Eine Handvoll Bücher – 06/22

Herzlich Willkommen zur sechsten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einem K-Pop Star, Spannung im Shinkantsen, einem sarkastischen Dämon, einem geisterhaften Zimmer und  einer schaurigen Eiskönigin.

More than a star

Die Handlung: Allison bekommen einen Job in Seoul. Trotz aller Unwahrscheinlichkeiten trifft sie dort auf ihr großes K-Pop Idol Wooyeong. Und obwohl sie nicht zusammen sein dürfen, weil es seine Karriere zerstören könnte, können sie nichts gegen ihre aufkommenden Gefühle unternehmen. 

Meine Meinung: Als K-Pop Fan (inzwischen hat es mich erwischt) hat mich das Buch direkt angesprochen. Doch schon der Einstieg verlief eher holprig. Ich hatte das Gefühl in einer Fanfiction gelandet zu sein. Keine vernünftige Charakterisierung, stattdessen ist die Protagonistin das übliche graue Mäuschen ohne Seele, die natürlich sich gar nicht hübsch findet, aber der Love Interest sieht sofort ihre Einzigartigkeit. Das war für mich absolut nicht nachvollziehbar beschrieben. Die Handlung selbst war auch eher ein „Das muss jetzt passieren, sonst funktioniert die Geschichte hinten raus nicht“, statt eines logischen Aufbaus. Die üblichen Dramapunkte wurden in Rekordgeschwindigkeit abgearbeitet, es gab kaum Überraschungen. Dennoch war das Buch nicht direkt schlecht. Mir gefielen einige Punkte und der Schreibstil war sehr flüssig. Es ist nur einfach so, dass es wirkte, als hätte die Geschichte nicht ein einziges Lektorat gehabt. Und von einem Verlagsbuch erwarte ich eigentlich genau das (eigentlich auch  beim Selfpublishing, aber das ist ein anderes Thema).

Bullet Train

Die Handlung: Der als Marienkäfer bekannte Auftragskiller bekommt den Auftrag einen Koffer aus einem Shinkansen zu klauen. Doch er scheint vom Pech verfolgt und so landet er zusammen mit vier anderen Killern in dem Zug.

Meine Meinung: Meistens ist die Reinfolge Buch lesen und dieses wird dann irgendwann verfilmt, weswegen ich mir den Film ansehe. Manchmal passiert es allerdings auch, dass ich erst den Film sehe und mich dann die Buchvorlage interessiert. Meistens weil ich hoffe noch mehr zu Gedanken oder zu Weltenbau zu erfahren. Diesmal allerdings weil ich gehört hatte, dass das Buch eine ganz andere Grundstimmung haben sollte als der Film. Und das ist tatsächlich richtig. Zwar bleibt die Grundhandlung erhalten und auch die Dialogszenen sind gut übernommen, doch gibt es auch einige Änderungen. Während der Rahmenhandlung kann man sich nun streiten, in wie weit die Änderungen notwendig waren, gerade was einzelne Charaktere und deren Motiv angeht, doch grundsätzlich funktionieren beide Medien in ihrer Form. Das Buch ist einfach wesentlich ruhiger erzählt, dennoch wird ein guter Spannungsbogen aufgebaut, so dass man regelrecht durch die Seiten fliegt. Das große Manko vom Buch ist generell – und erst recht, wenn man den Film gesehen hat – das Ende. Es ist sehr abrupt, abgehackt und lässt die Geschichte ins Leere laufen. Kein großes Ganzes, keine Erklärungen, nichts. Das hat mich sehr enttäuscht. Aber davor war das Buch ziemlich gut.

Die Clans von Tokito

Die Handlung: Sechs Clans gehören zu Tokito, wer zu keinem gehört, ist Freiwild. Erin hat ihren Job und damit ihren Clan verloren. In der Gewalt von Organhändlern lässt sie sich auf einen Deal mit einem Dämon ein. Doch die Macht, die sie dadurch erlangt, hat einen Preis. 

Meine Meinung: Sehr viele positive Bewertungen, viele Schwärmereien und allein ein Cover, das mich magisch anzog und doch hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich es nicht mehr aushielt und mir das Buch zulegte (eventuell hat eine gewisse Buchhandlung Graff und der Aufkleber von der Autorin signiert den letzten Ausschlag gegeben). Der Schreibstil war sehr flüssig, ich bin sehr schnell in die Welt reingekommen und konnte doch immer noch etwas entdecken. Auch die Dreiteilung der Erzählperspektive hat sehr gut funktioniert, weil wir so immer an allen wichtigen Punkten dabei waren und die Welt aus dreierlei Augen betrachten konnten. Das ganze Buch ist durchweg spannend und birgt zugleich eine gute Mischung aus Drama und Humor, so dass es für mich fast schade war diesen Einzelband aus den Händen legen zu müssen. Doch die Geschichte war auserzählt, nicht gehetzt, aber auch nicht künstlich gezogen. Einfach eine wunderbare Fantasywelt mit ostasiatischem Einfluss.

Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall

Die Handlung: Colin soll den Sommer bei seiner Mutter verbringen, die die Familie verlassen hat, als er noch ein Kind war. Dort lernt er den verschlossenen Theodore kennen. Kurze Zeit später stirbt Colin unerwartet und findet sich in einer Geisterwelt wieder. Ihm bleiben drei Tage, um das verborgene Zimmer von Thornhill Hall zu finden, um ins Leben zurückzufinden.

Meine Meinung: Christian Handel hat es schon wieder getan. Zwei Tage verweilte ich in Thornhill Hall, dann hatte ich es einfach schon komplett durchgelesen. Denn sein „Downton Abbey mit Geistern“ begeistert einfach in allen Facetten. Auch wenn ich historische Romane eher ungern lese, war ich sofort in der Welt von Thornhill Hall gefangen. Ich lernte Colin kennen und verstand ihn und seine Gefühlslage sofort. Zusammen lernten wir Theodore kennen und ich freute mich schon auf den queeren Touch. Wir kamen in die Geisterwelt und lernen dort die zweite Ebene kennen. Und hier passierte genau das, was ich an Christian Handels Büchern so liebe: Die konsequente Spannung, das ständige Fragen, was als nächstes passiert und das ganze trotzdem in so einer Wohlfühlatmosphäre, dass sich jede Zeile wie nach Hause kommen anfühlt. Der dezente Witz, der alles auflockert, das kribbeln bei der Liebesgeschichte, die dennoch nicht aufdringlich ist. Die Verschmelzung von Geisterfantasy mit Familiendrama harmoniert wunderbar. Die Auflösung am Ende holt noch einmal alles raus, was geht. Das war die Phase, in der ich nicht mehr ansprechbar war, weil ich wissen musste, wie es weitergeht. Kurzum: Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall ist einfach wieder ein Herzensbuch und Christian Handel beweist einmal mehr, warum er mein Lieblingsautor ist.

Hinter den Spiegeln so kalt

Die Handlung: Finja trauert um ihre Tochter, die plötzlich verschwand. Zurück blieben nur Eiskristalle am Spiegel. Finja macht sich auf die Suche und muss dabei erkennen, dass ihre Angst vor Spiegeln eine reale Ursache hat. 

Meine Meinung: Liza Grimm hat bereits mit Talus bewiesen, dass Bücher nicht immer ewig lange Kapitel haben müssen, um zu funktionieren. Waren es da noch regelmäßige Perspektivwechsel, hat ihre moderne Eisköniginenadaption so die Zeitsprünge verarbeitet. Gerade für mich als Zwischendurchleserin, war es so schön die Möglichkeit zu haben, das Buch regelmäßig weglegen zu können. Allerdings kam dadurch auch kein so richtiger Lesefluss auf, da man sich immer wieder neu orientieren musste, in welchem Zeitstrang man sich gerade befand. Dennoch holt die Geschichte einen immer wieder zurück, denn das große Rätsel um das Verschwinden von Finjas Tochter ist bis zum Ende spannend. Das Thema aus der Triggerwarnung sollte man ernst nehmen, denn das Finale schlägt dort mit aller Brutalität zu. Das soziale Dilemma ist gut aufgearbeitet und es kommen verschiedene Meinungen zu Wort. Dabei verkommt es nicht zu reiner Debatte, sondern kombiniert die Märchenadaption, die Spannung und den Meinungsaustauscht in ein spannendes Finale. Der allerletzte Schliff fehlt vielleicht am Ende in dem Aufeinertreffen der Charaktere, da hier einzelne Nebencharaktere zu stereotypisch geraten sind. Dennoch ist die Geschichte an sich rund und zeigt einmal mehr Grimms Faszination für Hexen.

Habt ihr eins davon gelesen? Wie fandet ihr es?

Eine Handvoll Serien – 5/22

Herzlich Willkommen zur fünften serientastischen Handvoll in diesem Jahr! Heute mit einer Trennung, feenbesetzen Soldat*innen, Tricks beim Backen, einem True Crime Podcast und einer Vampir-WG.

Uncoupled – Staffel 1

Die Handlung: Michael und Colin sind das Traumpaar schlechthin. Doch nach jahrelanger glücklicher Beziehung trennt sich Colin unerwartet auf seiner Überraschungs-Geburtstags-party. Vom Singleleben in New York völlig überfordert versucht Michael mit seiner Trauer und Enttäuschung zurecht zu kommen.

Meine Meinung: Als es hieß die Macher von Sex and the City und Modern Family tun sich zusammen und produzieren eine neue Serie mit Neil Patrick Harris in der Hauptrolle, wusste ich, ich musste die Serie sehen. Als die ersten Resonanzen durchweg positiv waren, wusste ich, ich musste die Serie sehr dringend sehen. Als ich die Hälfte der Serie durchgeschaut hatte, wusste ich: Die Serie ist einfach nichts für mich. Und damit möchte ich ihr bewusst nicht die Qualität absprechen und schon gar nicht die Relevanz einer Sitcom mit einem homosexuellen Hauptcharakter, der sich durch das Datingleben in New York kämpft. Ich bin nur einfach nicht mit der Serie warm geworden. Die Witze haben bei mir nicht gezündet, es war mir zu viel aufgebauschtes Drama, sei es nun beim Protagonisten oder bei den Nebencharakteren. Die Handlung hat sich ab einem gewissen Punkt im Kreis gedreht und trotz einem vergleichbar starken Finale – auch wenn das Ende ziemlich vorhersehbar wurde – hatte mich die Serie irgendwo auf der Strecke verloren.

Uncoupled ist bei Netflix im Abo enthalten

Fairygone – Staffel 1

Die Handlung: Nach einem langen Krieg gibt es nur noch wenige Feensoldaten, denen Feenorgane eingepflanzt wurden, um diese als Waffen beschwören zu können. Die Organisation Dorothea hat die Aufsicht über diesen. Nachdem Maria Noel von einer Fee besessen wird, wird sie in das Team aufgenommen. Nach und nach entdeckt sie Geheimnisse der Regierung, die bis in ihre Kindheit zurückreichen.

