Nürnberg

Ein Vorwort

Bereits Ende 1945 fand der erste der insgesamte zwölf Nürnberger Prozesse statt, in denen die Kriegsverbrechen des Naziregimes vor Gericht gestellt wurden. Ein Meilenstein in der Gerichtsgeschichte, aber bis heute auch umstritten. Dennoch war ich an der Verfilmung des Hauptprozesses durchaus interessiert. Warum der Film in seiner Gesamtheit echt gut ist, aber auch seine Schwierigkeiten hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe arrangiert

Die Handlung

Der zweite Weltkrieg ist zu Ende und Herrmann Göhring wird festgenommen. In Nürnberg sollen er und weitere Führungsoffiziere angeklagt werden. Doch nicht nur die Rechtsprechung ist auf diesen Fall nicht vorbereitet, auch gilt es die Gefangenen bis zum Prozessende vom Suizid abzuhalten. Dafür wird Psychater Douglas Kelley engagiert, der sich fortan vornimmt gerade Göhring zu knacken.

Meine Meinung

In einer Welt, in der der Rechtsruck immer stärker wird, sind Filme über die Folgen eben dieses gar nicht genug zu betonen. Und das die Akteure des Nationalsozialismuses eben auch Menschen waren, die den Bau der Konzentrationslager angeordnet haben, nur weil sie sich über andere Menschen erhaben fühlten.
Genau damit befasst sich Nürnberg. Beziehungsweise mit den titelgebenden Prozessen. Dabei wird eine interessante Perspektive gewählt, denn der Hauptteil des Films zeigt uns Rami Malek als Psychater Douglas Kelley, der versucht hinter die Fassade von Herrmann Göhring zu blicken. Dabei setzt er bewusst die Sprachbarriere ein oder geht über Göhrings Frau und versucht eine Bindung aufzubauen. Dabei zeig sich vor allem eins: Göhring bereut nichts, sondern versucht sich als den Unwissenden darzustellen. Das ist zwar durchaus spannend anzusehen und verrät sehr viel über das Gedankengut der Täter, aber dadurch geraten die Prozesse an sich ziemlich in den Hintergrund.
Denn hierfür müssen erst einmal rechtliche Hürden überwunden werden, was ich persönlich durchaus spannender fand. Denn der Gedanke der Prozesse war eben die Täter nicht einfach hinzurichten, sondern ihnen einen fairen Prozess zu garantieren. Eben das, was sie unter ihrer Herrschaft nicht zugelassen haben. Um keine Märtyrer zuzulassen, sondern juristisch belegt, die Gräueltaten aufzuzeigen. So kommt es aber, dass der gerade einmal der erste Prozess überhaupt angesprochen wird, und auch hier, nur minimale Ausschnitte gezeigt werden.
Mit einer Lauflänge von 148 Minuten ist der Film nicht gerade kurz und dennoch kratzt er gerade einmal an der Oberfläche der Thematik. Ich glaube kaum, dass ich das schreibe, aber vielleicht wäre hier eine Serie das bessere Format gewesen. Tschernobyl hat gezeigt, wie das dramaturgisch funktionieren kann und dann hätten alle Elemente ihre benötigte Zeit bekommen.
Dennoch ist Nürnberg durchaus ein starker Film und das will ich ihm gar nicht absprechen. Er legt, gerade auch in einer der letzten Szenen, den Finger auf ein brankaktuelles Problem und zeigt, wie es in der Geschichte bereits einmal für unzählige Morde gesorgt hat. Und ich verstehe auch den Fokus den er hat, aber ich hätte mir dennoch eine leichte Verschiebung gewünscht. Auch schauspielerisch hat der Film einiges auf dem Kasten. Russel Crowe als Herrmann Göhring funktioniert, solange er kein überzeugendes Deutsch sprechen muss, sehr gut, er schafft es den Narzisten überzeugen zu verkörpern. Auch Rami Malek und Michael Shannon spielen ihre Rollen überzeugend, sowie der Nebencast rund um Richard E. Grant.
Zu guter Letzt noch eine kleine Content Note: In Nürnberg werden Originalaufnahmen aus Konzentrationslagern, auch Endlagern, gezeigt. Dabei wird sowohl der Zustand der Überlebenden, als auch die Berge an Leichen und die Tötungseinrichtungen gezeigt. Bitte entscheidet selbst, ob ihr euch in der Verfassung dazu fühlt.

Das Fazit

Nürnberg legt den Finger auf ein brandaktuelles Thema und erzählt dabei rein historische Ereignisse. Der Schwerpunkt auf Göhring Psychiater zu legen, funktioniert grundsätzlich, dadurch kommen die namensgebenden Prozesse jedoch relativ kurz. Dennoch eine interessante Aufarbeitung in beklemmender Atmosphäre. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Nürnberg läuft seit dem 07.05.2026 in den deutschen Kinos

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