Neulich in der Sneak: Anna

Ein Vorwort

Ein Agententhriller, der sich mit dem russischen KGB befasst, bekamen wir bereits im letzten Jahr mit einer stark spielenden Jennifer Lawrence in der Hauptrolle zu sehen. Red Sparrow war brutal und ehrlich und beschönigte nichts. Nun versucht sich Regisseur Luc Besson, bekannt für Leon – der Profi, aber auch Lucy und zuletzt der missglückte Valerian, erneut an dem Stoff. Mit Sasha Luss als Anna hat er zumindest eine Russin als Protagonistin gecastet. Ob auch das übrige Konzept aufgeht, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Anna Poliatova (Sasha Luss) wird als Modell rekrutiert und reist nach Paris, um dort ihre Karriere zu starten. Nachdem sie jedoch einen ihrer Chefs erschießt, erfährt man in einer Rückblende, dass sie eigentlich als Agentin für den KGB ausgebildet wurde. Die Tarnung als Modell erlaubt ihr jedoch unerkannt durch Paris zu morden. Doch Anna verfolgt auch heimlich ihr eigenes Ziel, ihren größten Herzenswunsch.

Meine Meinung

Die Castingliste von Anna liest sich im Vorhinein schon einmal sehr gut. Mit Sasha Luss, einem russischen Modell, hat man eine glaubhafte Protagonistin gefunden. Mit an ihrer Seite spielen Luke Evans, Cillian Murphy und eine wie immer großartige Helen Mirren. Mit dieser Castingliste hatte Newcomerin Sasha Luss es nicht einfach, um sich durchzusetzen. Hatte sie doch bisher nur eine kleine Rolle in Bessons letztem Film Valerian – Stadt der tausend Planeten. Dennoch schafft sie es sich durchaus durchzusetzen, auch wenn an den mimischen Feinheiten natürlich noch gefeilt werden kann.
Anna ist ein Film, der handlungstechnisch im Prinzip absolut rund erzählt wird, jedoch tatsächlich nur beim ersten Mal sehen funktioniert. Denn die Handlung wird nicht stringent erzählt, sondern immer wieder durch Rückblenden unterbrochen, die das bisher erzählte einem ganz neuen Blickwinkel geben. Sobald man aber weiß, was vorher passiert ist, entfällt beim zweiten Mal sehen jeglicher Überraschungseffekt. Besson übertreibt dieses Prinzip leider ab einem gewissen Punkt auch, so dass die Anzeige „3 Monate zuvor“ fast schon wie ein Running Gag wirkt. Dies nimmt dem Film vieles seiner Ernsthaftigkeit. Abgesehen davon handelt es sich aber um einen spannenden Agententhriller, der keine Kompromisse eingeht. Hier weiß man tatsächlich selten, was die einzelnen Charaktere denken oder gerade planen. Andererseits wirken die Motive der beiden Herren (Evans & Murphy) sehr eindimensional. Zum einen wollen sie beide ihr jeweiliges Land verteidigen, andererseits wirkt Anna einen gewissen Charme auf sie aus. Dahingegen weiß man bei den beiden Damen (Luss & Mirren) selten, was sie genau mit ihren Taten bezwecken. Somit haben wir hier auch einen Film mit zwei starken weiblichen Charakteren.
Letztendlich macht Luc Besson mit seinem neusten Werk sehr viel richtig. Er ist gut choreographiert, spannend, und mit guten Schauspielern für starke Charaktere bestückt. Was ihm fehlt ist die konsequente Erzählung. Denn das Zerpflücken der Handlung mit ständigen Rückblenden nimmt dem Film Ernsthaftigkeit und Spannung.

Das Fazit

Anna ist ein interessanter Film mit guten Darstellern, Hanndlung voller Wendungen und gutem Szenenbild und Choreographien. Dennoch kostet ihm die Rückblendenerzählung einige Pluspunkte. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Valerian – Stadt der tausend Planeten

Am 20.07.2017 erschien eine Comicverfilmung von Regisseur Luc Besson in den deutschen Kinos.

