Meine Monsterwochen #6: Meine liebste Draculaverfilmung

Herzlich Willkommen zum vierten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die Verfilmungen von Francis Ford Coppola und Kenneth Branagh gehen

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Ein Vorwort

Zum Abschluss dieser Reihe möchte ich euch noch meine liebste Draculaverfilmung und die Anschlussteile präsentieren. Es handelt sich dabei um die Verfilmungen mit Christopher Lee als Dracula. Dabei basiert nur der erste Teil lose auf dem Buch. Die anderen Teile greifen lediglich die Figur Dracula wieder auf, haben aber eine komplett unabhängige Handlung. In der heutigen Ausgabe wird es keinen Film zu Frankenstein geben, da ich da meine liebste Verfilmung noch nicht gefunden habe.

Dracula

Die Handlung

Jonathan Harker (John Van Eyssen) reist als Bibliothekar getarnt zur Burg des Grafen Dracula (Christopher Lee). Zusammen mit seinem Freund Dr. Van Helsing (Peter Cushing) hat er herausgefunden, dass Dracula ein Vampir ist und will ihn erledigen. Doch Dracula kommt ihm zuvor. Van Helsing findet den toten Harker und überbringt die Nachricht Familie Holmwood. Arthur (Michael Gough) und seine Frau Mina Holmwood (Melissa Stribling) wollen es seiner Schwester Lucy (Carol Marsh) zunächst nicht sagen, da diese erkrankt ist. Van Helsing erkennt jedoch die Symptome sofort und versucht nun gleichzeitig Dracula zu zerstören und Lucy zu retten.

Meine Meinung

Auch hier ist zu sagen, dass die Verfilmung eher lose auf dem Roman basiert und sich viele künstlerische Freiheiten erlaubt. Zunächst sind Jonathan Harker und Dr. Van Helsing erprobte Vampirjäger und machen direkt Jagd auf Dracula. Dann ist die ganze Konstellation rund um Lucy und Mina stark abgeändert, Quincey Morris wurde komplett weggelassen, Dr. Sewart hat eine Screentime von ca. einer Minute. Dennoch sind die allergrundlegendsten Elemente vorhanden und die Handlung auch so rund. 
Die Filme leben vor allem von Christopher Lee als Dracula. Denn auch wenn die Handlung geändert wurde, so haben wir hier eine wirklich gute Darstellung des unsterblichen Grafen. Zugleich elegant, keine abschreckende Kreatur, und doch düster, drohend. Auch ist es eine der wenigen Darstellungen, die die sexuelle Komponente des Buches aufgreifen und die Anziehung der Frauen zum Grafen glaubhaft machen. Dabei reicht allein der Blick Lees, um genau dies zu vermitteln. An seinem Blick und seiner Mimik erkennt man so viele Nuancen, die viel vom Film erklären, ohne das Worte nötig wären.
Ebenfalls zu Gute kommt dem Film, dass Peter Cushing als Draculas Widersacher Van Helsing hinter dem Meister keinesfalls zurückstecken muss. Auch er gibt seinem Van Helsing in wenig Szenen allein mit Mimik Tiefe. Durch die beiden starken Darsteller täuscht der Film auch geschickt darüber hinweg, dass die visuellen Effekte eben die der späten 1950er Jahre ist. 
Einziger Wermutstropfen bleibt die Degradierung Minas zu Ehefrau und Opfer des Grafen. Denn ihre Darstellung im Buch war für die damalige Zeit schon fast fortschrittlich. So fehlt dem Film die starke Frauenfigur. Aber das bleibt hier Jammern auf hohem Niveau. 

Das Fazit

Dracula schafft es mit wenigen optischen Mitteln, dafür aber starken Protagonisten zu überzeugen. Trotz geänderter Handlung bleiben die Grundmotive erhalten.

Das Blut von Dracula

Die Handlung

Die Gentleman William Hargood (Geoffrey Keen), Samuel Paxton (Peter Sallis) und Jeremy Secker (Martin Jarvis) sind gelangweilt. Als der junge Lord Courtley (Ralph Bates) sie zu einer schwarzen Messe einlädt, um den Grafen Dracula (Christopher Lee) wiederzuerwecken, sind sie zunächst neugierig. Doch Courtley stirbt bei der Zeremonie und die Männer verstecken sich verschreckt zu Hause. Doch Dracula schwört Rache dafür, dass sie seinen treuen Diener haben sterben lassen.

