Eine Handvoll Serien – 3/21

Herzlich Willkommen zur dritten Ausgabe der serientastischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einer Freundschaft seit Kindertagen, einer magischen Parallelwelt, einer Country Sängerin als Nanny, ein Einblick in die unteren Decks und einer Entdeckung von Hexen.

Immer für dich da – Staffel 1

Die Handlung: Tully Hart (Katherine Heigl), eine erfolgreiche Talk-Show Moderatorin und Kate Mularkey (Sarah Chalke), Hausfrau und mitten in der Scheidung, sind seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen. Während Tully aus schwierigen Verhältnissen mit ihrer drogensüchtigen Hippie-Mutter kam, ist Kate sehr behütet aufgewachsen. Doch trotz aller Gegensätze sind sie immer für einander da.

Meine Meinung: Immer für dich da erzählt die Geschichte einer Freundschaft auf drei Zeitebenen. Zum einen die Jugend der beiden, dann ihre erste Zeit in der Medienbranche und schließlich die Gegenwart (zeitlich Anfang der 2000er), in der Tully ihre Karrieredurchbruch schon hinter sich hat und Kate mit ihrer Scheidung und dem Wiedereintritt in die Medienbranche hadert. Nach dem Trailer habe ich gezögert, ob die Serie wirklich etwas für mich ist, weil ich kein großer Fan von reinen Dramaserien bin. Mich hat letztlich die Prämisse der Freundschaft und der Originaltitel „Firefly Lane“ überzeugt. Leider war letztlich mein erster Eindruck richtig. Denn die Serie findet keinen richtigen Rhythmus, sondern springt in den Zeiten hin und her und zeigt nur, wie sich die beiden Freundinnen immer wieder streiten – teilweise auch aus vollkommen nachvollziehbaren Gründen – und sich dann wieder vertragen. Viele Entwicklungen gerade aus der Vergangenheit werden durch den Gegenwartszeitstrang vorweggenommen, weswegen sie einfach nicht überraschend kommen. Lediglich die Dynamik der beiden Protagonistinnen hält die Zuschauenden bei der Stange. Leider tritt sehr schnell das ein, was ich an Dramaserien nicht mag: Es passiert zu schnell zu viel. Grundsätzlich finde ich die angesprochenen Themen gut und auch wie damit umgegangen wird. Aber es ist in der Masse einfach zu viel. Und dann hat man sich durch die ganze Staffel mit 10 Folgen mit je ca. 50 Minuten Lauflänge gequält um ein so offenes Ende mit Cliffhanger zu bekommen, dass man beinahe gezwungen wird, eine mögliche zweite Staffel zu sehen. Ob ich der Serie dann aber noch einmal eine Chance geben würde, bleibt abzuwarten.

Immer für dich da ist seit dem 03.02.2021 auf Netflix verfügbar

Willkommen im Haus der Eulen – Staffel 1

Die Handlung: Luz Noceda war eigentlich auf dem Weg in ein Sommercamp für schwierige Teenager, in das sie ihre Mutter schicken wollte, nachdem sie in der Schule vermehrt auffällig wurde, da sie eher in einer eigenen Fantasy als der Realtät zu leben scheint. Doch unterwegs folgt sie einer Eule und stolpert prompt durch ein Portal in eine andere Welt. Dort trifft sie auf die Eulenlady und Hexe Eda und ist so fasziniert von der Welt, dass sie beschließt zu bleiben. Und obwohl Menschen keine Magie ausüben können, nimmt die bei Eda Unterricht.

Meine Meinung: Manche Serien darf man auf keinen Fall nach ihrer Pilotfolge beurteilen. Als mir meine beste Freundin ganz begeistert von ihrer Neuentdeckung erzählt hat, habe ich ihr vertraut. Gefiel mir doch schon „Willkommen in Gravity Falls“ sehr gut, bei der Showrunnerin Dana Terrace ebenfalls ihre Finger im Spiel hatte. Doch nach der ersten Folge hätte ich beinahe aufgehört, weil es mir ein einziges Chaos war und ich bis auf wenige Figuren nichts mehr der Serie anfangen konnte. Doch ich hielt durch und ab Folge 3 wurde es merklich besser, bis ich gänzlich dem Sog der Serie erlag und innerhalb von drei Tagen die erste Staffel mit 19 Folgen je ca. 23 Minuten durchgebinged habe. Denn Willkommen im Haus der Eulen bietet nicht nur eine völlig faszinierende Parallelwelt voller Überraschungen und Gefahren, sondern auch liebenswerte Charaktere. An manche musste man sich vielleicht erst gewöhnen, aber andere hat man sehr schnell ins Herz geschlossen – ich sag nur Edas dämonischen Mitbewohner King. Vieles ist auch sehr abgedreht, aber letztlich immer in einem guten Maß (außer halt in der Pilotfolge). Wer mit der Serie anfangen will, den erwartet eine abgefahrene Welt, aber doch irgendwo im Stile anderer Disneyserien.

Willkommen im Haus der Eulen ist seit dem 31.08.2020 auf Disney+ verfügbar

Country Comfort – Staffel 1

Die Handlung: Bailey (Katherine McPhee) ist Countrysängerin von ganzem Herze und sing in der Band ihres Freundes. Als dieser nicht nur mit ihr Schluss macht, sondern sie auch aus der Band wirft und gegen seine neue jüngere Freundin austauscht. Als sie vor der Situation fliehen will, bleibt auch noch ihr Wagen liegen. Auf der nächstgelegegen Farm trifft sie auf Familie Haywood, die sie für ihre neue Nanny halten. Trotz aller Erklärungsversuche Baileys wird sie eingestellt und stellt kurz darauf fest, dass die Mutter vor nicht allzulanger Zeit gestorben ist und die Kinder sich nicht an die neue Freundin ihres Vaters gewöhnen wollen. Umso schneller schließen sie Bailey ins Herz, die nun nebem dem Nannysein versucht ihre Solokarriere voranzutreiben.

Meine Meinung: Country Comfort umfasst bisher eine Staffel mit 10 Folgen mit einer Länge zwischen 20 und 30 Minuten. Der Einstieg in die Serie ging sehr flott, so dass man sich schnell  auf der Ranch von Familie Haywood wiederfindet. Hier gibt es einen kurzen Zeitpunkt der Überforderung, wenn man versucht sich die Namen der fünf Kinder zu merken. Aber auch das ist schnell überwunden, so dass man sich auf die Handlung konzentrieren kann. Zumal die Kinder, auch wenn sie bewusst mit einem gewissen familienähnlichen Aussehen gecastet wurden, sich durch ihren Charakter stark unterscheiden. Dadurch findet man leicht in die Serie rein, zumal jeder Charakter die Handlung auf eine bestimmte Weise vorantreibt. Als Sitcom funktioniert die Serie größtenteils sehr gut. Es gibt pro Folge einige gut pointierte Witze, die einen instant lachen lassen und so hat man das Gefühl, dass die Serie gute Laune verbreitet. Das Problem ist eher, dass die Serie trotz der herzlichen Charaktere, an vielen Stellen sehr gestellt wirkt. Man kann einfach die gesamte Handlung sehr gut vorhersehen, vor allem die in den einzelnen Folgen. Dadurch passiert wenig überraschendes. Wen das nicht stört, dem garantiere ich ein paar erheiternde Minuten mit der Haywood-Familie.

