Origin

Ein Vorwort

Dan Brown veröffentlichte bereits im Jahr 2017 sein inzwischen fünftes Werk über den Symbologen Robert Langdon. Doch nach einem ziemlich langgezogenem Inferno und einem zuvor bereits sehr schwachem Verlorenem Symbol, hatte sich meine Begeisterung für Browns Werke stark abgekühlt. So wollte ich Origin gar nicht erst kaufen, zumal Browns Werke auch gerne mal 25€ kosten. Als Thalia das Buch dann bei einer Lagerräumung für 4€ raushaute, wurde ich dann doch schwach. Und nun war die Zeit gekommen, um Origin doch eine Chance zu geben.

Die Handlung

Robert Langdon wurde von seinem ehemaligen Studenten, dem Zukunftsforscher Edmond Kirsch, zu einer bahnbrechenden Enthüllung seiner Forschung ins Guggenheim Museum in Bilbao eingeladen. Doch durch ein Unglück wird die Ausstrahlung, die die Welt in eine Glaubenskrise stürzen soll, verhindert. Langdon versucht zusammen mit Ambra Vidal, der Direktorin des Museums, Kirschs Entdeckung doch noch zu enthüllen. Dabei gerät er in einen Strudel mit den Anführern der drei großen Weltreligionen und des spanischen Königshauses.

Die Thematik der Brown-Werke

1998 schrieb Dan Brown seinen ersten Roman Diabolus (in Deutschland 2005 erschienen). Hier befasste er sich mit einem Supercomputer der NSA, der alle Verschlüsselungen knacken kann. Hier probierte sich Brown noch aus, schaffte es aber schnell Erfolg zu haben. Illuminati wurde der zweite Roman Browns, 2000 erschienen (in Deutschland 2003 und damit vor Diabolus). Hier erschuf er den Symbologen Robert Langdon, der in Origin seinen inzwischen fünften Auftritt hat und in den Verfilmungen von Tom Hanks gespielt wird, was ihn noch einmal wesentlich sympathischer erscheinen lässt. In Illuminati lässt Brown vier Kardinäle während des Konklaves entführen und zu bestimmten Uhrzeiten hinrichten. Langdon muss einer alten Fährte Galileis folgen und es folgt eine Hetzjagd gegen die Zeit durch Rom. Hier griff Brown zum ersten Mal die Kirche an, auch wenn das Ende einen versöhnlichen Ton annimmt und auf eine Vereinbarkeit zwischen Kirche und Wissenschaft pocht.
2001 (in Deutschland 2003) erschien dann Browns drittes Buch Meteor. Hier verzichtete Brown noch auf Langdon als Helden. Meteor ist leider noch immer eines der Werke, die wohl meinen SuB nie verlassen wird.
2003 (in Deutschland 2005) erschien dann der zweite Teil um den Symbologen Robert Langdon mit Sakrileg. Verfilmt unter dem Originaltitel The Da Vinci Code ist Langdon diesmal in Paris und London auf der Suche nach dem heiligen Gral. Mit seinen Vermutungen über die Rolle Maria Magdalenas schien sich Brown entgültig mit der Kirche überworfen zu haben. Beide Werke Sakrileg und Illuminati brauchten Langdon als Symbologen und er bringt durch seine Geschichtskenntnisse die Handlung deutlich voran. Eine zeitlang wurde es ruhig um Brown. Erst 2009 ging es mit den Abenteuern Langdons weiter. Das Verlorene Symbol spielte diesmal auf amerikanischem Boden und hatte die Freimaurer als Thematik. Leider schien Brown trotz der langen Vorbereitung die Puste ausgegangen zu sein. Ich könnte die Handlung des Buches nicht einmal mehr wiedergeben, so schnell hatte ich sie nach dem Lesen wieder vergessen. So wurde auch die geplante Verfilmung auf unbestimmte Zeit verschoben und Langdons vierter Fall Inferno vorgezogen.
Die Buchvorlage für Inferno erschien 2013. Auch hier hatte sich Brown wieder ausgiebig Zeit genommen, um eine detaillierte Recherche vorzunehmen. Diesmal ging es um Danthes Inferno, ein Teil seines Buches die Göttliche Komödie. Zunächst schien die Geschichte auch wieder deutlich spannender als das Verlorene Symbol zu werden. Doch nachdem sich Brown offensichtlich in die Stadt Florenz verliebt hatte und sich in seinen Beschreibungen, gerade der Kunstwerke in den Uffizien, verlor, wurde das Buch zunehmend langatmiger, obwohl die Ansätze und Gedankengänge durchaus interessant waren und das Ende durchaus spannend. Der Film konnte jedoch gerade die Botschaft am Ende nicht vermitteln und hat sie einfach umgeschrieben, was den Film belanglos wirken lässt.
2017 erschien nun Langdons fünfter Fall Origin. Diesmal zog es Brown nach Spanien. Auch schien er sich mal wieder mit der Kirche anlegen zu wollen, so dass bereits im Klappentext berichtet wird, dass sich die Entdeckung des Zukunftsforschers Edmond Kirsch mit allen großen Religionen anlegt. Ebenfalls erfindet er diesmal einen neuen Supercomputer, was an seine Anfänge mit Diabolus erinnert. Geht Brown also in doppelter Sicht zum Ursprung (Origin) zurück?

