Verpasst im Januar 2017

Hallo ihr Lieben,
2017 ist gestartet und auch hier ist schon wieder ein ganzer Monat vorbei. Auch diesmal hab ich es wieder nicht geschafft alle Filme zu sehen, die mich interessieren und daher hier wieder die altbekannte Übersicht meiner verpassten Filme:

1) Hell or high water: Angekündigt als ein moderner Western (was grundsätzlich nicht mein Lieblingsgenre ist), aber dann mit vielen positiven Kritiken überschüttet und Oscaranwärter.

2) Why him?: James Franco ist in den letzten Jahren zusammen mit Seth Rogen eher dafür bekannt geworden, unlustige und übertriebe Komödien zu machen. Nun ist Franco wieder in einer zu sehen, allerdings diesmal mit Bryan Cranston an seiner Seite. Was dabei herauskam, möchte ich gerne noch wissen.

3) Manchester by the Sea: Bei den Golden Globes bereits gut ausgezeichnet und auch Oscaranwärter. Bei mir steht der Film noch vor der Verleihung auf dem Plan.

4) Hacksaw Ridge – Die Entscheidung: Ein junger Mann wird an die Front gerufen, doch er weigert sich jemanden zu töten. Stattdessen rettet er seinen verwundeten Kameraden das Leben. Oscaranwärter und auch noch auf meiner Liste.

5) Jackie: Die Geschichte von Jackie Kennedy, die mit ansehen muss, wie ihr Mann erschossen wird und dann so im Medienrummel steht, dass sie keine Zeit hat richtig zu trauern. Natalie Portmann ist für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.

6) Kundschafter des Friedens: Eine Reihe ehemaliger DDR-Spione werden vom BND um Hilfe gebeten. Der Trailer hat mich bereits gut zum Schmunzeln gebracht und ich bin gespannt, ob der Film noch mehr schafft.

Cinemathek: Café Society

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Café Society. Der Film lief ursprünglich ab dem 10.11.2016 in den deutschen Kinos.

In den 1930er Jahren versucht der junge Bobby zunächst in Hollywood und später in New York seinen Weg zu finden. Doch auf seinem Weg trifft ihn die Liebe.

Hollywood in den 1930er Jahren, das goldene Zeitalter. Filmpläne werden auf rauschenden Partys besprochen und es ist ein reines Sehen und Gesehen werden. Genau in diese Zeit entführt uns Woody Allen mit seinem neuen Film.
Bobby will nicht in das Geschäft seines Vaters einsteigen und verlässt daher New York und zieht nach Los Angeles. Auf Bitte seiner Mutter nimmt sein Onkel Phil ihn ein bisschen unter seine Fittiche. Phil führt eine erfolgreiche Casting-Agentur in Hollywood und hat wenig Zeit für Bobby. Dieser verliebt sich in Phils Sekretärin Vonnie, die ihm die Stadt zeigt. Nach anfänglichem Zögern erwidert sie seine Gefühle. Doch es gibt kein Happy-End für die beiden und nach einer Entscheidung Vonnies kehrt Bobby dem Leben in Los Angeles den Rücken zu und kehrt nach New York zurück. Dort eröffnet er mit Hilfe seines Bruders Ben, der viel Geld durch kriminelle Machenschaften verdiente, einen Club, der sehr schnell sehr bekannt wird. Doch Vonnie kann er nicht vergessen.
Café Society ist ein Film, der praktisch ohne große Aussage bleibt. Auch ist es schwierig eine Handlungszusammenfassung zu schreiben, weil der Film gemütlich vor sich hin plätschert und eher ein Gefühl als eine Handlung vermittelt. Grundsätzlich wird der Kontrast zwischen Los Angeles bzw. der schillernden Welt von Hollywood und New York und deren Gangsterszene dargestellt, obwohl beide Seiten gleichwertig und urteilsfrei dargestellt werden. Hollywood wird immer sonnig und in eher goldenen Farbtönen dargestellt. Hier werden viele Partys gefeiert, auf der sich alles was Rang und Namen in der Filmbranche hat, trifft. Es lockt das große Geld mit scheinbar wenig Aufwand. New York wird im starken Kontrast dazu eher grau dargestellt. Hier gibt es weniger Gartenpartys, hier leben eher die echten Arbeitstiere. Die Grundeinstellung ist hier: Wer sich anstrengt, kann es ganz nach oben schaffen. Unser Protagonist Bobby stolpert im Laufe des Films in beide Leben einmal hinein. Während sein Onkel Phil in Hollywood voll und ganz aufgeblüht ist, findet er seinen Weg eher in New York.
So plätschert die Handlung vor sich hin, beschäftigt sich mit Phil und seinen Geschäften in Los Angeles, beschäftigt sich mit Ben, Bobbys Bruder, und seine kriminellen Machenschaften in New York und vor allem mit unserem Protagonisten Bobby und seiner großen Liebe Vonnie, zeigt uns von allen Seiten das Leben zu der Zeit. Der Film möchte auch gar nichts groß aussagen. Er möchte einfach nur einen Querschnitt durch die Zeit machen. Und mit seiner gemütlichen Art und dem Witz an angebrachten Stellen schafft er es auch den Zuschauer irgendwo abzuholen und 96 Minuten zu unterhalten. Ein Film für Kinogänger, die einmal wenig Action und trotzdem nicht viel nachdenken wollen, sondern sich einfach nur an eine ganz andere Zeit zurückdenken wollen.
Mit einem guten Cast u.a. mit Steve Carell und Jesse Eisenberg lässt sich der Film gut angucken. Lediglich Kristen Stewart sticht einmal mehr negativ hervor, da ein Gesichtsausdruck auch für diesen Film nicht ausreicht.