Die Agenten Valerian und Laureline erhalten den Auftrag das letzte Exemplar einer ansonsten ausgestorbenen Spezies zu retten und nach Alpha – eine ehemalige Mondbasis, die inzwischen von Spezies aus allen Ecken des Universums bevölkert wird. Dort angekommen scheint etwas nicht zu stimmen. Die Agenten untersuchen diese Sache.

Luc Besson dürfte als Regisseur für Freunde von Filmen, wie Nikita und das fünfte Element durchaus ein Begriff sein und hat sich damit einen guten Ruf erarbeitet. 2014 brachte er mit Lucy zwar einen bildlich guten Film hervor, der aber ab einem gewissen Punkt in der Handlung einfach übertrieben hat und damit die Meinungen spaltete. Nun nimmt er sich die Comicreihe Valerian und Laureline vor. Der erste Aufschrei erfolgte nach der Bekanntgabe des Namens des Films, denn der weibliche Part Laureline wurde komplett entfernt, so dass der Film nun nur noch Valerian heißt. Dann erschien der erste Trailer und zwei Sachen wurden schnell klar. Erstens: Der Film würde ein visuelles Erlebnis der Sonderklasse werden und den Gang ins Kino visuell entlohnen. Zweitens: Mit dem Casting von Cara Delevigne als Laureline würde der Film einiges an Qualität verlieren.
So beginnt der Film mit einer interessanten Entstehungsgeschichte zur Raumstation Alpha und der Geschichte eines traumhaften Planetens. Dann lernt der Zuschauer die Protagonisten Agent Valerian und Agentin Laureline kennen. Und hier macht der Film den ersten großen Fehler. Er versucht verzweifelt Schauspieler Dane DeHaan als Valerian als Charmeur und Frauenheld zu etablieren. Dies wirkt an keiner Stelle authentisch und stört den bis dahin sehr fließenden Erzählfluss. Weiter geht es zu dem wirklich spannenden und gut erzählten Part der Handlung. Bis sie sich schließlich auf Alpha wiederfinden. Hier schläft die Handlung dann fast vollständig ein, während eine Menge Dialoge geführt werden, ohne den Film richtig voranzubringen. Nach und nach deutet sich ein großes Geheimnis an, das aber letztendlich sehr vorhersehbar ist und daher weder Spannungs aufbauen kann noch den Film wirklich gut macht. Nebenbei werden immer wieder Nebenhandlungen eingebaut, die zwar eindrucksvoll das Universum vergrößern, den Film aber letztendlich nur künstlich verlängern. Da helfen auch schöne Ideen nicht weiter. Im Prinzip verschießt der Film am Anfang ziemlich viel Pulver bis ihm auf halber Strecke die Puste ausgeht.
Die wirklich große Stärke des Films ist ohne Zweifel die Bilder. Die visuelle Erzeugung einer einzigartigen Welt ist ein Genuss für das Auge. Leider stehen dem einige schlechte Castingentscheidungen entgegen. Die größte Enttäuschung dürfte Cara Delevigne sein. Mit nur einem Gesichtsausdruck – genervt – ist ihre Laureline nichts weiter als eine austauschbare Puppe, auch wenn die Charakterisierung der Rolle eigentlich etwas anderes vorgesehen hat. Dane deHaan als Valerian schien angesichts seiner guten Leistungen in a cure for wellness eine gute Entscheidung. Leider passt er sich allzu oft an die schlechten Vorlagen seiner Kollegin Delevigne an und will absolut nicht in die Rolle des draufgängerischen Charmeurs passen. So hat der Film gleich zwei Hauptdarsteller, die schauspielerisch wenig leisten. Das die anderen umso mehr leisten, ist in diesem Fall leider nicht mehr viel wert. Damit verschenkt der Film sehr viel Potential und bleibt so leider im unten Mittelmaß stecken.

Alles in allem ruht sich Valerian zu sehr auf seinen Bildern aus und kann nach der Hälfte weder Handlungstechnisch, noch darstellerisch etwas bieten. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.