Eine Handvoll Filme – 3/21

Herzlich Willkommen zu dritten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einer traurigen Hochzeit, einem superheldigen Eichhörnchen, eine Familie sagt Ja, einer Origin-Story und Spionage in Hamburg.

The Farewell

Die Handlung: Billi Wang lebt in New York nachdem sie mit ihrer Familie aus China ausgewandert ist. Als sie erfährt, dass ihr Großmutter Lungenkrebs hat, ist sie am Boden zerstört. Doch die Familie beschließt der Oma nichts zu sagen, sondern eine Hochzeit zu arrangieren, damit alle sie nochmal sehen. Billi ist hin- und hergerissen zwischen Loyalität zur Familie und dem Wunsch sich richtig von ihrer Großmutter zu verabschieden.

Meine Meinung: Sitten aus anderen Kulturen können befremdlich wirken. Wenn es jedoch die eigene ist und man mit dem, was man für richtig hält, die ganze Familie gegen sich aufbringen würde, wie soll man sich da verhalten? Genau in diesem Dilemma befindet sich Billi Wang, lebt sie doch mit ihren ausgewanderten Eltern in New York und ist auch mit der amerikanischen Kultur groß geworden. Doch ihre Familie prägt ihr immer wieder ein, dass sie nichts sagen darf. Der Film hat eine sehr melancholische Stimmung und kann einen aufs Gemüt schlagen. Er bemüht sich die Thematik so zu erzählen, dass man als Außenstehender die Beschlüsse der Familie versteht, auch wenn man sie nicht nachvollziehen kann. Billi ist dafür die ideale Bezugsperson. Zwischendurch versucht der Film die Stimmung ein bisschen aufzulockern, indem ein paar Situationen eingeschoben werden, über die man unweigerlich schmunzeln muss. Dennoch bleibt der Film sehr ernst. Awkwafina spielt die Zerissenheit der Protagonistin in einer sehr reduzierten Form gekonnt aus. Gewinnerin der Herzen ist jedoch Shuszen Zhao als Nai Nai (Großmutter), die ihre Rolle mit viel Leben und Liebe füllt. Letztendlich ist The Farewell ein guter Film mit einem schweren Thema.

Flora & Ulysses

Die Handlung: Flora, 10 Jahre alt, ist Tochter einer Autorin und eines Comiczeichners leidet unter der Trennung dieser. Bis Ulysses bei ihr auftaucht, ein aufgewecktes Eichhörnchen, von dem Flora glaubt, dass es Superkräfte hat. Allerdings ist vor allem Chaos angesagt. 

Meine Meinung: Nachdem ich den Trailer von Flora & Ulysses gesehen habe, war ich sehr abgeschreckt, sah er doch vorne und hinten nicht zusammenhängend aus, wie eine wilde Mischung aus verschiedenen Genres. Am Ende wusste man nicht, ist Ulysses nun ein Supereichhörnchen oder nicht. Das ich dem Film letztlich doch noch eine Chance gegeben habe, war großes Glück, sonst hätte ich einen liebevollen Kinderfilm verpasst. Zwar ist der Film mit der Rolle des Ulysses immer noch ein bisschen zwiegespalten, aber dennoch funktioniert er. Gerade weil er unkonventionell ist, weil er in der Handlung springt, aber vor allem weil er eine gute Mischung an Charakteren hat. Wir haben Flora, die an die Superhelden aus den erfolglosen Comics ihres Vaters glaubt, die Dinge auf ihre ganz eigene Weise löst und dennoch einfach ein Kind ist. Dann haben wir ihre Eltern mit einer sehr süßen Liebesvorgeschichte, auch wenn sie sich während des Films in Trennung befinden. Und wir haben den Nachbarsjungen, der zu seiner Tante geschickt wurde, weil er an hysterischer Blindheit leidet. Leider wird sich mit dem Thema und den Gründen nur ganz am Rande auseinander gesetzt, aber dennoch respektvoll umgegangen. Und das absolute Highlight des Films ist wohl Danny Pudi (bekannt aus Community) als Polizist. So bietet der Film einige Stellen zum Lachen, zum mitfieber und verstärkt das ganze noch mit einer guten Prise Herzlichkeit.

Yes Day

Die Handlung: Allison und Carlos Torres sind eigentlich sehr lebensbejaende Eltern. Doch seit ihre Kinder da sind, erwischen sie sich selbst dabei, wie sie nur noch „Nein“ sagen. Bis der Vertrauenslehrer der Schule sie zu einem „Yes Day“ ermuntert. Ein Tag, an dem sie zu allem, was die Kinder wollen „Ja“ sagen müssen, zumindest innerhalb gewisser Regeln. 

Meine Meinung: Der Anfang von Yes Day ist wohl der familiennähste, den ich in letzter Zeit gesehen habe. Der Wandel der lebensbejaenden Eltern, die gerne auch mal Risiken eingehen, nur um etwas zu erleben, zu den fürsorglichen Eltern, die ihren Kindern einfach viel verbieten müssen, ist in wenigen Bildern gezeigt, aber dafür gut nachvollziehbar. Während die Idee für den Yes Day ein wenig „Deos Ex Machina“ kommt, ist die Einführung eben dessen gut gelungen. So bewegt sich der Film die ersten 2/3 auf guten Gewässern, ist gleichzeitig witzig und spannend. Dabei werden trotzdem die Charaktere richtig eingeführt, so dass auch die Familienkonstellation über den Yes Day hinaus funktioniert. Das letzte Drittel ist dann das typische Eskalationsmaterial, von dem ich befürchtete, dass es passiert. Also der Teil, in dem einfach alles aus dem Ruder läuft und man als Zuschauer nur noch hilflos zusehen kann, wie die Charaktere sich immer tiefer reinreiten. Ab dem Punkt geht dann auch der Unterhaltungswert des Films deutlich zurück. Letztendlich überzeugt der Film als Gesamtwerk aber doch, auch wenn man das Ende mit wesentlich weniger Fremdschämpotenzial umsetzen könnte.

Scooby

Die Handlung: Als Scooby ein Gyrosspies am Strand klaut, trifft er auf den einsamen und freundlosen Jungen Shaggy. Beide werden sofort die besten Freunden. Als sie an Halloween auf Fred, Velma und Daphne treffen und einen Geist enttarnen, gründen sie die Mystery Inc. Viele Jahre später werden sie getrennt, kurz bevor es jemand auf Scooby abgesehen hat. 

Meine Meinung: Abgesehen von dem einen Realfilm habe ich Scooby-Doo nie so verfolgt. Grob kenne ich die Mystery Inc und die Charaktere, so dass ich neulich an einem ruhigen Nachmittag durch Sky schaltete und mich Scooby als Welpe anlächelte. So gab ich dem Film eine Chance. Grundsätzlich ist der Film genau das, was ich erwartet habe. Eine lockere Nachmittagsablenkung. Ein paar gute Witze, tolle Charaktere, ein paar Sachen vielleicht zu abgefahren, aber vor allem kein allzugroßer Anspruch, um die Handlung zu verfolgen. Und das ist in erster Linie positiv gemeint. Shaggy und Scooby sind auch hier einfach ein wunderbares chaotisches Team und schaffen es irgendwie aus jeder Situation wieder raus. Die Handlung ist spannend, bietet einige Überraschungen und setzt die Witze an die richtige Stelle. Antagonist und einige Nebencharaktere sind zwar ziemlich überzeichnet, aber auch das funktioniert gut – auch wenn die süßen kleinen Roboter Sidekicks schon sehr an die Minions angelehnt scheinen.

A most wanted man

Die Handlung: Günther Bachmann ist Strippenzieher einer halboffiziellen Spionageeinheit in Hamburg. Als dort der Flüchtling Issa Karpov, halb Russe, halb Tschetschene, auftaucht, schlägt die Einheit Alarm. Vorsichtig versuchen sie sich ihm zu nähern, doch auch andere Einheiten sind an Karpov interessiert. 

Meine Meinung: Der letzte Film mit Phillip Seymour Hoffman lag sehr lange auf meinem SuF (=Stapel ungesehener Filme). Im Rahmen meiner 21 für 2021 Challenge, habe ich ihn nun von eben diesem befreit. Leider hat er mir gar nicht zugesagt. Grundsätzlich fand ich die Ausgangskonstellation mit der Spionageeinheit in Hamburg interessant. Auch der Cast mit Hoffman, Rachel McAdams und Willem Dafoe klang gut, so dass ich einen Blick wagen wollte. Die Umsetzung ist leider ganz schön zäh, was vor allem daran liegt, dass man nur wenig von dem, was vor sich geht, versteht. Denn anstatt irgendjemandem irgendetwas zu erklären hat Hoffmans Rolle natürlich den großen Plan, legt sich ringsrum mit allen anderen Abteilungen an und hetzt wild von A nach B. Der Zuschauer selbst muss dann anhand der Reaktionen der anderen Agierenden herausfinden, was eigentlich gerade passiert. Das funktioniert auch nur so semi, so dass die Wendungen einen völlig unvorbereitet treffen, weil man einfach nicht versteht, wann genau in der Handlung etwas schief gelaufen ist.

Habt ihr einen Film davon gesehen? Wie fandet ihr ihn?

Eine Handvoll Bücher – Pride Month Ausgabe

Es ist Juni und damit Pride Month. Bedeutet, dass jedes Jahr im Juni die LGBTQIAP+ Gemeinde zu verschiedenen Veranstaltungen, inkl. dem Christopher Street Day, aufruft und so für ihren Kampf auf Gleichberechtigung aufmerksam macht. Beginnend waren die Stonewall Unruhen von 1969, die als Beginn des Kampfes für Rechte und Gleichberechtigung angesehen wird. Wir haben seitdem einen wunderbaren Wandel in vielen Ländern erlebt, aber noch immer sind wir weit von realer Gleichberechtigung entfernt. In diesem Beitrag soll es um ein paar Lesetipps gehen, die sich mit LGBTQIAP+ befassen. Es handelt sich lediglich um eine kleine Auswahl, gerne könnt ihr mit eure liebsten Bücher zu diesem Thema nennen.

Und ich leuchte mit den Wolken

Die Handlung: Lilou reist nach Paris, um ihre französischen Wurzeln zu erforschen. Dabei trifft sie auf Mignon. Zwischen beiden ist sofort eine Anziehung, doch gerade Mignon möchte sich das nicht eingestehen. 

Warum das Buch so wichtig ist: Und ich leuchte mit den Wolken spricht gleich mehrere Themen an. Zum einen die Unterscheidung von Bisexualität und Pansexualität. Wie es sich anfühlt pan zu sein, welche Probleme es mit sich bringen kann (durch Vorurteile unaufgeklärter Menschen) und welche Ängste es birgt. Dafür haben wir mit Lilou eine wunderbar nahbare Protagonistin. Und dann haben wir Mignon, die sich sicher war hetero zu sein, bis sie auf Lilou trifft. Im Buch stellt sie ihre Sexualität in Frage und überlegt, welches Label am besten zu ihr passen würde. Wozu wir zum nächsten Thema kommen: Sind Labels notwendig? Braucht jede*r ein Label, wenn er*sie sich einfach verliebt hat? Und genau diese Vielzahl an Themen verwebt mit einer absolut tollen Liebesgeschichte, die einen tief im Herz berührt vor der wundervollen Kulisse Paris.

Rowan & Ash

Die Handlung: Rowan ist seit seiner Kindheit mit der Kronprinzessin von Iriann, einer Insel, die einst von den Magiereserven aus dem mysteriösen Schattenlabyrinth profitierte, verlobt. Nun steht die Hochzeit bald bevor. Doch es gibt zwei Probleme. Zum einen droht die dunkle Königin aus dem Schattenlabyrinth zu erwachen und es wird überlegt, dieses zu versiegeln, was aber große Auswirkungen auf den Einfluss der Insel hätte. Zum anderen liebt Rowan jemand anderen. Allerdings nicht seine beste Freundin Raven, was ihm gerne unterstellt wird, sondern den Königssohn Ash.

Warum das Buch so wichtig ist: Helden in Fantasy-Büchern sind immer stark, mutig und hetero. Und dann kam Christian Handel und präsentierte uns in Rowan & Ash den wohl nachvollziehbarsten Helden seit langem. Rowan überlegt, geht taktisch vor und weiß, wann er bei einem Kampf keine Chance hat. Schon allein das bricht mit allen gängigen Klischees auf wunderbare Weise. Hinzu kommt, dass er sich in Ash verliebt hat. Homosexualität in einer Fantasywelt, die dem Thema kritisch gegenübersteht. Wir haben hier also nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch einen Helden, der für sich und seine große Liebe kämpft. Und dabei ist seine Sexualität vollkommen egal. Ich kann dieses Buch nur jedem Fantasy-Fan ans Herz legen!

