Fast and Furious: Hobbs & Shaw

Ein Vorwort zum Vorwort

A: Wir sollten mal wieder zusammen ins Kino gehen
Ich: Klingt gut, aber ich habe alle Filme, die ich sehen will, bereits gesehen
A: Dann müssen wir wohl einen der übriggebliebenen Filme sehen
Ich: Hobbs & Shaw läuft noch
A: Ja, da sah der Trailer lustig aus… und wenn der Film nicht lustig ist, dann machen wir ihn uns einfach lustig
Ich: Stören wir dann nicht die anderen Kinogäste?
A: Also ob uns das jemals gestört hätte
*Beidseitiges diabolisches Lachen*

Ein Vorwort

Wenn es ein großes Filmfranchise der letzten Jahre gibt, mit dem ich absolut nichts anfangen kann, dann ist es wohl Fast & Furious – okay und vielleicht Transformers, aber das ist wieder ein anderes Thema. Dementsprechend habe ich auch noch keinen der bisherigen Filme gesehen. Autorennen – worum es glaub ich am Anfang mal ging – bis hin zu riesigen Auto-Keine-Ahnung- was-das-sein-soll – Hallo, in dem einen Trailer sind die mit ihren Autos aus einem Flugzeug gesprungen und aus Hochhäusern… wie soll man das bitte bezeichnen – interessieren mich herzlich wenig. Wofür ich allerdings zu haben bin, sind zwei Protagonisten, die sich mit witzigen Dialogen gegenseitig anstacheln, wie zuletzt in Killers Bodyguard. Ob mich nun der Spin-off zu Fast and Furious überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die MI6 Agentin Hattie Shaw (Vanessa Kirby) kommt bei einem Einsatz aus der Not heraus in Berührung mit einem gefährlichen Virus, welches sie innerhalb von wenigen Tagen töten wird. Ihr zur Hilfe bestellt werden John Hobbs (Dwayne Johnson) und Deckhardt Shaw (Jason Statham). Das Problem: Hobbs und Shaw können sich auf den Tod nicht ausstehen und versuchen lieber ihr eigenes Ding durchzuziehen, während Hattie der Ansicht ist, das lieber auf eigene Weise lösen zu wollen. Brixton Lore (Idris Elba), ein Cyborg, wiederum will das Virus unbedingt für seine Firma. Lore ist ein alter Bekannter von Shaw. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Meine Meinung

Auf dem ersten Blick scheint Hobbs and Shaw ein typischer Männerfilm zu sein mit zwei Protagonisten, die sich eine reine Testosteronschlacht liefern. Wer ist toller, besser, stärker, klüger? Hinzu kommt noch der Antagonist, der sich durch technischen Fortschritt verbessern ließ, und dadurch das „Battle“ nach eigener Aussage sowieso gewonnen hat. Doch auf den zweiten Blick hat der Film doch einiges mehr zu bieten.
Also ja, es gibt zwischendurch immer wieder eine Testosteronschlacht. Aber die sind so witzig und überzeichnet, dass man sie nicht mehr so ganz ernst nehmen kann, bzw. sie einfach zum Rhythmus des Films passt, ohne anstrengend zu werden. Auch stand die Befürchtung im Raum, dass Vanessa Kirbys Charakter zum typischen „Jungfrau in Nöten muss von starken Männern gerettet werden“ verkommen könnte. Aber auch das ist nicht der Fall. Denn Kirby spielt hier eine starke Frauenfigur, die sich auch durchaus ihren eigenen Weg durch die Bösewichte gekämpft hätte, wären es nicht viel zu viele für einen Menschen. Aber sie ist intelligent, schlagfertig und kann für sich selbst eintreten. Sprich: sie hätte auch die Protagonistin sein können, wären die beiden Männer nicht bereits durch das Franchise bekannt gewesen.
Die Handlung selbst kann trotz gewohntem Aufbau an vielen Stellen überraschen. Auch wenn 137 Minuten Lauflänge ein wenig lang sind und der Film auch ohne Verluste gekürzt hätte werden können, kommt nur selten ein Längegefühl auf. Gerade die Einführung dauert ein Tucken zu lange, ehe der große Wettlauf mit der Zeit beginnt. Am meisten lebt der Film jedoch von der wunderbaren Chemie zwischen Johnson und Statham. Auch wenn sie sich hassende Charaktere spielen und das – vielleicht auch einmal zu viel – in langen Wortgefechten ausdiskutieren, trotzdem ziemlich gut harmonieren.
Natürlich bleibt das ganze irgendwo im Fast & Furious Franchise verankert. Einige Referenzen und Kurzauftritte hat man wohl ohne Hintergrundwissen auch nicht so richtig verstanden – ich meine, Helen Mirren mit keinen fünf Minuten Screentime? Aber dennoch bleibt der Film in sich logisch und kann auch hervorragend als Einzelfilm gesehen werden. Und ja auch hier gibt es größere Autoverfolgungsjagden, die optisch echt gutaussahen, aber irgendwo doch ein wenig zu viel des Guten waren. Dennoch liegt hier nicht der Augenmerk drauf, so dass auch das verzeihlich ist.

