Verpasst, aber nicht vergessen – Teil 9.7

So hier nun vorläufig der letzte Beitrag zu meiner großen Aufräumaktion. Wahrscheinlich gibt es in nächster Zeit noch mehr Beiträge aus dieser Kategorie, einfach weil ich derzeit viele Filme zu Hause schaue, da die Kinos geschlossen sind. Aber dann wird die Zählung wieder ganz normal mitlaufen. Hier noch einmal die Vorgängerbeiträge: 2014/2015, 2016, 2017, 2018.1, 2018.2 und 2019.1

2019

1) Fighting with my family

Saraya Knight wächst in einer Familie voller Wrestler im beschaulichen Norwich, England auf. Als die WWE sie und ihren Bruder zu einem Casting einlädt, scheinen die Wünsche der Familie in Erfüllung zu gehen. Doch ihr Bruder Zak wird nicht genommen und so reist Saraya alleine in die USA, um sich dem harten Training zu stellen. Dort eckt sie überall an und fühlt sich fehl am Platz. Unter ihrem Bühnennamen Paige versucht sie sich durchzukämpfen und hat gleichzeitig Schuldgefühle ihrem Bruder gegenüber.
Die biographische Geschichte über die Wrestlerin Paige, die bis 2018 in der WWE wrestelte, nimmt das Ende natürlich wieder vorweg. Daher liegt hier der Fokus auf der Geschichte, wie sie es geschafft hat. Denn sie scheint nirgendwo richtig ins Raster zu passen und eckt daher überall an. Doch der Fokus ist zweigeteilt und liegt ebenfalls auf der Familie, die Eltern, die sich auf kurioseste Art getroffen haben, ein Bruder im Knast und ein Bruder, der ihr nach seiner Absage zu entgleiten droht. Die Zweiteilung tut dem Film ganz gut und ist so nicht ein reines Trainingscampvideo der WWE. Und neben den ganzen dramatischen Anbandungen schafft der Film es auch noch irgendwo ein wenig Komik unterzubringen, auch wenn es zu viel wäre den Film als Komödie zu bezeichnen. Auch als nicht Wrestler-Fan kann man den Film gut sehen, auch wenn er die Faszination, die dahinter steckt, nicht greifbar vermitteln kann. Fighting with my family kann man duchaus mal gucken, Wrestling bleibt bei mir etwas Abstoßendes.

2) The sun is also a star

Natasha Kingsleys Familie soll am nächsten Tag abgeschoben werden. Doch statt zu packen, versucht sie noch einmal alle Stellen abzuklappern, die ihre Eltern bereits angelaufen sind, in der Hoffnung den Bescheid doch noch kippen zu können. Dabei trifft sie auf Daniel, der eigentlich auf dem Weg war, um sich ein Empfehlungsschreiben für Dartmouth zu sichern. Bei einem Zusammenstoß versucht Daniel Natasha zu überzeugen, dass es Schicksal ist und das er es schaffen könnte, dass sich beide ineinander verlieben. Natasha gibt zunächst nach und gewährt ihm eine Stunde Zeit. Als der neue Anwalt sich durch einen Unfall verspätet, gibt sie ihm einen ganzen Tag.
The sun is also a star ist ein Film, der etwas schwierig zu fassen ist. Denn das Aufeinandertreffen der beiden Parteien wirkt sehr konstruiert, gleichzeitig scheint man die stimmende Chemie beinahe ab der ersten Minute zu spüren. Dann wird das jedoch wieder durch die Gegensätzlichkeit der beiden zerstört und dann verzweifelt wieder versucht aufzubauen. Gerade die zweite Hälfte scheint ein heilloses Wirrwarr aus Finden und Verlieren. Dennoch wird hier eine faszinierende Liebesgeschichte erzählt, die sich tatsächlich innerhalb eines Tages entwickelt. Und während es ganz nebenbei eine Hommage an die Stadt New York ist, obwohl beide gefühlt Ewigkeiten brauchen, um von A nach B zu kommen, wird die Geschichte logisch aufgelöst. Getragen irgendwo von einer Magie und trotzdem verliert sich der Film in seinen eigenen Wendungen. Ein Film, bei dem man nicht weiß, ob man ihn lieben soll oder ob er zu platt geworden ist.