Someone New

Die Handlung: Micah kommt aus gutem Haus und beginnt ihr Jurastudium, um ihren Eltern zu gefallen, die erfolgreiche Anwälte sind. Doch ein Schatten liegt über der Familie, da Micahs Bruder Adrian nach seinem unfreiwilligem Outing verschwunden ist. Eigentlich würde Micah lieber Kunst studieren, aber damit würde ihre Hoffnung auf eine wiedervereinte Familie entgültig zerstört werden. Dann trifft sie auf ihren Nachbarn Julian, der seltsam verschlossen wirkt. Doch Micah lässt nicht locker.

Warum das Buch so wichtig ist: Das ist etwas schwierig zu beschreiben, ohne das LGBTQIAP+ Thema zu verraten. Da dies aber ein großer Spoiler wäre, versuche ich es zu umschiffen. Schön ist hier, dass wir lange Zeit annehmen, dass es sich um eine New Adult Geschichte handelt, wie wir sie schon in einer Vielzahl kennen. Bis wir eines besseren belehrt werden. Der Umgang mit dem Thema ist nachvollziehbar und realistisch. Leider nach hinten raus etwas kurz gehalten, aber dennoch absolut lesenswert!

Rosen & Knochen

Die Handlung: Rosalie und Muireann sind Dämenjägerinnen. Unter den Decknamen Schneeweißchen und Rosenrot ziehen sie umher und nehmen Aufträge an. Diesmal zieht es sie in den Wald zu einem Hexenhaus. Die Hexe soll getötet worden sein, doch noch immer spukt etwas in diesem Wald umher. Doch Rose und Muireann merken schnell, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Warum das Buch so wichtig ist: Ich habe lange überlegt, ob ich noch ein zweites Buch von Christian Handel mit reinnehme. Aber ich wollte unbedingt noch ein zweites Fantasy-Buch nehmen und dann sollte das LGTBQIAP+ Thema auch eine*n der Protagonist*innen betreffen – weswegen leider das Buch der gelöschten Wörter rausfiel. Diese Märchenadaption basiert auf der Prämisse, dass Schneeweißchen und Rosenrot keine Geschwister sind, sondern ein Dämenjägerpaar. Und Paar ist hier auch im romantischen Sinne gemeint. Das zeigt zum einen zwei willensstarke Frauen, die es mit Hexen aufnehmen und das Klischee von der zu rettenden Frau brechen und zeitgleich auch wieder, dass Homosexualität in der Fantasy möglich ist ohne irgendwelche Einschränkungen zu haben. Bitte mehr davon!

Ich bin Linus

Die Handlung: Linus Giese ist trans. Das dies in der aktuellen Gesellschaft noch immer nicht leicht ist, aber sein sollte, nimmt Linus uns hier mit auf seine ganz eigene Reise, um Vorteile abzubauen und den Weg ein Stück weit zu ebnen, für eine Gesellschaft in der trans sein, ganz normal ist.

Warum das Buch so wichtig ist: Zum Abschluss gibt es noch ein Sachbuch von mir. Einfach weil LGBTQIAP+ Themen in die Belletristik aufzunehmen und somit eine Selbstverständlichkeit dafür zu schaffen eine Seite ist. Aber die direkten Erfahrungsberichte und damit Missverständnissen und Vorurteilen zu begegnen und sich damit auseinander zu setzen, noch einmal die andere. Und genau das schafft Linus hier. Er erzählt nicht nur seine Geschichte, sondern geht auch auf alltägliche Dinge ein, über die man selbst vielleicht nicht nachdenkt, die trans Menschen aber verletzen können. Dabei weist er stets daraufhin, dass er es nur aus seiner Sicht erzählen kann und andere es anders empfinden können. Wer also seine eigenen eingefahrenen Denkmuster überdenken will, der findet hier genug Denkanstößte.

Was sind eure Bücher zum Thema Pride? Gerne her mit dem Empfehlungen!

 

Eine Handvoll Bücher – 3/21

Herzlich Willkommen zur dritten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Begegnungen, Göttinnen, einer besonderen Schule, einer Menge Gedanken und einer Verfolgungsjagd durch die Galaxie.

Die Schönheit der Begegnung – Frank Berzbach

Die Handlung: Autor Frank Berzbach erzählt wie er seine Freundin kennengelernt hat. Und zwar in 32 Variationen und am Ende weiß man nicht, welche die richtige ist. Doch eins eint sie alle: Sie feiern die Begegnung und den Prozess des Verliebens.

Meine Meinung: Ich war vor dem Kauf gleichzeitig fasziniert und skeptisch. Mich interessierte die Idee, doch ich war mir unsicher bei der Umsetzung. Ich bin auf das Buch über eine andere Bloggerin gestoßen, von der ich weiß, dass sie gerne mal richtig gute Geheimtipps raushaut, wir ansonsten aber nicht die größten buchigen Berührungspunkte haben. Doch dann hat meine Neugier überwogen und was soll ich sagen: Es war eine sehr gute Entscheidung. Denn Frank Berzbach schafft es einem hier von der ersten bis zur letzten Geschichte in den Bann zu ziehen. Jede hat ihre ganz eigene Besonderheit, auch wenn sich die grundsätzlichen Charaktereigenschaften nie ändern, so ändern sich doch die Gegenbenheiten. Und doch scheint selbst die extremsten Gegenteile noch wunderbar zu den beiden Personen zu passen. In jeder Geschichte liegt so viel Gefühl, dass man sich wünscht, dass jede auf ihre eigene Art wahr wäre. Besonders schön fand ich auch, dass es hier selten eine Verklärtheit der Liebe gab. Es gab kein „Ich sah ihr in die Augen und da war es um mich geschehen, ich war Hals über Kopf verliebt“, sondern es waren mehr diese sofortige Vertrautheit, diese Unbeschwertheit, eben dieses Besondere, was wir uns für die ersten Begegnungen wünschen. Nach diesem Buch glaubt man an die wahre Liebe noch einmal stärker, als bei den meisten Liebesromanen auf dem Markt. Wer sich also mal auf etwas völlig anderes, aber unglaublich schönes, unglaublich magisches, einlassen möchte, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen!

Die Göttinen von Otera 1 – Golden wie Blut – Namina Forna

Die Handlung: In Otera werden Frauen unterdrückt. Doch sollten sie golden bluten, so werden sie als Dämonen verdammt und zum Tode verurteilt. So ereilt es auch Deka, doch ein Dekret vom Kaiser rettet sie. Statt hingerichtet zu werden, soll sie nun einer Armee aus ihresgleichen beitreten. Dabei erfährt sie jedoch einiges und muss langsam aber sicher ihre Stellung als Frau in Frage stellen.

Meine Meinung: Das war ein Buch, bei dem ich einige Zeit überlegt habe, ob ich es kaufe oder nicht. Es gibt Bücher, da weiß ich es sofort und es gibt Bücher, bei denen ich zögere. Dies ist also so ein zögerliches Buch. Mich hat die Geschichte gleichzeitig angezogen und abgeschreckt, einfach weil Otera so gleich und doch so anders klang, als vergleichbare Fantasy. Mich faszinierte es, weil es von afrikanischen Kulturen inspiriert zu sein scheint, von denen ich gerne viel mehr lesen würde, gleichzeitig gab es aber den Aspekt der unterdrückten Frauen, die zwar unbedingt angesprochen werden wollte, doch ich wusste nicht, ob es mich beim lesen zu sehr aus meiner Komfortzone reißen würde und ob ich das wollte. Letztlich habe ich mich dazu entschieden und kann euch sagen, die Geschichte hat es in sich. Der Hass, der Frauen und vor allem Frauen mit goldenem Blut entgegenschlägt ist sehr hart und einige Szenen fand ich sehr schwer zu verdauen. Durch den Erzählstil wurde ich gleichzeitig immer wieder gut in die Welt hineingesogen und doch musste ich mich immer wieder überreden weiter zu lesen. Das hängt vor allem mit den großen Zeitsprüngen zusammen, die die Geschichte auseinander reißt und unvollständig wirken lässt. Viele Anspielungen, Fragen werden aufgemacht und dann kommt der nächste Zeitsprung, so dass man gefühlt nur die Hälfte beantwortet bekommt. Dann kommt hinzu, dass das Buch mit knapp über 500 Seiten für den Auftakt einer Trilogie sehr lang ist. Einiges wirkt unnötig gestreckt, während die Handlung insgesamt zu kurz zu kommen scheint. Dennoch bin ich sehr gespannt auf die nächsten Teile, denn das Ende macht Hoffnung auf das, was da noch kommen kann.

Beastsoul 1 Sternenlicht – Juliana Fabula

Die Handlung: Finya erfährt, dass sie eine Beasttamerin ist und daher fortan in Nebula Asteri auf die Schule gehen wird. Zusammen mit Leonel ihrem Partner soll sie ihre elementaren Fähigkeiten kontrollieren lernen. Doch Leonel denkt gar nicht daran, mit ihr zusammen zu arbeiten. Doch mit ihren Freunden versucht sie trotzdem irgendwie das Schuljahr zu meistern.

Meine Meinung: Juliana Fabula ist eine dieser grundsympathischen Menschen, die ich auf Twitch entdecken durfte. Neben ihre Kreativ- und Co-Working-Streams erzählt sie auch ab und an von ihrem Autorinnenleben. Und ihre „Anpreisungen“ ihres Buches machten mich so neugierig, dass es einfach bei mir einziehen musste. Zumal die Idee von einer Schule hinter den Sternen und das ganze dann auch noch mit den Elementen und verschiedenen Tierverwandlungen gemischt, klang total nach meinem Buch. Auch hier bin ich ein wenig über die Länge mit 450 Seiten für den Auftaktband gestolpert, zumal die Seiten sehr eng bedruckt sind. Und doch wollte ich das Buch unbedingt mögen und kann zumindest sagen, dass mir die Grundgeschichte auch gefallen hat – ihr hört hier schon das aber, oder? – aber sowohl der Erzähl- als auch der Schreibstil so gar nicht. Das liegt vor allem daran, dass ich der Protagonistin ihr Alter von 17 Jahren einfach nicht abkaufe. Sie verhält sich absolut naiv und gefühlsmäßig eher wie eine 12-jährige. Dafür passieren ihr aber auch immer wieder Sachen, die hat selbst Harry Potter in seinem ersten Jahr nicht erlebt. Auch das Gezicke ihres Partners Leonel war irgendwann einfach nicht mehr aushaltbar. Ab einem gewissen Punkt, hätte man halt die Gründe für sein Handeln gebraucht, weil so waren sie nicht nachvollziehbar. Auch die Geschichte drum rum, hat sich einfach viel zu sehr gezogen, weil es eben partout das gesamte erste Schuljahr sein musste, was beschrieben wird. Es gab immer mal wieder Andeutungen über eine Verschwörung und zwischendurch auch richtig spannende Kämpfe, aber es mangelte an Informationen, stattdessen wurde man mit Füllstoff überrollt. So sehr ich das Buch mögen wollte, so enttäuscht war ich.

Biss zur Mitternachtssonne – Stephenie Meyer

Die Handlung: In Biss zum Morgengrauen (Twilight) erfuhren wir, wie Bella und Edward sich kennengelernt haben. Jetzt ist es Edward, der uns die Geschichte noch einmal aus seiner Sicht erzählt. 

