Herbstzeit = Crimezeit – Ausgabe 2021

Ähnlich wie für mich zum Sommer meine Sommerlektüren gehören, gehören für mich zum Herbst Crimeserien. Wie jedes Jahr stelle ich euch also hier meine Neuentdeckungen seit vergangenem Herbst vor.
Für mich macht eine gute Crimeserie aus, dass sie erinnerungswürdige Charaktere und  intelligente Fälle hat, sehr gerne nach dem „Mord der Woche“-Prinzip. Wenn ihr Empfehlungen für mich habt, sehr gerne her damit! Ich habe nämlich das Gefühl, dass das Genre langsam ausstirbt und nur noch die angefangenen Serien beendet werden, aber wenige neue erscheinen. 

Balthazar – Staffel 1*

Die Handlung: Raphael Balthazar (Tomer Sisley) ist Gerichtsmediziner. Er assistiert Captain Helene Bach (Helene de Fougerolles) und ihrem Team am Tatort und führt mit seinem Team dann die Obduktionen durch. Doch sein scharfer Verstand und seine stummen Dialoge mit den Opfern führen dazu, dass er auch bei den Ermittlungen mithilft und meist die zündende Idee hat.

Meine Meinung: Einen ausführlichen Beitrag habe ich euch bereits geschrieben, ihr findet ihn hier. Kurzzusammengefasst ist die Serie durch den französischen Charme sehr erfrischend, hat spannende Fälle und ein großes Geheimnis im Hintergrund. Schade, dass die Nebencharaktere sehr blass bleiben.

The Mentalist – Staffel 1-4

Die Handlung: Patrick Jane (Simon Baker) war jahrelang als Medium unterwegs und zockte ahnungslose Kunden ab. Als er sich bei einem Fernsehinterview mit dem Serienkiller „Red John“ anlegt, tötet dieser seine Frau und seine Tochter. Daraufhin hängt er den Mentalistenjob an den Nagel und arbeitet jetzt als Berater beim CBI. Dort stößt er mit seiner selbstherrlichen Art und bewusst anderen Art zu denken an, hat aber eine hohe Verbrechensaufklärungsrate.

Meine Meinung: Eine Crimeserie, die bisher komplett an mir vorbeiging, obwohl sie schon ein paar Jahre auf den Buckel hat und sich auch einiger Beliebtheit erfreute. Doch irgendwie fand ich keinen Zugang zur Serie, bis ich letztes Jahr dasaß und unbedingt meine Herbstcrimeserie brauchte. Also wagte ich doch mal einen Blick und wurde positiv überrascht. Wir haben hier das klassische Team mit Teresa Lisbon (Robin Tunney) als Leiterin der Einheit. Unterschied ist hier schon, dass die Ermittlungen nicht von einem direkten Polizeidepartement durchgeführt werden, sondern vom CBI, also einer übergeordneten Einheit für Kalifornien. An Janes Art muss man sich gewöhnen, für den Zuschauer ist sie wahrscheinlich wesenlich amüsanter als für seine Kolleg*innen. Die Fälle sind durchwachsen, manche spannender als andere, aber durch das Mörder of the Week Prinzip, ist für jeden etwas dabei.
Lediglich die übergeordnete Geschichte rund um Red John, auch wenn sie am Anfang noch spannend war, wird irgendwann nur noch nervig. Klar brauchte Jane mit seinem brillianten Verstand einen würdigen Gegner, aber nicht in jeder Staffel wieder. Ab Staffel 5 wurde es mir dann auch etwas zuviel, weswegen ich eine Pause von der Serie genommen habe, die noch andauert. Vielleicht sehe ich irgendwann mal weiter.

Miss Fishers neue mysteriöse Mordfälle – Staffel 1

Die Handlung: Peregrine Fisher bekommt überraschend das Erbe ihrer Tante Phryne, die sie nie kennengelernt hat. Dabei lernt sie die Damen aus dem Club der Abenteurerinnen kennen. Kurzentschlossen will sie in die Fußstapfen ihrer Tante treten und versucht sich als Privatdetektivin. Hilfe bekommt sie von Detective James Steed.