Country Comfort ist seit dem 19.03.2021 auf Netflix verfügbar

Star Trek: Lower Decks – Staffel 1

Die Handlung: Es ist viel zu tun auf der USS Cerritos, einem eher unbedeutenderen Schiff der Sternenflotte. Das alles reibungslos funktioniert liegt wohl vor allem an den Ensigns, die auf den unteren Decks arbeiten, weit entfernt von der Brücke. Diesmal geht es um die Abenteuer dieser Crew.

Meine Meinung: Gefühlt schießen seit neuestem nach dem Erfolg von Rick & Morty immer mehr Animationsserien aus dem Boden, die weniger kinderfreundlich sind, sondern eine sehr derbe Sprache haben. Star Trek: Lower Decks gehört dazu. Sobald man sich damit arrangiert hat, dass sie ganz anders als die bekannten Star Trek Serien ist und bekannte Muster auch gerne mal auf die Schippe nimmt – aber immer mit einem liebevollen Zwinkern – findet man sich in einem Team voller witziger und einzigartiger Charaktere wieder. Und auch, wenn man einiges von der Brückencrew erfährt, auch wenn diese absichtlich sehr klischeehaft dargestellt wurde, liegt der Fokus doch auf den Ensigns und den unteren Decks. Also genau die, die in den bisherigen Serien immer dann eingeblendet wurden, wenn das Schiff angegriffen wurde und man darstellen wollte, dass das ganze Schiff durchgeschüttelt wurde. Und das ist nicht nur ein interessanter Einblick in die unbekannteren Regionen, sondern eben auch sehr witzig, weil hier sehr viel schief geht. Wer also mal einen neuen Blick wagen und sich von den derberen Dialogen nicht abschrecken lässt, der wird hier bestimmt fündig.

Star Trek: Lower Decks ist seit dem 22.01.2021 auf Prime Video verfügbar

A Discovery of Witches – Staffel 1

Die Handlung: Diana Bishop (Teresa Palmer) ist eine brilliante Historikerin, die sich gerne mit dem Themebereich Alchemie befasst. Das liegt wohl daran, dass sie aus einer Familie von Hexen und Hexern abstammt, selbst aber eher unterbewusste Fähigkeiten hat. Als sie eines Tages ein seltenes Buch in der Bibliothek ausleihen kann, sind auf einmal alle Wesen an ihr interessiert. Vor allem der Vampir Matthew Clairmont (Matthew Goode) hängt seitdem an ihr. Doch wer will ihr wirklich helfen und wer sucht nur nach einem Weg einen Vorteil gegenüber der anderen Spezies zu gewinnen?

Meine Meinung: Ich habe mich lange nicht mehr an Serien (oder auch Bücher und Filme) gewagt, in denen Vampire vorkommen, war das Thema doch sehr ausgelaugt worden durch die letzten Jahre. Doch nach einigem Zögern gab ich a Discovery of Witches eine Chance – und wurde sowohl überrascht, als auch enttäuscht. Denn die Serie selbst schafft mit ihren Hexen, Vampiren und Dämonen eine spannende Welt, mit eigenen Regeln, über die man gerne mehr erfahren möchte, und die einen bei der Stange hält. Die ständig neuen Entwicklungen und Wirrungen der vorhandenen Charaktere sind gut ausgearbeitet und bieten sowohl Spannung als auch überraschende Wendungen. Dabei wird in vielen Fällen auf gängige Klischees verzichtet, wenn sie auch nicht gänzlich vermeidbar sind. Wesentlich störender war die sich viel zu schnell entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Diana und Matthew, die an vielen Stellen sehr gestellt wirkt, auch wenn Matthew Goode alles dran setzt und dagegen anspielt. Ein Problem könnte auch Teresa Palmer sein, die mir ihre Diana Bishop leider sehr platt präsentiert und sich so auch zwischen den beiden Charakteren keine richtige Chemie aufbaut. So war ich während des Sehens gefangen zwischen „Erzählt mir mehr“ und einem genervten Augenrollen, wenn statt neuer Entwicklungen lieber ein wenig Süßholzgeraspel eingefügt wurde. Der zweiten Staffel werde ich aber dennoch wahrscheinlich eine Chance geben.

A Discovery of Witches ist aktuell bei Sky Ticket enthalten

Habt ihr eine davon gesehen? Wie hat sie euch gefallen?

