Netflix Anime Original: Um ein Schnurrhaar (OmU)

Ein Vorwort

Eigentlich war es einer meiner inoffiziellen Vorsätze für 2020, dass ich mich mehr dem Animebereich öffne und meinen Lebensgefährten öfter in die Anime Specials ins Kino begleite. Da die Kinos hier noch immer geschlossen sind, wurde daraus wohl nichts. Nachdem mich im letzten Jahr Penguin Highway nicht richtig überzeugen konnte, bringt Netflix nun einen Originalfilm aus dem gleichen Studio (Studio Colorido) heraus. Da mir Katzen nach Pinguinen wohl die liebsten Tiere sind, und mich die supersüßen Katzen aus dem Trailer bereits überzeugen konnten, stimmte ich der Wahl für einen Filmabend zu. Der Film ist aktuell nur im Original mit Untertitel verfügbar, da die Synchronisation durch Corona verzögert stattfindet.

Die Handlung

Miyo Sasaki muss nicht nur mit der Scheidung ihrer Eltern und der neuen Stiefmutter klar kommen, sondern hat auch Gefühle für ihren Mitschüler Kento Hinode. Diesen kommt sie näher, da sie sich mithilfe einer Katzenmaske in die Katze selbst verwandeln kann. Doch während Hinode Miyo in Katzenform als Taro alles erzählen kann, bleibt er bei der menschlichen Miyo auf Abstand. Miyo fühlt sich missverstanden und dann taucht auch noch der Maskenverkäufer wieder auf, der sie zu überreden versucht ihr menschliches Gesicht endgültig abzulegen und für immer eine Katze zu bleiben.

Meine Meinung

Mein größtes Problem bei Animes ist es, der Handlung folgen zu können. Da sich die Erzählweise stark von den herkömmlichen (Hollywood-)Filmen unterscheidet, ist es eine Umgewöhnung zu der japanischen zu wechseln. Dies gelingt bei Um ein Schnurrhaar jedoch deutlich besser als bei Penguin Highway.
Die Ausgangssituation ist schnell klar. Wir lernen Miyo kennen, die von vielen einfach nur Muge genannt wird, was übersetzt eine Abkürzung für mysteriöses Mädchen ist. Wir finden heraus, dass sie Scheidungskind ist und bei dem Vater und ihrer Stiefmutter lebt. Diese entspricht jedoch keineswegs dem Märchen der bösen Stiefmutter, sondern gibt sich große Mühe allen alles recht zu machen, wird jedoch trotzdem in einem fort von der leiblichen Mutter kritisiert. Dennoch muss sich Miyo dazu zwingen ständig zu lächeln und so zu tun, als wäre alles in Ordnung. In der Schule greift der Film schnell das Thema Mobbing auf, denn bis auf ihre beste Freundin scheinen alle Mitschüler, sie für sehr merkwürdig zu halten. Zumal sie dann auch noch ständig Hinode anflirtet, der doch augenscheinlich nichts von ihr möchte. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit findet der Film dann schnell seine Fantasykomponente. Der Wandel von Mensch zu Katze ist dann die perfekte Metapher für die Leichtigkeit des Katzenseins. Dies versucht ihr die wiederkehrende Figur des Maskenverkäufers auch schmackhaft zu machen. So versucht der Film auf fantastische Weise den Bogen zu bekommen, zwischen dem anstrengenden Menschenleben und dem einfachen Katzenleben.
Grundsätzlich ist dies auch eine schöne Idee, passende Metapher und mal ganz ehrlich die Katzen sind wirklich supersüß. Die Zeichner und Animatoren haben hier großes Herz bewiesen, so dass jeder Katzenliebhaber sofort schmelzen wird. Das Problem ist, dass der Film irgendwo unfertig wirkt. Es wird nicht erzählt, warum Miyo die Situation zu Hause wirklich als so schwierig empfindet. Es wird nicht gesagt, was sie an Hinode so anziehend findet. Es wird behauptet, dass sie ihm nicht richtig sagen kann, was sie empfindet, wobei das Anflirten wohl für alle sehr deutlich sichtbar ist. Es wird vieles angedeutet, aber wenig wirklich gesagt. So kratzt der Film bei vielen Sachen an der Oberfläche, aber schafft es nicht wirkliche Tiefe aufzubauen. Dies ändert sich auch im Laufe des Films nicht, wenn die Fantasykomponente zunimmt.
Hinzu kommt, dass die Protagonistin Miyo ständig überdreht irgendwo rumspringt und dabei nicht unbedingt Sympathiepunkte sammelt, was es umso schwerer macht sie richtig greifen zu können. So bleibt sie unnahbar und man leidet nicht wirklich mit ihr mit. Das nimmt jedoch dem großen Finale die Spannung, da einen der Ausgang relativ egal ist.
Die fehlende Synchronisation ist gerade am Anfang gewöhnungsbedürftig, zumal im japanischen noch einmal ganz andere Betonungen stattfinden. Dennoch war der Film mit den Untertiteln gut verständlich. Die beschriebene Welt ist nachvollziehbar und nimmt am Ende ordentlich Fahrt auf, wenn es auf das große Finale zu geht und setzt die Fantasyelemente in einer guten Dosis ein.