Meine Meinung: Wirklich gebraucht hat es die Geschichte wohl nicht, auch kommt sie sehr lange nachdem der Hype um die ursprüngliche Buchreihe wieder abgeflaut ist. Auch das nächste Problem war bereits hausgemacht: Die Geschichte war bereits bekannt und bereits in Biss zum Morgengrauen erklärte Edward immer wieder sein Verhalten, es war für den Leser also ab einem bestimmten Punkt kein Rätsel mehr, was er dachte und warum er sich so verhalten hat. Dennoch hätte der Perspektivwechsel noch ein paar neue Aspekte einbringen können. Mehr Informationen über das Zusammenleben mit den anderen Familienmitgliedern, mehr über die Zeit, als er sich vor Bella versteckte, vielleicht sogar ein paar noch unbekannte Errinerungseinschübe. Nun all das gab es, allerdings sehr rar gesäht und nicht in dem Ausmaß, in dem man es sich gewünscht hätte. Stattdessen bekommt man eine Nacherzählung der bekannten Geschichte und das mit sehr vielen Gedanken Edwards. Könnte man meinen, dass das fast 850 Seiten starke Buch noch mehr erzählt, als der ca. 500 Seiten lange erste Teil, so sucht man auch hier vergeblich. Das Buch endet an der gleichen Stelle, nur, dass wir noch einmal 350 Seiten zusätzlich zur bekannten Geschichte haben. Eins muss man Autorin Stephenie Meyer lassen, sie schafft es trotz allem, dass man das Buch locker leicht weglesen kann. Erst hinterher fragt man sich, ob die ganzen Gedanken nötig waren und was man sich viel lieber gewünscht hätte. Beim Lesen selbst ist man wieder mittendrin. Und machen wir uns bei Stalker Edward nichts vor und auch Bella stolpert noch immer sehr schnell und sehr naiv in die Beziehung, doch irgendwo ist der alte Flair noch enthalten. Allerdings brauche ich auch nicht noch einen weiteren Band aus Edwards Sicht.

Star Wars – Tarkin – James Luceno

Die Handlung: Großmoff Wilhuff Tarkin soll den Bau einer mobilen Kampfstation überwachen, als diese angegriffen wird. Seinen Bericht soll er direkt vorm Imperator ablegen und wird daraufhin zusammen mit Darth Vader auf eine Mission geschickt, die schon bald in einer galaktischen Verfolgungsjagd endet.

Meine Meinung: Über vier Jahre lag dieses Buch nun auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher)  und gehörte damit zu meinen größten SuB-Leichen. Es war ein Geburtstagsgeschenk eines Freundes, der sehr wohl wusste, dass ich die Filme aus dem Star Wars Universum sehr mochte, allerdings nicht bedacht hat, dass ich Sci-Fi sehr ungern lese. Nun wollte ich es im Rahmen meiner 21 für 2021 endlich vom SuB runter haben. Letztlich war es auch ein gut geschrieber, spannend erzählter und auch vielfältiger Roman. Man erfährt mehr über Tarkin, seine Denkweise, seine Kindheit und seine Karriere. Die Verfolgungsjagd ist spannend, größeren Star Wars Fans werden wohl auch die Planeten noch mehr sagen. Erzählerisch verfolgt man hauptsächlich die Sichtweise von Tarkin, doch auch Darth Vader und der Imperator kommen zu Wort. Zeitlich befinden wir uns nach den Klonkriegen, am Anfang des Imperiums. Und auch, wenn wie gesagt objektiv es sich um einen guten Roman handelt, so hat er mich einfach nicht abgeholt. So gerne ich auch Star Wars mag und Tarkin ein interessanter Charakter ist – ansonsten hätte ich es wohl auch nie gelesen – das Buch war einfach nicht mein Fall. Aber hey, wenn dies hier ein Star Wars Fan liest, der auch gerne Sci-Fi in Buchform verschlingt, für den ist dies auf jeden Fall eine Empfehlung!

Habt ihr eins oder mehrere der Bücher gelesen? Wie fandet ihr sie?

Eine Handvoll Serien – 3/21

Herzlich Willkommen zur dritten Ausgabe der serientastischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einer Freundschaft seit Kindertagen, einer magischen Parallelwelt, einer Country Sängerin als Nanny, ein Einblick in die unteren Decks und einer Entdeckung von Hexen.

Immer für dich da – Staffel 1

Die Handlung: Tully Hart (Katherine Heigl), eine erfolgreiche Talk-Show Moderatorin und Kate Mularkey (Sarah Chalke), Hausfrau und mitten in der Scheidung, sind seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen. Während Tully aus schwierigen Verhältnissen mit ihrer drogensüchtigen Hippie-Mutter kam, ist Kate sehr behütet aufgewachsen. Doch trotz aller Gegensätze sind sie immer für einander da.

Meine Meinung: Immer für dich da erzählt die Geschichte einer Freundschaft auf drei Zeitebenen. Zum einen die Jugend der beiden, dann ihre erste Zeit in der Medienbranche und schließlich die Gegenwart (zeitlich Anfang der 2000er), in der Tully ihre Karrieredurchbruch schon hinter sich hat und Kate mit ihrer Scheidung und dem Wiedereintritt in die Medienbranche hadert. Nach dem Trailer habe ich gezögert, ob die Serie wirklich etwas für mich ist, weil ich kein großer Fan von reinen Dramaserien bin. Mich hat letztlich die Prämisse der Freundschaft und der Originaltitel „Firefly Lane“ überzeugt. Leider war letztlich mein erster Eindruck richtig. Denn die Serie findet keinen richtigen Rhythmus, sondern springt in den Zeiten hin und her und zeigt nur, wie sich die beiden Freundinnen immer wieder streiten – teilweise auch aus vollkommen nachvollziehbaren Gründen – und sich dann wieder vertragen. Viele Entwicklungen gerade aus der Vergangenheit werden durch den Gegenwartszeitstrang vorweggenommen, weswegen sie einfach nicht überraschend kommen. Lediglich die Dynamik der beiden Protagonistinnen hält die Zuschauenden bei der Stange. Leider tritt sehr schnell das ein, was ich an Dramaserien nicht mag: Es passiert zu schnell zu viel. Grundsätzlich finde ich die angesprochenen Themen gut und auch wie damit umgegangen wird. Aber es ist in der Masse einfach zu viel. Und dann hat man sich durch die ganze Staffel mit 10 Folgen mit je ca. 50 Minuten Lauflänge gequält um ein so offenes Ende mit Cliffhanger zu bekommen, dass man beinahe gezwungen wird, eine mögliche zweite Staffel zu sehen. Ob ich der Serie dann aber noch einmal eine Chance geben würde, bleibt abzuwarten.

Immer für dich da ist seit dem 03.02.2021 auf Netflix verfügbar

Willkommen im Haus der Eulen – Staffel 1

Die Handlung: Luz Noceda war eigentlich auf dem Weg in ein Sommercamp für schwierige Teenager, in das sie ihre Mutter schicken wollte, nachdem sie in der Schule vermehrt auffällig wurde, da sie eher in einer eigenen Fantasy als der Realtät zu leben scheint. Doch unterwegs folgt sie einer Eule und stolpert prompt durch ein Portal in eine andere Welt. Dort trifft sie auf die Eulenlady und Hexe Eda und ist so fasziniert von der Welt, dass sie beschließt zu bleiben. Und obwohl Menschen keine Magie ausüben können, nimmt die bei Eda Unterricht.

Meine Meinung: Manche Serien darf man auf keinen Fall nach ihrer Pilotfolge beurteilen. Als mir meine beste Freundin ganz begeistert von ihrer Neuentdeckung erzählt hat, habe ich ihr vertraut. Gefiel mir doch schon „Willkommen in Gravity Falls“ sehr gut, bei der Showrunnerin Dana Terrace ebenfalls ihre Finger im Spiel hatte. Doch nach der ersten Folge hätte ich beinahe aufgehört, weil es mir ein einziges Chaos war und ich bis auf wenige Figuren nichts mehr der Serie anfangen konnte. Doch ich hielt durch und ab Folge 3 wurde es merklich besser, bis ich gänzlich dem Sog der Serie erlag und innerhalb von drei Tagen die erste Staffel mit 19 Folgen je ca. 23 Minuten durchgebinged habe. Denn Willkommen im Haus der Eulen bietet nicht nur eine völlig faszinierende Parallelwelt voller Überraschungen und Gefahren, sondern auch liebenswerte Charaktere. An manche musste man sich vielleicht erst gewöhnen, aber andere hat man sehr schnell ins Herz geschlossen – ich sag nur Edas dämonischen Mitbewohner King. Vieles ist auch sehr abgedreht, aber letztlich immer in einem guten Maß (außer halt in der Pilotfolge). Wer mit der Serie anfangen will, den erwartet eine abgefahrene Welt, aber doch irgendwo im Stile anderer Disneyserien.

Willkommen im Haus der Eulen ist seit dem 31.08.2020 auf Disney+ verfügbar

Country Comfort – Staffel 1

Die Handlung: Bailey (Katherine McPhee) ist Countrysängerin von ganzem Herze und sing in der Band ihres Freundes. Als dieser nicht nur mit ihr Schluss macht, sondern sie auch aus der Band wirft und gegen seine neue jüngere Freundin austauscht. Als sie vor der Situation fliehen will, bleibt auch noch ihr Wagen liegen. Auf der nächstgelegegen Farm trifft sie auf Familie Haywood, die sie für ihre neue Nanny halten. Trotz aller Erklärungsversuche Baileys wird sie eingestellt und stellt kurz darauf fest, dass die Mutter vor nicht allzulanger Zeit gestorben ist und die Kinder sich nicht an die neue Freundin ihres Vaters gewöhnen wollen. Umso schneller schließen sie Bailey ins Herz, die nun nebem dem Nannysein versucht ihre Solokarriere voranzutreiben.

Meine Meinung: Country Comfort umfasst bisher eine Staffel mit 10 Folgen mit einer Länge zwischen 20 und 30 Minuten. Der Einstieg in die Serie ging sehr flott, so dass man sich schnell  auf der Ranch von Familie Haywood wiederfindet. Hier gibt es einen kurzen Zeitpunkt der Überforderung, wenn man versucht sich die Namen der fünf Kinder zu merken. Aber auch das ist schnell überwunden, so dass man sich auf die Handlung konzentrieren kann. Zumal die Kinder, auch wenn sie bewusst mit einem gewissen familienähnlichen Aussehen gecastet wurden, sich durch ihren Charakter stark unterscheiden. Dadurch findet man leicht in die Serie rein, zumal jeder Charakter die Handlung auf eine bestimmte Weise vorantreibt. Als Sitcom funktioniert die Serie größtenteils sehr gut. Es gibt pro Folge einige gut pointierte Witze, die einen instant lachen lassen und so hat man das Gefühl, dass die Serie gute Laune verbreitet. Das Problem ist eher, dass die Serie trotz der herzlichen Charaktere, an vielen Stellen sehr gestellt wirkt. Man kann einfach die gesamte Handlung sehr gut vorhersehen, vor allem die in den einzelnen Folgen. Dadurch passiert wenig überraschendes. Wen das nicht stört, dem garantiere ich ein paar erheiternde Minuten mit der Haywood-Familie.

Country Comfort ist seit dem 19.03.2021 auf Netflix verfügbar

Star Trek: Lower Decks – Staffel 1

Die Handlung: Es ist viel zu tun auf der USS Cerritos, einem eher unbedeutenderen Schiff der Sternenflotte. Das alles reibungslos funktioniert liegt wohl vor allem an den Ensigns, die auf den unteren Decks arbeiten, weit entfernt von der Brücke. Diesmal geht es um die Abenteuer dieser Crew.

Meine Meinung: Gefühlt schießen seit neuestem nach dem Erfolg von Rick & Morty immer mehr Animationsserien aus dem Boden, die weniger kinderfreundlich sind, sondern eine sehr derbe Sprache haben. Star Trek: Lower Decks gehört dazu. Sobald man sich damit arrangiert hat, dass sie ganz anders als die bekannten Star Trek Serien ist und bekannte Muster auch gerne mal auf die Schippe nimmt – aber immer mit einem liebevollen Zwinkern – findet man sich in einem Team voller witziger und einzigartiger Charaktere wieder. Und auch, wenn man einiges von der Brückencrew erfährt, auch wenn diese absichtlich sehr klischeehaft dargestellt wurde, liegt der Fokus doch auf den Ensigns und den unteren Decks. Also genau die, die in den bisherigen Serien immer dann eingeblendet wurden, wenn das Schiff angegriffen wurde und man darstellen wollte, dass das ganze Schiff durchgeschüttelt wurde. Und das ist nicht nur ein interessanter Einblick in die unbekannteren Regionen, sondern eben auch sehr witzig, weil hier sehr viel schief geht. Wer also mal einen neuen Blick wagen und sich von den derberen Dialogen nicht abschrecken lässt, der wird hier bestimmt fündig.

