Eine Handvoll Filme

Heute mit: Einem aus dem Ruder laufendem Versteckspiel, verschmähten zweitgeborenen, einem Einbrecher mit Moral, einer Reise zum Mond und einer Auserwählten

Ready or not

Die Handlung: Die Familie Le Domas sind berühmt für ihre Brettspiele und damit reich geworden. Am Abend von der Hochzeit von Grace und Alex Le Domas, kommt die Familie zusammen. Grace soll eine Karte ziehen, welches Spiel die Familie spielt. Dies sei eine alte Familientradition. Doch als Grace ‚Verstecken‘ zieht, muss sie feststellen, dass bei der Karte der Spaß aufhört. Denn nun macht die Familie jagt auf sie, um sie bei einem Ritual zu opfern.

Meine Meinung: Ready or not hat im deutschen den Beititel „Auf die Plätze, fertig, tot“, was vielleicht mehr an ein Wettrennen, als an ein Versteckspiel erinnert. Dennoch schafft es die Horrorkomödie ihre Ausgangsgeschichte in wenigen Szenen zu erzählen und dann gleich in die Jagd einzusteigen. Diese ist erfindungsreich, hat zwar einige vorhersehbare Wendungen, aber auch einige Überraschungen zu bieten. Vor allem schafft der Film es eine gute Balance zwischen Horror und Komödie zu halten. So kommen sowohl Horrorfilmfans auf ihre Kosten, als auch kann ich als Angsthase den Film genießen. Einziges Hindernis beim ungestörten Sehen sind die Charaktere. Zwar sind es eigentlich gar nicht so viele, aber da einige am Anfang nur im Nebensatz erwähnt wurden, war es doch manchmal schwer ihre Zugehörigkeit und irgendwann auch ihre Absichten richtig einzuordnen. Letztlich ist es ein Film, den man gut in der Gruppe sehen kann, weil er einfach für unterschiedliche Interessen Material liefert.

Der geheime Club der zweitgeborenen Royals

Die Handlung: Sam ist eine Prinzessin des fiktiven Königreichs Illyrien. Allerdings ist sie die zweitgeborene. Und während sich ihre Schwester auf die Krönung vorbereitet, organisiert Sam lieber Demonstrationen gegen die Monarchie. Nach einigen Fehltritten wird sie von ihrer Mutter in die Sommerschule geschickt. Doch die stellt sich als ein geheimes Camp heraus, in dem zweitgeborene Royals entdecken, dass sie Superkräfte haben. Dies dürfen sie auch schnell unter Beweis stellen, denn ein gefährlicher Häftling ist ausgebrochen.

Meine Meinung: Unter dem Titel hatte ich mir tatsächlich einen ganz anderen Film vorgestellt. Erwartet hatte ich wohl eine Art Breakfast Club mit zweitgeborenen Royals und einigen tiefgründigen Dialogen. Aber das wäre wahrscheinlich einfach zu wenig Disney. Stattdessen versucht man hier die Superheldenbranche für ein noch jüngeres Publikum zugänglich zu machen. Das steckt voller Klischees, vorhersehbarer Handlung und platter Charaktere. Das ist besonders enttäuschend, weil der Film in meinem Kopf bereits gut war, und dann die Realität damit einfach nicht mithalten konnte. Das Problem ist halt auch einfach, dass der Film sich die Ausgangshandlung sehr konstruiert hat, um dann mit den üblichen Handlungsmustern weiterzumachen. Unverstandene Teenager haben auf einmal Kräfte, kommen an eine Akademie, lernen diese im Schnelldurchlauf zu kontrollieren, und sind dann natürlich sofort bereit, um es mit dem großen Bösen aufzunehmen. Nicht nur, dass ich das schon einmal zu oft gesehen habe, die Umsetzung ist eben auch disneytypisch weichgespült. Kein Konflikt darf offen bleiben. Keine tiefgründigen Dialoge. Vielleicht war ich letztlich auch einfach nicht mehr die Zielgruppe, möchte ich gar nicht ausschließen. Aber ein bisschen Einfallsreichtum wird man doch wohl erwarten dürfen.