Das Fazit

Um ein Schnurrhaar ist ein liebevoll animierter Film, der mit einer schönen Metapher als Grundidee daher kommt. Während der Film die Fantasykomponente gut beherrscht, schwächelt er jedoch am Tiefgang. Zu wenig wird wirklich erzählt, so dass der Film lediglich an der Oberfläche kratzt. Schade!

Um ein Schnurrhaar (OmU) ist ab sofort auf Netflix abrufbar

Rückblick auf das halbe Jahr 2020

Uuuund Saison Dezember-Mai sind vorbei und es wird Zeit für meine Halbjahresbilanz. Da die Kinos seit drei Monaten geschlossen sind, fällt die Kinosektion dementsprechend enttäuschend aus. Da ich meine großen Rückblicke immer am Ende des Jahres schreibe, soll es hier nur eine kurze Zwischenbilanz werden, in der ich euch ein paar Zahlen und Namen um die Ohren haue. Also los geht’s!

I. Cinemathek

Coronabedingt war diesmal nur ein Film dabei, der hat mich dafür aber auch richtig umgehauen. Ich spreche von Porträt einer jungen Frau in Flammen. Unbedingte Empfehlung!

II. Anime Special

Im ersten Quartal (wir erinnern uns, Kinos waren nur drei von sechs Monaten offen) gab es zumindest ein Anime Special. Mit Weatherin with you gab es den Nachfolger von Your Name. Leider kam der Nachfolger nicht an seinen Vorgänger heran, bleibt aber eine solide Geschichte.

III. Neulich in der Sneak

Sieben Sneakvorstellungen konnte ich besuchen. Ich hab sie euch gefühlsmäßig mal in eine Reihenfolge gebracht. Wichtig ist, dass selbst Platz 7 im soliden Mittelfeld landen würde. Demnach hatte das Jahr eigentlich einen guten Sneaklauf.

Platz 7: 21 Bridges
Platz 6: 7500
Platz 5: Peanut Butter Falcon
Platz 4: Bombshell
Platz 3: 1917
Platz 2: Drei Engel für Charlie
Platz 1: The Gentleman

IV. Filme – auf großer Leinwand gesehen

Im ersten Quartal konnte ich 15 reguläre Kinofilme sehen, außerhalb der Spezialreihen (Cinemathek, Sneak, Anime). Normalerweise hätte es hier fünf Enttäuschungen und fünf Highlights gegeben, aber da die Liste ungewöhnlich kurz ist, hier meine aktuelle Reihenfolge:

Platz 15: Nightlife
Platz 14: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle
Platz 13: Cats
Platz 12: Lindenberg – Mach dein Ding!
Platz 11: Jumanji 2
Platz 10: Sonic – the Hedgehog
Platz 9: Ruf der Wildnis
Platz 8: Birds of Prey
Platz 7: Parasite
Platz 6: Enkel für Anfänger
Platz 5: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl
Platz 4: Jojo Rabbit
Platz 3: Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers
Platz 2: Knives Out
Platz 1: Little Woman

V. Filme – auf großem Fernseher gesehen

64 Filme liefen im ersten Halbjahr bei mir im Heimkino. Davon waren 14 Wiederholungstäter und drei Comedy Specials. Meine Highlights gibt es hier:

Platz 10: Aladdin (2019)
Platz 9: I, Tonya
Platz 8: Juliet, Naked
Platz 7: Elliot, das Schmunzelmonster
Platz 6: Wind River
Platz 5: Klaus
Platz 4: Isn’t it romantic
Platz 3: Emo – The Musical
Platz 2: The Final Girls
Platz 1: Die zwei Päpste

