Eine Handvoll Bücher – 6/24

Herzlich Willkommen zur sechsten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: Monstern aus Mangas, Hexen am Strand, Zeitlöcher durch Musik, Hexen in Nowhere und Romantik im Gefängnis.

Unfollow Me

Die Handlung: Toni ist Bloggerin und hält sich seit einer traumatischen Stalkererfahrung eher bedeckt. Hikaru ist erfolgreicher Mangaka, der jedoch eine besondere Gabe hat. Seine Monster verlassen gern mal die Zeichnungen und suchen die Stadt heim. Als Toni bei einem der Ausbrüche angegriffen wird, beschließt sie Hikaru zu helfen. Doch beide behalten ihre Geheimnisse für sich. 

Meine Meinung: Liza Grimm ist zurück und bringt uns direkt noch einmal eine ganz neue Geschichte. Wir hatten nordische Götter, Hexen ind Edinburgh und eine düstere Schneekönigin-Adaption. Jetzt also zum Leben erwachende Mangazeichnungen. Und ich muss sagen, dass ich sehr interessiert war. Zumal die Autorin keine Mühen und Kosten gescheut hat und eine Künstlerin engagiert hat, die unzählige Zeichnungen für das Buch angefertigt hat. Teilweise sind ganze Kapitel mehr über die Zeichnungen erzählt als durch Worte, was gut funktioniert. Was leider weniger funktioniert ist die Handlung an sich. Denn statt sich auf den spannenden Teil mit den Monstern zu konzentrieren, verkommen die teilweise zu Randerscheinungen. Stattdessen wird versucht eine Liebesgeschichte zu kreieren, die aber daran scheitert, dass beide zu große Angst haben, etwas von sich preiszugeben. Und dadurch zieht sich die Geschichte endlos hin, ohne, dass etwas relevantes passiert ist. Die Charaktere treffen sich, gehen dann aber doch wieder auseinander, weil sie ja „nicht die Wahrheit“ sagen können, bereuen das und treffen sich wieder. Erst ganz am Ende kommt noch einmal Schwung rein, durch – ihr ahnt es bereits – die Monster. Das wäre alles vielleicht noch ein bisschen zu verkraften, wenn Liza Grimm ihre Protagonistin nicht pausenlos darüber reden ließe, wie Geschichten funktionieren und warum gewisse Schemen eben nicht funktionieren. Wenn das also alles bekannt ist, wieso wurde es dann nicht im eigenen Roman umgesetzt?

Starlight Witch

Die Handlung: Juna ist eine Sternenhexe, hat aber nur geringes magisches Potential. Auf ihrer Heimatinsel hat sie daher ein Café eröffnet und ist in ihrem Alltag glücklich. Nur leider ist das alljährliche Hexentreffen wieder auf der Insel. Inklusive eines Wettkampfes der Jugend, zu der sie natürlich nicht eingeladen wurde. Bis sie irgendwie in den Wettkampf gezogen wird. Nun muss sie beweisen, was wirklich in ihr steckt. Denn ihr Leben könnte davon abhängen.

Meine Meinung: Ein Roman, der am Strand spielt, ein Café beinhaltet und doch aus dem Bereich Fantasy ist? Wie konnte ich hier nicht zuschlagen? Schnell war ich auch schockverliebt in das Ambiente, die gemütliche kleine Familie, die dort lebt und alles war sehr cozy. Bis eben die anderen Hexenden kamen und auf dem Wohlfühlfaktor herumgetrampelt haben. Das ist allerdings keinerlei Kritik, sondern war spannend und aufregend mit Juna in ein Abenteuer gezogen zu werden. Ein wenig schade war es, dass der eigentliche Wettkampf sehr kurz gehalten war. Da danach noch einiges an Handlung passiert ist, hätte man das Buch dann auf zwei Bände strecken können. Andererseits war ich froh, dass die Handlung eben mal nicht künstlich gestreckt wurde, sondern einfach rund auserzählt. Und einen Handlungsabschnitt hätte man sogar komplett weglassen können, da die Geschichte danach genauso weitergeht wie vorher. Aber davon mal abgesehen ist es eine Geschichte, die es schafft durchgehend spannend zu bleiben, tolle oder zumindest nachvollziehbare Charaktere einzubinden und das Thema Hexen zwar nicht neu erfindet, ihnen aber dennoch einen neuen und interessanten Touch gibt.

Could it be Love?

Die Handlung: Bonnie hat für jeden ihrer Crushes eine eigene Playlist. Doch ihren aktuellen Crush Dee anzusprechen, traut sie sich nicht. Lieber erstellt sie eine weitere Playlist. Doch als sie im Plattenladen ihres Vertrauens eine alte Playlist hört, wird sie in eine alternative Realität geschleudert und steht auf einmal ihrem ersten Crush gegenüber. Und bei dem einen Mal soll es nicht bleiben. Und Bonnie lernt, was hätte sein können, wenn sie mutig gewesen wäre

