Cinemathek: Der Rosengarten von Madame Vernet

Ein Vorwort

Nach langer Coronapause bietet mein Stammkino wieder ihr Format „Cinemathek“ an, also Filme, die bereits liefen, sie aber nicht gezeigt haben und nun nachholen. Zwischen den Filmen, die mich nicht interessiert haben und die ich bereits in anderen Kinos gesehen habe, war tatsächlich auch einer dabei, den ich sehen wollte und noch nicht kannte. So ging ich mit relativ wenig Erwartungen an den Film. Was mich dabei erwartete, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Der einst prestigeträchtige Rosengarten von Eva Vernet (Catherine Frot) steht vor dem Bankrott. Ihre fleißige Assistentin Vera (Olivia Côte) stellt drei Neue ein, die vom Sozialamt geschickt wurden. Diese haben zwar keine Ahnung von Rosen und vom Gärtnern, sind dafür aber sehr bemüht.

Meine Meinung

Französische Filme sind ja immer so eine Sache. Mal funktionieren sie erstaunlich gut, mal so überhaupt gar nicht. Da bei Der Rosengarten von Madame Vernet schon die Grundhandlung laut Trailer sehr stark vermuten ließ, in welche Richtung er sich entwickelt, war es nur noch eine Frage der Umsetzung. Denn es könnte komplett voller Klischees sein oder sich doch anders entwickeln.
Letztlich ist der Film so, wie ich ihn erwartet habe. Ich wusste, was passieren wird, und auch die Charakterentwicklungen haben mich nicht überrascht. Gleichzeitig wurden sehr viele Klischees verbaut, doch dann so gedreht, dass sie doch neu oder zumindest neu interpretiert wirken. Und auch, wenn die Rolle der Madame Vernet extrem unsympathisch aufgezogen wurde, schafft er es dennoch die Handlung sympathisch rüberzubringen.
So schwankt der Film hin und her zwischen wenig spektakulär, da man sich das meiste einfach denken kann, und doch spannend, da gerade die Beziehungen der Figuren zueinander interessant ist. Herausgekommen ist einer dieser kleinen Filme, die wenig aufregend sind, aber doch irgendwie einfach schön beim anschauen. Die wenig Neues bieten und doch entdeckt man beim Schauen immer wieder Kleinigkeiten. Deren Ende man vorhersehen kann und doch hofft und bangt, dass es nicht doch anders kommt. Dabei ist es die Liebe zur Rose, die hier im Vordergrund steht. Nebenbei lernt man noch ein wenig über die Rosenzucht, auch wenn sich die Erklärbärszenen im Rahmen halten.
Schauspielerisch ist es wie beim restlichen Film. Alle spielen ihre Rollen, ohne dabei besonders aufzufallen oder über das Mindestmaß hinaus und doch funktioniert es für den Film. So ist ein finales Urteil irgendwie schwierig, denn der Film ist nicht schlecht, er hat mir durchaus gefallen. Aber er schafft es halt nicht über das Mittelmaß irgendwo hinaus.

Das Fazit

Der Rosengarten von Madame Vernet funktioniert trotz der vorhersehbaren Handlung, der eingebauten Klischees und der unsympathischen Protagonistin erstaunlich gut, auch wenn er sich in allen Bereichen nicht über das Mittelmaß hinaustraut. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Monsieur Claude und seine Töchter 2

Ein Vorwort

2014 überraschte ein Film aus Frankreich. Ein streng katholischer Mann mit vier Töchtern, die nach und nach alle nicht katholische Männer geheiratet haben. Es war witzig, traf den Nerv der Zeit und hielt dem Zuschauer doch noch einmal den Spiegel vor. Der Film spielte mit Vorurteilen, nahm diese aufs Korn oder verdrehte sie in die entgegengesetzte Richtung. Nun treffen wir erneut auf die Familie. Kann auch der zweite Teil wieder begeistern?

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

Monsieur Claude Verneuil hat zusammen mit seiner Frau Marie vier Töchter groß gezogen. Sein größter Traum ist es, dass sie alle einmal gute französische katholische Männer heiraten. Doch es kommt alles ganz anders. Die erste Tochter Odile heiratet den jüdischen Geschäftsmann David, die zweite Tochter Isabelle heiratet den muslimischen Rachid und die dritte Tochter Segolene heiratet den chinesischstämmigen Banker Chao. Allein diese Konstellation sorgt bei den Familienessen für allerlei Reibereien, weil nicht nur Claude und Marie so ihre Vorurteile haben, sondern auch die Männer untereinander. Nachdem es immer wieder Streit gab, versucht Marie zu schlichten und versucht ein Festtagsessen der Kulturen auf die Beine zu stellen. Dabei wird halal, koscher und chinesisch gekocht. Schließlich findet auch die jüngste Tochter Laure die große Liebe. Am Telefon erzählt sie stolz ihrem Vater, dass es sich um einen Franzosen handelt. Claude ist außer sich vor Freude. Diese wird jedoch gedämpft, als die Familie zum ersten Mal auf Charles trifft und feststellt, dass es sich um keinen Franzosen, sondern um einen von der Elfenbeinküste handelt. Nun versuchen auch die drei älteren Schwestern mit ihren Männern zu integrieren, um neuen Streit in der Familie zu vermeiden. Doch Laure besteht darauf auch die Liebe ihres Lebens heiraten zu wollen. Schließlich wird diese im großen Anwesen der Verneuils ausgerichtet. Zu diesem Anlass reist jedoch auch Charles Familie von der Elfenbeinküste an. Diese hat ebenfalls wenig übrig für die Franzosen. Beim Zusammentreffen erkennen die Väter Claude und André, dass sie genau die gleichen Vorurteile haben, überwinden diese und freuen sich über neue Familienmitglieder. So bekommen auch Laure und Charles ihre Traumhochzeit.

