Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr. Trotz eines insgesamt eher filmschwachen Jahr, sind doch wieder ein paar zusammengekommen, über die ich mit euch reden will. Diesmal mit: einer sprechenden Eidechse, einem Wal auf dem trockenen, einem mordenden Prinzen, einem toten potentiellen Schwiegersohn und einem entführten Captain.

Leo
Die Handlung: Leo ist eine Echse und lebt zusammen mit Squirtle, einer Schildkröte, in einem Terrarium in einer fünften Klasse. Als beim alljährlichen Elternabend über das Alter von Echsen diskutiert wird, findet Leo heraus, dass er wahrscheinlich nur noch ein Jahr zu Leben hat. Gleichzeitig beschließt die Vertretungslehrerin, dass die Kinder abwechselnd eines der Tiere übers Wochenende mit nach Hause nehmen müssen. Leo sieht darin seine Chance zu fliehen und noch ein Abenteuer in seinem letzten Jahr zu erleben. Doch es soll anders kommen.
Meine Meinung: Als der Film groß auf Netflix beworben wurde, war ich skeptisch, zumal Adam Sandler im Original eine Rolle übernommen hat. Aber an einem kalten düsteren Dezemberabend (ja so lange ist es schon wieder her, dass ich ihn gesehen habe), schien der Zeitpunkt gekommen und ich habe mich direkt in diesen Film verliebt. Er bedient zwar einige Klischees, aber dabei ist er so herergreifend und niedlich und einfach ehrlich. Was als Komödie beginnt, entwickelt immer mehr Tiefe und zeigt, wie sehr die Kinder verstanden werden und wie sie gemeinsam ihre Probleme lösen können. Wie man zusammen halten kann, wenn einem selbst die Eltern nicht verstehen (oder verstehen wollen). Dabei werden so viele coole Ideen eingebaut, wie die Drohne von den absoluten Helikoptereltern, die Gefühle entwickelt. Ich hatte noch nie so viel Mitgefühl für eine Drohne! Natürlich bietet der Film auch eine Menge Aussagen, aber das entwickelt sich ganz natürlich in der Geschichte und nicht mit erhobenem Finger. Ein schöner Film für die ganze Familie.
The Whale
Die Handlung: Charlie hat sich nach einem Verlust sich vollständig zurückgezogen. Durch seine morbide Adipositas traut er sich nicht einmal bei seinem Online-Kurs, den er gibt, die Webcam einzuschalten. Seine Freundin Liz, die Krankenpflegerin ist, drängt ihn ins Krankenhaus zu fahren, da sie befürchtet, dass sein Herz aufgibt. Doch Charlie versucht sich mit seiner entfremdeten Tochter zu versöhnen, die jedoch wenig Verständnis zeigt.
Meine Meinung: Habt ihr eure Taschentücher bereit? Denn die werdet ihr für diesen Film auf jeden Fall brauchen! Gleichzeitig ist der Film definitiv nichts für schwache Nerven und geht einen ordentlich an die Nieren. Aber fangen wir am Anfang an. Wir lernen Charlie kennen und wie er sich vor seinem Onlinekurs nicht zeigen möchte, aber zeitgleich viele Einblicke in die Literatur hat und dort mit Wissen glänzt. Nach und nach erfahren wir in diesem Kammerspiel von seiner Geschichte, von seinem Verlust, wie seine Ehe scheiterte, die Entfremdung zur Tochter und nur Liz, die noch zu ihm hält. Wie er versucht wieder eine Beziehung zu seiner Tochter aufzubauen, die jedoch wohl eins der bösartigsten Miststücke der Filmgeschichte ist. Einen Jungen, der versucht zu missionieren und dabei immer wieder in Charlies Privatsspähre eindringt. Hier wird man an keiner Stelle geschont. Gleichzeitig wird sehr sensibel mit Charlies Krankheit umgegangen und wir schwanken zwischen „Nun helft ihm doch endlich“ und „Akzeptiert bitte seine Entscheidungen“. Man leidet mit, man will, dass es aufhört und vor allem will man ein dringend benötigtes Happy End. Stattdessen steigert sich der Film in einem Strudel aus Negativität und bleibt dabei doch erzählerisch stark. Brendan Fraser hat hier definitiv verdient den Oscar gewonnen, spielt er Charlie doch mit allen Facetten und einer Hingabe, die man selten so in Hollywood sieht. Also absolute Filmempfehlung, aber bitte nur, wenn ihr euch bereit für den Film fühlt.
Die Chroniken von Erdsee
Die Handlung: Prinz Arren wird von einer bösen Kraft manipuliert und ermordet seinen Vater, den König. Auf seiner Flucht begegnet er dem Magier Sperber, der ihn auf seiner Reise mitnimmt. Doch das Gleichgewicht von Gut und Böse in Erdsee ist gestört und noch immer ist jemand auf der Suche nach Arren. Wem kann er trauen?
