Percy Jackson & Avatar – zweierlei Serienrezensionen

Ein Vorwort

Zur Zeit sind ja Realverfilmungen wieder voll in Mode und nach Netflixs Erfolg mit One Piece hauen sie mit Avatar gleich die nächste Serie raus. Disney hält da ein wenig gegen und bleibt lieber bei der klassischen Buchverfilmung, aber eins haben Percy Jackson und Avatar gemein: Eine Kinoverfilmung, die gefühlt alle Fans hassen. Ich habe mir beide Serien angesehen – bei einer mit viel Vorwissen, bei einer mit überhaupt keinem Vorwissen. Wie das funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Percy Jackson – Staffel 1

Die Handlung: Percy Jackson hatte schon immer Probleme sich in Schulen einzufinden, da ihm immer wieder seltsame Dinge geschehen, die ihm einfach keiner glaubt. Bis seine Mutter ihm endlich gesteht, dass er der Nachfahre eines griechischen Gottes ist und er daher im Camp Halbblood am besten aufgehoben ist. Doch auf dem Weg werden sie angegriffen und seine Mutter stirbt vermeidlich. Als ihm dann auch noch vorgeworfen wird, dass er Zeus‘ Herrscherblitz gestohlen haben soll, bricht er mit Annabeth und Grover auf, um seinen Namen rein zu waschen.

Meine Meinung: Kaum waren die ersten Folge der Serie draußen, kamen schon die begeisterten Stimmen der Percy Jackson Fans, wie gelungen die Umsetzung sei. Dass es genau die Serie sei, auf sie immer gewartet hätten und sie nun endlich die schlechte Verfilmung vergessen könnten. Ich war da etwas weniger optimistisch, was aber wohl auch daran liegt, dass ich niemals ein großer Fan der Buchreihe war. Zu viele schwierige Szenen, die ziemlich unkommentiert geblieben sind. Ich meine, die schlachten sich in ihrem angeblich sicherem Camp halb ab und die Aufsichtspersonen machen eher noch Scherze darüber? Und eins kann man auf jeden Fall über die Serie sagen: Handlungstechnisch ist sie sehr nah an der Buchvorlage und weicht davon auch nicht wirklich ab.
Buchfans mag das imponieren, leider übernehmen sie damit aber auch jede Schwäche der Bücher. Nächstes Problem ist, dass sie Szenen, die sie nicht optisch gut rüberbringen können, wie Erklärungsszenen, völlig überhetzen und es scheint, dass sie überhaupt keine Zeit hätten und wieder andere, gerade die Kampfszenen, dann schon fast über inszenieren. So wirkt die Serie total gehetzt, zieht sich aber gleichzeitig zäh wie Kaugummi. Acht Folgen hat die erste Staffel und ich habe mich eigentlich durch jede einzelne durchgequält.
Das hat aber noch zwei ganz entscheidende Gründe, warum die Serie für mich einfach nicht funktioniert. Zum einen die Darstellenden. Gerade die drei Jungdarsteller*innen passen vielleicht optisch super in die Rollen und wurden sogar von Rick Riordan, dem Autor der Reihe, abgesegnet, aber eins können sie nicht und das ist Schauspielern. So wenig Ausdruck im Gesicht und jeden Satz mit einer gelangweilten Monotonie vorgetragen, bringt leider Null Emotionen rüber und trägt zur Grundlangweile der Serie bei. Leider war ich aber auch damit beschäftigt mich genau darüber die meiste Zeit aufzuregen.
Aber selbst wenn sie es auch nur ansatzweise geschafft Emotionen in ihr Spiel zu legen, so hätten wir immer noch ein weiteres Problem: Die absolut grottig geschriebenen Dialoge. Selbst gut ausgebildeten Schauspielenden wäre es wohl schwer gefallen die Dialoge sinnvoll rüberzubringen. So kam eins zum nächsten und ich muss leider sagen: Die Serie war ein Reinfall.
Auch optisch kann sie nur bedingt überzeugen und kommt damit nicht an die Konkurrenz aus dem  Hause HBO oder Netflix ran. Woher die ganzen positiven Stimmen kommen, kann ich mir nicht erklären, denn selbst, wenn man über die Schwächen der Handlung hinwegsieht, da aus der Buchvorlage übernommen wurden, passt hier leider kaum etwas zusammen.