Falcon and the Winter Soldier

Ein Vorwort

Nachdem WandaVision den Auftakt zu (mindestens) einer Handvoll Marvel-Serien auf Disney+ macht, ziehen nun zwei weitere altbekannte nach. Ein Duo, das bisher eher dafür bekannt ist, sich nur zu kabbeln, bekommt ihre eigene Serie. Dabei ist die Prämisse diesmal wieder ganz typisch für Marvel, also keine Sitcom mehr, wie bei WandaVision. Was die Serie denn nun kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.
Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Captain America 2 – Winter Soldier, Captain America 3 – Civil War, Avengers – Endgame – diese werde ich hier kurz vorstellen.
Welche Filme aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Captain America, Black Panther, Avengers – Infinity War und Spider Man – Far from home – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (für die Links einfach die Titel anklicken).
In Captain America 2 – Winter Soldier trifft Steve Rodgers (Captain America) beim Ausdauertraining auf Sam Wilson, einem Kriegsveteranen. Als Steve kurz darauf von dem SHIELD Projekt „Insight“ erfährt, stellt er sich dagegen. Er bekommt von Nick Fury einen Datenträger, der kurz darauf bei einem Angriff von einem maskierten Soldaten stirbt. Zusammen mit Natasha Romanoff (Black Widow) findet Steve heraus, dass HYDRA noch immer aktiv ist und Spione bei SHIELD hat. Bei der darauffolgenden Flucht suchen Natasha und Steve bei Sam Unterschlupf, der anbietet ihnen zu helfen. Durch die Entwendung eines Raketentournisters wird Sam zum Falcon und hilft aus der Luft. Als sie versuchen sich Zutritt zum SHIELD-Hauptquartier zu verschaffen, werden sie vom gleichen maskierten Soldaten angegriffen, bei dem es sich wohl um einen russischen Supersoldaten handelt. Bei der Demaskierung durch Steve, stellt dieser fest, dass es sich um seinen Kumpel Bucky aus der Zeit des zweiten Weltkriegs handelt, den HYDRA abgerichtet hat und der keine Erinnerungen mehr an ihre gemeinsame Zeit hat. Beim großen Endkampf appelliert Steve immer wieder an Buckys Erinnerungen, weswegen dieser ihm zum Schluss das Leben rettet. In der After Credit Scene sieht man Bucky, wie er eine Ausstellung über Captain America besucht.
In Captain America 3 – Civil War gibt es bei einem Einsatz der Avengers in Lagos einen Zwischenfall mit vielen zivilen Opfern, an der auch Captain America und Falcon beteilgt waren. Darauf entbrennt eine Debatte, ob die Avengers nur noch nach staatlicher Erlaubnis agieren dürfen. Bei den Verhandlungen der Vereinten Nation, kommt es jedoch zu einem Anschlag. Verübt wurde er von Baron Zemo, der jedoch Bucky die Schuld in die Schuhe schiebt. Es folgt eine Auseinandersetzung und schließlich die Spaltung der Avengers in zwei Lager. Am Ende folgen Steve, Bucky und Iron Man Zemo zu einem alten HYDRA Komplex, in der Befürchtung, dass Zemo das Winter Soldier Projekt wiederaufleben lassen will. Dieser hat aber das genaue Gegenteil getan, bringt aber durch eine alte Aufnahme Iron Man und Captain America gegen einander auf. Black Panther stößt dazu und hindert nicht nur Zemo am Selbstmord, sondern bietet auch Bucky Aysl in Wakanda, wo er in Cryostasis versetzt wird, bis es einen Weg gibt, ihn endgültig vor einer Konditionierung zu schützen. (Am Ende von Black Panther wird genau dies gezeigt, wodurch Bucky bereits in Infinity War wieder mitkämpft.)
In Avengers – Endgame sind fünf Jahre seit Thanos Schnipps vergangen und die Weltbevölkerung hat sich darauf eingestellt, dass sie um die Hälfte dezimiert wurden. Nachdem die Avengers es durch Zeitreisen geschafft haben, den Schnips rückgängig zu machen, kehren sowohl Falcon als auch Bucky zurück und kämpfen im finalen Entscheidungskampf mit. Am Ende kehrt Captain America noch einmal in die Vergangenheit zurück, doch anstatt zurückzuspringen, bleibt er in der Vergangeheit, um endlich mit Peggy Carter glücklich zu werden. So taucht er als alter Mann wieder auf und vermacht sein Schild an Sam (Falcon).

Die Handlung

Sam Wilson alias the Falcon (Anthony Mackie) kann sich nicht damit anfreunden, dass er Steves Schild bekommen hat und damit in seine Fußstapfen treten soll. Stattdessen arbeitet er weiter als Falcon für die Air Force. James „Bucky“ Barnes (Sebastian Stan) ist nicht begeistert, dass das Schild nun in einem Museum steckt und stellt Sam zur Rede. Gleichzeitig befindet er sich in Therapie, um seine Taten als Winter Soldier verarbeiten zu können. Als eine Gruppe Supersoldaten auftauchen und für die Wiederherstellung der Verhältnisse vor dem Blip (Thanos Schnipps) kämpfen, passieren mehrere Sachen gleichzeitig. Falcon und Bucky müssen sich zusammenraufen und einen alten Feind rekrutieren und das Verteidigungsministerium ernennt einen neuen Captain America, inklusive dem gespendet Schild.

Meine Meinung

Was habe ich mich auf diese Serie gefreut. Ganz bewusst habe ich jeglichen Trailer vermieden, um alles neu und unvoreingenommen erleben zu können. Gerade die Figur des Winter Soldier finde ich sehr faszinierend und war hier gespannt, wie seine weitere Entwicklung verläuft. Nun stehe ich aber vor einem großen Problem: Ich weiß nicht, ob mir die Serie zu viel oder zu wenig erzählt hat.
Mit einer Lauflänge von 315 Minuten ist die Serie etwas länger als zwei durchschnittliche Marvel-Filme. Also jede Menge Zeit, um viel zu erzählen. Das wird einerseits genutzt und so werden eine Vielzahl von Themen angesprochen und es bleibt auch nicht nur beim ansprechen, sondern es werden auch viele Diskussionen geführt. Da gerät die aufkeimende Freundschaft zwischen Sam und Bucky gerne mal in den Hintergrund. Gerade hier fehlt mir zum Beispiel, wie es dazu kam, da sie auf einmal einfach zu zweit losziehen und das auch gar nicht mehr hinterfragen, sondern sich wie ein eingespieltes Team verhalten. Auch fehlten mir hier einfach die sarkastischen Dialoge, wie es sie noch in Civil War gegeben hat. Bis auf eine Szene, haben die beiden nur oberflächliche Dialoge oder sehr ernste.
Wirklich Schwung kommt in die Serie erst, wenn Daniel Brühl erneut in die Rolle des Baron Zemo schlüpfen darf, denn er bringt genau den Witz mit, den man zuvor vermisste. Allerdings gibt es auch hier einige Logiklöcher, die nicht so ganz zusammenpassen wollen. Vor allem Zemos Motiv bleibt lange unklar, nur um es dann in wenigen Szenen als erledigt abzuhaken.
Weil man ja Zeit hatte, konnte man aber nebenbei auch noch Sharon Carter wieder auftauchen lassen, deren Rolle und Motive sehr platt waren, wo man sich schon fragt, ob man sie dann nicht besser weggelassen hätte. Dann kommen noch die Dora Milaje (bekannt aus Black Panther) dazu, die auch eher Mittel zum Zweck sind. Also ich fand es schön, dass sie dabei waren, aber man hätte sie dann in die Handlung besser einbinden müssen!
Über den „neuen Captain America“ und seine Charakterentwicklung reden wir am besten nicht weiter. Hier war zwar ein Konzept dahinter, das nötig war, um bei Falcon eine nötige Entwicklung hervorzurufen, aber er war so nervig! Und irgendwie auch nur dafür da, dass die anderen beiden besser dastehen, bzw. die Serie gestreckt werden kann, weil er immer wieder Missionen vereitelt. Ihr merkt, hier wurde mir eindeutig zu viel unnötiges erzählt. Hätte man das weggelassen, wäre ein Film bei rausgekommen, der in seiner Gesamtheit dann wenigstens spannend gewesen wäre.
Und jetzt kommt das große Aber. Denn auch wenn hier vieles zu viel war, oder eben unnötig eingebunden, gab es eben auch die Handlungsstränge, die mir zu kurz kamen. Das beginnt mit der Antagonistin Karli bzw. der Gruppierung um sie, die eigentlich einen spannenden Hintergrund haben. Hier geht es nämlich um die Folgen des Blips und die Zurücknahme, die ebenfalls die Welt in Atem hält. Um Menschen, die einfach abgeschoben werden sollen. Um politische Diskussionen, um Einblicke in Flüchtlingsheime und eben um den Widerstand dagegen. Und während die Kämpfe mit Karli gerne ausufernd gezeigt werden, sind es gerade die Gespräche die zu kurz kommen. Hier verpasst die Serie wirklich in die Tiefe zu gehen und sich einer unbequemen Diskussion zu stellen.
Im großen und ganzen konzentriert sich die Serie zu sehr auf die ganzen Actionszenen, die alle toll choreographiert sind und denen man das hohe Budget auch ansieht, und zu wenig auf das zwischenmenschliche. Lieber werden unzählige oberflächliche Handlungsstränge aufgemacht, als ein paar wenige tiefgründige. Das macht die Serie nicht an sich schlecht. Aber sie verschenkt sehr viel Potential, um sich von der Masse der Filme abzuheben. Ihr fehlt das Alleinstellungsmerkmal und leider fehlt ihr auch der typische Marvelhumor, der nur selten durchkommt. Vielleicht habe ich auch einfach zu sehr auf etwas gehofft, was es am Ende nicht war.

