Zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit

Ein Vorwort

Wie viele von uns hegen innerlich den Wunsch einmal in den Weltraum zu reisen? Einmal die Erde von oben sehen und doch scheint der Traum unendlich weit weg. Doch wie viel unwahrscheinlicher ist der Traum, wenn dann noch eine Querschnittslähmung dazukommt? Doch auch, wenn es unmöglich schien, hat Michaela Benthaus genau dies zustande gebracht. Sie war die erste Rollstuhlfahrerin im All. Über ihren Traum und ihren Weg dorthin berichtet sie in dieser Autobiographie und wieso ich das Buch empfehle, berichte ich in dem heutigen Beitrag.

Das Buch wurde mir vom Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich dafür und kennzeichne diesen Beitrag als Werbung.

Das Buch steht vor einem Bücherregal. Daneben ist eine Tasse mit dem Spruch "Stay Wild Moonchild".

Die Handlung

Michaela Benthaus studiert, um irgendwann in der Raumfahrt arbeiten zu können. Ihr heimlicher Traum ist es aber irgendwann selbst einmal ins All zu reisen. Doch dann hat sie einen schweren Mountainbike Unfall und erwacht mit einer Querschnittslähmung. Doch sie gibt nicht auf und kämpft sich nicht nur zurück in ihren Alltag, sondern auch beruflich weiter. Nur ein paar Jahre später schafft sie es als erste Rollstuhlfahrerin ins All.

Meine Meinung

Bisher sind ca. 700 Menschen im Weltraum gewesen. Die Quote der Männer ist dabei sehr hoch. Noch immer ist es als Frau sehr schwierig Astronautin zu werden und wenn sie es schafft, dann kommen abstruse Meldungen, wie Tamponmengen, die ihr zur Verfügung gestellt werden. Aber selbst, wenn wir hiervon einmal absehen, wie wahrscheinlich ist es, dass Menschen mit Behinderungen es ins All schaffen? Aber wenn niemand den Anfang macht, wie soll die Forschung zur Barrierefreiheit dann vorankommen?
Wir lernen Michaela als junge Frau mitten in ihrem Studium der Mechatronik kennen. Als Ausgleich fährt sie Mountainbike und lebt ihr Leben in vollen Zügen. Die Faszination für den Weltraum ist bereits da und ihr Aufbaustudium soll sie mehr in diese Richtung bringen. Doch nur ein Sprung, der nicht so funktioniert hat, wie er sollte und schon ändert sich ihr Leben schlagartig. Unzählige Operationen später steht fest, dass sie eine Querschnittslähmung hat und nun im Rollstuhl sitzt. Schon hier nimmt sie uns mit, teilt ihre Gedanken, reflektiert die Erlebnisse und zeigt ungeschönt ihre Ängste und Sorgen. Ein ganz schön harter Einstieg, aber wir Lesenden wurden damit auch direkt in Michis Realität gezogen, die ungeschönt dargestellt wird, aber auch nicht überdramatisiert. Und mit dieser schonungslosen Ehrlichkeit konfrontiert sie uns noch ein paar Mal.
Denn auch, wenn sie ihren Weg zurück ins Leben findet und ihren Alltag und ihre Träume wieder aufnimmt, so zeigt sie doch ganz klar, wie ihr mangelnde oder gar fehlende Barrierefreiheit den Alltag unnötig verkomplizieren und worüber sich jemand ohne Rollstuhl keine Gedanken machen muss. Bürokratie, die das Mindestmaß an notwendigem stark verkompliziert und wer nicht gerade eine Anwältin als Mutter hat, die unerbitterlich für die Rechte kämpft, steht noch einmal schlechter da. Und auch das ist ein Punkt, den die Autorin immer wieder klar betont. Es sind ihre Erfahrungen, ihre Gedanken und ihr Umgang mit der Behinderung. Es ist keine Blaupause, die auf alle im Rollstuhl oder mit Querschnittslähmung übertragen werden kann.
Wir begleiten Michi weiter durch ihr Studium und schließlich zu ihrem ersten Job. Wir lernen mit ihr Menschen kennen, die ihren Weg begleitet haben und die an ihren Traum ebenfalls glaubten und sich für mehr Barrierefreiheit in der Raumfahrt eingesetzt haben. Vom Parabelflug über eine Marssimulation auf der Erde. Die einzelnen Stationen sind so schon unfassbar spannend und zeigen immer neue Herausforderungen und wie diese gemeistert wurden.
Selbst, wenn sie am Ende nicht in den Weltraum geflogen wäre, wäre der Weg dahin schon dieses Buch absolut wert gewesen. Denn auf jeder Seite kommt ihre Begeisterung für die Raumfahrt durch und das auf allen Ebenen. Dabei erklärt sie uns einzelne Begriffe und Abläufe so, dass auch jeder, der absolut kein Vorwissen hat, es versteht, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Insgesamt waren es sehr angenehme Erklärungen und auch die Bedeutung von Unternehmen, wie Blue Origin und Space-X, die bei mir wegen ihrer CEOs eher negativ besetzt sind. Sie geht in einen kritischen Diskurs und erläutert ihre Haltung dazu mit Argumenten, die mir vorher gar nicht bewusst waren.
Am Ende ist es eine wahnsinnig gut geschriebene Geschichte über ein Leben, das alles andere als leicht ist, aber geprägt von großen Träumen und dem Weg dahin. Sie ist inspirierend, ohne bewusst inspirierend sein zu wollen. So herzlich und voller Ehrlichkeit und da es hilft, weiter das Bewusstsein für mangelnde Barrierefreiheit zu schärfen, auch abseits des Themas Raumfahrt ein wichtiges Buch.

Das Fazit

Zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit bietet eine spannende Geschichte, geprägt von Ehrlichkeit und Träumen. Die Faszination zur Raumfahrt ist allgegenwärtig und doch ist es auch ein Appell an mehr Sichtbarkeit und für mehr Barrierefreiheit. Ich kann es nur bedingungslos weiterempfehlen.

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