Into the Beat

Ein Vorwort

Tanzfilme sind wohl keine neue Erfindung und spätestens seit dem anhaltenden Erfolg der Step up-Reihe mit ihren unzähligen Fortsetzungen war es nur eine Frage der Zeit bis wir auch die deutsche Version kriegen. Diese hat dann aber doch relativ lange auf sich warten lassen. Vielleicht auch weil ein Film, der in die ähnliche Kerbe schlägt, gar nicht so viel Erfolg hatte. Gangs erschien 2009 und damit wohl in der Hochphase ähnlicher Filme. Hier gab es dann auch die Balletttänzerin aus gutem Hause, die auf eine Straßengang traf. Die Straßengang wurde nun gegen Streetdancer ausgetauscht und auch ein bisschen mehr Farbe bekam Into the Beat. Warum der Film trotzdem lediglich mittelmäßig ist, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Katya (Alexandra Pfeifer) kommt aus der Tänzerfamilie Orlow – ja wie das russische Adelsgeschlecht – und damit ist ihre Zukunft eigentlich geschrieben. Kurz vor ihrer Aufnahmeprüfung für die New Yorker Ballettakademie trifft sie durch Zufall auf eine Gruppe Streetdancer/Hip Hop-Dancer. Auf einmal eröffnet sich für sie eine völlig neue Welt und eine ganz andere Art des Tanzes. Dort lernt sie den geheimnisvollen Marlon (Yalany Marschner) kennen, der sie trotz seiner abweisenden Art anzieht.

Meine Meinung

Into the Beat – Dein Herz tanzt arbeitet mit dem alten Schema der zwei Welten. Während Katya in einer Tänzerfamilie aufwuchs, war ihr Weg praktisch vorherbestimmt. Aber trotzdem fühlte sie sich in ihrer Welt nie eingeengt. Da ihr Vater auch ein bekannter Balletttänzer ist, scheint es der Familie auch an Geld nicht zu mangeln, um wieder das Klischee der Ballerina aus gutem Hause er erfüllen. Immerhin wird Katya durch die herrschende enge Familienbindung – nach dem Tod der Mutter – ein bisschen weiter charakterisiert als nur durch ihre angestrebte Karriere und den Druck der Familie, die auf ihr lastet. Dazu musste natürlich wieder ein starker Kontrast geschaffen werden. Und was wäre gegensätzlicher als die Hip-Hop Szene. Hier muss dann natürlich noch der schweigsame Junge her, der natürlich nichts aus gutem Hause kommt. Soweit erst einmal so bekannt.
Tatsächlich versucht der Film jedoch zwischendurch immer wieder aus seinen Klischees auszubrechen, nur um dann noch stärker in das Bekannte und Vorhersehbar zu verfallen. Natürlich gibt es das große Vortanzen unserer Protagonistin, das ihre Karriere beeinflusst. Aber natürlich gibt es auch aus der „anderen Welt“ ein wichtiges Casting. Der geübte Zuschauer wird spätestens hier wissen, worauf das ganze hinausläuft. Into the Beat versucht jedoch immer wieder mit coolen Einstellungen und toll choreographierten Tanzeinlagen davon abzulenken. Und zwischendurch entwickelt der Film tatsächlich einen ganz eigenen Rhythmus.
Hier helfen vor allem auch die beiden Hauptdarsteller, die eben noch nicht zu den immer gleichen Gesichtern der deutschen Kinoszene gehören. Auch wenn man ihnen die Unerfahrenheit zwar anmerkt, ist es genau das, was den Film aber positiven Aufwind bringt, weil es noch nicht der einstudierte Wimpernaufschlag ist (looking at you Emilia Schürle) und auch noch nicht die gefestigte „Coolheit“. Sondern es wirkt eben wie zwei Darsteller aus dem Tanzbereich, die es aber dennoch schaffen Gefühle und Handlung zu tragen. Und vor allem schaffen sie es trotzdem die gestelzten und gewollt coolen Dialoge irgendwie so zu verpacken, dass sie nur halb so peinlich sind. Dafür schon einmal Respekt, denn die Dialoge sind mit das grausigste am ganzen Film.
Das Highlight des Films sind dann auch die dröhnenden Beats, die dem Zuschauer unter die Haut gehen und mit den Choreographien gut harmonieren. Leider gehen diese gerade am Ende für ein paar poppige Balladen drauf, die wohl die Dramatik der Szenen verschärfen sollten, aber leider eher die aufgebaute Spannung stören.
So gehen 98 Minuten ins Land, die man so erst einmal nicht merkt, zwischendurch durch ein paar richtige Fremdschämmomente – ich sag nur, lass uns auf ein Schiff einbrechen und wenn die Crew uns stellt, inszenieren wir ein Dancebattle – aber doch zu lang für die erzählte Geschichte wirken. Letztlich ist der Film wohl vor allem für eine jüngere Zielgruppe konzipiert, die eine solche Geschichte nicht schon gefühlt 1000 Mal gesehen hat. Aber auch wenn man von der vorhersehbaren Handlung absieht, hat der Film leider noch zu viele Schwächen. Dennoch möchte ich ihn gar nicht vollkommen verreißen, da ich zwischendurch ja doch irgendwo gut unterhalten wurde.

Das Fazit

Into the Beat – Dein Herz tanzt erzählt eine altbekannte Geschichte mit holprigen Dialogen und Fremdschämmomente und schafft es doch irgendwo ein bisschen Herz einzubringen. Leider bleibt das Gesamtkonstrukt eher enttäuschend. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Into the Beat läuft seit dem 16.07.2020 in den deutschen Kinos

Nightlife

Ein Vorwort

Dass die Deutschen immer nur Komödien auf die Kinoleinwand bringen, ist ein weit verbreitetes Klischee, das allerdings auch immer wieder gefüttert wird. Während zuletzt Enkel für Anfänger noch als Komödie vermarktet wurde, sich darunter aber ein gutes Drama verbarg, bringt uns nun Regisseur Simon Verhoeven eine sehr platte Komödie auf die Leinwand. Warum Nightlife abgesehen von ein paar guten Ideen, nur wenig kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Milo (Elyas M’Barek) und Renzo (Frederik Lau) wollen ihre eigene Bar eröffnen. Doch dafür brauchen sie Geld. Während Renzo dies beschaffen will, schafft Milo es ein Date mit Sunny (Palina Rojinski) klarzumachen, die eigentlich nach diesem Wochenende einen neuen Job in den USA antreten will. Doch das Date gerät schnell außer Kontrolle, da sich Renzo mit den falschen Leuten angelegt hat.