Das Fazit

Falcon and the Winter Soldier ist eine Serie in typischer Marvelmanier, die als Film wahrscheinlich besser funktioniert hätte. Hier wurde gleichzeitig zu viel und zu wenig erzählt und wirkt so sehr unausgeglichen. Dafür entlohnen die Actionszenen, die mit den Kinoproduktionen mithalten können.

Falcon and the Winter Soldier ist seit dem 23.04.2021 vollständig auf Disney+ zu sehen

Eine Handvoll Filme – 2/21 – Dokumentationsspecial

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr – diesmal dreht sich alles um Dokumentationen. Heute mit: den sozialen Medien, einer versunkenen Stadt, dem Okavangodelta, großen Katzen und einer einzigartigen Unterwasserwelt.

Das Dilemma mit den sozialen Medien

Die Handlung: Wir sind doch alle täglich auf den sozialen Medien unterwegs. Doch wie kontrollieren uns diese? Warum kommen wir nicht davon los? Und was für Daten werden gesammelt?

Meine Meinung: Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Snapchat und wie die sozialen Medien nicht alle heißen. Sie alle eint ein Prinzip: Möglichst viele Menschen auf ihre Plattform locken und da halten. Sie alle versuchen das mit leicht abgewandelten Prinzipen und haben es geschafft uns weiß zu machen, dass man die Plattformen nutzen muss, wenn wir mit unseren Freunden in Verbindung bleiben wollen. Und auch wenn ich grundsätzlich immer noch der Ansicht bin, dass die meisten davon hilfreich sind – ich bin aber auch öfter umgezogen – sind die Nachteile und die Probleme der Plattformen nicht mehr von der Hand zu weisen. Genau damit beschäftigt sich die Dokumentation. Dafür hat sie zum einen die Geschichte einer fiktiven Familie, die zunehmend einer Handysucht erliegen. Unterbrochen wird dies von Interviews mit mehreren ehemaligen – und teilweise auch ranghohen – Mitarbeiter*innen bekannter Social Media Plattformen. Dabei kommen einige verstörende Details ans Tageslicht, die eigentlich keinen überraschen sollte, es aber doch tun. Die Frage ist daher, wie man mit diesem Wissen umgeht und so eine gesunde Beziehung zu den sozialen Medien aufbaut. Auf jeden Fall eine große Sehempfehlung.

Expedition Atlantis

Die Handlung: Regisseur James Cameron und Archäologe Simcha Jacobovici begeben sich auf Spurensuche, um das Geheimnis von Platons Atlantis zu lösen. 

Meine Meinung: Ich finde das Phänomen und den Mythos Atlantis super spannend. Daher hatte mich die Dokumentation sofort angesprochen, zumal mich Camerons andere Doku über die Titanic ebenfalls sofort in den Bann ziehen konnte. Diesmal ist er eher die Randfigur und wir folgen Jacobovici durch den Süden Europas. Hier werden immer wieder Theorien verschiedener Archäologen herangezogen und mit den Schriften Platos verglichen. Es werden verschiedene Stätten besucht und so entsteht eine Art Schnitzeljagd, bei der herauskommt, dass es Atlantis wohl gab, aber es gibt keine finale Antwort, wo es genau lag und warum es versunken ist. Aber allein der Weg dahin ist spannend, informativ und lehrreich. Wer also immer schon einmal mehr über Atlantis wissen wollte, sollte hier einmal vorbeigeschaut haben.

Die Flut – Okavango unter Wasser

Die Handlung: Eine Dokumentation über das Okavango-Delta in Botswana und wie die alljährliche Flut das Leben dort beeinflusst.

Meine Meinung: (OV) Das Okavangodelta in Botswana ist ein atemberaubendes Naturschauspiel voller tierischem Lebens, das direkt von der jährlichen Flut beeinflusst wird. Wir verfolgen hier allerlei Tiere und sehen, wie sie sich an die verschiedenen Bedingungen anpassen. In den 92 Minuten Lauflänge wird ein ganzes Jahr gezeigt. Die Bilder sind absolut einzigartig, in hoher Qualität gefilmt und sehr lebensnah. Natürlich ist hier eine Ähnlichkeit zu vergleichbaren Dokumentationen zu erkennen, aber im Vergleich ist die Flut schon sehr hochwertig produziert. Hinzu kommt, dass Angela Bassett die Erzählstimme übernimmt. Die Dokumentation ist auch nur im Originalton enthalten, so dass man um ihre wunderbar sanfte aber gleichzeitig intensive Stimme genießen kann. Sie schafft es mühelos einen in den Bann zu ziehen und alle Sinne allein mit ihrer Stimme anzusprechen. Wer also eine Naturdokumentation mit tollen Bilder und einer tollen Erzählstimme – und vor allem endlich auch mal einer weiblichen Erzählstimme! – sehen möchte, dem sei diese Dokumentation auf jeden Fall ans Herz gelegt.

Wettkampf der Raubkatzen

Die Handlung: In dieser Dokumentation treten Löwen, Tiger und Geparden in vier Disziplinen gegeneinander an. Natürlich alles ganz harmlos und unter Zoobedingungen.

Meine Meinung: Raubkatzen-Spezialist Boone Smith kennt alle Stärken und Schwächen der Raubkatzen. Diesmal will er sie in einem ultimativen Wettstreit gegeneinander entreten lassen. Sei es nun, wer am höchsten springen kann oder wer die versteckte Beute am schnellsten findet. In vier Disziplinen wurde insgesamt getestet. Dabei schneiden die drei Raubkatzen sehr unterschiedlich ab. Darüber hinaus gibt es auch viel wissenswertes zu den Katzen. Für mich als großer Katzenfan – und vor allem Raubkatzen haben es mir angetan – war es sehr spannend, aber wer sich gar nicht für Katzen interessiert, dem bringt die Dokumentation auch nichts. Die Disziplinen waren auch alle tierfreundlich und alles wurde unter Zoobedingungen gefilmt. Wer also mal 44 Minuten übrig hat, sollte hier durchaus mal vorbeischauen.

Die verschollenen Inseln

Die Handlung: Wir verfolgen ein Forscherteam zu den abgelegenen Pitcairn Inseln und erleben eine nahezu unberührte Unterwasserwelt.