Meine Meinung

Dan Brown versteht sich darauf am Anfang erst einmal allerlei Handlungsstränge aufzumachen und gefühlt jedes Kapitel mit einem Rätsel enden zu lassen. Dafür nimmt er sich die ersten hundert Seiten Zeit um das Grundgerüst seiner Geschichte zu bauen. Sobald man diese überstanden hat, fängt die Geschichte an langsam spannend zu werden. Etwas nervend ist lediglich, dass einem immer wieder von verschiedenen Personen gesagt wird, dass Kirschs Forschung und Erkenntnisse „bahnbrechend“ seien und „unser Denken, aber vor allen den Glauben, auf den Kopf stellen würden“. Durch die Entwicklungen bei der Präsentation gelangt diese aber erst einmal in den Hintergrund. Etwas frustrierend war es beim Lesen schon immer wieder hingehalten zu werden.
Der Mittelteil ist eine spannende Hetzjagd durch Bilbao und schließlich Barcelona. Ähnlich wie seine Figur Langdon scheint sich Brown aber mit der modernen Kunst schwer zu tun. So tauchen gerade die Werke Gaudis immer wieder auf, aber große Geheimnisse verbergen sich hier nicht. Dies ersparte uns zwar endlose Kunstvorträge, wie zuletzt in Inferno, aber Langdon bekam in seiner Funktion als Symbologe erstaunlich wenig zu tun. Auch ohne ihn hätte die Geschichte funktioniert und damit wird das Rätsel, das es zu lösen gilt, ihm nicht gerecht.
Achtung! Ich werde noch ein paar Worte über das Ende verlieren. Auch wenn ich versuce mich allgemein zu halten, kann es sich je nach Definition um Spoiler handeln!
Auch das Ende lässt einen dann etwas ratlos zurück. Die große Ankündigung entpuppt sich als teils durchdachte Version der Evolution und als teils an den Haaren herbeigezogene Zukunftsvision. Darauf über 500 Seiten hinzustreben, scheint es am Ende irgendwie nicht so richtig wert. Auch die danach noch offenen Handlungsstränge scheinen sich zunächst im Nichts zu verlaufen, ehe sie auf den letzten Seiten dann doch noch gelöst werden. Allerdings ist auch die Lösung ein bisschen einfach gehalten. Alle nebenbei eingeführten Personen verlieren mit einem Mal an Bedeutung. Hier hatten die Leser doch etwas mehr verdient. Spoiler Ende
Wirklich überwerfen dürfte sich Brown diesmal wohl mit der Kirche nicht, findet er doch diesmal – ähnlich wie in Illuminati – am Ende tröstende Worte über Kirche und Wissenschaft und wieso sie nicht gänzlich das gegensätzliche predigen. Seine zentralen Themen, wie die Schöpfung bzw. die Evolution, ziehen sich zwar wie ein roter Faden durch das Buch, doch so richtig auf den Punkt kommt Brown leider nicht. So ist Origin zwar nach Das Verlorene Symbol und leider auch Inferno wieder auf einem richtigen Weg gewesen, kann aber nicht an Illuminati und Sakrileg heranreichen. Ein paar mehr Rätsel und vielleicht ein paar ernst gemeinte Symbolentschlüsselungen für Langdon hätte das Buch gut verkraften können. Dennoch bin ich nun fast wieder gespannt auf ein weiteres Werk Browns.

Das Fazit

Origin hält seine eigenen Versprechen nicht. Trotz spannendem Mittelteil kann das Ende die hohen Erwartungen nicht halten. Auch hat Symbologe Langdon wenig zu tun, vielmehr darf er sich lediglich über die moderne Kunst beschweren. Dennoch wieder ein starker Fortschritt zu Browns beiden Vorgängerwerken.

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