Meine Meinung: Spin-off der beinahe gleichnamigen Serie. Statt in den 1920er Jahren, befinden wir uns inzwischen in den bunten 1970er Jahren. Hier wird zugleich der Club der Abenteurerinnen vorgestellt, der in der Originalserie keine Erwähnung fand, aber anscheinend eine große Rolle in Phrynes Leben spielte. Daran und auch an die neue Protagonistin Peregrine musste ich mich eine Doppelfolge lang gewöhnen. Danach hatte mich die Serie für sich gewonnen. Mit 8 Episoden á 4 Doppelfolgen ist die Staffel modern kurz gehalten. An die Doppelfolgen musste ich mich zwar auch gewöhnen, da eine Folge so Spielfilmlänge hat, was sich natürlich auf die Dynamik auswirkt.
Ansonsten weichen die Fälle gerne mal ein bisschen von der Norm ab und natürlich ist es hier gerade das Zusammenspiel aus Peregrine, James Steed und den anderen Abenteurerinnen, die eine ganz besondere Mischung bilden und der Serie unglaublich viel Charakter verleihen. Das ganze eingebetet in das Australien der 1970er Jahre gefällt mir fast noch besser als die Oriignalserie.

True Detective – Staffel 3

Die Handlung: 1980 werden die Detectives Wayne Hays (Mahershala Ali) und Roland West (Stephen Dorff) zu einem Entführungsfall gerufen. Die Kinder von Tom Purcell (Scoot McNairy) sind abends nicht heimgekehrt. 10 Jahre später wird der Fall mit neuen Beweisen neu aufgerollt. Weitere 25 Jahre später befasst sich Wayne Hays durch ein Fernsehinterview erneut mit dem Fall.

Meine Meinung: Nach einer starken ersten Staffel, gab es die zweite, die vom Stil her sehr anders war und eher durch den namenhaften Cast überzeugen konnte. Lange Zeit habe ich die Serie ruhen lassen, doch jetzt wollte ich der dritten Staffel nochmal eine Chance geben. Da es sich um eine Anthologie handelt, haben wir hier einen neuen Fall, neue Charaktere und auch neue Darsteller. Besonders gefreut habe ich mich über Mahershala Ali, da ich ihn als Schauspieler sehr gerne sehe. Wie schon in der ersten Staffel wird die Serie über drei Zeitebenen erzählt. Hier wird mit Alterungstechniken gearbeitet, da die Darsteller*innen über die Zeitebenen nicht gewechselt werden. Im Gegensatz zu meinen sonstigen Crimeserien handelt es sich hierbei um einen Fall über die ganzen acht Folgen. Ich merke wieder, warum ich das Prinzip nicht mag. Zwar wird hier noch versucht zusätzliche Handlung und Spannung durch die verschiedenen Zeitebenen einzubringen, dennoch zieht sich die Serie. Das war in Staffel 1 irgendwie noch besser gelöst. Zeitgleich ist es fast auch gut, dass sich die Serie Zeit lässt, so können verschiedene Thematiken mit beleuchtet werden, wie Rassismus und Vorurteile.

Habt ihr eine Serie davon gesehen? Wie fandet ihr sie?

*Balthazar Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Balthazar

Ein Vorwort

Dass ich Krimiserien mag, dürfte, glaube ich, bekannt sein. Leider scheint der Crimehype der letzten Jahre nachgelassen zu haben, so dass nur noch selten neue Serien erscheinen. Auch wenn auf diversen TV-Sendern noch die immer gleichen Folgen wiederholt werden, gibt es doch wenig neues, vor allem nicht mit dem „Mordopfer der Woche“-Prinzip. Als ich dann von einer relativ neuen französischen Crimeserie hörte, war ich skeptisch. Crime klang toll, aber französisch? Warum mich die Serie dann doch überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Raphael Balthazar (Tomer Sisley) ist Gerichtsmediziner. Er assistiert Captain Helene Bach (Helene de Fougerolles) und ihrem Team am Tatort und führt mit seinem Team dann die Obduktionen durch. Doch sein scharfer Verstand und seine stummen Dialoge mit den Opfern führen dazu, dass er auch bei den Ermittlungen mithilft und meist die zündende Idee hat.