Meine Meinung: Nachdem ich mich langsam immer mehr den Anime Serien geöffnet habe und mit Attack on Titan wohl eine meiner all-time favourites entdeckt habe, ergab ich mich den endlosen Weiten des Streaminganbieters Crunchyroll. Auf der Suche nach einer neuen Serie stellte ich aber eins wieder einmal fest: Es gibt im Anime Bereich sehr viel Auswahl und nur die wenigste spricht mich an. Dennoch blieb ich bei Fairygone hängen, sagte mir doch die Beschreibung am meisten zu. An das Japanische mit Untertitel musste ich mich erst gewöhnen (obwohl es bei den K-Dramen kein Problem für mich ist) und auch der Zeichenstil war für mich Gewöhnungssache. Die Handlung wurde zwar etwas wirr erzählt und überfordert einen zunächst mit vielen Ortsnamen, die vielleicht oder vielleicht auch nicht nochmal relevant werden. Die Geschichte des Reiches wird nach und nach enthüllt, dennoch war sie mir bis zum Ende zu undurchsichtig. Die Spannung hat sich aber trotzdem durch die ganzen Folgen gehalten, da es immer wieder neue Hinweise und Rätsel gab, die es zu entschlüsseln galt. Gleichzeitig verrennt sich die Serie immer wieder in vermeintlichen Höhepunkten, sodass ganz am Ende noch einmal alles getoppt werden musste, was einfach zu viel war. Ein paar Gänge runter oder einfach ein paar Folgen weniger, wären hier ratsam gewesen.

Fairygone ist bei Crunchyroll im Abo enthalten

Easy-Bake-Battle – Staffel 1

Die Handlung: Moderator Antoni Porowski sucht die besten Hobbykochenden. Wichtigstes Kriterium: Die Kandidat*innen müssen die Rezepte möglichst einfach, mit vielen Tricks und doch sehr kreativ umsetzen. Denn die Zeit ist knapp.

Meine Meinung: Wenn das Konzept stimmt, bin ich ja durchaus mal für eine gute Koch-/Backshow zu haben. Auch wenn das Ganze Wettkampfcharakter hat, mit dem richtigen Konzept schau ich mir sowas gern mal an. Das Schöne an Easy-bake-Battle ist, dass es hier mal nicht um Vollprofis geht, deren Kreationen immer höher, größer, weiter gehen müssen. Sondern es sind die ganz normalen Leute von nebenan, die sich darum batteln möglichst einfache, aber doch ausgefallene Gerichte zu machen. Das Ganze immer mit begrenzter Zeit und meist mit begrenzten Mitteln lässt die Kandidat*innen ganz schön ins Schwitzen kommen. Dabei gibt es zwischendurch immer wieder Tipps und Tricks, wie man Vorgänge vereinfachen kann, wo so mancher guter Hinweis dabei war. Die Kirsche auf der Torte ist dann aber Host Antoni Porowski, bekannt unter anderem aus Queer Eye (jop, einer meiner absoluten Lieblingsserien, ihr wisst also, warum ich unbedingt in diese Serie reinschauen musste). Zusammen mit den Gastjuroren bringt er Stimmung in die Serie und schafft es alle mit viel Respekt zu behandeln. Also auch wenn es ein Wettbewerb ist, gibt es viele Feel-Good-Vibes. 

Easy-Bake-Battle ist bei Netflix im Abo enthalten

Only murders in the building – Staffel 2

Die Handlung: Bunny Folger wurde ermordet und das True Crime Trio Mabel, Charles und Oliver sind die Hauptverdächtigen. Um ihre Unschuld zu beweisen, beschließen die selbst zu ermitteln. Doch diesmal haben sie einen konkurrierenden Podcast. Und die Betreiberin ist von ihrer Schuld überzeugt.

Meine Meinung: Staffel 1 von Only murders in the building war bereits ein absolutes auf und ab. Ein toller Einstieg, ein langatmiger Mittelteil, um dann mit einem spannenden Finale und leider einem ziemlich miesen Cliffhanger zu enden. Diesen greift Staffel 2 nun wieder auf. Dabei hat die Serie ein großes Problem. Bei gleicher Folgenanzahl fällt diesmal aber die Charaktervorstellung komplett weg. Die Akteur*innen sind bekannt, nur ab und taucht ein neues Gesicht auf. Damit kommen wir wesentlich schneller an den Punkt, wo die Langatmigkeit beginnt. Durch einige schöne Einfälle wird es ein bisschen entzerrt und so kommt man gut durch die Serie. Dennoch kommt hier immer mal wieder die Langatmigkeit auf, vor allem wenn sich die Handlung immer wieder im Kreis dreht, weil es einfach keine neuen Erkenntnisse gibt. Neu von der Partie ist unter anderem Cara Delavigne. Ist sie auch noch immer eine miserable Schauspielerin, so scheint sie im Vergleich zu Selena Gomez regelrecht aufzublühen. Diese ist auch noch immer das große Manko an der Serie. Statt eine Schauspielerin zu nehmen, die die ganzen inneren Konflikte der Rolle auch irgendwie rüberbringen kann, wurde erneut Gomez gewählt, die über ihren einen nichtssagenden Ausdruck nicht hinauskommt. Die Auflösung am Ende ist überraschend und nicht vorhersehbar, dennoch auch irgendwie enttäuschend, bei den ganzen aufgebauten Hinweisen. Den Cliffhanger auf Staffel 3 hätte man sich dann auch schenken können, wirkt er doch zu sehr inszeniert und schreckt eher ab, als dass er Lust auf die Fortsetzung macht.

Only murders in the building ist bei Disney+ im Abo enthalten

What we do in the shadows – Staffel 1

Die Handlung: In einer Villa in Staten Island leben vier Vampire seit über 100 Jahren zusammen. Geholfen wird ihnen von einem Vertrauten, der die Brücke zu den Menschen bildet. Ein Dokumentarfilmteam sucht diese auf und begleitet sie in ihrem Alltag.

Meine Meinung: Die Grundidee von fünf Zimmer, Küche, Sarg mochte ich sehr. Der Film war absolut in Ordnung, wenn auch etwas zu ruhig erzählt für meinen Geschmack. Bei einer Serienadaption des Films war ich skeptisch. Konnte die Idee auch über mehrere Folgen funktionieren? Die Antwort ist leider: Nicht wirklich. Zwischendurch gab es die ein oder andere Folge oder manchmal auch nur die ein oder andere Szene, die ich wirklich mochte. Doch für eine Komödie war die Serie ziemlich unlustig, die Folgen haben sich gezogen und die Charaktere haben mich einfach nicht überzeugt. Das liegt daran, dass sie irgendwie schon zu ähnlich angelegt waren. Bis auf einen waren sie so ziemlich auf den gleichen Humor ausgelegt, mal schlüpfriger, mal ernster, aber irgendwie doch gleich. Viele Dialoge haben sich wiederholt, die Handlung dreht sich im Kreis und doch gab es dann immer wieder die eine Szene, die mich weiterschauen ließ. Ob ich mich an Staffel 2 wage, ist dann aber doch noch fraglich.

What we do in the shadows ist bei Disney+ im Abo enthalten

Eine Handvoll Filme – 02/2022

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einer unerwartet langen Fahrt, einem Chor, der die Wartezeit überbrücken soll, einer Liebe zu zwei Männern, der Faszination zur Magie und einem Club für Medikamente.

Paris kann warten

Die Handlung: Anne Lockwood ist mit ihrem Mann in Cannes. Da sie wegen einer Ohrentzündung nicht fliegen kann, kann sie ihren Mann nicht zu einem Filmdreh nach Budapest begleiten. Jacques ein Geschäftspartner bietet an, sie mit dem Auto nach Paris zu fahren, wo sie sich wieder mit ihrem Mann treffen will. Dabei nimmt er jedoch einige Umwege.

Meine Meinung: Der Name Coppola dürfte wohl jedem Filmfan ein Begriff sein. Allen voran wohl Francis Ford, der unter anderem für Der Pate verantwortlich ist, oder dessen Tochter Sofia. Unbekannter dagegen ist Ehefrau Eleanor, die uns mit Paris kann warten ihren ersten Spielfilm präsentierte. Der Trailer sah damals nach einem entspannten Roadtrip durch Frankreich aus, was mich ansprach. Nun Jahre später habe ich es endlich geschafft den Film nachzusehen und war ziemlich ernüchtert. Der Film wird ziemlich ruhig erzählt, was ich erwartet hatte, und bietet mit Diane Lane als Anne eine tolle Protagonistin. Doch so richtig weiß der Film nicht, was er erzählen will und verheddert sich in seiner angestrebten Ruhe. Auch ist die Rolle des Jacques ein wenig merkwürdig angelehnt. So richtig weiß man nicht, was er aussagen soll. Verkörpert er ein etwas schwieriges Klischee eines Franzosen oder soll es sein eigenständiger Charakter sein? Es werden laufend Andeutungen gemacht, die dann aber doch nicht weiter behandelt werden und über kurz oder lang ins Leere laufen. Gerade das Ende ist dann der Höhepunkt der Enttäuschung. Alle angefangenen Enden laufen ohne Lösung ins Leere. So bleibt der Film farblos zurück und bietet dafür eindeutig zu wenig Sehenswürdigkeiten, um das auszugleichen.

Sabrina

Die Handlung: Sabrina ist die Tochter des Chauffeurs der Familie Larrabee. Während der ältere Sohn Linus Larrabee ganz in seiner Arbeit aufgeht, ist David ein Lebemann. Doch genau auf den hat Sabrina ein Auge geworfen. Nach einer Zeit in Paris kehrt Sabrina als elegante Frau zurück und wird erstmals von den Brüdern bemerkt, sehr zum Missfallen ihres Vaters.

Meine Meinung: Audrey Hepburn gilt wohl nicht ohne Grund als Ikone. Doch um das zu beurteilen, habe ich deutlich zu wenig Filme mit ihr gesehen. Im Rahmen meiner Abarbeitung der Liste der Schande, versuche ich ein paar Klassiker nachzuholen. Sabrina ist in diesem Jahr nach Charade der zweite Film, den ich mit Hepburn nachgeholt habe. Im direkten Vergleich allerdings der schlechtere. Dabei sind die Genres komplett unterschiedlich. Das Grundproblem war, dass mir die Rolle der Sabrina so unsympathisch war, dass ich nicht auf ein Happy-end hoffte. Die unterschiedlichen Brüder waren zwar interessant, aber auch ziemlich vorhersehbar. Auch wenn der Film es gerade gegen Ende doch noch schafft, mich am Ausgang zweifeln zu lassen. So richtig überzeugen konnte mich der Film nicht, auch wenn er im Zeitgeist der 1950er Jahre vermutlich besser funktioniert hat. Dennoch hat er mich auch nicht gelangweilt, also ein Blick drauf werfen, schadet durchaus nicht.

Mrs. Taylors Singing Club

Die Handlung: Während die Soldat*innen im Auslandseinsatz sind, bleiben die Familien auf dem Stützpunkt zurück und versuchen sich bei verschiedenen Aktivitäten abzulenken. Kate Taylor hat sich als Offiziersgattin bisher rausgehalten, nach dem Tod ihres Sohnes versucht sie jedoch die Organisation an sich zu reißen. Sehr zum Leidwesen von Lisa, die bisher alles organisiert hat. 

