Eine Handvoll Bücher (oder mehr) – 03/25 – Pride Month Special

Es ist Juni und damit Pride Month.
Bedeutet, dass jedes Jahr im Juni die LGBTQIAP+ Gemeinde zu verschiedenen Veranstaltungen, inkl. dem Christopher Street Day, aufruft und so für ihren Kampf auf Gleichberechtigung aufmerksam macht. Beginnend waren die Stonewall Unruhen von 1969, die als Beginn des Kampfes für Rechte und Gleichberechtigung angesehen wird. Wir haben seitdem einen wunderbaren Wandel in vielen Ländern erlebt, aber noch immer sind wir weit von realer Gleichberechtigung entfernt und entfernen uns Tag für Tag mehr davon. Der Rechtsruck lässt Schutzräume kleiner werden und stärkt den Hass.
In diesem Beitrag soll es um ein paar Lesetipps gehen, die sich mit LGBTQIAP+ befassen. Es handelt sich lediglich um eine kleine Auswahl, gerne könnt ihr mit eure liebsten Bücher zu diesem Thema nennen.

Die im Beitrag erwähnten Bücher arrangiert vor einem Bücherregal mit einem Herz darüber in Regenbogenfarben

Sturmflirren

Die Handlung: Rea hat eigentlich alles, was sie braucht. Bis ihr Vater eine Stelle als Diplomat in Qatar bekommt. Den Umzug nach Doha steckt sie überhaupt nicht gut weg und kann sich weder an das Wüstenklima noch die andere Kultur gewöhnen. Bis sie ein geheimnisvolles Phantom trifft und mit einer neuen Freundin bei illegalen Autorennen in der Wüste dabei ist.

Warum das Buch so wichtig ist: Ich habe dieses Buch bewusst an erste Stelle gesetzt, auch wenn ich jedes Einzelne unfassbar gut und wichtig finde, so wollte ich dies doch noch einmal hervorheben. Denn hier haben wir nicht nur einfach eine queere Romance (die auch alle super wichtig sind, versteht mich nicht falsch!), sondern eine queere Romance in einem Land, wo drakonische Strafen auf queere Handlungen stehen. Das fängt an mit dem Crossdressing, also wenn die Kleidung des anderen Geschlechts angezogen wird und steigert sich immer weiter hoch. Hier lernen wir eine Gemeinschaft kennen, die diese Gefahren kennt, die aber deutlich zeigt, dass sie nicht anders sein können. Wie viel Einfluss der Status und das Geld haben und wie grundsätzlich ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet, aber von oben klein gehalten wird. Das Gleiche Problem ist auch bei den Rechten der Frauen, was hier ebenfalls mit thematisiert wird, ohne, dass eins von beidem zu kurz kommt. Verpackt in einer mitreißenden Geschichte, die einem trotzdem ein faszinierendes Land näherbringt und ganz andere Aspekte zeigt, aber die Schattenseiten nicht nur nicht verschweigt, sondern stark hervorhebt. So ist es gute Unterhaltung und gleichzeitig unfassbar lehrreich und daher meine größte Empfehlung.

Saved Dreams

Die Handlung: Auch wenn Assistenzärztin Jane alles versucht hat, sie kommt um die Gynäkologie nicht herum. Und auch, wenn Oberärztin Abby ihr Herz zum schnellerschlagen bringt, so muss sie sich doch einem Trauma stellen, das sie trotz Therapie nie überwunden hat. 

Warum das Buch so wichtig ist: Auch, wenn es immer gängiger wird, zumindest queere Nebencharaktere einzubauen, sind die großen New Adult Reihen noch sehr stark heteronormativ geprägt. Doch Ava Reed hat hier damit gebrochen und sich bewusst auch für eine women loves women Geschichte entschieden. Dass diese noch bevor auch nur ein Wort geschrieben war, bereits Ein-Sterne-Rezension wegen es queeren Anteils bekam, zeigt nur, wie wichtig es ist, dass wir weiterhin mehr Sichtbarkeit aufbauen. Zeitgleich haben wir hier aber auch weitere feministische Themen, die durch das Setting in der Gynäkolgie sehr gut eingebunden werden konnten. 

You are my moon

Die Handlung: James und Takumi sind seit Jahren ein Paar. Doch nach einem Unfall kann sich James an nichts mehr erinnern, was nach seinem 18. Geburtstag passiert ist. Er erinnert sich nicht an die Phase, in der er seine Bisexualität erkannt hat. Und noch schlimmer: Er erinnert sich nicht mehr an Takumis Transition. 

Warum das Buch so wichtig ist: James ist mit starken Überzeugungen, was männlich ist, aufgewachsen und hat sich unfassbar schwer mit seinem Coming-Out getan. Nun hat er dies alles vergessen. Cornelia Franke baut hier Schicht für Schicht eine Geschichte auf, die mehr ist, als sie am Anfang scheint. Dabei sind die queeren Inhalte sehr sorgfältig herausgearbeitet, aber es geht auch um Familie, Vertrauen, ADHS und Ängste in Beziehungen. Und wie alles noch einmal stärker geprägt ist, wenn das eigene Coming-Out mit der früheren Weltsicht im Widerspruch steht. 

