Eine Handvoll Filme – 3/21

Herzlich Willkommen zu dritten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einer traurigen Hochzeit, einem superheldigen Eichhörnchen, eine Familie sagt Ja, einer Origin-Story und Spionage in Hamburg.

The Farewell

Die Handlung: Billi Wang lebt in New York nachdem sie mit ihrer Familie aus China ausgewandert ist. Als sie erfährt, dass ihr Großmutter Lungenkrebs hat, ist sie am Boden zerstört. Doch die Familie beschließt der Oma nichts zu sagen, sondern eine Hochzeit zu arrangieren, damit alle sie nochmal sehen. Billi ist hin- und hergerissen zwischen Loyalität zur Familie und dem Wunsch sich richtig von ihrer Großmutter zu verabschieden.

Meine Meinung: Sitten aus anderen Kulturen können befremdlich wirken. Wenn es jedoch die eigene ist und man mit dem, was man für richtig hält, die ganze Familie gegen sich aufbringen würde, wie soll man sich da verhalten? Genau in diesem Dilemma befindet sich Billi Wang, lebt sie doch mit ihren ausgewanderten Eltern in New York und ist auch mit der amerikanischen Kultur groß geworden. Doch ihre Familie prägt ihr immer wieder ein, dass sie nichts sagen darf. Der Film hat eine sehr melancholische Stimmung und kann einen aufs Gemüt schlagen. Er bemüht sich die Thematik so zu erzählen, dass man als Außenstehender die Beschlüsse der Familie versteht, auch wenn man sie nicht nachvollziehen kann. Billi ist dafür die ideale Bezugsperson. Zwischendurch versucht der Film die Stimmung ein bisschen aufzulockern, indem ein paar Situationen eingeschoben werden, über die man unweigerlich schmunzeln muss. Dennoch bleibt der Film sehr ernst. Awkwafina spielt die Zerissenheit der Protagonistin in einer sehr reduzierten Form gekonnt aus. Gewinnerin der Herzen ist jedoch Shuszen Zhao als Nai Nai (Großmutter), die ihre Rolle mit viel Leben und Liebe füllt. Letztendlich ist The Farewell ein guter Film mit einem schweren Thema.

Flora & Ulysses

Die Handlung: Flora, 10 Jahre alt, ist Tochter einer Autorin und eines Comiczeichners leidet unter der Trennung dieser. Bis Ulysses bei ihr auftaucht, ein aufgewecktes Eichhörnchen, von dem Flora glaubt, dass es Superkräfte hat. Allerdings ist vor allem Chaos angesagt. 

Meine Meinung: Nachdem ich den Trailer von Flora & Ulysses gesehen habe, war ich sehr abgeschreckt, sah er doch vorne und hinten nicht zusammenhängend aus, wie eine wilde Mischung aus verschiedenen Genres. Am Ende wusste man nicht, ist Ulysses nun ein Supereichhörnchen oder nicht. Das ich dem Film letztlich doch noch eine Chance gegeben habe, war großes Glück, sonst hätte ich einen liebevollen Kinderfilm verpasst. Zwar ist der Film mit der Rolle des Ulysses immer noch ein bisschen zwiegespalten, aber dennoch funktioniert er. Gerade weil er unkonventionell ist, weil er in der Handlung springt, aber vor allem weil er eine gute Mischung an Charakteren hat. Wir haben Flora, die an die Superhelden aus den erfolglosen Comics ihres Vaters glaubt, die Dinge auf ihre ganz eigene Weise löst und dennoch einfach ein Kind ist. Dann haben wir ihre Eltern mit einer sehr süßen Liebesvorgeschichte, auch wenn sie sich während des Films in Trennung befinden. Und wir haben den Nachbarsjungen, der zu seiner Tante geschickt wurde, weil er an hysterischer Blindheit leidet. Leider wird sich mit dem Thema und den Gründen nur ganz am Rande auseinander gesetzt, aber dennoch respektvoll umgegangen. Und das absolute Highlight des Films ist wohl Danny Pudi (bekannt aus Community) als Polizist. So bietet der Film einige Stellen zum Lachen, zum mitfieber und verstärkt das ganze noch mit einer guten Prise Herzlichkeit.

Yes Day

Die Handlung: Allison und Carlos Torres sind eigentlich sehr lebensbejaende Eltern. Doch seit ihre Kinder da sind, erwischen sie sich selbst dabei, wie sie nur noch „Nein“ sagen. Bis der Vertrauenslehrer der Schule sie zu einem „Yes Day“ ermuntert. Ein Tag, an dem sie zu allem, was die Kinder wollen „Ja“ sagen müssen, zumindest innerhalb gewisser Regeln. 

