Meine Monsterwochen #6: Meine liebste Draculaverfilmung

Herzlich Willkommen zum vierten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die Verfilmungen von Francis Ford Coppola und Kenneth Branagh gehen

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Ein Vorwort

Zum Abschluss dieser Reihe möchte ich euch noch meine liebste Draculaverfilmung und die Anschlussteile präsentieren. Es handelt sich dabei um die Verfilmungen mit Christopher Lee als Dracula. Dabei basiert nur der erste Teil lose auf dem Buch. Die anderen Teile greifen lediglich die Figur Dracula wieder auf, haben aber eine komplett unabhängige Handlung. In der heutigen Ausgabe wird es keinen Film zu Frankenstein geben, da ich da meine liebste Verfilmung noch nicht gefunden habe.

Dracula

Die Handlung

Jonathan Harker (John Van Eyssen) reist als Bibliothekar getarnt zur Burg des Grafen Dracula (Christopher Lee). Zusammen mit seinem Freund Dr. Van Helsing (Peter Cushing) hat er herausgefunden, dass Dracula ein Vampir ist und will ihn erledigen. Doch Dracula kommt ihm zuvor. Van Helsing findet den toten Harker und überbringt die Nachricht Familie Holmwood. Arthur (Michael Gough) und seine Frau Mina Holmwood (Melissa Stribling) wollen es seiner Schwester Lucy (Carol Marsh) zunächst nicht sagen, da diese erkrankt ist. Van Helsing erkennt jedoch die Symptome sofort und versucht nun gleichzeitig Dracula zu zerstören und Lucy zu retten.

Meine Meinung

Auch hier ist zu sagen, dass die Verfilmung eher lose auf dem Roman basiert und sich viele künstlerische Freiheiten erlaubt. Zunächst sind Jonathan Harker und Dr. Van Helsing erprobte Vampirjäger und machen direkt Jagd auf Dracula. Dann ist die ganze Konstellation rund um Lucy und Mina stark abgeändert, Quincey Morris wurde komplett weggelassen, Dr. Sewart hat eine Screentime von ca. einer Minute. Dennoch sind die allergrundlegendsten Elemente vorhanden und die Handlung auch so rund. 
Die Filme leben vor allem von Christopher Lee als Dracula. Denn auch wenn die Handlung geändert wurde, so haben wir hier eine wirklich gute Darstellung des unsterblichen Grafen. Zugleich elegant, keine abschreckende Kreatur, und doch düster, drohend. Auch ist es eine der wenigen Darstellungen, die die sexuelle Komponente des Buches aufgreifen und die Anziehung der Frauen zum Grafen glaubhaft machen. Dabei reicht allein der Blick Lees, um genau dies zu vermitteln. An seinem Blick und seiner Mimik erkennt man so viele Nuancen, die viel vom Film erklären, ohne das Worte nötig wären.
Ebenfalls zu Gute kommt dem Film, dass Peter Cushing als Draculas Widersacher Van Helsing hinter dem Meister keinesfalls zurückstecken muss. Auch er gibt seinem Van Helsing in wenig Szenen allein mit Mimik Tiefe. Durch die beiden starken Darsteller täuscht der Film auch geschickt darüber hinweg, dass die visuellen Effekte eben die der späten 1950er Jahre ist. 
Einziger Wermutstropfen bleibt die Degradierung Minas zu Ehefrau und Opfer des Grafen. Denn ihre Darstellung im Buch war für die damalige Zeit schon fast fortschrittlich. So fehlt dem Film die starke Frauenfigur. Aber das bleibt hier Jammern auf hohem Niveau. 

Das Fazit

Dracula schafft es mit wenigen optischen Mitteln, dafür aber starken Protagonisten zu überzeugen. Trotz geänderter Handlung bleiben die Grundmotive erhalten.

Das Blut von Dracula

Die Handlung

Die Gentleman William Hargood (Geoffrey Keen), Samuel Paxton (Peter Sallis) und Jeremy Secker (Martin Jarvis) sind gelangweilt. Als der junge Lord Courtley (Ralph Bates) sie zu einer schwarzen Messe einlädt, um den Grafen Dracula (Christopher Lee) wiederzuerwecken, sind sie zunächst neugierig. Doch Courtley stirbt bei der Zeremonie und die Männer verstecken sich verschreckt zu Hause. Doch Dracula schwört Rache dafür, dass sie seinen treuen Diener haben sterben lassen.