Meine Meinung

Man nehme zwei erfolgreiche Jungdarsteller aus Deutschland, paare dies mit einer erfolgreichen Jungschauspielerin aus Deutschland, schreibe eine ziemlich abgedrehte Handlung, eine in die möglichst viel Slapstick reinpasst und garniere dies mit Klischees. Oh und man vergesse auf gar keinen Fall die obligatorische Liebesgeschichte. Et voila Nightlife.
Aber was läuft in dem Film nun so verkehrt. Zunächst tatsächlich erstmal gar nichts. Wir haben einen sehr überzeugenden Elyas M’Barek, der sich ein eigentlich cooles Leben aufgebaut hat und nun etwas verändern will. Vom Barkeeper zum Barbesitzer. Dann haben wir einen Frederick Lau, der die Rolle des ständig besoffenen oder zugekifften Kumpel spielt. Hier fangen dann die ersten Klischees an, aber es ist alles noch nicht weiter tragisch. Als weibliche Komponente hätten wir dann jedoch Palina Rojinski. Ihre Rolle der verbitterten, aber eigentlich zutiefst romantisch veranlagten Träumerin scheint dann mehr gewollt als gekonnt reingeschrieben zu sein. Denn eigentlich beschwert sie sich in einem fort über ihren Job und vor allem über Männer und das sie mit denen ja nicht mehr zu tun haben will. Trifft dann aber auf Milo, wirft den Vorsatz über Bord, erinnert sich wieder, dass sie kein Date will, wimmelt ihn ab, stimmt dann einem Date zu, wird dabei leicht versetzt, geht aber natürlich nicht, sagt dann während des Dates immer wieder, dass sie aktuell keine Beziehung will und jetzt gehen wird, geht aber einfach nicht. Hier fangen also schon die Probleme des Films an.
Es geht weiter damit, dass Renzo (Lau) in Schwierigkeiten gerät und dann geraten beide Freunde natürlich immer weiter in Schwierigkeiten, aber Milo will auf das Date nicht verzichten und versucht dann beides unter einen Hut zu bekommen. Man kann Nightlife hier noch zu gute halten, dass er durchaus zwischendurch gute Momente hatte und einzelne Witze durchaus auch funken. Leider habe ich bei den meisten Gags zwar reflexartig gelacht, mir direkt danach aber gedacht „Was ist denn das für ein Scheiß?“. Das spricht leider nicht für die Witze, die meist plump und mit spröden One-Linern daher kommen. So sind die Szenen beim Spieleabend durchaus witzig, zeigen aber auch nur billige Klischees von Rollenspielern und stellen sie alle als kostümliebende Trottel dar. Kann man für ein paar billige Gags durchaus machen, die eigentlichen Witze aus den Szenen hätten aber auch ohne die Klischees funktioniert.
Auch die Antagonisten wurden stupide aus dem Lehrbuch für Bösewichte übernommen. Natürlich sind es erstmal Russen, einer davon möchte jederzeit gerne anderen wehtun oder sie verstümmeln. Natürlich gibt es dann das obligatorische Ultimatum. Dann gibt es als Gegenspieler natürlich auch noch die superbösen Gangsterrapper, die es natürlich nicht schaffen unsere Protagonisten einzuholen.
Und so zieht sich der Film gefühlt von einer belanglosen Szene zur nächsten, man kann keinen Charakter wirklich ernst nehmen, die wenigsten Witze zünden richtig und das große Finale ist dann nur ein weiterer enttäuschender Aspekt – du sprichst russisch? Cool, ich spreche ja auch russisch…

Das Fazit

Nightlife ist einer dieser Filme, die das Klischee, dass die deutschen nur schlechte Komödien können, einmal mehr bestätigt. Plumpe Handlung, flache Charaktere, Witze, die sich nur aus One-Liners ergeben und das wohl schwächste Finale seit langem. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Lindenberg! Mach dein Ding

Ein Vorwort

Nach den Erfolgen von Bohemian Rhapsody und Rocketman, war es nur eine Frage der Zeit, ehe der Trend der Künstlerverfilmungen auch in Deutschland ankommt. Mit Udo Lindenberg wurde der Anfang dann auch gleich mit einem der bekanntesten und vor allem interessantesten Künstlern gemacht. Ob Lindenberg mit der Konkurrenz aus Hollywood mithalten kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Udo Lindenberg (Jan Bülow) wächst in einer Familie von Klempnern auf. Das Verhältnis zu seinem Vater ist durch dessen Alkoholkonsum getrübt. Dennoch bekommt er ein Schlagzeug geschenkt, womit er fortan in verschiedenen Bands mitspielt oder in diversen Clubs als Hintergrundbeschallung. Doch Udo ist sich sicher, dass er eigentlich vor das Mikro gehört und will mit seiner eigenen Band durchstarten.