Alles in allem ein sehr ruhiger Film, der lediglich von der Zielgruppe der ruhesuchenden Kinogänger angesehen werden sollte. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Split

Am 26.01.2017 erschien ein Thriller über DIS in den deutschen Kinos.

Kevin hat eine dissoziative Identitätsstörung (DIS). Das bedeutet, dass 23 verschiedene Persönlichkeiten in seinem Körper wohnen und ans Licht treten können. Eines Tages entführt eine dieser Persönlichkeiten drei Mädchen und sperrt sie ein. Sie sollen vorbereitet werden auf die Ankunft “der Bestie”. Schnell erkennen Sie, dass sie nicht immer mit der gleichen Persönlichkeit sprechen und versuchen dies für ihren Fluchtversuch zu nutzen.

Schizophrenie ist vielen ein Begriff, DIS dagegen eher nicht. Ursachen können traumatische Erlebnisse in der Kindheit sein. Wie geht man mit diesen verschiedenen Persönlichkeiten um? Und was passiert, wenn mindestens eine ein Eigenleben entwickelt und damit eine Gefahr für Andere wird?
Kevin war einst ein ganz normaler Junge, der unter seiner zu strengen Mutter litt. Diese traumatischen Erlebnisse sorgten dafür, dass er immer mehr verschiedene Persönlichkeiten entwickelte, die nun versuchen Kevin in seinem Körper zu beschützen. Verfolgt wird das Phänomen von seiner Psychiaterin Dr. Fletcher, die ihn inzwischen so gut kennt, dass sie anhand seines Auftretens weiß, mit welcher Persönlichkeit sie gerade spricht. Meistens wird sie besucht von Kevin in Form von Barry, einem Modedesigner. Doch eines Tages entführt die Persönlichkeit Dennis drei Mädchen und sperrt sie ein seiner Wohnung ein. Während Claire und Marcia hysterisch versuchen irgendeinen Fluchtplan zu finden, ist Casey merkwürdig ruhig. Durch Einblicke in ihre Vergangenheit versteht man auch schnell wieso. Doch warum entführte Dennis die Mädchen? Und kann Hedwig, die Persönlichkeit eines 9-jährigen Jungen, ihnen bei der Flucht helfen?
In Split werden natürlich nicht alle 23 verschiedenen Persönlichkeiten, die in Kevins Körper wohnen, gezeigt. Das hätte auch den Rahmen gesprengt. Länger gezeigt werden Barry, der Modedesigner, Kevin, der einen Ordnungstick hat, Hedwig, ein 9-jähriges Kind und Patricia, die gute Seele des Hauses. Weitere drei Persönlichkeiten werden kurz aufgezeigt. Hier zeigt James McAvoy sein ganzes schauspielerisches Talent. Er schafft es seine Gestik und Mimik für jede Persönlichkeit zu ändern, so dass man als Zuschauer auch schnell erkennt, wen man gerade vor sich hat, ohne dabei ins Overacting zu verfallen. Visuell unterstützt wird der Wechsel der Persönlichkeit meistens durch den Wechsel der Kleidung. Doch auch wenn dies in einer Szene nicht möglich ist, oder bewusst ein anderes Outfit zur Verwirrung genutzt wird, erkennt man an McAvoys Schauspiel sofort welche Persönlichkeit er gerade darstellt. Und genau von diesem Talent profitiert der Film. Denn ohne überzeugendes Schauspiel des Protagonisten wäre Split wohl kaum ein so überzeugender Film geworden.