Meine Meinung

Wie bereits erwähnt, greift der zweite Teil lediglich noch die Figur Dracula wieder auf, nicht aber die anderen Charaktere oder Handlungselemente aus dem Buch. Dabei wird sich auf den Mythos berufen, dass Dracula immer wieder kommt, was sich durch die Verfilmungen und die Popkultur  eingebürgert hat.
Der Film braucht ein bisschen, um in Fahrt zu kommen, da zunächst die neuen Figuren vorgestellt werden. Wir lernen die drei Gentleman kennen, aber auch deren Kinder. Erst nach einer ganzen Weile kommt es zu der schwarzen Messe und Christopher Lee darf einmal mehr zeigen, wieso er die bisher beste Besetzung für den Grafen ist. Auch hier schafft er es wieder durch seine reine Präsenz eine Horroratmosphäre zu schaffen. Blicke und kleine Gesten genügen, um die Frauen um den Verstand zu bringen und die Gentleman vor Angst erzittern zu lassen.
Die Handlung ist eigentlich die eines klassischen Rachefeldzugs. Dennoch ist es spannend, wer als nächstes dran ist und auf welche Weise. Trotz einiger Charaktere behält man leicht den Überblick und bekommt sie den jeweiligen Familien zugeordnet. 

Das Fazit

Das Blut von Dracula ähnelt zwar einer typischen Rachegeschichte, schafft es aber durch die übernatürlichen Elemente sich abzugrenzen. Christopher Lee als Dracula ist hier wieder in seinem Element.

Draculas Rückkehr

Die Handlung

Der Monsignore Ernst (Rupert Davies) versiegelt Draculas Burg, nachdem er im Dorf unterhalb der Burg eine leere Messe vorfand. Dadurch kann Dracula (Christopher Lee) nicht zurück und reist mit dem örtlichen  Priester (Ewan Hooper) dem Monsignore hinterher. Dieser steht der neuen Beziehung seiner Nichte Maria (Veronica Carlson) zu dem Bäckergesellen Paul (Barry Andrews) eher kritisch gegenüber.

Meine Meinung

Wie schon bei Das Blut von Dracula hat der Film keinerlei Bezug mehr zur Buchvorlage außer dem titelgebendem Monster. Während im Vorgängerfilm noch durch die schwarze Messe logisch versucht wurde zu begründen, warum Dracula wiederkam, wird man diesmal einfach mit der Tatsache konfrontiert, dass er noch da ist. Das Rachemotiv ist auch diesmal wieder gegeben und richtet sich gegen eben jenen Monsignore, der Draculas Burg versiegelt hat und er dadurch nicht mehr zurück kann. 
Diesmal fällt der Überblick über die Charaktere noch leichter, da die Anzahl stark reduziert ist und man sich keine ganzen Familien merken muss. Interessant ist auch, dass wir hier zwei stark stereotypische Frauenbilder haben. Einmal die unschuldige Schönheit und einmal die lebensfrohe Lasterhafte. Das erlaubt dem Film mit Sinnbildern zu spielen und bietet jede Menge Interpretationsspielraum. Dennoch hält sich der Film irgendwo an das Vorhersehbare. Und obwohl man sich den Ausgang ungefähr vorstellen kann, bleibt der Film spannend, hat einige Wendungen zu bieten und überrascht doch an der ein oder anderen Stelle. 
Christopher Lee erhält hier nicht nur tatsächlich auch ein bisschen Text, wenngleich er noch immer den durch Blicke sprechenden geheimnisvollen Dracula mimt, sondern bekommt auch eine (spoiler!) Todesszene, die ihm würdig ist – war er doch Zeit seines Lebens traurig, dass der Tod seines Sarumans in Herr der Ringe herausgeschnitten wurde. 

Das Fazit

Auch im dritten Film bleibt die Geschichte spannend, auch wenn sich einzelne Abläufe ähneln. Mr. Lee, Danke für Ihren Dracula!