Meine Meinung: Habt ihr vor meiner Handlungsbeschreibung schon einmal von den Pitcairn Inseln gehört? Nein, ich auch nicht. Das liegt wohl daran, dass sie sehr abgelegen im Südpazifik liegen und das weitgehend unbewohnt sind. Dadurch ist die Unterwasserwelt rund um die Inseln nahezu unberührt. Das merkt man vor allem an der Haipopulation. Da ich allgemein sehr fasziniert von Unterwasserwelten bin und auch Haie faszinierend finde, war für mich die Dokumentation in der Hinsicht sehr spannend. Auch an Land wird einiges erkundet und obwohl die Inseln so unbekannt sind, sind sie nicht geschützt vor Umweltverschmutzungen und Müll. Die Dokumentation ist spannend, weist wunderschöne Bilder auf, aber irgendwo hat mir das gewisse Etwas gefehlt. Irgendwo der Funken, der sie aus der breiten Masse heraushebt. Grundsätzlich ist es eine sehr solide Dokumentation, aber leider auch nicht mehr. Dennoch, wer sich für das Thema interessiert, sollte hier auf jeden Fall mal einen Blick wagen.

Disney+ Original: WandaVision

Ein Vorwort

Das Marvel Cinematic Universe ist nach Endgame erst einmal in eine coronabedingte Starre verfallen (ja, es gab noch Far from home, aber für mich bleibt Endgame das Finale aus drei Phasen). Dafür durfte nun nach langem Warten endlich die erste Serie aus dem Hause Marvel auf Disney+ einziehen. Wir erinnern uns kurz, dass es bereits mehrere Serienanläufe gab, von dem sehr nah am MCU stehenden Agents of SHIELD, dem Desaströsen Inhumans oder auch den sehr durchmischten Netflix Produktionen rund um die Defenders. Doch nun sind die Serien wieder direkt mit dem MCU verbunden, so darf Wandavision nun den Anfang bilden und ist zeitgleich das „Intro“ für den zweiten Doctor Strange Film. Aber was kann die Serie nun? Das erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.
Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Avengers – Age of Ultron, Captain America 3 – Civil War, Avengers – Infinity War, Avengers – Endgame – diese werde ich hier kurz vorstellen.
Welche Filme aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Thor, Thor – the Dark Kingdom, Ant-Man & the WASP, sowie Captain Marvel – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (für die Links einfach die Titel anklicken).
In Avengers – Age of Ultron treffen wir zum ersten Mal auf die Maximoff Zwillinge Wanda und Piedro, die von Hydra mit Superkräften ausgestattet wurden. Als die Avengers die Festung von Baron von Strucker angreifen, werden sie mit Piedros Schnelligkeit und mit Wandas magischen Kräften konfrontiert. Dennoch schaffen die Avengers es, Lokis Zepter zu bergen. Tony Stark (Iron Man) und Bruce Banner (Hulk), versuchen mithilfe des Zepters eine künstliche Intelligenz zu entwickeln, die in ihrer Abwesenheit jedoch zum Leben erwacht und JARVIS – Tonys Butler und Assistent, der ebenfalls eine künstliche Intelligenz ist – in sich aufnimmt. Der somit erschaffene Ultron denkt aber gar nicht daran, sich Befehle erteilen zu lassen und reist nach Sokovia, wo ihn die Maximoffs finden und sich ihm anschließen, da sie aufgrund ihrer Vergangenheit gegen die Avengers sind. Ultron entführt eine Wissenschaftlerin, die einen hochmodernen künstlichen Körper erschaffen soll. Dabei entdeckt Wanda, dass Ultron die Menschheit vernichten will und die Maximoffs stellen sich gegen ihn. Die Intelligenz aus Lokis Zepter wird dennoch in den neuen Körper übertragen, wodurch Vision entsteht. Dieser schließt sich den Avengers an, was misstrauische Stimmen beruhigt. Im finalen Kampf gegen Ultron stellen sich die Maximoffs auf die Avengers Seite und auch Vision kämpft mit. Piedro stirbt jedoch im Kampf, als er sich schützend vor Hawkeye stellt.
In Captain America 3 – Civil War sind Wanda und Vision inzwischen feste Mitglieder der Avengers und leben zusammen im Hauptquartier. Bei einem Einsatz in Lagos schafft es Wanda noch den Supersöldner Crossbone mit einer Bombe aus der Gefahrenzone am Boden zu ziehen, dabei kommt er aber zu nah an ein nahestehendes Gebäude, was einen Einsturz auslöst. Daraufhin entflammt eine Debatte, ob Superhelden, wie die Avengers, strengeren Richtlinien des Militärs unterliegen sollten. Dies entzweit die Avengers. Während sich Vision der Seite von Iron Man anschließt und für die strengeren Richtlinien ist, stellt sich Wanda, nachdem sie von Hawkeye aus ihrem Hausarrest befreit wurde, auf die Seite von Captain America, der gegen die Richtlinien ist. Beim Kampf kommt es zu einem Unfall, als Vision den im eigenen Team kämpfenden War Machine schwer verletzt, so dass dieser eine Querschnittslähmung davon trägt.
In Avengers – Infinity War treffen wir Wanda und Vision zum ersten Mal als Paar. Sie sind gerade in Edinburgh und haben sich ein paar Stunden Zweisamkeit erschlichen, als Thanos Helfer auftauchen. Sie wollen den Gedankenstein, der sich in Vision befindet. Mit Hilfe von Catpain America, Falcon und Black Widow, die im richtigen Moment auftauchen, können sie sich retten. Im Hauptquartiert beratschlagen sie, was sie tun sollen und reisen kurz darauf nach Wakanda. Dort soll Shuri, die Schwester von Black Panther, versuchen den Gedankenstein aus Vision zu extrahieren, ohne, dass dieser dadurch stirbt. Die einzige Alternative wäre es, dass Wanda den Stein zerstören müsste, was Vision Tod bedeuten würde. Das wäre die letzte Möglichkeit, damit Thanos nicht an den Stein kommt und so alle sechs Infinity Steine zusammenhätte. Doch im Kampf kommt alles anders und schließlich bleibt Wanda nichts anderes übrig. Unter Aufwendung all ihrer körperlichen und geistigen Kräfte, schafft sie es den Stein und damit Vision zu zerstören. Allerdings ist Thanos bereits im Besitz des Zeitsteins und kann daher alles rückgängig machen. Als er den Gedankenstein von Vision an sich nimmt, zerstört er ihn damit. Nach Thanos Schnippser, der die halbe Weltbevölkerung auslöscht, ist auch Wanda dabei und löst sich auf.
In Endgame sind fünf Jahre vergangen seit den Ereignissen in Infinity War. Die übrig gebliebenen Avengers versuchen noch immer Thanos Auslöschung rückgängig zu machen. Schließlich gelingt es und so kehrt auch Wanda zurück. Allerdings kann Vision nicht dadurch zurückkehren, weil der Gedankenstein im finalen Kampf gegen Thanos zerstört wird.