Meine Meinung: Ein BBC-Feelgood Film mit Kriegsthematik? Klang für mich wie ein Widerspruch in sich. Doch der Trailer konnte mich musikalisch mitreißen, so dass ich doch einen Blick auf den Film werfen wollte. Die Handlung an sich, ist auch nicht sonderlich überraschend. Wir haben die typische Geschichte zweier ungleicher Frauen, die gar nicht miteinander auskommen, es aber versuchen müssen. Wie das endet, dürfte wohl keinen überraschen. Die Thematik der Partner*innen, die im Auslandseinsatz sind, geben dem Film aber noch einmal eine völlig neue Richtung. Und wie eingangs vermutet: Feelgood ist für mich anders. Der Elefant „Krieg“ ist im Raum, auch wenn alle versuchen, ihn zu ignorieren. Doch das macht den Film aus und unterscheidet ihn von anderen Dramen mit ähnlicher Ausgangsbasis. Die Charaktere sind dann auch das, was den Film heraushebt. Alle mit eigenen Problemen belastet und doch vereint sie die gleiche Angst. Der Chor ist dann das i-Tüpfelchen des Films. Die Lieder sind am Anfang von hohem Mitsingcharakter und schaffen es am Ende einen zu Tränen zu rühren. Die wahren Begebenheiten auf denen der Film basiert, machen ihn nur lebensnaher. Der Film lohnt definitiv einen Blick.

Prestige

Die Handlung: Ende des 19. Jahrhunderts konkurrieren zwei Magier um Publikum und den besten Trick. Robert Angier und Alfred Borden kennen sich aus ihren Anfangszeiten, die jedoch durch den Tod von Angiers Freundin überschattet wird.

Meine Meinung: An einem Christopher Nolan kommt man als Kinofan nur schwer vorbei. Während er mit Filmen wie Inception oder auch zuletzt Tenet immer wieder mit den Erwartungen des Publikums spielt, hat er in seinen Anfängen dies noch auf wesentlich reduziertere Art getan. Prestige bildet da noch eins seiner früheren Werke, doch auch hier merkt man schnell, dass Nolan gekonnt einzelne Informationen einstreut, die erst gegen Ende sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen. So ist es lange Zeit lediglich eine Geschichte zwischen zwei konkurrierenden Magier, die sich zu übertrumpfen versuchen. Doch es wird immer größer und mit zunehmend ernstzunehmenderen Auswirkungen. Das Finale ist dann wie von Nolan gewohnt unvorhersehbar, obwohl die einzelnen Komponenten die ganze Zeit vor einem lagen. Gleichzeitig fehlt Prestige der optische Reiz der späteren Nolan Filme. So dauert es eine ganze Weile, ehe ich in den Film reingekommen bin. Der sehr willkürliche Wechsel über die Zeitebenen hinweg, war ein zusätzliches Hindernis im Sehfluss.

Dallas Buyers Club

Die Handlung: Ron Woodroof erkrankt an HIV, was für den queerfeindlichen Lebemann schwer zu ertragen ist. Da er an ein neues Medikament in den USA schwer rankommt, reist er nach Mexiko und lernt dort eine Behandlung mit Körperstärkungsmitteln kennen. Damit auch andere Betroffene davon profitieren, er aber nicht wegen Medikamentenschmuggel angezeigt wird, gründet er den Dallas Buyers Club.

Meine Meinung: Für den Film begeben wir uns zurück zu den Anfang der 1980er Jahren und in die tiefsten Ecken der USA. Man sollte vorher wissen, dass der Film durch den Protagonisten und dessen Umkreis stark queerfeindliche Aussagen an den Tag legt, da HIV teilweise noch immer mit dem Vorurteil belegt ist, dass es nur Homosexuelle treffen würde. Nach und nach und vor allem mit der Einführung von Rayon einer trans Frau, mit der sich Ron anfreundet, lichtet sich das und der Film wird dadurch deutlich besser zu ertragen. Denn die Geschichte um die Medikamente und wie mit den Leben der Infizierten gespielt wird, ist spannend, wenn auch ziemlich erschreckend. Die Dilemma werden gut aufgezeigt, in denen sich Infizierte, Ärzt*innen und Angehörige befinden, auch wenn der Film sich am Anfang und in der Mitte ein wenig zieht. Schauspielerisch funktioniert der Film auch sehr gut, was auch die Oscar Gewinne von Matthew McConaughey und Jared Leto beweisen.

Habt ihr einen der Filme gesehen? Wie fandet ihr sie?

Eine Handvoll Bücher – 5/22

Herzlich Willkommen zur fünften Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einer todbringenden Prüfung, einem magischen Smartphone, Dunkelheit im Spiegelland, einer windigen Erbin und einem Fahrradkurrier für Bücher.

Nevernight – die Prüfung

Die Handlung: Mia hat Rache an den Mördern ihrer Familie geschworen. Dazu versucht sie dem geheimen Assassinenorden beizutreten. Doch die Aufnahmeprüfung verlangt ihr alles ab. 

Meine Meinung: Autor Jay Kristoff wird im Fantasybereich gern als Geheimtipp genannt (wobei die Frage ist, ob er bei seiner Bekanntheit inzwischen noch ein Geheimtipp ist?). Als ich die ersten beiden Bände seiner Nevernight-Reihe reduziert in die Hände bekam, schlug ich zu. Dabei schreckte mich lange Zeit die Dicke ab, bis Band 1 schließlich auf meiner 22 für 2022 Liste landete. Der Schreibstil ist sehr flüssig, so dass ich das Buch gut weglesen konnte, aber wirklich in die Geschichte bin ich nicht reingekommen. Kristoff hat eine faszinierende Welt geschaffen und den Weltenbau so detailliert ausgearbeitet, dass viele Zusatzinformationen über teilweise seitenlange Fußnoten widergegeben werden. Wahrscheinlich könnte er allein damit ganze Bücher füllen. Doch die Geschichte um Mia war mir zu lang gezogen. Es passieren zwar unglaublich viele krasse Sachen, also die Handlung hat es in sich, aber dennoch kommt sie nicht so richtig ins Rollen. Wahrscheinlich werde ich Band 2 noch lesen, da es auf dem SuB liegt, aber von der Geschichte her hätte ich nicht das Bedürfnis dazu.

Beastseller 1 – Monomythos

Die Handlung: Marc wacht in einer Fantasywelt auf und hat nur noch eine Nummer in seinem Smartphone gespeichert. Ciri eine Fee in Handyform erklärt ihm, dass er eine Heldenreise durchleben muss, um wieder zurück zu kommen. 

Meine Meinung: Mit Spiritus Daemonis hat das Autor*innenduo Jan Gießmann und Mary Cronos mein zuvor eher geringes Interesse an Geschichten in Chatform geweckt. Nach der Theaterlesung des ersten Bandes, gab es noch eine Kostprobe aus Beastseller. Danach stand für mich fest, dass ich auch dieses Werk verschlingen würde. Und genau so kam es, innerhalb eines Tages war die Geschichte ausgelesen. Ich wurde sehr unterhalten, denn Jan Gießmann spielt gekonnt mit gängigen Klischees und setzt diese bewusst ein. Dabei geht es gar nicht darum, andere fantastische Geschichten, die diese nutzen schlecht zu reden, sondern es ist das Spiel damit und die Beleuchtung, wenn man die komplexen Stränge der Held*innenreise aufs einfache herunterbricht. Die Kombination der High Fantasy Welt mit einem modernen Smartphone brachte dann den zusätzlichen Reiz. Marc als Protagonist ist dann auch die perfekte Identifikationsfigur zum mitfühlen, mitleiden und mitlachen. Wer also mal einen völlig neuen Blick auf das Fantasy Genre werfen will, dem kann ich das Buch nur empfehlen.

Chroniken von Alice 3 – Dunkelheit im Spiegelland

Die Handlung: In vier Novellen wird die Geschichte um Alice und Hatcher weitergesponnen. Es gibt Einblicke in Hatchers früheres Leben und Alice kleinere Schwester erlebt ein Abenteuer.

Meine Meinung: Während mir Band 1 richtig gut gefallen hat, war Band 2 vom Schreibstil her noch immer sehr stark und bot ein hohes Niveau, die Geschichte zog sich aber auch ein bisschen, zumal das Buch in nur zwei Kapitel unterteilt war und kaum Absätze hatte. Da es sich bei Band 3 um eine Novellensammlung handelte, zögerte ich zunächst, entschied mich dann aber doch dafür. Nun war nach fast einem Jahr der Zeitpunkt gekommen, um es vom SuB zu befreien. Die vier Geschichten haben mir unterschiedlich gut gefallen. Gerade die beiden Geschichten, die nicht direkt mit Alice im Kontext stehen, gefielen mir besser, weil sie keine Wiederholung bereits gelesener Ereignisse sind bzw. diesen nicht so ähneln, wie die anderen beiden Geschichten. Dennoch funktionieren die Novellen gerade in ihrer Kürze so gut, da hier nichts zu sehr ausgeschmückt werden konnte. Nach Band 2 war ich nicht sicher, ob ich noch die anderen Bücher der Autorin lesen wollte, aber jetzt wäre ich bereit dafür.

Die Erbin des Windes

Die Handlung: Likah lebt mit zwei Kindern auf der Straße des Kontinent Nakita. Als ein Diebstahl schief geht, findet sie sich vor Gericht wieder. Doch statt einer Verurteilung wird sie vom Herrn des Windes zu seiner Nachfolgerin ernannt. Doch während ihrer Ausbildung ruft eine fremde Stimme sie immer wieder zu ihr, die sie kurz darauf in Schwierigkeiten stürzt.

Meine Meinung: Einzelbände sind in der Fantasy ja doch eher Mangelware, da der Aufwand eines vollständigen Weltenbau meist zumindest in einer Trilogie ausgebaut wird. Dabei muss es aber auch genug Handlung geben, so dass meist der mittlere Band zum Füllerband wird. So reizte mich an Die Erbin des Windes gerade, dass es ein High Fantasy Einzelband ist und mit knapp über 400 Seiten auch eine überschaubare Länge hat. Und auch in der Kürze der Zeit schafft Lucinda Flynn in ihrem Debüt eine spannende Welt mit einem coolen Magiesystem zu  kreieren. Nach einem etwas holprigen Einstieg, bin ich bald völlig in der Geschichte versunken und habe gerade die zweite Hälfte an einem Tag verschlungen. Zwischendurch waren es eine Menge Namen zum merken, aber durch subtile Wiederholungen war das überhaupt kein Problem. Das Ende ist auch rund und die Geschichte auserzählt. Grundsätzlich wäre ich aber auch bereit eine weitere Geschichte in der Welt zu erleben, aber das Abenteuer von Likah ist auserzählt.

Bookboy

Die Handlung: Fabius Flieder ist in der Stadt nur als der Bookboy bekannt. Mit dem Fahrrad liefert er Bücher aus der Buchhandlung seines Großvaters aus. In dieser Anthologie erlebt er in Kurzgeschichten die verschiedensten Abenteuer bei seinen Auslieferungen.