Hat euch das Special gefallen? Wollt ihr ein ähnliches im nächsten Jahr wieder haben? Gerne her mit Lob, Kritik, Anmerkungen und Vorschlägen 🙂

 

 

Meine Monsterwochen #5: filmische Neuinterpretationen

Herzlich Willkommen zum fünftenTeil meiner Monsterwochen. Heute soll es um zwei filmische Neuinterpretationen gehen. Mit Dracula Untold wurde ein Prequel und mit I,Frankenstein ein Sequel zur bekannten Geschichte geschaffen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Dracula Untold

Ein Vorwort

2014 erschien mit Dracula Untold eine Art Prequel zur eigentlichen Draculageschichte in den Kinos. Dabei wurden lose Ideen aus der literarischen Vorlage und dem realen Fürsten Vlad III., der den Beinamen Draculea trug, übernommen und zusammengeführt. Für meine Monsterwochen fand ich es durchaus passend auch ein Film reinzunehmen, der sich mit einer möglichen Vorgeschichte befasst. 

Die Handlung

Fürst Vlad (Luke Evans) lebte als Kind unter dem osmanischen Herrscher, der Jünglinge aus Transsilvanien zu Kriegern ausbildete. Nach dem Tod seines Vaters wird Vlad Fürst und schwört, dass sein Sohn und auch die anderen Kinder seines Landes nicht das gleiche Schicksal haben sollen. Doch als sein ehemaliger Freund und inzwischen Sultan Mehmed II. (Dominic Cooper) ebendies von ihm verlangt, um den Krieg der Osmanen Richtung Mitteleuropa zu unterstützen, setzt Vlad alles daran, um dies zu verhindern. Doch der einzige Ausweg scheint ihm ein Pakt mit einem Vampir (Charles Dance) aus dem Reißzahngebirge. Dies verleiht ihm übermenschliche Fähigkeiten und wenn er drei Tage widersteht, verwandle er sich auch nicht in den Vampir. Doch kann er dem Durst widerstehen und gleichzeitig seine Familie und Untertanen beschützen?

Meine Meinung

Ich hab den Film damals (kann man nach sechs Jahren schon damals sagen?) im Kino gesehen. Nach dem Trailer, der sich mehr auf die Geschichte zwischen Vlad und Mehmed und zwischen Vlad und dem Vampir konzentrierte, hatte ich hohe Erwartungen an den Film. Das Problem war, dass das Endprodukt sich sehr auf bildgewaltige Schlachten konzentriert hat und wenig auf die eigentliche Geschichte. Was im Kino durchaus noch wirkt, wird auf dem heimischen Fernseher eben doch unbedeutender. 
Auch ist die Handlung nicht ganz unproblematisch. Dracula ist doch eigentlich Alptraummaterial. Ein hochgeschätztes Monster, aber eben doch ein Monster. Nur wird er durch diese Vorgeschichte nun beinahe menschlich. Auch wenn sich Historiker einig sind, dass die Gräueltaten des historischen Vlads III. stark überspitzt wurden und teilweise politisch motivierte Darstellungen waren, so trägt er doch Beinamen, wie „Sohn des Teufels“ und „Tepes – der Pfähler“. So richtig mag die Darstellung in Dracula Untold also nicht zu unserem Mythos zu passen. 
Aber auch das wäre wohl weit weniger unpassend, wenn es richtig ausgearbeitet worden wäre. Wenn wir eine vernünftige Geschichte gehabt hätten, die ein bisschen über die nun sehr rudimentär dargestellten Motive hinausgeht – Vlad: Will meinen Sohn beschützen, Mehmed: Will alles erobern, brauch Männer dafür, Vampir: will die Freiheit – mit mehr Mythos, mehr Dichtung, weniger Kämpfen oder vielleicht einfach besser dosierten Kämpfen zwischen richtiger Handlung, dann hätte daraus ein richtig interessanter Film werden können.
Zu guter Letzt gelingt aber dennoch die Überleitung zu Bram Stokers Werk, als in der letzten Szene Vlad, noch immer jung, auf Mina Harker trifft, die eine Reinkarnation seiner toten Frau darstellt. Ab hier wäre vielleicht eine interessante Neuinterpretation draus geworden. Einen solchen zweite Teil wird es aber wohl nie geben.

Das Fazit

Schwerpunkt auf viele bildgewaltige Kämpfe zu legen, mag im Ansatz noch im Kino funktionieren, aber eine besser ausgearbeitete Geschichte hätte dem Film deutlich besser gestanden, zumal das Potential einfach da war.