Meine Meinung

Lindenber!: Mach dein Ding richtet sich ähnlich wie die Verfilmungen zu Queen und Elton John an erster Stelle natürlich an die Fans. Blöd ist es natürlich, wenn man eigentlich wenig über die Figur weiß und neben sich einen Hardcore-Fan sitzen hat, die leider den Unterschied zwischen Kino und Couch zu Hause nicht verstanden hat und einem daher bestimmte Änderungen immer kurz vorher spoilert, aber das ist ein anderes Thema. Doch während die Konkurrenz aus Hollywood es geschafft hat, durch gute Darsteller und spannender Handlung auch das breite Publikum anzusprechen, verpasst Lindenberg irgendwo den Sprung von besoffener Möchtegernkünstler zu Weltstar. So wird einem zwar die Kindheit immer wieder nahgebracht, aber ein Großteil der Handlung sieht man Bülow nur besoffen über die Leinwand torkeln. Unterbrochen wird das von regelmäßigen Zeitsprüngen, die einen oft ratlos zurücklassen, da sie eher willkürlich als dramaturgisch sinnvoll wirken. So wird zunächst zwischen den 70er und 50er Jahren hin und her gesprungen, dann befindet man sich auf einmal in den 60er Jahren und dann wieder in den 70ern, dann in den 50ern und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Dabei sind es nur wenige Schlüsselszenen, die einen die Figur Lindenberg und sein Verhalten irgendwo näher bringen. Während bei Rocketman eine Therapiesitzung als roter Faden für die Rückblicke herhalten konnte und Bohemian Rhapsody sich chronologisch erzählte, fehlt hier die allumfassende Rahmenhandlung.
Jan Bülow spielt Udo Lindenberg mit einer absoluten Selbstverständlichkeit, die einen durchaus an den echten Herr Lindenberg erinnert. Auch die Nebendarsteller funktionieren in ihren Rollen. Allerdings lebt keiner seine Rolle wirklich. Letztlich fehlt einfach der Funke, der eine Verbindung zwischen Zuschauer und Charaktere entfachen könnte.
Versteht mich nicht falsch. Grundsätzlich ist der Film schon spannend und es ist interessant zu sehen, wie ein Star, wie Udo Lindenberg, mal klein angefangen hat und mit welchem Hintergrund zum Beispiel ein Cello angefangen hat. Aber diese kleinen Informationshäppchen und die tiefgründigen und guten Momente werden unter einer Wolke aus Alkohol begraben. Der Film hätte einfach so viel mehr gekonnt, wenn er auf das wesentliche zusammengekürzt worden wäre und sich mehr an einem roten Faden orientieren würde. So wirkt er gerade durch die starke Konkurrenz der letzten Jahre eben doch eher zusammenhanglos hingeschustert.

Das Fazit

Lindenberg: Mach dein Ding hat eine spannende Grundhandlung, die sich leider unter zu vielen Szenen versteckt, in denen Hauptdarsteller Jan Bülow einfach nur betrunken durch die Gegend torkelt. Ohne roten Faden und mit zu vielen Zeitsprüngen kann der Film beim Zuschauer leider nur wenig punkten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Lindenberg: Mach dein Ding läuft seit dem 16.01.2020 in den deutschen Kinos

Enkel für Anfänger

Ein Vorwort

Trailer werden gemacht, um den Zuschauer zu zeigen, was ihm im gezeigten Film erwarten könnte und vor allem um die Lust am Kinobesuch für den Film anzuregen. Doch Trailer können auch tückisch sein. Entweder verraten sie schon viel zu viel, oder zeigen, gerade bei Komödien, bereits die besten Szenen vorab. Und manchmal teasern sie einen Film an, der eigentlich eine ganz andere Richtung einschlägt. Warum Enkel für Anfänger eigentlich gar keine Komödie ist, wie im Trailer angedeutet, als Drama aber doch funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Karin (Maren Kroymann) ist ihrem Mann zu Liebe in Frührente gegangen und langweilt sich nun zu Hause zu Tode, zumal ihr Mann die versprochene Reise doch nicht antreten will. Als ihre Schwägerin Phillipa (Barbara Sukowa) sie überredet sich auch für „Enkeldienst“ anzumelden, bei dem einen ein Patenenkel zugeteilt wird, stimmt sie trotzig zu. Auf dem Weg trifft sie einen alten Bekannten Gerhard (Heiner Lauterbach), der eigentlich nur die Asche seines toten Hundes verstreuen will, den sie kurzerhand auch zum Enkeldienst anmeldet. Auf die drei Paten warten allerhand Zerstreuungen.

Meine Meinung

Wäre Enkel für Anfänger die Komödie, die der Trailer angedeutet hat, dann hätte der Film hinten und vorne nicht funktioniert. Die Witze sind dafür zu kurzlebig, werden nicht richtig ausgespielt und sind oftmals auch einfach sehr platt oder leben von Vorurteilen bzw. Klischees. Doch Regisseur Wolfgang Groos schafft es unter der Komödie ein Drama zu verstecken. Denn hinter jedem Paten steckt eine traurige Geschichte, mit der sie im Laufe des Filmes aufräumen müssen, ohne sich jedoch komplett zu wandeln.
So haben wir zum Beispiel Karin, die einen Großteil ihres Arbeitsleben sich auf die Rente gefreut hat, weil ihr Mann dann endlich mit ihr nach Neuseeland reisen wollte. Doch dieser ist eigentlich ganz glücklich in ihrem eingespielten Leben, baut lieber an seiner Modelleisenbahn rum und genießt die Ruhe. Außerdem sei Neuseeland viel zu teuer und vielleicht brauchen sie irgendwann mal einen Treppenlift. Gleichzeitig bereut Karin es, niemals Kinder bekommen zu haben.
Ihre Schwägerin Phillipa hingegen liebt das einfache Leben. Ihr Zuhause ist ein Bauwagen und sie geht gerne ganz locker mit den Kindern um. Erst nach und nach erfährt man, dass sie eine eigene Tochter und auch eine eigene Enkelin hat, aber der Kontakt abgebrochen ist. Mit dem Enkeldienst versucht sie die Lücke zu füllen.
Gerhard hingegen ist schwul und konnte daher nie Kinder bekommen, hatte aber auch nie Ambitionen dazu. Da sein Mann bereits gestorben ist, und nun ganz frisch auch sein Hund, fühlt er sich zunehmend einsamer. Zunächst ist er gar nicht glücklich Karin wieder über den Weg gelaufen zu sein und dann auch noch zum Patenenkel gedrängt wurde.
Enkel für Anfänger ist immer dann besonders stark, wenn er möglichst wenig sagt. Wenn er einfach nur auf die drei Paten hält und man ihnen die Einsamkeit in jeder Pore anmerkt und wie sehr sie die Enkel verändern, ohne das sie je ihre Persönlichkeit komplett wenden. Gerhard ist am Ende immer noch ein wenig miesepetrig, aber hat sich doch weiter entwickelt.
So sind es gerade die ungewöhnlichen Beziehungen zwischen Paten und Enkel, die den Film spannend machen. Eigentlich wartet man nur auf die große Katastrophe, da der Film doch sehr simpel nach dem gängigen Dramenaufbau konzipiert wurde. Doch entstehen auch zwischendurch immer wieder Situationen, die der Zuschauer erst einmal verdauen muss. Wenn Gerhard zum Beispiel als Pädophiler hingestellt und von der Polizei mitgenommen wird, dann ist das unfassbar erschreckend, zeigt aber leider auch irgendwo ein Stück Realität, versteckt hinter ein paar Witzen. Die Tragweite vieler kleiner Andeutungen wird dem Zuschauer wohl erst am Ende noch einmal richtig bewusst. So ist der Film eigentlich sehr intensiv, versucht sich aber doch immer noch hinter ein paar Witzen zu verstecken und erzeugt eine so doch grundsätzlich heitere Stimmung. Neben vielen sehr ernsten Ansätzen über Einsamkeit und überforderte Eltern, gibt es dann natürlich auch übertriebene Klischees. Gerade die Ökoeltern sind so übertrieben und überfürsorglich dargestellt, dass Themen, wie Bioernährung wieder heruntergespielt werden.