Meine Meinung: Grundsätzlich greif ich ab und an mal zu einer Kurzgeschichtensammlung. Durch die Auswahl verschiedenster Autor*innen ist eigentlich immer für jeden was dabei. Als mir auf der Buch Berlin dann dieses Büchlein in die Hände fiel, wanderte es sehr schnell in meinen Beutel. Doch auch, wenn ich sowas selten bewerte, hat mich hier doch der Buchsatz ziemlich gestört. Es gab keine Vorstellung der Autor*innen und es wirkte alles sehr zusammengequetscht (kann natürlich auch Einbildung sein). Und auch, wenn zwischenzeitlich viele gute Ideen dabei waren, konnte mich keine so wirklich überzeugen. Sie ähnelten sich alle zu sehr und waren mir in den meisten Fällen zu abgedreht. Vielleicht war das auch nur meine andere Erwartungshaltung, die mich hier enttäuschte. Im Laufe der Geschichten scheint es so eine Art roten Faden zu geben, mit dem Motiv von Fabius Eltern, wo immer wieder Dinge angedeutet wurden, die aber am Ende komplett vergessen wurde. Also entweder auserzählen oder weglassen, aber so war das sehr unbefriedigend.

Habt ihr eins oder mehrere der Bücher gelesen? Wie fandet ihr sie?

Eine Handvoll Filme – 01/22

Da sind wir schon im August und es gab dieses Jahr noch nicht eine Handvoll Filme. Das sollten wir schnell ändern: Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einem Charadespiel, einer postapokalyptischen Stadt, einer Birnenplantage, dem Spiel mit der Besessenheit und einer knallharten Lobbyistin.

Charade

Die Handlung: Reggie Lampert will nach einem Skiurlaub eigentlich die Scheidung einreichen. Doch ihr Mann hat nicht nur das komplette Mobiliar verkauft, sondern wird auch ernordet. In der schweren Zeit suchen sie drei Männer heim, die auf der Suche nach etwas sind, dass Reggies Mann gehört hat. Sie findet unerwartet Hilfe in dem undurchsichtigen Peter Joshua.

Meine Meinung: Ich habe mir in diesem Jahr vorgenommen mal mehr aus der Filmografie von Audrey Hepburn zu sehen, da dort noch einige Klassiker lauern (ich kenne bisher nur Frühstück bei Tiffanys). Charade machte den Anfang. Der Film erzählt sich herrlich ruhig und bietet doch einiges an Spannung, da es ständig Wendungen gibt, die ich nicht vorhergesehen habe. Die ständige Frage, ob Peter Joshua nun Feind oder Freund ist, begleitet einen durch die 113 Minuten Laufzeit und bis zum Ende wusste ich nicht, was ich denken sollte oder nicht. Der ständige Wechsel zwischen Krimi, Thriller und Komödie tut sein übriges zur ganz eigenen Stimmung des Films. Dabei ist Hepburns Schauspiel zwar stark reduziert, doch passt sich perfekt der Stimmung des Films an. Cary Grant ist wohl der eigentliche Star des Films, der seine Rolle ständig wechselt und doch gleichbleibend spielt. Die Chemie zwischen ihm und der 25 Jahre jüngeren Hepburn ist herausragend und trägt einen Großteil zur einzigartigen Stimmung des Films bei.

S.U.M. 1

Die Handlung: im Jahr 2070 lebt die Menschheit unter der Erde. Überirdisch gibt es Kontrollposten, die Soldaten für je 100 Tage bewachen. S.U.M.1 ist einer von ihnen. Doch die Isolation und Monotonie führen zu Paranoia, die den Einsatz sichtlich erschweren. 

Meine Meinung: Abgesehen davon, dass ich Iwan Rheon gern in Filmen sehe, reizte mich hier auch die Ausgangsgeschichte mit dem Wortspiel im Titel. S.U.M. 1 ausgelesen heißt Someone (= (Irgend-)jemand), so dass der Titel schon darauf anspielt, dass der Protagonist absolut auswechselbar ist. Zunächst war ich auch unsicher, ob die Handlung sich wirklich über 95 Minuten halten kann. Doch von Anfang an schafft Regisseur Christian Pasquariello eine unter die Haut gehende Stimmung, die die langsam einsetzende Paranoia des Protagonisten untermalt und die Zuschauenden praktisch an die Bildschirm fesselt. Denn die ständige Frage, ob es wirklich Paranoia oder doch eine groß angelegte Verschwörung ist, zieht sich durch den ganzen Film. Durch die Nähe zum Protagonisten, den Iwan Rheon ausgezeichnet porträtiert, verschwimmt die Grenze dazu. S.U.M. 1 ist bei der Allgemeinheit ziemlich untergegangen, dürfte aber durchaus ein Geheimtipp sein.

Birnenkuchen mit Lavendel

Die Handlung: Louise führt nach dem Tod ihres Mannes seine Birnenplantage weiter. Diese wirft jedoch kaum Profit ab und so ist die alleinerziehende Mutter ziemlich verschuldet. Als sie den Pierre anfährt, nimmt sie ihn kurzerhand mit. Durch das Asperger-Syndrom fällt Pierre der Kontakt mit Menschen schwer, weswegen er sich auf der Plantage um so wohler fühlt. 

Meine Meinung: Französische Filme können durchaus funktionieren, doch hat es sich gerade in letzter Zeit entwickelt, dass die gleich angesiedelten Komödien noch am ehesten zu uns rübergesspült werden. Nicht so Birnenkuchen mit Lavendel. Hier haben wir eine ruhig erzählte Liebesgeschichte, die sich nebenbei mit den Themen alleinerziehende Mutter und Asperger befasst. Dabei geht sie gerade mit Zweiterem absolut respektvoll um, auch wenn sie sich von den vielen Facetten vor allem auf die Übersensibilität konzentriert. Mit Loiuse haben wir eine Protagonistin, die wir mit ihrer Überforderung durchaus nachvollziehen können, was sie nahbar macht, auch wenn sie nicht die durchgehende Sympathieperson ist. Im Prinzip hab ich mich bei diesem Film im französischen Sommer verloren, mit den Charakteren mitgefiebert und mich einfach der Stimmung hingegeben. Dabei erzählt der Film gleichzeitig eine große zusammenhängende Geschichte und unzählige kleine, so dass eine interessante Mischung entsteht. Es geht irgendwie im die Birnenplantage, um Louises Kummer, die Rebellion der Tochter, Pierre und seine Geschichte und um so viel mehr. Dabei ist Birnenkuchen mit Lavendel wohl kein Film, der wahnsinnig lange im Gedächtnis bleibt, der einem aber beim Sehen eine schöne Zeit beschert.

Vertigo

Die Handlung: Nach einer missglückten Verfolgung scheidet der Polizist John „Scottie“ Ferguson aus dem Dienst aus. Als er seinen alten Schulfreund Gavin Elster trifft, bittet dieser ihn seine Frau zu beschatten, da diese von ihrer verstorbenen Urgroßmutter besessen zu sein scheint. Doch mit seinen Gefühlen für Madleine hat Scottie nicht gerechnet.

Meine Meinung: Neben den Audrey Hepburn Klassikern habe ich mir auch vorgenommen, mehr Alfred Hitchcock Filme zu schauen. Nachdem letztes Jahr Die Vögel mein erster Hitchcock wurde, durfte nun Vertigo nachziehen. Ich glaube das Problem ist, dass mich der Film auf dem komplett falschen Fuß erwischt hat. Während ich die erste Hälfte sehr genossen habe, riss mich die zweite komplett raus, einfach weil ich nicht erwartete, dass sie überhaupt existiert. Bis zum wirklichen Ende kam es mir vor, als würde der Film das Ende nur künstlich hinauszögern, da ich die Wendung einfach nicht verstanden hatte. Im Nachhinein finde ich es schade, denn das Ende konnte mich wirklich noch einmal überraschen. So war es zunächst eine schöne Mysterygeschichte, wo man nicht wusste, ob es sich hier wirklich um Besessenheit handelt oder nicht und wandelte sich dann nochmal zu etwas ganz anderem. Schauspielerisch war der Film auf jeden Fall top! Wahrscheinlich werde ich ihn irgendwann nochmal schauen und dann auch mehr genießen können.

Die Erfindung der Wahrheit

Die Handlung: Elizabeth Sloane ist Lobbyistin und hat einige erfolgreiche Kampagnen für Cole Kravitz & Waterman geleitet. Doch beim Thema Waffenkäufe wechselt sie unerwartet das Lager und steigt bei einem kleinen Konkurrenten ein. Damit tritt sie einen Wettlauf los, bei dem einige schmutzige Mittel eingesetzt werden.

Meine Meinung: Eigentlich sind solch politische Filme gar nicht meins. Auch Lobbyarbeit finde ich sehr anstrengend zu sehen. Aber die vielen guten Kritiken haben mich dann doch neugierig werden lassen. Und tatsächlich konnte mich Die Erfindung der Wahrheit überzeugen. Denn auch wenn es viele Elemente vereint, die mich normalerweise vom Genre zurückschrecken lassen, harmonieren sie hier gut und bauen sich spannend auf. Vielleicht waren es ein paar zu viele Wendungen drin und Sloane schafft es einmal zu oft noch einen Trumpf in der Hinterhand zu haben, aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau. Vor allem Jessica Chastain zeigt hier wieder einmal, warum sie zur oberen Schauspielliga gehört. Ihre Sloane ist knallhart, darf aber auch in ruhigen Minuten Schwäche zeigen. Das schafft sie durch kleinste Nuancen in ihrem Spiel und begeistert in jeder einzelnen Szene. Doch auch der restliche Cast weiß zu überzeugen. Das Skript ist intelligent geschrieben und weiß einen durchgehend mitzureißen. Auch wenn man nichts mit politischen Thrillern anfangen kann, lohnt dieser Film einen Blick.

Habt ihr einen der Filme gesehen? Wie fandet ihr sie?

Eine Handvoll Bücher – 3/22

Herzlich Willkommen zur dritten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einem musikalischem Camp, einem beschworenen Erzdämon, einem verlorenen Gedächtnis, einem gestohlenen Ring und flammender Fantasy.

All the Broken Strings

Die Handlung: Vor sechs Jahren wurde Vincent Kennedy zum Weltstar nach seinem Final Jam Sieg im Camp Melody. Mit dem Song, den er mit MacKenzie geschrieben hatte. Sechs Jahre später ist sie zur Rettung des Camps auf seine Hilfe angewiesen. Doch obwohl sich beide schworen den*die andere*n zu hassen, sind da wieder diese Gefühle.

Meine Meinung: Von Autorin Lana Rotaru habe ich schon einige Bücher gelesen. Während ich ihre Romantasy Reihen (Seven Sins & Black) geliebt habe (bzw. immer noch liebe, ich hänge bei Seven Sins etwas hinterher), konnte mich ihre Romance Reihe Crushed Trust nur sehr bedingt abholen. Doch mit All the broken strings beweist sie, dass sie auch das Genre beherrscht. Die Geschichte rund um MacKenzie und Vincent beginnt zwar mit einem typischen Klischee, baut sich danach aber zu einer absoluten Überraschung auf. Die Charaktere waren einfach super gearbeitet und haben eine tolle Entwicklung durchgemacht. Das Drama war in guten Portionen unterteilt, so dass es nie langweilig wurde, die Charaktere aber trotzdem Zeit hatten sich zu entwickeln und aus ihren „Fehlern“ zu lernen. Ich war verzaubert vom Camp Melody und auch die Nebencharaktere haben genügend Platz bekommen. Bisher wohl Rotarus bestes Buch und wir dürfen gespannt sein, auf alles, was da noch kommt.

