Ein Vorwort
Die Zahl der guten und sehr hochwertigen Musicalverfilmungen ist hoch. Doch dann gab es in den letzten Jahren eben auch so Vollkatastrophen wie Cats, oder eben schlichtweg schlecht besetzte, wie Dear Evan Hanssen. Seitdem ist es gefühlt ruhig geworden an der Musicalfront. Bis 2024 dann Wicked die Kinos im Sturm eroberte. Hier passte einfach alles: Geschichte, Cast, Optik, die Lieder. Nun stand der zweite Teil an, der erstmal gegen die eigene Konkurrenz ankommen musste. Warum er das nicht ganz geschafft hat, aber doch ein toller Film ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung
Elphaba wird vom Zauberer und ihrer früheren Lehrerin immer noch überall verunglimpft und ihre Aufklärungsversuche werden manipuliert. Glinda und Fiyero stützen das Bild, auch wenn es ihnen schwer fällt. Doch zur geplanten Hochzeit der beiden taucht auch Elphaba auf und bringt Chaos. Die Freundschaft der beiden Hexen steht auf dem Spiel. Und dann taucht auch noch ein Mädchen aus Kansas auf.
Meine Meinung
Lang ersehnt und doch war die Angst groß, dass der zweite Teil nicht mit dem ersten mithalten kann. Hatten wir das gleiche Phänomen doch erst bei Dune, wo der zweite Teil auch nur an dem direkten Vergleich zu seinem eigenen Vorgänger schwächelte. Und Wicked war einfach ein 10/10 Film.
Aber beginnen wir am Anfang. Ein Jahr ist seit dem ersten Teil vergangen und Elphaba ist beschäftigt auf überwiegend friedliche Art zu zeigen, dass der Zauberer lügt, während Glinda und Fiyero mitten in der Propagandmaschinerie von eben jenen sind. Hin und her gerissen zwischen den Gefühlen zu ihrer besten Freundin, sieht Glinda sich dennoch in der Aufgabe das Volk ein gutes Vorbild zu geben. Fiyero ist da schon weniger überzeugt, nutzt aber seine Stellung, um Elphaba vor allen anderen zu finden.
Mitten in diesem Szenario haben wir erneut das Thema der Tiere, die hier lieber in eine ungewisse Zukunft fliehen, als länger gegen die Propaganda anzukämpfen, die sie als das ultimative Böse brandmarken. Und auch hier ist die Thematik leider aktueller denn je, denn der Kampf gegen Rassismus ist gefühlt ein Kampf gegen Windmühlen und die Energie und die Angst vor dem Widerstand sind groß.
Gehen wir weiter zu Nessarose, die verzweifelt versucht nicht mit ihrer Schwester verglichen zu werden und daher die Erlasse des Zauberers mit größtem Vergnügen umsetzt. Enttäuscht von ihrer großem Liebe Moq, sucht sie alle Schuld in Elphaba. Die gibt ihr jedoch einen guten Moment. Und hier ist ein gutes Beispiel für kleine Änderungen, die eine Menge ausmachen. Denn während im Original Elphaba die Schuhe der Schwester so verzaubert, dass sie „wieder laufen kann“, wurde hier die Magie genutzt, um sie schweben zu lassen, so dass sie wieder einen besonderen unbeschwerten Moment erleben kann. So wurde der Ableismus gekonnt rausgenommen, ohne die Aussage zu verändern.
Und auch, wenn hier wieder einiges richtig gemacht wird und die Handlung sich nach und nach weiter zusammenfügt, so haben wir leider auch Schwächen. Das beginnt schon bei dem sehr gehetzt wirkenden Ton. Denn durfte der erste Teil noch 160 Minuten gehen, haben wir hier eine Lauflänge von 138 Minuten für aber viel mehr Themen und Handlungsorte. Da kamen manche Szenen dann doch zu kurz und logische Entwicklungen wirkten sehr gezwungen. Andererseits war es auch gut, dass sich an anderen Stellen mehr Zeit genommen wurde. So bekommt hier Glinda viel mehr Tiefgang, da wir ihre Erziehung kennenlernen und verstehen, wieso sie Entscheidungen trifft, wie sie sie trifft.
So hat auch For Good wieder einige gute Änderungen drin, kommt mit ausdrucksstarken Stimmen daher und hat eher das Problem, dass die Handlung generell an zu viele Stellen springt und daher nicht mehr den lockeren Fluss des ersten Teils hat. So ist es weiterhin ein starker Film, ein tolles Musical und lebt vom tollen Cast, hat aber einfach zu viel zu erzählen. So ist gerade der finale Wandel von Elphaba, so wie er erzählt wurde, nicht nachvollziehbar und auch das Ende lässt Fragen offen. Wie gesagt, er steht einfach nur im Schatten seines eigenen Vorgängers.
Das Fazit
Wicked: For Good hat die üblichen Schwierigkeiten einer zweigeteilten Handlung und steht im Schatten des eigenen ersten Teils. Dennoch wird hier vieles Richtig gemacht und der Film kann mit Cast, Liedern, Optik und auch der Handlung überzeugen, wobei die einige Stolpersteine überspringt, dennoch leicht gehetzt wirkt und daran am meisten krankt. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.
Wicked: For Good lief seit dem 21.11.2025 in den deutschen Kinos