Im Westen nichts Neues

Ein Vorwort

Nach einigen Kriegsfilmen, aus Britischer oder Amerikanischer Sicht, zuletzt z. B. 1917, bringt uns Netflix nicht nur eine sehr nüchterne deutsche Darstellung des ersten Weltkriegs, sondern zeitgleich auch den deutschen Oscarkandidaten fürs nächste Jahr. Wie der Film, der gleichzeitig für Kino und Stream konzipiert wurde, funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Paul Bäumer (Felix Kammerer) meldet sich 1917 freiwillig für den Kriegsdienst und lügt dabei bei seinem Alter. Zusammen mit seinen Freunden und unterstützt durch patriotische Reden seines Lehrers ziehen sie voller Stolz los. Doch an der Westfront angekommen, werden sie sofort mit der harten Realität des Stellungskrieges konfrontiert.

Meine Meinung

Bereits 1929 schrieb Erich Maria Remarque seinen Roman Im Westen nichts Neues. Dabei verarbeitet er nur wenige eigene Erlebnisse, da er nur kurze Zeit an der Front war. Allerdings sammelte er Erfahrungsberichte und ließ diese einfließen. Schon damals hatte er eine sehr kritische Position zum Krieg, die in den darauffolgenden Jahren von den Nazis sehr  unterdrückt wurde. So viel die Hintergrundrecherche zur Neuverfilmung, da ich die Buchvorlage nicht gelesen habe. Doch soll der Film an vielen Stellen davon abweichen, was eher negativ gesehen wird. Hier mag ich mir kein Urteil erlauben und bewerte den Film daher unabhängig, ob dieser für sich funktioniert hat.
Und das ist tatsächlich gar nicht so einfach, ist er doch so vielschichtig und an einigen Stellen herausragend, an anderen hapert es. Doch fangen wir von vorne an. Die Einleitung bietet gleich einen Überblick auf die Kriegsgeschehen und startet einen Kreislauf, der sich durch den gesamten Film zieht. Kurz darauf treffen wir auf Paul und seine Freunde, die uns nicht wirklich näher beschrieben werden, sondern wie Platzhalter wirken, was aber der Film durchaus auch aussagen will. So zeigt sich hier schon die nüchterne Erzählweise, da der Film nur eine Emotion kennt: Den Schrecken des Krieges.
Dadurch ist der Film sehr unpatreotisch, was eine schöne Abwechslung zu vergleichbaren Filmen ist. Hier wird nichts beschönigt, auch die Freundschaften helfen nur bedingt über die Schrecken hinweg. Zeitgleich trumpft Im Westen nichts Neues mit wunderbar echten und gestochen scharfen Bildern auf. Das Szenenbild und die Kameraarbeit leisten hier einiges und zeigen, was möglich ist.
Mit 148 Minuten ist der Film vergleichsweise lang, was man ihm leider anmerkt. Überwältige der Anfang einen noch durch viele neue Eindrücke, verfliegt dies mit der Zeit und auch, wenn er eine Grundspannung halten kann und immer wieder gerade durch die Gefechte das Adrenalin steigen lässt, sind es gerade die Szenen dazwischen, die sich mitunter ziehen. Gerade weil die Nähe zu den Charakteren fehlt, ist es in diesen einem auch egal, was zwischen ihnen geschieht.
Und auch, wenn das Geschehen in den Gräben deutlich und sehr realistisch dargestellt wird, fehlt einem irgendwo der Gesamtüberblick über den Krieg. Erst am Ende gibt es ein paar Texteinblendungen, der Film, Geschichte und vor allem den Titel des Films in Zusammenhang stellen. Wem das geschichtliche Grundwissen fehlt, der ist hier schnell aufgeschmissen.
So vereinen sich Stärken und Schwächen zu einem Film, der durchaus sehenswert ist, aber es mit der Nüchternheit übertreibt und für seine Geschichte einfach zu lang ist.

Das Fazit

Im Westen nichts Neues besticht und enttäuscht gleichzeitig durch die sehr nüchterne und unnahbare Erzählung des Krieges. Grundsätzlich zu lang, dafür aber bildgewaltig und gerade in den Kampfszenen sehr mitreißend inszeniert.

Im Westen nichts Neues läuft seit dem 29.09.2022 in den deutschen Kinos und seit dem 28.10.2022 auf Netflix verfügbar

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