Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.2

Wie beim letzten Mal angekündigt, versuche in in dieser Kategorie ein wenig aufzuräumen. Den ersten Teil, der sich mit den Filmen aus den Jahren 2014 und 2015 beschäftigte, findet ihr hier. Nun soll es um das Jahr 2016 gehen. Wie immer versuche ich mich kurz zu fassen und leider sind einige Sichtungen auch schon eine Weile her, weswegen ich mich nicht mehr an alles detailliert erinnere.

2016

1) Where to invade next

Michael Moore spaltet mit seinen Filmen und Äußerungen gerne einmal. Vor allem wird ihm gerne einseitige Berichterstattung vorgeworfen. So sollte man seine Filme immer noch einmal kritisch hinterfragen. Dennoch muss ich sagen, dass mir dieser Film sehr gut gefallen hat. Moore zieht aus, um einige Länder zu besuchen und zu „besetzen“, um ihre Ideen und Werte in bestimmten Dingen zu „stehlen“. So besucht er Italien und ist völlig fasziniert von den Arbeitnehmerrechten, in Finnland von deren Schulsystem, in Deutschland von der Vergangenheitsbewältigung und so weiter. Insgesamt neun Länder, hauptsächlich in Europa werden besucht und mit den Gegebenheiten in den USA verglichen, wobei die USA eindeutig nicht gut wegkommen. Doch die Themen werden immer mit einer humorvollen Pointe versehen und so schmunzelt man durch den Film, auch wenn einige Themen eindeutig nicht zum schmunzeln sind.

2) Trumbo

Dalton Trumbo war ein gefeierter Drehbuchautor. Der Film befasst sich mit seinem Leben und vor allem seiner Zeit auf der berüchtigten Blacklist in den 1940er und 1950er Jahren. Da er Mitglied der kommunistischen Partei in den USA war, wurde ihm verboten zu arbeiten, da er seine kommunistischen Ansichten in die Filme einbringen könnte.
Der Film hat mit einem stark spielenden Bryan Cranston bereits die wichtigste Hauptzutat für den Film gewonnen. Hierfür wurde er zu Recht als bester Hauptdarsteller bei den Oscars nominiert – verloren hat er letztendlich gegen Leonardo diCaprio in The Revenant. Auch das übrige Drehbuch ist rund und gut gestaltet.

3) Triple 9

Ein Triple 9 ist ein Funkspruch der amerikanischen Polizei, die aussagt, dass ein Officer niedergeschossen wurde und sich alle im Unfeld befindlichen Polizisten sofort dort einzufinden haben. Im Film wird dieser Funkspruch von einer Gruppe korrupter Polizisten genutzt, um für die russische Mafia Überfälle zu begehen.
Dabei wartet der Film grundsätzlich mit einem starken Cast auf, die aber alle nicht sonderlich motiviert zu sein scheinen. So wird der Film mehr oder weniger lediglich abgespielt, ohne das eine Schauspielleistung wirklich auffällt. Auch das Drehbuch erscheint nicht wirklich rund, hat es doch eine „unerwartete“ Wendung zu viel. Schade, hier wäre eindeutig mehr möglich gewesen.

4) Alle Farben des Lebens

Ray (Elle Fanning) ist als Ramona geboren, lebt inzwischen aber seit fünf Jahren als Ray. Nun will der 16-jährige auch die offizielle Geschlechtsumwandlung vollziehen lassen. Dafür braucht er die Unterschrift beider Elternteile. So muss seine alleinerziehende Mutter (Naomi Watts) ihren Ex ausfindig machen. Dieser ist der Umwandlung jedoch abgeneigt. Keine große Hilfe ist Rays lesbische Großmutter (Susan Sarandon), die ebenfalls mit im Haus lebt.
Alle Farben des Lebens ist eine berührende Familiengeschichte, die in drei Generationen die Abweichung des „traditionellen“ Familienbildes zeigt. Die lesbische Großmutter, die alleinerziehende Mutter und der Sohn, der im Körper einer Tochter geboren wurde. Dabei wird mit dem Thema Geschlechtsumwandlung absolut respektvoll umgegangen und von verschiedenen Standpunkten beleuchtet, so dass sich der Zuschauer seine eigene Meinung bilden kann. Dabei sticht vor allem das starke Spiel aller drei Frauen hervor. Schade, dass der Film ein bisschen untergegangen zu sein scheint.

5) Nocturnal Animals

Die Galeriebesitzerin Susan Morrow (Amy Adams) bekommt von ihrem Ex-Mann ein Manuskript, in dem es um einen Familienvater geht, dessen Frau und Tochter bei einem Überfall entführt und getötet werden und der später versucht Rache zu nehmen. Morrow erinnert sich an die Ehe zurück und wie sie geendet hat.
Nocturnal Animals ist einer dieser Filme, die ich einfach nicht verstanden habe. Ich kann mir die Zusammenfassung der Handlung so oft durchlesen und weiß hinterher immer noch nicht, was er mir nun damit sagen wollte. Eindeutig nicht mein Film.

6) Willkommen bei den Hartmanns

Die Flüchtlingsthematik ist noch immer aktuell, auch wenn inzwischen nicht mehr in aller Munde. 2016 kam ein Film, der sich auf humorvolle Weise versucht hat, genau dem zu stellen. Familie Hartmann gehört zu den besser gestellten Familien des Landes. Die gelangweilte ehemalige Lehrerin Angelika will ihren Beitrag in der Flüchtlingskrise leisten und überredet ihre Familie dazu einen Flüchtling bei sich aufzunehmen. Doch nicht nur die Familie hat mit der neuen Situation zu kämpfen.
Willkommen bei den Hartmanns greift ein aktuelles Thema auf, um es leider in eine 08/15 deutsche Komödie zu pressen. Weder die Thematik Flüchtlinge, noch Nazis und Vorurteile werden richtig durchleuchtet und auch die Geschichte rund um die Familie ist sehr konstruiert und weidet sich an den undurchdachten Witzen. Leider ein weiterer Reinfall des deutschen Kinos.

5 Gedanken zu „Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.2

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