Eine Handvoll Bücherkritiken

Ich habe gelesen und kann euch somit hier wieder eine Handvoll Bücher vorstellen, die mich in den letzten Wochen begleiteten. Diesmal mit dabei ist ein ganz besonderes Café, ein nicht ganz so anonymer Schauspieler, ein Roadtrip durch Frankreich, eine Hüterin von Büchern und eine Zeitreise in die Südstaaten der 1930er Jahre.

Das Café der guten Wünsche – Marie Adams

Die Handlung: Die Freundinnen Julia, Bernadette und Laura führen ein kleines Café im Herzen einer großen Stadt. Gerade Julia ist eine große Träumerin und alle drei glauben an die Macht der gedachten Wünsche. Und so wünschen sie jedem Gast stets etwas Gutes. Julia trifft auf den Pessimisten Robert, der ihr Leben ganz schön durcheinander wirbelt.

Meine Meinung: Das Buch war dieses Jahr mein erster Versuch einer leichten Sommerlektüre, auch wenn noch kein Sommer ist. Das war dann wohl auch das sichere Zeichen dafür, dass es ein Buch ist, dass nicht in die Kategorie passt. Denn Das Café der guten Wünsche ist einfach nur nervig. Zunächst muss man sich schon an die fehlenden Kapitel gewöhnen. Stattdessen wird mit Absätzen gearbeitet. Dadurch hat man aber irgendwie keinen Anhaltspunkt, wo gedanklich etwas neues beginnt. Die Autorin wollte dies wohl auch gar nicht ordnen, denn sie hat nicht den einen Erzähler und sei es ein allwissender, sondern sie lässt einfach alle Charaktere mal gedanklich zu Wort kommen. Dadurch kann man zwar die Handlungen dieser nachvollziehen, aber man muss auch damit klar kommen, dass auf einer Doppelseite gerne dreimal die Erzählperspektive gewechselt wird. Mir hat das nicht gefallen. Aber selbst, wenn man damit gut klar kommt, ist da dann noch die Geschichte an sich und ihre schrecklichen Charaktere. Alle handeln mit einer Naivität, die absolut unsympathisch wirkt. Es gab keinen Charaktere, den ich auch nur ansatzweise mochte, stattdessen wollte ich permanent alle schütteln und ins Gesicht schreien, dass sie bitte nicht so bescheuert sein sollen. Zusätzlich dreht sich die Geschichte auch immer wieder im Kreis und will einfach nicht vorkommen, nur um dann mit dem absolut offensichtlichen Ende aufzuwarten, dass dann komplett überstützt und hastend auf einen zugerast kommt. Keine Empfehlung für dieses Buch.

Das Manifest der anonymen Schauspieler – James Franco

Die Handlung: Schauspieler James Franco nimmt sich die 12 Schritte und Traditionen der anonymen Alkoholiker als Vorbild und verfasst daraus die 12 Schritte und Traditionen der anonymen Schauspieler. Untermalt mit Geschichten, Anekdoten, Gedankenfragmenten und experimentellem Geschreibsel.

Meine Meinung: Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt über dieses Werk schreiben sollte, weil es mich so abgeschreckt hat, dass ich eigentlich keine zusätzliche Aufmerksamkeit für das Buch erregen wollte. Aber vielleicht halte ich ja den ein oder anderen vom Kauf ab. Man kann von James Franco als Schauspielen halten, was man möchte. Die Grundidee des Buches sich an den 12 Schritten und Traditionen der anonymen Alkoholiker entlang zu hangeln, ist gut. Die Geschichten, die nicht wirklich etwas damit zu tun zu haben scheinen, sind bestenfalls langweilig, schlimmstenfalls abstoßend. Allein dafür lohnt es sich schon, sein Geld zu sparen, auch wenn man hier noch argumentieren kann, dass Franco hier bewusst provoziert. Aber wenn er dann ein paar Anekdoten aus den Anfängen seiner Schauspielkarriere erzählt und dabei in einem Abschnitt erzählt, wie er ein betrunkenes Mädchen vergewaltigt und das dann auch noch als okay bzw. unwichtig hinstellt, dann hört es bei mir auf. Es ist mir egal, ob es wirklich so war oder ob es nur irgendeine schlechte Metapher sein soll. Mit einem Mädchen, das betrunken und bewusstlos ist, Sex zu haben, ist Vergewaltigung.

Die grüne Ente – Manu Causse

Die Handlung: Der Vater tut sich schwer mit seinem Sohn, einem Autisten. Dennoch ist er zu den wöchentlichen Treffen außerhalb der Klinik da. Bis ihm diese untersagt werden. Als er kurz darauf eine grüne Ente erbt, beginnt ein wilder Trip durch Frankreich. Mit dabei sind der verstorbene Onkel und die tote Katze, die vom Rücksitz aus Kommentare fallen lassen.

