Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.5

Hier kommt nun der zweite Teil von 2018. Hier noch einmal die vorherigen Artikel meiner großen Kategorieaufräumaktion: 2014/2015, 2016, 2017, 2018.1

2018:

1) Isle of Dogs – Ataris Reise

Nach dem Ausbruch des Schnauzenfiebers werden Hunde für alle möglichen Sachen, z. B. Flöhe, Schuldig gesprochen und ins Exil auf eine Müllinsel deportiert. Unter anderem auch Spot, der Wachhund von Atari Kobayashi. Als dieser aufbricht, um seinen Hund zu finden, schließen sich ein paar andere Hunde an. Dabei decken sie nicht nur eine Verschwörung auf, sondern erleben auch allerlei Abenteuer.
Der Stop-Motion-Film ist eher eine Aneinanderreihung kleinerer Episoden, die durch die große Geschichte zusammengehalten werden. Während die Haupthandlung der Gesellschaft gerne den Spiegel vorhält, hier ist es die Ausgrenzung der Hunde wegen angeblicher Vergehen, die sich aber auf viele Vorurteile und andere aktuelle Ereignisse übertragen lässt. Dabei sind es jedoch gerade die kleinen Nebenepisoden und running gags, die den Film von seiner hochtrabenden Kunsterzählweise herunterheben und sehbar machen. Es bleibt dennoch ein sehr speziell erzähler Film, der aber, wenn man sich einmal an den Erzählstil gewöhnt hat, gut funktioniert.

2) Anna und die Apokalypse

Ein Weihnachtsfilm, ein Zombiefilm und ein Musical in einem. Was erst einmal unvereinbar klingt, funktioniert hier tatsächlich sehr gut.
Die Weihnachtsaufführung in Annas Schule steht bevor. Doch eine Virusinfektion lässt die halbe Bevölkerung zu Zombies werden. Anna und ihre Freunde können sich in eine Bowlingbahn flüchten. Sie versuchen zur Schule durchzukommen, wo Eltern und Mitschüler sich versteckt halten.
Für viele ist der Film inzwischen zum absoluten Geheimtipp mutiert. Ich habe leider so meine Probleme mit dem Film. Zum einen bin ich absolut kein Fan von Zombiefilmen. Sobald Zombies anfangen durch die Gegend zu wanken, bin ich raus. Trotzdem hat mich der Film gereizt, durch die Kombination mit dem Musical. Leider enttäuschte mich dieser Aspekt auch, denn die Lieder sind sehr einfallslos und funktionieren alle nach dem gleichen Popschema. So waren sie zwar alle nicht schlecht, aber eben auch nicht gut. Ich bin ein großer Musicalfan und erwarte hier schon, dass ich Lieder voneinander unterscheiden kann, bzw, sie hinterher auch nochmal wiedererkenne. Darüber hinaus ist die Geschichte rund erzählt, kommt zwar mit dem typischen Klischees daher und kann nur an wenigen Stellen überraschen, dennoch macht sie an vielen Stellen einfach Spaß. Wer sich also nicht vom Zombiethema abgestoßen fühlt und auch weniger hohe Erwartungen an den Musicalaspekt hat, kann hier durchaus mal einen Blick werfen.

3) Das Haus der geheimnisvollen Uhren

Lewis ist ganz frisch Waise und wird zu seinem Onkel Jonathan geschickt. In dessen Haus gibt es allerlei Kuriositäten und auch die Nachbarin Mrs. Zimmermann scheint Dauergast zu sein. Schnell findet er heraus, dass sein Onkel ein Zauberer ist und nachts eine geheimnisvolle Uhr im Haus sucht.
Der Film ist in erster Linie ein Fantasy-Film, der sich nebenbei noch mit den Themen Verlust und Außenseitertum beschäftigt. Dabei ist Jack Black als Onkel Jonathan voll in seinem Element, während sich Cate Blanchett eher im Hintergrund hält. Für den Zuschauer hat man Lewis an seiner Seite, mit dem man das Haus erkunden kann. Der Film ist eindeutig für ein junges Publikum konzipiert und hat mit einer Freigabe ab 6 Jahren auch keinen Anspruch wirklich gruselig zu sein. Das ist hier auch gar nicht nötig, da man hier auch als Erwachsene die kindliche Freude über das Unbekannte wiederentdeckt. Hinzu kommen allerhand kuriose Charaktere, die beim Sehen einfach Spaß machen. So bleibt der Film immer leicht hinter seinen Möglichkeiten zurück, bietet aber trotzdem gute Unterhaltung für einen Abend. Ein zweiter Blick lohnt sich dann aber eher nicht.