Star Trek: Lower Decks ist seit dem 22.01.2021 auf Prime Video verfügbar

A Discovery of Witches – Staffel 1

Die Handlung: Diana Bishop (Teresa Palmer) ist eine brilliante Historikerin, die sich gerne mit dem Themebereich Alchemie befasst. Das liegt wohl daran, dass sie aus einer Familie von Hexen und Hexern abstammt, selbst aber eher unterbewusste Fähigkeiten hat. Als sie eines Tages ein seltenes Buch in der Bibliothek ausleihen kann, sind auf einmal alle Wesen an ihr interessiert. Vor allem der Vampir Matthew Clairmont (Matthew Goode) hängt seitdem an ihr. Doch wer will ihr wirklich helfen und wer sucht nur nach einem Weg einen Vorteil gegenüber der anderen Spezies zu gewinnen?

Meine Meinung: Ich habe mich lange nicht mehr an Serien (oder auch Bücher und Filme) gewagt, in denen Vampire vorkommen, war das Thema doch sehr ausgelaugt worden durch die letzten Jahre. Doch nach einigem Zögern gab ich a Discovery of Witches eine Chance – und wurde sowohl überrascht, als auch enttäuscht. Denn die Serie selbst schafft mit ihren Hexen, Vampiren und Dämonen eine spannende Welt, mit eigenen Regeln, über die man gerne mehr erfahren möchte, und die einen bei der Stange hält. Die ständig neuen Entwicklungen und Wirrungen der vorhandenen Charaktere sind gut ausgearbeitet und bieten sowohl Spannung als auch überraschende Wendungen. Dabei wird in vielen Fällen auf gängige Klischees verzichtet, wenn sie auch nicht gänzlich vermeidbar sind. Wesentlich störender war die sich viel zu schnell entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Diana und Matthew, die an vielen Stellen sehr gestellt wirkt, auch wenn Matthew Goode alles dran setzt und dagegen anspielt. Ein Problem könnte auch Teresa Palmer sein, die mir ihre Diana Bishop leider sehr platt präsentiert und sich so auch zwischen den beiden Charakteren keine richtige Chemie aufbaut. So war ich während des Sehens gefangen zwischen „Erzählt mir mehr“ und einem genervten Augenrollen, wenn statt neuer Entwicklungen lieber ein wenig Süßholzgeraspel eingefügt wurde. Der zweiten Staffel werde ich aber dennoch wahrscheinlich eine Chance geben.

A Discovery of Witches ist aktuell bei Sky Ticket enthalten

Habt ihr eine davon gesehen? Wie hat sie euch gefallen?

Eine Handvoll Serien – 2/21

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der serientastischen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Einer eisernen Lady, Sirenengesang, einem unwiderstehlichem Duke, Musik im Kopf und albernem Bingen.

The Crown – Staffel 4

Die Handlung: Wir sind in den 1980er Jahren angekommen und es wird eisern in Großbritannien. Denn Margaret Thatcher wird Premierministerin. Gleichzeitig tritt Diana Spencer in Charles Leben. Auf jeden Fall wird es wieder dramatisch im Hause Windsor.

Meine Meinung: Man könnte meinen, dass der Serie nach drei starken Staffeln irgendwann die Luft ausgeht. Doch eher das Gegenteil ist hier der Fall. Denn gerade weil sich die Handlung der Gegenwart nähert. bzw ein Stadium erreicht hat, an dass sich manche vielleicht erinnern, und anderen durch noch immer vielen Berichten darüber, doch noch bekannt sind. Allein die Bilder der Hochzeit von Charles und Diana sind wohl für viele noch allgegenwärtig. Aber auch die Zeit als Margaret Thatcher Premierministerin war, ist vielen noch geläufig – zumindest geläufiger als Churchills Regierung zu Beginn der ersten Staffel. Aber natürlich stehen auch diesmal wieder die großen Dramen im Vordergrund. Hier wird wieder gut die Balance gehalten zwischen Folgen, wo das Drama überwiegt, Folgen wo das politische überwiegt und Folgen, die Einzelereignisse behandeln. Schauspielerisch ist Gillian Anderson als Margaret Thatcher zum Cast gestoßen, die die Frau gebührend in all ihren Facetten darstellt und dem gesamten Cast in nichts nachsteht. Einziger Wermutstropfen der Staffel ist, dass wir uns nicht nur von Anderson, sondern auch vom übrigen Cast verabschieden müssen, da nach zwei Staffeln nun wieder ein Castwechsel ansteht. Allerdings bin ich auch gespannt auf Imelda Stauntons Darstellung der Queen.

Mysterious Mermaids – Staffel 1

Die Handlung: In der Küstenstadt Bristol Cove gibt es schon lange Sagen um Meerjungfrauen. Doch als ein Fischerboot eine richtige findet, steht die halbe Stadt Kopf. Das Militär entführt sie und einen verletzten Zeugen und fängt an Experimente durchzuführen. Währenddessen trifft der Meeresbiologe Ben auf die mysteriöse Ryn, die sich als Schwester der entführten Meerjungfrau entpuppt. Zusammen mit seiner Freundin Maddie versucht er ihre Schwester zu finden und beide wieder ins Wasser zu entlassen.

Meine Meinung: Warum man den Originaltitel ‚Sirens‘ in ‚Mysterious Mermaids‘ unbennen musste, werde ich wohl nie verstehen, aber bevor ich einen langen Monolog darüber halte, warum ich das Wort ‚Meerjungfrau‘ für bedenklich halte, gehen wir gleich mal zur Serie über. Die Grundidee gefiel mir sehr gut und auch das Geheimnisvolle rund um die Sirenen mit den verschiedenen Mythen und Realitäten war gut verwoben. Die Spannung variierte von Folge zu Folge. Ein Kritikpunkt ist, dass die Serie im Prinzip zweigeteilt ist. In der Mitte gibt es ein Ereignis, das ein schönes Ende einer Miniserie hätte sein können. Aber stattdessen wird die Geschichte weiter erzählt und dreht sich ab einer gewissen Stelle auch immer weiter im Kreis. Dennoch gibt es noch spannungsreiche Handlungsstränge, so dass ein gutes Niveau gehalten wird. Ein bisschen weniger im Kreis drehen der Handlung hätte der Serie aber gut getan. Schauspielerisch war alles in Ordnung, aber hier ist auch keiner wirklich hervorgestochen. Im Endeffekt eine Serie, die man mal gucken kann, die aber auch einiges an Potential verschenkt.

Bridgerton – Staffel 1

Die Handlung: 1813 in London. Es ist Ballsaison und neben Daphne aus dem Hause Brigerton, stehen gleich drei Debütantinnen aus dem Haus Fetherington in den Startöchern. Neben dem Urteil der Königin ist aber seit neustem auch das Urteil der geheimnisvollen Kolumnenschreiberin Lady Whistledown von entscheidener Bedeutung. Ihre Klatschgeschichten bilden den Rahmen der Serie.

Meine Meinung: Im Dezember 2020 erschien die Serie auf Netflix und war danach nicht mehr wegzudenken. Als hätte die Bingegemeinschaft auf diesen Mix aus Stolz und Vorurteil und Gossip Girl gewartet, war die Serie auf einmal in aller Munde. Ein erfolgreicher Start und ausufernde Lobeshymnen ließen mich die Serie eher kritisch beäugen. Hatte sie zwar von Anfang an meine Aufmerksamkeit, sagte mir doch die Beschreibung und der Trailer sehr zu, zögerte ich jedoch, da ich merkte, dass sich meine Erwartungen immer weiter erhöhten. Doch schließlich gab ich nach und was soll ich sagen: Die Serie ist wirklich gut! Sie erfüllt genau das, was sie verspricht. Sie peppt praktisch die Eleganz von Stolz und Vorurteil mit allerlei Klatsch auf und verpackt das so spannend, dass man die Serie gut durchbingen kann. Gute Darsteller, gute Portion Drama, Spannung und viele Emotionen vereinen die Serie. Ich kann generell nichts schlechtes zur Serie sagen, allerdings ist es trotzdem fraglich, ob der Hype in der Form, wie es geschah, gerechtfertig ist.

Zoeys Extraordinary Playlist – Staffel 1

Die Handlung: Zoey wollte eigentlich nur ein MRT machen lassen. Doch als sie in der Röhre war, kommt es zu einem Erdbeben. Danach kann sie hören, wie alle Menschen ihre Gedanken und Gefühle heraussingen. Zusammen mit ihrer Nachbarin Mo versucht sie dies zu ergründen und zu verstehen. Schnell merkt sie, dass sie den Leuten helfen muss. Gleichzeitig ist sie hin und her gerissen zwischen zwei Männern, ihrem Job und ihrem Vater, der an einer tödlichen Nervenkrankheit leidet.

Meine Meinung: Über die Serie bin ich relativ zufällig gestolpert, aber schon nach der ersten Folge wollte ich sie nicht mehr missen in meinem Leben. Die Fröhlichkeit der Serie ist einfach ansteckend. Und dabei widmet sie sich mitunter auch sehr schweren Themen. So hat man eine gute Balance zwischen dem Drama, gerade Zoeys Hin- und Hergerissenheit zwischen zwei Männern und den Themen, die einen wirklich mitnehmen können. Dazu gehören zum einen die Selbstzweifel ihrer Nachbarin Mo, die als queerer Charakter mit den typischen Vorurteilen zu kämpfen hat. Diese werden jedoch nicht zu hoch aufgebauscht, sondern in einer Folge respektvoll behandelt. Viel mehr Platz nimmt da Zoeys Vater ein, der an einer tödlichen Nervenkrankheit leidet. Hier geht es um die Liebe der Familie, die den Vater auf seinem Weg begleiten und sich mit dem nahenden Tod abfinden müssen. Es geht um Trauerbewältigung, noch ehe der endgültige Tod eintritt. All das wird von einem wirklich tollen Soundtrack begleitet. Alle Darsteller sind gut ausgewählt und können ihre Lieder gut rüberbringen. Auf jeden Fall eine Sehempfehlung!

Binge Reloaded – Staffel 1

Die Handlung: Ob Serien, wie The Handmaids Tale, Vikings, oder auch diverse Fernsehformate, wie The Masked Singer oder das Traumschiff, vor dieser Serie ist nichts sicher. Eine Gruppe Comedians und Schauspieler*innen haben sich zusammengetan und parodieren wieder einmal querbeet.

Meine Meinung: Switch Reloaded dürfte vielen noch ein Begriff sein, wo diverse Fernsehformate parodiert wurden, mache mehr andere weniger witzig. Mit Binge Reloaded schien diese Idee nun auf das stärkere Streamingverhalten der Zuschauer angepasst zu werden. Und es werden auch einige Serien aufgegriffen. Allerdings wurde größtenteils auch wieder auf Show- und Fernsehformate zurückgegriffen, was allerdings bei Switch Reloaded schon komplett ausgereizt wurde. Dadurch wurde auf jeden Fall einiges an Potential verschenkt. Das nächste Problem ist, dass nur die wenigsten Parodien wirklich witzig sind. Gerade die Fernsehformate wirken in sich schon so überzogen, dass eine Parodie nichts mehr auf die Spitze treiben kann. Lediglich die Varianten von 4Blocks und Two and a half man haben mir wirklich Spaß gemacht. Dafür war aber einfach zu viel dazwischen, was mir gar nicht gefallen hat oder mich einfach nicht abgeholt hat. Wenn man sich hier einmal getraut hätte von platten Attitüden abzukommen, wäre wesentlich mehr möglich gewesen.

Habt ihr eine davon gesehen? Wie hat sie euch gefallen?

Eine Handvoll Bücher – 2/21

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: befreiter Atmung, einem Starbucksbecher, einer Adaption vom Schwanensee, Berlin in den 1920er Jahren und einer Märchenanthologie im Wasser.

Wie die Luft zum atmen

Die Handlung: Liz kehrt nach dem Tod ihres Mannes mit ihrer Tochter in ihr Haus zurück. Doch der Verlust ist noch immer sehr präsent. Dann taucht auch noch Tristan Cole als ihr neuer Nachbar auf, vor dem sie alle warnen. Doch Liz schafft es hinter seine Fassade zu blicken und erkennt, dass er den gleichen Schmerz erleidet, wie sie. Und auf einmal kann sie in seiner Nähe endlich wieder atmen.