I, Frankenstein

Ein Vorwort

Als Gegenpart zu Dracula Untold hab ich leider keine Vorgeschichte zu Frankenstein gefunden, was auch nicht gepasst hätte, ist doch die Erschaffung des Monsters eine eigentliche Vorgeschichte zu dem später passierendem. Aber mit I, Frankenstein ebenfalls aus dem Jahr 2014 gibt es ein Sequel, welche das Monster überleben ließ und es in die heutige Zeit steckt. Also ein perfektes Gegenstück.

Die Handlung

Frankenstein verfolgt sein Monster (Aaron Eckhart bis in die Arktis, wo er schließlich erliegt. Sein Monster bringt ihn zurück in seine Heimat und setzt ihn in der Familiengruft bei. Dabei wird er von Dämonen überrascht, die er aber zusammen mit zwei Gargoyles in die Flucht schlagen kann. Die Gargoyles bringen ihn zu ihrem Orden und stellen ihn ihrer Königin Leonore (Miriam Otto) vor. Sie gibt dem Monster den Namen Adam und bittet ihn den Orden im Kampf gegen den Dämon Naberius (Bill Nighy) zu unterstützen. Adam lehnt ab und macht sich alleine auf den Weg. Über die Jahrhunderte hinweg, kämpft er immer wieder gegen Dämonen. In der heutigen Zeit kommt er erneut in Berührung mit dem Gargoyle-Orden und dem Dämon Naberius, der verzweifelt versucht, Frankensteins Experiment von damals zu wiederholen.

Meine Meinung

Ich kann mich wage erinnern, dass ich den Film schon einmal gesehen habe und nicht so gut fand. Diesmal beim zweiten Sehen fand ich ihn schon deutlich besser. Die ganze Grundidee, Frankensteins Monster überleben zu lassen und in die heutige Zeit zu verfrachten, funktioniert sehr gut. Auch die Idee, dass es immer noch jemanden gibt, der die Experimente Frankensteins wiederholen will, passen gut. Das es ausgerechnet Dämonen sein müssen, passt nicht so ganz, denn Frankenstein ist nur bedingt ein Fantasieroman, wird es doch unter dem Grundsatz der Wissenschaft gestellt. Aber hat man sich einmal damit abgefunden, funktioniert auch der Aspekt. Als Gegenpart einen Gargoyle-Orden ins Leben zu rufen, hatte durchaus Potential, was irgendwie nicht wirklich genutzt wurde. Und das war auch das Problem am Film. Er funktioniert solange Adam (Frankensteins Monster) allein unterwegs ist oder versucht Nachforschungen anzustellen bzw. den Dämonen entgegen tritt. Sobald der Gargoyle-Orden jedoch auftaucht ist es eine wilde Mischung aus Kirchenparodie, schlechtem Schauspiel, allen voran Miranda Otto, und übermäßigem Heldengefasel. Da Kevin Grevioux am Drehbuch beteiligt war, der auch die Comicvorlage schrieb, hätte ich doch etwas mehr erwartet, da Grevioux auch an der Underworld Reihe beteiligt war – zumindest an den ersten drei Teilen, bevor die Reihe den Bach runter ging. Auch gibt es durch den Orden ein wildes „Wer verrät wen?“, was ich selten mag. Schade, denn die Idee Gargoyles mit in die Handlung einzufügen, fand ich schon interessant. 

Das Fazit

Eine grundsätzlich interessante und spannende Weiterentwicklung von Frankenstein, aber mit einem großen störenden Element, was das Sehvergnügen durchaus trübt. 

Meine Monsterwochen #4: Coppola & Branagh

Herzlich Willkommen zum vierten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die Verfilmungen von Francis Ford Coppola und Kenneth Branagh gehen

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Bram Stoker’s Dracula

Ein Vorwort

1992 brachte Francis Ford Coppola seine Interpretation des Stoffes von Bram Stoker in die Kinos. Ursprünglich wollte er den Film lediglich D nennen, um sich von anderen Verfilmungen abzusetzen. Da er aber eine größtenteils buchgetreue Fassung ablieferte, wurde letztlich sogar der Autorenname im Titel genannt. In dieser Reihe taucht er auf, da er ebenfalls zu den bekanntesten Verfilmungen gehört.