Meine Meinung: Ein weiterer Studio Ghibli Film, den ich von meiner Liste streichen konnte. Leider für mich so ziemlich der schlechteste. Das liegt vor allem daran, dass er sich eine Buchreihe als Vorbild genommen hat. Doch statt diese irgendwie von Anfang an zu verfilmen, wurde lediglich ein Ausschnitt genommen und versucht daraus einen Solofilm zu machen. Dafür fehlt aber massiv an Hintergrund, Figuren werden einfach eingeführt, ohne, dass man viel über sie erfährt. Von Anfang an basiert der Film auf der Prämisse, dass Arren seinen Vater aus dem Nichts ermordet hat. Das ganze wird aber später nicht richtig aufgearbeitet oder eingebunden, es wird lediglich auf seine dunkle Seite hingewiesen, die aber auch immer wieder handlungsrelevant ist, ohne, dass sie genauer erklärt wird. Dadurch bin ich überhaupt nicht in die Geschichte rein gekommen, hatte immer wieder Fragezeichen über dem Kopf und dadurch zog sich der Film auch deutlich. Hat insgesamt leider gar nicht für mich funktioniert.
Rendevous mit Joe Black
Die Handlung: William Parrish ist erfolgreicher Unternehmer und steht kurz vor seinem 65. Geburtstag. Als der geheimnisvolle Joe Black in sein Leben tritt ändert sich jedoch einiges, denn dieser ist der Tod und gekommen, um William zu holen. Sie handeln einen Pakt aus, wenn William es schafft Joe bei Laune zu halten, darf er noch weiter leben. Doch das bringt einige Probleme mit sich.
Meine Meinung: Nachdem der Film immer wieder bei Quizen auftauchte und ich ihn nie erkannt habe, hat meine beste Freundin ihn mir kurzerhand in die Hand gedrückt. Zunächst war ich etwas abgeschreckt, denn eine Liebesgeschichte über 180 Minuten? Wie sollte das funktionieren ohne zu dramatisch oder zu langweilig zu werden? Nun Rendevous mit Joe Black ist die Antwort darauf. Denn der Film nimmt sich zwar viel Zeit, um die Charaktere einzuführen, um den Tod vorzustellen und die Welt nochmal aus seiner Sicht zu sehen, aber dabei ist er an keiner Stelle langweilig. Im Gegenteil schafft er es doch gerade durch diesen Tiefgang uns immer weiter in die Welt reinzuziehen und an den Bildschirm zu fesseln. Dabei ist der Ton trotz des bevorstehenden Todes des Protagonisten locker und mitfühlend. Insgesamt war es ein schöner Film für einen Filmabend und gleichzeitig wunderbar entschleunigend, weil eben nicht das nächste große Drama aufgebaut wurde, sondern sich eins langsam gesteigert hat.
Captain Phillips
Die Handlung: Phillips ist Captains eines Frachtschiffes, das Waren über die Meere befördert. Seine nächste Fahrt führt ihn und sein Team auch in ein Gebiet, in dem immer wieder somalische Piraten gesichtet wurden. Während sie eigentlich dachten ausreichend Vorbereitungen getroffen zu haben, kommt es dennoch zum Supergau: Das Schiff wird von Piraten eingenommen. Und sie sind leider so gar nicht an den Waren interessiert, sondern wollen Lösegeld für die Crew.
Meine Meinung: Von der Thematik her, war es gar nicht mein Film, aber ich versuche ja nach und nach alle mir fehlenden Tom Hanks Filme nachzuholen. Dieses Jahr stand also Captain Phillips auf der Liste. Und während ich am Anfang noch überlegte, ob ich ihn nicht einfach hätte überspringen sollen, zog er mich dann doch nach kurzer Zeit doch ziemlich in den Bann. Denn die Geschichte wird keineswegs mit der typischen Gut und Böse Moral erzählt, sondern setzt sich durchaus auch mit der Situation in Somalia auseinander, auch wenn es noch deutlich differenzierter sein könnte. Auch die Piraten werden differenziert betrachtet, mit ihren Forderungen und nicht alle in eine Schublade gesteckt. Dennoch bleibt es eine Geschichte, bei der Piraten deutlich gewalttätig waren, da es aber auch auf wahren Begebenheiten basiert, war hier der Spielraum vermutlich auch kleiner. Tom Hanks, aber auch die anderen, spielen hier sehr stark, so dass man regelrecht mitfiebert und der Film nur so dahingleitet. Einen Blick ist er allemal wert.
Habt ihr einen der Filme gesehen? Wie fandet ihr ihn?