Meine Meinung

Wie bereits erwähnt, greift der zweite Teil lediglich noch die Figur Dracula wieder auf, nicht aber die anderen Charaktere oder Handlungselemente aus dem Buch. Dabei wird sich auf den Mythos berufen, dass Dracula immer wieder kommt, was sich durch die Verfilmungen und die Popkultur  eingebürgert hat.
Der Film braucht ein bisschen, um in Fahrt zu kommen, da zunächst die neuen Figuren vorgestellt werden. Wir lernen die drei Gentleman kennen, aber auch deren Kinder. Erst nach einer ganzen Weile kommt es zu der schwarzen Messe und Christopher Lee darf einmal mehr zeigen, wieso er die bisher beste Besetzung für den Grafen ist. Auch hier schafft er es wieder durch seine reine Präsenz eine Horroratmosphäre zu schaffen. Blicke und kleine Gesten genügen, um die Frauen um den Verstand zu bringen und die Gentleman vor Angst erzittern zu lassen.
Die Handlung ist eigentlich die eines klassischen Rachefeldzugs. Dennoch ist es spannend, wer als nächstes dran ist und auf welche Weise. Trotz einiger Charaktere behält man leicht den Überblick und bekommt sie den jeweiligen Familien zugeordnet. 

Das Fazit

Das Blut von Dracula ähnelt zwar einer typischen Rachegeschichte, schafft es aber durch die übernatürlichen Elemente sich abzugrenzen. Christopher Lee als Dracula ist hier wieder in seinem Element.

Draculas Rückkehr

Die Handlung

Der Monsignore Ernst (Rupert Davies) versiegelt Draculas Burg, nachdem er im Dorf unterhalb der Burg eine leere Messe vorfand. Dadurch kann Dracula (Christopher Lee) nicht zurück und reist mit dem örtlichen  Priester (Ewan Hooper) dem Monsignore hinterher. Dieser steht der neuen Beziehung seiner Nichte Maria (Veronica Carlson) zu dem Bäckergesellen Paul (Barry Andrews) eher kritisch gegenüber.

Meine Meinung

Wie schon bei Das Blut von Dracula hat der Film keinerlei Bezug mehr zur Buchvorlage außer dem titelgebendem Monster. Während im Vorgängerfilm noch durch die schwarze Messe logisch versucht wurde zu begründen, warum Dracula wiederkam, wird man diesmal einfach mit der Tatsache konfrontiert, dass er noch da ist. Das Rachemotiv ist auch diesmal wieder gegeben und richtet sich gegen eben jenen Monsignore, der Draculas Burg versiegelt hat und er dadurch nicht mehr zurück kann. 
Diesmal fällt der Überblick über die Charaktere noch leichter, da die Anzahl stark reduziert ist und man sich keine ganzen Familien merken muss. Interessant ist auch, dass wir hier zwei stark stereotypische Frauenbilder haben. Einmal die unschuldige Schönheit und einmal die lebensfrohe Lasterhafte. Das erlaubt dem Film mit Sinnbildern zu spielen und bietet jede Menge Interpretationsspielraum. Dennoch hält sich der Film irgendwo an das Vorhersehbare. Und obwohl man sich den Ausgang ungefähr vorstellen kann, bleibt der Film spannend, hat einige Wendungen zu bieten und überrascht doch an der ein oder anderen Stelle. 
Christopher Lee erhält hier nicht nur tatsächlich auch ein bisschen Text, wenngleich er noch immer den durch Blicke sprechenden geheimnisvollen Dracula mimt, sondern bekommt auch eine (spoiler!) Todesszene, die ihm würdig ist – war er doch Zeit seines Lebens traurig, dass der Tod seines Sarumans in Herr der Ringe herausgeschnitten wurde. 

Das Fazit

Auch im dritten Film bleibt die Geschichte spannend, auch wenn sich einzelne Abläufe ähneln. Mr. Lee, Danke für Ihren Dracula!

Hat euch das Special gefallen? Wollt ihr ein ähnliches im nächsten Jahr wieder haben? Gerne her mit Lob, Kritik, Anmerkungen und Vorschlägen 🙂