Die Handlung

Nach dem Selbstmord seiner Frau wird der transsilvanische Fürst Dracul (Gary Oldman) zu einem Vampir. Viele Jahre später reist der junge Anwalt Jonathan Harker (Keanu Reeves) auf das Anwesen des Grafen, um dort Verträge abzuschließen. Dabei sieht der Graf ein Bild von Harkers Verlobten Mina Murray (Winona Ryder), in der er seine verstorbene Frau entdeckt. Er überlässt Harker drei Vampirfrauen und reist nach London, wo er Mina umgarnt. Gleichzeitig stillt er seine Gier an Minas Freundin Lucy (Sadie Frost). Zur Hilfe eilt Professor Van Helsing (Anthony Hopkins).

Meine Meinung

Während Coppola mit Filmen wie Der Pate und Apocalypse Now sich einen gewissen Ruf erarbeitet hat, waren die Erwartungen an Dracula dementsprechend hoch. Doch mit dieser wilden Mischung aus Horror, Splatter und Liebesgeschichte wird er seinem Ruf wohl nicht gerecht. Fangen wir mit den positiven Aspekten an. Es wurden alle wichtigen Charaktere aus dem Buch übernommen und sie behalten größtenteils ihre Eigenschaften. Auch generelle Abläufe sind übernommen worden. Vor allem sticht wohl die Optik heraus, auch wenn einige Darstellungen stark übertrieben scheinen. Und spannend ist der Film auch, selbst wenn man das Buch und damit den Ausgang des Ganzen kennt. 
Kommen wir auch schon zu den Kritikpunkten. Hier dürften wohl an vorderster Stelle Coppolas übereifrige Darstellungen stehen. Ein bisschen viel Blut wird verspritzt, keine Szene ist einfach nur eine Szene, sondern alle sind dafür da, um Anstoß zu bieten. Während Stokers sexuelle Komponente der Geschichte stets untergründig blieb und nur leicht zu spüren war, wird sie hier mit dem Vorschlaghammer ausgenutzt. Während eigentlich der Akt des Blutsaugens erotisch sein sollte, wird hier ein halber Porno draus gemacht. Ob die dazu gedichtete Vorgeschichte des Grafen und die daraus resultierende Liebesgeschichte wirklich nötig war, sei mal dahin gestellt, im Gegensatz zu vielen anderen Aspekten wirkt sie aber nicht völlig fehl am Platz. Allerdings nimmt sie Mina als Charakter viele ihrer positiven Aspekte, scheint sie hier doch eher das verliebte Naivchen zu sein, statt der starken Frau aus dem Buch. Auch die Besetzung scheint teilweise etwas unglücklich. Sei es ein Anthony Hopkins als Van Helsing, der hier einen stets stark angeheiterten Professor abgibt, einen ausdruckslosen Keanu Reeves oder einen Gary Oldman, der sich auch stets der Grenze zum Overacting gefährlich nähert. Am ungeschicktesten dürfte aber wohl Winona Ryder als Mina Harker sein. Obwohl sie zu dem Zeitpunkt schon in einigen bekannten Produktionen mitgespielt hat, scheint sie hier das Schauspiel komplett verlernt zu haben. Kein Ausdruck, kaum Emotionen und dabei war ihre Rolle laut Drehbuch schon durchaus schwierig. 
Letztlich hatte der Film eigentlich einen namenhaften Cast und einen noch namenhafteren Regisseur. Dennoch weiß der Film vorne und hinten nicht, was er eigentlich sein will und was er schließlich aussagen will. Ja die Geschichte bleibt in den Grundzügen buchnah, aber letztlich wirkt es eher wie eine Parodie auf das Buch. 

Das Fazit

Francis Ford Coppolas Bram Stokers Dracula – man hätte vielleicht bei dem Namen D bleiben sollen – kennt nur zwei Arten: Zu viel und zu wenig. Zu viel Blut, Overacting und deutlich zu viel Pornocharakter. Zu wenig Schauspiel, zu wenig Charme, zu wenig Tiefe. Ein schwieriges Werk.

Mary Shelley’s Frankenstein

Ein Vorwort

Während mir Coppolas Verfilmung von Dracula regelrecht entgegensprang und ich sie unbedingt in meine Monsterwochen einbinden wollte, ging es nun darum ein ebenwürdiges Pendant dazu mit Frankenstein zu finden. Und auch wenn ich Kenneth Branagh nun keinesfalls mit Coppola gleichsetzen will, vereint die beiden doch zumindest die ähnliche Entstehungszeit, die hochkarätige Besetzung und die gleiche Huldigung der Buchvorlage durch Nennung des Autorenamens im Titel.

