Cinemathek: Whiskey Tango Foxtrott

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Whiskey Tango Foxtrott. Der Film lief ursprünglich ab dem 02.06.2016 in den deutschen Kinos.
Die Jounalistin Kim Barker wird als Auslandsreporterin in Afghanistan eingeteilt. Hier schafft sie es nicht nur ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen, sondern lernt auch eine ganz andere Kultur näher kennen.
Zunächst einmal einen verwirrten Blick auf den Filmtitel. Was haben diese drei Wörter denn mit der Handlung zu tun. Sie stehen im NATO Alphabet für die Buchstaben WTF, was eine vielbenutzte Abkürzung für What the F*** ist. Und genau das denkt man sich mehrfach während des Films über: What the F***!
Zunächst lernen wir die Journalistin Kim Barker kennen. Sie arbeitet bei einem Kabelsender in New York und tippt da die meiste Zeit die Beitragstexte für die Sendungen. Ihr Alltag gleicht sich jeden Tag aufs Neue und ihren Freund sieht sie auch kaum, weil dieser ständig auf Geschäftsreise ist. Diese Umstände frustrieren Barker zunehmend. Doch eines Tages werden alle unverheirateten und kinderlosen Mitarbeiter des Senders zusammengerufen. Es wird jemand benötigt, der nach Kabul reist und in Afghanistan als Auslandsreporterin fungiert und das zu einer Zeit, in der der Krieg zwar vorüber scheint, das Land aber trotzdem einfach nicht zur Ruhe kommt. Nach kurzem Zögern meldet sich Barker freiwillig und sieht sich schneller in einem Flugzeug nach Kabul als ihr Lieb war. Dort machen sich zunächst ein paar Startschwierigkeiten bemerkbar, denn Kabul ist ein ganz anderes Pflaster als New York. Doch zusammen mit Sicherheitsmann Nic, Kameramann Brian, Dolmetscher Fahim und Kollegin Tanya Vanderpoel versucht sie dies zu meistern. Dabei begibt sie sich für eine gute Story in größere Gefahr, als sie müsste.
Whiskey Tango Foxtrott vereint mehrere Themen in einem Film. Zum einen den Ausbruch aus dem Alltag. Wenn man einfach merkt, dass man in seinem Alltag festgehfahren ist und es privat und beruflich kein Vorwärtskommen mehr gibt.
Viele Filme behandeln dieses Thema dann immer mit einer großen Reise (Eat Pray Love), einer großen Wandertour (Picknick mit Bären, Wild – der große Trip) oder einen anderen Weg zur Selbstfindung. Diesmal geht es zwar auch um eine räumliche Veränderung, aber wie soll man an einem Ort, an dem man ständig Schüsse hört, die Chance besteht, dass eine Bombe in der Nähe gezündet wird und man als Frau wenig Rechte hat, sich selbst finden können? Ein weiteres großes Thema ist der Afghanistan-Krieg und die journalistische Berichterstattung. Die Handlung des Films beginnt 2003. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwar noch vermehrt Berichte über den Krieg, aber er wird praktisch schon als beendet angesehen, da im Nachbarland der Irak-Krieg wütet und dieser aktuell viel mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommt. Es geht darum, dass viele Journalisten trotzdem in Kabul lebten, obwohl sie kaum noch Zeit dafür in den Nachrichtensendungen bekamen und sich daher für eine gute Story in immer größere Gefahr begaben. Auch als drittes großes Thema geht es darum, wie sehr man sich menschlich verändert, wenn man aus seinem alltäglichen Leben ausbricht und nun einen Alltag in einem Land hat, in dem man ständig in höherer Gefahr schwebt, aber gleichzeitig sexuell
begehrter ist. Das vielgenannte „4 – 10 – 4“-Prinzip, wird als Auslöser für Charakterveränderungen genannt. Dieses Prinzip sagt aus, dass man im Heimatland von der sexuellen Attraktivität auf der Wertungsskala eine 4 war, in Kabul nun automatisch zu einer 10 aufsteigt und später im Heimatland wieder zu einer 4 absteigt. Auch seien die sexuellen Spannungen unter den Journalisten viel stärker, und auch die ausschweifenden Partys im Journalistenlager sind eine Folge davon.
Diese drei großen Themen balanciert Whiskey Tango Foxtrott perfekt aus, so dass alle Themen genügend Spielraum haben und eine gute Koexistenz bilden. Man verfolgt Barkers Leben und Arbeit in Kabul und muss vielleicht nicht alles gut finden, was sie macht. Der Film lässt genügend Freiraum für Gegenmeinungen, um so eine Diskussion innerhalb des Films zu erlauben. Als Zuschauer kann man sich dadurch aussuchen, welche Meinung man vertritt, weil man über die meisten Themen genügend Informationen erhält. Lediglich über den Einfluss der Taliban, die zu dem Zeitpunkt schon wieder auf dem Vormarsch waren, gibt es relativ wenig Informationen. Der Film hält sich politisch gesehen sehr zurück. Zwar verfolgen wir hauptsächlich die Berichterstattung der Amerikanerin Barker, aber im Journalisten-Camp in Kabul lernen wir auch die Britin Tanya Vanderpoel, den Schotten Iain MacKelpie und viele weitere Nationalitäten kennen, wodurch es sich nicht auf die amerikanische Sicht konzentriert. Zudem wird auch die Sicht des Militärs vor Ort wiedergegeben, die Barker immer mal wieder begleitet.
Whiskey Tango Foxtrott startet den Film mit einer sehr rasant steigenden Spannungskurve, die sich lange hoch hält. Leider zieht sich der Film ab dem letzten Drittel etwas, da er wenig neues erzählt und die Handlung nur noch künstlich versucht in die Länge zu ziehen. Erst zum Finale hin, nimmt die Spannung wieder zu. Leider ist zu diesem Zeitpunkt beim Publikum schon sodie Luft raus, dass es einem schwer fällt, noch einmal richtig mit zu fiebern. Das Ende selbst ist rund und schafft einen gelungenen Abschluss.
Tina Fey übernimmt die Rolle der Kim Barker. Bisher kannte man Fey hauptsächlich aus dem Komödienbereich, weswegen es sehr erfrischend war, ihr komplettes Talent ausgeschöpft zu sehen. Sie gibt der Figur Barker Selbstzweifel, Resignation und dazu das gewisse Etwas, das eine große Nähe zum Zuschauer mit sich bringt.
Auch die übrigen schauspielerischen Leistungen sind allesamt gut.
Alles in allem eine schöne filmische Darstellung des Journalismu-Lebens in Kabul. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Sisters