Die Handlung

Claude und Marie Verneuils brechen zu einer großen Reise auf. Die Ziele sind die Herkunftsländer ihrer Schwiegersöhne. Völlig traumatisiert kommen sie wieder und erfreuen sich wieder an ihrem schönen Frankreich. Doch dann kommen die nächsten Hiobsbotschaften. Die älteren drei Schwestern und ihre Männer haben die Nase voll vom Rassismus in Frankreich und beschließen wieder in ihre Herkunftsländer auszuwandern. Auch Laure und Charles wollen Frankreich verlassen, aber nur, weil Laure ein attraktives Jobangebot aus Indien erhalten hat. Claude und Marie stehen kurz vorm nächsten Zusammenbruch. So beschließt Claude mit seinen Schwiegersöhnen eine ausgiebige Reise durch Frankreich zu machen und ihnen die Schönheiten seines Landes zu zeigen.

Meine Meinung

Monsieur Claude und seine Töchter 2 ist eine typische Fortsetzung eines absoluten Überraschungserfolges. Es wird sich verzweifelt an die bisher funktionierenden Strukturen geklammert und versucht diese weiterzuspinnen. Wie bei so vielen Fortsetzungen schlägt aber genau dieser Ansatz wieder fehl. Anstatt neue Themen und Ansätze reinzubringen, wird das alte lauwarm aufgewärmt.
Dabei beginnt der Film relativ spannend. Claude und Marie bereiten sich auf ihre große Reise vor. Genau diese hätte ich zumindest sehr gerne ausführlicher gesehen. Denn ein Treffen auf die Familien von den Schwiegersöhnen hätte dem Film eine neue Richtung gegeben und den Charakteren noch ein wenig mehr Tiefgang. Leider wird genau dieser Aspekt gleich übersprungen und wir treffen Claude und Marie am Ende ihrer Reise wieder. Und natürlich war die Reise furchtbar und alle anderen Länder außer Frankreich sind auch furchtbar. Dann geht es auch schon weiter zum nächsten Thema, die vier Töchter wollen mit ihren Männern auswandern, wobei eher die Männer die treibende Kraft sind – außer bei Laure und Charles. Das sorgt wieder für mächtigen Trouble im Hause Verneuil. Kurz darauf bekommt der Film aber auch schon seine ersten Längen. Es wird thematisiert, wie die vier Paare mit den Vorbereitungen anfangen. Und als schließlich die rettende Lösung der Frankreich-Reise kommt, ist der Zuschauer schon so weit abgedriftet, dass die wenigen guten Einfälle dieser Reise kaum noch wahrnehmbar sind.
Im Prinzip ist der Film ein einziges Loblied auf Frankreich und gleichzeitig eben auch nicht. Denn auch in Frankreich müssen Firmen Konkurs anmelden, finden Geschäfte keine Nachfolger und dünnt sich die Landbevölkerung immer mehr aus. Trotzdem wird mit aller Macht, genauer gesagt mit dem Vorschlaghammer, gepredigt, wie toll Frankreich sei. Dabei wäre der Ansatz mit einer etwas subtileren Art durchaus eine gute Idee gewesen. Hier hätte man aktuelle politische Entwicklungen, wie die andauernden Gelbwestenproteste, durchaus mit einbauen können. Aber stattdessen wird ein plumper Witz nach dem nächsten gerissen.
Und genau hier liegt dann auch das Hauptproblem von Monsieur Claude und seine Töchter 2. Er ist einfach nicht mehr witzig. Waren die Reibereien zwischen den Schwiegersöhnen im ersten Teil noch spannend und sorgten für allerlei Unterhaltung, scheinen sie nun eingeschlafen und können nur die immer gleichen Vorurteile wiederholen. Es fehlen gute Spitzen, es fehlen Pointen, es fehlt einfach alles, was den ersten Teil noch lustig machte. Bei einer Komödie, die ihren ersten Teil eigentlich nur noch einmal neu aufwärmt, keine gute Voraussetzung.

Das Fazit

Monsieur Claude und seine Töchter 2 verfehlt auf die interessanten Handlungsteile einzugehen und fokussiert die langweiligen zu sehr. Darüber hinaus schafft er es nicht politische Aktualität mit einzubringen und ist nicht wirklich witzig. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Monsieur Claude und seine Töchter 2 läuft seit dem 04.04.2019 in den deutschen Kinos.