Yadriel & Julian

Die Handlung: Yadriel entstammt einer Dynastie an Brujx, die dafür zuständig sind Geister in die Totenwelt zu geleiten. Doch Yadriel wird die Zeremonie verweigert, da er trans ist. Und bei seiner ersten Beschwörung erwischt er gleich noch den falschen Geist. Und Julian denkt gar nicht daran sich erlösen zu lassen.

Warum das Buch so wichtig ist: Hallo Fantasy mit queeren Protagonisten. Während es im Romancebereich bereits schon häufiger queere Geschichten geht, so geht es im Fantasybereich oft noch unter. Dabei zeigt dieses Buch, wie gut beides miteinander verbunden werden kann. Gleichzeitig haben wir hier auch noch die mexikanische Kultur rund um den Diaz de Muertes, den ich bisher auch noch in keinem Buch besser aufgearbeitet gesehen habe. Und rund um diese Mythologie/diesem Glauben wird die Transidentität von Yadriel aufgebaut. Denn in seiner Familie gibt es  eine klare Trennung, wer welche Fähigkeiten erbt. Aber wie ist es bei einem Trans-Mann? Es geht hier um Identität, um Familie, und ganz nebenbei haben wir noch ne coole Geistergeschichte. 

Wie lange bis irgendwann

Die Handlung: Emelie und Sophie haben sich 10 Jahre nicht mehr gesehen, nachdem Sophie von einem Tag auf den anderen Stockholm verlassen hat. Doch bei einem offenen WG-Casting stehen sie sich wieder gegenüber. Und dann sperrt ein Schneesturm sie auch noch zusammen ein. Wie können da nicht die alten Gefühle wieder hervorkommen?

Warum das Buch so wichtig ist: Das queere Spektrum ist sehr weit und während manche Aspekte bereits mehr thematisiert werden, sind andere noch schwierig zu finden. Daher war ich gespannt auf dieses Buch, das ich zufällig auf der Buch Berlin gefunden habe. Denn auch wenn es zunächst eher nach einer lesbischen Romance klang, so geht es hier doch auch um Polyamorie. Und zum Glück auch ohne allzugroßes Drama, sondern mit einer guten Auseinandersetzung mit dem Thema. Klein, charmant und gut für zwischendurch und damit auch hier eine Empfehlung (wie eigentlich bei allen Büchern heute).

When you come back to me

Die Handlung: Holden hat bei einer Konversionstherapie in Alaska die Hölle erlebt. Selbst ein ganzes Jahr in einem Sanatorium kann ihn nicht heilen. Er zieht zu seiner Tante und seinem Onkel und geht dort zur Schule. Dort trifft er auf River, der Starquarterback der Schule. Beide empfinden sofort etwas, doch während Holden zwar zu seiner Sexualität steht, aber unter seinen Dämonen aus Alaska leidet, muss River erst einmal über sich selbst klar werden. Denn die Träume seines Vaters erdrücken ihn und da passt Homosexualität nicht rein.

Warum dieses Buch so wichtig ist: Emma Scott ist mir als Autorin inzwischen ein bisschen zu viel, da sie immer sehr viel Drama in ihre Bücher einbaut. Dennoch hat When you come back to me einen Platz auf dieser Liste verdient, denn auch hier haben wir eine queere Geschichte im New Adult Bereich, in einer Reihe, die ansonsten wieder Heteropärchen beinhaltet. Und zeitgleich spricht sie noch zwei wichtige Themen an: Der Umgang mit Homosexualität im Sport, auch wenn dieser Aspekt ganz schön kurz kommt, und noch wichtiger: Konversionstherapie und deren Auswirkungen auf die Psyche der therapierten. Ich will hier gar nicht zu viel vorweg nehmen, aber Holden leidet ordentlich und das wird in dieser Geschichte auch deutlich.

Die Göttinen von Otera

Die Handlung: Sechs Monate nachdem Deka die Göttinen befreit hat, soll sie nun weitere befreien. Doch dabei fallen ihr immer mehr Ungereimtheiten auf. Und ihre Feinde sind ihnen weiterhin dicht auf. Deka muss erneut alles hinterfragen, was sie zu wissen glaubte. 

Warum dieses Buch so wichtig ist: Final noch ein Buch, deren Protagonistin nicht queer ist. Aber diese Fantasywelt, die stark an die westafrikanischen Länder angelehnt ist, hat neben vielen feministischen Themen auch viele queere Charaktere und zeigt den Umgang dazu. Auch hier, wie schon in Sturmflirren, zeigt sich, dass feministische Themen und queere Themen oft Hand in Hand gehen, da beides von Unterdrückung geprägt ist. 

Was sind eure liebsten queeren Bücher?