Das Fazit

Hobbs & Shaw konnte mich durch eine starke weibliche Fast-Hauptrolle, ein intelligentes Drehbuch, sympathische Charaktere und gut gemachter Action durchaus überzeugen. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Fast and Furious: Hobbs & Shaw läuft seit dem 01.08.2019 in den deutschen Kinos.

PS: Wer das Ende von Game of Thrones noch nicht gesehen hat, noch nicht gespoilert wurde und es unbedingt noch sehen will, sollte unbedingt vor der Midcreditscene das Kino verlassen! Dort wird massiv zum Finale von Game of Thrones gespoilert.

Der dunkle Turm

Am 10.08.2017 erschien eine neue Buchverfilmung des Meisters des Horrors Mr Stephen King in den deutschen Kinos.

In der Mitte der Welten steht der dunkle Turm. Bewacht wird er vom letzten Revolvermann Roland. Der Mann in Schwarz versucht den Turm zu stürzen. Von all diesem träumt Jake Chambers, der nach dem Tod seines Vaters mit einem Trauma lebt. Bis er eines Tages entdeckt, dass es sich nicht um einen Traum handelt.

Die dunkle Turm Reihe von Stephen King umfasst acht Bände mit unterschiedlichem Umfang. Durch diese Größe galt sie bisher für unverfilmbar. King selbst beschrieb den Dunklen Turm Zyklus für sein wichtigstes Werk, weswegen er vorab viele Angebote für eine Verfilmung ablehnte. Nun genehmigte King doch die Verfilmung. Doch schon nach den ersten Daten des Films erschienen viele Fragezeichen im Gesicht der Kino- und Kingfans. Denn der dunkle Turm in der Verfilmung sollte gerade einmal ca. 90 Minuten umfassen. Wie sollte in dieser Zeit auch nur ansatzweise der gesamte Stoff hineinpassen? Nach den ersten Kritiken und Sichtungen des Films kam es zum nächsten seltsamen Fakt: Keinem der Kritiker gefiel der Film und er wurde auf das übelste zerrissen. Nur einer fand den Film wirklich gut. Mr Stephen King höchstpersönlich. Wie kann das sein?
Zunächst sollte man sich bewusst machen, dass der dunke Turm natürlich mit 90 Minuten nicht den gesamten Zyklus widerspiegelt. Er soll mittendrin ansetzen. Demnach standen sich die beiden Erzfeinde Roland, der Revolvermann, und der Mann in Schwarz bereits mehrfach gegenüber. Dann wurde bewusst Jake Chambers als Protagonist gewählt. Er kennt die Welt um den dunklen Turm bisher nur aus seinen Träumen und dient damit als perfekter Identifizierungspunt für den Zuschauer, der die Bücher nicht gelesen hat und die neue Welt durch die Augen eines Kindes entdecken möchte. So erfährt der Zuschauer zunächst nur einige Eckpunkte, da sich der Film zunächst mit der Vorstellung und Charakterisierung Jakes beschäftigt. Erst nach und nach treten die fantastischen Elemente auf und der Zuschauer wird damit behutsam in die Welt heran geführt.