Die Handlung

Wanda (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bethany) ziehen ins beschauliche Westview, um sich dort häuslich niederzulassen. Dabei haben sie einige Anpassungsprobleme, passen eine Hausfrau mit magischen Kräften und ein Android doch nicht ins übliche Vorstadtleben. Eine Sitcom im Wandel der Zeiten.

Meine Meinung

Wanda und Vision waren bisher nicht meine liebsten Charaktere im MCU und als ihre Serie angekündigt wurde, wollte ich erst passen. Doch Marvel weiß doch immer, wie sie mich kriegen. Und so wurde Wandavision als Sitcom angekündigt. Eine Superheldenserie in Form einer Sitcom? Das musste ich mir dann doch mal angucken.
Und tatsächlich landet man als Zuschauer in der ersten Folge mitten in einer Sitcomwelt der 1950er Jahre. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, worauf die Serie hinaus will, hatte ich einfach Spaß bei den Alberheiten und dem Setting. Die zweite Folge setzt dann den Sitcomcharakter fort und orientiert sich eher an die 1960er Jahre. Erst ab der dritten Folge bekommt man einen Einblick dazu, dass etwas nicht zu stimmen scheint. Und ab der vierten fangen dann langsam die Erklärungen an.
Auch wenn mir die ersten beiden Folgen immer noch am besten gefallen, war es danach noch immer eine gute Mischung aus dem Sitcomcharakter und einer guten Portion Mystery. Neue und altbekannte Charaktere wechseln sich ab und es gab ordentlich Fanservice. Wenn möglich sollte man aber zuvor wenig über die Serie wissen, damit die Überraschungen, die den Reiz der Serie ausmachen, noch überraschend bleiben. Deswegen ist auch der Handlungsteil in diesem Beitrag sehr kurz gehalten.
Was man allerdings wissen sollte, ist, dass die Serie eben nicht nur für Marvelfans ist. Denn sie funktioniert, auch wenn sie die typische Marveldynamik erst sehr spät einführt. Tatsächlich fehlt der Serie gegen Ende ein bisschen der zuvor herrschende Charme, aber dafür ist es wieder bildgewaltig und kann qualitativ definitiv mit den Kinoproduktionen mithalten.
Mit 9 Folgen, die zwischen 30 und 40 Minuten lang sind, ist die Serie auch relativ zügig zu schauen. Inzwischen sind auch alle Folgen bei Disney+ enthalten. Nun haben wir genügend Zeit über diverse Handlungsstränge zu diskutieren, Vermutungen über weitere Geschehnisse anzustellen, bis wir hoffentlich mehr in Doctor Strange 2 erfahren. Die Serie ist in sich aber erst einmal geschlossen. Eine zweite staffel ist aktuell wohl auch nicht geplant.

Das Fazit

WandaVision ist in erster Linie eine gelungene Sitcom, kommt aber schnell mit einem Mysterytourch daher, der der Serie nur bis zu einem gewissen Grad guttut. Die Einordnung ins große MCU ist definitiv gelungen. Ob Marvel Fan oder nicht, hier sollte man mal vorbei schauen.

WandaVision ist bei Disney+ auf Abrruf verfügbar

Disney+ Original: Soul

Ein Vorwort

Willkommen im zweiten Lockdown mit weiterhin geschlossenen Kinos. Disney hat jedoch im letzten Jahr seinen Streamingdienst veröffentlicht und haut da einfach seine gestrichenen Kinofilme raus. Nachdem Mulan für drei Monate nur mit VIP-Zugang möglich war und nun im Standardabo enthalten ist, hat Disney gelernt und hat Soul gleich ohne VIP Zugang verfügbar gemacht. Wie ich den neusten Pixarfilm finde, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Joe Gardner ist eigentlich leidenschaftlicher Jazzpianist, versauert aber in einem Lehrerjob. Bis er eine einmalige Chance bekommt – und kurz darauf einen schweren Unfall hat. Seine Seele ist bereits auf dem Weg ins Jenseits, doch Joe will das nicht akzeptieren und landet im Davorseins. Hier sammeln sich alle Seelen zur Vorbereitung auf die Erde. Joe sieht seine Chance in seinen Körper zurückzukommen und landet im Mentorenprogramm für neue Seelen. Doch Seele 22 hat keine Ambition auf die Erde zu kommen.

Meine Meinung

Wenn ein neuer Pixarfilm rauskommt, bin ich meistens etwas zwiegespalten. Wird es ein neuer Alles steht Kopf/Coco/Findet Nemo Film – also einen den ich richtig gerne mag – oder eher Cars/Merida/Die Unglaublichen – also einen, mit dem ich einfach nichts anfangen kann. Auf dem ersten Blick hat Soul bereits Ähnlichkeiten mit Alles steht Kopf und tatsächlich bleiben die Ähnlichkeiten auch erhalten.
Während Alles steht Kopf sich vorgenommen hat, das Innere der Menschen mit Gedanken und Gefühlen und Erinnerungen irgendwie kindergerecht vorstellbar zu machen, versucht Soul nun das namensgebende Konstrukt der Seele umzusetzen. Und zumindest optisch haut das schon einmal hin. Auch ist die ganze Grundidee wirklich gut durchdacht und gerade die ganzen Kleinigkeiten sind wieder unfassbar gut ausgearbeitet. Es werden die Fragen gestellt, was Begabungen sind, wofür man sich begeistert und wann eine Seele bereit für einen Körper ist. Das Ganze wird wieder umrahmt von einer Geschichte. Und letztlich ist es die Geschichte, die den Unterschied macht. Denn während Alles steht Kopf einfach durchgehend eine durchdachte Geschichte hat und durch immer wieder witzige Einschübe. Soul hat zwar auch eine durchdachte Geschichte, aber die wirkt an einigen Stellen einfach ein bisschen gestreckt. Letztlich waren die Ideen wohl ein bisschen zu wenig für die 100 Minuten Laufzeit. Gerade die Witze kommen die meiste Zeit etwas zu kurz.
Versteht mich nicht falsch, ich habe schon immer mal wieder gelacht. Aber es waren eher vereinzelte Momente, als dass ich wirklich sagen würde, der Film sei witzig.
Grundsätzlich waren Joe Gardner und Seele 22 auch interessante Charaktere und ihre Gegensätze guter Nährstoff für den Film. Aber irgendwo hat mich die Geschichte nicht final abgeholt und ich kann einfach nicht sagen, woran es lag. Vielleicht sind meine Erwartungen zu hoch gewesen, als ich die Ähnlichkeit zu Alles steht Kopf bemerkt habe. Ich weiß es einfach nicht. Denn objektiv ist der Film durchaus gut.