Mona 2 – Verliebt Verlobt Beschworen

Die Handlung: Nach den Ereignissen in Band 1 sieht sich Mona einem Hexenprozess gegenüber. Boris, der Vampir, hat eine neue Prüfung und auch weiterhin stehen den Freund*innen wieder einiges bevor. Vor allem müssen Mona und ihr Erzdämon Ba’al rausfinden, was es zwischen ihnen nun ist.

Meine Meinung: Bereits mit dem ersten Band hat I. B. Zimmermann bewiesen, dass sie es spielerisch beherrscht absolut tolle und dabei einzigartige Charaktere zu erschaffen. Mit Mona schafft sie es dann auch endlich allen unsicheren Menschen ein Vorbild zu geben. Denn sie lässt ihre Protagonistin mit ganz normalen Alltagssituationen hadern und zeigt auf, warum genau das aber vollkommen in Ordnung ist. Und trotz verboten gut aussehendem Erzdämon, geht sie ihre Schritte aus eigener Kraft. Und genau das erleben wir auch im zweiten Band. Neue Abenteuer stehen bevor und ganz nebenbei müssen sie und Ba’al noch feststellen, was das genau zwischen ihnen beiden ist. Das diesmal auch der Erzdämon zu Wort kommt und seine eigene Perspektive bekommt, ist absolut Gold wert. Denn dadurch bekommt das Buch noch viel mehr Tiefe – und nicht nur, weil wir noch mehr Einblicke in die Hölle bekommen. Ich bin auf jeden Fall absolut verliebt in das Buch und freue mich schon wahnsinnig auf einen dritten Band.

Between your Words

Die Handlung: Jim kommt als Hilfspfleger ins Blue Ridge. Dort trifft er auf Thea, mit der er sofort auf einer Wellenlänge ist. Doch Thea hat eine besonders schwere Form der Amnesie und kann sich immer nur für fünf Minuten erinnern, bevor ihr Gedächtnis wieder gelöscht wird.

Meine Meinung: Emma Scott ist eine dieser Autor*innen, die mich bisher immer begeistern konnten. Dementsprechend hoch war meine Erwartung an dieses Werk. Wohl zu hoch, denn auch, wenn es im großen und ganzen gut war, so konnte es mich nicht so umhauen, wie die Werke, die ich bisher von ihr gelesen habe. Dabei mochte ich die Grundidee, auch wenn mir von Anfang an klar war, dass es schwierig werden würde, dies umzusetzen. Dabei gelingt Scott dies am Anfang beinahe spielerisch und auf dem gewohnt zauberhaften Niveau. Der Mittelteil war so ungefär zu erwarten, aber dennoch fing es für mich hier an sich etwas zu ziehen. Vielleicht, weil es mir ab hier mit der Liebesgeschichte etwas zu schnell ging. Da fehlten mir die feinen Nuancen, die ihre Bücher sonst zu etwas besonderem machen. Aber eigentlich ist dies Jammern auf hohem Niveau, denn die Geschichte ist trotzdem größtenteils rund – ein paar Entscheidungen der Protagonist*innen mal außen vor gelassen. Dafür wurde das Ende wieder deutlich stärker, denn es wurde auch wieder realistischer. Dennoch freue ich mich auf weitere Bücher der Autorin.

Stolen 1 – Verwoben in Liebe

Die Handlung: Abby Woods kommt auf die Darkenhall, ein Internat für schwer erziehbare Kinder. Dort wird ihnen geholfen, vor allem durch Bastian Tremblay beim Antiagressionstraining. Zusammen mit seinem Bruder Tristan ziehen sie Abby in ihren Bann, doch die merkt schnell, dass mit den beiden etwas nicht stimmt. Nachdem sie Bastians Ring stiehlt, kommt sie hinter ihr Geheimnis und muss einsehen, dass sie einen schrecklichen Fehler gemacht hat.

Meine Meinung: Eine SuB-Leiche, die ich im Rahmen der 22 für 2022 endlich von ihrem Dasein befreien konnte. Da das Buch eher durch Zufall bei mir landete, hatte ich eher wenig Erwartungen, auch wenn ich bisher eher mittelmäßige Rezensionen dazu auf Instagram gelesen hatte. Und genau da landet das Buch auch für mich. Vielleicht hatte ich einfach schon genug Urban Fantasy Geschichten an einer Schule/Internat mit zwei beliebten und gut aussehenden Brüdern, wo sie sich zwischen beiden entscheiden muss, obwohl sie ja eigentlich nicht so eine ist und die Brüder sie ja gar nicht interessieren. Dafür habe ich leider nur noch ein müdes Augenrollen übrig. Die restliche Geschichte rund um Weben, Schattensprünge und einen Ring, konnte mich da schon eher locken. So lies sich das Buch wunderbar hintereinander weglesen und zwischendurch fiel es mir sogar schwer es aus der Hand zu halten. Ein bisschen mehr Energie in Charaktere und Setting und es hätte ein wirklich gutes Buch werden können. Auf die Fortsetzungen bin ich trotzdem gespannt.

Fire & Frost

Die Handlung: In einer Welt, in der es Menschen gibt, die das Feuer oder Eis beherrschen, sind genau diese im Krieg miteinander. Ruby lebt im vom Eiskönig beherrschten Gebiet, ist aber eine Fireblood. Als das entdeckt wird, muss sie sich in einem Kloster verstecken. Dort trifft sie auf Arcus, einem Frostblood, der sie unterrichtet ihr Talent zu kontrollieren. 

Meine Meinung: Auf Empfehlung im Sale gekauft und dann festgestellt, dass es Fantasy in einer mittelalterlich angehauchten Umgebung ist, was eigentlich so gar nicht meins ist. Dennoch habe ich dem Buch eine Chance gegeben und muss sagen, dass mir die Geschichte grundsätzlich ganz gut gefällt, auch wenn sie zwischenzeitlich deutlich gestreckt wurde, damit der Stoff wieder für eine ganze Trilogie reicht. Wirklich an Fahrt gewinnt das Buch erst gegen Ende und dann wird es doch nochmal gut und spannend. Der Weg dahin wird durch den flüssigen Schreibstil auch gut geebnet, aber die Geschichte lässt sich grundsätzlich zu viel Zeit. Die wird nur bedingt zur Charakterentwicklung genutzt, die auch eher gegen Ende einsetzt. Dabei hat mich das mittelalterlich angehauchte Setting hier eher weniger gestört, was mich überrascht hat. Ob ich die nächsten Bücher der Reihe noch lesen werde, weiß ich noch nicht, ich breche selten Reihen ab, außer sie gefallen mir gar nicht, aber es wird auf jeden Fall eine Weile dauern.

Habt ihr eins der Bücher gelesen? Verratet mir gern eure Meinung!

Eine Handvoll (oder mehr) Serien – Pride Month Special

Es ist Juni und damit Pride Month! Und weil ich euch diesmal nicht nur Bücher passend zum Thema vorstellen wollte, gibt es jetzt kurz vor Ende des Monats noch einen zweiten Beitrag. Diesmal geht es um Serien, in denen LBTQIAP+ Charaktere auftauchen – jenseits von gängigen Klischees, wie dem schwulen besten Freund.

Heartstopper – Staffel 1

Die Handlung: Charlie Spring wird an seiner Schule dafür gemobbt, weil er offen schwul ist. Als er im neuen Schuljahr neben Nick Nelson, einen Rugby-Spieler, gesetzt wird, verliebt er sich in diesen. Doch wie kommt man gegen Vorurteile und Mobbing an?

Warum die Serie so wichtig ist: Outing ist wohl in den wenigsten Fällen leicht. Vor allem zu Schulzeiten mit dem allgegenwärtigen Mobbing, kam dann auch noch eine grundlegende Queerfeindlichkeit. Genau damit befasst sich Heartstopper. Vorurteile, Mobbing, Queerfeindlichkeit. Aber auch das Gefühl, den Herzensmenschen zu finden oder auch sich als trans zu outen. Und auch, wenn es hier um schwierige Themen geht und für mich Mobbing ein potentieller Trigger ist, weswegen ich wenig Serien mit Highschool-Setting sehen kann, bietet Heartstopper eine so liebevolle Geschichte mit tollen Charakteren, dass ich so oft einfach nur dahingeschmolzen bin. Denn sie schafft es diesen schmalen Grad zwischen Realität, ernstem Umgang mit dem Thema, aber trotzdem gute Laune verbreitet.

Stumptown – Staffel 1

Die Handlung: Dex Parios war beim Militär und hat in Afghanistan gekämpft. Als sie zurückkam waren ihre Eltern weg und ihr Bruder Ansel in einem Heim. Nun zieht sie ihren Bruder groß, der das Down Syndrom hat. Sie hängt häufig im Bad Alibi ab, der Bar ihres besten Freundes Grey. Nachdem sie von der Mutter ihres verstorbenen Ex-Freundes Sue Lynn Blackbird den Auftrag bekommt ein vermisstes Mädchen zu finden, erkennt Dex, dass sie durchaus Talent in dieser Art von Job hat. Sie beantragt eine Privatermittlerlizenz. Dabei hilft ihr Detective Miles Hoffmann.

Warum Sie Serie so wichtig ist: Ich versuche ja bei solchen Zusammenstellungen auch immer verschiedene Genres vorzustellen. Mit Stumptown haben wir nicht nur einen tolle Krimiserie mit diversem Cast (people of colour, indigene Bevölkerung, Menschen mit Behinderung), sondern eben auch eine bisexuelle Protagonistin. Dies wird an mehreren Stellen thematisiert, aber hat nur einmal eine negative Auswirkung. Nicht nur, dass hier indirekt mit einigen Vorurteilen aufgeräumt wird – sie werden halt nicht direkt genannt und es folgt kein Aufklärungsgespräch, aber durch den Umgang mit dem Thema wird einigen Vorurteilen der Wind aus den Segeln genommen – es ist auch eine der seltenen Darstellungen dieser Form der Sexualität.

Queer Eye – Staffel 1-5

Die Handlung: Die Fab 5 sind Antoni, Tan, Karamo, Bobby und Jonathan. Sie sind alle homosexuell bzw. non-binär und haben jede Woche die gleiche Aufgabe. Sie reisen zu unterschiedlichen Menschen in Georgia, verbringen eine Woche mit ihnen und helfen ihnen wieder in Form zu kommen. Dazu gehört zum einen den Kleiderschrank auszumisten und die Körperpflege voranzutreiben, aber auch die Wohnung neu zu gestalten, das Kochverhalten zu überprüfen und die kulturellen und sozialen Kontakte zu überprüfen.