VI. Serien – ein kurzer Überblick

34 verschiedene Serien mit 49 Staffeln sind gesehen. Eine kurze Übersicht über meine Highlights (ohne Reihenfolge) gibt’s hier:

Weihnachten zu Hause (Staffel 1)
Grace & Frankie (Staffel 6)
Star Trek: Picard (Staffel 1)
Fleabag (Staffel 2)
The Mandalorian (Staffel 1)
Willkommen in Gravity Falls (Staffel 1+2)
Batwoman (Staffel 1)
The Crown (Staffel 3)
Friends (Staffel 1-9)
Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Staffel 1)

Bücher – meine Highlights

35 Bücher sind ausgelesen, davon sind 17 von meiner 20 für 2020 Liste. Hier noch schnell meine aktuelle Top 10:

Platz 10: Momo – Michael Ende
Platz 9: Wer die Nachtigall stört – Harper Lee
Platz 8: Kirschkuchen am Meer – Anne Barns
Platz 7: The Green Mile – Stephen King
Platz 6: Mara und der Feuerbringer – Tommy Krappweis
Platz 5: Was perfekt war – Colleen Hoover
Platz 4: Dive Bar 1 – Crazy, Sexy, Love – Kylie Scott
Platz 3: Die Bücherdiebin – Markus Zusak
Platz 2: Someone New – Laura Kneidl
Platz 1: All in: 1000 Augenblicke & Zwei Versprechen – Emma Scott

Wie sah euer erstes Halbjahr aus? Welcher Film/Buch/Serie fehlt definitiv in meiner Liste? Ich bin immer offen für Empfehlungen!

 

Anime Special: Weathering with You

Ein Vorwort

Nach dem weltweiten Erfolg von Your Name. im letzten Jahr folgt nun ein neues Kinospecial vom japanischen Regisseur Makoto Shinkai. Nachdem der Film zunächst erneut nur an zwei Tagen entweder in der deutschen Synchronisation oder im Originalton mit Untertitel gezeigt wurde, bekam er durch den großen Zuspruch noch einmal zwei Zusatztermine in Deutschland. Ob der Film mit dem deutschen Zusatz „Das Mädchen, das die Sonne berührte“ an seinen Vorgänger heranreichen kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Oberschüler Hodaka Morishima ist von zu Hause fortgelaufen und findet sich in Tokyo zur Regenzeit wieder. Doch diesmal handelt es sich um eine besonders hartnäckige Regenzeit. Durch Zufall lernt er Hina Amano kennen, die allein durch Gebete das Wetter für kurze Zeit aufhellen kann. Sie machen ein Geschäftsmodell daraus, doch irgendwann merken sie, dass mit Hina etwas nicht stimmt.

Meine Meinung

Ich glaube ich sollte zur Sicherheit noch einmal vorweg erwähnen, dass ich kein Anime-Fan bin. In Your Name. bin ich eher aus Trotz gegangen, weil mein Lebensgefährte beleidigt meinte, dass ich da ja sowieso nicht mit ihm reingehen würde und er mich daher gar nicht erst fragen müsste. Nun ja, da mir Your Name. nach einer kurzen Eingewöhnungsphase am Anfang dann erstaunlich gut gefiel und ich mir dann auch das Vorgängerwerk The Garden of Words im Heimkino ansah und der mir relativ gut gefiel, war ich also umso gespannter auf Shinkais neuestes Werk.
Auch hier musste ich mich am Anfang zunächst an die Charaktere gewöhnen und der Film braucht auch relativ lange, um zum eigentlichen Thema zu kommen. Sobald er diesen erreicht hat, nimmt er aber schnell Fahrt auf und zeichnet sich wieder durch die Kombination aus Coming-of-Age Geschichte und fantastischen Elementen aus. Diese werden wie schon in Your Name. so geschickt verwoben, dass man sich die eine Geschichte nicht ohne die andere vorstellen kann.
Mit Hodaka hat man einen Charakter an die Seite bekommen, dessen Beweggründe bis zum Ende oft verschwommen bleiben und man ihn daher selten richtig zu fassen bekommt. Seine aufkommenden Gefühle für Mina und sein ständiger Kampf in der Großstadt Tokyo zu überleben sind dafür umso deutlicher erzählt, weswegen man doch irgendwo mit ihm mitfühlen kann. Allgemein kann man sagen, dass Shinkai seine Zuschauer über seine Charaktere gerne im Unklaren lässt. Denn bei vielen kommen im Laufe des Films deutliche Wendungen. Im Prinzip spielt der Regisseur mit den Erwartungen und Vorurteilen seiner Zuschauer. Und auch wenn einige Charaktere – gerade der Polizist, der die Suche nach Hodaka leitet – ziemlich überzeichnet sind, bleiben sie doch immer irgendwo lebensnah.
Allgemein erzählt der Film die Geschichte von zwei jungen Menschen, die zu schnell erwachsen werden mussten oder wollten. Getragen wird dies durch das fanatastische Element, dass Mina das Wetter teilweise durch Gebet kontrollieren kann. Gerade das Ende bringt dann aber eine große moralische Frage auf, die im Film auf zwei Arten beantwortet wird, so dass man sich trotzdem noch immer seine eigene Meinung dazu bilden kann.