Mit einer Lauflänge von 90 Minuten kann der dunkle Turm gar nicht all das Aussagen, was er hätte aussagen können. Die Vorlagen waren da. Aber trotzdem scheinen die vielen schlechten Kritiken etwas ungerecht dem Film gegenüber. Vergleichbare Werke, die in letzter Zeit erschienen, hatten zumeist den Kritikpunkt, dass die Welt dahinter nicht ganz ausgereift sei oder das zu viel Stoff in einen Film gepresst wurde – man erinnere sich nur an Jupiter Ascending. Dies umgeht der dunkle Turm, in dem er sich auf die wichtigsten Elemente konzentriert, einen konsequenten Handlungsbogen aufbaut und die Welt beinahe spielerisch aufbaut und durch Jake erkunden lässt. Trotzdem merkt man es unter der Oberfläche brodeln. So viel könnte gesagt werden, so viel könnte noch gezeigt werden und so viel könnte noch erzählt werden.
Der Mann in Schwarz – im Film gespielt von Matthew McConaughey – ist laut Autor Stephen King die Verkörperung von allem Bösen. Ein Zusammenschluss all der Bösewichte, die King jemals erfand. So fungiert er auch im Film eindeutig als das Böse, ohne jede Reue, ohne jedes Mitleid. McConaughey schafft es auch genau die richtige Nuance im Spiel zu finden, die diese Charakterisierung hervorhebt. Ein einzelner Blick reicht, um den Zuschauer verstummen zu lassen und gespannt auf das Kommende warten zu lassen. Trotzdem fehlt hier der letzte Schliff an der Rolle. Ein paar Worte mehr über seine Taten und seine Absichten.
Roland ist der letzte der Revolvermänner. Idris Elba nahm sich der Rolle an und spielt gekonnt zwischen dem angehärtetem Mann und der melancholischen Seite Rolands. Doch leider bleibt seine Rolle sehr blass. Man erfährt nichts über die Revolvermänner und Roland, nur das er gut schießen kann und es seine Aufgabe ist den dunklen Turm zu bewachen. Hier wäre mehr erzählen doch besser gewesen.
Die Handlung folgt stringent einem bereits früh erahnbarem Weg, schafft es aber dennoch Spannung aufzubauen. Hinten hinaus hätten es gerne ein paar Minuten mehr sein können, denn der alles entscheidende Entkampf scheint dann doch wieder zu einfach und zu konstruiert zu sein.

Im Endeffekt kann man sagen, dass der dunkle Turm doch vieles richtig macht und als unabhängiges Werk sehr gut funktioniert, auch wenn er ein paar Schwächen zeigt. Vorraussetzung ist, dass man weder die dunkle Turm Reihe gelesen hat, noch etwas anderes von Stephen King und des Film daher nicht mit Kings einzigartiger Erzählweise vergleichen kann.

Alles in allem hadert der dunkle Turm nur an ein paar Stellen mit sich, ergibt aber doch einen runden Fantasy-Film. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Bastille Day

Am 23.06.2016 erschien ein neuer Actionthriller mit Idris Elba in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

Michael Mason lebt in Paris und ist ein Taschendieb. Als er eines Tages eine Tasche klaut, in der sich eine Bombe befindet, die auch noch in der Stadt explodiert und Menschen sterben, gerät er ins Visier der CIA. Agent Sean Briar, der für seine Alleingänge bekannt ist, wird auf ihn angesetzt. Doch schnell stellt sich heraus, dass Mason unschuldig ist und die Bombe erst der Anfang war.