Meine Meinung: Zuvor hatte ich schon vieles von Brittany C. Cherry gehört, aber noch nichts von ihr gelesen. Um diese Reihe bin ich schon länger herumgeschlichen, vor allem, weil mir die Titel gut gefallen haben, aber bisher hatte ich mich noch nicht überwunden. Nach dem Lesen weiß ich ehrlich gesagt auch noch nicht so recht, was ich vom Buch halten soll. Aber fangen wir mal ganz vorne an. Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen, er ist flüssig zu lesen und sie beschreibt die Gefühle der Protagonisten sehr gefühlvoll. Der Verlust geliebter Menschen ist mir bisher – zum Glück! – erspart geblieben und doch konnte ich mich durch die Beschreibungen sofort in die Trauerarbeit einfühlen. Die Liebesgeschichte konnte mich dann auch mitreißen und ich habe  das Buch innerhalb weniger Tage verschlungen. Was mich dann aber doch ein wenig gestört hat, ist diese Stadt mit ihren kleinkarierten Bewohnern. Da wäre ich schon lange weggezogen. Aber was mich wirklich gestört hat, war die Auflösung des ganzen am Ende. Das war einfach viel zu überzogen und ging beinahe in den Psychothriller über. Das passte gar nicht mehr zu der sehr ruhigen und bedachten Geschichte über Trauer und eine neue Liebe. Das hätte man sich echt sparen können und ein schönes rundes Ende finden können. Aber nun gut. Ich werde wohl definitiv noch mehr von der Autorin lesen und hoffen, dass die nächsten Bände ein besseres Ende haben.

Ich bin Linus

Die Handlung: Linus Giese ist trans. Das dies in der aktuellen Gesellschaft noch immer nicht leicht ist, aber sein sollte, nimmt Linus uns hier mit auf seine ganz eigene Reise, um Vorteile abzubauen und den Weg ein Stück weit zu ebnen, für eine Gesellschaft in der trans sein, ganz normal ist.

Meine Meinung: Lest dieses Buch! Muss ich noch mehr sagen? Na gut: Als dieses Buch angekündigt wurde, stand für mich fest, dass ich es lesen wollte. Denn auch wenn ich mich sehr weltoffen fühle und mich aktiv für Rechte der LGTBQIA+ Community einsetze, merke ich auch bei mir noch gewisse Denkmuster. Um diese weiter abzubauen, bzw. umzudenken, hilft das Buch wahnsinnig, weil es einfach zum überdenken anregt. Zum Beispiel, dass wir bei Babys automatisch anhand der äußeren Geschlechtsmerkmale auf das Geschlecht tippen. Wichtig zu sagen, was er auch mehrfach erwähnt, ist, dass es sich nur um seine Meinung handelt und seine Erfahrungen und das diese nicht allgemeintauglich auf alle trans Menschen anwendbar sind. Aber immerhin ein Anfang, um einfach Barrieren abzubauen, die gar nicht da sein müssten. Dabei ist das Buch in sinnvolle Abschnitte gegliedert. Erfahrungen und Denkanstöße wechseln sich hier ab. Kurzum: Es lohnt sich das Buch zu lesen!

Schwanenfeuer

Die Handlung: Der junge Jäger Ayden wird vom König geschickt, ihm einen Vogel zu schießen. Doch das ist um diese Jahreszeit gar nicht so einfach. Umso erleichterter ist Ayden als er an einem See einen wunderschönen Schwan findet. Dieser ist jedoch kurz darauf verschwunden und er findet die verwundete Estelle. Schnell kommt er hinter ihr Geheimnis. Sie ist verflucht worden und am Tag ein Schwan und nur in der Nacht in ihrer menschlichen Gestalt. Lediglich ein Stück Papier mit einem Rätsel drauf, kann ihr helfen, den Fluch zu lösen. Ayden bietet seine Hilfe an und kurz darauf sind beide mitten im Abenteuer.

Meine Meinung: Auf Autorin Regina Meißner bin ich tatsächlich über Instragram gestoßen. Ihr Account fiel mir durch ihren süßen Grogu („Baby-Yoda“) auf. Mit Schwanenfeuer habe ich zum ersten Mal etwas von der Autorin gelesen, zumal mich die Idee, das Schwanensee Märchen zu adaptieren, sofort angesprochen hat. Gestrauchelt bin ich dann allerdings über ihren Erzählstil und auch ein wenig über ihren Schreibstil. Ich würde ihn jetzt nicht sofort als schlecht bezeichnen, aber er ist sehr gewöhnungsbedürftig. Woran das genau liegt, ist schwer festzumachen, mir war die Geschichte grundsätzlich ein wenig „zu einfach“ aufgebaut. Ayden findet Estelle und will ihr natürlich sofort helfen, egal, wie abweisend sie ist, und natürlich hat er sofort einen Ansatz auf ihr Rätsel. Die Abenteuer, die danach folgen sind dann teilweise wieder spannend, aber es war auch viel Füllmaterial dazwischen. Dennoch ist es Frau Meißner gelungen mich so sehr in die Geschichte hineinzuziehen, dass ich auf das Schicksal ihrer Schwestern – ebenfalls verflucht – gespannt bin und wohl noch mindestens ein weiteres Buch der Reihe lesen werde.

Der Tod ist ein Tänzer*

Die Handlung: Berlin 1926. Tristan Nowak erhält den Auftrag die Sängerin Josephine Baker bei ihren Auftritten in Berlin zu schützen, da es aufgrund ihrer Hautfarbe viele Anfeindungen gibt. Tristan ist davon wenig begeistert, versucht er doch noch immer die Nachwirkungen des Kriegs zu verdauen. Zeitgleich wird eine neue Gruppierung in Berlin laut, die mit einem Anschlag auf Josephine und ihre Revue das Land auf neuen Kurs bringen will. Schon bald ist Tristan mitten in einer Verschwörung und versucht diese zu verhindern.

Meine Meinung: Der Tod ist ein Tänzer ist der erste Teil der Schwarzen Venus Reihe rund um Josephine Baker. Mit knapp 500 Seiten ist es aber eindeutig zu lang, für die Geschichte, die erzählt wird. So kommt es permanent zu Wiederholungen, die Figuren drehen sich im Kreis und immer wenn man denkt, schlimmer geht es nicht mehr, holt Autorin Veronica Rusch von irgendwo noch einen Hammer her. Hier zeigt sich, dass manchmal eben weniger doch mehr ist. So fühlt sich die Geschichte völlig überladen an und zieht sich doch nur, weil die Spannung nicht richtig aufgebaut wird, weil halt permanent irgendwas passiert. Grundsätzlich bin ich auch einfach nicht die Zielgruppe des Buches. Die aufkommenden Nazibewegungen waren für mich schwer zu greifen. Hier kann man der Autorin allerdings keinen Vorwurf machen. Ihre Recherchearbeit hat sich ausführlich erledigt und schafft es die Stimmung der Zeit gut einzufangen und wiederzugeben. Ein paar weniger Charaktere, ein paar weniger überflüssige Handlungselemente und nach dem ersten großen Knall das Buch vielleicht einfach ausklingen lassen, hätte dem Ganzen durchaus gut getan. So wirkt es einfach nicht rund.

Von Flusshexen und Meerjungfrauen

Die Handlung: Eine Märchenanthologie rund um das Thema Wasser. Von Adaptionen der kleinen Meerjungfrau, über japanische Kappas, bis zu gewaltigen Wasserdrachen. Hier ist einfach alles vertreten.

Meine Meinung: Dies war meine erste Märchenanthologie aus dem Drachenmond-Verlag, aber bestimmt nicht meine letzte. Herausgeber Christian Handel versammelt einige mir bekannte Autoren, aber auch mir (noch) völlig unbekannte. Dabei hatte jeder seine ganz eigene Herangehensweise an das Thema Wasser. Wenn es hier etwas gab, dann Abwechslung. Und auch, wenn mir nicht jede Geschichte zugesagt hat, so waren es eben doch Kurzgeschichten, so dass man nie lange in einer Geschichte „festhing“. Auf jeden Fall ein guter Weg, um neue Autoren zu entdecken, und einfach Abwechslungsreich in verschiedene Märchen abzudriften. Die bisher erschienen Märchenanthologien dürfen bestimmt auch bald bei mir einziehen.

Habt ihr eins oder mehrere der Bücher gelesen? Wie fandet ihr sie?

*Der Tod ist ein Tänzer wurde mir von Jellybook im Zusammenarbeit mit dem Verlag im Rahmen einer Testleseaktion kostenfrei zu Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag daher als Werbung!

Eine Handvoll Filme 1/2021

Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe eine Handvoll Filme in diesem Jahr. Wie konnte es denn passieren, dass wir schon März haben und ich euch noch keine Handvoll präsentiert habe? Heute mit: philosophierenden Philosophen, Cluedo in der Filmvariante, eine Hochzeit, bei der der Schein trügt, ein Thriller voller Erinnerungen und ein Spion beim Geheimdienst.

The Philosophers

Die Handlung: Eine Gruppe aus Philosophiestudenten soll in einem Gedankenexperiment ein Endzeitszenario durchspielen. Jeder bekommt einen Beruf und Fähigkeiten zugeteilt. Nun sollen sie entscheiden, wen sie aus der Gruppe in einen Survivalbunker stecken würden. Für 20 Studenten gibt es nur 10 Plätze, wie werden sie sich entscheiden?

Meine Meinung: Philosophie ist so ein Wissenschaftsstrang, mit dem ich mich noch so überhaupt nicht auseinander gesetzt habe. Dennoch klang der Film grundsätzlich erst einmal spannend. Für den Laien, wie mich, gibt es auch am Anfang noch einmal eine kurze Übersicht der gängigen Gedankenexperimente. So ist man gewappnet, auf das, was als nächstes kommt. Und so ist gerade die erste Runde erst einmal komplett spannend. Zwischendurch vergisst man beinahe, dass es sich nur um ein Gedankenexperiment handelt, da die erzählte Handlung für den  Zuschauer direkt dargestellt wird. Zudem wird so die benötigte Spannung erzeugt. Auch beim zweiten Versuch ist man noch mit dabei, auch wenn man hier schon genervter von den ganzen Beziehungsdramen ist. Die dritte Version ist dann auch die finale und das ist gut so, weil zu dem Zeitpunkt der Zuschauer kurz davor ist vollständig abzuschalten. So richtig packend ist es da schon nicht mehr, da sich die Szenarien auch ähneln. Enttäuschend ist dann noch irgendwo das Ende, wenn die Motive für die ganzen Gedankenexperimente erklärt werden. Das hätte man entweder besser lösen oder ganz weglassen können.

Clue

Die Handlung: In einer stürmischen Nacht treffen sich mehrere Personen in einem alten Herrenhaus. Alle haben sie mysteriöse Einladungen bekommen, keiner weiß, warum er wirklich da ist. Doch sie alle werden erpresst. Eine aufregende Nacht steht bevor, die nicht jeder überleben wird.

Meine Meinung: Ein Film, der auf dem Brettspiel Cluedo basiert Clue zu nennen, leuchtet mir ja durchaus ein und war für mich auch ein interessanter Anhaltspunkt. Warum man ihn im Deutschen mit ‚Alle Mörder sind schon da‘ übersetzen musste, übersteigt mein Verständnis. Aber nun gut, wir haben mit dem alten Herrenhaus schon einmal die perfekte Kulisse für den Film. Für eine gute Atmosphäre ist gesorgt. Was folgt, wirkte auf dem ersten Blick wie ein kunterbuntes Durcheinander und ein hin und her Gerenne im ganzen Haus. Das muss man mögen, aber ich fand es herrlich überzeichnet. Dazu hat auch Tim Curry als Butler Wadsworth einen großen Teil des Slapstickhumor beigetragen. Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß beim Film, weil er sich eben nicht ernst nimmt. Weil er die typischen Waffen aus Cluedo irgendwie geschafft hat unterzubringen. Und weil er irgendwie seinen ganz eigenen Charme hat.

Die Schein-Hochzeit

Die Handlung: Jennifer und Vince treffen auf einer Hochzeit aufeinander und können sich auf den ersten Blick überhaupt nicht ausstehen. Doch beide stellen fasziniert fest, dass so eine Hochzeit eine wahre Goldgrube an Geschenken ist. Kurz darauf stehen beide zwar vor ganz unterschiedlichen Problemen, aber beide brauchen sie dringend Geld. Und so beschließen sie nur zum Schein zu heiraten, die Geschenke abzugreifen und dann wieder getrennte Wege zu gehen.