Das Fazit

Enkel für Anfänger ist ein gutes Drama, das sich hinter einer schlechten Komödie verbirgt. Grundsätzlich versucht er es mit guter Laune zu erzählen, schafft es aber gerade in den kleinen ernsten Momenten sich von der breiten Masse abzuheben. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Enkel für Anfänger läuft seit dem 06.02.2020 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: 7500

Ein Vorwort

Wenn ich in den Urlaub fliege, habe ich immer irgendwo ein bisschen Restangst. Das Gefühl der vollkommenen Kontrollabgabe ist beim Fliegen noch einmal viel größer, als beispielsweise beim Bahnfahren. Regelmäßige Filme über Flugzeugentführungen und Flugzeugabstürze sind auch nicht gerade hilfreich dabei. Doch anscheinend wurde es einmal wieder Zeit für einen neuen Film über genau die Themen. Ob sich 7500 von anderen Filmen seiner Art abheben kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) ist Pilot auf der Strecke Berlin-Paris. Alles scheint seinen ganz normalen Gang zu gehen, bis kurz nach dem Start mehrere Männer versuchen das Cockpit zu stürmen und das Flugzeug zu entführen. Tobias setzt also einen Hilferuf ab. Den internationalen Code für Flugzeugentführungen: 7-5-0-0

Meine Meinung

Während Filme, wie Flightplan und ähnliche, sich zumeist mit den Passagieren oder dem eigentlich in diesen Filmen immer anwesenden Air Marshall beschäftigt, setzt 7500 bereits ganz anders an. Die deutsche Produktion zeigt zunächst Aufnahmen von Überwachungskameras von einem der Berliner Flughäfen. Hier scheint es zunächst nur um die allgemeinen Routinen zu gehen, nur wer den Trailer gesehen hat oder sich mit der Inhaltsangabe des Films beschäftigt hat, sieht, dass es die immer gleichen Männer auf den Aufnahmen zu sehen sind. Perspektivwechsel ins Cockpit eines Flugzeuges. Man sieht hier, wie die Crew eintrifft und ihre Vorbereitungen treffen. Hier folgt auch der verzweifelte Versuch eine Bindung mit den Zuschauern aufzubauen. Wenn Protagonist Tobias mit seiner Freundin, einer der Stewardessen, über das Kindergartenproblem ihres Sohnes sprechen, bringt das aber keinen den Charakteren wirklich näher. Schnell verliert sich der Film im stupiden Abarbeiten der Checklisten. Ca. 20 Minuten fühlt es sich eher wie eine Dokumentation über den Flugalltag an als ein Thriller. Dann überschlagen sich die Ereignisse und die Männer von vorhin, versuchen ins Cockpit einzudringen. Dies gelingt ihnen nur teilweise, weswegen Tobias nun immer wieder vor die Wahl gestellt wird, Cockpittür öffnen oder geschlossen lassen. Die Anweisungen sind eindeutig, aber wie verhält man sich, wenn die eigene Freundin bedroht wird.
Der Film hat mit seinen 90 Minuten eine klare Dreiteilung. Einführung und erster Versuch der Entführung dauern ca. 30 Minuten, die nächsten 30 Minuten sind der Kampf der Männer endgültig ins Cockpit zu gelangen inkl. Geiselnahme. Die letzten 30 Minuten sind dann der verzweifelte Versuch ein Ende zu finden, das nicht zu überhastet wirkt.
Positiv zum Film zu sagen ist, dass er großen Wert auf realistische Szenarien legt. Es gibt nicht den Air Marshall, der immer wieder durch das Flugzeug rennt und dabei viel Action erfolgt. Stattdessen verlegt sich der Film auf eine Variante einer Flugzeugentführung, die – leider – genauso stattfinden könnte. Dabei werden gerade die Routinen ausgenutzt, um die strengen Bestimmungen zu umgehen. Auch der übrige Film wird nur aus der Perspektive des Cockpits gezeigt. Dadurch liegt der Film aber auch in der Hand der wenigen Akteure. Denn von den Passagieren und wie die auf die Ankündigungen der Piloten reagieren, bekommt man nichts mit. Dadurch wirkt der Film sehr zurückgenommen und auch die vereinzelten Actionszenen wirken weniger Adrenalingeladen, als das große Rumgerenne durch das Flugzeug,
Problematisch an der Sache wird es dann aber, wenn man durch diese Darstellung als Zuschauer den Bezug zum Film verliert. Dadurch, dass die Charaktere nicht richtig eingeführt wurden, ist es einem letztendlich eigentlich egal, was mit ihnen passiert. Man kann sich nicht einmal in einen der schreienden Gäste reinfinden, da die gar nicht gezeigt werden. So spielt Joseph Gordon-Levitt zwar gut, schafft es aber nicht den Film im Alleingang zu tragen, bzw. scheitert an seiner zu einfach gehaltenen Person.
Auch die Terroristen wirken sehr blass im Film. Ihre Motive bleiben bis zum Ende eigentlich unklar. Zwischendurch wird zwar eine kurze Botschaft vorgelesen, die aber auch wenig Aufschluss gibt. Im Prinzip sind es einfach wieder die „bösen Muslime“, die meinen, dass die „bösen Weißen“ ihnen Unrecht getan haben und deswegen halt mal eben das Flugzeug entführen. Vedat gespielt von Omid Memar ist dann der einzige Charakter, der noch ein wenig mehr Tiefe bekommt und gerade im letzten Dritten noch ein wenig mehr zu sich sagen darf. Aber auch hier bleibt es bei den bekannten Klischees.