Im Angesicht der Terroranschläge auf Paris im letzten Jahr ist Bastille Day vielleicht mit etwas Vorsicht zu genießen. Aber da die Handlung absolut keinen Bezug zu den realen Anschlägen hat, kann man den Film auch ohne bitteren Nachgeschmack gucken.
Michael Mason ist amerikanischer Staatsbürger, lebt aber in Paris und verdient seinen Lebensunterhalt mit Taschendiebstählen. Seine Beute verkauft er dann an zwielichtige Geschäftsmänner. Dieses Leben funktioniert bis er eines Tages ausversehen die falsche Tasche stiehlt. Denn sie gehört Zoe, die von einer kleinen Rebellengruppe angeworben wurde. Sie wollten eigentlich ein Attentat auf ein Bürogebäude verüben, doch hatte Zoe kalte Füße. Nun ist die CIA auf Mason aufmerksam geworden und senden den Agenten Sean Briar aus, um Mason zu fangen. Briar ist mürrisch und handelt immer sehr intuitiv, weswegen er aber eine Verwarnung von der CIA bekommen hat. Nach einer wilden Verfolgungsjagd hat Briar Mason gefangen und muss zu seinem Bedauern feststellen, dass er eine sehr passive Rolle bei dem Anschlag hatte. Inzwischen hat sich aber eine Terrorgruppe zu der Explosion bekannt und es hetzt verschiedene Gruppen gegeneinander auf. Es kommt zu einem halben Bürgerkrieg. Mason und Briar müssen gezwungenermaßen miteinander arbeiten.
Bastille Day ist ein Thriller, der vielleicht nicht die neuste und innovativste Handlung hat, diese aber mit Liebe zum Detail ausgearbeitet ist, schlüssig ist und obwohl man schnell erkennt, wer Gut und wer Böse ist, doch die Spannung durchgängig hoch halten kann und vorallem trotzdem immer noch für kleine Überraschungen sucht. Auch endet er nicht in einem typischen Buddy-Film, in dem das ungleiche Paar Briar und Mason am Ende beste Freund sind, sondern sie respektieren sich lediglich für ihre Taten. Dies gibt dem Film einen erstaunlich frischen Wind und ist einmal eine nette Abwechslung. Auch gibt es Ausnahmsweise keine nervige Liebesgeschichte und Zoe handelt nur die Hälfte aller Klitschees von Frauen in Actionfilmen ab.
Idris Elba übernimmt die Rolle des Sean Briar und zeigt einen ersten Vorgeschmack, auf was man sich freuen dürfte, wenn er der neue James Bond werden würde. Leider ist seine Rolle so mürrisch, dass man keine Beziehung zu ihm aufbauen kann und man seine Taten daher immer mit einer großen Distanz beobachtet. Hier hätten kleine Charaktermacken gut gepasst, um eine größere Nähe zum Publikum zu schaffen.
Richard Madden übernimmt die Rolle des Michael Mason. Die Rolle spielt er angemessen, auch wenn er die meiste Zeit wie ein geprügelter Hund aussieht. Hier hätte er trotz seiner ausweglosen Situation ein bisschen von seiner anfänglichen Arroganz behalten können. Eine wirkliche Dynamik oder gute Chemie kommt zwischen den Charakteren Mason und Briar leider nicht auf, was aber den Effekt des ungleichen Paares verstärkt.
Das Setting Paris ist eine nette Abwechslung zu den Standartstädten in den USA und es werden auch ausnahmsweise keine Wahrzeichen zerstört. Man merkt, dass der Film in Paris spielt, aber es wird einem auch nicht in jeder zweiten Szene durch die Einblendung des Eiffelturmes auf die Nase gebunden. Die Action-Szenen sind gut choreografiert, geben Briar aber auch keine übermenschlichen Fähigkeiten.

Alles in allem ist Bastille Day ein schöner Action-Film mit einer nicht neuen Handlung, aber dafür erfrischend wenig Klitschees. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.