Meine Meinung: Dass Melissa Joan Hart und Joey Lawrence eine gute Dynamik zusammen haben, beweisen sie in ihrer gemeinsamen Serie Melissa & Joey. Doch vor Start der Serie waren die beiden bereits in ‚Die Schein-Hochzeit‘ zu sehen und bewiesen ihre gute Dynamik. Die Handlung ist sehr einfach gehalten und vieles – gerade das Ende – ist absolut vorhersehbar, aber das macht der Film mit tollen Charakteren, spannenden Sidekicks und kleineren Überraschungen auf jeden Fall wett. Kurzum ist es eine sehr schlichte romantische Komödie, aber dafür eine der besseren Vertreter des Genres, auch wenn das Rad halt nicht neu erfunden wird. Das liegt halt wirklich in vorderster Linie an den beiden Hauptdarstellern, die mit ihrer Dynamik und ihrem überzeugenden Zusammenspiel für eine gute Atmosphäre sorgen. Auch wenn der Film ursprünglich als Fernsehfilm geplant, sehr einfach produziert wurde – in Deutschland lief er im Kino – merkt man es ihm so erstmal nicht an.

Mindscape

Die Handlung: Mindscape ist eine Detektiv-Agentur, die sich darauf spezialisiert hat, in die Gedanken und Erinnerungen der Klienten einzudringen, um dort Hinweise zu finden. John Washington erhält den Auftrag bei Familie Green Therapiesitzungen mit der Tochter Anna abzuhalten. Hier soll er prüfen, ob ihr Stiefvater sie zu Recht in eine Anstalt schicken will. Doch dabei fallen ihm immer mehr Ungereimtheiten auf.

Meine Meinung: Zu Beginn des Films zog ich kurz Vergleiche zu Minority Report, verwarf diese jedoch ganz schnell wieder. Auch wenn es zunächst ähnlich klingen mag, ist die Umsetzung von Mindscape als Psychothriller doch eine ganz andere. Hier lebt der Film vom brillianten und gut nuancierten Spiel von Taissa Famiga, die selbst Mark Strong gegen die Wand spielt. Hier gibt es genug Rätsel zu lösen und doch überrascht die Auflösung. Der stetige Wechsel von ’normalen‘ Szenen und Erinnerungszenen erzeugt eine spannende Atmosphäre, bei der man immer unsicherer wird, wen man trauen kann und wem nicht. Zumal John Washington durch seine eigene Vergangenheit immer mehr zu einem Erzähler wird, bei dem man nicht so richtig weiß, ob er ein zuverlässiger Erzähler ist. Das Ende ist auf jeden Fall – für mich zumindest – unvorhersehbar und bringt den Film noch einmal auf eine ganz neue Ebene. Wer also noch einen guten Psychothriller braucht, dem sei dieser Film empfohlen.

Dame König As Spion

Die Handlung: Control, der Leiter des britischen Geheimdienst, wird nach einem Misserfolg in Budapest in den Ruhestand geschickt und stirbt kurz darauf. Daraufhin wird George Smiley reaktiviert, der den Spion unter den Spionen finden soll. Dabei entdeckt er einen ganzen Haufen an Ungereimtheiten.

Meine Meinung: John le Carré und ich hatten literarisch bisher noch keine Übereinstimmung, soll heißen: ich habe kein Buch von ihm gelesen. Dafür stolper ich immer wieder über Verfilmungen von ihm. Verräter wie wir, war gar nicht meins, die Miniserie The Night Manager fand ich dafür umso gelungener. Nun durfte Dame König As Spion bei mir einziehen, was vor allem dem Cast rund um Gary Oldman geschuldet ist. Der Film ist sehr ruhig angelegt und man wird direkt mit einigen Namen konfrontiert und muss sich schnell die dazu passenden Gesichter merken. Auf jeden Fall sollte man eine Vorliebe für Spionagefilme haben und auch mit dem Setting der 1970er etwas anfangen können, ansonsten ist man hier sehr schnell raus. Leider bin ich gar nicht in die Handlung reingekommen und hatte daraufhin Probleme die einzelnen Schritte und auch die große Auslösung zu verstehen. Was man dem Film auf jeden Fall eingestehen muss, ist, dass er schauspielerisch einwandfrei ist.

Habt ihr einen Film davon gesehen? Wie fandet ihr ihn?

Eine Handvoll Bücher – 1/21

Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe eine Handvoll in der Buchedition. Da ich dieses Format sehr lieb gewonnen habe und es wahrscheinlich weiterhin nutzen werde, habe ich beschlossen das Format jetzt durchzuzählen, damit es einfach ein bisschen übersichtlicher wird. Wir sind also jetzt in Ausgabe 1 in 2021. Diesmal mit viel Ungesagtem, einem Bibliothekskater, Mord im Outback, zwei märchenhafte Dämonenjägerinnen und einer komplizierten Liebe

All das ungesagte zwischen uns – Colleen Hoover

Die Handlung: Morgan hat sich ihr Leben wohl anders vorgestellt, als mit 17 schwanger zu werden. Doch auch jetzt mit Anfang 30 ist Clara das beste, was ihr passieren konnte. Natürlich ist Erziehung nicht immer leicht. Bis ein Unfall ihr Leben komplett auf den Kopf stellt.

Meine Meinung: Ein neuer Colleen Hoover und natürlich habe ich ihn auch direkt nach Erscheinen gelesen – nur um jetzt festzustellen, dass ich gar nicht drüber geschrieben habe. Wenn man Mrs Hoovers Bücher von Anfang an verfolgt hat, merkt man, dass sie immer erwachsener werden. Auch wenn die Themen immer ernst waren, so sind sie es nun noch einmal auf einer ganz anderen Ebene. Da die Geschichte Mutter und Tochter verfolgt, hat man beide Blickwinkel auf die Geschiche und merkt schnell, was es mit dem Titel auf sich hat. Denn eine Menge hätte schnell geklärt werden können, wenn die beiden einfach miteinander gesprochen hätten. Dennoch sind die Beweggründe der Protagonisten, warum sie etwas nicht sagen, immer nachvollziehbar. Und auch, wenn sich die Geschichte mehr um die Folgen des Unfalls dreht, so ist doch auch wieder eine tolle Liebesgeschichte dabei. Einziger Kritikpunkt für mich ist, dass ich Clara zwischendurch sehr nervig fand. Wie sie mit ihrer Mutter umgeht, ist nicht allein mit „Teenager in Trauerphase“ erklärbar. Ansonsten wieder ein stark geschriebenes Buch, spannend, dramatisch, tolle Charaktere und immer wieder unvorhersehbare Wendungen. Es wird wohl nicht mein liebtes Buch von Colleen Hoover, aber es dürfte sich im oberen Mittelfeld einordnen.

Dewey & Ich – Vicki Myron

Die Handlung: Vicky Baron ist Bibliothekarin in Spencer, Iowa. Nach einer besonders kalten Nacht finden sie und ihre KollegInnen in der Klappe der Bücherrückgabe einen Kater. Halb erfroren, fast verhungert, klammert er sich gerade noch so ans Leben. Die Bibliothek und allen voran Vicky nehmen sich dem Kater an. Dewey kommt wieder auf die Beine und lebt fortan in der Bibliothek. Durch seine einmalige Art wird er weit über Iowa hinaus bekannt.

Meine Meinung: Ich habe Katzen und bin auch ansonsten ein Katzenfreund. Das ist auch meinen KollegInnen bekannt. Ende letzten Jahres bekam ich einen Anruf von einer Kollegin. Sie hätte da ein Buch über eine berühmte Katze gelesen und ob sie es mir mal in mein Fach legen sollte. Schulterzuckend stimmte ich zu, es könnte ja nicht schaden. Und so fand ich die Geschichte von Dewey und las mich in die Geschichte ein. Leider ist es eine Geschichte, die nur bedingt als ganzes Buch funktioniert. So sind die Abschnitte über Dewey selbst herzerwärmend, er war wirklich ein einmaliger Kater. Aber das Buch hat eben noch mehr Themen. Zum einen ist es Vicky Barons Leben, das von viel Leid geprägt ist. Die meiste Zeit war der Teil auch spannend, aber so richtig passte er eben nicht zur Leichtigkeit der Dewey-Geschichten. Weitaus unpassender fand ich jedoch die komplette Entwicklungsgeschichte der Stadt. Sie mal mit zu erwähnen, da sie ja auch Auswirkungen auf die Bibliothek hatte, ist ja vollkommen okay. Aber stellenweise artet es in eine lokale Geschichtsstunde aus, das war mir zu viel. Dadurch zieht sich das Buch aber leider auch zwischenzeitlich. Das Buch funktioniert, wenn man weiß, worauf man sich einlässt, aber eben nicht, wenn man glaubt, dass es rein um süße Katzengeschichten geht.

Outback – Chris Hammer

Die Handlung: Rivers End liegt mitten im australischen Outback. Vor einem Jahr erschoss der Pfarrer hier fünf Menschen. Noch immer kennt keiner die Gründe. Der Journalist Martin Scarsden wird in die Stadt geschickt um eine Reportage über das Trauma der Stadt zu schreiben. Doch schnell merkt er, dass es mehr als eine Wahrheit gibt. Und schon bald ist er selbst mittendrin.

Meine Meinung: Ich hab das Buch empfohlen bekommen von Caro von Inkunabel. Während sie gleich betonte, dass man das Buch am besten im Hochsommer lesen sollte, um die klirrende Hitze des Outbacks nachempfinden zu können, hab ich mich für das komplette Gegenteil entschieden. Draußen klirrende Kälte, eventuell sogar ein bisschen Schnee, dass ist für mich die beste Thrillerzeit. Dennoch denke ich, dass Caro im Endeffekt recht hatte. Outback trägt als Untertitel „Fünf tödliche Schüsse, eine unfassbare Tat, mehr als eine Wahrheit“, was das Buch ziemlich gut zusammenfasst. Grundsätzlich ist es auch eine spannende Geschichte und auf jeden Fall eine unerwartete Auflösung. Zwischendurch rennt man so vielen potentiellen Lösungen hinterher, dass es stets eine Menge Spekulationsmöglichkeiten gibt. Das Problem ist, dass für mich der Anfang einfach viel zu lange war. Irgendwo war es zwar notwendig, um alle Charaktere und Handlungsfäden aufzubauen, aber wirklich reingekommen bin ich erst auf Seite 400 von knapp 500. Atmosphärisch waren die Seiten davor absolut gut, aber es gab einfach zu viele Wiederholungen. Martin Scarsden läuft die immer gleiche Route ab, holt sich hier nen Kaffee, kauft da eine Flasche Wasser und all sowas. Ohne diese ganzen Füllungen, wäre das Buch halt schon wesentlich schlanker und angenehmer zu lesen.

Bat at love – Morgane Moncomble

Die Handlung: Azalée reist nach dem Tod ihrer Mutter wieder in ihre Heimat, um das Haus zu verkaufen. Doch sie hatte ihrer Heimat eigentlich aus gutem Grund den Rücken gekehrt, hatte sie doch zu viele schlechte Erinnerungen hinter sich gelassen. Und kaum ist sie zurück, prasselt alles wieder auf sie ein. Da hilft ihr auch Eden, der attraktive neue Nachbar, nicht.

Meine Meinung: Ein Buch, dass mit einer Triggerwarnung beginnt, die über eine ganze Seite geht, kann nur heftig werden. Und genau so ist es auch bei Bad at love. Denn die Triggerwarnung sollte man definitiv ernst nehmen. Das Buch nimmt kein Blatt vor den Mund. Man merkt schnell, wie stark die Protagonistin sein muss, wenn sie alles halbwegs gut wegsteckt. Doch genauso versteht man es, wenn sie strauchelt, wenn sie sich verschließt und warum sie schließlich fällt. Die Geschichte wird abwechselnd aus Azalées und Edens Sicht erzählt. Das ist sehr hilfreich, um auch seine Gedanken nachvollziehen zu können. Denn auch Eden hat sein Päckchen zu tragen und kämpft. Der Schreibstil ist sehr flüssig und das Buch lässt sich trotzt der harten Stellen gut lesen. Dennoch fehlt dem Buch das gewisse Etwas. Bis zum Ende bleibt eine Distanz zu den Figuren, man fühlt zwar mit ihnen, aber nicht so, wie bei vergleichbaren Büchern. Auch die Nebencharaktere sind zwar total cool, aber verkommen immer mehr zu reinen Stichwortgebern, was ich auch sehr schade fand. Am meisten gestört hat mich aber das Ende – Achtung, ab hier spoiler ich ein wenig! Es war einfach ein absolutes Bilderbuchende. Das passte nicht nur zu der zuvor erzählten Geschichte, es war auch zu einfach. Aufgemachte Konflikte wurden einfach mit wenigen Zeilen umgemodelt. Alles, was zuvor verflucht realistisch war – was nicht immer einfach war – wurde auf einmal viel zu vereinfach dargestellt. Ich habe nichts gegen Happy Ends, im Gegenteil, ich mag sie. Aber so wie es hier erzwungen wurde, passte es einfach nicht.

