zu bändigen. Trotzdem erleben sie zusammen ein großes Abenteuer.

Die Handlung:

Eine Schulprüfung steht in der Goethe-Gesamtschule an und diese verläuft absolut katastrophal. Jetzt steht der 11. Klasse auch noch ein Eignungstest bevor, damit sie überhaupt zum Abitur zugelassen werden. Gerade Herr Müllers Klasse trifft das besonders tief, da sie noch immer ein Problem mit ihrem Selbstvertrauen haben. Können sie sich noch ein letztes Mal zusammenreißen?

Meine Meinung:

Wenn in der Anfangssequenz einmal das Schulgebäude der Goethe-Gesamtschule gezeigt wird, ist sie vorallem eins: völlig verdreckt. Hier möchte man weder Lehrer noch Schüler sein. Umso verständlicher, dass alle ein bisschen unmotiviert sind. Die Lehrer haben kaum noch Lust zu unterrichten, die Schüler sind aufgedreht, wie eh und je. Doch neben den in Fack ju Göhte üblichen Themen, wie Versagensangst und das unter Kontrolle kriegen von ausgeflippten Teenagern, nimmt sich der dritte Teil noch ganz fest dem Thema Mobbing an und dem Druck der Eltern. Aber natürlich können diese Themen nicht einfach so angesprochen werden, sondern es muss einen großen Knall geben. Auf diesen großen Knall arbeitet der Film jedoch handlungstechnisch nicht wirklich hin. Hier und da verwebt er einzelne Handlungsstränge, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht, irgendwann mal etwas miteinander zu tun haben.
Zum einen ist da die Handlung über Zeki Müller, der um seinen Job bangt, weil die Schule kurz vor der Schließung steht, wenn nicht einige Maßnahmen getroffen werden. Dann geht es um die 11. Klasse mit Danger, Chantal & Co, die natürlich kein bisschen Bock auf Schule haben, andererseits aber auch eine Menge Angst vor der Zukunft haben. Dann gibt es den Handlungsstrang über die Lehrerin Frau Enzberger, die in den vorherigen Teilen nie auftauchte und nun wohl die Lücke von Frau Schnabelstedt füllen soll, da Karoline Herfurth im dritten Teil nicht mehr mitspielt – die Gründe wurden in zwei Sätzen abgehandelt und an keiner Stelle sinnvoll im Film untergebracht. Dafür geht es gleichzeitig noch um eine andere Klasse, in der ein Schüler sehr stark gemobbt wird und weil das alles noch nicht ausreicht, geht es noch um ein paar Schüler, die einen Selbstmord planen. Somit ist der gesamte Film eigentlich völlig überladen, um auch nur ein einziges Thema richtig ausführen zu können. Aber darum wird sich auch gar nicht bemüht, kann man die Lauflänge doch erreichen, in dem man einen schlechten Witz nach dem nächsten reißt. Während die Charaktere Chantal, Danger & Co im ersten Teil mit ihrer Art noch belustigen konnten, sind sie inzwischen so sehr überzeichnet, dass man die Grundidee hinter ihnen kaum noch erkennen kann. So scheint der dritte Teil auf dem ersten Blick lediglich wie ein stark überzeichneter und überladener Abklatsch des ersten.
Aber dennoch verbirgt sich unter der dreckigen Schale irgendwo doch eine Moral und einzelne Augenblicke zeigen doch, dass sich mit den Problemen der Schüler auseinander gesetzt wird und man auch den Zuschauer irgendwo ernst nimmt. Ohne diese einzelnen Szenen wäre der dritte Teil wohl wie der zweite ein kompletter Reinfall geworden. Im großen und ganzen kann er aber durch seine inzwischen vollkommen abgedrehten Gags nicht mehr überzeugen.

