Ein Vorwort
1818 erschien Mary Shelleys berühmtester Roman, der aus gutem Grund als Klassiker der Schauerliteratur zählt und unzählige Male adaptiert wurde. Nur vier Jahre nach der wohl bekanntesten Verfilmung gab Universal in seiner Monster Reihe dem nach seinem Schöpfer benannten Monster eine Braut. Nun wagte sich Maggie Gyllenhaal mit ihrer zweiten Regiearbeit erneut an diesen Stoff. Warum es eine Ausgeburt der Kunstkritisierenden ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung
Nach Jahren des Umherwanderns sucht Frank aka Frankensteins Monster Dr. Euphronious auf, deren Buch über Wiedergeburt ihm Hoffnung auf eine Gefährtin machten. Die passende Leiche ist in Form der jungen Frau Ida, die kürzlich einem Mafiaboss zum Opfer fiel und von der Autorin Mary Shelley besessen ist, schnell gefunden. Da diese durch die Wiederbelebung das Gedächtnis verlor, ist es für Frank einfach, ihr eine Verlobung vorzutäuschen. Doch die beiden machen schnell die Polizei auf sich aufmerksam, die sie fortan durch das ganze Land verfolgt.
Meine Meinung
In den letzten Jahren schrieb ich immer wieder über die Innovationsfaulheit in Hollywood. Die immer gleichen Franchisen dominierten die Landschaft, unterbrochen von Sequels, Prequels und Remakes. Da waren Literaturverfilmungen wie Dune oder Wicked eben aus gutem Grund sehr beliebt, auch wenn es sich streng genommen bei beiden auch um Remakes handelt, bzw. Wicked das Bühnenmusical adaptierte. Nun dachte sich Maggie Gyllenhaal wohl, dass sie mit einer Neuinterpretation von Frankensteins Braut vielleicht genug in die Kerbe schlug, um die Aufmerksamkeit des Durchschnitsspublikums schlug, aber zeitgleich eine so hochgradig künstlerisch angehauchte Variante produzieren wollte, dass es dem Wunsch nach mehr Innovation und Ideenreichtum ebenso entsprach. Herauskam … nun, hier scheiden sich vermutlich die Geister.
Nehmen wir dafür direkt den Anfang. Wir bekommen direkt eine zweite erzählerische Ebene, denn Mary Shelley höchst selbst spricht aus dem Jenseits zu uns und siniert in einem dem Wahnsinn verfallenen Monolog über ihr Leben und ihre berühmte Figur Victor Frankenstein. Über den Kampf im ewigen Eis, der auf das Ende des Buches hinweist und letztlich, dass es doch auch eine weibliche Stimme bräuchte, sie nur die Chance dazu nicht hatte. Aber Vorhang auf für die Braut. Jesse Buckley, die auch die Rolle der Mary Shelley übernahm, spielt sich bereits in ihrer ersten Szene die Seele aus dem Leib und erzeugt dabei eine Exposition der Männerwelt, die leider so grotesk verkommt, dass sie eher unangenehm wirkt als wirklich eine Aussage zu haben. Dies ist dann auch zielgebend für den restlichen Film, der lieber in ausufernden Szenen den Wahnsinn der Geschichte zeigt, als wirklich etwas auszusagen. Und das, obwohl wir hier eine Mafiakomponente drin haben, Korruption bei der Polizei und immer wieder versucht wurde eine weibliche Stimme zu finden.
Sei es Penelope Cruz, die als Polizistin versucht in einer Männerdomäne ernst genommen zu werden, obwohl sie sehr offensichtlich die bessere Ermittlerin ist. Aber natürlich wird auch das nicht auserzählt, sondern wir bekommen am Ende nur die Geschichte und Motive ihres Kollegen, der in eine reumütigen Schuldszene versucht Vergebung zu erlangen. Oder nehmen wir Frank, wie hier das Monster genannt wurde, der so dringend nicht mehr einsam sein will, dass er sich eine Frau erschaffen lässt. Das diese dann mit Gedächtnisverlust kämpft und er sie komplett Gaslighted, dass sie verlobt seien und die große Liebe vorspielt. Die aber auch an keiner Stelle spürbar ist, sehen wir mal von den bewundernden Blicken Franks ab.
Den Film rettet eigentlich nur, dass alle Darstellenden absolut großartig in ihren Rollen sind. Denn jede noch so groteske Szene, jede noch so übertriebene Darstellung, alles hätte noch so viel schlimmer sein können, wenn wir nicht neben den bereits genannten noch einen Christian Bale, einen Jake Gyllenhaal oder eine Annette Benning gehabt hätten.
Wir haben auch durchaus gute Motive drin. Die Voreingenommenheit gegenüber Franks Aussehen, seine Besessenheit von der schillernden Welt des Kinos, seine greifbare Einsamkeit, die gerade spürbare Verzweiflung, wenn es nicht so läuft, wie er es sich ausgemalt hatte. Auch die Inszenierung von seiner Wunschwelt im Kino, die als regelmäßiges Motiv eingebaut wurde, ist genau das, was ich so lange auf der großen Leinwand vermisst habe. Aber diese für sich stehenden guten Szenen werden ständig von einer Überinszenierung und dem ausufernden Wahnsinn der Charaktere überschattet und driftet damit zu sehr in eine Kunstfraktion ab, die in jeder Einstellung und Mimik absolutes Interpretationsmaterial sieht. Aber dafür weicht jeglicher Unterhaltungswert.
Das Fazit
The Bride! ist so künstlerisch überinszeniert, dass die eigentlichen Themen gar nicht durchkommen, sondern wir immer nur wieder und wieder eingetrichtert bekommen, dass alle Männer schlecht sind. Durchaus guter Versuch aus dem Alltagssumpf Hollywoods herauszukommen, aber in der Umsetzung doch zu überambitioniert. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.
The Bride läuft seit dem 05.03.2026 in den deutschen Kinos