Alice im Wunderland – Hinter den Spiegeln

Am 26.05.2016 erschien der zweite Teil der Tim Burton Verfilmung von Alice im Wunderland in den deutschen Kinos.

Alice Kingsleigh ist nach ihrem letzten Abenteuer im Unterland über die Weltmeere gereist. Zurück in London muss sie feststellen, dass die Gesellschaft ihre Ansichten über eine Frau in Führungspositionen nicht geändert hat. Doch ein Hilferuf aus Unterland lässt sie alles stehen und liegen lassen, denn der Hutmacher ist sehr krank. Alice muss durch die Zeit reisen, um ihn heilen zu können.

2010 inzenierte Tim Burton seine Variante von Alice im Wunderland. Ein düsteres und trübsinniges Unterland erwartete den Zuschauer, denn das Reich stand unter der Regierung der bösen Herzkönigin. Durch ein einmaliges Setdesign, knallbunte Kostüme und eine gute Auswahl an Schauspielern konnte der Film begeistern. Seine Handlung war angelehnt an das zweite Buch von Lewis Caroll, dem Autor von Alice im Wunderland, das den Titel „Alice hinter den Spiegeln“ trug. Aber wenn schon der erste Burton-Film die Handlung des zweiten Buches hatte, was wurde nun im zweiten Film verfilmt? Eine gänzlich neue Geschichte! Bezeichnend für den Film ist auch, dass Burton nicht mehr Regie führte, sondern lediglich als Produzent agierte.
Alice Kingsleigh lehrte uns im ersten Teil, dass man schon vor dem Frühstück an 7 unglaubliche Dinge glauben kann. Nach ihren Abenteuern in Unterland kehrte sie zurück in ihre Welt, lehnte die Verlobung mit Hamish ab und verfolgte den Traum ihres Vaters weiter. Sie bereiste die 7 Weltmeere. Dort setzt nun der zweite Film an. Alice kehrt gerade von ihrer letzten Reise nach London zurück und muss feststellen, dass ihr Traum zu zerplatzen droht. Ihre Mutter ist verarmt und ist kurz davor das Schiff verkaufen zu müssen. Alices früherer Geschäftspartner ist verstorben und Hamish, ihr einst Verlobter, hat die Geschäfte übernommen. Er grollt noch immer über die geplatzte Verlobung und versucht Alice ganz zu verdrängen. In dieser ausweglosen Situation bekommt Alice Nachricht aus Unterland und entkommt der Realität durch einen Zauberspiegel. Dort muss sie feststellen, dass der Hutmacher sehr krank ist. Leider kann sie ihm nicht sofort helfen. Die weiße Königin rät ihr ins Reich der Zeit zu gehen und dort einen Gegenstand zu stehlen, mit dem sie in die Vergangenheit reisen kann, um dort die Familie des Hutmachers zu retten. Zeit, ein mürrischer Mann, ist von der Idee nicht begeistert und sieht das Gefüge der Zeit in Gefahr.
Alice im Wunderland – Hinter den Spiegeln versprach vom Trailer her ein Wiedersehen mit den bekannten geliebten Figuren und eine neue spannende Handlung. Leider hat der Film einfach nur versucht mit den bekannten Figuren viel Geld zu machen. Die Handlung ist lieblos zusammengeschustert, voller Logiklöcher und wie sich am Ende herausstellt auch ziemlich überflüssig. Es gibt einen permanenten Wechsel zwischen London und Unterland, weswegen man sich auf keine Handlung richtig einlassen kann. Es folgt Zeitreise auf Zeitreise und es wird alles immer absurder, was das Sehvergnügen sehr stark trübt. Es kommt keine Spannung auf, da das Ende sehr vorhersehbar war.
Auch die Charaktere waren nur noch ein Abklatsch ihrer selbst. Es gab kaum lustige Dialoge, jede Szene wirkte gestellt und auch die Darsteller wirkten mitunter unmotiviert. Gerade Johnny Depp als der verrückte Hutmacher fiel weiter hinter seine Leistung von 2010 zurück und enttäuschte auf ganzer Linie. Selbst Helena Bonham Carter konnte als Rote Königin nicht mehr überzeugen. Lediglich Sascha Baron Cohen als Zeit lieferte eine gute Performance ab, was für Cohen eher untypisch ist. Zeit übernahm praktisch den Part des verrückten Hutmachers und brachte wenigsten ein wenig Witz in den Film.

Alles in allem enttäuschte der Film auf ganzer Linie und schien nur noch auf die bekannten Figuren zurückzugreifen. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Crimson Peak

Am 15.10.2015 erschien ein Drama-Horrorfilm mit Mia Wasikowska und Tom Hiddleston in den Hauptrollen in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Ende des 19. Jahrhunderts stirbt die Mutter der kleinen Edith Cushing. Doch kurz darauf taucht der Geist der Mutter immer wieder auf und warnt Edith vor einem einzigen Ort „Crimson Peak“. Jahre später, Edith versucht sich inzwischen als Autorin, trifft sie auf den charmanten Thomas Sharpe. Schnell ist Edith ihm verfallen, wäre da nicht ihr zweifelnder Vater, denn Sharpe ist komplett verarmt. Erst nach einer Tragödie heiraten die beiden und Shape nimmt Edith mit nach Schottland, nach Allerdale Hale. Dort wohnt auch Shapes Schwester Lucille. Doch in dem alten Gemäuer spukt es.

