Ein Vorwort
Ich möchte wirklich nur einmal mit dem Verantwortlichen der deutschen Filmtitel sprechen. Denn wie aus „Pour le Plaisir“, was so viel heißt wie „Zum Vergnügen“, wurde kurzum einfach der sperrige und plakative Titel „Chérie, ich komme“. Noch mit dem wunderbaren Untertitel „Die Erfindung der Lust“, damit auch noch der letzte potenzielle Kinobesuchende abgeschreckt wird. Warum der Film mehr ist als sein schrecklicher Titel, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung
Fanny und Thomas sind seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Nur, dass Fanny noch nie einen Orgasmus hatte und das Thomas all die Jahre verschwiegen hat. Unter Anleitung einer Sexualtherapeutin beichtet sie dies, was Thomas zunächst in eine Krise stürzt. Doch er ist auch Erfinder und Ingenieur und verspricht ihr ein Gerät zu entwickeln, mit dem sie mühelos kommen kann. Eine chaotische Reise beginnt.
Meine Meinung
Hätte mich nicht eine Freundin gedrängt in den Film zu gehen, ich hätte es gelassen. Denn allein der – wohlgemerkt nur der deutsche – Titel hatte mich absolut abgeschreckt. Zumal in letzter Zeit aus Frankreich auch eher die Komödien mit absolutem Cringealarm bzw hochgradig problematischem Humor rübergeschwappt sind. Aber ich lass mich immer gern eines besseren belehren und „Pour le Plaisir“, um bei dem wesentlich besserem Originaltitel zu bleiben, konnte mich wirklich begeistern.
Aber fangen wir am Anfang an. Wir lernen Fanny kennen, die mit ihrer Sexualtherapeutin darüber spricht, dass sie noch nie einen Orgasmus hatte. Ein bisschen zurückhaltend in der Ausdrucksweise, aber doch mit einem klaren Ziel. Das wird Fanny über die Dauer des Films auch beibehalten. Denn zunächst soll sie die Thematik mit ihrem Mann klären, doch der glaubt seit vielen Jahren glücklicher Ehe, dass es ihr an nichts gemangelt hat. Denn was tun wir Frauen, um das arme Ego des Mannes nicht zu zerstören: Wir lügen und täuschen vor.
Dieser steckt aber schon in einer halben Lebenskrise, da er seit Ewigkeiten keinen Job mehr hatte, seine Erfindungen einfach nichts einbringen und sie vermutlich das Haus verkaufen müssen.
Aber hier kommen wir schon zu dem Part, den der Film wirklich gut aufgreift. Er zeigt beide Perspektiven, ohne eine davon klein zu reden und stellt dennoch Fannys Wunsch nach einem Orgasmus in den Mittelpunkt und nicht das Ego eines Mannes. Natürlich darf Thomas enttäuscht sein, dass er all die Jahre angelogen wurde, aber er setzt sich darüber hinaus auch mit dem eigentlichen Problem auseinander und versucht sich in seine Frau hineinzuversetzen. Zwar auf seine ganz eigene Art und mit verschiedenen Rückschlägen, aber obwohl es hier um Sex und Orgasmen geht, steht dennoch die Liebe im Vordergrund. Denn hier ist eben nicht die Lösung, dass sie die Ehe dann wohl beenden müssen, weil sie nicht zusammen passen, sondern sie arbeiten zusammen an Lösungsansätzen, die mal mehr und mal weniger gut harmonieren. Durch das Umfeld kommen auch noch verschiedene Meinungen mit dazu, die auch gehört werden, wodurch der gesamte Diskurs eingebracht wird.
Und so gut der Film in seiner Gesamtheit funktioniert, gibt es dennoch einzelne Szenen, wo einfach ein Schritt zu weit gegangen wurde. Wo aus lustig nur noch ein Augenrollen wurde – Stichwort Fisch im Klo. Aber das ist hier tatsächlich jammern auf hohem Niveau. Denn die Darstellenden Alexandra Lamy und François Cluzet harmonieren nicht nur gut, sondern spielen die Rollen auch so sympathisch, das ich regelrecht mitgefiebert habe, ob sie das „Problem“ lösen können.
Wer also mal wieder Lust auf eine kleine Perle aus Frankreich hat, dem sei der Film ans Herz gelegt.
Das Fazit
Pour le Plaisir schafft es aus einem Thema mit hoher Cringegefahr einen absolut sympathischen und liebevollen Film zu machen, der wichtige Themen anspricht und sich dabei doch auf die Liebe besinnt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.
Chérie, ich komme – Die Erfindung der Lust läuft seit dem 23.07.2026 in den deutschen Kinos