Das Fazit

7500 zeigt ein realistisches Szenario einer Flugzeugentführung und bleibt bei den Geschehnissen beinahe vollständig im Cockpit. Da aber kaum Charakterisierung erfolgt und Motive lediglich oberflächlich behandelt werden, fehlt dem Zuschauer aber die Sympathie und damit die Nähe zum Geschehen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

7500 läuft ab dem 26.12.2019 in den deutschen Kinos.

Ich war noch niemals in New York

Ein Vorwort

Musicalverfilmungen gibt es immer mal wieder mit schwankender Qualität, wie auch so ziemlich jedes andere Genre. Eine deutsche Musicalproduktion ist da schon seltener. Aber der Erfolg des Bühnenmusicals zog eigentlich unweigerlich eine Verfilmung nach sich. So heißt es nun auch im Kino „Vorhang auf“ für eine kunterbunte Geschichte rund um die Lieder von Udo Jürgens.

Die Handlung

Lisa Wartberg (Heike Makatsch) ist eine nicht mehr ganz so erfolgreiche TV-Moderatorin, die dennoch arrogant alle anderen wie Deck behandelt. So vergisst sie auch ihren eigenen Geburtstag und, dass sie bei ihrer Mutter (Katharina Thalbach) eingeladen war. Diese rutscht beim Geschirrspülen aus und landet mit Gedächtnisverlust im Krankenhaus auf. Sie kann sich nur noch an eins erinnern: New York. Also beschließt sie kurzerhand sich auf ein Kreuzfahrtschiff zu schleichen und nach New York zu schippern. Ihre Tochter und deren Maskenbildner Fred (Michael Ostrowski) versuchen sie aufzuhalten und landen ebenfalls als blinde Passagiere an Bord. Dort werden alle drei zum Putzdienst verurteilt. Doch die Abenteuer fangen hier gerade erst an.

Meine Meinung

Hatte ich irgendwelche Erwartungen an den Film? Eigentlich nicht, ich wollte eigentlich nur eine locker flockige Geschichte mit ein paar guten Witzen und schön inszenierten Gesangs- und Tanzeinlagen. Habe ich genau das bekommen? So ziemlich.
Was ich damit sagen möchte, ist, dass Ich war noch niemals in New York bei weitem kein Meisterwerk ist. Dafür ist es ein Film, der sich selbst nicht so ganz ernst nimmt und auch weiß, dass ein Uwe Ochsenknecht nun nicht gerade der beste Sänger ist. Was man am Anfang noch nicht unbedingt glauben mag, denn die Einführung der Charaktere gerät doch etwas holprig. So ist dem Zuschauer zunächst absolut unklar, was die arrogante TV-Moderatorin auf der Leinwand zu suchen hat. Lediglich Heike Makatschs Enthusiasmus in der Rolle, lässt einen nicht zugleich wieder fluchtartig den Kinosaal verlassen. So kommt es dann zur ersten Interpretation eines Songs. „Vielen Dank für die Blumen“ wurde inszenatorisch stark angepasst, ist aber unverwechselbar noch ein Jürgens. Sobald die sehr holprige weitere Charaktereinführung von statten geht, ist man noch dezent gelangweilt. Dies ändert sich erst, als es die Charaktere endlich auf das Kreuzfahrtschiff geschafft haben.
Ab hier kommt eine stimmige Geschichte heraus, die zwar in vielen Bereichen stereotypisch und daher ohne Überraschungen funktioniert, aber dennoch nicht langweilt. Das kommt wohl durch die Vielzahl an vielen auch kleineren Charakteren, die dem ganzen einen gewissen Charme verleihen. Untermalt wird das ganze von immer wieder angespielten Liedern, wobei selten eins wirklich ausgespielt wird und gerade das namensgebende Lied nur einmal oder zweimal dezent erwähnt wird. Richtig angesungen jedoch nicht. Auch werden einige umgeschrieben, um textlich wieder zur entsprechenden Szene zu passen. Dies schadet jedoch weder dem Film, noch den Liedern an sich. Denn durch die farbenfrohe Gute-Laune-Inszenierung, kommt auch genau dies bei den Zuschauern an: Gute Laune. Da stört man sich dann auch nicht an der vorhersehbaren Handlung, den manchmal etwas holprigen Dialogen oder den nicht über Mittelmaß herausreichenden schauspielerischen Leistungen. Man merkt nur, dass so ziemlich jeder Darsteller Spaß am Film hatte und das auch herüberbringt.
Einziges Manko am Ende bleibt, dass die wirklich guten Gags bereits im Trailer enthalten waren.

Das Fazit

Ich war noch niemals in New York hat gewiss einige Schönheitsfehler, die aber gut überdeckt werden, von dem, was der Film eigentlich will: Gute Laune verbreiten. Und dies schafft er durch seine kunterbunte Inszenierung ganz hervorragend. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Ich war noch niemals in New York läuft seit dem 17.10.2019 in den deutschen Kinos.

Das perfekte Geheimnis

Ein Vorwort

Wie viele Beziehungen würden zerbrechen, wenn der Partner in Handy des Partners schauen würde. Wenn man der Prämisse für das perfekte Geheimnis trauen darf, anscheinend sehr viele. Und so wurde erneut ein namenhafter Cast deutscher Schauspieler vereint, um ein Kammerspiel zu inszenieren. Nur mal so als Fun Fact: Der Film Perfetti Sconosciuti (Perfect strangers) stammt aus Italien und hält den aktuellen Weltrekord mit 18 Versionen. Die deutschen sind also nicht die einzigen, die diesen Stoff aufgegriffen haben, um ein Remake zu erstellen.