Meine Meinung: Definitiv keine alltägliche Geschichte, ich kann nicht einmal sagen, ob es eine vergleichbare gibt. Interessant am Erzählstil ist schon, dass nur ganz wenige Charaktere überhaupt einen Namen bekommen. Der Vater ist immer der Vater, der Gendarm ist der Gendarm, die Mutter auch gerne mal die Frau mit den Krokodilhänden. Sobald man sich an diesen Umstand gewöhnt hat, folgt man gespannt dem agieren der verschiedenen Charaktere. Dabei werden viele Fragen aufgeworfen, die nie beantwortet werden, was im Laufe des Buches immer unbefriedigender wird. Auch der Roadtrip durch Frankreich ist viel nüchterner, als man ihn sich nach dem Klappentext wohl vorstellte. Zumal die Kommentare von der Rückbank auch eher sehr spärlich sind. Man muss sich hier wirklich auf die Geschichte einlassen und sie am besten auch in einem Rutsch lesen, wenn man einmal drin ist, ansonsten kann sie ziemlich mühselig werden. Es ist eine Geschichte, bei der ich hinterher beim besten Willen nicht sagen kann, ob ich sie mochte, oder nicht. Auf jeden Fall ein Tipp, für alle, die etwas abseits vom Alltagsbrei suchen.

Bookless 2 – Gesponnen aus Gefühlen – Marah Woolf

Die Handlung: Lucy wurde von Nathan aus dem Feuer der Bibliothek gerettet. Nur um sich kurz darauf in den Fängen von Nathans Onkel Batiste de Tremaine zu befinden. Der oberste Perfecti des Ordens, die Bücher auslesen, um sie „zu beschützen“, hat Pläne mit der Hüterin Lucy. Nathan will diese jedoch nicht zulassen und befreit Lucy aus den Fängen seines Onkels. Ein Katz und Maus Spiel beginnt.

Meine Meinung: Ein schlechtes Zeichen für eine Trilogie ist es wohl, wenn man einen Band braucht, um alle vorzustellen, in dem also nicht wirklich etwas passiert und dann den ganz typischen Mittelteil zu schreiben. Denn auch hier im zweiten Teil scheint nichts wirklich zu passieren. Stattdessen dreht sich das Buch immer und immer wieder im Kreis und pendelt von Schauort zu Schauort, wo gefühlt immer genau das gleiche passiert. Die Charaktere entwickeln sich nur bedingt weiter, lediglich Nathan bekommt eine etwas neue Richtung. Aber gerade Protagonistin Lucy bleibt absolut naiv und scheint keine einzige vernünftige Entscheidung treffen zu können. In Teil 3 muss nun der große Knall kommen, ansonsten wird die Reihe wohl schnell aus meinem Gedächtnis gelöscht. Auch der sehr einfache Schreibstil der Autorin konnte mich nicht wirklich abholen.
P.S.: Kann mir jemand sagen, ob sich die andere Reihe der Autorin „Götterfunke“ vielleicht eher lohnt?

Wer die Nachtigall stört – Harper Lee

Die Handlung: Der Anwalt Atticus Finch ist alleinerziehend. Seine beiden Kinder Jem und Scout wachsen wie ganz normale Kinder in den Südstaaten der USA der 1930er Jahre auf. Bis sich Atticus entschließt einen Schwarzen zu verteidigen, der ein Mädchen vergewaltigt haben soll. Und so werden die Geschwister in jungen Jahren mit den Thema Rassismus konfrontiert.

Meine Meinung: Ein weiterer Haken auf meiner Liste der Schande. Und ein Buch, das es schafft einen erst in die heißen Sommer Alabamas zu führen und sich mit der Leichtigkeit der Kinder in die Herzen zu spielen und dann ganz langsam immer weiter das Thema Rassismus einzubauen. Es brauchte für diese Geschichte zwei typische Kinder und den wohl nettesten Vater der Welt. Harper Lee versteht es die Geschichte ganz langsam dahin plätschern zu lassen und dabei doch so viel zu sagen. Sie baut Geheimnisse und Überraschungen so geschickt in die Handlung ein, dass man immer wieder etwas neues entdeckt. Handlungstechnisch liest es sich beinahe wie eine mögliche Vorgeschichte zu The Green Mile, weswegen es auch sehr passend war, beide Bücher zeitnah zu lesen – auch wenn ich das vorher natürlich nicht wusste. Letztlich ist es ein Stück amerikanische Geschichte durch den Augen eines Kindes und aus gutem Grund ein zeitloser Klassiker.

Ein Gedanke zu „Eine Handvoll Bücherkritiken

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