Meine Meinung

Balthazar erinnert vom Hauptcharakter ein bisschen an The Mentalist. Zwar hat Balthazar nicht die gleichen Menschenkenntnisse und Manipulationsfähigkeiten wie Patrick Jane (Mentalist), aber sie haben die gleiche arrogant besserwisserische Art. Das funktioniert auf der Leinwand ganz gut, im wahren Leben möchte man aber doch mit beiden nicht zusammenarbeiten. Balthazar versucht das aber noch durch seinen französischen Charme wieder wett zu machen.
Darauf baut auch die Serie auf. Wir haben ein sehr kleines Team und über die wenigsten erfährt man wirklich etwas. Die Handlung wird hauptsächlich um die Fälle und Balthazar gesponnen. Wir erleben ihn regelmäßig in den Gesprächen mit den Opfern bei den Obduktionen, oder aber zu Hause, wo er noch immer mit seiner vor Jahren ermordeten Freundin spricht. Ihr Mord, bzw. ein weiterer Fall mit ähnlicher Markierung lässt Balthazar die Suche nach dem Mörder wieder aufnehmen, obwohl damals bereits jemand verurteilt wurde. Dies macht er aber auf eigene Faust.
Neben Balthazar bekommt auch Captain Bach ein wenig Raum, um ihren Charakter auch über die Ermittlungsarbeit hinaus zu entfalten. Hier wird der Fokus jedoch eher auf ihre angespannte Familiensituation gelegt. Wir haben hier als Gegenstück zu Balthazar eine wunderbar geerdete Ermittlerin, die mit der Bürokratie zu kämpfen hat und gleichzeitig versucht sich von Balthazar nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen. Sie wirkt zwar etwas mürrischer, aber nach ca. einer Folge hat man sich an ihre Art gewöhnt.
Die erste Staffel umfasst sechs Episoden von ca. 50-60 Minuten Länge. Damit sind die Folgen etwas länger als der Crimedurchschnitt, was dazu führt, dass es immer noch eine zusätzliche Wendung am Ende gibt. Funktionierte bei den bisherigen Folgen ganz gut, ob es das wirklich bräuchte, darf jeder selbst entscheiden. Wichtig ist aber, dass bisher alle Folgen spannend sind, auch nochmal ganz neue Mordfälle bieten und man halt auch mit Paris einen ganz neuen Handlungsort hat. Dabei werden aber nicht die klassischen Ansichten abgefrühstückt, ich kann mich nicht daran erinnern auch nur einmal den Eifelturm gesehen zu haben. Trotzdem gibt es so typisch französische Klischees, die bedient werden, z.B. werden Besprechungen gerne mal in Cafés vorgenommen, statt im Büro.
Grundsätzlich kann man sagen, dass Balthazar das Rad nicht neu erfindet, man mit ihm als Charakter klar kommen muss, was i.d.R. leicht sein dürfte, und trotzdem frischen Wind ins Crimegenre bringt. Bei der zweiten Staffel bin ich auch gerne wieder mit dabei.

Das Fazit

Balthazar ist an sich eine klassische Crimeserie mit Ermittlerduo, punktet aber durch eine unkonventionelle Ermittlungsarbeit, starker Frauenfigur und spannenden Fällen. Für jeden Crimefan auf jeden Fall ein Blick wert.

Balthazar ist seit dem 13.11.2020 auf DVD erhältlich

Balthazar Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.