Meine Meinung: Was wäre wenn Szenarien faszinieren mich immer wieder und spätestens seit Matt Haigs Mitternachtsbibliothek hatte ich auch wieder Lust sie mehr im literarischen Bereich zu erkunden. Umso begeisterter war ich als Lea Kaib uns genau dies für ihr neustes Buch ankündigte. Schon beim ersten Aufschlagen fielen mir gleich die Playlisten ins Auge und ich war sehr fasziniert von der tollen Auswahl, die mich zum ersten Mal seit langem direkt überzeugten und ich hatte unglaubliche Lust auf das Buch. Es startet auch unglaublich gut und ich habe mich Bonnie sehr nah gefühlt. Ihre Unsicherheiten waren super nachvollziehbar und ich hab direkt mitgefiebert. Leider kann diese Spannung nicht über die ganze Geschichte gehalten werden. Auch, wenn die Was wäre wenn Szenarien gut abwechslungsreich sind, ist schon beim zweiten schnell die Luft raus. Gerade im dritten Szenario gab es dann auch eine Szene, die ich sehr schwierig fand. Insgesamt war die Geschichte auch wirklich schön und ich mochte das Buch, aber es hat sich dann doch zwischenzeitlich gezogen, was sehr schade ist.

Miss Moons höchst geheimer Club ungewöhnlicher Hexen

Die Handlung: Mika Moon bekommt eine seltsame E-Mail und wird nach Nowhere House gerufen, wo sie feststellen muss, dass dort gleich drei ungelernte Junghexen Zuflucht gefunden haben. Nur, dass das komplett gegen die Regeln ist. Doch Mika nimmt sich der Aufgabe an und scheint zum ersten Mal ein Zuhause zu haben. Nur, dass Geheimnisse und der bevorstehende Besuch eines Anwalts das Glück schnell zerstören könnten.

Meine Meinung: Wer ‚Mr Parnassus Heim für magisch Begabte‘ mochte wird Miss Moons höchst geheimer Club ungewöhnlicher Hexen lieben! Sie teilen sich nicht nur im deutschen sehr lange Titel, die aber dennoch eine wunderbare Faszination auslösen, sondern auch eine ähnliche Grundprämisse. Das ist aber keinesfalls negativ, weil beide Bücher daraus ganz wunderbare Geschichten zaubern und auch Miss Moon konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite absolut begeistern. Es war cozy, es war eine interessante Welt, tolle Charakter, die aber sehr vielschichtig waren. Die Geschichte baut sich langsam auf und bringt genug Verrücktheiten mit, die einem zum schmunzeln bringen, aber hört auf, bevor es albern werden kann. Die Liebesgeschichte ist dezent, aber auf den Punkt gebracht. Lediglich das Finale ging dann schneller über die Bühne als gedacht. Hier gab es vielleicht den ein oder anderen Zufall zu viel, der die ein oder andere Person etwas zu schnell umgestimmt hat, um logisch zu sein, aber so passt es weiter in die cozy Grundstimmung des Buches.

Dangerously Close

Die Handlung: Liv ist Journalismusstudentin und steht kurz vor ihrer Masterarbeit. Diese würde sie nur zu gern über den Fall der ermordeten Sarah Mills schreiben, zumal sie an dem Abend auf der gleichen Party war. Doch dafür braucht sie ein Interview mit Weston Vermont, dem Mörder Sarahs. Doch der hat seit seiner Verurteilung nichts mehr dazu gesagt. Durch ihre Hartnäckigkeit bekommt sie ihr Interview, doch beide konnten die Folgen ihres Treffens nicht vorhersehen.

Meine Meinung: Ein Buch, dass ich wohl nicht gekauft hätte, wenn ich nicht schon vorher etwas von der Autorin gelesen hätte. Denn auch die ganze Werbung, die Lana Rotaru vorab für ihr neustes Werk gemacht hat, ließ mich eher skeptisch zurück, da mir die Grundprämisse nicht zusagte. Aber – und das ist ein großes Aber – ich hätte es bereut, wenn ich im Buchladen nicht nachgegeben hätte. Denn es ist wohl das bisher beste Buch der Autorin. Von den Schwächen früherer Reihen ist nichts mehr zu merken. Stattdessen nimmt sie uns mit auf einer Achterbahn der Gefühle, eine Geschichte voller Spannung und Emotionen. Während der Anfang noch relativ gewöhnlich anfängt, war ich bereits nach dem ersten Zusammentreffen von Westin und Liv restlos überzeugt. Geschickt schafft Rotaru es Westin gleichzeitig seine Rolle spielen zu lassen und doch die richtigen Signale auszusenden, so dass es verständlich ist, wieso sich Liv weiter darauf einlässt. An keiner Stelle gibt es irgendwelche toxischen Manipulationsspielchen, sondern nur ehrliche Gefühle. Beide Charaktere treffen sich auf Augenhöhe und jede Reaktion ist absolut nachvollziehbar. Das sehr spannende Ende kam mir fast ein bisschen zu kurz, aber ich konnte es auf den letzten 150 Seiten nicht mehr zur Seite legen und war super geflasht von den ganzen durch dachten Lösungen, so dass die Geschichte auch in allen Aspekten logisch bleibt. Man muss sich auf die Prämisse einlassen, aber man bekommt definitiv etwas geboten und ich weiß wieder, warum ich die Laufbahn der Autorin so gespannt verfolge. Denn mit dem richtigen Verlag ist bei ihr so viel möglich!

Habt ihr eins davon gelesen? Wie hat es euch gefallen?