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Ein Vorwort

Sehr geehrter Herr Zusak,
mein Name ist Shalima Moon. Ich bin Bloggerin und daher der Ansicht meine Meinung hier niederschreiben zu dürfen. Zuerst möchte ich sagen, dass ich Ihr Werk „Der Joker“ sehr liebe und es zu meinen absolut liebsten Büchern gehört. Tatsächlich hatte ich – wohl aus der Angst bei anderen Ihrer Werke nicht die gleiche Magie zu spüren – es bisher vermieden, noch ein weiteres Werk Ihrerseits zu lesen. Witzigerweise bin ich sowohl mit meinem besten Freund als auch mit meiner besten Freundin über Sie ins Gespräch gekommen. Beide sagten mir, dass sie ein anderes Werk Ihrerseits, nämlich „Die Bücherdiebin“ gelesen hatten und es sehr mochten. Meine beste Freundin ging schließlich so weit, dass sie mir eine Ausgabe dieses  Buches zum Geburtstag schenkte. Ich habe es nun gelesen. Herr Zusak, wir müssen reden.

Die Handlung

Die 9-jährige Liesel Meminger wird von ihrer Mutter zu einer Pflegefamilie in Molching, bei München, gebracht. Auf der Fahrt dorthin stirbt ihr Bruder. Dort entdeckt der Tod sie das erste Mal und sie wird ihr erstes Buch stehlen. In den folgenden Wirren des zweiten Weltkriegs wird sie dem Tod noch mehrfach begegnen und noch mehr Bücher stehlen.

Meine Meinung

Herr Zusak, ich möchte zugeben, dass ich mich beim Einstieg in Ihr Buch noch ein wenig gesträubt habe. Die Erzählweise des Todes kam mir befremdlich vor, zumal er ständig vorzugreifen schien. Dann wiederum schien er wichtige Informationen einfach auszulassen. Ich weiß, noch immer nicht, woran der Bruder starb. Sie mögen argumentieren, dass dies für die Geschichte nicht wichtig sei, aber Herr Zusak, es ist höchst unbefriedigend. Doch nach und nach gewöhnte ich mich an die Erzählweise und ließ mich auf die Geschichte ein. Auf Liesel und auf ihre Pflegeeltern. Vorallem auf ihren neuen Papa Hans Hubermann. Auf den Nachbarsjungen Rudi und dessen Familie. Und ich habe sie in mein Herz geschlossen.
Herr Zusak, Sie sagten selbst in einem Interview, dass Sie eigentlich vorhatten nur ca. einen Monat an dem Buch zu arbeiten, es sollte nicht länger als 100 Seiten werden. Sie haben dem Werk drei Jahre gewidmet und es sind nun fast 600 Seiten geworden. Das war wohl zum einen eine gute, aber auch irgendwo eine schlechte Idee. Eine gute, weil Sie der Geschichte so viel mehr Tiefgang geben konnten. Sie nehmen sich die Zeit, um alle Charaktere richtig vorzustellen und teilweise auch in kurzen Kapiteln kurze Anekdoten zu erzählen. Die längeren Kapitel nutzen Sie, um die für die Geschichte wichtigen Aspekte zu erzählen. Sie haben so genug Zeit, um den Nationalsozialismus ganz langsam in die Geschichte zu lassen. Den Hass, gegen ganz normalen Menschen von ganz normalen Menschen die ihnen von abnormalen Menschen eingetrichert wurde. Es gibt wohl keine ehrlichere Art der Erzählung aus der Zeit, als ein ganz normales Mädchen aus einer ganz normalen Straße die Ereignisse einfließen zu lassen. Eine schlechte Idee Buch und Zeit zu verlängern war es wohl, weil dadurch gerade der Anfang etwas zäh gerät. Aber auch, weil man dadurch so viele Gelegenheiten findet, die Charaktere ins Herz zu schließen.
Herr Zusak, ich möchte mit Ihnen nun über das Ende sprechen. Für den Blogleser könnte der folgende Abschnitt Spoiler enthalten, aber sie kennen ja Ihre eigene Geschichte, also kann ich Ihnen gegenüber ja ganz offen sein. Mir ist bewusst, dass es vielleicht naiv war mein Herz an so viele Charaktere zu hängen. Eine Geschichte, die während des zweiten Weltkriegs spielt, ist nicht gerade prädestiniert für ein allumfassendes Happy-end. Aber warum dieses Ende? Herr Zusak, ich war schon desöfteren empört über die Enden von Büchern. Ich wollte Bücher aus dem Fenster werfen, ich wollte nach dem Hörer greifen, um Autoren meine Wut direkt ins Gesicht zu sagen, ich meckerte meinen Lebensgefährten voll, weil ich mit Enden nicht einverstanden war. Ich war auch schon traurig über Enden. Manchmal sind Enden einfach die logische Konsequenz, auch wenn sie mir nicht passen. Aber Herr Zusak, ich habe noch nie am Ende eines Buches so bittere Tränen der Verzweiflung geweint. Es fiel mir noch nie so schwer, die nächsten Seiten umzublättern, denn solange ich es nicht tat, konnte auf den folgenden Seiten stehen, dass alles nur ein Traum war. Ein Scherz des Todes. Aber diese Worte kamen nicht. Wie konnten sie mich so zurücklassen und dann auch noch eine Aussicht auf eine weit entfernte Zukunft geben? Und mich dann am Ende doch im Ungewissen lassen.

Das Fazit

Herr Zusak, schlussendlich möchte ich Ihnen sagen, dass mir Ihr Buch wirklich gut gefallen hat, auch wenn ich es am Anfang nicht mögen wollte und am Ende nicht fassen kann, dass ich es noch immer mag. Aber genau das sind sie. Die Geschichten, die einen noch lange begleiten. Die man nicht ablegen kann. Und die man ungefragt weiter empfehlen möchte. Herr Zusak, Sie werden diesen Beitrag wohl nie lesen. Aber ich hoffe ein paar Leser damit zu erreichen und das war wohl auch Ihre Intention beim Schreiben des Buches.