Anime Special: Belle

Ein Vorwort

Wahrscheinlich gehöre ich zu den wenigen, die bei Disneys die Schöne und das Biest nicht in Begeisterungsrufe verfällt. Allgemein ist es nicht unbedingt mein liebstes Märchenmotiv. Dies jedoch in einem Anime mit einer virtuellen Welt verarbeitet zu sehen, hat mich gereizt. Wie die Kombination in Belle funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Suzu lebt zurückgezogen mit ihrem Vater, zu dem sie seit dem Tod der Mutter ein schwieriges Verhältnis hat. Durch ihre Trauer kann sie nicht mehr singen. Bis ihre Freundin Hiroka sie mit der digitalen Welt von U bekannt macht. Dort tritt sie als Belle auf und flieht in die Anonymität. Bis bei einem ihrer virtuellen Konzerte ein legendärer Kämpfer in Gestalt eines Biestes auftritt. Kurz darauf beginnt eine Hetzjagd auf ihn.

Meine Meinung

„Tales as old at time“ Und wer hat schon einen Ohrwurm? Zumindest Regisseur Mamoru Hosada hatte den wohl mehr als einmal, bzw. ist er gerüchteweise ein großer Fan des Disney-Films. Zumindest hat er sich mit Belle an eine ziemlich offensichtliche Adaption gewagt.
Wir lernen zunächst Suzu kennen und ihren Alltag. Nach und nach lernen wir, womit sie zu kämpfen hat und lernen die Vergangenheit um ihre Mutter kennen. Kurz darauf werden wir zusammen mit ihr in die Welt von U eingeführt. Dabei fehlen allerdings einige Informationen, weswegen ich bis zum Ende nicht wirklich durch die Welt durchgestiegen bin. Kurz darauf folgt ein hin und her zwischen realer Welt und U, vor allem, wenn die Jagd auf das Biest anfängt.
Hier zeigt sich die größte Schwäche des Films. Denn wer bei U an coole Online Welten, wie in Ready Player One, denkt, wird schwer enttäuscht. Die Welt ist relativ trist und mit einfacher Optik. Lediglich Belle und einige andere Nutzer*innen bringen ein bisschen Farbe rein. So ist die Einfachheit einer so komplexen Welt wie U ziemlich enttäuschend und wirkt einfach nur lieblos.
Die Handlung an sich ist relativ einfach gestrickt und schwingt zwischen realer Welt und U hin und her. Dabei liegen in den verborgenen Botschaften des Films die eigentliche Stärke. Denn hier geht es auch viel um Traumata und deren Überwindung, was gut aufgegriffen wird. Leider versteckt sich dies hinter der groß aufgemachten Jagd auf das Biest. So bleiben viele Charakterentwicklungen zurück oder werden zu schnell umgesetzt, da Hosada gerade gegen Ende die Zeit zu fehlen scheint.
So ist auch das Ende ein wirres hin und her und es bleiben einfach zu viele Fragen offen. Nach einem spannenden Wettlauf gegen die Zeit und einer starken Tat, kehren einfach alle wieder zu ihrem ursprünglichen Tun zurück. Doch, ob alles nun umsonst war oder ob die finale Spannungsszene etwas gebracht hat, wird nicht geklärt. So bleibt man mit zu vielen offenen Fragen zurück.
Dabei hat mich zwischenzeitlich die Umsetzung des Schöne und das Biest Themas gut gefallen, da es einige der größten Schwächen der Vorlage (Stichwort Stockholm Syndrom) umgeht und durch die Verwebung mit der Welt in U gut umsetzt. Gerade aber auch die musikalische Unterhaltung hat mir sehr gut gefallen und bei mir mehr als eine Gänsehaut ausgelöst. So ist Belle in seiner Gesamtheit nicht schlecht und lässt sich gut wegschauen, hat aber Schwächen, die leicht zu umgehen gewesen wären, daher umso mehr enttäuschen.

Das Fazit

Belle hat eine schöne Grundgeschichte, verarbeitet schwierige Themen respektvoll, eine grundsätzlich tolle Optik und vor allem einen schönen Soundtrack. Leider gibt es mehr als ein Logikloch, eine lieblose virtuelle Welt und am Ende mehr Fragen als Antworten. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Belle läuft seit dem 09.06.2022 in den deutschen Kinos

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