X-Men: Dark Phoenix

Ein Vorwort

Neben den großen Universen von Marvel und DC versucht sich auch Sony immer noch an ihren eigenen Superheldenreihen. Nachdem sie Spider-Man nach Ihrem ersten Reboot nun doch an Marvel wieder abgetreten hat – die nun bereits den zweiten Film der dritten Spider-Man Reihe in die Kinos bringen – wird sich mehr oder weniger verzweifelt an der übrig gebliebenen Reihe rund um die X-Men festgehalten. Wir erinnern uns, dass Anfang der 2000 bereits eine abgeschlossene Trilogie in die Kinos geschickt wurde. 2011 wurde dann mit First Class ein Reboot der Reihe gestartet. Jüngere Schauspieler ersetzen die alt eingesessenen und James McAvoy oder Michael Fassbender mussten sich schauspielerisch nun wirklich nicht vor Patrick Stewart oder Ian McKellan verstecken. Im zweiten Teil Zukunft ist Vergangenheit durften dann sogar beide Generationen auftreten. Was fehlte war ein guter Abschluss der Reihe, die sich bisher auch nicht mit den früheren Filmen biss. Was kam, war dann allerdings ein Apokalypse, der sich mal eben selbst abgeschossen hat. Dieses Jahr sollte nun alles wieder besser werden und dafür waren gleich zwei Projekte geplant. Mit New Mutants sollte noch einmal eine ganz neue Richtung eingeschlagen werden, düsterer, der Trailer glich einem Horrorfilm. Und dann sollte Dark Phoenix die klassische Geschichte rund um Jean Grey aufrollen. Dass beide Filme mehrfach im Termin verschoben wurden, sagt schon wieder einiges über die Projekte aus. Ob New Mutants überhaupt dieses Jahr noch in die Kinos kommt, kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht mit Sicherheit sagen. Doch Dark Phoenix hat es geschafft. Was der Film nun letztendlich kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Jean Grey (Sophie Turner) kommt nach dem Autounfall ihrer Eltern in die Xavier Schule für außergewöhnliche Kinder. Jahre später ist sie festes Mitglied der X-Men. Bei einer Mission im Weltall kommt sie mit einer unbekannten Kraft in Berührung. Sie überlebt den Vorfall, kann danach ihre Kräfte und auch ihre Gefühle nur noch begrenzt kontrollieren. Als ein Geist aus ihrer Vergangenheit wieder auftaucht, flieht sie aus der Schule. Charles Xavier (James McAvoy) versucht alles, um sie unbeschadet zurückzubringen.