Meine Meinung: Der Anfang von Yes Day ist wohl der familiennähste, den ich in letzter Zeit gesehen habe. Der Wandel der lebensbejaenden Eltern, die gerne auch mal Risiken eingehen, nur um etwas zu erleben, zu den fürsorglichen Eltern, die ihren Kindern einfach viel verbieten müssen, ist in wenigen Bildern gezeigt, aber dafür gut nachvollziehbar. Während die Idee für den Yes Day ein wenig „Deos Ex Machina“ kommt, ist die Einführung eben dessen gut gelungen. So bewegt sich der Film die ersten 2/3 auf guten Gewässern, ist gleichzeitig witzig und spannend. Dabei werden trotzdem die Charaktere richtig eingeführt, so dass auch die Familienkonstellation über den Yes Day hinaus funktioniert. Das letzte Drittel ist dann das typische Eskalationsmaterial, von dem ich befürchtete, dass es passiert. Also der Teil, in dem einfach alles aus dem Ruder läuft und man als Zuschauer nur noch hilflos zusehen kann, wie die Charaktere sich immer tiefer reinreiten. Ab dem Punkt geht dann auch der Unterhaltungswert des Films deutlich zurück. Letztendlich überzeugt der Film als Gesamtwerk aber doch, auch wenn man das Ende mit wesentlich weniger Fremdschämpotenzial umsetzen könnte.

Scooby

Die Handlung: Als Scooby ein Gyrosspies am Strand klaut, trifft er auf den einsamen und freundlosen Jungen Shaggy. Beide werden sofort die besten Freunden. Als sie an Halloween auf Fred, Velma und Daphne treffen und einen Geist enttarnen, gründen sie die Mystery Inc. Viele Jahre später werden sie getrennt, kurz bevor es jemand auf Scooby abgesehen hat. 

Meine Meinung: Abgesehen von dem einen Realfilm habe ich Scooby-Doo nie so verfolgt. Grob kenne ich die Mystery Inc und die Charaktere, so dass ich neulich an einem ruhigen Nachmittag durch Sky schaltete und mich Scooby als Welpe anlächelte. So gab ich dem Film eine Chance. Grundsätzlich ist der Film genau das, was ich erwartet habe. Eine lockere Nachmittagsablenkung. Ein paar gute Witze, tolle Charaktere, ein paar Sachen vielleicht zu abgefahren, aber vor allem kein allzugroßer Anspruch, um die Handlung zu verfolgen. Und das ist in erster Linie positiv gemeint. Shaggy und Scooby sind auch hier einfach ein wunderbares chaotisches Team und schaffen es irgendwie aus jeder Situation wieder raus. Die Handlung ist spannend, bietet einige Überraschungen und setzt die Witze an die richtige Stelle. Antagonist und einige Nebencharaktere sind zwar ziemlich überzeichnet, aber auch das funktioniert gut – auch wenn die süßen kleinen Roboter Sidekicks schon sehr an die Minions angelehnt scheinen.

A most wanted man

Die Handlung: Günther Bachmann ist Strippenzieher einer halboffiziellen Spionageeinheit in Hamburg. Als dort der Flüchtling Issa Karpov, halb Russe, halb Tschetschene, auftaucht, schlägt die Einheit Alarm. Vorsichtig versuchen sie sich ihm zu nähern, doch auch andere Einheiten sind an Karpov interessiert. 

Meine Meinung: Der letzte Film mit Phillip Seymour Hoffman lag sehr lange auf meinem SuF (=Stapel ungesehener Filme). Im Rahmen meiner 21 für 2021 Challenge, habe ich ihn nun von eben diesem befreit. Leider hat er mir gar nicht zugesagt. Grundsätzlich fand ich die Ausgangskonstellation mit der Spionageeinheit in Hamburg interessant. Auch der Cast mit Hoffman, Rachel McAdams und Willem Dafoe klang gut, so dass ich einen Blick wagen wollte. Die Umsetzung ist leider ganz schön zäh, was vor allem daran liegt, dass man nur wenig von dem, was vor sich geht, versteht. Denn anstatt irgendjemandem irgendetwas zu erklären hat Hoffmans Rolle natürlich den großen Plan, legt sich ringsrum mit allen anderen Abteilungen an und hetzt wild von A nach B. Der Zuschauer selbst muss dann anhand der Reaktionen der anderen Agierenden herausfinden, was eigentlich gerade passiert. Das funktioniert auch nur so semi, so dass die Wendungen einen völlig unvorbereitet treffen, weil man einfach nicht versteht, wann genau in der Handlung etwas schief gelaufen ist.

Habt ihr einen Film davon gesehen? Wie fandet ihr ihn?

2 Gedanken zu „Eine Handvoll Filme – 3/21

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