Rosen & Knochen – Christian Handel

Die Handlung: Rosalie und Muireann sind Dämenjägerinnen. Unter den Decknamen Schneeweißchen und Rosenrot ziehen sie umher und nehmen Aufträge an. Diesmal zieht es sie in den Wald zu einem Hexenhaus. Die Hexe soll getötet worden sein, doch noch immer spukt etwas in diesem Wald umher. Doch Rose und Muireann merken schnell, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Meine Meinung: Schneeweißen und Rosenrot als Dämenjägerinnen? Ich war interessiert. Die beiden nicht als Schwestern, sondern als Liebespaar? Ich musste es lesen! Auf Christian Handel bin ich im letzten Jahr aufmerksam geworden, durch sein Buch Rowan&Ash und wusste, dass ich mehr von ihm lesen wollte. Rosen & Knochen ist nicht einfach nur eine Märchenadaption – neben Schneeweißchen und Rosenrot sind wir hier auf den Spuren von Hänsel und Gretel – sondern auch queere Fantasy! Und genau davon, gibt es einfach viel zu wenig. So verschlang ich diese Novelle – mit 157 Seiten ist das Buch sehr schlank – innerhalb kürzester Zeit. Denn sie hat einfach alles. Fantasy, tolle Charaktere – auch wenn ich mit Rose noch nicht so richtig warm geworden bin, dafür mochte ich Muireann umso mehr – Spannung, queere Liebe, Märchen und tolle Ideen. Hinzu kommt der wunderschöne Buchschnitt, hier hat sich der Drachenmond Verlag wieder was tolles ausgedacht. So ist jede Seite wunderschön und gleichzeitig spiegelt sich die düstere Grundstimmung darin wieder. Rosen & Knochen ist der Auftakt zur Hexenwaldchronik. Ich bin schon sehr auf den zweiten Teil gespannt, der ebenfalls  bereits erschienen ist. Und für alle, die von Märchenadaptionen nicht genug kriegen, ist auch noch eine Kurzgeschichte enthalten.

Eine Handvoll Serien – Weihnachtsspecial

In der heutigen Ausgabe der Handvoll Serien dreht sich alles rund um Weihnachtsserien. Dabei sind keine Weihnachtsfolgen gemeint, die habe ich euch ja im Adventskalender vorgestellt, sondern ganze Serien, die an Weihnachten spielen. Mit dabei ein rotes Buch, ein Musiker auf Heimatbesuch, Mr. Christmas himself, allerlei Leckereien und ein etwas anderes Familientreffen.

Dash & Lily – Staffel 1

Die Handlung: Lily liebt Weihnachten über alles und verbringt sie immer in heimliger Runde mit ihrer Familie. Doch dieses Jahr ist alles anders. Ihre Eltern reisen nach Fiji, ihr Grandpa nach Florida und sie bleibt allein mit ihrem Bruder Langston zurück. Dem kommt zusammen mit seinem Freund Benny die Idee, dass Lily jemanden kennenlernen sollte. Aber damit es auch der richtige ist, soll sie ein rotes Notizbuch in ihrer Lieblingsbuchhandlung verstecken und dort allerlei Hinweise reinschreiben. Und tatsächlich findet Dash das Buch. Dash hasst Weihnachten, und sagt beiden Elternteilen, dass er beim jeweils anderen feiern würde. Da kommen ihm die Herausforderungen aus dem Buch gerade recht.

Meine Meinung: Eine absolut süße Liebesgeschichte mit zwei Charakteren, die sich nur über ein rotes Notizbuch schreiben. Sowohl für Weihnachtsliebhaber, als auch für Weihnachtsmuffel. Schaut sie euch definitiv an! Okay, das war nun wirklich die ganz kurze Version. Ich versuche mal meine Begeisterung für diese Serie etwas weiter auszuführen, ohne in stundenlange Begeisterungsreden zu verfallen. Also Dash & Lily verbindet zwei grundsätzliche Elemente. Die Suche nach Liebe und die Adventszeit. Zweiteres wird von beiden Seiten beleuchtet. Die Weihnachten liebende Lily, die dieses Jahr einfach nur enttäuscht ist, weil ihre Familie nicht in gewohnter Form dabei ist. Und Dash, der so viele deprimierende Weihnachten hinter sich hat, dass er dieses Jahr einfach allen aus dem Weg gehen will. Auch in Sachen Liebe verkörpern beide das absolute Gegenteil. Dash, der von seiner Freundin verlassen wurde und Lily, die noch ungeküsst ist. Und doch verbindet beide absolut viel, die Liebe zum Lesen und die Abenteuerlust bei ihrem gemeinsamen Briefabenteuer. Natürlich legt das Leben allerhand Steine in den Weg, aber genau das erzeugt so viel Spannung. Auch lebt die Serie von allerlei liebenswürdigen Charakteren, und ein paar nicht so sympathischen Zeitgenossen, die die Serie bunt und vielfältig machen. Es sind die kleinen Dinge, die diese Serie absolut großartig machen. Denn es bleibt eine sehr positive Grundstimmung und natürlich darf das ein oder andere Weihnachtswunder nicht fehlen, aber die Serie bleibt dennoch realistisch und setzt sich auch damit auseinander, warum der ein oder andere eben nicht so viel von Weihnachten hält. Und zu guter Letzt muss ich euch noch vom Soundtrack vorschwärmen. Denn natürlich dominieren hier die Weihnachtslieder, aber anstatt die ewig gleichen und bekannten Lieder anzustimmen, dürfen unbekanntere Bands ihren Teil beisteuern. Und das erzeugt noch einmal eine ganz neue Atmosphäre.

Über Weihnachten – Miniserie

Die Handlung: Bastian ist nach Berlin gezogen, um dort als Singer-Songwriter durchzustarten. Das funktioniert allerdings nur so semioptimal, weswegen er nebenbei im Callcenter jobbt. Über Weihnachten reist er zurück in seine beschauliche Heimat in Rheinland-Pfalz. Dort muss er aber mit Entsetzen feststellen, dass seine Ex-Freundin Fine nun mit seinem Bruder Niklas zusammen ist. Und auch seine Eltern scheinen irgendetwas vor ihm zu verheimlichen. Der Versuch ein besinnliches Weihnachten, wie jedes Jahr hinzubekommen, scheint unmöglich, oder doch nicht?

Meine Meinung: Ein Grund, warum ich eher zu #TeamGrinch zähle, ist wohl, dass ich kein Fan der Verlogenheit an Weihnachten bin. Wenn etwas das ganze Jahr über schief läuft, dann wird es auch an Weihnachten nicht besser. Ein Thema, dass in Über Weihnachten vielleicht nicht ganz so extrem thematisiert wird, aber dennoch endlich mal angesprochen wird. Hier wird gezeigt, was passiert, wenn man allzuviel verschweigt, nur um ein besinnliches Weihnachten zu erzwingen. Auch wenn der Trailer einen die Serie als Komödie verkaufen will, gibt es gar nicht so viel zu lachen. Stattdessen stehen ernstere Themen an und einige Dialoge sind nahezu tiefgründig. Luke Mockridge wäre für eine Komödie wahrscheinlich sogar eine gute Besetzung, zumal er auch gesanglich begabt ist und seine Rolle als Singer-Songwriter auch mal die eine oder andere Vorstellung gibt. Leider liegen ihm die tiefgründigeren Abschnitte nicht so ganz. Mit lediglich drei Folgen á ca. 40 Minuten, ist die Serie auch schnell mal nebenbei geschaut. Wer sich also mal mit einer realistischen und nicht künstlich aufgeplusterten Weihnachtsgeschichte befassen möchte, dem sei diese ‚Dramedy‘ Serie ans Herz gelegt.

Weihnachten werden Wohn(t)räume wahr – Staffel 1

Die Handlung: Der Innenarchitekt Benjamin Bradley ist wohl besser bekannt als Mr. Christmas. Zusammen mit seinem Team besucht er verschiedene Familien und hilft ihnen beim weihnachtlichen Dekorieren.

Meine Meinung: Eine ganze Serie darüber, dass jemand die Wohnung anderer dekoriert? Ich war so geplättet allein von der Idee, dass ich da einfach mal reinschalten musste. Und ich bin tatsächlich so sehr am Charme und der Freude, die Mr. Christmas ausstrahlt, hängen geblieben, dass ich die Staffel in einem Rutsch durchgebinged habe. Man merkt, dass es eine amerikanische Serie ist, weil die Art des Schmückens schon sehr groß und ausschweifend ist. Für mich war es auch tatsächlich wenig nachvollziehbar, wie das reine Schmücken des Hauses gewisse Ungereimtheiten in den Familien beheben sollte, aber nun gut, lassen wir der Serie diese Illusion. Grundsätzlich hat sie einfach gute Laune verbreitet und vor allem ganz viel Weihnachtsvorfreude. Die ein oder andere Dekoidee kann man sich auch noch abgucken. Vor allem aber war das Team rund um Mr. Christmas auch wahnsinnig sympathisch, auch wenn er deutlich im Vordergrund steht.

Sugar Rush Christmas – Staffel 1-2

Die Handlung: Vier Teams treten in je drei Runden gegeneinander an und ihre Kreationen müssen die verschiedensten weihnachtlichen Themen treffen. Schonmal einen Oh Tannenbaum-Cupcake gebacken? Oder die ultimative Nordpoltorte?

Meine Meinung: Bei Sugar Rush treten in jeder Folge treten vier Teams gegeneinander an. Innerhalb von drei Stunden müssen sie zunächst einen Cupcake zaubern und ein Konfekt. Nach jeder dieser beiden ersten Runden scheidet ein Team aus. Alle Zeit, die gespart wurde, wird auf die dritte Runde drauf gerechnet, für die die übrigen Teams nochmal drei Stunden bekommen. In dieser Christmasausgabe sind alle Aufgaben immer mit einem weihnachtlichen Thema verbunden. Generell muss man für diese Serie auf Backwettbewerbe stehen. Schön fand ich, dass in jeder Folge andere Teams dabei waren und auch am Ende jeder Folge ein Gewinner feststand. Man musste also nur je eine Folge mit seinem jeweiligen Favoriten mitfiebern. Vor allem waren aber auch immer wieder tolle Kandidaten dabei, mit tollen Geschichten. Die Kreationen sind natürlich immer sehr ausgefeilt, der Großteil der Teilnehmer arbeiten auch professionell als Konditoren, was man definitiv merkt. Die wenigsten Leckereien würde man zu Hause nachbacken. Aber dennoch hat die Serie eine gute Geschwindigkeit, so dass die Zeit nur so dahinrast und man immer wieder neue Folgen guckt und schwupps beide Staffeln durchgebinged hat.

Merry Happy Whatever – Staffel 1

Die Handlung: Wie jedes Jahr kommt Familie Quinn zu Weihnachten zusammen. Emmy bringt zum ersten Mal ihren Freund Matt mit. Doch ihr Vater Don ist davon wenig begeistert. Für ihn ist eben einfach keiner gut genug für seine Kinder. So trifft Matt auf Schwager Todd und Schwägerin Joy, die ihm wichtige Überlebenstipps geben, da sie ebenfalls in die Quinnfamilie eingeheiratet haben. Als Matt Don um den Segen bittet, Emmy heiraten zu dürfen, lehnt dieser jedoch ab. Matt versucht fortan Dons Gunst zu gewinnen.

Meine Meinung: Wer dieses Jahr noch keine gute Komödie gesehen hat, hat hiermit noch die Chance dazu. Denn Merry Happy Whatever schafft es den Humor auf die Spitze zu treiben, ohne je zu übertreiben. Trotz der kurzen Laufzeit von 8 Folgen mit je ca. 26 Minuten schafft die Serie es die Quinn Familie vorzustellen, den einzelnen Charakteren Tiefe zu geben und doch stets im Sitcomcharakter zu bleiben. Die meisten kennen doch irgendwie die üblichen Probleme, wenn die Familie an Weihnachten zusammen kommt und dann auch noch jemand jemand neues mitbringt. Genau das wird hier alles angesprochen, die Themen haben mitunter auch einen ernsteren Ton, dennoch wird es stets mit ein paar guten Witzen erzählt – ohne jedoch je ein Thema damit herabzuwürdigen. Ich wurde sehr gut unterhalten und habe die Serie tatsächlich auch fast in einem Rutsch weggebinged. Wenn ich einen Kritikpunkt an der Serie äußern müsste, dann wäre es wohl die Synchronstimme von Ashley Tisdale, die so gar nicht zum Charakter und zur Schauspielerin gepasst hat.