Das Fazit

Weatherin with You – das Mädchen, das die Sonne berührte ist nach einer kurzen Einlaufphase ein guter Coming-of-Age Film mit fantastischen Elementen. In die Schuhe seines Vorgängers passt er jedoch nicht.

Anime-Special: Penguin Highway

Ein Vorwort

Für alle Anime-Fans gibt es ab und an ein Anime-Special in meinem Stammkino (wahrscheinlich auch in anderen, aber da kenne ich die Spielpläne nicht). Normalerweise mache ich darum einen großen Bogen, da ich kein großer Anime-Fan bin. Ganz im Gegensatz zu meinem Lebensgefährten. Und so kam es, dass er, nachdem ich ihn bereits in das Anime-Special zu Your Name. begleitet hatte und er mir auch noch gefallen hatte, mich seitdem immer wieder zu überreden versucht. Diesmal sah er seine Chance wieder sehr gut, denn der Film trägt mein absolutes Lieblingstier im Namen. Und so sagte ich zu, ihn zu begleiten.

Die Handlung

Der viertklässler Aoyama wäre eigentlich gerne schon erwachsen. Seine Zeit vertreibt er sich mit Forschungen, die er akkribisch in Notizbüchern festhält. So ganz nebenbei schwärmt er für die Zahnarzthelferin, die er One-San nennt. Als in der ganzen Stadt auf einmal Pinguine auftauchen, muss er das natürlich sofort untersuchen.

Meine Meinung

Während Studio Ghibli auch den Anime-Neulingen ein Begriff sein dürfte mit Werken, wie Chihiros Reise ins Zauberland oder Prinzessin Mononoke, ist Studio Colorido ein eher unbekanntes Studio, was daran liegen dürfte, dass es auch noch nicht so lange existiert. Mit vier Filmen (laut Wikipedia) versucht das Studio aktuell noch Fuß zu fassen, neben den großen etablierten. Dies mag dem geübten Zuschauer noch in der Animation auffallen, im großen und ganzen ist dies aber kaum ersichtlich. Lediglich die sehr einfach Animation der Pinguine ist sehr auffällig, aber im Laufe des Filmes auch nicht weiter störend.
Den Film an sich zu beurteilen, fällt mir dann sehr schwer. Und das hat zwei Hauptgründe.
Zum einen die Handlung. Objektiv betrachtet ist die Handlung gut ausgearbeitet und beherrscht den Drahtseilakt zwischen realistischen Gedankengängen und Charakteren und dem fantastischen Einschlag. Subjektiv spiegelt für mich die Handlung aber genau das wider, was ich an Animefilmen nicht mag. Sicherlich in seinem eigenen Universum irgendwo logisch, ist die Handlung gerade dies für mich eben nicht. Ich kann die Gedankenwelt und Handlungen der einzelenen Charaktere nicht nachvollziehen und stehe so immer wieder vor einem „Häh?“-Moment und bräuchte jemanden, der neben mit sitzt und mir das Geschehene noch einmal Szene für Szene erklärt. Allerdings ist das Kino weder der passende Ort dafür, da man die anderen Zuschauer ja auch nicht stören will, noch konnte mir mein Lebensgefährte dies während des Films erklären, musste er auch erst auf die Auflösung am Ende warten. Und die Erklärungen im Nachgang haben mir dann auch nicht mehr wirklich geholfen, um den Film für mich positiver zu machen.
Zum anderen die Charaktere. Objektiv betrachtet sind die Charaktere gut charakterisiert, es wird sich Zeit genommen um sie und ihre Beweggründe vorzustellen und eben diese teilweise auch zu hinterfragen. Subjektiv betrachtet waren mir alle Charaktere unsympathisch. Am allermeisten leider der Protagonist Aoyama. Dass es hier um seine Coming-of-Age Geschichte geht, erschwert den Film für mich demnach noch einmal.
Grundsätzlich denke ich, dass der Film für Anime-Liebhaber gut funktionieren dürfte. Die Schwierigkeiten für mich sind nicht gleichbedeutend mit wirklichen Schwächen. Die Grundidee hinter dem Auftauchen der Pinguine mit der Verknüpfung des Prozesses des Erwachsenwerdens ist durchaus gelungen. Und selbst ich konnte mich beim Sehen zumindest an den Pinguinen erfreuen.