Der Film ist nicht das, was der Trailer verspricht. Wer sich auf eine romantische Geschichte mit zwei sympathischen Personen in einem Spukhaus erhofft hat, wird doch etwas enttäuscht. Nicht zwangsläufig, weil der Film schlecht ist, sondern einfach weil das Spukhaus nicht der gruselige, schaurige Part des Films ist. Denn das schaffen die Menschen in dem Film selbst. Schon am Anfang merkt man, dass mit dem Geschwisterpaar Thomas und Lucille Sharpe etwas nicht stimmen kann. Thomas gibt sich doch etwas zu interessiert an Edith und dem Vermögen ihres Vaters. Dies überspielt er mich einer Menge Charme, dem wahrscheinlich nicht nur Edith, sondern auch das halbe Publikum verfallen ist. Seine Schwester Lucille dagegen, wirkt abgebrühter und erst in den Dialogen mit ihr, fällt Thomas‘ zweites Gesicht auf. Auch nach der Hochzeit weiß man lange Zeit nicht, was für ein Spiel in Allerdale Hale gespielt wird. Thomas scheint sich zum einen gut um sie zu kümmern, ist aber auch des Nachts immer wieder verschwunden. Lucille scheint Edith hingegen von Anfang an als Eindringling wahrzunehmen. Hinzu kommt das Haus, dass von der Grundausstrahlung schon gruselig wirkt, ein Geheimnis birgt. Doch Edith kann Geister sehen. Und erkundet damit immer mehr die verborgenen Geheimnisse des Hauses.
Mia Wasikowska übernimmt die Rolle der Edith Cushing. Edith ist in gut behütetem Haus aufgewachsen mit einem erfolgreichen Vater. Daher hat es ihr nie an irgendetwas gefehlt und sie konnte sich immer ungestraft ihrer Träumerei hingeben. Nie musste sie Konsequenzen fürchten und konnte sich als Frau an einer Karriere als Schriftstellerin versuchen. Umso schneller konnte sie Sharpe verfallen, denn sie sah etwas in ihm, dass andere nicht sahen. Ebenso wie sie als einzige die Geister sieht.
Tom Hiddleston übernimmt die Rolle des Thomas Sharpe. Während selbst das Publikum am Anfang seinem Charme erliegt, zeigt er bald, dass er zwei Gesichter hat. Der perfekte Janus, so dass seine Handlungen nicht vorhersehbar sind. Schnell entwickelt man ein ungutes Gefühl bei ihm, will es aber doch nicht glauben, weil er weiterhin charmant ist. Bis zum Ende weiß man nicht, was seine genauen Absichten sind.
Jessica Chastain übernimmt die Rolle von Lucille Sharpe. Man lernt sie kennen mit ständig schlechter Laune und merkt schnell, dass sie nicht zu den Guten gehört. Sie versucht immer wieder auf ihren Bruder einzuwirken, aber will gleichzeitig an das Geld von Edith kommen. Man spürt ihre Missbilligung und den Drang ihr Heim zu beschützen vor ungewollten Eindringlingen. Doch wie tief ihre Abgründe sind, merkt man erst viel zu spät.
Wer sich wieder einmal so richtig gruseln möchte, ist bei diesem Film leider falsch. Denn die gruseligen Elemente basieren allein auf den Geistern und der Grundatmosphäre im Haus. Stattdessen wirkt es wie ein Drama, nur dass die Menschen nicht das sind, was sie vorgeben zu sein. Das Haus schafft es schnell dem Zuschauer eine leichte Gänsehaut zu verpassen. Ein großes, altes, halb verfallenes Herrenhaus, gebaut auf einer Tongrube, das gerne einmal flüssigen roten Ton „blutet“ und immer weiter versinkt. Das Dach ist in der Eingangshalle sehr undicht, was im Herbst zu Laubhaufen und im Winter zu Schneehaufen in der Eingangshalle führt. Schaurige Geräusche werden mit dem Ostwind erklärt und in den verwinkelten Gängen kann man sich gut und gerne verlaufen. Die Geister sind auch allesamt schaurig und atmosphärisch inzeniert, verlieren aber schon bald ihren Gruselfaktor, denn die Handlung wird doch allzu vorhersehbar. Gerade gegen Ende verliert sich der Film in Klitschees und lässt das große Finale im Gegensatz zum Versteckspiel vorab sehr klein und unbedeutend wirken.

Alles in allem schafft der Film es nicht als Horrorfilm, beeindruckt aber doch durch Atmosphäre und Handlungsort. Daher gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.