3) Aladdin

Das Realfilmremake des Disneyklassikers entführt einmal mehr in den Orient in die Stadt Agrabah. Der Straßenjunge und Dieb Aladdin trifft auf die Prinzessin Jasmin, die sich unerkannt auf den Markt geschlichen hat. Sie gibt sich als ihre Zofe aus, da sie sich nicht außerhalb des Palastes aufhalten darf, da ihr Vater seit dem Tod ihrer Mutter überfürsorglich ist. Die beiden kommen sich näher. Als Aladdin sich in den Palast stiehlt, um sie wiederzusehen, wird er vom Wesir Dschafar aufgegriffen. Er soll in einer Höhle in der Wüste eine Lampe für ihn holen. Dabei kommt es zu einem Unfall und die Höhle stürzt ein. Doch in der Lampe steckt ein Dschin, der ihn nun helfen will.
Während sich das Remake in weiten Teilen an das Original hält, schafft Guy Ritchie es dennoch dem Film eine ganz neue Tiefe zu geben. So ist Prinzessin Jasmine keine stille Beobachterin mehr, was mit dem neuen Lied „Ich werde niemals schweigen“ deutlich gemacht wird. Mit leicht umgetexteten Liedern und ein paar weiteren Einlagen werden schwierigere Passagen umschifft. So ist es nun nicht mehr Prinz Ali „Muskeln wie nie“, sondern Prinz Ali „mächtig wie nie“. Auch ist der Sultan weniger kindlich, sondern viel besonner in seinen Entscheidungen. So ist das Remake tatsächlich an vielen Stellen besser als das Original. Auch Will Smith als Dschinni funktioniert erstaunlich gut.

4) Brittany runs a marathon

Brittany Fogler ist übergewichtig und nimmt gerne Amphetamine zusammen mit ihrer Mitbewohnerin Gretchen. Als sie den Arzt wechselt, um neue Rezepte zu bekommen, gibt dieser ihr eine schockierende Prognose. Sie muss dringend abnehmen. Da sie sich die Mitgliedschaft in einem Fitnesstudio nicht leisten kann, beschließt sie zu joggen. Zunächst nur einmal um den Block und dann langsam immer weiter. Dabei lernt sie Seth kennen, der die gleichen Ziele hat und kommt ihrer Nachbarin Catherine näher, die sie bisher eher verachtet hat. Doch an einem Punkt in ihrem Leben muss sie feststellen, dass sich nicht alle Probleme durch Joggen vertreiben lassen.
Das Abnehmen in Brittany runs a marathon wird hier nicht aufgrund eines Schönheitideals aufgegriffen, sondern aus gesundheitlichen Gründen und steht zeitgleich als Metapher für das Aufräumen in Brittanys Leben. Damit schafft der Film es über die üblichen Plattetüden hinauszuwachsen und kann eine viel vielschichtigere Geschichte erzählen. Mit Jillian Bell wurde eine Darstellerin gecastet, die trotz groß angelegter Worte, die Zwischenräume mit einer Verletzlichkeit füllt, dass man trotz unsympathischer Ausraster an ihrer Seite steht und auch versteht, warum keiner ihr den Rücken kehrt. Auch verzichtet der Film auf ausufernde philosophische Erklärungen oder Monologe über die Schönheit des Lebens, sondern belässt es bei der Marathon-Metapher. Am Ende zählt der Zusammenhalt von Familie und Freunden eben doch.

5) The Report

Daniel Jones, ein Senatsmitarbeiter, wird beauftragt Ermittlungen bei der CIA durchzuführen, betreffend des Verhaltens nach dem 11.09.2001. Dabei stößt er auf „alternative Verhörmethoden“, die sich als Folter herausstellen. Doch seine Ergebnisse stoßen auf taube Ohren und es wird mit allen Mitteln versucht, die Veröffentlichung zu verhindern.
Investigative Filme gibt es immer wieder, prominente Beispiele aus der letzten Zeit sind zum Beispiel Oscargewinner Spotlight oder auch The Big Short. Dabei nähern sie sich ihren Themen auf verschiedene Art, doch bieten vor allem eins: Eine gute Spannungskurve. Denn genau die vermisst man bei The Report sehr schmerzlich. Denn hier sieht man hauptsächlich einen Adam Driver auf einen Monitor starren, ab und an mal ein paar Papiere aufhängen oder Akten von Person A zu Person B bringen. Dann wird wieder über die Ergebnisse gesprochen, dann taucht wieder eine neue Person auf und erklärt, warum das niemand wissen darf und wieso es angeblich gerechtfertigt war. Driver sagt, dass das nicht stimmt und schon geht das Spiel wieder von vorne los. Was hier wohl nah an der Realität ist, funktioniert aber auf filmischer Ebene nicht. Denn auch wenn der Film mit 120 Minuten normale Spielfilmlänge hat, geht er gefühlt einige Stunden länger. Dennoch ist er irgendwo höchst brisant und die Entdeckungen so abstoßend, dass es irgendwo richtig war, den Film zu machen, da so eine größere Reichweite für das Thema geschaffen wird. Dennoch ist die Umsetzung unfassbar langweilig. Von Adam Driver wird verlangt den Film auf eigenen Schultern zu tragen, was ihm nicht gelingt.

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