Warum die Serie so wichtig ist: Jede*r, der*die diesen Blog kennt, weiß, dass ich diese Serie absolut liebe. Die Herzlichkeit, die gute Laune, die in jeder Folge verbreitet wird, öffnet mir jedes Mal das Herz und lässt mich Strahlen, auch wenn mir zuvor nicht danach zu Mute war. Aber ganz nebenbei geben die Fab 5 in ihren Gesprächen mit den Kandidat*innen auch Geschichten aus ihrer eigenen Vergangenheit preis. Womit sie zu hadern hatten, was für Probleme ihr Outing nach sich zog, aber auch, was ihnen geholfen hat, zu sich zu stehen. Mitunter haben sie auch queere Kandidat*innen, die ebenfalls von ihren Erfahrungen berichten. So ist es ein stetiger Austausch, der einfach nebenbei erfolgt

Getting curious with Jonathan van Ness – Staffel 1

Die Handlung: Jonathan van Ness (bekannt unter anderem durch Queer Eye) beleuchtet in jeder Folge andere Themen, wie Insekten oder Eiskunstlaufen. Dabei findet they immer wieder neue Aspekte.

Warum die Serie so wichtig ist: Jonathan van Ness ist non-binär. Das zeigt they nicht nur in their social media Auftritten, in Serien, wie Queer Eye, sondern inzwischen auch in their eigenen Netflix-Serie. Besonders hervorheben möchte ich hier auch direkt die Folge, in der they sich mit Non-Binarität beschäftigt. Hier berichtet they nicht nur von sich selbst, sondern zeigt auch andere non-binäre. Wie gehen sie damit um, was bedeuten Pronomen für sie. Besonders spannend fand ich auch die Sicht eines indigenen non-binären und wie er sich dies mit their Kultur/Religion erklärt. Die Serie ist natürlich neben den interessanten Themen auch auf Unterhaltung ausgelegt, was durch van Ness quirlige Art wunderbar funktioniert.

Willkommen im Haus der Eulen – Staffel 1

Die Handlung: Luz Noceda war eigentlich auf dem Weg in ein Sommercamp für schwierige Teenager, in das sie ihre Mutter schicken wollte, nachdem sie in der Schule vermehrt auffällig wurde, da sie eher in einer eigenen Fantasy als der Realtät zu leben scheint. Doch unterwegs folgt sie einer Eule und stolpert prompt durch ein Portal in eine andere Welt. Dort trifft sie auf die Eulenlady und Hexe Eda und ist so fasziniert von der Welt, dass sie beschließt zu bleiben. Und obwohl Menschen keine Magie ausüben können, nimmt die bei Eda Unterricht. 

Warum die Serie so wichtig ist: Kennt ihr LGBTQIAP+ Charaktere aus Kinderserien? Mir fiel spontan auch nur diese Serie ein – auch wenn in Staffel 1 erst gegen Ende die mögliche Bisexualität der Protagonistin und der Homosexualität einer weiteren Hauptfigur angedeutet wird, was in Staffel 2 weiter ausgebaut werden soll. Dabei zeigt sich doch immer wieder, dass schon die Kleinsten sich für queere Themen interessieren und an die Themen wesentlich offener herangehen als so manche Erwachsene. Dabei geht es hier hauptsächlich um Luz, die die Fantasywelt erkundet, aber die nebenbei laufende Liebesgeschichte läuft auf eine queere Beziehung zu. Ich freu mich hiervon mehr in Staffel 2 zu sehen.

Grace & Frankie – Staffel 1-7

Die Handlung: Grace und Robert Hanson, sowie Frankie und Sol Bergstein sind beide seit vielen Jahren verheiratet und Robert und Sol haben eine gemeinsame Anwaltskanzlei. Nun steht der Ruhestand bevor, doch beide Männer möchten diesen lieber zusammen verbringen, da sie seit 20 Jahren eine heimliche Beziehung haben. Widerwillig ziehen die beiden Frauen nun in das gemeinsame Strandhaus der Paare. Doch während Grace eine starke Businessfrau ist, ist Frankie eine Esoterik liebende Hippiefrau. Dennoch entsteht eine ganz besondere Freundschaft zwischen den beiden.

Warum die Serie so wichtig ist: Für die wahre Liebe und das Erkennen der Sexualität gibt es kein Ablaufdatum. Das zeigt diese Serie noch einmal deutlich. Verpackt wird das in einer herrlich skurrile Komödie mit liebenswerten Charakteren. Neben den verschiedenen Themen, unter anderem das Älterwerden und was für Folgen das mit sich bringt, geht es halt auch um Robert und Sols neue Beziehung und später um ihre Ehe. Auch wenn sich die Serie mehr um die beiden namensgebenden Protagonistinnen dreht, nimmt die Geschichte der beiden Männer eine große Rolle ein. Durch ihren Freundeskreis bekommen wir auch eine größere Repräsentation.

Vicious – Staffel 1-3

Die Handlung: Freddie Thornhill und Stuart Bixby sind schwul und leben nun seit 50 Jahren zusammen. In der Zeit hat sich ihre Beziehung zu einer gewissen Hassliebe entwickelt. Dennoch halten sie zusammen. Zum Beispiel wenn ihre Freundin Violet wieder einmal von einer gescheiterten Beziehung erzählt. Frischen Wind in den Alltagstrott bringt der neue junge Nachbar Ash.

Warum die Serie so wichtig ist: Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen euch noch einmal mit meiner Lieblingssitcom vertraut zu machen. Und sie passt einfach perfekt zum Thema. Denn es geht einfach zu 100% um die Beziehung der beiden und das Leben, das sie sich aufgebaut haben. Durch Stuarts Mutter, vor der er sich nach all den Jahren nicht getraut hat zu outen, werden auch die Probleme und Vorurteile mit behandelt. Dennoch ist der Sitcom Charakter und die vielen Witze dominierend. Also wann wenn nicht jetzt mal einen Blick auf diese großartige Serie werfen!

Was sind eure Serien zum Thema Pride? Gerne her mit dem Empfehlungen!

Eine Handvoll Bücher – 2/22

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Liebe für einen Stripper, einer Welt im Schatten, Mord in Mecklenburg-Vorpommern, der lange Weg zum trojanischen Krieg und einer Weltausstellung in der Zukunft.

Strip this heart

Die Handlung: Brooke lernt auf dem Junggesellinnenabschied ihrer besten Freundin den Stripper Nate kennen. Doch trotz dieser Umstände kommen sich beide näher. Doch beide kämpfen mit zerbrochenen Träumen. Können sie die Scherben aufsammeln und nach vorne sehen?

Meine Meinung: Als Justine Pusts Debüt herauskam, war ich durchaus neugierig. Doch so richtig konnte ich mich für die Geschichte rund um den Stripper Nate nicht erwärmen. Hatte ich doch Angst, dass zu viel Gewicht darauf gelegt wird und alle Klischees durchgekaut werden. Doch genau das schafft die Autorin geschickt zu umgehen, so dass natürlich mit den Vorurteilen gespielt wird, diese aber nicht die Grundlage für das Drama bilden. Stattdessen geht es vielmehr um die zerbrochenen Träume der beiden und wie sie damit umgehen. Zwischenzeitlich fand ich die Gewichtung der Themen etwas merkwürdig, da gerade gegen Ende es viel mehr um die Hochzeit ihrer besten Freundin geht, als darum, dass die beiden an sich und ihrer Beziehung arbeiten. Es wirkte für mich wie ein Abschweifen von der Geschichte, was aber dennoch funktioniert hat. Der Schreibstil war flüssig und der Dramaanteil auf einem guten Niveau. Die Botschaft des Buches ist sehr herzerwärmend, zumal sie klar in die New Adult Kerbe schlägt, aber doch wesentlich geerdeter als bei anderen Vertretern des Genres wirkt.

Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann

Die Handlung: Quinn wird bei der Flucht vor einem magischen Wesen schwer verletzt. Während er sich davon erholt, nähert er sich Matilda an, die ihn als einzige zu verstehen scheint. Dabei gehört sie zu den verhassten Nachbarn. 

Meine Meinung: Kerstin Gier hat eine große Fangemeinschaft, so dass sich ihre Bücher gefühlt immer von alleine verkaufen. Bisher hatte ich von ihr nur die Silberreihe gelesen und fand diese durchaus okay, aber auch nicht unbedingt herausragend. Dennoch war ich beim Auftakt der Vergissmeinnicht Reihe wieder neugierig. Und mir hat das Buch durchaus gut gefallen. Auch hier ist der Fokus auch wieder auf jüngeren Lesenden, so dass auch die Protagonist*innen wieder jünger sind. Doch mit Quinn und Mathilda bin ich nach einer kurzen Aufwärmphase gut warm geworden. Auch hat es mich gefreut, dass mit Quinn mal ein Protagonist im Rollstuhl im Fokus ist. Für mich als Außenstehende hat dies im Lesefluss auch gut funktioniert, allerdings habe ich inzwischen mehrere Berichte von Rollstuhlfahrer*innen gelesen, die die Darstellung sehr problematisch sehen. Und die Argumente sind durchaus nachvollziehbar und so haftet der spannenden Unterhaltung ein schlechter Nachgeschmack an. Schade, dass hier das Sensitivity Reading anscheinend übersprungen wurde, denn die Geschichte ist spannend, bietet eine tolle Welt und eigentlich auch sympathische Charaktere, vor allem Mathilda mochte ich sehr.

Erntedank in Vertikow

Die Handlung: Peer sitzt seit neustem im Rollstuhl und kommt damit nicht wirklich zurecht. Als in Vertikow, einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommer, ein Unfall geschieht, ist sich Peer sicher: Es war Mord. Da ihm niemand glauben will, fängt er selbstständig an zu ermitteln.

Meine Meinung: Eigentlich lese ich kaum noch Krimis, weil mich die vielen Klischees nur noch nerven. Lediglich bei Cozy Crime werde ich noch schwach. Und so schlich ich schon länger um die Vertikow Reihe herum. Nachdem Band 1 auf der Buch Berlin vergriffen war, habe ich es als Schicksal abgestempelt, bis ich es zum Geburtstag bekam. Nun stand meinem Eintauchen in das kleine Dorf in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr im Weg. Und das war ein Glücksfall, denn auch wenn mir Peer als Protagonist an einigen Stellen nicht unbedingt sympathisch war, so war es mir das Dorf und die verschiedenen Charaktere umso mehr. Auch mochte ich, dass Peer als Ermittler im Rollstuhl sitzt und so auf viele Probleme und Schwierigkeiten aufmerksam macht – übrigens ohne in problematische Formulierungen zu verfallen. Der Fall selbst war da eher nebensächlich, auch wenn die Aufklärung natürlich im Vordergrund stand. Aber eigentlich hat man eher das Dorf kennen und lieben gelernt. Ich freu mich schon auf ein Wiedersehen in Vertikow, wenn ich es irgendwann mal schaffe den zweiten Band zu lesen.

Die Götter müssen sterben

Die Handlung: Im Schatten des Trojanischen Krieges prophezeit die Göttin Artemis den Fall Trojas und dem Tod der Götter. Dafür reist sie zu den Amazonen und segnet dort aber ausgerechnet Areto, die keine Kriegerin ist. Dennoch machen sich die Amazonen auf die lange Reise, um Troja im Krieg zu unterstützen.