Meine Meinung

Der Name Jean Grey kommt euch bekannt vor? Auch, dass sie die Seiten wechselt und für einige Zerstörung sorgt? Ja genau, dass habt ihr alles schon mal gesehen. Ungefähr so ging ein Teil der Handlung des Filmes von 2006 X-Men – der letzte Widerstand. Spätestens hier dürfte klar sein, dass die neue Zeitlinie ein eigenes Paralleluniversum darstellt, in der die früheren Filme nur bedingt reinpassen. Nun bleibt die Frage, wie sich der neue Film losgelöst vom alten macht.
Hier kommen wir gleich zum ersten Problem. Während Famke Janssen ihrerzeits eine düstere Dark Phoenix-Jean Grey Version abgab, ist Sophie Turner grundlegend falsch besetzt. Während man sich wohl auf ihre Bekanntheit durch die Serie Game of Thrones gestützt hat beim Casting, scheint denen völlig entgangen zu sein, dass sie einfach nicht schauspielern kann. Selbst in einfachsten Szenen kommt ihre Mimik nicht über das Mindestmaß hinaus. Da sie dann aber noch Schauspielgrößen, wie James McAvoy, Michael Fassbender oder auch einer Jennifer Lawrence oder Jessica Chastain gegenüber steht, wirkt ihr Versuch gleich noch kläglicher. Darauf einen Charakter aufzubauen, der von inneren Zweifeln hin- und hergerissen wird, funktioniert leider nicht. Wobei leider auch eben genannte Darsteller zwischenzeitlich relativ wenig Lust am Film zu haben scheinen und auch ihre Fähigkeiten auf ein Minimum reduzierten.
Kommen wir zum nächsten Problem des Films: die Handlung. Denn scheinbar wussten die Drehbuchautoren zwar, welches Grundszenario es geben sollte, aber nicht, wie es richtig vorangetrieben bzw. aufgelöst wird. Sie kommt eine neue Spezies auf die Erde, oder ist sie schon längst da? Bis zum großen Endkampf muss aber noch ein bisschen was passieren, also wird schnell Magneto noch irgendwie mit in die Geschichte geschrieben und weil damit immer noch nicht genug Laufzeit vorhanden war, taucht natürlich auch mehrfach das amerikanische Militär auf und tut eben wieder ein paar ziemlich dumme Sachen, wobei auch die X-Men nie genug davon kriegen ihnen zu sagen, wie dumm es ist, was sie tun. Leider passiert gerade im Mittelteil sehr wenig, was eine anständige Handlung mit Spannungsbogen aufbauen könnte. Schließlich läuft alles auf die CGI Endschlacht hinaus, an deren Ende die Gut-Böse-Verhältnisse ganz stereotypisch wieder aufgelöst werden. Letztendlich ist Dark Phoenix auf einem Niveau, das vor 10 Jahren noch passabel gewesen wäre, angesichts der enormen Konkurrenz aber nur noch peinlich wirkt. Dabei hat Sony mehrfach bewiesen, dass sie ihre Superhelden inzwischen ernst genommen haben. Man erwähne nur am Rande die Deadpool-Filme, die auch im X-Men Universum angesiedelt sind. Oder zuletzt Logan, der den Abschluss der Wolverine-Reihe bildete. Warum man sich in seinen Möglichkeiten so zurückentwickeln musste, bleibt fraglich.

Das Fazit

X-Men Dark Phoenix ist nicht die ersehnte Fortsetzung nach einem miserablen Apokalypse, sondern leider einfallslos, lahm und in der Hauptrolle schlecht besetzt. Der einzig interessante Satz im Film kam von Jennifer Lawrence Charakter, die eine Umbenennung der X-Men fordert, nachdem die Frauen einen Großteil der Arbeit beitragen. Ob wir das Franchise nun final beerdigen dürfen, wird sich zeigen. Für diese Performance gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

X-Men – Dark Phoenix läuft seit dem 06.06.2019 in den deutschen Kinos.

5 Gedanken zu „X-Men: Dark Phoenix

  1. Schade, aber hab jetzt von sehr vielen gelesen, dass auf die X-Men in diesem Jahr auch kein Verlass ist. Vielleich mal ein Film für einen langweiligen Nachmittag, damit man „alle endlich mal gesehen hat“ 😀

    BTW: Leider gehören die X-Men zu 20th Century Fox, damit jetzt zu Disney und damit nach diesem Film auch wieder zum MCU.

    Gefällt 1 Person

      • Den ersten Satz würde ich widersprechen 😀

        Denke nicht, dass Disney sich die X-Men kurz- oder langfristig entgehen lässt. Die machen alleine schon recht viel Geld. Wie viel dann erst im MCU…

        Gefällt 1 Person

  2. Ich hab interessanterweise Sophie Turners Jean Grey gar nicht mal so schlecht gesehen. Viel mehr haben mich beim Film die bereits ausreichend etablierten Figuren geärgert, die hier alle ein wenig out-of-character agiert haben. (Gut, außer Magneto, der sich wie immer verhält, was aber auch kein Fortschritt ist.) Und die Kampfszenen waren durchaus gut choreografiert. In Summe ist „Dark Phoenix“ aber trotzdem kein würdiger (endgültiger) Abschluss der X-Men Reihe.

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Mein Jahresrückblick 2019 – #2 – Kino | ShalimasFilmweltenKritik

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