Bad Samaritan

Die Handlung: Sean hält sich zusammen mit seinem Kumpel Derek mit Einbrüchen über Wasser. Dabei parken sie vermeintlich die Autos von Restaurantgästen, fahren aber stattdessen zu deren Häusern und stehlen ein paar Kleinigkeiten. Das funktioniert eine Zeit lang ganz gut. Bei Cale, der im Maserati vorfährt, sieht alles absolut verlockend aus. Auch wird Sean im Haus mit einer neuen Kreditkarte fündig. Doch leider findet er auch eine gefesselte Frau vor, die ihn verzweifelt um Hilfe anfleht. Was soll er jetzt tun, immerhin begeht er gerade selbst eine Straftat.

Meine Meinung: Bad Samaritan ist so ein Film, den ich allein aufgrund seiner Prämisse wahrscheinlich nicht gucken würde. Aber meine beste Freundin kann sehr überzeugend sein. Mein Problem ist, dass ich es nicht sehen kann, wenn jemand ein Verbrechen sieht und ihm dann einfach nicht geglaubt wird und der Verbrecher es so hindrehen kann, dass der andere verrückt ist und sich das ausdenkt. Da drehe ich beim Schauen fast durch. Nun gab es hier allerdings das Argument, dass einfach David Tennant mitspielt. Aber Freunde des 10. Doktors aufgepasst. Mr. Tennant kann die coolsten Rollen unfassbar sympathisch spielen – siehe Doctor Who und Good Omens – er kann aber auch die schlimmsten Psychopathen mit einer Extraportion Kälte spielen – Vorgeschmack dazu bei Jessica Jones. Robert Sheehan (Umbrella Academy, Misfits, Mortal Engines) ist dafür der perfekte Gegenpart, verkörpert er doch den unsicheren Einbrecher, der mit der ganzen Situation einfach überfordert ist, einfach wunderbar. Das Problem des Films ist also nicht der Cast. Das Problem mit dem Film ist auch nicht die Handlung, die es immer wieder schafft unfassbar viel Spannung zu erzeugen. Nein, das Problem des Films ist das Ende. Denn hier scheint der Film einfach alles, was er vorher aufgebaut hat, über Bord zu werfen und sich zu denken: Slapstick mit einem eiskalten Folterheld, der zu einem lachhaften Psychopathen wird? Das klingt so, als ob wir uns damit den ganzen Film kaputt machen, lass das mal machen! Sehr geehrter Herr Regisseur Dean Devlin, ich liebe ihre unfassbar intelligente Serie Leverage, aber entschuldigen Sie bitte: Dieser Film ist am Ende einfach nur Mist.

Die bunte Seite des Mondes

Die Handlung: Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die 14-jährige Fei Fei nicht damit klar, dass ihr Vater sich eine neue Frau sucht, die auch noch einen Sohn mitbringt, den Fei Fei als absolut nervtötend empfindet. Also beschließt sie zusammen mit ihrem Kaninchen zum Mond zu reisen, wo der Legende nach die Mondgöttin Chang’e leben soll, die sich nach ihrer ersten großen Liebe verzehrt. Und tatsächlich schafft sie es eine Rakete zu bauen. Doch auf der bunten Seite des Mondes ist es etwas anders als gedacht.