Split bringt das Spannungslevel schnell auf ein hohes Niveau. Dennis entführt die Mädchen und keiner weiß, wieso er das tat und welches Ziel er verfolgt. Durch die Fluchtversuche der Mädchen gibt es immer wieder Spannungsnachschub, ebenso entdeckt der Zuschauer nach und nach die verschiedenen Persönlichkeiten in Kevins Körper. Das Ende wird dann noch einmal zu einer Zerreißprobe für die Nerven, geht aber leider auch einen Schritt zu weit und zerstört die vorher aufgebaute Atmosphäre. Denn vorher wurde der Film sehr ernst und wissenschaftlich gehalten, als könnte das alles so wirklich passieren. Aber das Ende ist dann doch einen Schritt zu abgefahren, um noch in die Erklärungen zu passen.
Während Kevin als Protagonist ausführlich vorgestellt und analysiert wird, bleiben die meisten anderen Charaktere sehr blass. Casey wird noch ein bisschen näher beleuchtet und ihre Vergangenheit erklärt und wieso sie sich verhält, wie sie sich verhält. Dennoch wird auch hier einiges offen und Raum für Interpretationen gelassen. C und Marcia stellen die typischen beliebteren Mädchen vor, die sich gerne modisch kleiden und in so einer Situation kaum mehr als Jammern, Kreischen und Heulen können. Daher werden ihre Rollen auch nicht näher analysiert. Als vierte größere Rolle ist Betty Buckley als Dr. Fletcher zu sehen, Kevins Psychiaterin. Auch ihre Beweggründe werden erwähnt, aber nicht groß ausgeführt. Split konzentriert sich wirklich hauptsächlich auf Kevin.

Alles in allem ist Split eine interessante Charakterstudie in Form eines Thrillers. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Mein Blind Date mit dem Leben

Am 26.01.2017 erschien ein deutscher Film über das Erfüllen von Träumen auch mit Behinderung in den deutschen Kinos.

Saliya Kahawatte steht kurz vor seinem Abitur, als er durch eine Netzhautabtrennung 95% seines Sehvermögens verliert. Trotzdem lässt er sich nicht unterkriegen, schafft sein Abitur und möchte nun seinen Traum erfüllen und Hotelfachmann werden. Doch aufgrund seiner Behinderung nimmt ihn kein Hotel. Also bewirbt er sich beim Bayrischen Hof, einem 5-Sterne-Luxus-Hotel, und verschweigt seine Behinderung einfach. Doch wie schafft man es zu verheimlichen, dass man nur 5% seiner Umgebung sehen kann?

