Finding Emily

Ein Vorwort

Kennt ihr diesen einen magischen Moment, wenn ihr auf einer Party jemanden kennenlernt und auf einmal ist alles perfekt. Ihr redet und redet und lacht und glaubt direkt an Seelenverwandtschaft? Nur, um am nächsten Morgen festzustellen, dass die Handynummer nicht vollständig ist? Okay, zumindest das letzte Szenario ist wohl eher speziell, aber ich fand es einen tollen Aufhänger, um mal wieder eine Liebesgeschichte aus Großbritannien zu sehen, die nicht den typischen Hollywoodfilter hatte. Warum Finding Emily vieles richtig macht, aber ab und an auch den Fokus verliert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels auf einer Filmklappe

Die Handlung

Owen jobbt nach dem Tod seiner Mutter in einer Studierendenbar, wo er eines Nachts auf Emily trifft. Die beiden verstehen sich sofort, doch sie muss weiter zu einer anderen Party. Unter Zeitdruck gibt sie Owen ihre Nummer. Doch als der sie am nächsten Tag erreichen will, stellt er fest, dass sie eine Nummer zu wenig hat. Bei der Suche auf dem Campus trifft er auf eine andere Emily, die gerade an ihrer Abschlussarbeit sitzt und noch ein Fallbeispiel braucht. Sie sieht Owen als bestes Beispiel und bietet ihm Hilfe an. Nur leider schießen beide über das Ziel hinaus und bald steht der ganze Campus Kopf.

Meine Meinung

Wie viele Leute mit gleichen Namen an einer großen Uni studieren ist so gar keine Frage, die ich mir je gestellt habe. Aber es gibt in jeder Generation einzelne Namen, die so beliebt sind, dass sie ständig vergeben wurden. Und anscheinend gibt es unter den aktuellen Studierenden in Großbritannien sehr viele Emilys. Sofern sich der Film hier auf reale Fakten stützt. Und selbst wenn nicht, ist es doch ein realistisches Szenario. Und jetzt stellt euch vor, ihr sucht genau eine dieser unzähligen Emilys. Wie würdet ihr vorgehen?
Genau mit dieser Prämisse spielt der Film und fängt damit auch sehr süß an. Wir haben Owen, der sich einfach nicht anders zu helfen weiß und deswegen einen Aushang macht. Und eben im Sekretariat nachfragt und dort einen Tipp bekommt, welche Emily er meinen könnte. Dabei trifft er auf eine ganz andere Emily, die ihm aber bei der Suche helfen will. Und genau hier beginnt der Film unterschwellig noch eine andere Geschichte zu erzählen. Denn wir haben hier eine Protagonistin, die aus vielen Gründen einfach nicht an die Liebe glaubt und dies auch wissenschaftlich beweisen will. Owen ist also der perfekte Kandidat für ihr Fallbeispiel, dass Liebe wahnsinnig macht. Nur leider ist Owen gar nicht so wahnsinnig und hätte auch ziemlich früh wieder aufgegeben. Also beginnt Emily damit ihn zu manipulieren und immer weiter in eine Richtung zu drängen.
Das ist bis zu einem gewissen Zeitpunkt auch noch irgendwo vertretbar als romantische Komödie und es gibt mehr als genug schöne Szenen, die den Film zu einem Vergnügen machen und die 111 Minuten wie im Flug verstreichen ließen. Leider driftet er irgendwann in eine Richtung, die sehr manipulierend und regelrecht toxisch ist. Auch das wäre vollkommen okay gewesen, wenn der Film nicht vergessen würde, es auch als eben dieses zu benennen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Stattdessen geht Owen durch die Hölle und wird an der ganzen Uni als Freak abgestempelt, es folgen sogar berufliche Konsequenzen, aber am Ende reicht eine Entschuldigung und „große Geste“, um all dies unwichtig werden zu lassen.
Dabei hatte der Film an einigen Stellen durchaus Potenzial. Auf eine Massenmail an alle Emilys der Uni gibt es verständlichermaßen Proteste. Leider wird hier die Anführerin als hysterische Feministin dargestellt, die wegen einer absoluten Kleinigkeit vollkommen ausrastet. Aber es ist eben keine Kleinigkeit, wenn jemand von außerhalb sensible Daten von einer Uni abgreifen kann. Aber anstatt sich darauf zu beziehen und eine sinnvolle Debatte zu eröffnen, wird um des Komödienfaktors hier bewusst alles ins Lächerliche gezogen. Auch noch an einigen weiteren Stellen im Film werden die Stimmen für mehr Schutz von Frauen so stark überzeichnet, dass die eigentlich sinnvolle Botschaft dahinter komplett verschwimmt. Wieso das problematisch ist, zeigt die aktuelle Debatte um Jane Doe an der Cornell in den USA, wo es eben nicht hysterische, zickige und eingebildete Frauen sind, die Männer bloßstellen, sondern sich die Frauen zusammentun, um ein Opfer einer Massenvergewaltigung zu schützen, während die Vergewalter absolut keine Konsequenzen für ihr handeln hatten, geschweige denn die 50 Männer, die geschwiegen haben.
Natürlich ist dort die Situation eine ganz andere als hier in unserer harmlosen Romcom. Aber den Fokus so zu verschieben und alles problematische und toxische nicht einzuordnen und jeder, der es versucht einzuordnen, auf so eklige Weise darzustellen, damit wir auch ja Mitleid mit unseren Protagonist*innen haben, ist halt schwierig.
Nichtsdestotrotz bin ich erstmal mit einem guten Gefühl aus dem Kino gegangen und fand ihn gut. Ich war gut unterhalten, fand gerade das Ende sehr schwach, aber die Darstellenden haben die Rollen gut verkörpert und ich war erleichtert endlich mal wieder keine Hollywood Schönheiten auf der Leinwand zu haben, sondern Durchschnittsgesichter, die viel realistischer sind. Aber je mehr ich im Nachgang über verschiedene Aspekte des Films gesprochen oder nachgedacht habe, lande ich doch immer wieder bei den negativen Aspekten. Und im Nachhinein stören sie mich leider immer mehr, wodurch ich meine ursprüngliche Bewertung, die ich beim Verlassen des Kinos im Kopf hatte, doch nach unten korrigieren muss.

Das Fazit

Finding Emily ist oberflächlich gesehen eine solide Romcom, die an einigen Stellen ein bisschen über das Ziel hinausschießt, doch verbergen sich so viele problematische Stellen, die bis zum Ende nicht eingeordnet werden. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Finding Emily läuft seit dem 10.09.2026 in den deutschen Kinos

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