Das Fazit

Soul ist ein Film, der mit seiner Idee und vielen Teilen seiner Umsetzung vieles richtig macht. Lediglich einige Witze kommen zu kurz, der Film hat gerade am Anfang ein paar Längen und leider holt mich der Film nicht final ab. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Soul ist seit dem 25.12.2020 auf Disney+ verfügbar

Mulan

Ein Vorwort

Mulan ist einer dieser Filme, der eine lange Odysee hinter sich hat. Kurz vor Kinostart wurden die Kinos geschlossen, dann wurde der Film mehrfach verschoben, dann auf Disney+ mit VIP Zugang angeboten, inzwischen ist er auf Disney+ im normalen Abo enthalten. Nachdem der Animationsfilm in China boykottiert wurde, versuchte das Realfilm-Remake sich nun ein bisschen einzuschmeicheln. Mushu musste weichen, und als Hauptdarstellerin wurde eine systemtreue Chinesin ausgewählt. Und auch, wenn ich immer und immer wieder predige, Disney solle sich mehr von seinen Vorlagen lösen, wenn sie schon alles in ein Remake pressen müssen und dabei immer Maleficent und Dumbo lobend erwähne, war gerade ich entsetzt. Ein Mulanfilm ohne Mushu? Ja, ich verstehe, dass die Darstellung für die Chinesen beleidigend war und es daher grundsätzlich sinnvoll ist, ihn wegzulassen, aber er ist nunmal einer meiner Lieblingscharaktere… Okay, lange Rede, kurzer Sinn: Wie ich die Neuverfilmung von Mulan als Realfilm fand, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Hua Mulan (Liu Yifei) wächst ziemlich unbedarft auf. Ihr Vater lässt ihr viele Freiheite und vergisst dabei, sie so zu erziehen, dass sie erkennt, dass ihre Stellung als Frau sehr gering ist. Als ein Reitervolk in China einfällt, wird auch Mulans Vater als Soldat einberufen. Da dieser aber Verletzungen aus dem vorherigen Krieg hat, ist sich die Familie sicher, dass er einen zweiten Krieg nicht überleben wird. Kurzum stiehlt Mulan seine Rüstung und Einberufungsbefehl, obwohl ihr die Todesstrafe droht, sollte herauskommen, dass sie eine Frau ist.

Meine Meinung

Im Vorfeld habe ich über den Film eigentlich nur Extreme gehört. Leute, die den Film absolut in den Himmel lobten und Leute, die den Film absolut zerrissen. Gefühlt gab es nichts dazwischen. Ich habe versucht meine Erwartungen an den Film daher möglichst gering zu halten und was soll ich sagen: Ich bin wohl die eine Meinung zwischen den Extremen.
Aber ganz von vorne. Mulan greift grundsätzlich die bekannte Geschichte wieder auf, setzt aber bereits in ihrer Kindheit an, um ihren rebellischen Charakter besser verständlich zu machen. Das erklärt auch einige Wendungen im weiteren Film und ist daher sehr sinnvoll. Generell ist der Tonfall der Geschichte aber erwachsener als bei der Animationsvorlage. Auch fallen diesmal nicht die Hunnen ein, und zwar aus dem einzigen Grund, weil der Kaiser die Mauer gebaut hat, sondern diesmal handelt es sich um ein Reitervolk, dass eine wesentlich bessere Hintergrundgeschichte hat. So ist einiges deutlich besser durchdacht und auch einfach realistischer dargestellt.
Dennoch fehlt es dem Film nicht an Magie. Diese ist zwar wesentlich bedachter eingesetzt, aber dennoch vorhanden und auch wichtig. Aber trotz aller Bemühungen bleibt der Film an vielen Stellen blass. Weite Teile des Films plätschert die Geschichte vor sich hin, ohne den Zuschauer wirklich an den Bildschirm bannen zu können. Das kann zum Teil auch daran liegen, dass der Film im Kino noch einmal wesentlich eindrucksvoller gewirkt hat, weil gerade die Landschaftsaufnahmen schon beeindruckend sind. Das kann aber auch daran liegen, dass einige Charaktere zwar da sind, aber doch eher blass im Hintergrund bleiben. Es gibt eigentlich nur ganz wenige Charaktere bei denen wirklich eine Entwicklung sichtbar ist und die auch eine Geschichte bekommen. Das ist schade, war doch das Zusammenspiel mit ihren Kameraden im Animationsfilm noch eine wichtige Komponente.
Das größte Problem des Films, warum es am Ende auch einfach keine runde Sache wird, ist, dass die Handlung an einigen Stellen erzwungen gewendet wird. Soll heißen, dass man von Punkt A zu Punkt B kommen wollte und anstatt das sinnvoll zu erarbeiten, wurde einfach mit dem Finger geschnippt und schon haben sich die Charaktere um entschieden und machen/denken jetzt was völlig anderes. Das ist nicht nur billig gelöst, sondern nimmt auch dem Film viel an Aussagekraft. Vor allem, weil es bereits in der Animationsvorlage besser gelöst war.
Letztlich ist Mulan nicht der Film, der er hätte sein können. Seine Aussagen zur Unterdrückung der Frau sind in diversen Metaphern zwar angedeutet, werden aber nie mit der Tiefe behandelt, die sie hätten haben können. Einige wenige Änderungen und vor allem ein besseres Durchdenken der Handlung hätten einiges retten können, so bleibt der Film blass und unaussagekräftig. Schade!

Das Fazit

Mulan schafft es neue Komponenten einzubinden, vereint einen guten Cast und tolle Landschaftsbilder, schafft es aber nicht die neue Geschichte bis zum Ende logisch zu gestalten. Blasse Handlung, blasse Nebencharaktere und einige zu gewollte Wendungen ziehen den Film wieder ein Stück runter. Dennoch lohnt sich der Blick!

Mulan ist seit dem 04.12.2020 auf Disney+ auch ohne VIP-Zugang verfügbar

Artemis Fowl

Ein Vorwort

Acht Bände der Artemis Fowl-Reihe aus der Feder von Eoin Colfer sind zwischen 2001 und 2012 erschienen. Die beliebte Kinderbuchreihe ist dabei international sehr beliebt und erhielt sogar den deutschen Bücherpreis. Das es überhaupt so lange bis zu einer Verfilmung gedauert hat, ist erstaunlich. Doch dann erbarmte sich Disney endlich zur Freude der Buchfans und kündigte die Verfilmung an. Der erste Trailer wurde jedoch bereits mit gemischten Gefühlen aufgenommen und durch die ganzen Verschiebungen der letzten Zeit wurde der Film nun schließlich auf Disney+ „verbannt“. Warum der Film jedoch nicht nur ein Opfer seiner Umstände, sondern auch wirklich nicht gut ist, erfahrt ihr in meiner Kritik. 

PS: Ich habe die Bücher übrigens nicht gelesen, kann mich hier also nur auf den Film beziehen.