Was sind eure liebsten Weihnachtsserien?

PS: Ich verabschiede mich hiermit in eine Weihnachts/Silvester/Neujahr-Blogpause. Wir lesen/schreiben uns hoffentlich alle im neuen Jahr wieder. Bleibt schön gesund!

Eine Handvoll Filme

Heute mit: Einem aus dem Ruder laufendem Versteckspiel, verschmähten zweitgeborenen, einem Einbrecher mit Moral, einer Reise zum Mond und einer Auserwählten

Ready or not

Die Handlung: Die Familie Le Domas sind berühmt für ihre Brettspiele und damit reich geworden. Am Abend von der Hochzeit von Grace und Alex Le Domas, kommt die Familie zusammen. Grace soll eine Karte ziehen, welches Spiel die Familie spielt. Dies sei eine alte Familientradition. Doch als Grace ‚Verstecken‘ zieht, muss sie feststellen, dass bei der Karte der Spaß aufhört. Denn nun macht die Familie jagt auf sie, um sie bei einem Ritual zu opfern.

Meine Meinung: Ready or not hat im deutschen den Beititel „Auf die Plätze, fertig, tot“, was vielleicht mehr an ein Wettrennen, als an ein Versteckspiel erinnert. Dennoch schafft es die Horrorkomödie ihre Ausgangsgeschichte in wenigen Szenen zu erzählen und dann gleich in die Jagd einzusteigen. Diese ist erfindungsreich, hat zwar einige vorhersehbare Wendungen, aber auch einige Überraschungen zu bieten. Vor allem schafft der Film es eine gute Balance zwischen Horror und Komödie zu halten. So kommen sowohl Horrorfilmfans auf ihre Kosten, als auch kann ich als Angsthase den Film genießen. Einziges Hindernis beim ungestörten Sehen sind die Charaktere. Zwar sind es eigentlich gar nicht so viele, aber da einige am Anfang nur im Nebensatz erwähnt wurden, war es doch manchmal schwer ihre Zugehörigkeit und irgendwann auch ihre Absichten richtig einzuordnen. Letztlich ist es ein Film, den man gut in der Gruppe sehen kann, weil er einfach für unterschiedliche Interessen Material liefert.

Der geheime Club der zweitgeborenen Royals

Die Handlung: Sam ist eine Prinzessin des fiktiven Königreichs Illyrien. Allerdings ist sie die zweitgeborene. Und während sich ihre Schwester auf die Krönung vorbereitet, organisiert Sam lieber Demonstrationen gegen die Monarchie. Nach einigen Fehltritten wird sie von ihrer Mutter in die Sommerschule geschickt. Doch die stellt sich als ein geheimes Camp heraus, in dem zweitgeborene Royals entdecken, dass sie Superkräfte haben. Dies dürfen sie auch schnell unter Beweis stellen, denn ein gefährlicher Häftling ist ausgebrochen.

Meine Meinung: Unter dem Titel hatte ich mir tatsächlich einen ganz anderen Film vorgestellt. Erwartet hatte ich wohl eine Art Breakfast Club mit zweitgeborenen Royals und einigen tiefgründigen Dialogen. Aber das wäre wahrscheinlich einfach zu wenig Disney. Stattdessen versucht man hier die Superheldenbranche für ein noch jüngeres Publikum zugänglich zu machen. Das steckt voller Klischees, vorhersehbarer Handlung und platter Charaktere. Das ist besonders enttäuschend, weil der Film in meinem Kopf bereits gut war, und dann die Realität damit einfach nicht mithalten konnte. Das Problem ist halt auch einfach, dass der Film sich die Ausgangshandlung sehr konstruiert hat, um dann mit den üblichen Handlungsmustern weiterzumachen. Unverstandene Teenager haben auf einmal Kräfte, kommen an eine Akademie, lernen diese im Schnelldurchlauf zu kontrollieren, und sind dann natürlich sofort bereit, um es mit dem großen Bösen aufzunehmen. Nicht nur, dass ich das schon einmal zu oft gesehen habe, die Umsetzung ist eben auch disneytypisch weichgespült. Kein Konflikt darf offen bleiben. Keine tiefgründigen Dialoge. Vielleicht war ich letztlich auch einfach nicht mehr die Zielgruppe, möchte ich gar nicht ausschließen. Aber ein bisschen Einfallsreichtum wird man doch wohl erwarten dürfen.

Bad Samaritan

Die Handlung: Sean hält sich zusammen mit seinem Kumpel Derek mit Einbrüchen über Wasser. Dabei parken sie vermeintlich die Autos von Restaurantgästen, fahren aber stattdessen zu deren Häusern und stehlen ein paar Kleinigkeiten. Das funktioniert eine Zeit lang ganz gut. Bei Cale, der im Maserati vorfährt, sieht alles absolut verlockend aus. Auch wird Sean im Haus mit einer neuen Kreditkarte fündig. Doch leider findet er auch eine gefesselte Frau vor, die ihn verzweifelt um Hilfe anfleht. Was soll er jetzt tun, immerhin begeht er gerade selbst eine Straftat.

Meine Meinung: Bad Samaritan ist so ein Film, den ich allein aufgrund seiner Prämisse wahrscheinlich nicht gucken würde. Aber meine beste Freundin kann sehr überzeugend sein. Mein Problem ist, dass ich es nicht sehen kann, wenn jemand ein Verbrechen sieht und ihm dann einfach nicht geglaubt wird und der Verbrecher es so hindrehen kann, dass der andere verrückt ist und sich das ausdenkt. Da drehe ich beim Schauen fast durch. Nun gab es hier allerdings das Argument, dass einfach David Tennant mitspielt. Aber Freunde des 10. Doktors aufgepasst. Mr. Tennant kann die coolsten Rollen unfassbar sympathisch spielen – siehe Doctor Who und Good Omens – er kann aber auch die schlimmsten Psychopathen mit einer Extraportion Kälte spielen – Vorgeschmack dazu bei Jessica Jones. Robert Sheehan (Umbrella Academy, Misfits, Mortal Engines) ist dafür der perfekte Gegenpart, verkörpert er doch den unsicheren Einbrecher, der mit der ganzen Situation einfach überfordert ist, einfach wunderbar. Das Problem des Films ist also nicht der Cast. Das Problem mit dem Film ist auch nicht die Handlung, die es immer wieder schafft unfassbar viel Spannung zu erzeugen. Nein, das Problem des Films ist das Ende. Denn hier scheint der Film einfach alles, was er vorher aufgebaut hat, über Bord zu werfen und sich zu denken: Slapstick mit einem eiskalten Folterheld, der zu einem lachhaften Psychopathen wird? Das klingt so, als ob wir uns damit den ganzen Film kaputt machen, lass das mal machen! Sehr geehrter Herr Regisseur Dean Devlin, ich liebe ihre unfassbar intelligente Serie Leverage, aber entschuldigen Sie bitte: Dieser Film ist am Ende einfach nur Mist.

Die bunte Seite des Mondes

Die Handlung: Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die 14-jährige Fei Fei nicht damit klar, dass ihr Vater sich eine neue Frau sucht, die auch noch einen Sohn mitbringt, den Fei Fei als absolut nervtötend empfindet. Also beschließt sie zusammen mit ihrem Kaninchen zum Mond zu reisen, wo der Legende nach die Mondgöttin Chang’e leben soll, die sich nach ihrer ersten großen Liebe verzehrt. Und tatsächlich schafft sie es eine Rakete zu bauen. Doch auf der bunten Seite des Mondes ist es etwas anders als gedacht.

Meine Meinung: Disney? Is that you? Nein es handelt sich hierbei um ein Netflix Original, das vom Gewand her aber auch gut zu Disney passen würde. Allein die supersüße Vorgeschichte der Familie und dem supersüßen Häschen. Bis die Mutter stirbt. So weit, so Disney. Darauf versuchen sie die Geschichte eines trauerndes Mädchens abzubilden, das versucht, dass trotz des Tods der Mutter alles so bleibt, wie es war. Die drohende Veränderung durch neue Frau mit einem sehr aufgewecktem Sohn wird zielgruppengerecht aufgegriffen und man findet sich irgendwo in Fei Fei wieder, aber auch in ihrer neuen Stiefmutter, die alles versucht, damit Fei Fei sie mag, sie sich aber dennoch treu bleibt und sich nicht zu sehr der verstorbenen Mutter anzupassen. Der Film verliert seiner einen Großteil seiner zuvor starken Handlung, sobald es Fei Fei tatsächlich schafft mit einer selbstgebauten Rakete auf den Mond zu fliegen. Mal so in den Raum gestellt: Was wäre das eigentlich für ein unvorhersehbarer Plottwist gewesen, wenn sie nicht die Mondgöttin auf der bunten Seite des Mondes, sondern die Nazis auf der dunklen Seite des Mondes gefunden hätte? Aber gut, dass hätte wahrscheinlich auch nur ich cool gefunden. Stattdessen erleben wir jetzt die bunteste abgedrehteste Stadt, die je auf dem Mond zu finden war. Dann hätten wir noch eine Lady Gaga mäßige Gesangsnummer und der Kitsch ist perfekt. Erst nach und nach schafft der Film es wieder sich zu sammeln und wieder zu ernsteren Themen zurückzukommen. Die Geschichte der Mondgöttin Chang’e ist wohl eine sehr bekannte Legende in China. Ich wage zu bezweifeln, dass diese bunte Welt dort so gut ankommt. Aber immerhin schafft der Film es am Ende noch ein gut die Kurve zu kriegen und an der vorherigen Handlung mit ein paar guten Lebensweisheiten anzuknüpfen. So jetzt habe ich viel mehr dazu geschrieben, als ich wollte. Also nochmal die Kurzform: Zunächst eine starke Geschichte über den Verlust eines Elternteils und die Angst vor Veränderungen mit der neuen Frau des Vaters im Leben. Dann abgedrehter Kitsch, den keiner gebraucht hätte, am Ende doch noch die Kurve bekommen. Also ein bisschen weniger Popnummern, ein bisschen weniger bunte Seite des Mondes – also sie darf schon bunt bleiben, aber nicht so kitschig bunt – und das ganze wäre ein deutlich stärkerer Film geworden.

Mara und der Feuerbringer

Die Handlung: Mara Lorbeer dachte sie wäre ein ganz normales Mädchen mit einer etwas ungewöhnliches Mutter. Doch dann erzählt ihr ein Ast, dass sie eine Spakona ist, eine Seherin. Nach einigen Tagträumen vom gefesselten Loki, sucht sie verzweifelt Hilfe und sucht daher den Professor für germanische/nordische Mythologie an der Uni auf: Professor Weissinger. Nach einem etwas holprigen Start stecken die beiden schon bald mitten drin im Abenteuer. Denn Mara muss die Götterdämmerung aufhalten.

Meine Meinung: Der Film orientiert sich sehr stark am Buch und erzählt die Handlung nach, was auch relativ gut funktioniert. Der wahre Pluspunkt des Films zum Buch sind dann aber die Darsteller. Vor allem Jan Josef Liefers als Professor Weissinger kann der Rolle noch einmal eine ganz neue Richtung geben und bringt einen mehr als einmal zum schmunzeln. Tommy Krappweis, der Autor der Buchreihe, übernimmt hier Regie und das Drehbuch. Das funktioniert insofern, dass er sich mit seiner Geschichte bestens auskennt, und auch bereits über Erfahrung mit der Regie verfügt. Letztlich gibt es jedoch einige Handlungselemente, die auf dem Papier einfach besser funktionieren als auf der Leinwand. Denn gerade Hauptdarstellerin Lilian Prent scheint stellenweise überfordert, wie sie die sehr komplexe Gedankenwelt Maras richtig rüberbringen soll. Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau, denn an sich bekommen wir hier eine tolle Fantasy-Geschichte, die toll recherchiert ist, absolut fantastische Bilder hat – allein die Landschaftsaufnahmen! – einen tollen Cast aufweist und das ganze aus Deutschland, dem Land, das sonst nur die immer gleichen Komödien rausbringt. Also schaut den Film und wenn er auch gefiel, dann lest noch das gleich das Buch hinterher!