Am 11.02.2016 erschien ein neuer Film über etwas ungleiche Schwestern in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Maura und Kate Ellis sind zwar Schwestern, aber vom Charakter her sehr ungleich. Als ihre Eltern das Haus ihrer Kindheit verkaufen, müssen die beiden notgedrungen ihre früheren Kinderzimmer räumen. Allein in dem großen Haus kommt ihnen die Idee einer letzten großen berüchtigten Ellis Party. Schnell werden die Freunde von früher eingeladen und das Chaos kann beginnen.

Sisters scheint auf den ersten Blick alle Klischees eines typischen Schwesternfilms zu erfüllen. Zwei Schwestern, beide sehr unterschiedlich, treffen wieder auf einander und bäm herrscht Chaos. Doch so leicht ist Sisters nicht zu durchschauen. Denn hier werden auch noch ganz andere Geschichten erzählt: Die Verantwortungen beim Erwachsen werden, verschiedene Arten am Erwachsen werden zu scheitern und die Verantwortungen einer Mutter.
Amy Poehler übernimmt die Rolle der Maura Ellis. Sie arbeitet im Krankenhaus und hat ein schönes Haus. Doch sie ist geschieden und kommt darüber nicht hinweg und fühlt sich öfter einsam. Daher skyped sie beinahe täglich mit ihren Eltern. Von den beiden Schwestern war sie immer die bedachte, die alles doppelt und dreifach überdacht hat. Sie hat auf den Partys immer die Mutti gespielt, den anderen beim Kotzen die Haare gehalten und den Zerstörungsgrad in Grenzen gehalten. Bei der letzten Party im Elternhaus möchte sie einmal Kates Rolle übernehmen und richtig die Sau rauslassen.
Tina Fey übernimmt die Rolle der Kate Ellis. Sie hat eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht, findet aber keine Anstellung, oder verliert diese sehr schnell wieder. Eine Wohnung kann sie sich für sich und ihre Tochter nicht leisten, sondern nistet sich immer wieder bei Freunden ein. Ihre Tochter scheint erwachsener als sie zu sein und verschwindet immer wieder auf unbestimmte Zeit, weil sie den Lebensstil Kates nicht erträgt. Von den beiden Schwestern war sie immer diejenige, die alles intuitiv entschieden hat und daher ohne Plan durchs Leben stolpert. Auf den Ellis Partys hat sie immer die Sau rausgelassen, Typen abgeschleppt und sich betrunken. Bei der letzten Party im Elternhaus soll sie einmal Verantwortung übernehmen und die Mutti spielen.
Sisters geht mit den angesprochenen Themen sehr locker um. Sie sind da, werden aber nicht zwangsläufig vertieft. Das sorgt für eine lockere Atmosphäre und ein einfaches Sehgefühl, aber es sorgt auch dafür, dass sich der Film von vergleichbaren abhebt. Der Spannungsaufbau ist sehr einfach gehalten. Zunächst werden die Charaktere und ihre Lebensweisen vorgestellt, dann erfolgt ein Settingwechsel zurück ins Elternhaus. Dort wird die Idee der letzten Party geboren, die dann auch ausladend gefeiert wird. Viele Handlungsteile sind vorhersehbar und natürlich wird auf der Party in allen Gebieten übertrieben. Trotzdem bleibt der Film spannend und einige Gags bringen neuen Wind ins Genre, denn sie schaffen es tatsächlich erst gegen Ende ins Übertriebene und unter die Gürtellinie abzudriften. Davor sind sie gut durchdacht und bringen das Publikum berechtigt zum lachen. Die Charaktere sind durchdacht und abseits der Stange zu finden. Natürlich werden auch hier Klischees bedient und nicht jeder Charakter bekommt eine Entwicklung, aber doch wird sich mehr Mühe gegeben als bei vergleichbaren Filmen. Am Ende schafft der Film es leider nicht das vorherige Niveau zu halten und sackt stark ab, was schade ist. Aber bis zum Ende kann man den Film gut ansehen. Das liegt vor allem auch an der unübersehbaren Dynamik zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen, die dem Film einen ganz eigenen Charme geben.

Alles in allem ist Sisters ein Film, der versucht neuen Wind ins Genre zu bringen, gegen Ende aber stark abdriftet. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.