Dass Menschen mit Behinderungen großartiges leisten können, ist inzwischen sehr bekannt. Sei es auf sportlicher Ebene, wie regelmäßig die Paralympics zeigen, oder auf geistlicher Ebene, wie beispielsweise Stephen Hawking zeigt. Doch wie schafft man es den ganz normalen Alltag mit einer Behinderung zu meistern? Und muss man automatisch auf alle seine Träume verzichten?
Saliya Kahawatte hat nur einen Traum: Er möchte nach seinem Abitur unbedingt in einem Hotel lernen. Doch mitten im Abitur bemerkt er plötzlich immer mehr verschwommene Flecken in seinem Blickfeld. Eine Untersuchung ergibt, dass Saliya einen angeborenen Sehfehler hat, der nun dazu beigetragen hat, dass sich die Netzhaut abgetrennt hat. Eine Notoperation soll zumindest noch einen gewissen Prozentsatz seines Sehvermögens retten. Am Ende bleibt ihm eine Sehkraft von 5%. Damit kann er sehr stark verschwommen gerade einmal Umrisse seiner Umgebung erkennen. Doch Saliya ist ein Kämpfer und lässt sich davon nicht unterkriegen. Mit Hilfe seiner Schwester und der Toleranz seiner Lehrer schafft er sein Abitur. Doch nun steht er vor dem nächsten großen Problem. Wie soll er mit 5% Sehvermögen seinen Traum in einem Hotel zu lernen wahr machen? Und so flattern eine Absage nach der nächsten ins Haus, egal wie viele Bewerbungen Saliya auch schreibt. So beschließt er das unmögliche zu versuchen. Er bewirbt sich in München am Bayrischen Hof und lässt seine Behinderung unerwähnt. Und schon bekommt er ein Vorstellungsgespräch. Mit viel Vorbereitung besteht er auch dieses und ist von nun an auf sich alleine gestellt. Eigene Wohnung, die Ausbildung und keiner darf merken, dass er nichts sehen kann. Schnell findet er einen guten Freund in der Ausbildung, der ihm von nun an mit Tat und Rat zur Seite steht. Doch die Ausbildung ist schon für Leute mit vollständigem Sehvermögen sehr schwer durchzuhalten.
Mein Blind Date mit dem Leben basiert auf den wahren Ereignissen und dem Leben von Saliya Kahawatte. Die Möglichkeiten, die er ausschöpft, um sich durch die Ausbildung zu mogeln sind faszinierend. Trotzdem verläuft die Handlung selbst sehr nach dem altbekannten Schema ab. Ein Problem taucht auf, dass wird mit aller Macht versucht zu bekämpfen oder es wird zumindest versucht damit zu leben, doch dann nehmen die Hindernisse immer mehr Überhand, bis alles eskaliert und hinterher die Scherben wieder aufgesammelt werden müssen. Dieser Ablauf ist altbekannt, aber der Film konzentriert sich auch viel mehr auf Menschsein. Wie gehen Menschen mit einer Behinderung um, wie gehen sie damit um, wenn sie erfahren, dass jemand den sie kennen eine Behinderung hat. Bekommt man ewig eine Sonderbehandlung und wenn nicht mit welchen Mitteln muss man sich dann durchbeißen? Das faszinierende am Film ist hier, wie Saliya immer wieder neue Methoden findet, um Sachen durch Fühlen, Riechen und Tasten zu erlernen. Wie er Schritte zählt, um Abstände herauszufinden, und dabei so souverän geht, wie manch einer mit normalem Sehvermögen nicht.
Kostja Ullmann schlüpft ja gerne einmal auch in Rollen, die einen Migrationshintergrund haben, wie zuletzt auch in Drei Türken und ein Baby, in dem er einen Türken spielte. Er selbst ist in Deutschland geboren, aber seine Mutter ist ursprünglich Inderin. So war er die passende Besetzung für die Rolle des Saliya Kahawatte, dessen Vater Singhalese ist. Auch spielt Ullmann seine Rolle sehr souverän und bringt so das Leid und den Traum Saliyas dem Zuschauer nahe.
Der Film schafft es die Thematik Leben mit einer Behinderung respektvoll aufzugreifen und trotzdem einige humorvolle Momente einzubauen. So wird dem Zuschauer vermittelt, dass das Leben oder auch eine normale Ausbildung zu machen erschwert wird, eine Behinderung aber kein Grund ist das Leben nicht mehr in vollen Zügen zu genießen und seine Träume zu leben. So geht man am Ende des Films mit einem positiven Gefühl aus dem Kinosaal.

Alles in allem ist Mein Blind Date mit dem Leben eine gefühlvolle Komödie zu schaffen, die aber durch das typische Schema etwas zu vorhersehbar wurde. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.