Die Handlung

Vier Freunde aus der Schulzeit treffen sich mit ihren Frauen/Freundinnen zum Abendessen. Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Eva (Jessica Schwartz) sind verheiratet und geraten öfter aneinander, da Eva mit der pubertierenden Tochter Sophie (Emily Kusche) nicht mehr klar kommt. Carlotta (Karoline Herfurth) und Leo (Elyas M’Barek) sind ebenfalls verheiratet und frisch Eltern von Zwillingen geworden. Während Carlotta jedoch ihre Karriere nicht aufgeben wollte, ist Leo als Hausmann sichtlich überfordert, weswegen er seine Mutter immer öfter um Hilfe bittet. Simon (Frederick Lau) und Bianca (Jella Haase) haben sich kürzlich verlobt. Während Bianca ihre Berufung als Veterinärin gefunden hat, sucht sich Simon immer wieder ein neues Projekt. Zu guter Letzt gibt es noch Pepe (Florian David Fitz), der eigentlich seine neue Freundin beim Essen vorstellen sollte, die er jedoch mit der Begründung, sie hätte Fieber, nicht mitbringt. Zu Beginn des Abends erzählen die Freunde von einem Bekannten, dessen Ehe kaputt ging, weil seine Frau in seinem Handy von seiner Affäre erfuhr. Eva schlägt daher ein Spiel vor. Während der Dauer des Essens werden alle Anrufe auf laut gestellt und alle eingehenden Nachrichten laut vorgelesen. Ein unvergesslicher Abend beginnt.

Meine Meinung

Das deutsche Remakes von Kammerspielen funktionieren können, hat im letzten Jahr erst „Der Vorname“ bewiesen. Ein bekannter Cast hat wohl sein übrigens getan. Diesmal diente der Film Perfetti Sconosciuti vom italienischen Filmemacher Paolo Genovese als Vorlage. Wie interessant die Vorlage für Filmemacher aus aller Welt zu sein scheint, beweist die Vielzahl an Remakes. Während das deutsche Remake viele Elemente aus dem italienischen Original übernommen hat, wurden auch einige Ereignisse abgewandelt und verändert.
Damit so ein Film funktioniert, muss natürlich dafür gesorgt werden, dass so ziemlich jeder ein Geheimnis hat und natürlich auch genau an diesem Abend die entsprechenden Nachrichten und Telefonanrufe eingehen. Dadurch wirkt die Handlung jedoch sehr konstruiert. Bei einem solchen Abendessen mit meinen Freunden wäre wahrscheinlich nicht einmal ein Anruf eingegangen und nur ganz wenige Nachrichten. Aber ohne genau diesen Grundsatz würde wohl der ganze Film nicht funktionieren.
Die Charaktere selbst wirken zunächst wie aus dem Leben gegriffen. Es gibt ganz alltägliche Probleme und selbst die größer wirkenden, wie etwas Uneinigkeit mit einer pubertierenden Tochter gehören noch in die Kategorie glaubhaft. Doch die anderen Geheimnisse scheinen immer größer zu werden, bis die Vielzahl an Affären und ähnlichem dem Film nach und nach die Glaubhaftigkeit nimmt.
Dennoch funktioniert gerade das Zusammenspiel der einzelnen Darsteller so wunderbar und die Handlung wird dennoch glaubhaft mit allen Emotionen herübergebracht. So kommt es, dass fast jeder Gag wirklich sitzt und das Timing stimmt. Das perfekte Geheimnis ist ein Film, dass einen vollen Kinosaal dazubringen kann, nicht mehr mit dem Lachen aufzuhören. Allerdings funktioniert dies wohl auch nur beim ersten Mal sehen, denn danach ist jeglicher Überraschungsfaktor, der die meisten Lacher herausgekitzelt hat, enttarnt.
Etwas schwieriger ist es wohl die gerade die gegen Ende deutlich werdende Homophobie zu tolerieren. Hier haben die Regisseure wohl versucht auf einem schmalen Grat zu balancieren, sind dann aber doch in die falsche Richtung abgerutscht. Hier schafft es letztendlich Florian David Fitz mit einer absolut ehrlichen Performance die Kurve noch zu kriegen.

Das Fazit

Das perfekte Geheimnis ist ein Film, der beim Erstmaligen Sehen großen Spaß macht, trotz einer sehr konstruierten Handlung. Gerade der gut harmonierende Cast schafft es den Film trotzdem rund zu gestalten. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Das perfekte Geheimnis läuft seit dem 31.10.2019 in den deutschen Kinos.

Dem Horizont so nah

Ein Vorwort

Dem Thema HIV hat man sich in der Filmwelt schon auf mehreren Weisen genähert und ich muss wohl nicht auf brilliante Werke, wie Philadelphia oder auch Bohemian Rhapsody verweisen, um zu verdeutlichen, dass das Thema auch erfolgreiche Filme hervorgebracht hat. Diesmal geht es um eine auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte, die den Aspekt einmal aus jugendlicher Sicht in ein Liebesdrama verpackt. Was Dem Horizont so nah so alles kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Jessica (Luna Wedler) ist frisch 18 geworden, als sie Danny (Jannik Schümann) kennenlernt. Beide verlieben sich ineinander, doch Danny blockt die Annäherungsversuche zunächst immer ab. Bald schon lernt Jessica den Grund kennen: Hinter der perfekten Modelfassade schlummert ein tieftraumatisierter Junge, der bereits in seiner Jugend mit HIV infiziert wurde. Beide versuchen einen Weg zu finden, um trotzdem zusammen sein zu können.

