Der dunkle Turm

Am 10.08.2017 erschien eine neue Buchverfilmung des Meisters des Horrors Mr Stephen King in den deutschen Kinos.

In der Mitte der Welten steht der dunkle Turm. Bewacht wird er vom letzten Revolvermann Roland. Der Mann in Schwarz versucht den Turm zu stürzen. Von all diesem träumt Jake Chambers, der nach dem Tod seines Vaters mit einem Trauma lebt. Bis er eines Tages entdeckt, dass es sich nicht um einen Traum handelt.

Die dunkle Turm Reihe von Stephen King umfasst acht Bände mit unterschiedlichem Umfang. Durch diese Größe galt sie bisher für unverfilmbar. King selbst beschrieb den Dunklen Turm Zyklus für sein wichtigstes Werk, weswegen er vorab viele Angebote für eine Verfilmung ablehnte. Nun genehmigte King doch die Verfilmung. Doch schon nach den ersten Daten des Films erschienen viele Fragezeichen im Gesicht der Kino- und Kingfans. Denn der dunkle Turm in der Verfilmung sollte gerade einmal ca. 90 Minuten umfassen. Wie sollte in dieser Zeit auch nur ansatzweise der gesamte Stoff hineinpassen? Nach den ersten Kritiken und Sichtungen des Films kam es zum nächsten seltsamen Fakt: Keinem der Kritiker gefiel der Film und er wurde auf das übelste zerrissen. Nur einer fand den Film wirklich gut. Mr Stephen King höchstpersönlich. Wie kann das sein?
Zunächst sollte man sich bewusst machen, dass der dunke Turm natürlich mit 90 Minuten nicht den gesamten Zyklus widerspiegelt. Er soll mittendrin ansetzen. Demnach standen sich die beiden Erzfeinde Roland, der Revolvermann, und der Mann in Schwarz bereits mehrfach gegenüber. Dann wurde bewusst Jake Chambers als Protagonist gewählt. Er kennt die Welt um den dunklen Turm bisher nur aus seinen Träumen und dient damit als perfekter Identifizierungspunt für den Zuschauer, der die Bücher nicht gelesen hat und die neue Welt durch die Augen eines Kindes entdecken möchte. So erfährt der Zuschauer zunächst nur einige Eckpunkte, da sich der Film zunächst mit der Vorstellung und Charakterisierung Jakes beschäftigt. Erst nach und nach treten die fantastischen Elemente auf und der Zuschauer wird damit behutsam in die Welt heran geführt.
Mit einer Lauflänge von 90 Minuten kann der dunkle Turm gar nicht all das Aussagen, was er hätte aussagen können. Die Vorlagen waren da. Aber trotzdem scheinen die vielen schlechten Kritiken etwas ungerecht dem Film gegenüber. Vergleichbare Werke, die in letzter Zeit erschienen, hatten zumeist den Kritikpunkt, dass die Welt dahinter nicht ganz ausgereift sei oder das zu viel Stoff in einen Film gepresst wurde – man erinnere sich nur an Jupiter Ascending. Dies umgeht der dunkle Turm, in dem er sich auf die wichtigsten Elemente konzentriert, einen konsequenten Handlungsbogen aufbaut und die Welt beinahe spielerisch aufbaut und durch Jake erkunden lässt. Trotzdem merkt man es unter der Oberfläche brodeln. So viel könnte gesagt werden, so viel könnte noch gezeigt werden und so viel könnte noch erzählt werden.
Der Mann in Schwarz – im Film gespielt von Matthew McConaughey – ist laut Autor Stephen King die Verkörperung von allem Bösen. Ein Zusammenschluss all der Bösewichte, die King jemals erfand. So fungiert er auch im Film eindeutig als das Böse, ohne jede Reue, ohne jedes Mitleid. McConaughey schafft es auch genau die richtige Nuance im Spiel zu finden, die diese Charakterisierung hervorhebt. Ein einzelner Blick reicht, um den Zuschauer verstummen zu lassen und gespannt auf das Kommende warten zu lassen. Trotzdem fehlt hier der letzte Schliff an der Rolle. Ein paar Worte mehr über seine Taten und seine Absichten.
Roland ist der letzte der Revolvermänner. Idris Elba nahm sich der Rolle an und spielt gekonnt zwischen dem angehärtetem Mann und der melancholischen Seite Rolands. Doch leider bleibt seine Rolle sehr blass. Man erfährt nichts über die Revolvermänner und Roland, nur das er gut schießen kann und es seine Aufgabe ist den dunklen Turm zu bewachen. Hier wäre mehr erzählen doch besser gewesen.
Die Handlung folgt stringent einem bereits früh erahnbarem Weg, schafft es aber dennoch Spannung aufzubauen. Hinten hinaus hätten es gerne ein paar Minuten mehr sein können, denn der alles entscheidende Entkampf scheint dann doch wieder zu einfach und zu konstruiert zu sein.

Im Endeffekt kann man sagen, dass der dunkle Turm doch vieles richtig macht und als unabhängiges Werk sehr gut funktioniert, auch wenn er ein paar Schwächen zeigt. Vorraussetzung ist, dass man weder die dunkle Turm Reihe gelesen hat, noch etwas anderes von Stephen King und des Film daher nicht mit Kings einzigartiger Erzählweise vergleichen kann.

Alles in allem hadert der dunkle Turm nur an ein paar Stellen mit sich, ergibt aber doch einen runden Fantasy-Film. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

4 Gedanken zu „Der dunkle Turm

  1. Du vertrittst genau meine Meinung…wenn man den Film als eigenständiges Werk nimmt funktioniert er eigentlich ganz gut und bietet einen aufregenden ersten Blick in eine Welt die es noch weiter zu erkunden gilt 😉

    Gefällt 1 Person

    • Ich frage mich, ob ich das noch so sehe, wenn ich es endlich irgendwann einmal schaffe ein Werk Kings zu lesen. „Friedhof der Kuscheltiere“ steht ja bisher erwartungsvoll in meinem Regal. Und ich weiß übrigens nicht, worum es genau in dem Buch geht, also werde ich aktuell deine King-Beiträge vermeiden 😉

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      • Also meine Eltern haben zu Hause auch einige Werke von King stehen aber bisher haben sie mich eigentlich noch nicht so gereizt…wobei jetzt mit dem Special wär es schon mal interessant auch eines der Bücher zu lesen 😉!

        Ich versuch aber eigentlich in den Beiträgen nichts zu spoilern was man nicht sowieso aufgrund der Trailer auch wissen würde…aber ansonsten kannst natürlich auch mit dem durchstöbern der Beiträge warten😉

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  2. Pingback: Rückblick auf das 3. Quartal 2017 – Highlights und Enttäuschungen | ShalimasFilmweltenKritik

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