Nosferatu

Ein Vorwort

1922 brachte Friedrich Wilhelm Murnau eine sehr bekannte – wenn auch nicht autherisierte – Dracula-Version in die Kinos, die das Genre nachhaltig prägte. Nun nach über 100 Jahren und in Ermangelung von neuen Ideen, wurde es mal wieder Zeit für ein Remake. Ob Nosferatu der Stummfilmvariante etwas hinzufügen kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Schriftzug Nosferatu im Stil des Kinoplakats mit Kinoticket arrangiert vor einer Filmklappe und der DVD des alten Nosferatu von 1922

Die Handlung

Der Immobilienmakler Knock erhält einen Auftrag vom Grafen Orlok aus den Karpaten. Dafür schickt er seinen Mitarbeiter Thomas Hutter zum Grafen. Dieser landet nach langer Reise in der Burg und steht dem Grafen gegenüber. Dieser ist sehr an Hutters Blut und seiner Frau Ellen interessiert und unterschreibt den Immobilienvertrag. Dann reist der Graf nach Wisborg und bringt Unheil über die Stadt.

Meine Meinung

Im Rahmen meiner ersten Monsterwochen 2020 befasste ich mich mit verschiedenen filmischen Erwählungen zu den literarischen Figuren Dracula und Frankenstein. Da kam ich auch mit Murnaus Nosferatu erstmalig in Berührung, dass nur knapp seiner kompletten Vernichtung entgangen ist, da es sich doch zu offensichtlich an Bram Stokers Dracula orientierte. Die Geschichte funktionierte wunderbar als Stummfilm, da es viel auf die Wirkung der Bilder und Max Schreck als Nosferatu setzte.
Doch würde dieser Film auch mit modernen Mitteln funktionieren? Regisseur Robert Eggers hat in seiner Karriere gezeigt, dass er es versteht mit düsteren Stoffen einzigartige Geschichten zu erzählen. Sein ganz besonderer Stil nutzte er nun auch wieder bei Nosferatu und holte sich dazu einige sehr begabte Schauspielende. Das 94 Minuten lange Original wurde dabei auf 132 Minuten aufgeblasen und das dürfte wohl auch der Schwachpunkt geworden sein. Denn die Geschichte bietet nicht genügend Handlung, weswegen Szenen unnötig gestreckt werden. Allein die Reise Thomas Hutters zur Burg Nosferatus wird mit einer sehr langen Inszenierung eines Fiebertraums unterbrochen, die zwar irgendwie die Stimmung widerspiegelt, aber zeitgleich auch die Handlung nicht voran treibt. Das kann man mögen, aber es gibt dem Film keinen Mehrwert.
Dabei ist es auch hier wieder die düstere Stimmung, die den Bann des Filmes erzeugt. Warum zur Hölle Nosferatu hier unbedingt dieses Aussehen haben musste, das so gar nicht mehr dem Original entspricht, aber auch in einer Neuinterpretation der Rolle nicht funktionieren will, erschließt sich mir nicht. Denn das übrige Setdesign und die Kostüme wirken gut gewählt und die Darstellenden geben sich sichtlich Mühe ihren Charakteren den letzten Schliff zu geben. Dies funktioniert leider auch nur bedingt, aber das liegt eher am Drehbuch.
Letztlich bleibt die Frage, was das Remake bewirken wollte. Es brachte weder den Stoff auf ein moderneres Niveau, verbesserte keine alten Effekte, die damals schon wegbereitend waren, entwickelt die Handlung nicht neu, sondern erzählt die gleiche Geschichte in aufgeblasener. Damit ist der neue Nosferatu Film nicht schlecht, aber wenn ich die Wahl habe, nehme ich da doch lieber das Original.

Das Fazit

Nosferatu erzählt den bekannten Stoff mit einer gelungenen düsteren Stimmung und guten Schauspielenden erneut, schafft es aber nicht eine eigene Note einzubringen, weswegen der Mehrwert eines Remakes fehlt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Nosferatu läuft seit dem 02.01.2025 in den deutschen Kinos

Meine Monsterwochen #3: Die filmischen Anfänge

Herzlich Willkommen zum dritten Teil meiner Monsterwochen. Heute soll es um die filmischen Anfänge gehen.

Monsterwochen? Was?

Kurz gesagt, geht es hier in sechs Beiträgen um Dracula und Frankenstein in verschiedenen Interpretationen.

Okay… Und Warum?

Hey, es ist Oktober, der Horrormonat, und Dracula und Frankensteins Monster sind wohl prominente Vertreter des Genres! 

Nosferatu – Symphonie des Grauens

Ein Vorwort

1922 erschien die erste heute noch existierende Verfilmung von Bram Stokers Klassiker. Tatsächlich gab es 1921 mit „Draculas Tod“ bereits einen ungarischen Stummfilm, der allerdings als verschollen gilt. Widmen wir uns also der Version von Friedrich Wilhelm Murnau, dessen Stiftung diesen Klassiker aufbereitete und fehlende Zwischensequenzen ersetzte. Es war übrigens gleichzeitig auch mein allererster Stummfilm, weswegen ich noch aufgeregter war. 

Die Handlung

Der Häusermakler Knock (Alexander Granach) erhält einen Auftrag vom Grafen Orlok (Max Schreck) aus den Karpaten. Dafür schickt er seinen Mitarbeiter Thomas Hutter (Gustav von Wagenheim) zum Grafen. Dieser landet nach langer Reise in der Burg und steht dem Grafen gegenüber. Dieser ist sehr an Hutters Blut und seiner Frau Ellen (Greta Schröder) interessiert und unterschreibt den Immobilienvertrag. Dann reist der Graf nach Wisborg und bringt Unheil über die Stadt.