4) Crazy Rich

Der Überaschungserfolg mit einer rein asiatischen Besetzung.
Rachel Chu reist mit ihrem Freund Nick Young nach Singapur, um dessen Familie bei einer Hochzeit kennenzulernen, bei der Nick Trauzeuge sein wird. Dabei muss sie feststellen, dass Nick zu einer der reichsten Familien Singapurs gehört. Vor Ort hat sie nicht nur Probleme sich dem Lebensstil von Nicks Freunden anzupassen, auch scheint seine Mutter eine Abneigung ihr gegenüber zu haben, die sie nicht nachvollziehen kann.
Crazy Rich fährt mit einem guten Cast auf. So richtig ist der Komödienaspekt bei mir nicht angekommen. Währenddessen hat der Dramaaspekt bei mir wesentlich besser funktioniert. So habe ich relativ wenig gelacht, aber immer mit Rachel mitgefühlt. Dennoch ist der Film ein fasziniertes Eintauchen in eine ganz andere Welt, die gleichzeitig so vertraut ist. Denn die wohl wichtigste Botschaft des Films ist, dass es eben keine weißen Darsteller braucht, damit ein Film funktioniert.

5) Spider-Man – a new Universe

Angeteasert wurde der Film bereits in einer ziemlich langen Afer-Credit-Scene von Venom. Diese schreckte mich jedoch eher ab, da sie sehr rasant daher ging und mein übliches Übelkeitsproblem durch die Perspektive auftrat. Zu Hause auf dem Fernseher ging das dann aber doch ohne Zwischenfälle.
Miles Moralis ist ein ganz normaler Junge, in einer Welt, in der Peter Parker alias Spider-Man gestorben ist. Doch auch Miles wurde von einer radioaktiven Spinne gebissen und verfügt über die gleichen Fähigkeiten. Dabei trifft er auf einen gealterten Peter Parker, die aus einem anderen Universum zu kommen scheint. Nach und nach treffen immer mehr Spider-Mans und Spider-Womans aufeinander. Zusammen versuchen sie Kingpin aufzuhalten, der mit einer Maschine versucht seine geliebte Vanessa zurückzuholen.
Erfrischend neu ist die Geschichte, die sich nur bedingt an dem typischen Superheldenschema orientiert und sich von bestehenden Erzählsträngen loslöst. Dabei ist sie auch animiert und orientiert sich am ursprünglichen Comicstil. Hinzu kommt eine spannende Geschichte und ein Miles Moralis, der eben mit ganz anderen Problemen kämpft. Dennoch bleibt irgendwo die Grundessenz eines Spider-Man erhalten und wird mit einer Menge Humor durch die verschiedenen Spider-Mans ergänzt. Nicht umsonst hat der Film den Oscar für den besten Animationsfilm erhalten.

6) Juliet, Naked

Annie und Duncan führen seit vielen Jahren eine leidenschaftslose Beziehung. Duncan ist ein riesiger Tucker Crowe Fan, der nach einem kurzen Erfolg mit zwei Alben vor über 20 Jahren komplett von der Bildfläche verschwand. Nun soll ein neues Album erscheinen, das die Lieder des ersten Albums noch einmal neu vertont hat. Nachdem Annie, frustriert über die Leidenschaft Duncans Crowe gegenüber, eine schlechte Kritik über das neue Album verfasst, kontaktiert sie niemand geringeres als Crowe selbst. Kurz darauf verlässt Duncan Annie wegen einer Affäre und Annie beschließt sich mit Crowe zu treffen. Dieser führt jedoch weniger das glamuröse Rockstarleben, als vielmehr ein Leben voller Gram und zu vieler Kinder von zu vielen Frauen.
Juliet, Naked ist ein kleiner Film, der wohl neben den ganzen Hollywood Blockbustern untergegangen ist. Dabei ist er liebevoll erzählt und zeigt die Schattenseiten einer kurzzeitigen Berühmtheit. Dabei geht es jedoch auch um Annie, die sich so gerne einen Neuanfang wünscht. Annie und Duncan sind ein Beispiel eines Paares, das irgendwie am Erwachsensein gescheitert ist und nur aus Treue zusammen bleibt und nicht, weil es sie selbst irgendwo glücklich macht. So ist es ein Film zum Nachdenken und gleichzeitig zum stillen Schmunzeln, wenn Duncan merkt, dass sich Annie mit seinem großen Idol trifft. Auch der Cast aus Ethan Hawke, Rose Byrne und Chris O’Dowd harmoniert wunderbar.

2 Gedanken zu „Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.5

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