Meine Meinung: Historische Fantasy ist nicht mein Genre. Gleichzeitig wollte ich dieses Buch unbedingt lesen, denn die Verarbeitung einer Vielzahl von Themen in diesem Kontext hatte mich sehr interessiert. Tatsächlich beschreibt das mein Dilemma mit diesem Buch sehr gut. Denn dadurch, dass mich die Geschichte sehr wenig interessiert hat und der für das Genre sehr gute Schreibstil für mich absolut nichts war, habe ich mich eher durch das Buch gequält und konnte nur eine sehr begrenzte Zahl an Seiten pro Tag lesen. Gleichzeitig habe ich aber immer wieder Sachen gefunden, die ich sehr gut umgesetzt fand, weswegen ich das Buch auch einfach immer weiter lesen wollte. So lebt das Buch von einer faszinierenden Vielfalt, die zeigt, wie einfach es ist diese wie nebensächlich einzubauen. So gibt es Charaktere verschiedener Ethnien und Hautfarben, LGBTQIAP+ Themen sind vorhanden und selbst psychische Erkrankungen wie Depressionen haben Platz gefunden, ohne das dominierende Thema zu sein. Das alles zeigt, wie gut dieses Buch von der Themenkonzipierung einfach ist. Dennoch hatte ich auch Probleme mit der Handlung, in dem Sinne, dass sie sich gefühlt für alles sehr viel Zeit genommen hat, nur um den Krieg selbst sehr kurz abzuarbeiten. Hier fehlte mir der ausbalancierte Spannungsbogen.

Yelena Gans und die Weltausstellung

Die Handlung: Im Jahr 2115 ist die pensionierte Privatdetektivin Yelena Gans mit ihrem Enkel auf der Weltausstellung unterwegs. Dieser freut sich darauf seinen Lieblingsstreamer Katerstrophisch zu sehen. Doch dieser schwebt in Gefahr und Yelena versucht dies zu verhindern. Doch eine mysteriöse Maschine durchkreuzt mehr als nur einen Plan.

Meine Meinung: So sehr ich auch lange Romane mag, so sehr freue ich mich über die ein oder andere Novelle für zwischendurch. Hier ist mir wichtig, dass die Geschichten selbst in der Kürze ausgefaltet ist und die Charaktere genug Platz bekommen. Aber mir ist es manchmal lieber eine Novelle zu lesen, als dass ein Buch künstlich gestreckt wird. Bei Yelena Gans und die Weltausstellung bin ich mir nicht ganz sicher, in welche Richtung ich tendieren würde. Grundsätzlich glaube ich, dass die Geschichte durchaus noch Potential hatte, um auch im größeren Stil erzählt zu werden. Vor allem die Weltaustellung kommt mir ein bisschen zu kurz. Gleichzeitig hätte eine Streckung doch wenig an der grundsätzlichen Handlung geändert – auch wenn mir gerade die Auflösung ein bisschen zu schnell kam. Dennoch ist dies alles ein Jammern auf hohem „Was wäre, wenn“-Niveau. Denn die Geschichte ist rund und erzählt sich ganz ungehetzt. Vielleicht hätten hier nur so 20-30 Seiten mehr geholfen den Mittelteil ein bisschen auszubauen und so auch die Verwirrung des durch die Maschine ausgelösten Effekts ein bisschen zu schmälern. Wer Lust auf ein bisschen kurzweilige Sci-Fi mit Krimianteil hat, sollte hier aber auf jeden Fall einen Blick drauf werfen.

Habt ihr eins davon gelesen? Wie fandet ihr es?

 

Eine Handvoll Serien 1/22

Willkommen zur ersten serientastischen Handvoll in diesem Jahr! Heute mit: realfiktiven Verschwörungstheorien, einer abenteuerlichen Reise, einer Hexenakademie, Menschen auf dem Mond und Wunderarbeitenden auf Reisen.

Inside Job – Staffel 1

Die Handlung: Reagan Ridley arbeitet als Wissenschaftlerin bei Cognito Inc., eine Firma, die sich mit Verschwörungstheorien befasst bzw. für deren Geheimhaltung zuständig ist. Zusammen mit ihrem Team hat sie dabei alle Hände voll zu tun.

Meine Meinung: Auch wenn man eigentlich nichts mehr von Verschwörungstherien hören will, hat mich die Serie sofort angesprochen. Denn was hilft gegen die ganzen abstrusen Theorien? Genau eine Serie, die genau das aufs Korn nimmt. In Inside Job sind sie alle wahr. Hohlerde, Echsenmenschen, alles. Und dann gibt es die Firma, die versucht genau das zu vertuschen. Das ganze wird vermischt mit der „Rick&Morty-Geheimformel“ (also überzeichnete Charaktere mit sehr expliziter Sprache) und in Einzelabenteuer verpackt. Dabei sind die Charaktere wirklich sehr übertrieben mitunter dargestellt und auch sehr auf wenige Wesenszüge reduziert. Tatsächlich brauchte ich ein paar Folgen, um mich an das Team zu gewöhnen. Da war es wirklich eher die Handlung und die vielen Kleinigkeiten, die es zu entdecken galt, die mich bei der Stange hielten. Und eben Reagean, die Protagonistin der Serie, die zwar regelmäßig kurz vorm verzweifeln ist, aber dafür noch am nahbarsten wirkt. So ist die Serie immer wieder für einen Schmunzler zu haben, die großen Lacher schafft sie jedoch nicht. Doch für die Unterhaltung zwischendurch birgt sie auf jeden Fall Potential.

In 80 Tagen um die Welt – Miniserie

Die Handlung: Phileas Fogg (David Tennant) wettet mit seinem Freund Bellamy (Peter Sullivan), dass er es in 80 Tagen um die Welt schafft. Da Fogg es bisher nicht einmal aus London herausgeschafft hat, sieht der finanziell angeschlagene Bellamy seine Chance die Schulden bei der Bank zurückzuzahlen. Doch Fogg bricht wirklich zur Reise auf. An seiner Seite Jean Passepartout (Ibrahim Koma) und die Journalistin Abigail „Fix“ Fortescue (Leonie Benesch).

Meine Meinung: Die Geschichte von Jules Verne ist inzwischen so oft verfilmt worden, dass wohl jeder schon irgendeine Variante gesehen hat. So war ich zunächst skeptisch als es hieß, dass es das ganze noch einmal in Serienform geben sollte. Da allerdings David Tennant die Hauptrolle übernehmen sollte, wurde ich doch neugierig. Und dann verbrachte ich die Weihnachtsfeiertage in der ZDF Mediathek. Dabei schafft es die Serie die bekannte Geschichte noch einmal ein bisschen aufzupeppen, vor allem durch den weiblichen Input, da diesmal keine Prinzessin irgendwo gerettet wird, sondern eine Journalistin von Anfang an dabei ist. Dadurch werden auch die Charaktere etwas greifbarer, Passepartout bekommt eine nachvollziehbare Hintergrundgeschichte und alles wirkt einfach etwas runder und moderner, obwohl es noch immer zur gleichen Zeit spielt, wie der ursprüngliche Roman. Trotz der Länge von 8 Folgen á ca. 50 Minuten, zieht sich die Serien an keiner Stelle, im Gegenteil, obwohl die Geschichte bekannt ist und auch der Ausgang, bleibt es durchgehend spannend. So habe ich die Serie innerhalb weniger Tage weggebinged.

Motherland: Fort Salem – Staffel 1

Die Handlung: Die Hexen Raelle Collar (Taylor Hickson), Abigail Bellweather (Ashley Nicole Williams) und Tally Craven (Jessica Sutton) kommen neu an die Hexenakademie, wo sie militärisch ausgebildet werden, um die Welt zu beschützen. Denn die Plage, eine radikale Hexengruppierung, inszeniert immer wieder Anschläge auf die Bevölkerung. Dabei müssen sie einiges durchmachen.

Meine Meinung: Ich hatte die Serie bereits in meiner Watchlist, als sie mir immer wieder ans Herz gelegt wurde. Also beschloss ich sie zu befreien und endlich zu sehen. Der Einstieg fiel mir vergleichsweise schwer, da es zwar in den USA spielt, aber eben in einer Welt, in der es Hexen gibt und diese das Militär unterstützen. Man bekommt immer wieder Brocken aus dem Weltenbau zugeworfen, aber nicht genug, um das große Ganze zu fassen. Dann wird sich viel auf die Charaktere an der Akademie konzentriert, bis diese immer mal aus der vertrauten Umgebung gerissen werden, damit wieder ein paar Brocken Weltenbau betrieben wird. Dabei sind die Charaktere an sich greifbar und passen gut zusammen, doch dann haben sie sich immer wieder in den Haaren und man weiß nicht, wieso. So sind sie in einer Szene gute Freundinnen und halten zusammen, nur um sich eine Szene später wieder aus dem Weg zu gehen. Insgesamt ist die Handlung und damit auch der Charakterbau etwas chaotisch erzählt. Damit bin ich bis zum Schluss nicht richtig zurecht gekommen. Was die Serie aber hat, ist ein spannender Ansatz, wie Hexen in unsere Gesellschaft passen können und trotz der vielen Zickereien sind spannende und interessante Charaktere dabei, deren Geschichte einen bei der Stange hält. So war jede Folge eine Überwindung zu gucken und gleichzeitig wollte ich wissen, wie es weitergeht. Gerade nach dem Cliffhanger am Ende der ersten Staffel wird die zweite wohl doch irgendwann geschaut werden.

Space Force – Staffel 1

Die Handlung: Die neugegründete Space Force soll wieder Menschen auf den Mond bringen und dort wissenschaftliche Untersuchungen anordnen. Mark R. Naird (Steve Carell) bekommt die Führung zugeteilt. Zusammen mit dem wissenschaftlichen Leiter Dr. Adrian Mallory (John Malkovich) hat er alle Hände voll zu tun, zumal sich Militär und Wissenschaft gerne gegenseitig im Weg stehen.

Meine Meinung: Es begab sich vor einigen Wochen, als ich auf der Suche nach einer neuen Comedyserie war, dass Netflix mir sehr penetrant Space Force vorschlug. Ich las mir die Beschreibung durch und sah die erste Folge. So richtig überzeugt war ich nicht, aber das passiert mir oft nach einer Pilotfolge. Also schaute ich mir die nächste an. Ich kam weder an die Charaktere heran, noch an den Humor. Er funktionierte für mich einfach nicht. So waren in der ganzen Staffel lediglich vereinzelte Szenen oder zwischendurch mal eine Folge wirklich interessant. Vor allem das Mond-Trainingscamp hat mich sehr erheitert. Letztlich war mir die ganze Serie einfach zu sehr konstruiert. Man merkte, wo bewusst welche Gags eingebaut wurden, die aber bei mir nicht zündeten. Das Ganze Militär gegen Wissenschaft, aber arbeitet mal zusammen, hätte funktionieren können und hätte mich eigentlich auch abholen können. Hat es aber einfach nicht geschafft. Ob ich der zweiten Staffel noch einmal eine Chance gebe, kann ich noch nicht sagen.