Meine Meinung

Dem Horizont so nah ist eine dieser überraschend hochwertigen deutschen Produktionen, die ohne den deutschen „Stammcast“ auskommt und mit ihrer auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte zu einem wichtigen Thema sensibilisieren will. Nun mag der ein oder andere die Augen verdrehen, weil es gefühlt in zahllosen deutschen Produktionen um eine schwierige Krankheit geht. Hier wird es nichts als Drama oder Roadmovie verpackt, sondern als Liebesgeschichte. Und die ist erstaunlich ernst erzählt, behält sich aber trotzdem eine gewisse jugendliche Naivität.
So lernen wir zunächst die beiden Protagonisten kennen, die sich auf einem Jahrmarkt begegnen und bei denen gleich eine gewisse Anziehung auftritt. Wir verfolgen die typischen Stadien des Wiedersehens an ungewöhnlichen Orten. Der Unterschied? Sowohl von Danny als auch von dessen Mitbewohnerin Tina kommen ständig kryptische Warnungen, dass Danny ein großes Geheimnis hat, das die Beziehung zum Scheitern bringen kann, ehe sie anfing. Und dann kommt die große Enthüllung: Danny ist HIV Positiv. Dabei wird mit dem Thema zwar ernst umgegangen, aber es geht irgendwo doch in den Verflechtungen de Liebesgeschichte unter. Und das ist das große Manko des Films. Er will eigentlich ein großes Thema aufbauen und spricht genau über das viel zu wenig. Es wird beispielsweise in einem einzigen kurzen Dialog erklärt, dass die beiden Protagonisten geschützten Sex miteinander haben können, und wenn das Kondom reißen würde, dann gäbe es ein Medikament, das eine Ansteckung verhindern würde. Warum wird so etwas nur am Rand behandelt? Auch andere Themen, wie Missbrauch und Drogensucht werden zwar mal erwähnt, hätten aber ein deutlich größeren Stellenplatz einnehmen müssen, um sie wirklich für die Geschichte relevant zu machen. Damit meine ich keine große Aufbauschung des Themas, sondern einfach nur ein paar tiefsinnigere Dialoge. Statt der x-ten Happy Dating Szene, einfach auch einmal ein richtiges Gespräch zwischen den beiden Protagonisten. Aber hier kommt die oben bereits erwähnte jugendliche Naivität durch. Ganz nach dem Motto, wenn man nicht darüber spricht, dann ist die Krankheit auch nicht da. Dann gibt es auch keine Gespenster aus der Vergangenheit. Versteht mich nicht falsch, ich finde es grundsätzlich gut, dass hier nicht die Botschaft vermittelt wird, dass es keine glücklichen Beziehungen geben kann, nur weil einer HIV Positiv ist. Trotzdem verschenkt der Film hier einfach Potential.
Gerade zum Ende hin überlagern sich dann jedoch die dramatischen Ereignisse und irgendwo findet der Film den geeigneten Schluss nicht. Stattdessen wird das Ende immer weiter mit noch einer und noch einer Szene herausgezögert. Und auch, wenn im Zuschauerraum nicht nur einmal schluchzend in ein Taschentuch gepustet wird, hat gerade dieses herausgezögerte Ende bei mir den komplett gegenteiligen Effekt. Anstatt von einem dramatischen Ende zu Tränen gerührt zu sein, was der Film auch an mindestens einer Stelle hätte schaffen können, wurde ich durch das mehrmalige Erleben eines möglichen Endes immer wieder aus dieser Emotionalität herausgerissen und vergoss so am Ende nicht eine Träne.

Das Fazit

Dem Horizont so nah erzählt seine Geschichte mit einer gewissen jugendlichen Naivität, die den Ton sehr auflockert, ihm aber auch die Tiefe nimmt. Das Augenmerk liegt hier deutlich auf der Liebesgeschichte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Dem Horizont so nah läuft seit dem 10.10.2019 in den deutschen Kinos.

Neulich in der Sneak: Ronny und Klaid

Ein Vorwort

Während für viele der Oktober unter dem Motto des Gruselns steht, scheint für das Kino der deutsche Film im Oktober überepräsentiert zu sein. Wobei diesmal allerdings auch einige ansprechende Filme dabei sind, wie dem Horizont so nah, Ich war noch niemals in New York oder auch Das perfekte Geheimnis. Ein deutscher Film, um den ich jedoch einen großen Bogen gemacht hätte, ist Ronny und Klaid. Aber dafür ist die Sneak bekanntlich gut, dass man genau solche Filme doch vorgesetzt bekommt und manchmal auch überrascht wird. Ob dies auch vergangenen Montag der Fall war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Ronny (Franz Dinda) und Klaid (Sahin Eryilmaz) haben ihren eigenen Späti in Berlin eröffnet. Da ihre Kasse jedoch leer ist, haben sie noch kein großes Sortiment und versuchen sich durch Tricks über Wasser zu halten. Während sich Ronny in eine der ersten Kundinnen verliebt und beide ihr in einen Club folgen, verliert Klaid bei einem Roulette Spiel 80.000 Euro an den örtlichen Mafiaboss. Dieser fordert sein Geld innerhalb von einer Woche wieder. Doch Ronny und Klaid haben einen Plan. In einem Artikel habe sie gelesen, dass jeder 10. Deutsche Millionär sei. Daher beschließen sie einfach 10 Kunden aus ihrem Späti zu entführen und einer davon wird schon ein Millionär sein.