Das Fazit:

Fack ju Göhte 3 – Final Fuck lädt wieder ein, mit den gleichen bekannten Charakteren, noch derberem Humor und einer völlig abgedrehten Handlung. Dabei will der Film gleichzeitig zu viel und zu wenig und kann sich so weder auf ein Thema, noch auf eine Aussage einigen und bleibt irgendwo in der Belanglosigkeit stecken. Ein gelungener Abschluss einer erfolgreichen Reihe sieht anders aus. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Fack ju Göhte 2

Am 17.09.2015 erschien die Fortsetzung mit der Chaosklasse der Goethe-Gesamtschule und dem chaotischsten Lehrer der Filmgeschichte, in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Zeke Müller soll zusammen mit Frau Schnabelstedt auf internationale Klassenfahrt. Nur das diese es durch ein Missverständnis nicht aus Deutschland heraus schafft. Also muss sich Herr Müller allein mit seinen Chaosschülern herumschlagen. Der Plan ist der Konkurrenzschule, das Schillergymnasium, die Partnerschule in Thailand abzuluchsen. Doch gleichzeitig ist er auf ganz eigener Mission.

2015 scheint das Jahr der nicht gelungenen Fortsetzungen zu sein. Schon bei Avengers – Age of Ultron und bei Pitch Perfect 2 bin ich sehr enttäuscht worden, weil die Filme zu viel wollen, anstatt sich auf eine anständige Fortsetzung zu konzentrieren. Das gleiche ist leider auch bei diesem Film passiert. Der Film griff den Humor vom ersten Film auf, überspitzte ihn aber noch mehr als er ohnehin schon war. Die eigentliche Handlung ist so wirklich gar nicht zu erkennen. Der Film versucht mehrere Handlungsstränge gleichzeitig zu erzählen. Herr Müller ist auf der Suche nach Diamanten, die er neben dem Geld aus dem erste Teil bei dem Raubüberfall für den er saß erbeutete und nun wiederfand, die aber durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle in Thailand landete. Gleichzeitig will die Schule mehr Förderungsgeldern und muss daher beweisen, dass sie ein internationales Projekt verfolgen. Warum nicht das der Konkurrenzschule einfach übernehmen? Vor allem wenn an dieser Schule das Glanzstück eines Lehrers unterrichtet. Diese beiden Handlungsstränge hätte man vielleicht noch unter einem Hut bringen können, wenn man nicht nebenbei noch versucht hätte, Herr Müllers Zweifel an seinem Lehrerdasein und seiner mangelnden Fähigkeit zu unterrichten in Kombination mit den dümmsten Menschen, die die Filmgeschichte je hervorgebracht hat, zu zeigen. Da dies jedoch der eigentliche Hauptschwerpunkt des Filmes sein sollte, hätte man ansonsten vielleicht etwas kürzer treten sollen. Doch stattdessen wurde noch ein weiteres schwerwiegendes Thema hinzugefügt.
2004 erschütterte ein Tsunami die Welt. Viele Menschen starben in Sri Lanka, Thailand, Indonesien und Indien. Auch viele Kinder verloren ihre Eltern und wurden zu obdachlosen Weisen. Im Film wird Anteilnahme vermittelt, die jedoch leider immer wieder missbraucht wurde. Anstatt das schwere Schicksal ernst zu nehmen, werden die Kinder sowohl von Herrn Müller, als auch von der Konkurrenzschule, für ihre eigenen Zwecke benutzt. Da bleibt einem doch schnell das Lachen im Halse stecken.
Auch ansonsten können leider nicht alle komischen Szenen überzeugen. Während es im ersten Teil viele zitierfähige Sprüche gab, schafft der zweite Teil dies leider nicht. Natürlich gibt es komische Momente, die auf einem geringen Intelligenzquotienten basieren, aber diese wirken leider nur für einen kurzen Lacher, jedoch nicht für ein ausgiebiges Lachen.
Elyas M’Barek übernimmt wieder einmal die Rolle des Zeke Müller und spielt dies mit der gleichen Souveränität, wie schon im ersten Teil. Herr Müller weiß immer noch nicht, ob er weiterhin ein Lehrer sein kann oder will. Er zweifelt an sich und wird gleichzeitig von seinen Schülern fast in den Wahnsinn getrieben. Doch obwohl er gerne durchbrennen möchte, schafft er es zu seinen Schülern durchzudringen und den Titel zu behalten „bester Lehrer, den wir je hatten“.
Doch obwohl die eigentliche Handlung nicht zu durchschauen ist, ist der Film trotzdem spannend. Denn die Frage, bleibt Herr Müller Lehrer oder brennt er durch, ist durchgehen präsent.

Alles in allem ist die Fortsetzung eindeutig durchgefallen und erhält daher nur 03 von 10 möglichen Punkten.