Avatar – Der Herr der Elemente – Staffel 1

Die Handlung: Vor 100 Jahren wurde Aang zum neuen Avatar, der Herr der vier Elemente. Doch das friedliche Zusammenleben der vier Nationen Feuer, Wasser, Wind und Erde wird durch den Angriff der Feuernation gestört, wobei die Windnation komplett ausgelöscht wird. Aang stürzt bei einem Sturm und friert in einem Eisblock ein. Als er nach 100 Jahren erwacht, ist die Welt nicht mehr das, was er kannte und er muss nicht nur mit den Veränderungen klar kommen, sondern auch die Bürde als Avatar annehmen, um gegen die Feuernation antreten zu können.

Meine Meinung: Im Gegensatz zu One Piece oder Percy Jackson hatte ich mit Avatar zuvor keine Berührungspunkte. Ich habe die Nickelodeon Serie nie gesehen und auch den Film damals vermieden – auch wenn die Fans die Existenz dessen leugnen. Dementsprechend schwer ist es mir gefallen in die Serie reinzukommen. Denn die Serie ist weniger für Neulinge, als vielmehr für die Fans der Animationsserie gemacht. Das fängt damit an, dass der Zeitsprung von 100 Jahren am Anfang ziemlich verwirrend ist und bis man die damit einhergehenden Veränderungen genau begreift, es ein wenig dauert. Auch danach lebt die Serie viel von Andeutungen.
Wir haben zwar mehr oder weniger in sich geschlossene Abschnitte auf Aangs Reise, doch wie die Welt genau funktioniert oder auch was die Beweggründe einzelner Charaktere ist, wird immer wieder nur angedeutet und auf spätere Folgen verschoben. Das mag für die Fans funktionieren, die das Vorwissen haben, aber als Neuling war ich die meiste Zeit eher verwirrt. So saß ich gerade die ersten beiden Folgen mit großen Fragezeichen über dem Kopf da. Ab Folge Drei hatte ich dann überhaupt erst Lust weiterzuschauen, was dann aber auch immer wieder schwand und doch wieder da war. Denn die Geschichte an sich fand ich durchaus interessant und wollte auch wissen, wie es weitergeht. Aber manchmal hatte ich auch einfach keine Lust die Brocken von Antworten zusammen zusetzen.
Was aber eindeutig für die Serie spricht ist die Optik. Denn hier beweist Netflix wieder einmal, dass sie wissen, wie man fantastische Welten bildgewaltig umsetzt. Immer wieder brachte sie mich zum staunen und gerade dadurch war meine Neugier dann auch wieder mehr geweckt, weil ich wissen wollte, was alles dahinter steckt.
Abgeflacht wurde die Euphorie dann eher wieder von den teilweise eher hölzernen Dialogen, die oft auch das immer gleiche aussagten. Man hätte locker eine ganze Folge einsparen können, wenn man nur die immer gleichen Aussagen gestrichen hätte. Während ich den Cast grundsätzlich mochte, hatte ich ein paar Probleme mit Gordon Cormier als Aang. Ich fand ihn nicht grundsätzlich schlecht gecastet, aber an manchen Stellen ist er doch ans Ende seiner Schauspielfähigkeiten gekommen. Teilweise hatte er aber auch einfach Dialoge, die nicht zu seinem Charakter passten. So pendelt er zwischen naivem Kind und uraltem Weisen, was befremdlich wirkt. Dabei kann man sich nicht einmal auf eine Entwicklung in seinem Charakter berufen, denn die Sprunghaftigkeit bleibt die ganze Zeit erhalten.
Im Vergleich zu Percy Jackson bin ich hier aber weiter interessiert und würde auch bei einer zweiten Staffel wieder einschalten. An den Erfolg von One Piece dürfte Netflix hier aber nicht erneut ranreichen können.

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