Meine Meinung

Nosferatu ist eine sehr freie Adaption des Stoffes von Stoker. Das merkt man schon daran, dass die Namen und Handlungsorte geändert und angepasst wurden. Trotzdem bleibt das Grundkonstrukt erhalten. Gerade die Reise Harkers/Hutters zum Grafen Dracula/Orlok ist sehr ähnlich. Während sie im Buch jedoch nur einen kleinen Teil einnimmt, dauert sie hier einen Großteil des Films. Umso abweichender ist der restliche Film, schließlich war keine Zeit mehr um die restlichen 400 der 500 Buchseiten zu verfilmen. Hier entfällt die Geschichte rund um Lucy Westera gänzlich. Ebenso werden die Herrschaften Arthur Holmwood und Quincey Morris vollständig gestrichen. Dr. Sewart und Dr. Van Helsing treten in Prof. Bulwer als eine Person auf, mit sehr wenig Screentime. 
Wenn man sich bewusst macht, dass es sich um eine solch freie Adaption handelt, dann funktioniert Nosferatu erstaunlich gut. Er orientiert sich an dem Grundthema des Buches, der Faszination des Grafen für Mina Harker/Ellen Hutter. Nosferatus Aussehen ist abstoßend und so sonderbar, dass er kaum für einen normalen Menschen gehalten werden kann, was die sexuelle Anziehung im Keim erstickt. Stattdessen wird sich mit Bildern und Musik auf den Horroraspekt gestützt. Das funktioniert mit den damaligen Mitteln erstaunlich gut, wohl auch weil Schreck weiß, wie er allein das Aussehen seines Nosferatus auf die Zuschauer wirken lassen muss, ohne große Gesten.

Das Fazit

Die Adaption ist sehr lose, das Grundthema nicht wirklich aufgegriffen, aber wenn man sich davon löst und den Film als frühen Vertreter des Horrorgenres annimmt, dann funktioniert er gut. 

Frankenstein

Ein Vorwort

Die Version von 1931 mit Boris Karloff in der Hauptrolle ist genau genommen nicht ganz die erste Verfilmung des Stoffes von Mary Shelley. Bereits 1910 wurde ein 13-minütiger Kurzfilm gedreht. Mit 71 Minuten ist die Version von 1931 allerdings die erste abendfüllende Verfilmung, daher will ich mich dieser widmen. Im Gegensatz zu Nosferatu befinden wir uns hier inzwischen in der Tonfilmzeit.

Die Handlung

Der junge Wissenschaftler Henry Frankenstein (Colin Clive) experimentiert abgeschieden und nur mit seinem Gehilfen Fritz (Dwight Frye) um aus menschlichen Leichen Leben zu erschaffen. Dafür besorgt Fritz ein Gehirn aus einem Vorlesungssaal. Kurz vor der Vollendung werden die beiden von Henrys Verlobter Elizabeth (Mae Clarke) und Doktor Waldmann (Edward Van Sloan), der die Vorlesung mit den Gehirnen hielt, überrascht. Sie wohnen dem Experiment bei, Waldmann ist aber besorgt, weil Fritz das Gehirn eines Mörders entwendet hat. Das Experiment gelingt und das Monster wird eingesperrt, kann aber weniger später entkommen.

Meine Meinung

Als ich die Vorlage zu Frankenstein las, war ich etwas überrascht, wie weit sie doch von meiner Vorstellung entfernt war. Das große Experiment, der Blitzschlag, alles fehlte und war in wenigen Sätzen abgearbeitet, der Gehilfe – in meiner Vorstellung der bucklige Igor – fehlte und das Monster war weniger Monster, als vielmehr einsam und durch die Abneigung der Menschen grausam geworden. Nach der Sichtung des Films weiß ich, dass dieser einfach viele Dinge abgeändert hat, die wiederum übernommen wurden und so den eigentlichen Mythos um Frankensteins Monster schufen, und nicht das Buch selbst. 
Diese Erkenntnis macht den Film gleich noch spannender, da er es geschafft hat durch seine Abweichungen und Neuinterpretationen dem ganzen eine völlig neue Richtung zu geben. Problematisch wird es allerdings dadurch, dass die grundlegende Frage des Buches wer denn nun das Monster von beiden ist, Wissenschaftler oder Kreatur, gänzlich ausgespart wurde. Stattdessen schafft Boris Karloff es, sein Monster mit einer kindlichen Naivität zu spielen, so dass die Sympathien schnell bei ihm liegen. 
Wir haben hier also eine Verfilmung die gerade wegen und nicht trotz ihrer vielen Änderungen gegenüber des Buches einen Klassiker geschaffen hat. Ob man die „Wer von beiden ist das eigentliche Monster“-Frage wirklich durch ein „Macht ein Mördergehirn einen zum Mörder“ ersetzen musste, möchte ich hier mal offen lassen. 

Das Fazit

Es wurden minimale Stellen aus dem Buch herausgegriffen und neu zusammengesetzt, ausgeweitet und dadurch wurde der heute bekannte Frankensteinmythos geschaffen. Dadurch wurde ein zeitloser Horrorklassiker geschaffen, der bis heute an vielen Stellen inspiriert.