Miracle Workers – Staffel 3

Die Handlung: Nach einigen sehr harten Jahren beschließt ein Dorf sich auf den Weg nach Oregon zu machen. Reverend Ezekiel Brown (Daniel Radcliffe) ist zwiegespalten, ob sie die Reise wirklich schaffen können, doch der Revolverheld Benny the Teen (Steve Buscemi) verspricht ihnen den Weg zu weisen – allerdings versucht er damit eher der Hand des Gesetzes zu entgehen. So ist es an Prudence Aberdeen (Geraldine Viswanathan) und dem Reverend halbwegs für Ordnung zu suchen. Denn der Weg ist lang und beschwerlich.

Meine Meinung: Die erste Staffel der Wunderarbeitenden fand ich super, ich habe mich sehr unterhalten gefühlt und lag mehr als einmal vor Lachen auf dem Boden. Die zweite kam für mich da nicht mehr ganz ran, auch wenn sie versucht haben durch die Anthologie noch einmal etwas neues herauszukitzeln. Dennoch habe ich mich sehr auf die dritte Staffel gefreut, die nach dem Himmel und dem Mittelalter, diesmal amerikanische Siedler auf dem Oregon Trail begleitete. Der Hauptcast war wieder versammelt und es war schon ein Fest sie alle in ihren neuen Rollen zu entdecken. Auch wenn das Setting mehr der zweiten denn der ersten Staffel ähnelt, so funktioniert sie wieder deutlich besser. Auch hier sind die Charaktere wieder herrlich überzeichnet und die Gags sitzen einfach. Alles wirkt ein bisschen überdreht und doch in einem Maß, dass es einfach nur mega witzig ist. Ich konnte einfach teilweise nicht anders, als laut über alles zu lachen. Die Serie macht gute Laune und bestimmt auch ein paar Bauchmuskeln vom vielen Lachen (bitte nehmt mir nicht diesen Glauben).

Habt ihr eine davon gesehen? Wie fandet ihr sie?

Eine Handvoll Bücher – 01/22

Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einem humorvollen Exozismus, einem Leben ohne Obdacht, seltsamen Dingen, der Formel für Weltfrieden und schmusigen Vierbeinern.

Spiritus Daemonis

Die Handlung: Teresa arbeitet in der Online-Beratung eines kleinen Esoterikladens. Dort versucht sich Vincent über einen Fake-Exorzismus zu informieren. Doch Teresa ahnt schlimmes und bleibt mit ihm in Kontakt. Denn der Fake-Exorzismus entpuppt sich als echter.

Meine Meinung: Eigentlich hatte ich auf der Buch Berlin mich bereits für Nafishur von Mary Cronos entschieden und gekauft. Bei der Auswahl hatte ich entschieden pro Autor*in maximal ein Buch zu kaufen. Zumal ein Buch in Chatform für mich eigentlich gar nicht in Frage kam, fand ich doch bisher alle Bücher in ähnlicher Manier total schrecklich. Aber bei dem Sonderangebot, der Anpreisung der Autorin und meiner unendlichen Neugier, konnte ich doch nicht widerstehen. Begleitend zum Buch gab es einen QR-Code, der mit zusätzlichem Material, wie Bildern, Tonaufnahmen, Videos und ähnlichem aufwartet und an bestimmten Stellen im Buch die Handlung noch zusätzlich unterstrich. Und bereits ab Seite 1 konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es ist zwar Horror und handelt von einem Exorzismus, doch der humorvolle Schreibstil ließ mich immer wieder laut auflachen. Dennoch wird eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen, so dass man hinterher – und ja es gibt nur die Möglichkeit dieses Buch in einem Rutsch durchzulesen – sich sowohl gegruselt hat und sich gleichzeitig absolut unterhalten fühlt.

Unter pinken Sternen

Die Handlung: Silke führt ihr Traumleben: Gewinnerin einer Design-Castingshow und Job bei einer angesehenen Designerin. Doch als ihre Eltern bei einem Autounfall sterben, bricht ihre Welt zusammen. Kurz darauf verliert sie auch ihren Job und ihr Dach über den Kopf. Sie wird eine Obdachtlose und muss sich schnell an die Gesetze der Straße anpassen.

Meine Meinung: Nach den schweren Themen in Unter gläsernen Fassaden und der gleichzeitig wunderbaren Verwebung der Märchenthemen war ich neugierig auf ein weiteres Buch von Sabrina Schuh und gleichzeitig zögerte ich. Auf der Buch Berlin ließ ich mich daher von der Autorin ausführlich über die möglichen Trigger aufklären. Auch in Unter pinken Sternen nimmt sich die Autorin wieder einem schweren Thema an, dass gerne – nicht nur in der Buchwelt – tot geschwiegen wird. Dabei hat ihr keine Internetrecherche geholfen, sondern sie ist vor Ort in die Unterkünfte und auf die Straße und hat mit Betroffenen gesprochen. Diese intensive Recherche merkt man auf jeder Seite. Und so unfassbar manche Stellen wirken, sind sie doch leider für viele Alltag. Mit der Protagonistin bin ich schnell warm geworden, auch wenn mir nicht alle ihre Handlungen einleuchteten. Durch den leichten Schreibstil habe ich gut ins buch gefunden, lediglich in der Mitte gab es ein paar Längen, die aber auch der Situation geschuldet waren. Dennoch blieb es bis zum Ende spannend, ob und wie die Protagonistin wieder aus der Obdachlosigkeit herauskommt. Dabei gibt es nicht nur einen Denkanstoß für jeden von uns, die urteilen und sich ihre eigene Meinung gebildet haben. Daher auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

Layla

Die Handlung: Leeds lernt Layla auf einer Hochzeit kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Doch seine eifersüchtige Ex-Freundin versucht Layla zu erschießen. Um sich von den Erlebnissen zu erholen, reist er mit ihr an den Ort, wo sie sich kennengelernt haben. Doch dort gehen seltsame Dinge vor sich. 

Meine Meinung: Ich liebe die Bücher von Collen Hoover. Bisher waren nur ganz wenige dabei, die mich nicht so richtig begeistern konnten. Wirklich enttäuschend fand ich bisher nur Weil wir uns lieben, da es als dritter Teil eigentlich nur die anderen beiden Bände wiederholte. Nach Verity habe ich mich auch damit abgefunden, dass Hoover sich noch einmal in einem neuen Genre ausprobieren wollte. Dennoch kann ich Layla leider gar nichts abgewinnen. Während am Anfang eine typische Hoover Liebesgeschichte aufgebaut wird, nur gefühlt im Schnelldurchlauf, weil es diesmal kein Buch, sondern nur das erste Kapitel einnimmt. Dann kommt der Zwischenfall und danach … eine Menge langatmiger Szenen, Andeutungen auf die totale Eskalation am Ende und dazwischen nur noch mehr Wiederholungen der immer gleichen langatmigen Szenen. Jede Seite ist ein Kampf es nicht vor lauter Langeweile wegzulegen. So etwas habe ich bei Hoover noch nie erlebt. Normalerweise ist es immer zumindest ihr Schreibstil, der einen durch die Seiten fliegen lässt. Der war hier zwar noch zu spüren, aber zeitgleich eben auch, dass die Handlung einfach keinen Stoff für ein ganzes Buch bot, aber partout auf die Länge gestreckt wurde. Und dann eben noch ein bisschen mehr, denn mit fast 400 Seiten ist Layla auch für die Autorin ein längeres Werk. Ich freue mich trotzdem auf die nächsten Werke.

Die Friedensformel

Die Handlung: Der Wissenschaftler Alfred Simons wurde nach der Entdeckung einer Formel, die den Klimawandel stoppen konnte, nun beauftragt, die Formel für den Weltfrieden zu finden. Tatsächlich wird er fündig und präsentiert diese. Doch dafür ist der Suizid einer bestimmten Person notwendig. Und die Frage kommt auf: Würde man sich selbst für den Weltfrieden opfern?

Meine Meinung: Ebenfalls auf der Buch Berlin erworben, war dies ein Buch, dessen Handlung mich sofort angefixt hat. Kaum gehört, wusste ich, dass ich wissen wollte, was sich dahinter verbirgt. Der Einstieg war für mich etwas verwirrend, weil wir die Geschichte aus zwei Perspektiven kennenlernen und ich einen Moment gebraucht habe, um zu verstehen, wer von beiden die Hauptprotagonistin ist. Danach ging es auch direkt ans Eingemacht und zwar ganuz anders, als ich es mir vorab vorgestellt hatte. Das ist wohl mit das bemerkenswerteste am Buch. Es konnte mich immer wieder überraschen. Weil bis zum Ende sich nicht an das gehalten hat, was ich erwartet hätte. Trotz der 500 Seiten wirkt keine Szene zu viel, was ich ab einem gewissen Punkt auch befürchtete. Stattdessen bringt es immer wieder neue Aspekte ein und beleuchtet die Thematik noch einmal von einem ganz anderen Standpunkt aus. Der Schreibstil war wunderbar flüssig, die Autorin nahm sich an den richtigen Stellen Zeit und überfliegt andere dafür, so dass man alles wichtige mitbekommt, ohne dass Längen entstehen. Am Ende blieb zwar für mich die ein oder andere Frage offen, aber auch das ist in Ordnung, denn, was das buch erzählen wollte, war auserzählt. Alles Abseits von dem Fokus muss nicht immer aufgeklärt werden.

Pfoten vom Tisch

Die Handlung: Hape Kerkeling ist Katzenfan. Mehrere Katzen haben seinen Weg bereits begleitet. Über diese, ihre Geschichte, ihre Angewohnheiten und ganz allgemein über seine Beobachtungen bezüglich Katzen schreibt er in diesem Buch.

Meine Meinung: Bisher habe ich noch kein Buch von Hape Kerkeling gelesen, aber die beiden Verfilmungen gesehen. Dieses Buch gab es zu Weihnachten, da sich mein bester Freund dachte: Ein Buch über Katzen für jemanden, die Katzen hat und liebt = perfektes Geschenk. Der Schreibstil von Hape Kerkeling ist sehr mitreißend und man verliert sich schnell in den Geschichten, die sich zwischen Anekdoten aus seinem Leben mit Katzen und seinen allgemeinen Beobachtungen über Katzen abwechselt. Diese sind alle sehr nett und es lässt sich gut hintereinander weglesen. Wirklich neues birgt das Buch für Katzenfans nicht, aber ein wenig bei gleichgesinnten Anekdoten mitschwelgen bei einem entspannten Sonntagsnachmittagbuch ist auch mal etwas sehr nettes. Etwas gestört hat mich die Sache, dass das generische Maskulinum genutzt wurde und dies am Anfang begründet wurde, mit einem natürlich sind die anderen Geschlechter immer mitgemeint. Das ist genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Wenn man darüber hinwegsehen kann, funktioniert das Buch sehr gut. Mir ist es immer wieder negativ aufgefallen, vor allem wenn direkt auf eine Frau angedeutet wird und diese dann mit dem generischen Maskulinum angesprochen wird. Solange der Fokus auf den Vierbeinern liegt, ist es eine nette Unterhaltung für verregnete Tage auf der Couch.

Habt ihr eins davon gelesen? Wie fandet ihr sie?