Die Handlung

Artemis Fowl II (Ferdia Shaw) ist ein kleiner Überflieger, was ihn in der Schule nicht gerade beliebt macht. Er sieht sich als Intelligenter als alle anderen an, mit Ausnahme seines Vaters, ebenfalls mit Namen Artemis Fowl (Colin Farrell). Dieser lehrte ihn seit seiner Kindheit die Märchen und Legenden Irlands, wo die Fowls ein großes Anwesen bewohnen. Doch als sein Vater von einem mythischen Wesen entführt wird, muss Artemis erkennen, dass mehr an den Märchen dran ist, als er für möglich hielt. Zusammen mit seinem Butler, dessen Nichte und einer gefangenen Elfe muss Artemis jedoch erst das Anwesen der Fowls vor den Elfen verteidigen.

Meine Meinung

Kenneth Branagh als Regisseur (Thor, Cinderella, Mord im Orient-Express) erschien mir grundsätzlich erst einmal als eine gute Wahl um die Bücherreihe zu verfilmen. Als dann auch noch die Castingliste veröffentlicht wurde und neben Namen wie Josh Gad und Colin Farrell auch noch Dame Judy Dench auftauchte, war ich mir sicher, dass der Film gar nicht so schlecht werden könnte. Leider ist spätestens seit dem Fiasko von Cats – ebenfalls mit Judy Dench – eine gute Castingliste wohl kein Garant mehr für einen guten Film. Denn hier wird so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. 
Fangen wir zunächst an mit der Erzählstruktur. Im Prinzip wird hier das Ende vorweggenommen, dann Josh Gads Charakter Mulch Diggums wird festgenommen und darf nun auf der Polizeistation seine Geschichte erzählen. Allerdings erzählt er eher die Geschichte von Artemis Fowl, zu der er selbst erst später hinzustößt. Obwohl sich die beiden im Film am gleichen Tag erst kennenlernten, kennt Mulch natürlich die ganze Familiengeschichte der Fowls. Selbst wenn wir diesen Fakt ignorieren, so wird hier dann doch die gesamte Vorgeschichte in wenigen Szenen abgearbeitet und auf einmal soll man sich mit den Charakteren im Hause Fowl verbunden fühlen. Dann werden wirr ein paar Begebenheiten in der „realen“ Welt und in der Elfenwelt erzählt, die absolut unzusammenhängend wirken. Weiter geht es mit der eigentlichen Handlung, die wie ein wirres Puzzle aus Szenen wirkt, die irgendwie zu einem Kampf im Anwesen der Fowls führt. Und schwupp ist der Film auch schon wieder vorbei. Nur leider wissen wir immer noch herzlich wenig über die Welt oder die Charaktere, so dass einen auch Einzelschicksale sehr unberührt lassen. 
Kommen wir also zum nächsten großen Problem. Dem Worldbuilding/Weltenbau. Bzw. dem nicht vorhandenen. Grundsätzlich will uns der Film erklären, dass es neben/unter/irgendwo halt der uns bekannten Welt auch noch die „magische“ Welt gibt, in der all die Märchen- und Legendengestalten der irischen Sagen leben. Hier im Film lernt man erst einmal nur die Elfenwelt kennen und auch die nicht wirklich. Denn während der Film noch die Vorgeschichte der Fowls mit ein paar wenigen Szenen versucht zu erklären, hören hier die Erklärungen leider wieder auf. Der Zuschauer wird hier also vor eine neue Welt gesetzt, ohne das diese genauer erklärt wird. Es gibt irgendein magisches Artefakt, das mehrere Seiten aus irgendeinem Grund brauchen/wollen, die Elfen scheinen irgendwo unter unseren Vulkanen zu leben, deren Welt scheint auch technisch viel weiterentwickelt als unsere, aber mehr erfahren wir einfach nicht. Irgendwie haben sie Zwerge und Kobolde gefangen, aus irgendeinem Grund lebt ein Zentaur unter ihnen, aber was es damit auf sich hat, wird einfach nicht erklärt. Ihr merkt schon, dass mich sowas wahnsinnig macht. 
Und weil das alles noch nicht reicht, möchte ich nun noch über die wahnsinnig schlecht geschriebenen und eindimensionalen Charaktere sprechen. Fangen wir ganz vorne an bei Artemis Fowl. Hier ist es tatsächlich egal, welchen von beiden wir uns vornehmen, aber da Colin Farrell vergleichsweise wenig Screentime hat, bleiben wir beim jungen Artemis. Mit Ferdia Shaw wurde ein Nachwuchsschauspieler gefunden, der zwar rein optisch super zur Rolle zu passen scheint, allerdings auch mit absolut keiner Filmerfahrung punkten kann. Was grundsätzlich nicht schlimm sein muss, funktioniert hier leider absolut nicht, da Shaw es nicht schafft seinen einen Gesichtsausdruck zu verändern, egal ob es dramatische Szene ist, es bleibt der arrogante Ausdruck. Allerdings wurde sein Charakter auch nur auf diese eine Eigenschaft reduziert. Ebenso verhält es sich beim übrigen Cast. Die Charaktere sind so eindimensional, dass es selbst eine Judy Dench nicht schafft, ihrem Charakter irgendetwas was man auch nur ansatzweise Tiefe nennen kann, zu geben. 
Ich merke schon, dass dieser Beitrag etwas ausschweifend wird, aber ich muss mit euch noch kurz über die Handlung sprechen. Ein paar Punkte habe ich bereits beim ersten Punkt (Erzählstruktur) angesprochen. Doch ich möchte noch kurz darauf zu sprechen kommen, dass der gesamte Film mit einer Lauflänge von 96 Minuten (inkl. Abspann) geplant wurde. Und dennoch findet der Film Zeit Szenen einzubauen, die absolut keine Bedeutung für den späteren Verlauf haben. Diese Zeit hätte man gut nutzen können, um beispielsweise etwas mehr von der Welt oder zu den Charakteren erklären zu können. 
Schließlich bleibt Artemis Fowl ein lebloser Film. Wirre Szenen ohne wirklichen Zusammenhang mit einem stark inszenierten finalen Kampf wechseln sich ab mit belanglosen Dialogen. Letztlich scheint der Film daraufhin zu arbeiten, dass es mehrere Teile geben wird, aber dafür hätte man sich bereits beim ersten deutlich mehr Mühe geben müssen. Denn auch für Kinder dürfte der Film keinen wirklichen Mehrwert bieten, dafür gibt es zu wenig lustige Szenen und auch die Geschichte selbst dürfte für Kinder zu wirr erzählt worden sein. 
Dennoch möchte ich mit einem positiven Aspekt enden. Die gezeigten Bilder waren wirklich inszeniert, auch wenn man ihnen das überbordende CGI deutlich ansah. Und die Kostüme waren ganz hübsch. Nun, vielleicht gebe ich den Büchern noch eine Chance, da mich das Thema grundsätzlich doch ein bisschen interessiert. 

Das Fazit

Artemis Fowl macht bei Handlung, Erzählstruktur, Charakteren und dem Weltenbau so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann, zumal der Film auch nicht wirklich auf den Punkt kommt, was er denn nun erzählen möchte. Leider daher ein Flop, dem wohl keine weiteren Filme folgen werden. 

Artemis Fowl ist seit dem 14.08.2020 auf Disney+ abrufbar