Meine Meinung

Ronny und Klaid ist so ein Film, bei dem man sich in den ersten 15 Minuten ganz weit wegwünscht und sich fragt, warum man sich immer wieder auf so eine Sneakvorstellung einlässt, um einen danach komplett zu überraschen und am Ende vielleicht auch ein bisschen begeistern zu können. Dabei ist es vor allem bemerkenswert bei so einem absoluten Klamaukfilm, dass  er sich doch die ganze Zeit über ein gutes Grundniveau behält und die Komik eher aus anderen Aspekten bezieht.
Aber fangen wir noch einmal von vorne an. Zunächst lernen wir die beiden Protagonisten Ronny und Klaid kennen, die in den ersten 15 Minuten von ihrem neueröffneten Späti erzählen, eine Disco besuchen, bei einem illegalen Roulettespiel 80.000 Euro verlieren und dann den Plan haben in ihrem Späti 10 Kunden zu entführen, die potentielle Millionäre sein könnten, denn statistisch sei ja jeder 10. Deutsche ein Millionär. Hier wird eine Handlung auf einem absolut abstrusen Grundgerüst aufgebaut, das vorne und hinten nicht zu funktionieren scheint. Damit ist der durchschnittliche Zuschauer bereits gelangweilt und genervt von den schlechten Witzen. Doch dann wandelt sich der ganze Film. Denn sobald die einzelnen Entführungen losgehen, die tatsächlich alle gänzlich anders geschehen und mit einer Menge Kostümen zusammenhängen und erstaunlicherweise irgendwie funktionieren, obwohl sich die beiden Protagonisten nicht sonderlich geschickt anstellen, kommt man aus dem Lachen bereits nicht mehr raus. Hier beginnt tatsächlich das zuvor sehr holprige Drehbuch sich zu einem stimmigen Gesamtwerk zu entwickeln. So sind die beiden Protagonisten noch immer nicht die schlausten und haben teilweise mehr Glück als Verstand, aber dennoch funktionieren die einzelnen Witze, die running Gags bleiben bis zum Ende witzig und die einzelnen Charaktere sind so stereotypisch, aber gleichzeitig auch gut gezeichnet, dass sie mit der Zeit den besonderen Charme des Films ausmachen.
Der ganze Film gipfelt dann in einer der besten Familienessensszenen, die ich je gesehen habe. Hier kommt eine Menge Abstrusität zusammen, die aber einfach funktioniert, weil die Charaktere über 90 Minuten lang aufgebaut wurden und man sich an das ganze Zusammenspiel gewöhnt hat. So geht man am Ende aus einem Film, der einen absolut gut unterhalten hat und das trotz der Grundvoraussetzung auf einem relativ hohem Niveau ohne auch nur einen einzigen Witz unter der Gürtellinie gerissen zu haben, den man eigentlich am Anfang fluchtartig verlassen wollte. Aber den sehr erzwungen wirkenden Anfang, hat man am Ende zum Glück größtenteils wieder vergessen.

Das Fazit

Ronny und Klaid ist eine dieser deutschen Überraschungskomödien, die am Anfang so gar nicht funktioniert und sich dann stückweise immer mehr steigert und am Ende durch seinen ganz eigenen Charme einfach überzeugen kann. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Ronny und Klaid läuft seit dem 10.10.2019 in den deutschen Kinos.

Gut gegen Nordwind

Ein Vorwort

Mit Hilfe von E-Mails die große Liebe finden? Erinnert in den Grundzügen sehr an E-Mail für dich, ein Film mit Meg Ryan und Tom Hanks aus den 1990er Jahren. Doch in der modernen Welt scheint diese Kommunikationsform doch nur noch für geschäftlichen Schriftverkehr genutzt zu werden. Dennoch spielt genau dieses Grundprinzip in Vanessa Jopps neustem Film eine wichtige Rolle. Wie Gut gegen Nordwind es schafft sich von Filmen mit ähnlichem Grundprinzip abzuheben, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Leo (Alexander Fehling) ist Linguist und führt eine On/Off-Beziehung mit Marlene (Claudia Eisinger). Als es wieder einmal zu einer Trennung kam, kommt eine E-Mail von Emma (Nora Tschirner). Diese wollte ein Abonnement kündigen, hatte aber einen Tippfehler drin. Es folgt ein erster Schriftverkehr, der immer privater wird. Doch Emma ist verheiratet.

Meine Meinung

Ich kann gut verstehen, warum einige Gut gegen Nordwind nicht mögen werden. Gerade die Fans von großen Romanzen werden hier ihr Glück nicht finden. Denn Gut gegen Nordwind erzählt eine sehr subtile Geschichte, die von ihren großartigen Hauptcharakteren lebt. Es gibt aber keine tränenreichen Dialoge darüber, wie sehr die beiden sich lieben, es gibt kein großes Kennenlernen über die E-Mails hinaus, es gibt kurzum nicht die typischen Handlungsverläufe.
Die größte Schwierigkeit des Films dürfte sein, dass viele der Dialoge nur schriftlich erfolgen. Dennoch mussten diese spannend und immer wieder neu eingearbeitet werden. Hierbei war es wichtig zwei gute Schauspieler zu casten, die durch ihre Mimik den Zuschauer auch dann fesseln können, wenn sie eigentlich gerade nur in ihrem Laptop gucken.
Mit Alexander Fehling und Nora Tschirner ist ihnen genau das gelungen. Beide schaffen es ohne große Gesten oder überbordener Mimik die Zuschauer sofort in ihren Bann zu ziehen. Der erste Teil des Films konzentriert sich größtenteils auf Leo, der an seiner on/off-Beziehung mit Marlene scheitert und sich immer mehr an den E-Mails mit Emma festklammert, um seinen Liebeskummer zu überwinden. Er wird schnell so süchtig nach den Mails, dass er selbst bei einem realen Date flüchtet, um antworten zu können. Der Film ist schon ein ganzes Stück fortgeschritten, als wir das erste Mal Emma wirklich sehen und nicht nur über ihre Mails. Wir lernen ihren Alltag kennen und auch ihren Ehemann. Dieser Fakt überrascht Leo dann wohl ebenso wie den Zuschauer, vor allen da Emma betont, glücklich verheiratet zu sein. Die Realität lässt dann an der Aussage doch etwas zweifeln, denn sie ist die zweite Frau ihres Mannes und damit Stiefmutter zweier Kinder. Während sie mit den Kindern durchaus gut umgeht, ist ihr Mann deutlich älter und ein erfolgreicher Dirigent, der kaum Zeit für seine Familie hat.
Diese beiden Menschen, die irgendwo mitten im Leben und irgendwo doch an einem Scheideweg stehen, finden sich gerade zur rechten Zeit und fangen an sich auch privatere Dinge zu erzählen. So ist der Film herrlich unaufgeregt, versteht es aber trotzdem den Zuschauer in jeder Szene abzuholen und eine gewisse Spannung aufzubauen.

Das Fazit

Gut gegen Nordwind ist eine gelungene Verfilmung eines E-Mailromans mit hochmotivierten Darstellern und einer unaufgeregten Handlung. Fans klassicher Liebesfilme dürften hier weniger auf ihre Kosten kommen, doch wenn man ihm eine Chance gibt, entfaltet er seinen ganzen Charme. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Gut gegen Nordwind läuft seit dem 12.09.2019 in den deutschen Kinos.