Die Handlung

Victor Frankenstein kommt über den Verlust der geliebten Mutter nicht hinweg. Als er auszieht, um zu studieren, sucht er noch immer nach Antworten. Er stößt auf ein Experiment eines seiner Professoren, der jedoch verstirbt. Also versucht Frankenstein das Experiment nachzumachen, wobei er aus Totem Leben erschaffen will. Doch seine Kreatur ängstigt ihn und er bereut seine Tat. Doch seine Taten holen ihn ständig wieder ein.

Meine Meinung

Ähnlich wie Coppola bleibt auch Branagh sehr nah an der Buchvorlage, zumindest in vielen Teilen. So tauchen alle wichtigen Figuren auf, auch wenn sie an manchen Stellen etwas umgeschrieben wurden, was aber erst einmal dem Film nicht schadet. Auch ähnlich wie Coppola inszeniert Branagh hier große Teile des Films ein wenig zu intensiv. Alles wird mit großen Gesten gemacht, nichts mit kleinen Worten. Keine Szene ist dezent inszeniert, sondern stets mit großem Trara.
Auch wenn der Aspekt bereits an der Belastbarkeit des Zuschauers zehrt, wird es dabei nicht belassen. Branagh schlüpft, wie in vielen seiner Filme, auch hier in die Hauptrolle und präsentiert uns seinen Victor Frankenstein. Da diese Rolle im Buch nicht unbedingt ein Sympathieträger ist, schreibt Branagh die Rolle ein wenig um. Statt mit einer permanenten naiven Weinerlichkeit umzugehen, hat nun der Zuschauer hier einen unter Strom stehenden Frankenstein, der ständig durch seine zu laute Stimme und zu heftigen Reden auffällt. Freunde und Familie stößt er regelmäßig von sich und wenn die nicht selbst zu ihm zurückkehren, obwohl er so ungehobelt war, läuft er ihnen selbst hinterher, um sich immerzu zu entschuldigen. Was so schon anstrengend wäre, wird noch auf die Spitze getrieben durch Branaghs konsequentes over-acting. Er geht damit so weit, dass er selbst Helena Bonham-Carter, die hier eigentlich noch ruhig und souverän spielt, fast verführt ihn ebendieses abzudriften.
Hat der Zuschauer einmal das erste Drittel überstanden, darf er ein wenig aufatmen. Denn ab hier wird die Inszenierung ein wenig ruhiger und bodenständiger. Vor allem dürfen wir ab jetzt aber auch Robert deNiro als Frankensteins Monster begrüßen. deNiro spielt die Kreatur wirklich auf den Punkt. Die Verwirrung über das plötzliche Leben und wie er von allen, sogar seinem eigenen Schöpfer, als abstoßend empfunden wurde, weswegen ihm permanent Hass und Ablehnung entgegenschlägt. Dabei wurde auch sein Aussehen wohl dem von Shelley erdachten angepasst. Man bekommt einen Einblick in sein Denken und Handeln, auch wenn einige kleinere Szenen weggelassen wurden, die doch eine große Aussage treffen könnten, warum er seine Entwicklung durchmacht. Hier spiele ich vor allem auf die kurze Szenen aus dem Buch an, wo die Kreatur ein Mädchen vor dem Ertrinken rettet und dann von ihrem Vater fast erschossen wird. Letztlich wurde die Grundabsicht Shelleys aber doch deutlich.
Wir kommen also zum letzten Drittel des Films. Hier wird das Drehbuch wieder aufgeregter und Szenen werden wild hin und her geworfen, ähnlich der Wankelmütigkeit von Branaghs Frankenstein. Hier dürften sich dann auch die größten Änderungen zu Shelleys Vorlage finden. Gerade das große Finale wird hier abgewandelt und zeigt einmal mehr, dass verzweifelt versucht wurde, eine eher dialoglastige Geschichte, mit vielen Beschreibungen der Gedanken und des Innenlebens des Protagonisten, eine bildgewaltige Verfilmung zu machen. Dass der Film mit einer wesentlich dezenteren Darstellung vielleicht sogar besser verfahren wäre, wird hier komplett außer Acht gelassen.

Das Fazit

Buchnah und doch so opulent inszeniert, dass man sich nur die Haare raufen kann. Der Film erfasst irgendwo die Grundstimmung und Tiefe des Buches und kann doch die essenziellen Botschaften nur bedingt rüberbringen.