Das Fazit

Penguin Highway ist ein Anime, der für Fans des Genres duchaus funktionieren dürfte, mich persönlich aber nicht abholen konnte. Für alle neugierigen unter euch, die einen Anime abseits der großen etablierten Studios sucht, dürfte sich eine Sichtung von Penguin Highway durchaus lohnen.

Your name.

Am 11.01.2018 erschien ein in Japan sehr erfolgreich laufender Anime in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Da Your Name. in Japan sehr erfolgreich lief – genau genommen die zweierfolgreichste japanische Produktion ist – wurden zunächst zwei Kinotermine für Deutschland bekannt gegeben. Auf Deutsch synchronisiert und mit dem Untertitel „Gestern, heute und für immer“ zeigten 150 deutsche Kinos den Anime. Doch auch hier lief er sehr erfolgreich und so wurden kurz darauf noch einmal fünf Zusatztermine in noch mehr Kinos bekannt gegeben. Auch ohne Fan von Animes zu sein, wurde man so auf den Film aufmerksam und neugierig.

Die Handlung

Mitsuha lebt in einem kleinen Dorf in Japan und träumt davon irgendwann ihrer Situation entfliehen zu können. Taki lebt in Tokio und ist auch nicht allzu zufrieden mit seinem Leben. Beide haben merkwürdige Träume. Bis sie feststellen, dass sie tatsächlich an manchen Tagen die Körper tauschen. Also beschließen sie das beste aus der Situation zu machen und versuchen irgendwie zu planen, wie sich der andere verhalten soll, wenn er im Körper des jeweils anderen ist.

Meine Meinung

Die Handlung klingt zunächst nach einer simplen Rollentauschkomödie, nur dass es diesmal eben als Anime umgesetzt wurde. So weit so bekannt. Doch Your Name geht noch einmal einen Schritt weiter und spinnt zur Rollentauschkomödie noch einige weitere Handlungsstränge mit hinein. Und genau hier setzt das besondere am Film an. Denn Your Name ist alles andere als gewöhnlich – immerhin kommt er aus Japan, da ist nichts gewöhnlich. So schafft er es in 107 Minuten eine Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer auf so vielen unterschiedlichen Ebenen berühren. Der Film ist liebevoll, spannend, witzig, berührend und trifft genau den richtigen Nerv. Ganz nebenbei schafft er so vielschichtige Charaktere, mit denen man fühlt und die einem absolut sympathisch sind. Zwar nicht alle, so dass es auch Charaktere gibt, die negativ auffallen, aber in einem überschaubaren Rahmen.
Your Name fängt zunächst relativ verwirrend an. Als Neuling in der Animewelt ist es zudem noch ein bisschen schwieriger die ersten Minuten zu greifen, was genau da versucht wird zu erzählen. Erst nach und nach verläuft der Film in regelmäßigere Muster. Ab dann ist auch die Handlung gut verständlich, wenn sie auch immer wieder mit neuen Überraschungen auftaucht. Trotzdem eilt die Handlung nicht, sondern lässt sich nach und nach mit einer gewissen Ruhe erzählen. Selbst in hektischeren Szenen, bleibt eine gewisse Gelassenheit zu spüren. Trotzdem ist die Handlung fast durchgehend spannend.
Ein weiteres großes Kompliment geht an die Animatoren. Denn Your Name. ist sehr detailliert und sehr ausführlich gezeichnet. Während herkömmliche Animes – was man halt nachmittags beim durchschalten auf RTL2 so sieht – in manchen Szenen die Mimik doch stark vereinfacht darstellt, legt Your Name. hier durchgehend großen Wert aufs Detail.

Das Fazit

Your Name. ist ein sehr schön gezeichneter Film, der über die bekannte Körpertauschthematik hinausgeht und mit einer gut durchdachten und spannenden Handlung überzeugen kann. Auch Animeabgeneigte kommen hier auf ihre Kosten. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.