Ein Vorwort
Dark Academia hatte wieder ein Hoch und brachte neben einer Unzahl an Fantasy-Varianten, auch noch die „ganz normalen“ Romanzen hervor. So dachte sich Alicia Zett, wieso nicht auch im Jugendbuchbereich und nahm den dark Academia Vibe stark zurück und ließ das gute alte Internetssetting wieder aufleben. Warum ich aber wirklich neugierig wurde, war der queere Anteil. Warum mir die Reihe insgesamt echt gut gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Wie Wellen im Sturm
Die Handlung: Louise bekommt die Chance ihr Schreibtalent im Internat Schloss Mare zu verbessern. Dafür lässt sie ihre Familie zurück und stellt sich der ganz neuen Welt. Im Fußballteam findet sie schnell Anschluss und Freundinnen. Nur ihre Mitbewohnerin Mika ist ziemlich verschlossen, vor allem da Louise durch Zufall ein Geheimnis von ihr erfährt. Zeitgleich schlägt ihr Herz in Mikas Nähe unglaublich schnell. Was haben diese Gefühle zu bedeuten?
Meine Meinung: Der Akademien-Trend flacht so langsam ab, aber diese Reihe kam auf dem Höhepunkt dessen raus. Und zumindest den ersten Band habe ich auch zu einer Zeit gelesen, wo ich noch nicht übersättigt mit dem Setting war. Unsere Protagonist*innen sind auch jünger als der Durchschnitt und wir haben hier das klassische Internat. Aber genau dadurch funktioniert es so gut, weil sich die Probleme deutlich von den Dark Academia Geschichten unterscheiden. Wir haben hier die typische Geschichte einer neuen Schülerin, die verzweifelt Anschluss sucht und gegen die Vorurteile ihrer Mitbewohnerin ankämpfen muss. Zumal diese auch noch Schmetterlinge in ihrem Bauch auslöst. Also auch eine queere Geschichte! Und die ist absolut toll umgesetzt, denn die Probleme, die damit auftreten können, werden gut thematisiert und respektvoll umgesetzt. Die Frage nach dem Coming Out vor der Familie, wenn man weiß, dass es bei anderen nicht so gut funktioniert hat oder man selbst in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hat. Ich habe sehr mit Louise mitgefiebert, mitgelitten und mich mitgefreut. Die Reihe und ich war Liebe auf den ersten Blick und ich freue mich jetzt sehr auf die nächsten Bände!
Wie Melodien im Wind
Die Handlung: Toni liebt Lukas. Lukas liebt Toni. Es könnte so einfach sein. Doch beide verstecken ihre Herkunft und können die ist auch der Grund, warum sie nicht zusammen sein können. Denn während Toni die Tochter der Hausmeisterin ist, ihr Vater nach einem Gefängnisaufenthalt wegen Steuerhinterziehung an Depressionen leidet und ihr Bruder frisch wegen Drogenbesitzes verhaftet wurde, ist Lukas ausgerechnet der Sohn des dänischen Königs – und damit ein Prinz. Doch als Toni als Schlagzeugerin der Schulband einspringt, verbringen beide viel Zeit miteinander und alte Gefühle entflammen von neuem.
Meine Meinung: Der einzige Teil, wo das Hauptpärchen nicht queer ist und gleichzeitig auch der schwächste Titel der Reihe. Das hängt zwar nicht zusammen, aber ist doch irgendwie ironisch. Aber beginnen wir am Anfang. Dass es Drama gibt zwischen Toni und Lukas, wissen wir schon aus dem ersten Band. Was genau passiert ist, erfahren wir erst jetzt. Dabei ist offensichtlich, dass ihr Bruch ihnen eigentlich beiden nur wehtut. Und direkt da lag mein erstes Problem mit dem Buch. Lukas ist der Prinz von Dänemark. Und ist komplett ohne Schutz an einem durchschnittlichen Internat in Deutschland? Und natürlich trennt die beiden lediglich ihr Stand. Toni mit einer schwierigen Familiensituation und vorbestraftem Vater und Bruder ist natürlich kein geeigneter Umgang für einen Prinzen. Während die Sache mit Toni und ihren Zweifeln gut umgesetzt wurde, ist es leider gerade diese unmögliche Liebesgeschichte, die erst sehr künstlich aufgebauscht wird, um sie dann relativ simpel zu lösen. Zu simpel, um irgendwie mit der Realität zu tun zu haben. Leider lässt sich dies beim Lesen halt auch nicht ausblenden, da der Königshof in Dänemark auch Schauplatz ist. Die Liebe zur Musik, die beide verbindet, hingegen ist gut umgesetzt. So ist der zweite Teil durchaus ein gutes Buch, bleibt nur hinter den sehr starken Titeln der Reihe zurück.
Wie Farben im Regen
Die Handlung: Caro und Sam sind das Traumpaar schlechthin am Internat Schloss Mare. Doch Sam scheint sich immer mehr von Caro abzukapseln. Bis er schließlich ein Coming Out vor ihr hat. Sam ist ein trans Mann und möchte mit der Transition beginnen. Die lesbische Caro möchte ihre große Liebe natürlich bei allem unterstützen, aber fragt sich auch, was das für sie als Paar bedeutet.
Meine Meinung: Das wohl persönlichste Buch der Autorin, wie wir ihrem Vorwort entnehmen können. Dass es Own Voice ist, merkt man in jeder Zeile, denn die ganzen intensiven Gefühle der Protagonist*innen sind sehr gut wiedergegeben, so dass ich mich in beide wunderbar hineinversetzen konnte, und mit ihnen lachen, lieben, straucheln, wieder aufstehen und immer weiter kämpfen konnte. Dabei nimmt uns die Geschichte bei jedem Zwischenschritt mit und zeigt deutlich die Hindernisse auf, selbst wenn die Parternin super kooperativ ist. Und wie auch diese struggelt, kämpft und versucht sich selbst nicht zu verlieren. Das Ganze mit unseren lieb gewonnenen Charakteren und gerade Caro und Sam begleiten wir seit dem ersten Band auf ihrer Reise. Mit dem Finale verabschieden wir uns eben auch vom Internat Mare und all den tollen Momenten. So geht es hier eben auch um Zukunftsängste und die ungewisse Zeit nach der Schule. Auch hier weiß sich Autorin Alicia Zett sehr gut einzufinden und neben der Transistion und den Ängsten rund darum, eben auch diese Aspekte miteinfließen zu lassen. Ein schöner und runder Abschluss einer tollen Reihe.
Das Fazit
Die Liebe ist Reihe von Alicia Zett mit dem Setting auf Schloss Mare wird mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben, weil sie tolle Geschichten erzählte und im Jugendbuchbereich noch einmal auf queere Geschichten aufmerksam macht. Selbst, wenn ihr genug vom Internatssetting habt, lohnt sich hier nochmal ein Blick.