Meine Meinung: Disney? Is that you? Nein es handelt sich hierbei um ein Netflix Original, das vom Gewand her aber auch gut zu Disney passen würde. Allein die supersüße Vorgeschichte der Familie und dem supersüßen Häschen. Bis die Mutter stirbt. So weit, so Disney. Darauf versuchen sie die Geschichte eines trauerndes Mädchens abzubilden, das versucht, dass trotz des Tods der Mutter alles so bleibt, wie es war. Die drohende Veränderung durch neue Frau mit einem sehr aufgewecktem Sohn wird zielgruppengerecht aufgegriffen und man findet sich irgendwo in Fei Fei wieder, aber auch in ihrer neuen Stiefmutter, die alles versucht, damit Fei Fei sie mag, sie sich aber dennoch treu bleibt und sich nicht zu sehr der verstorbenen Mutter anzupassen. Der Film verliert seiner einen Großteil seiner zuvor starken Handlung, sobald es Fei Fei tatsächlich schafft mit einer selbstgebauten Rakete auf den Mond zu fliegen. Mal so in den Raum gestellt: Was wäre das eigentlich für ein unvorhersehbarer Plottwist gewesen, wenn sie nicht die Mondgöttin auf der bunten Seite des Mondes, sondern die Nazis auf der dunklen Seite des Mondes gefunden hätte? Aber gut, dass hätte wahrscheinlich auch nur ich cool gefunden. Stattdessen erleben wir jetzt die bunteste abgedrehteste Stadt, die je auf dem Mond zu finden war. Dann hätten wir noch eine Lady Gaga mäßige Gesangsnummer und der Kitsch ist perfekt. Erst nach und nach schafft der Film es wieder sich zu sammeln und wieder zu ernsteren Themen zurückzukommen. Die Geschichte der Mondgöttin Chang’e ist wohl eine sehr bekannte Legende in China. Ich wage zu bezweifeln, dass diese bunte Welt dort so gut ankommt. Aber immerhin schafft der Film es am Ende noch ein gut die Kurve zu kriegen und an der vorherigen Handlung mit ein paar guten Lebensweisheiten anzuknüpfen. So jetzt habe ich viel mehr dazu geschrieben, als ich wollte. Also nochmal die Kurzform: Zunächst eine starke Geschichte über den Verlust eines Elternteils und die Angst vor Veränderungen mit der neuen Frau des Vaters im Leben. Dann abgedrehter Kitsch, den keiner gebraucht hätte, am Ende doch noch die Kurve bekommen. Also ein bisschen weniger Popnummern, ein bisschen weniger bunte Seite des Mondes – also sie darf schon bunt bleiben, aber nicht so kitschig bunt – und das ganze wäre ein deutlich stärkerer Film geworden.

Mara und der Feuerbringer

Die Handlung: Mara Lorbeer dachte sie wäre ein ganz normales Mädchen mit einer etwas ungewöhnliches Mutter. Doch dann erzählt ihr ein Ast, dass sie eine Spakona ist, eine Seherin. Nach einigen Tagträumen vom gefesselten Loki, sucht sie verzweifelt Hilfe und sucht daher den Professor für germanische/nordische Mythologie an der Uni auf: Professor Weissinger. Nach einem etwas holprigen Start stecken die beiden schon bald mitten drin im Abenteuer. Denn Mara muss die Götterdämmerung aufhalten.

Meine Meinung: Der Film orientiert sich sehr stark am Buch und erzählt die Handlung nach, was auch relativ gut funktioniert. Der wahre Pluspunkt des Films zum Buch sind dann aber die Darsteller. Vor allem Jan Josef Liefers als Professor Weissinger kann der Rolle noch einmal eine ganz neue Richtung geben und bringt einen mehr als einmal zum schmunzeln. Tommy Krappweis, der Autor der Buchreihe, übernimmt hier Regie und das Drehbuch. Das funktioniert insofern, dass er sich mit seiner Geschichte bestens auskennt, und auch bereits über Erfahrung mit der Regie verfügt. Letztlich gibt es jedoch einige Handlungselemente, die auf dem Papier einfach besser funktionieren als auf der Leinwand. Denn gerade Hauptdarstellerin Lilian Prent scheint stellenweise überfordert, wie sie die sehr komplexe Gedankenwelt Maras richtig rüberbringen soll. Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau, denn an sich bekommen wir hier eine tolle Fantasy-Geschichte, die toll recherchiert ist, absolut fantastische Bilder hat – allein die Landschaftsaufnahmen! – einen tollen Cast aufweist und das ganze aus Deutschland, dem Land, das sonst nur die immer gleichen Komödien rausbringt. Also schaut den Film und wenn er auch gefiel, dann lest noch das gleich das Buch hinterher!